ist andererseits eine Maßregel, die notwendig war, um der unreellen Spekulation auf den Leib zu kommen. Die kleinen
Händler müssen sich eben in Zukunft anderweitig Waren verschaffen, wozu die Gelegenheit nicht fehlen wird. Die
Bekanntgabe der neuen Anordnung hat auf den Mannheimer Märkten furchtbare Aufregung verursacht. Den Markt meiden wollten die Händler, ihn boykottieren und dem Stadt— rat ihre Kinder auf die Bude schicken, damit sie von diesem ihr Brot erhalten. Doch nützen tat das nichts! Mehrere städtische Beamte und Angestellte waren beordert, die alle zugefahrenen Waren, Obst und Gemüse, aufkauften, soweit sie preiswert zu haben waren. An fünf Marktständen wurden diese Waren zum Verkauf aufgestellt, und zwar zu Preisen, die wesentlich unter den bisher üblichen Marktpreisen standen. Damit hatte die Stadtverwaltung fürs erste das Mittel er— griffen, um entscheidend auf die Preisbildung einwirken zu können. Natürlich wird diese Maßregel ihre Nachwehen haben. Die Händler werden die Zufuhr abzuschneiden versuchen. Andernteils aber wird es sicherlich auch noch Leute geben, die den Bauern draußen nicht jeden Preis bieten und die mit einem gerechten Aufschlag zufrieden sind. Und soweit das nicht der Fall ist, muß die Gemeinde versuchen, in fernab dem großen Verkehr gelegenen Gegenden Marktwaren einzu— kaufen und auf den Markt zu bringen. Seide ist damit ja nicht zu spinnen. Das ist auch nicht nötig in dieser schweren Zeit.
Die Viehpreise sinken wieder. Der Auftrieb zum Frank furter Hauptmarkt am Montag bestand aus 2036 Rindern (205 Ochsen, 105 Bullen und 1726 Färsen und Kühen), 370 Kälbern, 38 Schafen und 1300 Schweinen. Beste Ochsen be— haupteten die am letzten Montag erreichte Notierung, dagegen
ging die zweite Qualität um 2 bis 3 Mark per Zentner
Schlachtgewicht herunter. Bei Bullen und besten Färsen und Kühen trat keine nennenswerte Preisveränderung ein: die mittleren Qualitäten der letzteren wurden um 5 bis 6 und 2 Mark billiger. Kälber gingen neuerdings im Preise herunter, gegenüber Donnerstag um 2 bis 4 Mark. Schafe stiegen, da der Auftrieb gering war, um 13 Mark und wur⸗ den mit 125 Mark bezahlt. Von den vier Gewichtsgruppen Schweinen trat bei den drei ersten gegenüber Donnerstag eine Verbilligung um 2 bis 5 Mark ein. Von 1300 Schwei⸗ nen waren bis zum Zeitpunkt der Notierung 219 zu Lebend— und 617 zu Schlachtgewicht verkauft. Der höchste Preis für Lebendgewicht war 125 Mark(11 Stück), der niedrigste 113,50 Mark(5 Stück), bei Schlachtgewicht der höchste Preis 150 Mark(52 Stück), der niedrigste 130 Mark(10 Stück). Ueber den Marktverlauf sagte der amtliche Bericht, daß das Rindergeschäft lebhaft verlief, gute Ware gesucht war und geringer Ueberstand verblieb. Am Kleinviehmarkt herrschte reger Handel; bei Schweinen war Ueberstand, was auf die Zufuhr von 220 gefrorenen holländischen Schweinen zurück⸗ geführt wird.— Wir möchten den Offenbacher Metzgern dringend empfehlen, endlich auch dem Beispiele der Frank— furter, Marburger, Gießener usw. und dem einiger ganz weniger ihrer hiesigen Kollegen zu folgen und die Klein— Fleischpreise herabzusetzen. Wir geben je gern zu, daß die Metzger, vor allem die kleineren, in den Tagen dieser gewal⸗ tigen Viehteuerung es auch nicht leicht haben, aber sie müßten sich daran erinnern, daß es auch eine vaterländische Pflicht ist, auf die sonst so gute Gewinne abwerfende hohe Preisspan— nung von früher einmal eine zeitlang zu verzichten, um dem Volke die Lebenshaltung zu erleichtern.
— Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Ersatzreservist Karl Ludwig Henkelmann aus Heuchel— heim, Inf.⸗Regt. 221.— Ersatzreservist Jakob Rinker aus Leun, Inf.⸗Regt. 111.
— Wahlverein Gießen. Die am Montag abgehaltene Mit⸗ gliederversammlung hatte gleich der vorhergegangenen einen recht guten Besuch aufzuweisen. Die Aussprache wurde fortgesetzt und sie gestaltete sich recht interessant. Zur Sache sprachen noch die Gen. Beckmann, Krumm, Arnold, Schecker und Neumann. Letzterer sprach sich dahin aus, daß die Fraktion und der Parteivorstand alles getan habe, was im Interesse der Herbeiführung des Friedens getan werden könne. Von Arnold und Schecker wurde befürchtet, daß es unter Umständen zur Spaltung in der Partej kommen könne, was jedenfalls verhüttet werden müsse. Beckmann vertritt den Stand⸗ punkt der„OOpposition“, während Krumm das Verhalten der Frak⸗ tion billigt und sich sogar mit Annexionen einverstanden erklärt.— Genosse Neumann schreibt uns zu dem Bericht über die vorßer⸗ gehende Versammlung:
Der Bericht über die Parteiversammlung läßt mich zur Annexionsfrage unter anderem folgendes sagen:„Jedoch könnte man sich eine wirtschaftliche Angliederung denken, z. B. Gewährung freien Handels und Verkehrs in den fraglichen Ländern, Einführung sozialer Gesetze und ähnliches, womit man unter Umständen einver⸗ standen sein könnte. Unter den in Frage kommenden Gebietsteflen befänden sich vielleicht auch solche, deren Bewohner die Annevion durch Deutschland wünschten.“ Zu diesen beiden Sätzen muß ich be⸗ merken: Ich habe gesagt:„Der Begriff Annexion bedarf in un⸗ seren Reihen noch einer Klärung. Einig sind wir darüber, daß jede gewaltsame Annexion abgelehnt werden muß, da sie nach unserer Auffassung nur zu neuen Kriegen führt. Wie aber stellen win uns — sagte ich dann— wenn dle Frage einer wirtschaftlichen Annexion auftauchen sollte? Vielleicht in dem Sinne einer Militärkonvention, Zollunion, Ausdehnung der sozialistischen Gefetze, Einführung des Schulzwanges usw.? Um dadurch den uns jetzt feindlich gegen⸗ über stehenden Staat wirtschaftlich an uns zu fesseln und ihn dem Blindnis der übrigen Staaten entreißen? Diese Frage ist noch nicht geklärt und darüber müssen wir uns noch verständigen.“ Ferner sagte ich:„Wie stellen wir uns der polnischen Frage gegenüber? Die Polen haben vielleicht das Verlangen von Rußland los zu kom⸗ men. Ein selbständiges Polen halte ich für ausgeschlossen. Wie, wenn in diesem Falle die Angliederung an einem anderen Staate erfolgen soll? Wir sehen, die ganze Sache ist nicht mit einfachen Schlagwörtern abgetan, sondern bedarf einer eingehenden sachlichen Behandlung.“ Dies der Sinn meiner Ausführungen. Jedenfalls 0 905 etwas wesentlich anderes, als wie der Bericht mich sagen
Vom Grauen des Kriegsschauplatzes. Aus dem Tagebuche eines französischen Soldaten aus Ryssel, der auf dem Schlachtfelde defunden wurde, veröffentlichte ein flämisches Blatt, die Vlaamsche Stem, das Folgende:„... Hier, an dieser Stelle traf Freund Planke die tödliche Kugel. Zehn Tage später liegt er noch an der⸗ selben Stelle.... Ich bin ja selbst verwundet und krieche auf Hän⸗ den und Füßen. Eben befühle ich den armen Freund und nehme ihm sein Taschenbuch ab, das ich später seinen Eltern übermitteln werde, wenn sch am Leben bleibe. Davon bin ich nicht überzeugt. Deshalb schreibe ich in das Büchelchen: Louis van den Berghe, Re⸗ servist beim 127. Infanterieregiment in Valencyn, wohnhaft Mi ra⸗ beaustraat 7, Rijsfel. Ich bam durch den Hals geschossen, habe drei
Kugeln im linken Beit, das mich jetzt sehr schmerzt: Fuß ist durch einen Granatsplitter getroffen; ich fühle ihn kaum mehr und er ist sehr dick geschwollen. Das Kriechen auf dem harten Boden fällt mir sehr schwer, denn ich bim schwach und ernähre mich seit vierzehn Tagen von Feldfrüchten und Zwieback aus den Tornistern gefallener Kameraden. In diesen vierzehn Tagen habe ich selbst auf großen Abstand keinen Krankenträger gesehen: wenn sie nicht bald kommen, finden sie mich tot neben meinem Freund Planke. Die Krankenträger müßten ihre Augen weiter auf⸗ machen... Wenn ich sterbe, dann lebe das Vaterland, weg mit den Deutschen!
„Ich denke an meine Mutter und meine Frau und suche in den Taschen meines Freundes Planke nach einem Messer, um meinen Stiefel vom Fuß zu schneiden, der mich schrecklich schmerzt. Der arme Kerl hatte auch kein Messer. Täglich ziehe ich seine Uhr auf und mache einen Strich, wenn ein Tag vorbei ist. Meine rechte Hand erlahmt und ich kann kaum noch kriechen, um in den Tornistern nach Brot und in den Feldflaschen nach Flüssigkeiten zu suchen.
.. Wenn Gott den Krieg in zwei bis drei Tagen zu Ende gehen läßt, dann werde ich ganz bestimmt noch gerettet... Ich kann nicht mehr kriechen. Hände und Füße gehorchen nicht mehr; sie schmerzen entsetzlich. Wo bleiben die Kramkenträger? Ich lege mich neben Freund Planke hin... Bis morgen...“
Neben seinen Freund wurde der Vermißte später gefunden.
— Ein Fräulein Bürgermeister. Der King macht Dinge mög⸗ lich, die man zu anderer Zeit ins Fabelreicuberwiesen hätte. So wurde durch ihn ein zweiundzwanzegjähriges Fräulein stellvertretender Bürgermeister in einem Städtchen im Süden Frank⸗ reichs. Die junge Lehrerin arbeitete zugleich als Sekretärin in der Bürgermeisterei. Da sie auch ein Pflegerinnenattest hat, meldete sie sich bei Ausbruch des Krieges beim Roten Kreuz und wartete nun auf ihre Anstellung. Inzwischen wurden der Bürgermeister ihres Ortes und der Gehilfe zu den Fahnen berufen, die Ver⸗ waltungsgeschäfte stockten, und auf ihre Anfrage bei der Präfektur bedeutete man dem jungen Mädchen, daß sie auf ihren Posten zurück gehen und dort die Berufung als Pflegerin abwarten solle. Sie folgte diesem Rate und rief noch am gleichen Tage die Stadträte zusammen, damit eine Entscheidung über den weiteren Gang der Dinge gefällt werden sollte. Sie hoffte, daß einer von ihnen den Posten des Bürgermeisters übernehmen würde;: aber alle weigerten sich, die Verantwortlichkeit zu tragen. Schließlich bot man ihr den Posten an mit der Begründung:„Nicht einer von uns ist fähig, diese Arbeit fortzuführen, und außerdem haben wir nicht die Zeit dazu.“ Fräulein X. wäre lieber zu den Verwundeten gegangen: aber die Stadtväter erklärten ihr, daß sie sie reklamieren würden, und auf der Präfektur, der sie die Situation klarlegte, meinte der Unterpräfekt:„Mademoiselle. Sie sollten ohne Zweifel bleiben. Bei dem Roten Kreuz werden Sie leicht ersetzt werden, aber in der Kommune sind Sie unersetzlich. Sie können hier so gut Ihren Patriotismus beweisen wie dort. Ich werde Ihre Entlassung bei der Gesellschaft erlangen, und ich bin sicher, daß Sie Ihre Aufgabe außerordentlich gut erfüllen werden. Außerdem, man erweist Ihnen eine große Ehre, indem man Sie mit dieser Aufgabe betraut.“ So wurde die junge Lehrerin und Sekretärin zum stellvertreten⸗ den Bürgermeister, und es wurde ihr keinerlei Arbeit oder Verantwortung abgenommen. Sie sprach bei den Gemeindever— sammlungen und im Wohlfahrtsbureau, sie stellte die Tagesord— nungen zusammen, sie gab den städtischen Arbeitern Aufträge, be— stellte Arbeitsmaterial— nichts wurde von den Stadträten erledigt. Die Gemeinde ist außerordentlich zufrieden mit ihrem stellver— tretenden Bürgermeister, und sowohl die Stadtverordneten wie die Bevölkerung haben sich vollkommen daran gewöhnt, eine Frau an der Spitze des Gemeinwesens zu sehen. Fräulein X. hat durch ihre Arbeit der französischen Frauenbewegung einen großen Dienst er— wiesen. Sie hat den Beweis erbracht, daß Frauen sehr wohl in der Lage sind, verantwortliche Stellen im öffentlichen Leben auszufüllen.
— Gerechte Strafe für einen Kartoffelwucherer. Der Guts⸗ besitzer Lehmann in Dittelsdorf bei Zittau i. S. hatte sich vor dem Bautzener Landgericht am Freitag wegen Erpressung zu ver⸗ antworten. Eine unbemittelte Kriegersfrau in Zittau hatte in der Zeit der Kartoffelnot bei ihm mehrere Zentner Kartoffeln bestellt und einen Zentnerpreis von 3,50 Mark vereinbart. Lehmann wartete jedoch mit der Lieferung so lange, bis der Höchstpreis um 1,75 Mark erhöht wurde. Er teilte der Frau dann mit, sie könne die Kartoffeln haben, wenn sie 5,25 Mark pro Zentner bezahle. Die Frau war bereit, die Kartoffeln für den Preis zu nehmen, da sie nirgends billiger zu haben waren. Lehmann ließ aber wieder einige Wochen vergehen, in denen der Preis weiter stieg. Auf Mahnung schrieb er der Frau auf einer zweiten Karte, daß sie die Kartoffeln nur für sieben Mark pro Zentner erhalten könnte, also für das Doppelte des vereinbarten Preises. Unser Zittauer Parteiorgan nahm den menschenfreundlichen Mann unter die Lupe, was die Staatsanwaltschaft veranlaßte, einzuschreiten. Eine Uebertretung der Höchstpreise kam nicht in Frage, da für Mengen unter 20 Zentner kein Höchstpreis bestand. Das Landgericht erblickte aber in der Handlungsweise eine versuchte Erpressung und verurteilte L. zu zwei Wochen Gefängnis. Manchem skrupellosen Profit⸗ jäger müßte ähnlich auf die Finger geklopft werden.
An den Pranger mit den Lebensmittel⸗-Verteurern! Eine äußerst scharfe Verfügung gegen den Lebensmittelwucher hat der
mein rechter
Gouverneur der Festung Köln erlassen. In ihr heißt es:„Die notwendigen Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände haben eine
Preisstejigerung erfahren, die von den minderbemittelten Volks⸗ kreisen äußerst schwer empfunden wird. Die Preissteigerung ist zum Teil künstlich herbeigeführt worden. Gewinnslichtige Absicht hat zu unlauteren Machenschaften im geschäftlichen Verkehr sogar mit den für die Volksernährung und Unterhaltung unentbehrlichen Gegen⸗ ständen geführt. Sowohl Produzenten als auch Händler haben die Waren aus dem Verkehr zurückgehalten, um die Nachfrage zu er⸗ höhen und dadurch höhere Preisangebote zu erzielen.... Ich er⸗ warte, daß alle Volkskreise der Gefahr, die dem Vaterlande durch solch unpatriotisches Verhalten droht, entgegenwirken und diejenigen Fälle zur Kenntnis des Gouvernements bringen, in denen notwen⸗ dige, zum Verkauf bestimmte Nahrungsmittel und Gebrauchs⸗Gegen⸗ stände von Produzenten oder Händlern zurückgehalten oder Pre gefordert oder geboten werden, die als unverhältnismäßig hoch be⸗ zeichnet werden mlissen. Dex Anzeigende hat seinen Namen mit Wohnung genau anzugeben. Ergibt sich, daß die bestehenden Straf⸗ gesetze zur Beseitigung der Schäden nicht ausreichen, so werde ich unverzüglich weitere Verordnungen erlassen. Wer durch künstliche Preistreibereien oder durch unangemessene Verdienste im geschäftlichen Verkehr mit Lebensmitteln oder Gehrauchsgegenstän⸗ den die Interessen der Allgemeinheit verletzt, wird öffentlich namhaft gemacht werden.“— Auch in Offenbach ist es durchaus angebracht, die Namen der Preisverteuerer öffentlich bekannt zu geben. Der Konsumenten-Ausschuß wird das in allen ihm zur Kenntnis kommenden Fällen tun. Für heute erwähnen wir nur, daß nach Festsetzung des Milchhöchstpreises auf 26 Pfennig ein Milch⸗ mädchen des Oekonomierats Fritsch, wie uns berichtet wird, 28 Pfg. gefordert und dabei gesagt hat:„Wer nicht 28 Pfennige zahlen will, der soll Wasser trinken.“
— Die Freilichtbühne gab gestern eine Vorstellung für die Schwerverwundeten, die in der chirurgischen Klinik untergebracht sind. Als„Bühne“ hatte man den Garten der Klinik auserwählt und hergerichtet, wohin die Zuschauer zum Teil in ihren Betten gebracht worden waren. So kam ein ziemlich zahlreiches und nebenbei auch sehr dankbares Publikum zusammen, das die Auf— führungen mit sichtlichem Interesse verfolgte. Es fehlte auch nicht an lebhaftem Beifall und man konnte feststellen, daß die Leute für das ihnen Gebotene sehr dankbar waren. Gespielt wurden die drei Einakter„Rosen des Herrn v. Malesherbes“,„Vetter von Bremen“ und„Die Gouvernante“. Mitwirkende waren dieselben als bei den früheren Aufführungen auf der Freilichtbühne und alle gaben sich redlich Mühe und erfüllten ihre Aufgabe vortrefflich. Die Vor⸗ stellung wurde mit einem von Frl. Neumann gesprochenen Prolog eingeleitet.
Telegramme. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht
Radom besetzt.— Die Beute der Kämpfe. Wien, 20. Juli.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart, Juli 1915, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz. Zwischen der Weichsel und dem Bug sind gestern die ver⸗ bündeten Armeen in der Verfolgung des weichenden Gegners über das Schlachtfeld der letzten Tage hinausgerückt. Bei den am Erfolg hervorragend beteiligten Truppen des Feldmarschalleutnants Arz wuchs die Zahl der eingebrachten Gefangenen auf 50 Offiziere und 3500 Mann. Auch bei Sokal brachten unsere Truppen über 3000 Gefangene ein.
Westlich der Weichsel haben unsere Verbündeten in helden⸗ mütigem Ringen den russischen Widerstand an der Ilzanka ge⸗ brochen. Südlich und westlich von Radom bestanden österreichisch⸗ ungarische Regimenter heftige Kämpfe. Siebenbürgische Infanterie stürmte den Ort Kostrzyn. Radom wurde heute vormittag von unseren Truppen besetzt.
In Ostgalizien ist die Lage zwischen der Bukowina und Bessarabien Plastuni⸗Brigade überfallen und zersprengt.
Italienische Angriffe auf der ganzen Front
abgeschlagen. JItalienischer Kriegsschauplatz.
Die Schlacht im Görzischen dauert fort. Die italienischen Angriffe, die sich nun mit großer Heftigkeit auch gegen den Görzer Brückenkopf richteten, hatten am gestrigen Tage und in der Nacht auf den heutigen wieder kein Ergebnis. Nach starker bis Mittag währender Beschießung des Brückenkopses durch die feindliche Artillerie ging die italienische 11. Infanterie⸗Division mit be⸗ trunkenen Truppen zum Angriff gegen den Abschnitt von Podgora vor. Der Feind drang stellenweise in unsere Deckungen ein, wurde aber wieder hinausgeworfen. Nach neuerlicher Artillerievorbe⸗ reitung erfolgte um 4 Uhr nachmittags ein zweiter Angriff, der um 8 Uhr abends gleichfalls abgeschlagen war.
Um den Rand des Plateaus von Doberdo wird erbittert weiter⸗ gekämpft. Gestern nachmittag schlug tapfere ungarische Landwehr einen starken Angriff gegen ihre Stellungen bei Sdraussina zurück. Auch drei weitere Massenangriffe der Italiener brachen hier zu⸗ sammen. Ebenso scheiterten gegen den südwestlichen Plateaurand von Polazzo, Redipuglia, Vermegliano herangeführte Vorstöße, so⸗ wie ein Angriff auf den Monte Cosich(nördlich Monsaleone). Der in seine Deckungen zurückflutende Feind erlitt überall schwere Ver luste. a
Die Artilleriekämpfe am mittleren Jsonzo, im Krn⸗ gebiet und der Kärntner Grenze hielten an. Im Raume südlich des Krn wurden zwei heftige Angriffe der Alpini abgeschlagen. In den bereits erwähnten heftigen Gefechten in der Kreuzberggegend verloren die Italiener über 200 Mann an Toten und etwa das Doppelte an Verwundeten. Demgegenüber beträgt dort unser Ge⸗ samtverlust 42 Mann.
Die Stellung südlich Schluder bach wurde von unseren Truppen wieder zurückgewonnen. Ein neuerlicher Angriff schwächerer italienischer Kräfte auf den Col di Lang mißlang wie alle früheren.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Felsmarschallentnan. „Ein wahrhaft mongolisches System.“
Unter dieser Spitzmarke schreibt der Krakauer Naprzöd Wie wir aus dem Gouvernement Radom erfahren, haben dort die Russen bei ihrem Rückzuge 200 Dörfer aus militärischen Rücksichten völlig niedergebrannt. Ebenso sind auch zahl⸗ reiche Dörfer im Gouvernement Lublin vollständig zerstört worden. Alle Jünglinge und Männer von 15—50 Jahren, aber auch viele Mädchen haben die Russen vor sich hergetriehen und in die Ge⸗ fangenschaft abgeführt, zurückgelassen haben die Russen nur alte Männer, Frauen, Kinder und Trümmerstätten, alles dies nur, damit die vorrückenden deutschen und österreichischen Truppen nichts mehr vorfinden.
Die Kämpfe am Dujestr und an der
bessarabischen Grenze.
Czernowitz, 20. Juli. Die Russen holten zum unteren Dujestr große Verstärkungen herbei und versuchen, unseren Truppen die am linken Dujestrufer gewonnenen Positionen zu entreißen. Alle Bemühungen blieben erfolglos. Die Unsrigen halten die Positionen fest, trotzdem die Russen auch schwere Artillerie herbeigeschafft haben. Heftige Artillerie⸗ kämpfe haben sich entwickelt. An der bessarabischen Grenz⸗ front haben die Russen in den letzten vier Nächten große An⸗ stürme unternommen, die regelmäßig von den Unsrigen ab⸗ gewiesen wurden. An einer Stelle waren die Russen, nach⸗ dem sie die Drahtverhaue durchschnitten hatte, in größeren Abteilungen eingedrungen. Sie wurden gefangen genom⸗ men. Der vorgestrige Nachtangriff dauerte sechs Stunden; unaufhörlich unternahmen die Russen Sturmangriffe. Manche Stellungen versuchten sie achtmal zu stürmen. Alle Be⸗ mühungen waren aber vergebens.(Frankf. Ztg.)
Eisenbahnattentate um Warschau.
T. U. Krakau, 20. Juli. Aus Petrikau wird gemeldet: Fort⸗ gesetzt wiederholen sich die Anschläge auf Eisenbahnen um Warschau. Nach 8 Uhr abends darf sich in Warschau ohne besondere Erlaubnis niemand mehr auf den Straßen zeigen. Einer besonderen Be⸗ willigung bedürfen auch Reisende, die Warschau nur passieren.
Die Räumung Warschaus.
T. U. Wien, 20. Juli. Das 8 Uhr-Blatt meldet aus Kopenhagen: Petersburger Zeitungen ist zu entnehmen, daß die für Rechnung des Staates arbeitenden Warschauer Fabrik- betriebe nach Sjedleo und Litowsk verlegt werden. Die russische Goͤuvernementsbehörde in Warschau siedelt teilweise nach Bjela über. Die Finanzverwaltung des Gouvernements befindet sich bereits in Bjela.
Das jüngste Gericht über Rußland.
Das Kopenhagener Extrabladet schreibt: Durch! das Vorstürmen der gewaltigen deutschen und österreichischen Heeresmassen auf der ganzen Front von der Ostsee bis zur Grenze Rumäniens unter der Leitung der größten deutschen Militärgenies werde allem Anschein nach der Ostfeldzug entschieden. Ein jüngstes Gericht sei über die Ostfront gekommen. Hindenburgs Offensive arbeite schnell und energisch vorwärts gegen Riga. Das set die wichtigste Zwischenstation auf dem Weg nach Petrograd.
20.
An der Grenze eine russische
unverändert. wurde
Zum Austausch deutsch⸗russischer Kriegsinvaliden. T. U. Christiania, 20. Juli. Die Verhandlungen zwischen
Deutschland und Rußland wegen der Auswechselung der Kriegs⸗ inwaliden sind nummehr glücklich beendigt. Der Drausport zur See


