Ausgabe 
22.7.1915
 
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die Genossen Berten und Pfeiffer in Düsseldorf ein neues

Unruhen in Tripolis

Lugano, 21. Juli. Schlechte Nachrichten sind aus dem westlichen Teil Libyens eingetroffen. Die italienische Besatzung von Nalut in Tripolis hat die tunesische Grenze überschritten und sich nach Dehibat begeben, weil die Streitkräfte der Rebellen so stark waren, daß kein anderer Rückzug übrig blieb. l

Diese Meldung beweist, daß das ganze Innere Libyens für die Italiener verloren ist.

Nriegsnolizen.

Gestern Abend brach in der Lederfabrik von Westphal in Stellingen⸗Langenfelde Großfeuer aus, das in kurzer Zeit sich über die ganze Fabrik ausdehnte, und sie völlig ver⸗ nichtete. Die Wohnhäuser wurden gerettet. Die Höhe des Schadens und die Ursache des Brandes ist unbekannt. Es wird Brandstiftung vermutet.

Nach einer Meldung aus Petersburg wird der russische Ministerrat in seiner nächsten Sitzung infolge der veränderten Lage der Einberufung der Duma nunmehr seine Zustimmung geben. Das Einberufungs-Dekret soll in den nächsten Tagen amt⸗ lich publiziert werden.

Laut Nowoje Wremja werden alle deutschen Kolonial- schulen in Rußland geschlossen und durch Schulen mit rus⸗ sischer Unterrichtsspvache ersetzt. Die Lehrer, die nicht perfekt rusßsch sprechen können, werden verabschiedet.

Nach der Unita Cattolica ist in San Marino ein Kapu zinerkloster geplündert worden, weil man die Mönche im Verdacht hatte, österreich⸗freundlich zu sein.

Das Reutersche Bureau meldet aus Pretoria, daß der Pro⸗ zeß wegen Hochverrats gegen den Burenführer Kemp be⸗

gonnen hat. Partei⸗Nachrichten.

Zum Verfahren gegen die Genossin Luxemburg.

Bekanntlich ist die Genossin Dr. Rosa Luxemburg in dem sonst nur für gemeine Verbrecher bestimmtengrünen Wagen in das Frauengefängnis in der Barnimstraße zur Verbüßung ihrer poli⸗ tischen Strafe transportiert worden. Auf die von dem Rechtsbei⸗ stand unserer Genossin, dem Genossen Dr. Siegfried Weinberg, ein⸗ gelegte weitere Beschwerde hat nunmehr auch der Minister des Innern dieses Verfahren gebilligt. 0 Wie wir hören, ist übrigens gegen die Genossin Luxemburg sowie gegen die Genossin Zetkin den Genossen Mehring und

Verfahren anhängig gemacht, das sich auf die in der Monatsschrift Die Internationale veröffentlichten Aufsätze stützt. Die Gemeindewahlen in Holland. In diesen Wochen wurden in Holland in allen Gemeinden die Kommunalwahlen vollzogen zur Erneuerung eines Drittels der Gemeindevertretungen. Ihr hauptsächliches Kennzeichen war dies⸗ mal ein in vielen Gemeinden zwischen den bürgerlichen Parteien ab⸗ geschlossenes Kompromiß, die freikommenden Mandate ohne Kampf wieder erneuern zu lassen. Als Motiv dafür wird derBurgfrieden vorgeschützt, der aus der Weltkriegslage hervorgeht, aber auf kom⸗ munalem Gebiet nie Geltung hatte. Nur ganz vereinzelt hat auch unsere Partej am allgemeinen Kompromiß teilgenommen und dann noch unter sehr besonderen Verhältnissen: so in Zaandam, wo wir die Mehrheit in der Gemeindevertretung besitzen und durch den Kompromiß behalten und in Utrecht, wo die Liberalen den Frieden möglich machten, indem sie den Minderheitsparteien, darunter den Sozialdemokraten, einige neue Mandate in der Gemeindevertretung üüberließen. In zahlreichen anderen Gemeinden aber sah sich unsere Partei jetzt eben durch den sogenannten Burgfrieden merkwürdiger⸗ weise einem bürgerlichen Block gegenübergestellt. Daß unter diesen Umständen der Mandatsgewinn für uns groß sein könnte. war von vornherein ausgeschlossen. So gelang es uns weder in Rotterdam noch in Amsterdam, unsere Mandatszahl zu erhöhen. In Amster⸗ dam ging sogar im 9. Kreis ein Mandat an die Klerikalen verloren, wogegen wir aber im 2. Kreis ein Mandat von den Klerikalen er⸗ oberten, sodaß wir wiederum mit 15 von den 45 Sitzen in die Ge⸗ meindevertretung zurückkehren. Dagegen haben wir in einer ganzen Reihe anderer Gemeinden einen beträchtlichen Mandatszuwachs auf⸗ zuweisen. Jusbesondere sind fast im ganzen Norden des Landes die Resultate sehr zufriedenstellend. Auch in Mittelstädten als Dord⸗ recht, Zutphen, Schiedam haben wir schöne Siege errungen, während in anderen Gemeinden, wie Haag und Haarlem noch neuer Gewinn bevorsteht. Im allgemeinen ist bei schwacher Wahlbeteiligung unde Stimmenzahl meistens noch prozentual und sogar oft absolut ge- stiegen. Die Mitteilungen aus den Organisationen sind hierin fast einstimmig, daß von einer Verstimmung unter den Wählern als Folge des von der bürgerlichen Presse ausposauntenFiaskos der Sozialdemokratie im Weltkrieg nichts zu verspüren ist. Eine Erklärung des Internationalen Sozialistischen Bureaus.

Der Parteivorstand schreibt uns:

Het Volk, das holländische Parteiorgan, bringt in seiner Num⸗ mer vom 12. Juli 1915 eine Erklärung des Sekretariats des In⸗ ternationalen Sozialistischen Bureaus, das gegenwärtig seinen Sitz im Haag hat, in der auf den Aufruf des deutschen Parteivorstandes überSozialdemokratie und Frieden vom 23. Juni d. J. Bezug ge⸗ nommen wird. In dieser Erklärung heißt es, man könne aus un⸗ serem Manifest den Schluß ziehen,als ob auch die belgische Partei sich geweigert habe, an einer außerordentlichen Sitzung des rr rere 2

Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 29

Schwer ist oft die Verzweiflung, die einen Menschen heimsucht, der einsan: den Weg des Verbrechens wandelt; einen Genossen haben, ist höhere Pein. Man kann den eigenen Mund hüten, daß er nicht rede, die eigenen Mienen daß sie nicht zucken, und es kann Tage geben, wo man alles vergißt und sich ausredet, was geschehen ist; in einem Ge nossen aber spricht bei jeder Begegnung die Tat sich aus, ohne Wort, ohne Wink; und weilt er fern, wer behütet den Mund, wer wahrt die Mienen, daß sie nicht den Ahnungslosen ins Verderben reißen?

Das erkannte Diethelm, da er wieder allein war und es ihm vorkam, als knisterte es schon in den Wänden. Als der Hahn krähte, erwachte Diethelm und ballte die Fäuste; der Gedanke schnellte ihn empor, daß nichts übrig bleibe, als den verräterischen Genossen aus dem Wege zu schaffen, der ihn gewiß schon seit Jahren betrogen und mit zu seinem Elend verholfen, aber er bezwang sich und so seltsam ge artet ist das Menschenherz! daß Diethelm aus dieser Selbstbeherrschung einen friedlichen Trost schöpfte: die Tat, die er begehen wollte, erschien unschuldvoll, fast ein Kinder spiel, da er das schwere Verbrechen, den Mord, von sich wies.

Mit ruhigem Gewissen schlief Diethelm abermals ein.

XIV

Es läßt sich kaum sagen, was in dem beiderseitigen Blicke lag, als sich Diethelm und Medard am Morgen zum erstenmal im Tageslicht begegneten, nur mit Blitzesschnelle streiften sich ihre Blicke, dann schaute jeder vor sich nieder. Medard aber war wieder schnell gefaßt, griff in die Tasche und sagte, die Messingschrauben zeigend, mit triumphieren⸗

der Miene:Da, die hab' ich heut schon geholt.

Exekutivkomitees des J. S. B. teilzunehmen, in der untersucht wer⸗ den sollte, ob eine Gesamtsitzung mit der TagesordnungEinleitung einer Friedensaktion möglich wäre. Das Gegenteil sei wahr.

In unserm Aufruf ist über die Haltung des belgischen Partei⸗ vorstandes zur Einberufung einer Sitzung des J. S. B. tatsächlich garnichts gesagt. Es war uns schon im März mitgeteilt worden, daß Mitglieder des belgischen Parteivorstandes mit dem Exekutiv⸗ komitee des J. S. B. verhandelt hatten. Bei diesen Verhandlungen erklärten die belgischen Parteivorstandsmitglieder v. a., wie uns da⸗ mals mitgeteilt wurde, daß vom Frieden erst geredet werden könne, wenn der deutsche Militarismus vernichtet sei.

Zu den Parteidifferenzen.

In Dresden wurde am letzten Sonntag eine erweiterte Be⸗ zirksversammlung abgehalten, an der Landesvorstand Be⸗ zirksvorstand, die Vorstände der 9 sächsischen Reichstagswahlkreise, die dem Bezirk angehörenden Reichs⸗ und Landtagsabgeordneten und die politischen Redakteure der Parteipresse des Bezirks, insgesamt 175 Personen, beteiligt waren. Gen. Fleißner gab den Bericht aus der letzten Sitzung des Parteiausschusses, dem eine lebhafte Debatte folgte. Die siebenstündige Erörterung hatte folgendes Ergebnis: Absatz 1 der bekannten Resolution des Partei⸗ ausschusses wurde gegen eine starke Minderheit(die Stimmen wur⸗ den bei der ersten Abstimmung nicht gezählt) angenommen, Abf. 2 mit 67 gegen 51 Stimmen abgelehnt, Abs. 3 mit 73 gegen 57 Stinn⸗ men abgelehnt. Hierauf wurde solgender Antrag Fleißner mit 77 gegen 56 Stimmen angenommen:

Die Bezirksversammlung verurteilt alle Maßnahmen der Parteiinstanzen, die eine Unterbindung der freien Meinunags⸗ äußerung innerhalb der Partei bezwecken.

Sie verurteilt daher entschieden das gegen den Parteivorsitzenden Genossen Haase inszenierte Verfahren, spricht ihm das Vertrauen für seine mannhafte Haltung aus und erklärt ihr Einverständnis mit dem ArtikelDas Gebot der Stunde.

Aus den Organisationen.

Der 5. württembergische Wahlkreis hielt in Eß⸗ lingen seine Kreisgeneralversammlung, auf der die starke Hälfte der Ortsvereine vertreten war, ab. Die meisten kleineren Orts⸗ vereine mußten ihre Tätigkeit einstellen, weil die Mitglieder sämt⸗ lich zum Heere einberufen sind. Unter den erschienenen 36 Dele⸗ gierten herrschte Einmütigkeit in der Beurteilung der Haltung der Partei in der Kriegszeit. Gegen zwei Stimmen wurde eine Reso⸗ lution angenommen, die die Politik der Reichstags fraktion und des Parteivorstandes billigt und sich die Beschlüsse des Parteiausschusses zu eigen macht. Von den württembergischen Parteidifferenzen wurden nur die Orts- vereine Eßlingen und Kirchheim berührt. In Eßlingen hat sich die alte Leitung mit ihrem Anhang in einem außerhalb der Partei stehenden Verein abgesondert. Der alte Ortsverein funktioniert jedoch unter einer neuen Leitung in geordneter Weise weiter. Von den Kirchheimer Mitgliedern ist der größere Teil eingerückt, die zurückgebliebenen teilen sich in zwei Hälften, von denen die eine ihre Pflichten gegen die Kreis- und Landesorganisation erfüllt, die andere nicht. Alle übrigen Ortsvereine der Wahlkreis zählte bei Kriegsausbruch deren 45 sind von den Spaltungsversuchen unberührt geblieben.

In Ulm tagte die Kreisversammlung des 14. württembergischen Wahlkreises, die durch 20 Dele⸗ gierte beschickt war. Hier wurde berichtet, daß ca. 70 Prozent der Parteimitglieder eingerückt sind. Von den Parteidifferenzen wurde der Wahlkreis nicht weiter berührt, als daß in Ulm einige Mit⸗ glieder durch Nichtbezahlen der Beiträge ausschieden. Einstim⸗ mig nahm die Versammlung eine Resolution an, die das Ein⸗ verständnis mit der Kreditbewilligung ausspricht, dem Landesvorstand für seine Maßnahmen zur Ueberwindung der Parteiwirren dankt, die Tätigkeit der Hintermänner der Berner Tagwacht aufs schärfste verurteilt und die Handlungsweise des Genossen Haase mißbilligt. Von der Regierung werden schleunigst wirksame Maßnahmen gegen den Lebensmittelwucher verlangt.

Der Wahlkreisorganifsation für Anhalt II hat das Kriegsjahr 1914/15 einen Mitgliederverlust von rund 400 zu⸗ gefügt. Von den 3391 männlichen Mitgliedern, die zu Beginn des verflossenen Geschäftsfahrs vorhanden waren, standen am 1. April dieses Jahres 1524 unter den Fahnen. 500 weibliche Mitglieder, deren Männer im Kriegsdienst stehen, mußten vom Beitrag befreit werden, sodaß am 1. April d. J. nur noch 1496 vollzahlende männ⸗ liche und 852 weibliche, insgesamt 2348(i. V. 4790) Mitglieder vor⸗ handen waren. Die Kassenverhältnisse haben sich verhältnismäßig günstig entwickelt, indem die Bestände in den Filialkassen und der Kreiskasse von 7705 Mk. auf 10 795 Mk. gesteigert werden konnten. An den Parteivorstand wurden 2746 und an den Bezirksvorstand 1098 Mk. abgeliefert. Der Abonnentenstand des Volksblattes ist im Kreise von 5798 auf 4547 gesunken.

In einer Konferenz der Ortsvereinsvertreter des Kreises, in der obiger Bericht erstattet wurde, gelangte nach einem Referat des Abg. Bender, bei einer Stimmenthaltung, einstimmig eine Reso⸗ lution zur Annahme, die sich mit der Haltung des Genossen Bender und mit der Politik der Reichstagsfraktion einverstanden erklärt. Die Konferenz bedauert jene Be⸗ strebungen, die eine Umkehr auf dem am 4. August v. J. be⸗ schrittenen Wege fordern. Die Konferenz spricht jenen Genossen, deren Kampfesmittel eine schwere Erschütterung der Geschlossen⸗

Hessen und Nächbargebiete.

Gießen und Umgebung

Vor der Entscheidung!

Keine Erhöhung der Brotgetreide⸗Höchstpreise!!

In der bürgerlichen Presse wird soeben mitgeteilt, daß das. 98 Verwaltungsabteilung der neuen Reichs- getreidestelle am gestrigen Montag zum ersten Male zu einer Beratung zusammengetreten ist. Der Bundesrat wird nach denselben Angaben in der zweiten Hälfte dieser Woche über die Festsetzung der neuen Höchstpreise für Getreide und über die Einrichtung der Reichs⸗Futtermittelstelle beschließen. Hierzu erfährt eine Berliner Korrespondenz, die zu gewissen Bundesratskreisen Beziehungen unterhält, daß man die offiziös angekündigte Absicht der Reichsregierung, die Ge⸗ treidehöchstpreise und damit natürlich auch der Mehl⸗ und Brotpreise heraufzusetzen, nun doch noch fallen lassen wolle.

Die erwähnte Korrespondenz gibt zu, daß der preußische Landwirtschaftsministerin Anbetracht der gesteigerten Er⸗ zeugungskosten und anderer für die Landwirtschaft, nament- lich im Osten der Monarchie ungünstiger Umstände, eine Er⸗ höhung für wünschenswert gehalten habe. Aber, so wird dann weiter hinzugefügt, das preußische Landwirtschafts⸗ ministerium habe seine Wünsche hinter die allgemeinen Staats- und Reichsinteressen zurückgestellt.

Erfreulicherweise erfährt' man aus der Korrespondenz

weiter, daß auch die Militärverwaltung zu den Protestieren⸗ den gehört hat. In einer Ministerialsitzung soll sich die Militärverwaltung gegen eine allgemeine Erhöhung der Höchstsätze ausgesprochen haben, mit Rücksicht auf ihren großen Bedarf an Brotgetreide. Die Befriedigung über diesen Widerstand der Militärverwaltung gegen die hoch⸗ agrarischen Sonderinteressen würde in der Oeffentlichkeit noch größer werden, wenn diese erführe, daß für die Militär⸗ behörden auch die schon öfter bei ihnen bemerkbar gewesene Erkenntnis von der Notwendigkeit der Bekämpfung der Lebensmittelteuerung bestimmend gewesen ist die Er⸗ kenntnis, daß es von höchster vaterländischer und militärischer Bedeutung ist, wenn durch den Kampf gegen den Preis- wucher der Willen zum Durchhalten in der Heimat wie in den Schützengräben gestärkt wird.

Daß es im Reichstage im Falle einer Brotgetreide⸗ Preiserhöhung zu den heftigsten, den Burgfrieden aufs schwerste gefährdenden Auseinandersetzungen hätte kommen müssen, diese Erwägung mag auch nicht ohne Einfluß ge⸗ blieben sein. Jedenfalls glaubt also die Korrespondenz zu wissen, daß der Bundesrat, da außer dem preußischen Land- wirtschaftsministerium keine der einzelstaatlichen Regierungen

einen Wunsch auf Erhöhung der Höchstpreise geäußert hat,

einstimmig es bei den bisherigen Preisfestsetz⸗ ungen lassen werde. Indessen schon die Tatsache, daß ge⸗ rade von preußischer Seite ganz ernsthaft daran gedacht wurde, den agrarischen Verteuerungswünschen nachzugeben, das allein beweist schon, daß die Gefahr durchaus noch nicht vorüber ist. Und dazu kommt noch, daß nach der erwähnten Korrespondenz mit einer Herabsetzung der Preise, wie sie mit guten Gründen von einer ganzen Reihe ange⸗ sehener Körperschaften und Organe gefordert worden ist. nicht gerechnet werden kann und daß es auch unter gewisser Vereinfachung bei der Staffelung mit höheren Sätzen für den Süden und Westen bleiben soll.

Deshalb scheint es uns trotz der Ankündigung jener Korrespondenz immer noch notwendig und höchste Zeit zu sein, daß die Gemeindeverwaltungen, denen das Wohl der ihnen anvertrauten Bürger, vor allem der Kinder und Frauen unserer Krieger am Herzen liegt, mit der größten Beschleunigung Schritte tun, um dem Bundesrat klar zu machen, daß die bestehenden Höchstpreise für Getreide bei der neuen Festsetzung unter allen Umständen erniedrigt werden müssen. Die Verwaltungen müssen sosort noch besser telegraphisch ihre Petitionen an den Bundesrat

heit der Partei unweigerlich zur Folge haben müssen, ihre. 8 8.

cherte Mig pi kigung 1 zu Händen des Herrn Reichskanzlers richten und ebenso müssen diesen Weg alle anderen Organisationen

.... F ee n r n 2.

Vergrab' sie, sagte Diethelm und winkte dem Medard nach dem Stalle und fuhr hier fort:Du sagst doch deinem Vater nichts?

Nein, das ist nichts für einen Sympathiedoktor. Der Ofen muß aber heut geheizt werden, denn brennt's an einem anderen Ort, da merken sie, daß die Schrauben und Kloben fehlen. Das Flugfeuer kann nicht zünden, die Dächer sind mit Schnee bedeckt. Aber Meister, fuhr Medard fort, das Wort ging ihm schwer heraus,wie ist's denn? Wollen wir die Schaf' nicht an einen Ort tun? Ihr wisset ja wohl, die sind blitzdumm und können das Fünkeln nicht leiden und laufen grad drein'nein!

Das geht nicht, das könnt' den Leuten verdächtig vor⸗ kommen, es muß alles bleiben, wie es ist.

So schloß Diethelm und ging nach dem Hause. Hinter ihm' drein aber streckte Medard die Zunge heraus und fluchte vor sich hin:Du verdammter Scheinheiliger, wart', du Waisenpflegerle, popple du nur die ganze Welt an und tu', wie wenn du kein Tierle beleidigen könntest, dich hab' ich; dich halt' ich am Strick um den Hals, du sollst mir's teuer bezahlen, daß du die unschuldigen Schafe verbrennst, du sollst mir nimmer Mäh machen und nicht mucksen, wenn ich dich anguck'. In der Seele dieses Menschen, bereit zum Ver brechen, empörte sich noch das Mitgefühl für die Tiere, die er jahraus jahrein hütete, und dieses Mitgefühl verwandelte sich in neuen giftigen Haß gegen Diethelm, und dieser war ihm so erlabend, daß er sich auf die Vollführung der Tat wie auf eine Lustbarkeit freute.

Diethelm aber, der nach dem Hause ging, lächelte vor sich hin; die Messingschrauben wurden zu sicheren Handhaben gegen Medard. Die Zerstörung der Feuerspritze, das war eine Tat, mit der er Medard gefangen halten konnte, er selber konnte jede Beteiligung leugnen, er konnte mindestens damit drohen, und wenn die Sache herauskan so wälzte

dieser Vorgang allen Verdacht auf Medard. Es galt nun behutsam in dem Mitwissen des Waldhornwirtes und viel leicht bei einem anderen festzustellen, daß und wie Medard beim Ueberheben der Spitze auf den Schlitten geholfen habe, und dann mußte Diethelm unter der Hand merken lassen, daß er mit Medard unzufrieden sei und ihn aus dem Hause tun wolle. Aber alles nur fein behutsam.Du meinst, du hast mich, und ich hab' dich im Sack, sprach Diethelm in sich hinein und freute sich seiner klugen Benutzung der Umstände.

So hegten diese beiden Menschen, die so einig schienen, im Innersten den tiefsten Haß gegeneinander, und während sie noch gemeinsam die Tat zu vollbringen hatten, und noch nicht der Beute habhaft waren, dachte ein jeder schon daran, wie er dem anderen den Genuß verkümmere fangen halte.

Unter der Tür traf Diethelm einen hof mit der Nachricht von Martha, daß geschickt werden solle, da sie die Kranke nicht verlassen könne. Der Bote sah verwundert auf Dier⸗ helm, dem die Krankheit seiner Tochter gar nicht zu Herzen au gehen schien, ja in seinem Gesicht drückte sich sogar eine Freude aus, und der Bote, ein armer Häusler, dachte darüber nach, wie hart der Reichtum die Menschen mache, denn die Freude in dem Gesichte Diethelms konnte gewiß nur von der Aussicht auf die Erbschaft herrühren. Diethelm aber dachte an nichts weniger als an die Erbschaft, er war froh, daß seine Frau noch länger wegblieb; in der nächsten Nacht mußte die unterbrochene Vorbereitung vollführt und alles rasch zu Ende gebracht werden. Er ließ daher seiner Frau sagen 9 möge ruhig bei ihrer Tochter bleiben, da er ohnedies W

verreise. (Fortsetzung folgt.)

Boten vom Kohlen⸗ ihr noch mancherlei noch mehrere Tage

und ihn ge⸗

schriftlich oder

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