Ausgabe 
23.7.1915
 
Einzelbild herunterladen

kommen zu gewinnen. Die Sozialisten der neutralen Staaten sind verpflichtet, ihre proletarische Schuldigkeit zu tun, damit der Zarismus auch in ihrer Heimat die Aufnahme erhält, die er sich mit seinen verbrecherischen Taten vorbereitet hat.

Anschläge auf amerikanische Schlachtschisse und g Eisenbahnen.

London, 21. Juli. Reuter meldet aus Washington: In der vergangenen Nacht entstand auf unaufgeklärte Weise Feuer auf dem UeberdreadnoughtOklahoma, der auf der Werft der New⸗ norker Schiffsbau⸗Gesellschaft seiner Vollendung entgegengeht. Der Schaden ist bedeutend. Die Schiffsbauer sind überzeugt, daß Brand⸗ stiftung vorliegt.(Auch auf den SchlachtschiffenAlabama und New⸗Jersey sollen in der letzten Woche Brandstiftungen vorge⸗ kommen sein.) Um weiteren Brandstiftungsversuchen vorzubeugen, ist auf allen Werften, auf denen Schiffe der Regierung auf Stapel stehen, eine Marinewache aufgestellt worden. Untersuchungsbeamte forschen nach den Urhebern der verschledenen Dynamitatten⸗ tate und der Versuche, Brücken zu vernichten und ge in die Luft zu sprengen, die Munition transportieren. Ferner sollen Nach⸗ forschungen angestellt werden nach den in Kanada unternommenen Versuchen, Regierungseigentum zu vernichten, die angeblich von Leuten ausgegangen sind, die in den Vereinigten Staaten für Geld gekauft worden seien.. 5 5

Vielleicht erkundigt sich der findige Reuter einmal da, wo es für ihn am nächsten läge und mühelosesten wäre, einmal nach der Quelle, aus der diese angeblichen Gelder stammen. Bei dem un⸗ ermeßlichen Bedürfnis Englands nach neuen Feinden Deutschlands wäre es gar nicht verwunderlich, wenn man der Stimmung von dort aus ein wenig nachhelfen möchte.

Ein Dementi.

Durch die auswärtige Presse ist eine Mitteilung ge gangen, wonach der Kaiser gesagt haben sollte, der Krieg werde im Oktober beendet sein. Es ist sogar behauptet wor⸗ den, der Kaiser habe diese Aeußerung einer Abordnung von Finanzleuten gegenüber getan. An zuständigen Stellen ist, wie das Berliner Tageblatt durch Anfrage festgestellt hat, von einer solchen Aeußerung des Kaisers nicht das mindeste bekannt.

Streik der amerikanischen Verladearbeiter.

T. U. Newyork, 21. Juli. 5000 Arbeiter der Standard Oil Company in Bayonne, die beschäftigt waren, zur Aus⸗ fuhr bestimmte Oele auf die Schiffe zu laden, haben plötzlich die Arbeit niedergelegt, weil ihre Lohnforderungen von der Verwaltung abgelehnt worden sind. Infolge dieses unerwartet ausgebrochenen Streikes konnten sechs große Schiffe, die das Oel nach dem Auslande bringen sollten, ihre Ausreise nicht antreten.

Russische Durchbruchsversuche in der Bukowina abgeschlagen.

Czernowitz, 22. Juli. In Verzweiflung über die ver lorenen Positionen am Dnjestr machten die Russen wiederholt Anstrengungen, um unsere Front im Nordosten der Bukowina zu durchbrechen. Ein solcher Durchbruchsversuch erfolgte in der vergangenen Nacht. Der Feind benutzte die Dunkelheit und den heftigen Gewitterregen zur Ausführung des Ueber⸗ falles auf unsere Front nordöstlich von Czernowitz. Nachdem man die Russen sich unseren Stellungen hatte nähern lassen, eröffneten unsere Truppen ein heftiges Geschütz- und Ma⸗ schinengewehrfeuer. Der Kampf tobte fünf Stunden und endete mit der Zurückwerfung der Russen unter den schwersten Verlusten für sie. Die Kanonade war in Czernowitz deutlich zu hören und verstummte erst in den Morgenstunden. Englisch⸗französische Zorgen um Rußland.

Der Secolo meldet aus London: Die Vorgänge auf dem russischen Kriegsschauplatz bobachten alle Gemüter mit ängst⸗ licher Sorge. Die militärischen Kreise erwarten, daß die russischen Heerführer nicht so sehr darauf bedacht sein werden, diese oder jene Stellung zu halten, als vielmehr eine Kata strophe wie Sedan zu vermeiden. Eine Pariser Privatdepesche meldet, angesichts der ernsten Lage der russischen Armee be rief Poincaré vier militärische Autoritäten zur Teilnahme am Ministerrat ein. Delcassés nächste Umgebung versichert. Italien werde sich innerhalb der nächsten acht Tage im Kriegs⸗ zustand mit der Türkei befinden.

Rußlands Hilferuf nach seinen Verbündeten!

Das amtliche russische Militärblatt Rußki Invalid gibt eine sehr ernste Schilderung über die militärische Lage in Rußland und ruft energisch die Alliierten zu Hilfe. Denn, so sagt das Blatt, die jetzige Hauptschlacht an der russischen Front ist auch die Entscheidungsschlacht des ganzen Weltkrieges. Die deutsche Strategie

hat klar erkannt, daß Rußland der am ersten zu nehmende Feind ist, dessen Vernichtung allen anderen vorgehen muß. Die Operationen an anderer Front werden dann auch von selbst ihre Erledigung finden. Ritzaus Bureau erfährt aus Petersburg, daß dort die Lage in ihrem ganzen Ernst ge⸗ würdigt werde. Solange sich die Weichselfront halte, an der die Situation noch ziemlich günstig stehe, sei jedoch noch Hoff⸗ nung. Das Rückgrat dieser Linie, NikolajoBychawa halte den Angriffen der Zentralmächte gut Stand.

Russische Mordbrenner.

T. U. Berlin, 22. Juli. Der Berl. Lok.⸗Anz. meldet aus Libau: Hier eingetroffenen Nachrichten zufolge haben die Russen, bevor sie Windau verließen, Hafen und Stadt in Brand gesteckt.

Bauernhöfe entweder angesteckt plündert. und ins Innere des Reiches verschickt.

Kriegsnotizen.

Die neue Schweizer Zensur⸗Verordung hat der Schweizer Bundesrat am 20. Juli in erster Lesung angenommen. Um noch die Wünsche der Schweizer Presse entgegenzunehmen, wird sich das Justiz⸗ und Polizei⸗Departement mit den Vertretern der Presse in Verbindung setzen.

Der Temps meldet: Die französische Regierung hat angeordnet,

daß alle Wehrpflichtigen, welche sich bislang dadurch der Wehrpflicht entzogen, daß sie sich nicht in die Stammrolle eintragen ließen, zwangsweise den Militärbehörden vorgeführt 1011 im Falle der Diensttauglichkeit unverzüglich ausgebildet werden sollen. Das römische Amtsblatt veröffentlicht einen Erlaß, durch den der Bürgermeister von Pieve di Teco in der Provinz Porto Maurizio seiner Stelle enthoben wird, weil er am 16. Mai öffentlich eine heftige Rede gegen die Beteiligung Italiens am Kriege gehalten hat.

Die Times macht darauf aufmerksam, daß die englischen Verluste an den Dardanellen von 42 434 Mann schon größer seien, als die Verluste des ganzen Burenkrieges, die 38 156 Mann betragen haben.

Partei⸗ Nachrichten.

Den Parteizersplitterern ins Stammbuch.

Wie unsere Genossen in den Schützengräben über das schädigende Treiben derjenigen denken, denen der Augenblick jetzt günstig er⸗ scheint, um Uneinigkeit in unsere Reihen zu tragen, beleuchtet recht drastisch ein Brief aus dem Felde, den der Hannoversche Volkswille abdruckt. Ein hannoverscher Genosse hatte nämlich einem Genossen, der im Schützengraben in Flandern das Vaterlaub verteidigt, Kunde gegeben, von den Maulwurfsarbeiten inuerhalb der

Partei. Die Antwort des Genossen im Soldatenrock ist derb und deutlich. Es heißt da:

... Also auch in unserm lieben Hannover machen sich jetzt die neuenAlten bemerkbar! In Briefen andrer Genossen war mir

allerdings schon Aehnliches geschrieben worden. Deine Namens⸗ nennung interessiert mich aber trotzdem ganz außerordentlich. Von konnte man ja nichts Besseres erwarten, aber ... sollte eigentlich vernünftiger sein, und gar erse 12 Es ist doch eigentlich sonderbar und recht unverständlich, wie wenig Verständnis für diese große und schwere Zeit manche sonst ganz gescheite Menschen haben! Denn bei allen ist es doch schließ⸗ lich nicht wie bei manchen, die den Ton der Musik angaben, die Sucht, in der Oeffentlichkeit genannt zu werden. Diese ganzen Absplitterungsversuche sind zwar nicht an⸗ genehm. Ich denkegaber, daß wir bald wieder Ordnung in den eigenen Reihen kriegen, wenn das furchtbare Ringen beendet ist und wirKrieger erst wieder gemeinsam mit euch arbeiten können. Möglich ist allerdings, daß dann bei uns in der Partei eine Art Radikalkur vorgenommen werden muß; aber darauf verstehen wir uns jetzt einigermaßen. Wenn es dann auch nicht Säbel und Flinte sein werden, mit denen wir uns den Widerspenstigen gegen⸗ über betätigen, so werden unsere guten Beweisgründe hoffentlich nicht weniger wirksam sein als hier die andern Dinger. Es ist übrigens eine Infamie ohne gleichen, wenn von jener Seite in der Berner Tagwacht versucht worden ist, die Dinge so darzustellen, als ob wir deutschen Soldaten durch eine barbarische Disziplin auf die Schlachtbank geschleppt und mit Ge⸗ walt ins Feuer getrieben würden. Ja, wenn wir auch so er⸗ bärmliche Feiglinge wären wie jene Leute, die sich au o⸗ nm in ausländischen Blättern solche Anschuldigungen erlauben, dann könnte ihre Darstellung vielleicht richtig sein. Wir aber sind überzeugt davon, daß wir für die Freiheit und Kultur un⸗ seres Volkes kämpfen, das nicht unterliegen darf, soll nicht die Kultur der Menschheit vernichtet werden. So komaen wir denn auch mit Entschlossenheit und Mut den eisernen Notwendigkeiten des Krieges nach, ohne dazugetrieben zu werden. An dieser tatfreudigen Eutschlossenheit und mut⸗ vollen Aufopferung haben gerade auch wir, die wir uns mit Stolz Sozialdemokraten nennen, es bisher nicht fehlen lassen, und werden es auch in Zukunft nicht fehlen lassen, bis der Sieg für unser Volk errungen ist. Eine andere Darstellung der Dinge entspricht nicht der Wirklichkeit und ist eine Beleidigung der deutschen Soldaten im allgemei⸗ nen, vor allem aber der deutschen Sozialdemo⸗ kraten im Waffenrock.

Diethelm von Buchenberg. 5 Erzählung von Bertold Auerbach. 30

Im Waldhorn war heute Diethelm besonders aufge räumt, und als der Wirt sein Geschick lobte, das ihn immer mit neuem und unverhofftem Glück überhäufe, nickte Diet helm still. Er freute sich, daß man an den großen Gewinn glaubte, den er aus dem Verkauf seiner Vorräte mache. Das ließ gewiß nie einen Verdacht aufkommen, geschehe was da wolle. Dennoch erzitterte Diethelm innerlich, als der Vetter Waldhornwirt erzählte:Denk' nur, was heute geschehen ist. Wie wir heut die Spritze abgeben, ist ein Rudel Schulbuben drum rum, der Schmied jagt sie fort, aber die sind wieder da wie Bienen auf einem blühenden Repsfeld. Und wie jetzt der Schmied eine Peitsche nimmt und unter die Buben einhauen will, da ruft der alte Schäferle:Laß sein, bei so etwas darf man sich nicht sversündigen, und die Kinder können nichts dafür; sie hören immer davon und sehen das ganze Jahr die Spritze nicht, und da sind sie gewunderig froh, wenn sie das einmal am hellen Tag und in der Nähe sehen. Könnt Euch denken, Vetter, was auf die Red' für ein Geschnatter und Getrappel ist, und wo man hinguckt, hängt so ein junger Malefizbub', und mit Müh' und Not werden wir fertig, ohne so einem die Finger abzutreten. Wie wir eben fort wollen, und der Schmied das Tor in der Hand hat, um zuzu schließen, da hören wir, wie die Spritze von selber zweimal pumpt, grad, als ob man's hüben und drüben heben tät. Da

ruft der alte Schäferle:Hört Ihr? Eh drei Tag vergehen,

Hessen und Nachbargebiete.

Gießen und Augebung. Zur Erntezeit.

Das ist die üppige Sommerzeit,

Wo 55 so schweigend blüht und glüht, Des Juli stolzierende Herrlichkeit 5 Langsam das schimmernde Land durchzieht.

Dieselben sind zum größten Teil auch niedergebrannt. Auch in anderen Teilen Kurlands haben die zurükckflutenden russischen Truppen entsprechend den Befehlen ihrer obersten Heeresleitung Ortschaften, Güter und oder in barbarischer Weise ge⸗ Die Bewohner wurden von ihnen vielfach weggeschleppt

8 Ich hör' ein heimliches Dröhnen gehn 5 in der Gebirge dämmerndem Blau, Die Schnitter so stumm an der Arbeit stehn, Sie schneiden die Sorge auf brennender Au. Sie sehnen sich nach Gewitter nacht, 5 Sturm und Regen und Donnerschlag, Nach einer wogenden e i cheidenden Völker tag! Und einem entschei 6

Gegen die Erhöhung der Getreidepreise wendet sich nunmehr auch ein Artikel, in dem mitunter offi⸗ ziösen Berl. Lokalanzeiger. Der Artikel ist eine Bestätigung der Feststellungen, die in dem gemeinsamen Aufruf getroffen wurden, den Parteivorstand und Generalkommission am Samstag erlassen haben. Dsa Blatt gibt zu, daß die Mehr⸗ belastung des Familienhaushalts um 5060 Prozent gestiegen ist. In dem erwähnten Artikel wird dann ausgeführt: N N 5 Man hat hie und da gesagt, die erhöhten Löhne böten einen Ausgleich. Solche sind aber doch nur einem verhält. nismäßig kleinen Teil der arbeitenden Bevölkerung zugute gekommen, ausschließlich den in den verschiedenen Zweigen der Kriegsindustrie Beschäftigten. Dazu gehören allerdings in einzelnen Gegenden, namentlich in Rheinland und West⸗ falen, Hunderttausende von Arbeitern was will das aber sagen gegenüber den Millionen, um die es sich handelt? Und der großen Zahl der Festbesoldeten stehen für die Deckung des Lebensbedarfs nicht mehr Mittel zur Verfügung als vor der Teuerung, in vielen Fällen infolge der Gehaltsherab⸗ setzungen sogar weniger. Die Rücklagen aber, die man ver⸗ möge der bewährten deutschen Sparsamkeit von der wirt⸗ schaftlich günstigen Zeit her hatte, und die die Preissteige⸗ rung auszuhalten zunächst ermöglichten, sind zu einem er⸗

troffenen Volkskreise haben sich dank dem guten Geiste, der unser Volk beseelt, den Umständen in aller Ruhe angepaßt, so gut es eben ging. Man hat sich in allem, was nicht zur unmittelbaren Lebensnotdurft gehört, eingeschränkt; die Wirkungen sind im gesamten Erwerbsleben zu fühlen. Daß unter diesen Umständen auch die Stimmung des Volkes nicht unbeeinflußt bleibt, ist selbstverständlich. Darum ist eine Wirtschaftspolitik unerläßlich, die der geschilderten Sachlage gebührend Rechnung trägt.

Im Anschluß hieran wird dann betont, daß nur; zwingende Gründe eine Erhöhung der Getreidepreisef rechtfertigen könnten, daß aber nach dem Gutachten Sach⸗ verständigen, selche Gründe nicht vorhanden sind. Reich und Bundesstaaten hätten ungemein viel getan, um den Land- wirten über die Schwierigkeiten, welche die Zeit mit sich brachte, hinwegzuhelfen. In Oesterreich habe man eine mitt- lere Linie gefunden zwischen den Preisen, wie sie vor dem Krieg bestanden und den Höchstpreisen, die später festgesetzt wurden. Eine ähnliche Lösung werde auch bei uns von den; Verbrauchern erhofft. Der Artikel schließt:

Die Beschlagnahmepolitik hat sich, soweit es sich um Ge⸗ treide handelt, vorzüglich bewährt und die Zweifel, die seiner⸗ zeit einzelne Fachmänner äußerten, schlagend widerlegt. Man darf heute daran erinnern, daß damals besonders die Militärbehörde entscheidend dazu beigetragen hat, daß ge⸗ rade noch rechtzeitig der richtige Weg eingeschlagen wurde. Im Kriege muß eben auch einmal in wichtigen Fragen der Volksernährung ein Machtwort gesprochen werden, daß ist nachgerade auch denen klar geworden, die es ursprünglich nicht gleich eingesehen hatten. Die Forderung erscheint be⸗ rechtigt, daß auch jetzt eine Entschließung zustande kommen muß, die dem Ernst der Lage entspricht und dazu beiträgt, die Spannkraft und Widerstandsfähigkeit aufrecht zu erhalten, die unser Volk bisher so wunderbarerweise zum Heile des Vaterlandes betätigt hat.

7 N 22

brennt's im Ort. Der Schmied ist so bös, daß er die Tür zuschlägt und fast den alten Schäferle dazwischenklemmt. Dein Knecht, des Schäferles Medard, hat sich geschämt, daß sein alter Vater so dummes Zeug schwätzt und ist davon, und die Schulbuben rennen durchs Dorf und schreien überall: In drei Tagen brennt's. Dem alten Schäferle sollte man seine dummen Prophezeiungen verbieten, aber hier fürchtet sich alles vor ihm und sollt' man's meinen, wo man hört, glauben die Leut' alle an die Prophezeiungen, und da sind die Leut' hier noch stolz auf ihren Ort. Bei uns daheim in Letzweiler fände man keine zwei alten Weiber, die so was glauben täten, und der Ort liegt doch nicht an der Landstraß' wie Buchenberg.

Diethelm griff aus dieser langen Mitteilung gern den letztangeregten Gegenstand auf. Der alte Wettkampf, der in Spott und Neckerei überall zwischen einem Dorf und dem anderen rege ist, hatte ihn schon viel erlustigt, aber keiner der anwesenden Buchenberger ging heute darauf ein, und Diethelm schien es fast, als ob er Mißtrauen errege, weil er von dem Schreckgespenst'gar nicht rede, er sagte daher über lenkend:Der alt Schäferle hat nichts Besonderes prophezeit. Jedesmal, wenn man was an den Spritzen zu tun hat, hält man das für ein Wahrzeichen, daß eine Feuersbrunst aus⸗ kommt, und da ist's am gescheitetsten, man macht den Aber⸗ glauben zuschanden und gibt doppelt acht, daß kein Unglück auskommt.

Alles schwieg. Nur ein fremder Mann, der auf der Ofenbank saß, sagte halblaut vor sich hin:Abbrennen ist nicht immer ein Unglück, im Gegenteil

Wer ist der Lump? fragte Diethelm seinen Vetter.

Dieser erwiderte:Ein fremder Spindelhändler. Ich hätt' gute Lust und tät den Kerl die Stiege'nabwerfen.

Tu's nicht, erwiderte Diethelm,das gibt ein un⸗ nötiges Geschrei in der Welt.

Er beredete nun seinen Vetter, am morgigen Tage mit ihm nach der Hauptstadt zu reisen, wohin er mit Proben sciner Wollvorräte gehen und dann seine Frau abholen wolle, die ihm geschrieben habe, daß sie nicht mehr in der Stadt bleibe. Gerade der Waldhornwirt war ihm stets der liebste Genosse. Er war halb Kamerad, hald abhängiger Unter⸗ gebener, und draußen, wo man dieses Verhältnis gut kannte, war Diethelm immer besonders hoch angesehen, wenn der stattliche Waldhornwirt ihn überall mit unterwürfiger Ehr⸗ erbietung behandelte. Der Waldhornwirt war schlau genug die unausgesprochene Vasallenlast anzuerkennen; er tat oft, als ob er sich davon losmachen wolle, um den Vetter zu allerlei n eee und Vorteilen zu bewegen. Dies gelang ihm auch heute, denn Diethelm versprach ei 881 für jegliche Versäumnis. werd e een f In neuer, verzweiflungsvoller Pein ging Diethelm wie⸗ der heimwärts. War es denn nicht, als ob plötzlich seine innersten geheimgehaltenen Gedanken sich von unsichtbarem Munde verbreitet hätten, so daß jetzt alles im Dorfe von einer Feuersbrunst sprach, an die man so de nicht dachte? Wäre es nicht das beste, 1 75 0 und zu hintertreiben, bis die Prophezeiung vergessen ist? Aber wer weiß, wann die Frau wieder aus dem Hause sein

wird?(Fortsetzung folgt.)

heblichen Teile aufgebraucht. Die dußch diese üble Lage be⸗