Ausgabe 
22.7.1915
 
Einzelbild herunterladen

.

N

Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1 80 Mk.

Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008.

Juserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben.

Nr. 169

10. Jahrgang.

Daß Shluufenland der Agrnrier.

Aus Budapest wird uns geschrieben:

Der blutige Krieg, der sich seit Beginn so schwer auf alle Stände legte und besonders der ärmlichen Bevölkerung so viele Ent- behrungen auferlegt. hat Ungarn zum Eldorado der jederzeit bevor zugten Agrarier gemacht.

Schon beim Ausbruche des Krieges im Vorjahre stiegen die ohnedies schon hohen Fruchtpreise zu einer Höhe, wie sie sich selbst der kühnste Agrarier nicht zu träumen wagte und das Ackerbau treibende Ungarn erlebte die Genugtuung, daß die Brotfrüchte dort die teuersten in Europa waren. Da der Anbau, sowie auch sämt liche Erntearbeiten in vollem Frieden geschahen bei Ausbruch des Krieges war bereits die Ernte eingeheimst wurde der Welt- krieg natürlich als Ursache der hohen Getreidepreise hingestellt.

Die Ernte des Jahres 1914, die an Korn und Weizen insge samt kaum 40 Millionen Meterzentner ergab, brachte den Agrariern durch den Krieg einen reichen Gewinn. Vom Beginn des Krieges, wo doch die gesamte Ernte noch in den Händen der Agrarier war, bis zu Neujahr 1915 stieg der Meterzentner um 15 Kronen, sodaß diese Preissteigerung allein den Agrariern nahezu 600 Millionen Kronen als Kriegsprofit neben dem üblichen Gewinn einbrachte.

Mittlerweile erschien auch die Verordnung der ungarischen Re gierung, derzufolge reines Weizenmehl nicht mehr verbacken werden durfte und eine 50prozentige Mischung mit Mais oder Gerste diktiert wurde, und diese Verordnung trieb auch die Preise von Mais und Gerste zu einer nie geahnten Höhe. Der Meterzentner Mais, der gewöhnlich in Ungarn zu 1014 Kronen gehandelt wurde, stieg auf 2426 Kronen, und als später eine neue Verord⸗ nung der Regierung die Requirierung des vorhandenen Mais vorrates aussprach, bestimmte die ungarische Regierung den Maximalspreis von Mais auf 30 Kronen. Der Mais, der in Ungarn niemals als Brotfrucht gebraucht wurde, brachte den Agrariern einen noch größeren Gewinn, da es sich nicht bloß um die Ernte des Jahres 1914 handelte, sondern um gewaltige Vorräte der früheren Jahre, da die meisten Großgrundbesitzer den Mais stets trocken, also erst nach 12 Jahren auf den Markt bringen. In Börsenkreisen schätzt man den Gewinn der Agraxier bei Mais allein auf wenigstens eine Viertelmilliarde Kronen. Der öffent⸗ lichen Meinung gegenüber wurde die Verordnung der Mehlmischung, wie auch der Requirieruna des Maisvorrates damit begründet, daß ein Mangel an Weizen und Korn dies notwendig macht und die Bevölkerung vor einer etwaigen Hungersnot gesichert werden müsse. Kaum war jedoch der in dem Besitze der Agrarier stehende Maisvorrat von der Regierung aufgekauft, da begann in der ge⸗ samten Presse des Landes die Agitation gegen die Maismischung und bald hob die Regierung diese Verordnung auf, mit der neuer lichen Begründung, daß, da die neue Ernte bevorstehe und auch günstig ausfalle, das Land genügende Vorräte an Weizen und Korn besitze. Die Agrarier hatten bis dahin die Maisvorräte natürlich schon zu den Maximalpreisen losgeschlagen. Während die Agrarier im Gewinn nahezu erstickten, setzte die Bevölkerung des Landes ihre Hoffnung auf die neue Ernte, die den Prophezeiungen zufolge äußerst gut auszufallen versprach. In dieser Hoffnung wurde die Bevölkerung jedoch noch vor der Ernte getäuscht. Die ungarische Regierung erließ wieder eine Verordnung, in welcher sie die Sperre der Weizen⸗, Korn⸗ und Halbfruchtfechsung des Jahres 1915 an⸗ ordnete und im Interesse des allgemeinen Bedarfs den Verkauf dieser Brotfrüchte nur unter den in der Verordnung genannten Be dingungen gestattet.

Gestützt auf diese Verordnung gründete die Regierung eine Kriegsprodukten⸗Aktiengesellschaft, die das Getreide von den Produzenten aufkaufte. Zu welchem Preise das geschehen sollte, darüber schwieg die Verordnung.

Kaum war diese Verordnung erlassen, als auch schon der Landesverein der Landwirte Ungarns die Regierung aufforderte, den Preis des Getreides festzustellen, jedoch forderten diese Land⸗ wirte gleichzeitig, auch den bisherigen Maximalspreis zu erhöhen.

Die Regierung kam auch pünktlich dem Verlangen der Land⸗ wirte nach und wenn sie auch nicht die Preise erhöhte, da sie doch nur zu gut wußte, daß die Produktionskosten durch Beistellung von russischen Gefangenen und durch massenhafte Beurlaubungen zu den Erntearbeiten, sich nicht vergrößert hatten, so setzte sie dennoch den Preis des Weizens der neuen Ernte in derselben Höhe fe, wie er derzeit besteht, mit 41 Kronen pro Meterzentner.

Also ist der Weizen der neuen Ernte mit dem Höchstpreis der alten Ernte festgesetzt, jedoch sinkt dieser Preis in je zehn Tagen, dem August angefangen, um eine Krone bis auf 37 Kronen, sodaß nach vollkommen beendigter Ernte am 15. September der Maximal⸗ preis 37 Kronen beträgt. Welch horrender Gewinn nun wieder den Agrariern zuströmt, läßt sich aus der amtlichen Schätzung der geuen Ernte schon jetzt erraten. Der dankbare ungarische Boden gibt dem Volke für das an seiner Karpathengrenze vergossene Blut goldenen Weizen in Hülle und Fülle, zeigt sich erkenntlicher als im Vorjahre. Die amtliche Schätzung, die nach Aussage der Landwirte noch weit übertroffen wird stellt sich für das Jahr 1915 wie folgt:

Weizen 45 973 886 Meterzentner, Korn 12902 330 Meterzentner, Gerste 13 546 783 Meterzentner.

Um nahezu 50 Prozent ist demnach die Ernte 1915 größer als Nie vorjährige. Der Höchstpreis des Vorjahres wurde aber von der Regierung auch für diese Ernte festgesetzt. Wahrlich, die Agrarier Ungarns können mit dieser Regierung zufrieden sein. Ungarn i das Schlaraffenland der Agrarier geworden und Ungarns Volk es mag betteln gehen, wenn es hungrig ist.

0 Die enlischen Verluste an den Dardanellen. T. U. London, 20. Juli. Nach einer amtlichen Bekannt⸗ machung betragen die englischen Gesamtperluste an den Dardanellen in Berichtigung friiherer Hiftorn bis Ende Juni

Gießen, Donnerstag, den 22. Juli 1915

an Toten 540 Offiziere, 7543 Mann, an Verwundeten 1257 Offiziere, 25 552 Mann, und an Vermißten 136 Offiziere, 7401 Mann. Das ergibt einen Gesamtverlust von 1933 Offi⸗ zieren und 40 496 Mann. Die französischen Verluste werden kaum geringer sein.

Der englische Bergarbeiterstreik. Deutschlands innere Sicherung.

Die Spannung, mit der die kriegerischen Ereignisse verfolgt werden, hat im Augenblick eine scharfe Konkurrenz bekommen, näm⸗ lich die Aufmerksamkeit, die der englische Kohlenarbeiter⸗ streik erregt. In der Tat handelt es sich hier um eine Er⸗ scheinung, die in vielfacher Beziehung bedeutsam ist, nicht nur für England selbst, sondern ebenso sehr und ebenso ernst für jedes andere Land. Davor aber möchten wir zunächst warnen, diesen Streik in England, wenn er auch über 200 000 Mann erfaßt und einigen industriellen Werken schon Schwierigkeiten bereitet hat, als mögliche Rückwirkung auf Englands kriegerischen Widerstand zu überschätzen. Nichts wäre verkehrter als das, nichts im deutschen Interesse gefährlicher. Die Engländer haben durch ihren ganz un⸗ vergleichlichen Kohlenreichtum und durch ihre Beherrschung der Meere genug Möglichkeiten, selbst weit ernsthaftere Störungen ihres Wirtschaftslebens auszugleichen. Der Streik könnte nur, wenn es der Regierung nicht gelingt, die Unternehmer bald zur Raison zu bringen, auf die Stimmung des Landes sehr bös zurückwirken.

In dieser Hinsicht kann man gespannt sein, ob die englische Regierung ihre Macht und die Gesetze auch gegen die Unternehmer ebenso anwenden wird wie gegen die Arbeiter. Es wäre sicherlich keine unpopuläre Maßnahme, wenn die englische Regierung die Unternehmer des Kohlendistrikts von Cardiff jetzt auch in militäri⸗ sche Bataillone einreihen würde, wie sie das bekanntlich mit den Liverpooler Hafenarbeitern gemacht hat. Das würde sicherlich die berühmte englische Demokratie mit neuem Ruhm bestrahlen.

Für Deutschland aber hat der englische Bergarbeiterstreik eine ganz andere beachtenswerte Seite. Wir sind in Deutschland bisher während des Krieges von ernsthaften Streiks, selbst von größeren Lohndifferenzen verschont geblieben, sicherlich nicht dank besonderem Entgegenkommen der Unternehmer, sondern dank der starken Macht, die die deutschen Gewerkschaften schon vor dem Kriege bildeten und dank der Umsicht, mit der sie sich den neuen Verhält⸗ nissen angepaßt haben. Ganz offen darf auch gerühmt werden, wie im besonderen die militärischen Behörden durch Errichtung und Begünstigung der Arbeitsgemeinschaften zwischen Arbeitern und Unternehmern die gütliche Austragung von Streitigkeiten gefördert haben. Das ist eine innere Sicherung für Deutschland geworden, die besonders dann, wenn das Kriegsglück nicht so unleugbar auf unserer Seite gewesen wäre, von ganz unvergleich lichem Wert hätte sein müssen. Diese innere Sicherung Deutsch⸗ lands ist natürlich von der größten Bedeutung für unsere kriege⸗ rische Stärke. Dabei muß immer wieder betont werden, daß die körperliche und geistige Entwicklung der Arbeiterschaft in Deutschland überhaupt ein ganz unvergleichliches Fundament unserer Rüstung bedeutet. Es ist vielfach, auch von Heerführern wie Hindenburg, wiederholt anerkannt worden, daß es im wesentlichen die überlegene Intelligenz und morali⸗ sche Kraft der deutschen Truppen ist, die ihnen so oft den Sieg auf den Schlachtfeldern gegeben hat. Ein gewaltiger Teil unserer Truppen aber besteht aus Arbeitern, die ihre innere Bildung wesentlich in den Gewerkschaften und in der Partei bekommen haben und deren Körper durch den Arbeiter- schutz, den Partei und Gewerkschaften ihnen nach dem Worte Bis marcks erst erkämpft haben, gestählt wurde. Jetzt wird hoffentlich auch die bürgerliche Welt einsehen, daß der Arbeiterschutz nicht nur eine Stärkung der deutschen Arbeiterklasse bedeutet, sondern eine innere Sicherung der Nation. Es bleibt zu hoffen, daß diese Einsicht auch über die Zeit des Krieges erhalten bleibt und

uns nach dem Frieden eine neue Aera der Sozialpolitik schaffen

hilft.

Dabei ist es selbstverständlich, daß die sozialpolitischen Er- rungenschaften, die der Krieg uns der Not gehorchend gebracht hat, nicht wieder aufgegeben werden dürfen, sondern kraft⸗ voll ausgebaut werden müssen; denn wie die Welt auch immer nach diesem Krieg aussehen mag, das eine ist für alle gewiß: daß die Zukunft eines Volkes niemals mehr auf die äußere militärische Rüstung allein gebaut werden wird, sondern mindestens ebenso sehr auf die innere wirtschaftliche und moralische Sicherung des Volkes.

*

Besichtigung der russischen Gefangenenlager.

Das dänische Rote Kreuz erhielt vor einiger Zeit vom Roten Kreuz in Petersburg die Aufforderung, Unterhandlungen mit der deutschen Regierung darüber einzuleiten, daß ein Abgesandter des dänischen Roten Kreuzes, wenn möglich, in Begleitung einer ruf⸗ sischen barmherzigen Schwester, die Kriegsgefangenenlager Deutsch⸗ lands, in denen sich Gefangene russischer Nationalität befinden, be⸗ suchen dürfe. Der Leiter der beim dänischen Roten Kveug bestehen⸗ den Abteilung für Kriegsgefangene, Konferenzrat Dithmer setzte sich mit den deutschen Behörden in Verbindung und erhielt die Antwort, daß das preußische Kriegsministerium der Anvegung zustimane unter der Bedingung, daß gleichzeitig ebensolche Abgesandte die deutschen Gefangenenlager in Rußland besuchten, und zwar sollten wegen der Ausdehnung Rußlands dorthin drei Abgesandte geschickt werden. Dies wurde den russischen Behörden vorgelegt und vom russischen Kriegsministerium angenommen unter der Bedingung, daß auch nach Deutschland drei Abgesandte geschickt würden. Da das preußische Kriegsministerium damit einverstanden ist, wird der Plan nummehr durchgeführt. Nach Rußland entsendet das Rote Kreuz, wie Ritzaus

Bureau meldet, den Kapitän zur See C. Drechsel, Oberst S. Meyer und Oberst G. Muus, nach Deutschland Konsul Erik Henius, Kor⸗ vettenkapitän a. D. C. von Späth und Korvettenkapitän L. Tvermoes.

Weltkrieg.

Deutschland und Amerika.

In Amerika entrüstet man sich über den Angriff eines deutschen Unterseebootes auf den DampferOrduna der Cunard⸗Linie, der 227 Passagiere, darunter zahlreiche Amerikaner, an Bord hatte, nicht nur wegen der Tatsache, daß, wie bei derLusitania, keine vorherige Ankündigung erfolgt sei, sondern auch deshalb, weil das Schiff nach Amerika zurückfuhr, sodaß infolgedessen nicht wie bei der Lusitania Entschuldigungen vorgebracht werden könnten. Die Blätter erklären, Deutschland habe von neuem seinen Entschluß gezeigt, in gleicher Weise die durch die internatio⸗ nalen Abmachungen, wie durch menschliche Erwägungen ge⸗ botenen Beschränkungen zu mißachten. Man werde Wilson zwingen, Deutschland nicht mit Nachsicht und Schwäche zu behandeln.

Die Arbeiterbewegung in den amerikanischen Waffenfabriken.

Reuter meldet aus Bridgeport: Die Unterhandkungen über den drohenden Streik in den Waffenfabriken von Remington blieben ohne Erfolg. Die Führer der Arbeiter erklären, daß die Metallarbeiter und Maschinisten morgen Nachmittag die Arbeit niederlegen werden, und innerhalb einer Woche die Fabriken von Remington und die Fabriken der Gesellschaften, die ähnliche Be⸗ stellungen haben, arbeitslos sein werden.

Die Vertagung der griechischen Kammer.

T. U. Bukarest, 20. Juli. Die Athener Zeitung Embros meldet, daß die Kammer auf unbestimmte Zeit vertagt wor⸗ den sei und daß die Entscheidung der Regierung, ob sie später wieder zufsammentreten oder aufgelöst werden soll, innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist bekanntgegeben wird. Das Blatt fügt hinzu, daß die außerordentlich ernste Lage auch außerordentliche Mittel rechtfertige, um die Integrität und die Unabhängigkeit Griechenlands gegenüber jeder Mächtegruppe durchzusetzen.

Der Kriegsrat der Entente.

Ueber den jüngsten Kriegsrat der Verbündeten in Calais, der fast eine Woche dauerte, sickern jetzt allerlei Einzelheiten

durch. Danach hätten, wie die Morgenblätter zu melden wissen, fünf englische, drei französische und zwei belgische

Generale daran teilgenommen, General Porro sei erst in dem Augenblick angekommen, als die Beratung beendet war. Er habe nur noch Gelegenheit gehabt, sich kurz mit den anderen Herren zu besprechen. Als Hauptergebnis des Kriegsrats wurde angegeben: Die Rückkehr der alten Abnutzungstheorie gegenüber dem Feinde, also systematische Defensive, damit die Deutschen durch die ihnen aufgezwungene Offensive so viel Menschen als möglich verlieren, alsdann verschiedene Truppen⸗ verschiebungen und Vorbereitung des mit Sicherheit erwar⸗ teten Winterfeldzuges. Die Zustände in Warschau.

T. U. Krakau, 21. Juli. Nowa Reforma erfährt aus Warschau: In letzter Zeit ereigneten sich zahlreiche Ueberfälle auf Deutsche und Personen deutscher Abstammung. Massenverhaftungen sind an der Tagesordnung. Telephon und Telegraph sind allgemein für den Privatverkehr gesperrt. Der Eisenbahnverkehr ist unterbrochen. Gegenwärtig weilt in Warschau nicht ein einziger fremder Unter⸗ tan; selbst die englischen und französischen Berichterstatter haben die Stadt verlassen müssen. Die Späherei ist ungeheuer. Die Stimmung ist überall gedrückt. Man bereitet sich auf eine bevor⸗ stehende Belagerung der Stadt vor. Die Fabriken sind nach dem Innern Rußlands übergesiedelt. 30 000 Familien sind abgereist.

Die Räumung Rigas.

T. U. Petersburg, 21. Juli. Sämtliche behördlichen Archive Rigas, die Geldbestände der dortigen Staatsbank⸗ Filiale und die Akten der Gerichte sind gestern nach Peters⸗ burg abgegangen. Mit der Räumung der dortigen Inten⸗ danturläger ist begonnen worden. Staatliche Beamte haben die Weisung erhalten, zur Abreise bereit zu sein. Im Laufe der jüngsten Wochen haben 15 000 Personen der Zivilbevölke rung die Stadt fluchtartig verlassen. Nordwest⸗Bahnen haben die Anordnung erhalten, für 19 Flüchtlingszüge täglich Vorsorge zu treffen. Mitau sieht wie ausgestorben aus.

Einigung in Wales.

T. U. Rotterdam, 21. Juli. Wie aus London berichtet wird, ist zwischen den Regierungsvertretern und den Berg- arbeitern eine Einigung erzielt worden. Es wird angenom- men, daß damit der gesamte Bergarbeiterstreik in Wales bei⸗ gelegt wird.

Russische Maßnahmen in Bessarabien.

T. U. Bukarest, 21. Juli. Aus Bessarabien liegen Nachrichten vor, daß die dortigen Gutsbesitzer von den Behörden die Weisung erhielten, für die sichere Einbringung der Ernte zu sorgen und das Getreide dann in das Innere Rußlands schaffen zu lassen.

Die