Ausgabe 
14.7.1915
 
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gingen um 2 bis 3 und 5 Mark, ebenso auch die mittleren und geringeren Qualitäten von Färsen und Kühen um 4 bis 9, 4 und 5 Mark per Zentner Schlachtgewicht zurück. Auf dem Kälbermarkt stand nur mittlere Ware zum Verkauf; die erste und geringste Qualität fehlte. Den Preisen vom letzten Donnerstag gegenüber wurden notiert: 117 bis 120 Mark(133 bis 137 Mk.), 93 bis 100 Mk.(100 bis 110 Mk.) und 85 bis 93 Mk.(91 bis 100 Mk). Die Preise für Schweine blieben fast unverändert. Bis zum Zeitpunkt der Notierung waren von 1015 Schweinen 668 Stück zu Schlacht- und 185 zu Lebendgewicht verkauft. Der höchste Preis von Lebendgewicht war 126 Mk.(15 Stück), der niedrigste 113 Mark 50 Pfg.(2 Stück), bei Schlachtgewicht der höchste Preis 150 Mk.(110 Stück, der niedrigste 132 Mk.(26 Stück). Ueber den Marktverlauf sagte der amtliche Bericht, daß das Rindergeschäft in guter Ware flott verlief, in geringerer Ware dagegen langsam und mit etwas Ueberstand. Kälber wurden bei gedrücktem und Schweine bei lebhaftem Handel abgesetzt.

Ein feines Angebot. Ein Stellenangebot, das weiteste Verbreitung verdient, enthält der Inseratenteil des Klim⸗ schen Anzeigers in Frankfurt a. M., eines bekannten Buch drucker⸗Fachblattes:Von angesehener, weit verbreiteter Provinzzeitung Norddeutschlands wird zum baldigen Antritt zur Aushilfe während der Kriegszeit gesucht ein Ge- schäftsführer, der ein hervorragender Zeitungsmann, großzügiger Organisakor⸗ Propagandist und bilanz⸗ sicherer Buchhalter sein muß. Bewerber muß ferner sicherer Kalkulator größerer Druckwerke sein und redaktionelle Fähigkeiten, speziell für Opern⸗ und Theater- kritik besitzen und eine Kaution von 10 000 Mark stellen können. An fruchtbaren zeitungsfachmännischen Ideen mangelt es dieseraltangesehenen, weitverbreiteten Provinzzeitung anscheinend auch ohne Geschäftsführer nicht. Sollte es ihr etwa nur um die Opern- und Theaterkritik oder um die 10 000 Mark Kaution zu tun sein?

Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Vizefeldwebel Dr. phil. Eduard Schenck zu Schweins berg aus Gießen. Unteroffizier Karl E berle, Lehrer aus Steinbach, Inf.⸗Regt. 222. Musketier Heinrich Pfeiffer, stud. theol. in Greifenstein, Inf.⸗Regt. 116.

Wahlverein Gießen. In der am Montag abgehaltenen regel⸗ mäßigen Mitgliederversammlung sprach Parteisekretär Neumann⸗ Offenbach über die politische Lage. Die Versammlung war, wenn man die gegenwärtigen Verhältnisse berücksichtigt, ziemlich gut be⸗ sucht. Zwölf Monate tobt nun schon der Weltkrieg, führte der Redner aus, und noch sei kein Ende abzusehen. Millionen Frauen beklagen den Verlust ihrer Gatten und Söhne, Millionen Kinder haben den Vater und Ernährer verloren. Unsere Partei hat ja immer auf die Furchtbarkeit des Krieges hingewiesen, der mit den heutigen vervollkommneten Waffen geführt wird, doch habe früher wohl niemand geglaubt, daß solche Schrecknisse möglich wären, wie wir sie tagtäglich hören. Die in der Heimat Befindlichen werden von einem unerhörten Lebensmittelwucher bedrückt, der die Familien der arbeitenden Bevölkerung zum Hunger verurteilt. Selbstver⸗ ständlich wird das Volk dadurch erbittert und es sehnt sich jeder⸗ mann nach Frieden. Bisher sind aber alle Bemühungen in dieser Richtung vergeblich gewesen. Redner besprach die vom Partei⸗ vorstand unternommenen Schritte, die bei den Genossen der anderen Länder, besonders den Franzosen, kein Entgegenkommen gefunden hätten, und führte weiter verschiedene abfällige Aeußerungen der gegnerischen Presse zu dem Friedensaufruf des Parteivorstandes an. Im weiteren kam er auf die an den Parteivorstand gerichtete Zu⸗ schrift der Parteigenossen, welche Aenderung der Fraktionspolitik wünschen, zu sprechen und erwähnte dabei den von Bernstein, Haase und Kautsky veröffentlichten Aufruf. Schließlich erörterte Redner die von verschiedenen wirtschaftlichen Verbänden geforderten Annexionen fremder Gebietsteile und bemerkte, daß unsere Partei stets gegen Länderraub gewesen sei. Jedoch könnte man sich eine wirtschaftliche Angliederung denken, z. B. Gewährung freien Handels und Verkehrs in den fraglichen Ländern, Einführung sozialer Gesetze und ähnliches, womit man unter Umständen ein⸗ verstanden sein könne. Unter den in Frage kommenden Gebiets⸗ teilen befänden sich vielleicht auch solche, deren Bewohner die Annexion durch Deutschland wünschten. Es sei sehr erklärlich, daß Meinungsverschiedenheiten in der Partei über alle diese Fragen auftauchten, schloß Neumann seine Ausführungen, doch ist es be⸗ dauerlich, daß sie nicht frei diskutiert werden können, wie wir das von je in der Partei gewohnt sind. Jeder Genosse müsse aber darauf bedacht sein, die Einheit der Partei hochzuhalten und die Organisation, die wir sehr notwendig brauchen, zu fördern. An der Diskusfion beteiligten sich die Genossen Schnell, Krumm, Vetters und Beckmann; man kam jedoch damit nicht zu Ende, wes⸗ halb die weitere Aussprache nächsten Montag fortgesetzt werden soll.

Der verschwundene Butterkorb, von dem wir in der Montags⸗ nummer berichteten, hat sich wiedergefunden. Der mit dem Transport betraute Dienstmann hatte den Korb statt nach dem Wochenmarkte versehentlich nach der Schützenstraße gebracht.

Kreis Wetzlar.

Ein bemerkenswerter Prozeß. Vor dem Schöffengericht Berlin⸗Mitte fand am Montag ein Privatbeleidigungsprozeß des Reichstagsabgeordneten für Wetzlar⸗Altenkirchen, Behrens, wider den Generallandschaftsdirektor für Ostpreußen, Dr. Kapp, statt. Letzterer hatte behauptet, der Präsident des Verbandes der deutsch⸗ nationalen Arbeitervereine, Abg. Behrens, habe sich zum Schildknappen der privaten Versicherungsgesell⸗ schaften gemacht. Nach längeren Auseinandersetzungen wurde auf Antrag des Rechtsbeistandes des Abg. Behrens, Justiz⸗ rats Dr. v. Gordon, beschlossen, die Verhandlung zu vertagen und zum nächsten Termin als Zeugen zu laden: Staatssekretär Dr. Delbrück, Staatssekretär a. D. Graf von Posadowsky, den Präsi⸗ denten des Aufsichtsamts der deutschen Gesellschaft für Versiche⸗ rungswesen, Geh. Rat Dr. Gruner, und den Präsidenten desNord stern, Geh. Regierungsrat Hackelver.

ch. Rodheim a. d. Bieber. Von unserem Genossen Wilhelm Dönges, Vorsitzender des Weißbinderverbandes der Filiale

Gießen, wird bekannt, daß er in russische Gefangens chaft

geraten ist. Er rückte im März als Ersatzreservist nach Galizien ab und wurde dort Ende Mai verwundet. Aus Moskau gelangte jetzt eine Mitteilung von ihm hierher, daß er verwundet in Ge fangenschaft geraten sei.

Soziale Rundschau.

Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten.

Nach den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts, Nr. 27 vom 7. Juli, herrschte die Pest in der letzten Zeit in der Türkei, in Niederländisch⸗Indien, China, Brasilien, Peru und Kuba. In der Türkei wurden in der Zeit vom 22. Mai bis 8. Juni 240 Pesterkrankungen und 192 Todesfälle sestgestellt. Cholera⸗ erkrankungen wurden in Oesterreich-Ungarn in der Zeit vom 7. bis 13. Juni 172( 59 Todesfälle) gemeldet. Von diesen Er⸗ krankungen(und Todesfällen) betrafen 36(16) Zivilpersonen 22(3) Militärpersonen und 114(39) Kriegsgefangene. In dem Kriegs⸗ gefangenenlager in Debreczin sind vom 7. bis 13. Juni 1414 Kriegs⸗ gefangene erkrankt und davon 312 gestorben. Welche von diesen

Erkrankungen und Todesfällen auf Cholera entfallen, konnte infolge des plötzlichen Austiegs der Erkrankungen und Todesfälle mit Sicherheit nicht festgestellt werden. In Kroatien und Slawonien wurden vom 31. Mai bis 7. Juni 28 Erkrankungen(= 8 Todes⸗ fälle) bei Zivilpersonen festgestellt, und in Bosnien und der Herzegowina wurden vom 30. Mai bis 5. Juni 9 Erkrankungen an- gezeigt. An Pocken wurden im Deutschen Reich vom 27. Juni bis 3. Juli 6 Erkrankungen festgestellt. Fleckfieber trat im Deutschen Reich vom 27. Juni bis 3. Juli in 76 Fällen auf. Außer⸗ dem sind solche Erkrankungen unter Kriegsgefangenen aufgetreten in den Regierungsbezirken Danzig, Potsdam, Posen, Bromberg, Liegnitz, Oppeln, Merseburg, Schleswig, Kassel sowie in Baden. In Oesterreich wurden vom 9. bis 15. Mai 346 Erkrankungen gemeldet. Die Genickstarre trat vom 20. bis 26. Juni in Preußen in 15 Fällen auf(10 Todesfälle), die Ruhr vom 20. bis 26. Juni in 55 Fällen(8 Todesfälle). Oesterreich hatte vom 28. März bis 3. April 156 Ruhrerkrankungen und 7 Todesfälle. Ministerielle Verfügung über die Fürsorge für Kriegerwaisen.

Das Justizministerialblatt bringt die folgende allgemeine Ver⸗ fügung des preußischen Justizministers vom 7. Juli, betreffend die Fürsorge für die Kriegerwaisen: Besonders verantwortungsvolle Aufgaben erwachsen in der gegenwärtigen Zeit für alle mit der Jugendpflege betrauten Orgaue durch die Fürsorge für die Krieger⸗ waisen, die vor Not zu bewahren und zu tüchtigen und brauchbaren Staatsbürgern zu erziehen eine Ehrenpflicht des Vaterlandes ist. Auch die Vormundschaftsrichter sind berufen, zur Erfüllung dieser Ehreupflicht beizutragen. Die Wege, die sich ihnen hierfür bieten, bestehen vor allem in eingehender Beratung der Vormiinder, in anregender und belehrender Einwirkung auf die Waisenräte in den Waisenversammlungen und in planmäßigem Zusammenarbeiten mit den Organisationen der freien Liebestätigkeit. Vielfach wird die Fürsorge für die Kriegerwaisen durch die Beschränktheit der zur Verfügung stehenden Mittel erschwert sein. Die Vormundschafts⸗ richter werden daher mit den Vormündern namentlich auch zu er⸗ örtern haben, in welcher Weise etwaige Ansprüche der Waisen auf Gewährung von Unterhalt gegen Unterhaltspflichtige oder auf Waisenrente gemäß dem Militärhinterbliebenengesetz oder der Reichsversicherungsordnung geltend zu machen sind, sowie ob die Möglichkeit besteht, durch geeignete Anträge an die Verwaltung von Stiftungen usw. weitere Mittel zu erlangen. Für besonders ge⸗ boten erachte ich es ferner, daß den kinderlosen Familien, welche Kriegerwaisen an Kindes Statt anzunehmen beabsichtigen und des⸗ halb Befreiung von dem erforderlichen Alter nachsuchen, durch ver⸗ ständnisvolles und wohlwollendes Eingehen auf diese Gesuche die Ausführung ihrer Absicht erleichtert wird. Bereits in der Rund⸗ verfügung vom 18. Dezember 1903(Müller, Justizverwaltung 6. Aufl. S. 1182), in der auf die bei der Bearbeitung der Befrejungs⸗ gesuche zu beachtenden Gesichtspunkte hingewiesen ist, wird den Ge⸗ richten empfohlen, nicht den geschäftlich unerfahrenen Bittstellern Auflagen zu machen, deren Erfüllung(wie die Beibringung amt⸗ licher Urkunden und Auskünfte) mit Schwierigkeiten für sie verbun⸗ den ist, sondern tunlichst durch unmittelbares Benehmen mit den sämtlichen Behörden, deren Mitwirkung erforderlich ist(Polizei⸗ behörde, Standesamt, auswärtiges Gericht), die Angelegenheit zu fördern. In besonderem Maße ist ein solches Entgegenkommen bei der Annahme von Kriegerwaisen an Kindes Statt angezeigt. End⸗ lich wird in geeigneten Fällen der Erlaß von Stempeln und Kosten im Gnadenwege beantragt werden können.

Industrie und Volkswirtschaft. Festigung des Wirtschaftlebens.

Zu Anfang des Krieges hat die Regierung die Protestschrift für Wechsel, die nach dem Wechselrecht drei Tage beträgt, auf dreißig Tage verlängert. Nichtbezahlte Wechsel konnten also erst nach dreißig Tagen protestiert und dann die Klage im schnellern und billigeren Verfahren des Wechselprozesses erhoben werden. Die Maßregel war zu der Zeit, als der Krieg das ganze Geschäftsleben lahmgelegt hatte, richtig und vernünftig. Nach der Anpassung des Geschäfts⸗ lebens an den Kriegszustand wurde die Verordnung wieder aufge⸗ hoben. Das ist für leistungsschwache Firmen sehr unangenehm gewesen und hat es an Anträgen zur Wiedereinführung der ver⸗ längerten Protestschrift nicht gefehlt. Die Stellung der Detail- kaufleute zu dieser Frage ist ein gutes Barometer für die wirtschaft⸗ liche Lage dieser Bevölkerungsschicht.

Der Detaillistenverband von Rheinland-Westfalen hat sich in diesen Tagen mit der Frage der Zotägigen Protestschrift befaßt. Er hat die Befürwortung der Wiedereinführung abgelehnt. In seiner Begründung sagte der Verband, daß der Handel sich wieder in geordneten Bahnen bewegt.

Vermischtes.

Großer Moorbrand.

Seit Donnerstag mittag wütet, wie die Osnabr. Ztg. aus Bohmte meldet, ein großer Moorbrand im Gebiet der Moorzentrale und nimmt einen so großen Umfang an, daß man militärische Hilfe aus Osnabrück erbat. Die Osnabrücker Feuerwehr ist mit vielen anderen Feuerwehren bei der Löschung des Brandes tätig. Auch die Kriegsgefangenen werden mit Löscharbeiten beschäftigt. Es sollen bereits mehrere hunderttausend Zentner Torf verbrannt sein. Das Feuer ist wahrscheinlich durch Unachtsamkeit entstanden.

Telegramme.

Tagesbericht des Großen Hauptguartiers.

Zähe Kämpfe bei Souchez und im Priesterwalde. An der russischen Front unverändert. W. B. Großes Hauptquartier, 13. Juli, vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.

Ein französischer Haudgranatenangriff bei der Zucker⸗ fabrik von Souchez wurde abgewiesen. Im Anschluß an den Sturm auf den Kirchhof wurde darüber hinaus unsere Stellung in einer Breite von 600 Metern vorgeschoben und auch das an der Straße nach Arras gelegene Cabaret Rouge genommen. Die Zahl der Gefangenen hat sich auf 3 Offiziere, 215 Maun erhöht. Verschiedene Ansätze zu feindlichen Gegenangriffen wurden unter Feuer genommen. Ihre Durchführung wurde dadurch verhindert.

Zwischen Maas und Mosel entwickelte der Feind lebhafte Artillerietätigkeit. Viermal griff er im Laufe des Abends und der Nacht unsere Stellungen im Priester⸗ walde an. Die Angriffe brachen unter großen Verlusten vor unseren Linien im Feuer zusammen.

Oestlicher und Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Die Lage ist unverändert. Oberste Heeresleitung.

Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht

Wien, 13. Zuli.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart 13. Juli 1915 mittags:

Russischer Kriegsschauplatz. Die allgemeine Lage ist unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz

An der küstenländischen Front fanden gestern stellen⸗

weise heftige Artilleriekämpfe statt. Ein Angriff

mehrerer italienischer Infanterie⸗Regimenter bei Nebipuglia wurde abgewiesen. Die Lage im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet ist un⸗ veründert. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Felbmarschalleutnant.

Die Furcht vor dem deutschen Einmarsch

in Kurland.

Kopenhagen, 13. Juli. Nach der Nowoje Wremja werden in ganz Kurland Viehrequi sitionen vorgenommen. Jede Gutsbesitzersfamilie darf eine Kuh behalten, die bei der Annähe⸗ rung des Feindes wegzuschaffen ist. Massen von Messingzeug, Kupfergegenständen, auch Kirchenglocken, werden zu militärischen Zwecken weggenommen. Abteilungen werden gebildet mit dem besonderen Auftrag, bei Annäherung des Feindes die Ernte zu ver nichten. In den letzten Tagen verließen die Einwohner massenweise Slidkurland, die Züge nach Windau sind überfüllt.

Nussische Durchbruchsversuche an der bessarabischen Grenze gescheitert.

Czernowitz, 13. Juli. Die Russen haben gestern und vorgestern an der bessarabischen Grenzfront mit sehr starker Kavallerie und Infanterie Angriffe unternommen, die eine nie dagewesene Intensität erreichten. Die Russen wollten unbedingt die Front an dieser Stelle durchbrechen. In mehreren Reihen stürmten sie gegen die österreichisch⸗ungari⸗ schen Stellungen an. Trotz großer Verluste und zahlreicher Leichen, die sich vor den Schützengräben häuften, setzten die Russen die Angriffe fort. Der Kampf währte von 1 Uhr nachts bis zum Anbruch der Morgenhelle. Die Russen haben gar keinen Erfolg erzielt und mußten bei Tagesanbruch ab⸗ ziehen. Die russischen Verluste sind sehr groß.

Die Kriegslage im Osten.

Der Frankfurter Zeitung wird aus Wien telegraphiert: Auf dem russischen Kriegsschauplatz ist die allgemeine Lage auch heute unverändert. Die Gegenoffensive der Russen ist vollständig gescheitert. Durch unsere siegreichen Angriffe gezwungen, hatte sich in der letzten Zeit der Rückzug der Russen, den beiden Stoßrichtungen folgend, in der Hauptsache nach Norden und nach Osten vollzogen. Gegen Norden folgten dem Feinde die unter dem Kommando des Generalfeldmarschalls v. Mackensen stehenden verbündeten Armeen dicht auf den Fersen. Von letzteren hatte die Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand die wichtige Aufgabe, die zuerst direkt in östlicher Richtung zum Durchbruch der feindlichen Front vorstoßenden verbündeten Armeen in der nörd⸗ lichen Flanke gegen eventuelle feindliche Angriffe aus der Gegend des Lubliner Landrückens zu schützen. Die Ereignisse haben gezeigt, in welche glänzender Weise diese Armee ihrer schwierigen Aufgabe gerecht wurde. Die vierte Armee war über die Waldregion des Tanew, ein sehr schwieriges Durchzugsgebiet, in raschem Zuge vor⸗ gerückt und hatte sich auf dem nördlichen Ufer festgesetzt, um hier vorerst das Auftreten der Nachbararmeen abzuwarten. Mit diesen vereint, westlich durch das Vorgehen der Armee Woyrsch gegen die Kamiena und deren Mündungsgebiet in die Weichsel kräftig unter⸗ stützt, folgte nun die starke Offensive, welche die verbündeten Armeen zwischen Weichsel und Bug über die Wysnicza und den Porbach hinaus nach Norden brachte, sie die Höhen nördlich von Krasnik und Studzianki gewinnen ließ und ihr gestattete, am Ostflügel in die Nähe von Krasnostaw am Bug vorzudringen.

Nun herrscht auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz im all⸗ gemeinen verhältnismäßig Ruhe. Die Front der verbündeten Armeen hat sich als undurchdringlich erwiesen, woran die bereits am 8. dieses Monats gemeldete Tatsache, daß Vortruppen auf wenig tausend Schritte bis auf die Höhe von Krasnik zurück⸗ genommen wurden, um dadurch deren bedrohte Flanke besser zu schützen, nichts änderte. Sollte auch ein längerer Stillstand ein⸗ treten, so ist doch die Gesamtlage für die Verbündeten als n st ig zu bezeichnen. Anscheinend sind die Russen durch ihre Gegenftöße ziemlich erschöpft und bedürfen der Ruhe.

Die Bilanz des Krieges.

General Thayer von der Militär⸗Akademie der Vereinigten Staaten zu West⸗Point faßt sein Urteil über den Krieg, wie die Deutsche Wacht(Batavia) mitteilt, in folgenden Worten zusammen:

Wenn wir alle Sympathien und Antipathien für diese oder jene kriegführende Partei unterdrücken und nur die Tatsachen sprechen lassen, so steht fest:

1. daß die Deutschen fast ganz Belgien und ein Teil Frank⸗ reichs erobert haben:

2. daß die Deutschen im Osten in Russisch⸗Polen eingedrungen sind und daß sie Warschau bedrohen:

3. daß sich die großen Feldschlachten zumeist außerhalb der, Grenzen Deutschlands abgospielt haben und daß die Deutschen infolgedessen Ostpreußen(sowie ein Stück des Oberelsaß. D. Red.) ausgenommen ihr Land von den Schrecken und Verwüstungen des Krieges bewahrt haben:

4. daß die deutsche Linie im Westen nur 68 Meilen von Paris, entfernt liegt, wohin gute Wege auf reichem, fruchtbarem Ackerland führen, während der Abstand zwischen Berlin und der Front der Alliierten 400 Meilen beträgt. 300 Meilen hiervon sind Gebirge und Hügelland, welche für den eindringenden Feind fast unüber⸗ windliche Hindernisse bilden.

Aus diesen Gründen müssen sich die Alliierten auf die Verteidi⸗ gung beschränken, während es den Deutschen wenn es ihnen ge⸗ lingt, die Front der Alliierten zu durchbrechen nicht schwer fallen dürfte, Paris zu erreichen. Gelingt es hingegen den Alliierten, die deutsche Linie zu durchbrechen, so würde ihnen jede weitere Operation unendlich viele Menschenleben kosten. Und trotzalledem würden alle Opfer nicht ausreichen, um die leicht zu verteidigenden natürlichen Hindernisse auf dem Wege nach Berlin zu überwinden.

Die Alliierten setzen scheinbar alle ihre Hoffnungen auf Ruß⸗ land. Aber diese allgemein erwartete Invasion aus dem Osten hat fämmerlich Schiffbruch gelitten und heute stehen die Deutschen in Rußland statt umgekehrt. Von militärischem Standpunkt aus betrachtet beschließt General Thayer seine Aus⸗ führungen läßt sich nicht bestreiten, daß die Deutschen bis⸗ her siegreich waren, während ihre Gegner enorme Verluste durch die Verwüstung ihrer Länder erlitten. Wenn England neue Truppenmassen nach Europa sendet, so heißt das ebensoviel als wie sie zur Schlachtbank führen.

Der türkische Kriegsbericht.

Konstantinopel, 13. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Der Generalstab berichtet von der Front der Dardanellen vom Fe

Bei Ari Burnn beiderseitige Beschießung ohne Bedeu- tung. Am Nachmittag beschoß ein Kreuzer unter dem Schutze von Torpedobooten und mit Hilfe von Ballons einige Zeit ohne Erfolg unseren rechten Flügel, worauf er sich zurückzog. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr Artilleriekampf mit Pausen auf dem rechten Flügel und im Zentrum. Unsere anatolischen Batte⸗ rien beschossen wirksam bei Mortoliman Truppen, Batterien, Luftschiffhallen und Flugzeuge des Feindes.

An den anderen Fronten hat sich nichts Wichtiges ereignet.