Ausgabe 
20.7.1915
 
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u. Co. ein Diebstahl ausgeführt worden.

deit eine Anzahl Munitionsfabriken innerhalb acht Tagen zur Einstellung der Arbeit gezwungen sein würden.

Auf der ersten Seite der Daily Expreß steht im Sams⸗ tag in zollgroßen Buchstaben:Der Daily Expreß setzt 5000 Pfund Sterling(100 000 Mk.) für die Information aus, die zur Verhaftung und Verurteilung der Person oder der Personen führt, die für die Anzettelung des Kohlenstreiks durch deutsche oder andere fremde Agenten verantwortlich sind.

Neue Schlachtopfer.

Einer Meldung der Heating zufolge haben die Engländer 45000 Mann neuer Truppen in Malta zusammengezogen, die zur Verstärkung der Landungskorps an den Dardanellen bestimmt sind. Auch 50 Transportschiffe, die die Truppen an ihren Bestimmungsort bringen sollen, lägen in Malta schon bereit.

Neue englische Kreditvorlage.

T. U. London, 19. Juli. Im Unterhause erklärte am Samstag Asquith, daß er vor der Vertagung des Parlaments neue Kredite fordern werde. Laut einer Meldung des Daily Telegraph werden sich die verlangten Kredite auf 10 Millionen Pfund Sterling(2 Mil⸗ liarden Mark) belaufen. Es ist dies die sechste Kreditvorlage seit dem Kriegsausbruch.

Anarchie in Moskau.

T. U. Budapest, 19. Juli. Pesti Naplo meldet aus Mos⸗ kau, dort herrsche Anarchie. Eine gewaltige Militärmacht hat stets Bereitschaft. Die revolutionären Komitees richten an die 17jährigen Aufrufe, der Einberufung zu den Fahnen nicht Folge zu leisten. In den revolutionären Proklamation⸗ nen heißt es weiter, daß die Sache Rußlands verloren sei. Die russische Armee habe in den Monaten Mai und Juni Millionen Mann verloren; es gibt keine Offiziere mehr, zudem werden die russischen Armeen auf besonderen Befehl angewiesen, mit der Munition zu sparen.

Die Sündenböcke.

Bukarest, 19. Juli. Für die russischen Niederlagen in Galizien werden die beiden Heerführer Dimitriew und Dragomirow verant- wortlich gemacht. Der erstere wurde auf Weisung aus Petersburg seiner Stellung enthoben, der letztere unter Anklage gestellt.

Die gricchische Parlamentseröffnung.

T. U. Kopenhagen, 19. Juli. Wie aus Athen gemeldet wird, ist es Gunaris geglückt, die Parlamentseröffnung einen Monat hinauszuschieben. Gunaris schiebe die Krankheit des Königs vor, um Venizelos zu verhindern, die Staatsleitung zu übernehmen.

Kriegsnolizen.

Hauptmann Jäger⸗Hofer, der Führer der bayerischen Felbfliegerabteilung Nr. 6 und Leutnant Schinnerer, Flug⸗ zeugführer der Abteilung, beide Ritter des Eisernen Kreuzes erster und zweiter Klasse und des bayerischen Militärverdienstordens, sind in der Nacht zum Samstag auf einer dienstlichen Automobilfahrt tödlich verunglückt.

Der als Landsturm⸗ Hauptmann im Felde stehende fort⸗ schrittliche Reichstagsabgeordnete Neumann⸗ Hofer ist in das Presse-Dezernat bei der belgischen Zentral verwaltung berufen worden.

In einem Walde bei Rothenburg o. T. wurden von den dort arbeitenden französischen Kriegsgefangenen vier rxussische Kriegsgefangene entdeckt, die im Walde übernachtet hatten. Die Flüchtlinge stammen aus einem württembergischen Gefangenenlager und wurden verhaftet.

Laut Mailänder Secolo brach Freitag nachmittag in den Metallwerken von Ilva in Bagnoli bei Neapel ein heftiger Brand aus. Fast der gesamte Fabrikteil, in dem die den verschiedensten Zwecken dienenden Gas- und Flüssigkeits⸗ behälter aufgestellt waren, liegt in Trümmern. Der bis jetzt fest⸗ gestellte Schaden übersteigt die Summe von 100 000 Lire.

Nach dem Corriere della Sera ist in der vergangenen Nacht in den Bureauräumen der Genueser Reederfirma Paolo Queiroli Den Dieben fielen für eine Million Lire Wertpapiere in die Hände.

Wie der Messaggero berichtet, mußte das englische Schlachtschiff Queen Elizabeth eingedockt werden, weil es durch Bersten eines eigenen Geschützes havariert wurde.

Der Messaggero veröffentlicht zwei Telegramme über den Tod von Genadie w. Nach dem einen Telegramm soll er Selbstmord verübt haben, nach dem andern soll er ermordet worden sein.

Das Kriegsgericht in Marseille verurteilte den dort lange Jahre ansässigen Deutschen Hermann Hochel von der Ham burger Union Sulfur Company, der rechtzeitig Frankreich vor Kriegsausbruch mit seiner Familie verlassen hatte, in contumaciam zum Tode. Hochel war, wie bereits mitgeteilt, wegen Spionage angeklagt.

Hessen und Nachbargebiete.

Gießen und Umgebung.

Unsere Kinder und unsere Feinde.

Im Berliner Tageblatt veröffentlicht Charlotte Gräfin Rittberg⸗Dresden eine Betrachtung überUnsere Kinder und unsere Feinde. Sie schildert das Treiben einer Kinder⸗ schar vor einer Dresdner Gärtnerei, in der gefangene Fran⸗ zosen, Russen und Engländer beschäftigt wurden. An den Zäunen sah sie täglich neugierige Männer und Frauen stehen und sie beobachtete dabei folgendes:

Vor ihnen drängen sich die Kinder des ganzen Stadt⸗ teils, klettern an den Planken empor, und ich muß es sagen, obwohl ich weiß, daß es nur ein Ausnahmefall ge⸗ wesen ist vor kurzem geschah es, daß einige ungezogene Jungen mit Schimpfworten die Steine eingelernten Hasses nach den fremden Männern warfen, die für ihr Vaterland gekämpft und für das Wohl ihrer eigenen Kinder Heimat und Herd verlassen haben.

Die Verfasserin erkennt an, daß diese Kinder von den älteren Leuten zurechtgewiesen wurden. Sie fügt hinzu:

Aber das Erlebnis zeigte eine Gefahr. Scheltet die Kinder nicht, sie wissen nicht, was sie tun; aber rüttelt die Lehrer, die Eltern auf, daß sie keinen Haß in junge Seelen pflanzen!

Nach 1870/71 habe man, warnt Gräfin Rittberg,die französischen Kinder in diesem Haß erzogen, der die er⸗ wachsene Nation heute in blinder Naserei ins Verderben jagt. Sie mahnt:

Predigt nicht Haß in den Schulen. Verschweigt der Jugend die unvermeidlichen Exzesse aufgepeitschter Brutali⸗ tät. Wie soll das Kind in seinem kleinen Leben die unge heuerlichen Auswüchse überreizter Leidenschaften richtig werten? Laßt die Geschichte zu den Herangewachsenen sprechen, nicht die Sensation des Tages zu den Unmündigen. Hütet eure Gespräche, prüft den Lesestoff der Jugend, über wacht ihre Spiele. Lehrt eure Kinder den Stolz auf den Adel ihres Stammes, aber laßt sie wissen, daß Adel ver⸗ pflichtet und daß das klarste Wasser fault und verschlammt, wenn es stille steht. Zeigt ihrem natürlichen Gerechtigkeits⸗ sinn den Weg zum gesunden Abscheu vor den kleinlichen Motiven und den verlogenen Ränken unserer Feinde; aber vergeßt nicht, sie dringend dazu anzuhalten, daß sie den Menschen achten im tapferen Gegner, und daß sie den ge fangenen Soldaten, der seine Pflicht tat, nicht verwechseln mit den Machthabern seiner Nation.

Der Artikel schließt mit der nochmaligen Mahnung. nichtden jungen Herzen den Giftstoff eines unverstandenen Hasses einzupflanzen. Wie sehr in den ersten Monaten nach Ausbruch des Krieges die Schule in diesem Punkte gesündigt hat, das wurde in unserem Blatte und in der gesamten Ar⸗ beiterpresse des öfteren gezeigt. Es ist erfreulich, daß auch in bürgerlichen Kreisen die Erkenntnis von der Schädlichkeit dieser Aussaat blinden Hasses an Boden gewinnt, und es wäre nur zu wünschen, daß die Mahnungen der Gräfin Ritt⸗ berg von allen, die es angeht, auch beherzigt würden.

Gegen die Preistreiberei. In Mainz haben die Milchhändler, ohne erst der Oeffentlichkeit Kenntnis zu geben, den Milchpreis von 26 auf 28 und sogar 30 Pfg. heraufge schraubt, obwohl wegen der Sache Verhandlungen mit der Stadt schwebten. Daraufhin hat die Stadtverwaltung auf weitere Verhandlungen verzichtet und den Höchstpreis auf 26 Pfg. festgestzt, was übrigens noch zu teuer ist. Der Höchstpreis tritt sofort in Kraft. Zuwiderhandlungen wer⸗ den mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder Geldstrafe bis 10000 Mark bestraft. Um der Teuerung auf dem Obst⸗ und Gemüsemarkt zu steuern, hat die Stadt die Er⸗ richtung eines Obst⸗- und Gemüseverkaufs in eigenem Vertrieb beschlossen. Die Beschaffung der nötigen Verkaufsmengen erfolgt mit Hilfe des Obst- und Gartenbau⸗ vereins des Kreises Mainz. Das dürfte sich anderwärts auch empfehlen.

gehen können.

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Stadtverordnetenversammlung. Eine Sitzung der Stadtverordneten findet nächsten Donnerstag, 22. Juli, nach⸗ mittags 5 Uhr, statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Mit⸗ teilungen. 2. Rechnungsabschluß der Plockschen Stiftung für das Jahr 1913. 3. Kaufvertrag mit Großh. Landeseigen⸗ tum wegen Geländeerwerb zur Lonystraße. 4. Bewilligung einer Kriegs⸗Teuerungszulage für die städtischen Arbeiter.

Die Auszahlung der Laudsturmgelder findet nach einer Bekanntmachung des Oberbürgermeisters am Mittwoch. den 21. Juli, Donnerstag, den 22. Juli, Freitag, den 23. Juli und Samstag, den 24. Juli 1915 statt.

Kommunale Bekämpfung des Lebensmittelwuchers. Um einen Einfluß auf die Gestaltung des Lebensmittelmarktes zu gewinnen, bringt die Stadt Mann heim nun nicht nur Kartoffeln und Eier, sondern auch Gemüse und Ohst zum Markt. Das Pfund städtischer Bohnen kostet auf dem Markt 16 Pfennig gegenüber einem Händlerpreis von 25 Pfennig, und Heidelbeeren werden zu 26 Pfg. das Pfund abgegeben, während an den Händlerständen 3545 Pfg. bezahlt werden müssen. Ferner hat die Stadt sechs Verkaufs stellen für Zucker, der in Mengen von 1 bis zu 5 Pfund und zu Preisen von 2830 Pfg. das Pfund abgegeben wird, das ist 34 Pfg. billiger als im sonstigen Kleinhandel. Das Bezirksamt Landau a. J. hat den Eierhandel im Be⸗ zirk in der Weise geregelt, daß die Weiterführung des Eier⸗ handels im Bezirk auf besonderes Ansuchen in widerruflicher Weise und nur jenen Eierhändlern und Eieraufkäufern ge⸗ nehmigt wird, die sich verpflichten, der Bevölkerung des Be⸗ zirks selbst jederzeit Eier in genügender Menge zur Ver⸗ fügung zu stellen und an diese um den Preis von höchstens 9 Pfg. für das Stück und von höchstens 2,60 Mk. für den Schilling zu verkaufen. Sie dürfen den Landwirten für den Schilling= 30 Stück nicht mehr als 2,50 Mk. geben. Aus⸗ wärtigen Händlern wird vorerst überhaupt keine Genehmi⸗ gung erteilt. Zur Bekämpfung der Lebensmittelteuerung beschloß der Magistrat von Nürnberg, sich mit den größeren Stadtverwaltungen Bayerns in Verbindung du setzen, um mit diesen bei der Reichs- und Staatsregierung und bei den Militärbehörden wegen Enteignung der gesam⸗ ten diesjährigen Kartoffel- und Gemüse-Ernte des Deutschen Reiches vorstellig zu werden. Ferner soll ein Ausfuhrverbot für alle Lebensmittel, sowie die schleunige Einberufung des bayerischen Landtages beantragt werden. Außerdem wurde beschlossen, den Handel mit Lebensmitteln konzessionspflichtig zu machen und den Ankauf von Lebensmitteln in den benach⸗ barten Orten durch Ausflügler aus der Großstadt zu verbieten. An die wohlhabendengtlassen der Bevölkerung wird der Aufruf gerichtet mit der Bitte, den Verbrauch von Butter, Milch und Eiern möglichst einzuschränken, um der minderbemittelten Bevölkerung die Beschaffung dieser Nahrungsmittel zu er⸗ schwinglichen Preisen zu ermöglichen.

Deutschlands Ernte im Jahre 1914. Das Kaiserliche Statistische Amt veröffentlicht jetzt im Reichsanzeiger die Er⸗ gebnisse der Ernte von 1914, die man bisher aus militärischen Gründen zurückgehalten hat. Wir entnehmen dieser Ver öffentlichung folgende Angaben: An Weizen ernteten wir 1914 3,97 Millionen Tonnen gegen 4,65 Millionen Tonnen im Vorjahre, an Roggen 10,43 Mill. Tonnen(i. V. 12,22), Sommergerste 3,14 Millionen Tonnen(i. V. 3,67), Hafer 9,04 Millionen Tonnen(9,71), Kartoffeln 45,57 Millionen Tonnen(54,12), Kleeheu 10,95 Millionen Tonnen(11,18), Luzernerheu 1,67 Millionen Tonnen(1,66), Wiesenheu 29,17 Millionen Tonnen(29,18). Wie vorauszusehen war, ist die vorjährige Ernte im Vergleich zu der vorhergegangenen bis auf die Futtermittel schlechter und im ganzen nur als eine mäßige zu bezeichnen. Trotzdem würde sie, Wenn die Re⸗ gierung sofort bei Kriegsausbruch und nicht erst ein Viertel⸗ jahr später durch zwangsweise Organisation und Beschlag⸗ nahme der Bestände eingegriffen hätte, zweifellos an Brot⸗ getreide für die Verbraucher noch günstiger haben ausgenutzt werden können, als es so möglich war. Für die bevorstehende Ernte, die nach den Vorberichten günstiger steht, haben wir von vornherein die Beschlagnahme, sodaß wir tatsächlich in jeder Hinsicht beruhigt in das neue Wirtschaftsjahr hinein⸗ Es muß nur dafür gesorgt werden, daß die

Diethelm von Buchenberg.

5 Erzählung von Bertold Auerbach. 27 Medard kam in die Stube und berichtete die Zahl der

Lämmer, die in diesen Tagen sich zahlreich eingestellt hatten,

indem er dabei bemerkte, der Meister möge doch auch wieder einmal in den Stall kommen und nachschauen. Diethelm wies den Medard mit strengem Blicke ab und sagte, er habe jetzt etwas anderes zu tun; als er aber dem stechenden Blicke Medards begegnete, fügte er hinzu:Ich komme gleich. Er überdachte schnell, daß er nichts auf sich kommen lassen dürfe, was als Fahrlässigkeit gegen sein Eigentum erscheinen könne. Sonst hatte er im Winter immer seine besondere Freude an den Schafen gehabt; im Sommer sind sie auf der Weide, dem Auge entrückt, im Winter aber gibt es oft täglich Junge, und stundenlang hatte Diethelm im warmen Schaf stall gesessen. Als er jetzt dahin kam, drängten sich alle Schafe auf ihn zu, so daß ihm ganz ängstlich zumute wurde, er zählte die Lämmer kaum und machte sich wieder davon. en

Auch im Schicksal der Menschen gibt es veränderliches Aprilwetter, wenn neue Keime aufgehen. Ein Brief des von Reppenberger bestellten Käufers meldete einen Verschub seiner Ankunft auf mehrere Wochen und ersuchte Diethelm, wenn er früher verkaufen wolle, mit Proben nach der Haupt stadt zu kommen. Diethelm ließ sich aber dadurch nicht ab halten, im Waldhorn seine prahlerischen Aussichten zu ver künden. Er lief dann hin und her und hatte für alles die genaueste Fürsorge, und doch war ihm jedes Tun nur wie ein Nebengeschäft, wie ein gewaltsamer Zeitvertreib, bis es an die einzige wirkliche Tat ging. Als ihn der Waldhorn⸗ wirt aufforderte, mit ihm auf die Jagd zu gehen, schlug er

es ab, und doch war sein Antlitz froh gespannt, denn er er innerte sich des bedeutenden Pulvervorrats, den er im Hause hatte und der sich nun auch zu schicklicher Verwendung eignete.

Als Diethelm beim Nachhausegehen in der Nacht an der Kirche vorbeikam, erschrak er plötzlich, da er hellen Schein durch die hohen Kirchenfenster blinken sah. Hat das eine Vorbedeutung, daß die Kirche brennt? Schon wollte Diet helm laut rufen, als ihm einfiel, daß ja das die Weihkerze war, die er selbst aus der Stadt mitgebracht; auf die Minute hin ist berechnet, wie lange dieses Licht brennt, und ist es nieder und findet keine Nahrung seiner Flamme mehr, dann erlischt es; findet es aber neue, weithinziehende, dann...

Als Diethelm sich endlich von den Knien aufrichtete, sah er wie verwirrt an sich hinab, er konnte sich nicht erinnern, wie er niedergekniet war, es mußte das gegen seinen Willen geschehen sein. Hastig verscharrte er die Spuren seiner Knie im Schnee, und wie er weiterschritt, verscharrte er jede Fuß⸗ tapfe zur Unkenntlichkeit, und doch wagte er es nicht, gerade wegs heimzukehren; bald ängstigte ihn der Gedanke, daß er entdeckt und verraten sei, bald hatte er eine Angst vor seinem eigenen Hause, als ob die toten Wände wüßten, daß er sie in Asche verwandeln wollte, und vorzeitig zusammenstürzen und ihn unter ihrem Schutte begraben. Eine ruhelose Ge walt trieb Diethelm immer weiter, als müßte er entfliehen und hinter sich lassen alles, was ihn kennt und nennt. Die Verwandten werden sich schon der Martha und der Fränz annehmen, wenn er nur nicht mehr da war; nur wehe tat es ihm, daß er ihnen nicht Lebewohl gesagt, und Tränen traten ihm in die Augen über seinen eigenen so jähen Tod, den er doch suchen mußte.

In dieser Nacht kämpfte zum letzten Male der gute Geist Diethelms mit seinen schlimmen Vorsätzen in gewal⸗ tigem Ringen, und eine überraschende Wendung seines

Denkens löste auf einmal allen Hader; dir bleibt nichts, als dich selbst umbringen, das war eine schwere Sünde oder Brandstiften, das ist auch ein Verbrechen, aber minder, und du hast schon genug gelitten für das, was du tun wolltest, du hast deine Strafe vorweg empfangen, jetzt mußt du es auch tun, und du rettest dich und all die Deinen.

An der Gemarkung von Untertailfingen kehrte Diet⸗ helm um und kam man kann fast sagen als hartge⸗ sottener Missetäter heim. l

Drei Tage ging Diethelm einsam und in sich gekehrt umher. Er verstopfte jede Luke und jeden Spalt auf dem Speicher und sagte sich innerlich Wort für Wort alles vor, was er zur gefahrlosen Vollbringung alles zu tun habe; denn er gewahrte, wie sein Atem schneller ging bei dem Ge⸗ danken an die endliche Ausführung; er wollte sich vor sich selbst sicher stellen, um mit Umsicht und ohne Leidenschaft und Hast, die leicht das Wichtigste übersieht, zu Werke zu gehen.

Am dritten Abend kam ein Bote vom Kohlenhof mit der Nachricht, daß die Kohlenhofbäuerin, die Tochter Marthas erster Ehe, krank sei und nach der Mutter verlange. Diet⸗ helm erfaßte dies schnell als eine erwünschte Wendung uno drang in seine Frau, daß sie sogleich abreise; er wußte aber allerlei Ausreden, daß er sie nicht selbst führte, er wollte dem Medard den Schlitten mit den beiden Rappen übergeben, aber dieser klagte über Schmerzen in seinem gebrochenen Bein, und der Waldhornwirt war gern bereit, die Base zu führen. Diethelm empfahl ihm, bald zurückzukehren, da er morgen auch verreisen müsse.

Als das Fuhrwerk mit Schellengeklingel davonrollte,

hob Diethelm die Arme hoch empor und reckte sich wie zum Ausholen für eine schwere Arbeit. 1 5

(Fortsetzung folgt.)

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