Ausgabe 
16.7.1915
 
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Hessen und Nachbargebiete.

Gießen und Umgebung. Der Kriegsgewinn der Landwirtschaft.

Wohl kaum ein Erwerbsstand ist im allgemeinen so wenig durch den Krieg getroffen worden, als die deutsche Landwirtschaft, überhaupt die Erzeuger von Lebensmitteln. Einen sprechenden Beweis dafür bot unter anderem auch die Tagung der hessischen Raiffeisenvereine, die dieser Tage in Cassel stattfand. In derselben wurde durchweg die günstige finanzielle Lage der Raiffeisenvereine konstatiert, die ins⸗ gesamt 6 Millionen Mark zur Kriegsanleihe beisteuerten. Von besonderem Interesse für die Beurteilung der Lage der Landwirtschaft sind die Feststellungen, die Herr Pfarrer Schüler als Verbandsanwalt in seinem Jahresbericht machen mußte. Danach gehörten am 31. Dezember 1914 dem hessi⸗ schen Verbande ländlicher Genossenschaften 445 Genossen schaften an, und zwar 409 Darlehnskassenvereine und 36 Be⸗ triebsgenossenschaften; 2 Darlehnskassenvereine sind noch im Entstehen begriffen. Die Zahl der Mitglieder ist um 1677 auf 54 199 gestiegen. Der Umsatz bezifferte sich auf 109,5 Millionen Mark, etwas weniger als im Vorjahre. Wichtiger sei, was die Darlehnskassen geleistet haben:

Der Zugang an Spargeldern betrug 16937511 Mk., die Entnahme von Spargeldern 12 154 948 Mk., es blieben somit au Spargeldern 4782 563 Mk. Das eigene Vermögen des Verbandes beläuft sich auf mindestens 2 600 000 Mk. Die landwirtschaftliche Zentral⸗Darlehnskasse arbeitete glänzend: drei Wochen nach Kriegsausbruch betrug ihre Bankschuld zwar 26 Millionen Mk., indessen am 31. Dezember 1914 hatte sie schon wieder 5,3 Mil⸗ lionen Mk. Guthaben, am 1. Juli 1915 aber bereits 71 Millionen Mark Guthaben, während sich die Schulden auf 3 Millionen Mk. verringert haben. Der Geldbestand hat sich seit Ausbruch des Krieges um 94 Millionen Mark gebessext. Diese Ziffern beweisen, welch starker Geldzufluß in den Raiffeisenvereinen gewesen ist. Auch aus unserm Hessenland floß über Erwarten viel Geld, da sich der Umsatz von 52 Millionen Mk. steigern konnte, während an⸗ dererseits die Vereine 11 Millionen Mk. einzahlten, jedoch nur knapp 8 Millionen Mk. abriefen, wobei die Schulden der Vereine um 1 Million Mk. zurückgingen. Für das Warengeschäft sind 71 Millionen Mk. gegen 32 Millionen Mk. im Vorjahre eingezahlt worden, so daß in den Kreisen der ländlichen Genossenschaften in Hessen überreichlich Geld vorhanden ist.

Diese trockene zahlenmäßige Darlegung spricht Bände für die günstige Lage, in der sich die Landwirtschaft trotz der hohen Futtermittelpreise befindet. Und das nicht nur in Hessen. Auch der Bericht der Landesgenossenschaftskasse der Provinz Hannover konstatiert, wie wir dem Hann Cour, vom 8. Juli entnehmen, einen außerordentlich starken Zustrom von Geld aus den ihr angeschlossenen ländlichen Sparkassen. In dem Bericht heißt es wörtlich:

Etwa vom 20. August an mehrten sich die Geldeingänge, so daß wir nach und nach die Schulden in Berlin abtragen konnten. Ja, die Ueberschüsse der Eingänge gegen die Ausgänge waxen so groß geworden, daß unsere Schulden, trotzdem wir etwa Mil⸗ lionen erste Kriegsanleihe, die bei uns gezeichnet waren, bezahlt hatten, Ende Dezember nicht allein abgetragen waren, sondern, daß wir rund 4 Millionen Mark in Berlin gut hatten. Die Geld⸗ eingänge waren ganz bedeutende, sie haben sich dann auch in un⸗ vermindertem Maße bis auf den heutigen Tag(Mitte April) fort⸗ gesetzt, und zwar derartig, daß wir schließlich rund 25 Millionen überschüssige Gelder anzulegen hatten. Die im Monat März 1915 stattgehabte Zeichnung auf die zweite Kriegsanleihe hat dann bei uns das außerordentlich günstige Ergebnis gehabt, daß 21 Mil⸗ lionen gezeichnet wurden. Die Abnahme dieser großen Beträge konnte unsererseits glatt erfolgen.

5 Es erübrigt sich, diesen Berichten etwas hinzuzufügen. Die deutsche Arbeiterschaft gönnt der Landwirtschaft für ehr⸗ liche Arbeit gewiß redlichen Lohn. Nur dünkt uns, daß der Lohn höher war als notwendig, denn sonst könnten die länd lichen Sparkassen solchen Kapitalzufluß nicht verzeichnen. Hoffentlich findet diese Anerkennung der günstigen Lage der deutschen Landwirtschaft aus berufenem Munde auch bei den Behörden dann Beachtung, wenn es gilt, die Preise der wich tigsten Lebensmittel des Volkes nach der neuen Ernte fest⸗ zusetzen.

Zur Nachahmung dringend empfohlen!

Aus Höchst a. M. wird geschrieben: Vom Markte verwiesen wurde gestern früh der Landwirt Vogel aus Sossenheim Er war gestern mit Frühtartoffeln auf dem Markt erschienen. Da er aber 12 Pfg. für das Pfund verlangte, erregte er den Unwillen der Käuferinnen, deren einige nicht übel Lust zeigten, gegen den Mann handgreiflich zu werden. Allem Zureden zum Trotz, verharrte Vogel bei seinem hohen Preis und wurde deshalb auf Anregung des Marktmeisters W. von der Polizei vom Markte verwiesen. Die nb 1 05 gibt neue Kartoffeln zum Preise von Pfg. pro

und ab.

Wahlverein Gießen. Nächsten Montag findet die Mitgliederversammlung vom 12. Juli ihre Fortsetzung, worauf an dieser Stelle hingewiesen sei. Hoffentlich finden sich die Parteigenossen dazu recht zahlreich ein, zumal die Aussprache manches Interessante für jeden bieten dürfte.

Hessens finanzielle und wirtschaftliche Lage. Der Finanz⸗ ausschuß der Zweiten Kammer trat auf Anregung des Kam⸗ merpräsidenten Köhler Mittwoch unter dem Vorsitz des Abg Dr. Osann zusammen, um über die finanzielle und wirt schaftliche Lage des hessischen Staatshaushaltes zu beraten. Dem zweiten Teil der Verhandlungen wohnten auch die drei Minister Dr. v. Ewald, Dr. Braun und v. Hombergk, Staats⸗ rat Dr. Becker, Ministerialrat Schliephake und andere Ee gierungsvertreter bei. Zunächst gab der Finanzminister ein Bild über die finanzielle Lage, aus dem hervorzu⸗ heben ist, daß die Eisenbahnen voraussichtlich bedeutende Mindereinnahmen bringen. Nach der eingehenden Aus⸗ sprache dürfte man zu der Verständigung kommen, daß im Interesse der Klarstellung der Verhältnisse noch in diesem Herbst von der Regierung ein neuer Voranschlag unter Be rücksichtigung der veränderten Verhältnisse vorgelegt werden wird. Die Verhandlungen werden heute Donnerstag mit der Beratung über wirtschaftliche Fragen fortgesetzt.

Höchstpreis für Milch in Frankfurt. Veranlaßt durch die rücksichtslosen Preistreibereien der Vereinigten Land. wirte, die den Milchpreis auf 30 Pfg. den Liter bringen

wollten, hat der Frankfurter Magistrat im Einvernehmen mit den Nachbarstädten beschlossen, den seither dort gültigen Preis von 26 Pg. als Höchstyreis festzusetzen. Damit

wird der Preistreiberei, an welcher auch die Milchhändler beteiligt waren, ein Riegel vorgeschoben. Von der Stadt Frankfurt wird gegenwärtig gefrorenes Schweine- fleisch verkauft und in der letzten Woche insgesamt nicht weniger als 170 Zentner abgesetzt. Das Fleisch soll von bester Qualität und sehr begehrt sein.

Fischkost. Nächsten Montag und Dienstag, jedesmal um 6 Uhr nachmittags, findet in der Schulküche am Oswalds garten nochmals eine Unterweisung in der Bereitung von Klippfisch mit Abgabe von Kostproben statt. Anmeldungen dazu sollen am Samstag und Montag geschehen. Für Teil⸗ nehmer frei; Kostgeld 50 Pfg. Wir verweisen auf die Be⸗ kanntmachung des Oberbürgermeisters.

Ueber Trockenheit kann vorläufig in unserer Gegend nicht mehr geklagt werden, in den letzten paar Tagen gingen ganz erhebliche Regenmengen nieder. Teilweise hört man schon Klagen über zuviel Nässe, die jetzt in der Getreideernte allerdings vom Uebel ist. Andererseits begünstigt der Regen das Wachstum der Gemüsepflanzen, namentlich der Kar⸗ toffeln, ganz bedeutend und auch den Wiesen kommt es zu gute. Die Waldbeeren profitieren ebenfalls noch davon, be⸗ sonders die Himbeeren, deren Entwickelung unter der lange anhaltenden Trockenheit gelitten hatte. Im ganzen gibt es Gartenfrüchte und Beerenobst ziemlich reichlich; trotzdem ist auf dem Markte alles teuer. Kirschen z. B. waren dieser Tage sehr reichlich angeboten und doch war das Pfund nicht unter 30 Pfg. zu haben, während sie in früheren Jahren höchstens 18, oft 15 und 12 Pfg. kosteten.

Die Schulferien beginnen am 31. Juli für höhere Schulen, wie auch für die Volksschule. Für letztere dauern sie vier Wochen, für die höheren Schulen sechs. Wie wir hören, war angestrebt worden, die diesjährigen Ferien für alle Schulen so einzuteilen, daß 4 Wochen in den Sommer und 2 Wochen in den Herbst fallen, in welchem Falle sie Mitte dieses Monats begonnen hätten, es ist aber darüber nicht zu einer Einigung zwischen den verschiedenen Schulen ge⸗ kommen.

Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Unteroffizier Ernst Ludwig Otto aus Beuern, Inf.-Regt. Nr. 222. Musketier Karl Jung aus Waldgirmes, Inf. Regt. 252.

Wer ist Kriegsteilnehmer? Ein Schuldner war auf Klage seines Gläubigers zur Zahlung verurteilt, es war gegen ihn Zwangsvollstreckung ausgeführt. Auf Grund des Kriegsteilnehmer⸗ gesetzes vom 4. August 1914 beantragte er Aussetzung des Ver⸗ fahrens und Einstellung der Zwangsvollstreckung, weil er bei einem Landsturm⸗Bataillon eingestellt sei und zur Bewachung eines! Kriegsgefangenenlagers verwendet werde. Das Oberlandesgericht Darmstadt wies ihn mit seinem Antrage ab. Das Gesetz vom 4. August will die infolge des Krieges an Wahrnehmung ihrer Rechte behinderten Personen schützen. Dahin gehören die zu den mobilen oder gegen den Feind verwendeten Truppenteilen zählenden Personen. Die Nebeneinanderstellung zeigt, daß ein gewisser un⸗ mittelbarer Zusammenhang mit der Bekämpfung des Feindes be⸗ grifflich gefordert wird. Diese Voraussetzung fehlt bei der mili⸗ tärischen Verwendung jemandes, der in gleichem Grade wie ein zu den immobilen Truppen gehöriger Heerespflichtiger seine Rechte wahrnehmen kann. Andere Gerichte haben anders entschieden. Und wie uns dünkt: zu Recht.

Fleisch im Arbeiterhaushalt. Von berufener und unberufener Seite wird in der jetzigen Zeit die Behauptung aufgestellt, daß das deutsche Volk in den letzten Jahren sich dem Fleischgenuß über⸗ mäßig hingegeben habe. So berechtigt jetzt die Mahnung, weniger Fleisch zu essen, an einzelne Teile der Bevölkerung auch sein mag, so unberechtigt ist sie, wenn sich die Ratgeber an unsere Ar⸗ beiter wenden. Durch die enorme Steigerung aller Lebensmittel⸗ preise durch den Krieg ist der Fleischgenuß im Arbeiterhaushalt noch mehr eingeschränkt worden, als es in Friedenszeiten schon der Fall war. Die Gesamtjahresausgaben des Arbeiterhaushalts, in denen außer den Ausgaben für Lebensmittel auch alle anderen zum Leben nötigen Gegenstände, wie Kleidung, Wohnung, Steuern usw., ein⸗ begriffen sind, zeigen, daß besonders in der jetzigen Zeit nicht allzu viel Geld für Fleisch übrig bleibt, zumal während des Krieges die Löhne nicht gestiegen sind. Das Statistische Amt des Deutschen Reiches gibt über diesen Gegenstand wohl die beste Aufklärung. Das Amt hat im Jahre 1909 die Ergebnisse einer Haushaltungsstatistik veröffentlicht, die im Jahre 1907 erhoben wurde. Die Arbeit des Amtes bringt in einem besonderen Abschnitt auch für 150 Arbeiter⸗ familien Angaben über den tatsächlichen Verbrauch von Nahrungs⸗ und Genußmitteln, aus denen neben der Gestaltung des Geldbud⸗ gets auch das physiologische Budget erkannt werden kann. Von den 150 Arbeiterfamilien hatten 4 eine Gesamtjahresausgabe von 900 bis 1200 Mark, 35 eine Gesamtfahresgusgabe von 1200 bis 1600 Mark, 71 eine Gesamtjahresausgabe von 1600 bis 2000 Mark, 40 eine Gesamtjahresausgabe von 2000 bis 3000 Mark. Die Mehrzahl diefer Familien hatte also ein Einkommen von mehr als 1600 Mark, stand demnach weit über dem Durchschnitt des Arbeitereinkommens. Der Fleischkonsum blieb mit 27,5 Kilogramm pro Kopf weit unter dem Durchschnitt, der 1907 nach der Schlachtungs⸗Ausfuhr⸗ und ⸗Ein⸗ fuhrstatistik auf den Kopf der Bevölkerung auf rund 53 Kilogramm berechnet wurde. Dabei handelte es sich nicht um besonders kinder⸗ reiche Familien, sondern um solche mit einer durchschnittlichen Kopf⸗ stärke von 4,76, was genau dem Reichsdurchschnitt entspricht. g

Danach bleibe man den Arbeitern mit dem Gerede vom üppigen Leben und von zu hohem Fleischverbrauch vom Halse. Der Fleisch⸗ konsum der Arbeiter ist nur zu gering und eine Steigerung, die zu⸗ gleich mit einer Verbesserung aller Lebensmittel Hand in Hand gehen müßte, würde nur gesundheitlichen Nutzen bringen. Daran ist nach Lage der Sache aber nicht zu denken, auch dann nicht, wenn in Volks⸗ versammlungen gegen den Lebensmittelwucher scharfe Worte ge⸗ braucht werden, sonst aber die Politik der Reichsregierung gutge⸗ heißen und unterstützt wird. Aus Blut wird Geld gemacht. Das ist die Parole der Wucherer nicht nur in Deutschland, sondern in allen kriegführenden Ländern. Also eine internationale Erscheinung. Gewuchert wird mit Vieh, Getreide, Kartoffeln, Eiern, Milch, kurz allem, was zur menschlichen Notdurft und Nahrung gehört. Alles rafft mit gierigen Händen sonder Scheu und Scham. Und alle nehmen sie es von den Aermsten: von den zerschossenen Soldaten und von ihren Weibern und hungernden Kindern. Mit Reden und scharfen Worten, mit guten Ratschlägen und ausgeklügelten Koch⸗ vezepten ist dem hungernden Volke nicht gedient. Hier muß gehan⸗ delt werden, aber recht bald und gründlich!

Keine Leichenüberführungen aus dem Operations- und Etappen⸗ gebiet. Die Oberste Heeresleitung hat jegliche Leichenausgrabung und Ueberführung aus dem gesamten Operations⸗ und Etappen⸗ gebiet für die Monate Juli, August und September aus hygienischen Grlünden verboten und die bereits erteilten Genehmigungen zurück⸗ gezogen 1 5

Gießener Freilichtbühne. Die Vorstellung am Sonntag findet bei kleinen Preisen statt und beginnt um 5 Uhr.

Watzenborn⸗Steinberg. Seit langer Zeit hat unser Wahl⸗ verein keine Versammlung gehabt und er hält es jetzt endlich an der Zeit, die noch zu Hause befindlichen Mitglieder einmal wieder zusammenzurufen. Morgen(Samstag) Abend punkt 9 Uhr findet eine Mitgliederversammlung imGrünen Baum statt, zu der sich alle Genossen einfinden wollen. är Neumanm⸗Offenbach wird

über die politische Lage sprechen.

W

Von Nah und Fern.

Unvorsichtiger Schütze. Am Sonntag wurde im Walde beum Himbeerpflücken dle verheiratete 34 Jahre alte Frau Ho f⸗ mann aus Hemsbach lim Kreise Aschaffenburg) erschossen. Als Täter wurde der Mühlenbesitzer Kern aus Mömbris ermittelt, der sich auf der Jagd befand und die in gebückte Stellung befindliche Frau für ein Stück Wild gehalten hat. Der Vorfall hat begreif⸗ licherweife große Aufregung in der Bevölkerung hervorgerufen. ö

Telegramme.

Augeslerict des Großen Hauptnuurtiers

Heiße Argonnenkämpfe für uns erfolgreich Praszuhsz wieder von uns erobert. W. B. Großes Hauptquartier, 15. Juli, vorm.(Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz.

In Südflandern sprengten wir gestern westlich von Wytschaede mit bestem Erfolg Minen.

In der Gegend von Souchez griffen die Franzosen zum Teil mit stärkeren Kräften an verschiedenen Stellen an. Sie wurden überall zurückgeschlagen.

Nordwestlich von dem Gehöft Beau Séjour in der Champagne kam ein feindlicher Handgranatenangriff infolge unseres Minenfeuers nicht zur Durchführung.

Die Franzosen machten gestern bis in die Nacht hinein wiederholt Versuche, die von uns eroberten Stellungen in Argonnenwalde zurückzuerobern. Trotz Einsetzers großer Munitionsmengen und starker aufs neue herange⸗ führter Kräfte brachen sich ihre Angriffe an der unerschütter⸗ lichen Stärke der deutschen Front. An vielen Stellen kam es zu erbitterten Handgranaten⸗ und Nahkämpfen. Mit un⸗ gewöhnlich hohen Verlusten bezahlte der Gegner seine er⸗ gebnislosen Anstreugungen. Die Zahl der französischen Ge fangenen hat sich auf 68 Offiziere, 3688 Mann erhöht. Det Erfolg unserer Truppen ist um so bemerkenswerter, als nach übereinstimmenden Gefangenenaussagen die Franzosen für den 14. Juli, den Tag ihres Nationalfestes, einen großen Angriff gegen unsere Argonnenfront vorbereitet hatten.

Auch östlich der Argonnen herrschte gestern er⸗ höhte Gefechtstätigkeit. Im Walde von Malancourt wurden Angriffsversuche des Feindes durch unser Feuer ver⸗ hindert. Im Priesterwalde brach ein französischen Vorstoß verlustreich vor unseren Stellungen zusammen.

Ein französisches Flugzeug wurde beim Ueberfliegen unserer Stellung bei Souchez getroffen und ging brennend in der feindlichen Linie nieder. Ein zweites wurde bei Heninlitard heruntergeschossen. Führer und Beobachter fielen verwundet in unsere Hand.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

In kleineren Gefechten an der Windau abwärts Karschany wurden 2 Offiziere, 425 Russen zu Gefangenen gemacht.

Südlich des Niemen in der Gegend von Kalwarja, eroberten unsere Truppen bei Franczeskowa und Ossowa mehrere russische Vorstellungen und behaupteten sie gegen heftige Gegenangriffe. 0

Nordöstlich Su walki wurde die Höhe von Olszanka von uns erstürmt, 300 Russen gefangen genommen und 2 Maschinengewehre erbeutet. g

Südwestlich Koln o nahmen wir das Dorf Krusz a sowie feindliche Stellungen südlich und östlich dieses Dorfes und südlich der Linie TartakLitniki. 2400 Gefangene und 8 Maschinengewehre fielen in unsere Hand.

Die Kämpfe in der Gegend von Praszuysz wurden erfolgreich fortgeführt. Mehrere feindliche Linien wurden von uns genommen und die in den letzten Februartagen heiß umstrittene und von den Russen stark ausgebaute Stade Prasznysz von uns besetzt.*

Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist im allgemeinen unverändert. 5 Oberste Heeresleitung.

2 Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht

Wien, 15. Juli.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart, den 15. Juli 1915, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Die allgemeine Lage hat sich nicht geändert.

Am Dnfestr abwärts Nizniow kam es am nördlichen Flußuser an mehreren Stellen zu erfolgreichen Kämpfen unserer Truppen. wobei 11 Offiziere und 550 Mann des Feindes gefangen wurden.

Jtalienischer Kriegsschauplatz.

Gegen einzelne Stellen des Plateaus von Doberdo unterhalten die Italiener wieder ein lebhafteres Geschützfener. Sie verfuchten auch mehrere Infanterieangriffe, namentlich zwischen Sdraussinag und Polazzo, wurden aber wie immer unter großen Verlusten zurück⸗ geschlagen.

Im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet hat sich nichts von Be⸗ deutung ereignet.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Föfer, Feldmarschallentnant.

Die Dardanellen⸗Kämpfe.

Abgeschlagene Angriffe zu Wasser und zu Lande.

Konstantinopel, 15. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: In der Dardanellenfront erbeutete in der Nacht vom 12. zum 18. Juli eine unserer Erkundungs⸗ abteilungen bei Ari Burnu auf unserm rechten Flügel eine Kiste mit Handgranaten. Wir warfen den Feind, der sich dem Schützengraben auf diesem Flügel zu nähern versuchte, zurück. Auf dem linken Flügel feuerte der Feind aus Furcht vor Ueberraschung die ganze Nacht aus Leuchtpistolen und unterhielt ein andauerndes Infanteriefeuer ins Leere. Bei Sedd⸗ül-Bahr war am Morgen des 13. auf der gangen Front leichter Artilleriekampf. Am Nachmittag griff der Feind nach heftiger Artillerievorbereitung mehrmals unsern linken Flügel an, wurde jedoch durch unsere Gegenangrifse zurück getrieben und erlitt schwere Verluste. Außerdem warfen wir den Feind, der sich am 12. Juli einem Teile unserer