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Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 17
Hessen und Nachbargebiete.
Gießen und Umgebung.
Der Lebensmittelspekulant. Er kennt nur eines: den Profit. Er macht bei allem seinen Schnitt. Er preist den Krieg mit Herz und Mund, Der Lumpenhund.
Die Ware steigt auf sein Geheisch.
Die Viktualien und das Fleisch,
Sie nähren er st die Lebensfunz Des Lumpenhunds.
Den Markt beherrscht sein Tatendurst. Das Volkswohl ist ihm gänzlich wurst. Dafür schwillt Bauch und Beutel rund
Dem Lumpenhund.
Ja, Michel, warum zagst du nur? ö Nimm ihn doch endlich in die Kur Und hau' ihn bis zum Seelenschwund, Den Lumpenhund. Gideon Gum(Simpl.)
Die Stadt der Zukunft.
Die durch die Technik des Weltkrieges hervorgerufene Be— drohung der menschlichen Wohnsitze hat den satirisch veranlagten französischen Journalisten Joseph Galtier veranlaßt, ein Bild der Städte zu entwerfen, wie sie, nach seiner Ansicht, die Zukunft verlangt.
„Die Oberfläche der Erde genügt der menschlichen Tätigkeit nicht mehr. Bisher liebten die Menschen das Tageslicht so sehr, daß nichts so schrecklich schien wie eine Trennung von Licht und Sonne. Das Leben spielte sich im Freien ab; die Menschen be— durften des lachenden Himmels, der in den Aether gereckten Berge und der vom Sonnenlicht vergoldeten Ebenen. Nur das finstere Reich der Toten wurde unter die Erde verwiesen.
Nun hat sich all dies geändert. Der Mensch begnügt sich nicht mehr mit seinem einstigen Wirkungskreis; es ist, als sei er der freien Luft überdrüssig geworden. Die großen Weltstädte haben einen Teil ihres Verkehrs unter die Straßen verlegt. Und heute sehen wir, daß der blutige Kampf einem unterirdischen Ringen gleichkommt. Auch der Krieg gräbt sich in die Erde und sucht sich verborgene Wege und Schlupfwinkel. Das Schlachtfeld ist kein offener Raum mehr, wo der Tod unter der Wölbung des Himmels Ernte hält. Der Krieg von heute bohrt sich in die Tiefe, wirft die Erde auf, und wenn der Sturm von Eisen und Feuer vorüber ist, nehmen die siegreichen Truppen nichts als Ruinen in Besitz.
Aber dieselbe Zeit, die die Menschen in die Tiefen der Erde drängt, treibt sie auch in die Höhe, dem Himmel entgegen. Wolken von Flugzeugen beleben den Aether, um den Städten Vernichtung zu bringen. So verlangt die Zeit gebieterisch die Schaffung einer neuen Architektur. Die neuen Generationen bedürfen neuer Wohn-
stätten. Unsere Häuser genügen nicht mehr den Lebensbedingungen von heute. Die modernen Baumeister werden sicherlich die Form
der Architektur finden, die den neuen Erfordernissen entspricht Wir werden bombenfeste Dächer haben, die vor allem gefeit sind, was vom Himmel fällt und nicht mehr Manna ist. Die Dächer werden terrassenförmig angelegt sein und numerierte Schuppen tragen, in denen die Flugzeuge der Mieter aufbewahrt sind.
Die unterirdischen Räumlichkeiten werden nicht weniger sicher und bequem angelegt sein wie die sonstigen Wohnungen. Wir haben das klägliche Ende dessen, was man Keller nannte, miterlebt. So⸗ lange man darin bloß Wein aufbewahrte, ging es noch. Aber seit der Keller der Treffpunkt der Familien geworden ist, seit er der Tummelplatz der Kinder, der Ruheort der Eltern ist, seit man von ihm alle Eigenschaften des Eß⸗ und Schlafzimmers verlangt, mußte man erkennen, daß die Baumeister dies alles nicht bedacht haben. Sagen wir es rund heraus: unser Keller ist unbewohnbar. Noch gestern war er so gut wie nichts, aber schon morgen wird er sehr viel bedeuten. Dies ist eins der großen Probleme für die Bau— meister der Zukunft. Künftig werden die Keller Zimmer, Bade— stüben und Küche enthalten. Und die Fußsteige der Zukunftsstadt werden unter der Erde zu den Kellertoren führen. Ja die Städte werden doppelt gebaut sein: man wird ebenso unter der Erde leben wie auf ihr.
„Und die Denkmäler?“ fragt man,„wird man auch künftig wagen, sie frei aufzustellen?“
Je nun— die Künstler werden wohl darauf verzichten müssen, Denkmäler zu schaffen.“
„Gute Leute... Bitte schonen!“
Truppen, die zu Beginn des Krieges hinter der ersten Flutwelle durch belgische und französische Dörfer und Städte zogen— so schrebt tief empört ein verwundeter Unteroffizier, Inhaber des Eisernen Kreuzes, unserm Kölnischen Bruderblatt— fanden auf
Tlrren und Feusterläden oft eine Aufschrift:„Gute Leute. Bitte schonen!“ Oder:„Hier wohnen friedliche Leute“. Oder:„Gute
Leute, geben alles für die Soldaten...“ Angst, Not und Sorge batten den Leuten die Kreide in die Hand gedrückt und sie in mehr oder minder fehlerhaftem Deutsch diese Worte hinkritzeln lassen, zur Vesänftigung des„barbarischen Eroberers“.
Man war draußen, und wenn man sich Zeit zum Nachdenken ließ, bewunderte man alles, was mit unsrer ungeheuren Volkskraft zusammenhing: den deutschen Generalstab, die vollendete Bereit⸗ schaft, die beispiellose Organisation auf allen Gebieten, unsere nie geahnte wirtschaftliche, industrielle und finanzielle Kraft. Draußen erging es uns nicht schlecht, und wir wußten, daß auch in Deutsch⸗ land„alles in Ordnung“ war. Der Feind war nicht im eignen Lande. Aber: Ob wir durchhalten könnten? Abgeschnitten von jeder Zufuhr? Bange Sorge: Wie wird die nächstjährige Ernte ausfallen?—— Man ist wieder in Deutschland. Tränen schossen einem in die Augen, als man wieder deutschen Boden betrat. Dieses herrliche, blühende, sommerlich stvahlende Land! Dieses einzige Land, das Tausendfaches erlitten und Millionenfaches noch über⸗ dauern wird.
Man sieht näher zu— und der Ekel fällt einen an. Drei Tage, und man spürt, wie man langsam vergiftet wivd. Zwi⸗ schen kargem Leben und Blut und Leiden und stummem Schmerz jene gemeine Sorte, die in Cafés, Bars und Amorsälen das Schicksac unter die Füße zwingt; jene seige Sorte, die um alles herunn⸗ schwadroniert— aber bestimmt nicht mitzieht; Dichterbanden, die in ektatischer Besoffenheit immer feste weiter strophend, herumgröhlen. Und dazwischen drängend und schiebend, die mit einem Uebermaß von Ellbogenfreiheit, Borniertheit und Skrupellosigkeit ausgestattete und dem untröglichen Instinkt fürs„Geschäft“ begabte schamlose Horde der großen und kleinen Wucherer, der Ausbeuter, mit dem Schrei:„'s Geschäftblüht!“
Die Ernte ist miserabel schlecht ausgefallen: wir müssen„Wucher⸗ preise“ fordern, liebe Leute
Die Ernte ist gut ausgefallen; wollt ihr aber fressen, daun zahlt, was wir fordern———
Der Ekel steigt einem bis zum Erbrechen. So sieht also das
Deutschland aus, das seit bald einem Jahr seine Wiedergeburt aus
dem Blut feiert. Das Deutschland, dessen Söhne und Väter jenseits der Grenzen die Wacht halten und ihr Blut verströmen.
Gießen, Sams tag, den 24. Juli 1915.
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Streik der Verbraucher oder eine„Tat“ der jetzt herrschonden Militärgewalten: Alle Bessern müssen Abhilfe von dem Schröpf⸗ system fordern.
Sollen wir auch diesmal daran zweifeln, daß was„geschieht“ꝰ Ach!— Auf Türen und Fensterläden und Firmenschildern, auf Fabrikdächern und Misthaufen prangt knallig und frech die Auf— schrift:„Gute Leute. Bitte schonen!“———
Eine Kriegstagung der Bäckermeister Hessens.
Am Sonntag trafen sich in Darmstadts Mauern die Ober meister der hessischen Bäckerinnungen. Die Versammlung war gut besucht und befaßte sich in der Hauptsache mit den Verhältnissen im Bäckergewerbe während des Krieges. Die Zustände wurden eingehend beleuchtet und teilweise, insbesondere soweit es vielfach die Anordnungen der Kommunalverbände betrifft, einer scharfen Kritik unterzogen. Von vielen Seiten wird geklagt, daß die ver— schiedenen Kommunalverbände bei den Brot- und Mehlpreisen, bei der Verrechnung der Brot- resp. Mehlkarten außerordentliche Unter⸗ schiede machen und daß es sicher nicht im Interesse der Volks⸗ ernährung liegt, wenn einzelne Kommunalverbände bei der Ab— gabe des Mehles an die Bäcker sehr große Verdienste erzielen. Sehr bedauert wird, daß derjenige, welcher im Besitz entsprechender Mittel sei, sich leicht sogen.„markenfreies Mehl“ beschaffen könne, während vielfach arme Handwerker mit starker Familie fast hungern müßten, da die Brotbeschaffung oft Schwierigkeiten habe. Energische Ab⸗ hilfe wird verlangt gegenüber der Tatsache, daß die von den Kom⸗ munalverbänden gelieferten Mehle oft ein ganz bedeutendes Minder⸗ gewicht haben und daß oft Beschwerden vollständig unbeantwortet bleiben. Weiter wird bedauert, daß man den Bäcker in dem jetzigen schweren Kampfe um seine Existenz durch allzu scharfes Handhaben der Strafbestimmungen furchtbar bedriicke. Die Mehrzahl der Bäckermeister sei oft ohne ihr Verschulden schon mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Man erwarte, daß die am 15. August in Kraft tretende anderweite Regelung der Kommunalverbände eine einheit— liche Ordnung schaffe. Die Frage der Nachtarbeit wird von der großen Mehrheit dahin beantwortet, daß nach dem Kriege die alte Einrichtung, d. h. die Nachtarbeit wieder geschaffen resp. beibehalten werden möge. Die Frage der Arbeitszeit während des Krieges möge wie bisher den Kreisämtern überlassen bleiben. Für die Vorbereitung des Brotteiges möge eine halbe Stunde vor Beginn der jetzigen Ruhezeit freigegeben werden. Lebhaft wurde auch die jetzige Ausmahlung des Brotgetreides besprochen und einheitlich dem Wunsche Ausdruck gegeben, lieber der Bevölkerung etwas besseres Brot zu einem etwas höheren Preise zu liefern, als die jetzige oft kaum genießbare Qualität, zudem ja nach den Fest⸗ stellungen ausreichende Getreidevorräte vorhanden resp. zu er⸗ warten seien. Man solle sowohl das Roggen- wie das Weizenmehl etwa 5 Prozent weniger stark wie seither ausmahlen, und wurde auch der Antrag Worms angenommen, auch eine zweite Sorte Weizenmehl, die nur zu 70 Prozent ausgemahlen sei, herzustellen. Einheitlichkeit für das Großherzogtum Hessen wird endlich gewünscht bei der Verrechnung der Brotmarken, bei Brotpreis wie bei der Festsetzung der Mehlpreise, außerdem Verbot des Verkaufes des sogenannten„markenfreien“ Mehles, Festsetzung eines geringeren Verdienstes der Kommunalverbände und endlich Abgabe einer gartie Mehl an die Bäcker ohne Brotmarken als Ersatz für das vielfach vorhandene Mindergewicht. Der geschäftsführende Vor— stand wird mit der Einleitung der nötigen Schritte beauftragt.
Insoweit sich die Beschwerden der Bäcker gegen die zutage getretenen Auswüchse in der Mehlverteilung richten, müssen wir sie unterschreiben, wie uns überhaupt die Bäcker an ihrer Seite finden, wenn es gilt, die Volksernährung sicherzustellen oder zu ver⸗ bessern. Dagegen sind wir mit einer großen Reihe von Organi⸗ sationen der Bäckermeister der Ansicht, daß es auch im Frieden ohne die Nachtarbeit gehen wird, so mit den Berlinern und mit den Hannoveranern.
Ein Schuß gegen England. Die Lohnzettel der Concordia, Spinnerei und Weberei in Bunz— lau, haben diesen Aufdruck: (Außenseite) Seid sparsam mit dem Brot! Mit jedem ersparten Bissen Brot unterstützt Ihr den schweren Kampf Eurer Männer. Väter und Söhne!
(Nummer)
f *
Jede ersparte Schnitte Brot ist
ein Schuss gegen England unsern Erzfeind und verkürzt die Dauer des Krieges!
(Junenseite) (Stempel.) Concordia Spinnerei und Weberei Bunzlau. Lohn für 57½ Std. 4 9.91
Abzüge:
Krankengeld 28
Invalidengeld 12. Netto 1 9.51
Der Textilarbeiter bemerkt dazu:
„Bei einem so„fürstlichen“ Lohne von 9,52 Mark für 57½stün⸗ dige Arbeitzeit versteht es sich eigentlich von selbst, daß bei der großen Teuerung nicht viel Brot zwischen die Kinnladen der Ar— beiter kommt, aber die Concordia, Spinnerei und Weberei, lebt eben vielleicht gerade dieses jämmerlich niedrigen Lohnes wegen, den sie ihren Arbeitern zahlt, in der ständigen Sorge, daß diese eines Tages kommen könnten, um eine Lohnzulage zu fordern, und sie denkt, da ist es besser, man beugt vor. Es paßt ja auch ausgezeichnet. Ist es doch angeblich eine große patriotische Leistung, kein Brot zu essen. Denn just jede ersparte Schnitte Brot ist nach Ansicht der Leitung der Concordia, Spinnerei und Weberei in Bunzlau, ein Schuß gegen England, unsern Erzfeind.
Wahrhaftig, man muß mit aller Gewalt würgen, um den Ekel hinabzudrängen, der einem beim Lesen solcher Blüten des Prozenr⸗ patriotismus aufsteigt. Wenn man sich die Lohnsumme auf dem Lohnzettel vergegenwärtigt, da tritt doch wirklich zu drastisch zutage, daß die patriotische Phrase von dem englischen Erzfeind nur zur Bemäntelung dividendenfördernder Lohnpolitik dient.“
— Wie wird sich die Wirtschaftslage nach dem Kriege gestalten? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine in Magde— burg erschienene Schrift eines Bankbeamten. Vielfach wird geglaubt, daß nach dem Kriege eine geschäftliche Hochkonjunkt— tur eintreten werde. Dies verneint die erwähnte Schrift, wie wir dem Magdeburger Parteiblatte entnehmen, aus folgenden Gründen: Die Kriegsentschädigung, die wir etwa
Blumenkohl, Wirsing, sowie Rot⸗ und Weißkraut.
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bekommen könnten, wird in barem Gelde nicht so groß sein, daß sie den Aufschwung bringen kann. Nach dem Krieg! wird infolge der Erschöpfung unserer Rohstoffvorräte, die wir bisher im Betrage von etwa 7 Milliarden Mark aus dem Ausland bezogen, eine Riesensumme deutschen Kapitals ab⸗ wandern zur Bezahlung neuer Rohstoffe. Der Export von Fertigprodukten wird nur sehr schwer in das alte Gleis kommen. Die vernichteten menschlichen und tierischen Ar⸗ beitskräfte werden nur langsam zu ersetzen sein, die Preise für diese Arbeitskräfte werden steigen, ebenso die Preise der Roh⸗ materialien. Durch die Kriegsanleihen ist der Zinsfuß ge⸗ stiegen. Gelder für Hypotheken und für Industrie⸗ unternehmungen werden teurer als vor dem Kriege sein. Bautätigkeit und Unternehmungslust werden dadurch ge⸗ hemmt. Die Lebensmittelpreise werden voraussichtlich hoch bleiben, dadurch wird die Kaufkraft der Massen auch für in⸗ ländische Industrieprodukte gelähmt. Ungeheure Summen werden für die Verzinsung der Kriegsschuld, für Pensionen für Invaliden, Witwen und Waisen gebraucht. Die Arbeits⸗ kraft der Männer, die, im Felde waren, auch wenn sie schein⸗ bar unbeschädigt wiederkommen, wird in sehr vielen Fällen gebrochen sein, sie können nicht mehr das gleiche leisten wie früher. Selbstberständlich wird sich die Nation wieder er⸗ holen. In vielen Zweigen wird reichlich Arbeit sein, weil ja ein Volk von 70 Millionen wohnen, sich nähren und kleiden muß. Aber der große Schwung, die Hochkonjunktur, wird uns versagt sein, weil dieser Krieg, wie keiner vordem, Blut, Gut und Geld verschlingt.
Das dürfte gar nicht unrichtig sein. Die Arbeiter ⸗ schaft muß daher unter allen Umständen ihre Organisatio⸗ nen aufrecht zu erhalten, zu stärken suchen, damit sie ihre In⸗ teressen zu schützen in der Lage ist.
Die kommunale Wucherbekämpfung. Seit dem 15. Juni hat die Stadt Aachen 13 200 Zentner Zucker bezogen und zum Selbstkostenpreise an die dortigen Geschäfte abgegeben, die den Zucker zu einem festgesetzten Preise weiterverkaufen müssen.— Die Stadt Köln gibt Kristallzucker, fünf Pfund zu 1,40 Mark, durch bestimmte Geschäfte ab. Sie weist darauf hin, daß sie einen besonders günstigen Abschluß ge⸗ macht habe und die Preise viel billiger als in den Kolonial- warenhandlungen seien.— Die städtische Verwaltung von Mainz hat eine größere Partie Reis preiswert erworben und wird die Ware im Kleinen(in Paketen von einem Kilo Gewicht) verkaufen. In erster Linie sollen die Familien der Kriegsteilnehmer bedacht werden. Dann wird der Reis auch an Personen verkauft, deren Einkommen 2000 Mark nicht übersteigt.— Zu den wirtschaftlichen Maßnahmen die die Stadtverwaltung Worms im Interesse der Ernährung der städtischen Bevölkerung ergriffen hat, gehört auch der Ver ⸗ kauf von Gemüsen auf dem Wochenmarkt. Mit dem Verkauf wurde bereits Ende April begonnen und er fand seit dieser Zeit an allen Hauptwochenmarkttagen regelmäßig statt. Zum Verkauf kamen bisher Kopfsalat, Gurken, Kohlrabi, Insge⸗ samt wurden bisher ungefähr 18 000 Stück abgesetzt. Sämt⸗ liches Gemüse ist im Eigenbetrieb der Stadt erzeugt. Der Zweck der Maßnahme war die Absicht, städtische Einrichtungen bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln im Kriegsjahr mit heranzuziehen, um sodann mit Hilfe dieser einen Einfluß auf die Gestaltung der Marktpreise zu gewinnen.
In Offenbach hat sich eine Kommission aus Ver⸗
kretern der städtischen Verwaltung und des Konsumenten⸗ Ausschusses gebildet, welche Gemüse usw. beschafft und auf dem Markte verkauft. Man hat damit bisher gute Erfah⸗ rungen gemacht. Die Preise sind zunächst auf 9 Pfennige für das Pfund neuer Kartoffeln, 18 Pfennige für das Pfund Bohnen, 25 Pfennige für das Pfund Zwiebeln und 28 Pfen⸗ nige für das Pfund Erbsen festgesetzt worden; es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß die Preise noch weiter herabgesetzt werden können.— Solche Maßnahmen sind zu begrüßen; nur auf diese Weise kann der Lebensmittelwucher bekämpft werden.. — Vom Petroleum. Bekanntlich muß infolge Fest⸗ setzung des Höchstpreises das Liter Petroleum für 32 Pfg. im Kleinhandel verkauft werden. Wir sagten vorgestern be⸗ reits, daß dadurch manchem Kaufmann nicht geringer Schaden zugefügt wird. Dasselbe ist bei dem Konsum⸗ verein der Fall, der sich deshalb genötigt sah, seinen Mit⸗ gliedern wöchentlich nicht mehr als 1 Liter zu verabfolgen. Wir werden ersucht, die Mitglieder nochmals ganz besonders darauf aufmerksam zu machen, daß mit den Petroleumkarten kein Mißbrauch getrieben werden darf. Unter keinen Um⸗ ständen darf ein Mitglied Petroleum aus dem Konsumverein entnehmen, um es etwa einem Nichtmitgliede zu überlassen. Dadurch würden der Verein und seine Mitglieder ganz empfindlich geschädigt, weil der Verein an jedem abgegebenen Liter Petroleum mehr als 30 Pfg. einbüßt.
Von der neuen Roggenernte. Die ersten Druschergebnisse der Roggenernte liegen bereits aus verschiedenen Orten vor. Das Ergebnis bestätigt vollauf die hohen Erwartungen. Wie ein Landwirt aus Rheinhessen berichtet, hat er in seinem ganzen Leben noch keine so vorzügliche Kornernte gesehen. Man erntet auf gutem und mittelschwerem Boden pro Mor-
gen durchschnittlich seine 12 Haufen zu 10 Garben. Beim Dreschen aber erzielt man pro Haufen in der Regel einen Zentner Körner. Das bedeutet auf den Morgen(2500
Quadratmeter) einen Körnerertrag von 6 Doppelzenter, ein Ergebnis, wie man es höchstens in der Tat in den allerbesten Jahren antrifft. Auf erstklassigem Boden ist der Ertrag noch reicher. Dazu kommt, daß Lagerfrucht, die wohl viel Stroh, aber wenig Körner liefert, diesmal sehr selten angetroffen wird.
Wäschediebstahl. In der Nacht vom 22. Juli wurden in hiesiger Stadt von einer Bleiche mehrere Damenhemden,


