Ausgabe 
13.7.1915
 
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gönnen mit: AK Freitag, den 16. Juli, LI 2 Samstag, den 17. Juli. Die Auszahlung findet von 81 Uhr im Stadthaus, Zimmer Nr. 16, statt. 5 5

Der Kriegsreservefonds der Volksfürsorge ist durch den Entschluß der Aktionäre(der Genossenschaften, und Gewerk schaften) trotz ihrer eigenen schwierigen Lage in der Kriegs. zeit auf die ihnen zustehende Verzinsung des von ihnen zur Verfügung gestellten Aktienkapitals auch für das Jahr 1914 zu verzichten, um 40 000 Mk. erhöht worden. Dem Fonds wurden vom Ueberschuß des Geschäftsjahrs 1913 3303 Mk., von dem des Jahres 1914 8598 Mk. zugeführt, so daß er jetzt 51900 Mk. beträgt. Diese Summe gelangt nach Schluß des Krieges außer der gezahlten Prämienreserve an die Ange hörigen der im Kriege sterbenden Versicherten der Volksfür⸗ sorge, deren Versicherungsverhältnis am Tage des Beginns der Feindseligkeiten mindestens sechs Monate bestanden hat, zur Auszahlung. Dieser Beschluß der Arbeiterorganisatio. nen, in der für ihre eigenen Mitglieder schwierigen Zeit auch dieses Opfer zu bringen, beweist aufs neue, wie stark der Wille ist, die wirtschaftlichen Folgen des schrecklichen Krieges für die am meisten Geschädigten nach Möglichkeit zu lindern; er zeigt sich aber auch, wie diese Organisationen alles tun, um es der Volksfürsorge zu ermöglichen, ihren Versicherten die größtmöglichsten Vorteile zu bieten.

Freigabe von Leder für den bürgerlichen Verbrauch. Wie be⸗ kannt, ist die Freigabestelle für Leder durch das Kriegsministerium bereits errichtet worden. Sobald von dieser Freigabestelle auf An⸗ trag eines Lederfabrikanten Leder nunmehr freigegeben wird, wird über den betr. Posten ein Freigabeschein ausgestellt und dieser als⸗ dann an die neuerrichteteKontrollstelle für die Freigabe von Leder weitergegeben. Von dieser Kontrollstelle werden nun dem Lederfabrikanten bestimmte unter Mitwirkung der Regierung auf⸗ gestellte Verkaufsbedingungen auferlegt und erst, wenn er sich zu deren Einhaltung verpflichtet, wird von ihr der betreffende Posten Leder endgültig freigegeben. Die Verkaufsbedingungen, welche der Lederfabrikant einhalten muß, erstrecken sich u. a. auf folgende wichtige Punkte: Das freigegebene Leder darf nur an deutsche Reichsangehörige im Inlande verkauft werden und zwar nur an solche, welche bereits vor dem Kriege Leder verbraucht oder ge⸗ handelt haben; der Lederfabrikant darf höchstens zu den in dem bekannten Verpflichtungsschein des Kriegsministeriums festgesetzten Richtpreisen verkaufen und die Großhändler höchstens 3 Prozent, die Kleinhändler höchstens 7 Prozent, also insgesamt 10 Prozent auf den Verkaufspreis des Herstellers aufschlagen. Es ist bezüg⸗ lich der Richtpreise noch besonders festgelegt worden, daß diese für erste Sorte, also sowohl für erste Qualität, als auch erstes Sortiment zu gelten haben. Da der Lederfabrikant sowohl als der Händler nur an solche Abnehmer weiterverkaufen darf, die sich auch ihrerseits zur Einhaltung der erwähnten Bedingungen verpflichten, so ist dadurch hoffentlich wucherische Ausbeutung und Spekulation verhindert. Wie notwendig es ist, insbesondere kleinen Schuh⸗ machern vor Ueberteuerung durch den Handel zu schützen, das lehrt folgender Fall. Der Lederpreis steht im Detailhandel jetzt auf 780 Mark das Pfund. Mithin kostet das Lot also 1594 Pfennige oder bei der selbstverständlichen Abrundung nach oben 16 Pfennige. In der hiesigen Lederhandlung von Eichel aber, die sonst stets auf entgegenkommende Preisbildung auch beim gexringsten Kleinverkauf gehalten hat, nimmt der Verkäufer jetzt für das Lot 18 Pfennige, W 5 beim Pfund Leder noch ein Extragewinn von 1,20 Mk. abfällt!

Heeresdienst der Volksschullehrer. Das stellvertretende General⸗ kommando des 18. Armeekorps hat angeordnet, daß die auf Rekl mation der Schulbehörde wegen Unabkömmlichkeit im Schuldien vom Heeresdienst zurückgestellten und beurlaubten gedienten Volks⸗ schullehrer während der Sommerferien zum Garnisonsdienst ein⸗ zustellen find.

Ein frecher Einbruchsdiebstahl wurde am Sonntag abend in dem Schuhgeschäft L. Süß in der Marktstraße verübt. Die Diebe waren mittels Nachschlüssel in das Haus und den Laden einge⸗ drungen und hatten große Pakete und Kästen voll bester Schuhe und Stiefel sowie Leder zusammengepackt und nach dem Bahnhof trans⸗ portiert, wo sie die Fracht bereits als Reisegepäck aufgegeben hatten. Als der Geschäftsinhaber abends den Laden betrat und bemerkte, daß er höchst unerbetenen Besuch gehabt hatte, machte er sofort der Polizei Mitteilung und begab sich selbst auf den Bahnhof, wo er seine Kästen entdeckte. Man erwischte auch bald die zwei Diebe, die sich auf dem Bahnhof herumtrieben und verhaftete sie natürlich. Es stellte sich heraus, daß sie in Koblenz beheimatet und schon mehr⸗ fach vorbestraft sind. Einer davon, von Beruf Schreiner, hatte bei der Einrichtung des Ladens hier gearbeitet und war infolgedessen mit den Räumlichkeiten bekannt. Der Geschäftsinhaber erhielt alle gestohlenen Waren, die einen Wert von etwa 141500 Mark dar⸗ stellten, wieder. Verwunderlich ist, daß die schweren Pakete und Gepäckstücke aus dem Laden fortgebracht werden konnten, ohne daß s bemerkt wurde.

Kreis Alsfeld⸗Lauterbach.

d. Alsfeld. Vor kurzem hat das hier erscheinende Alsfelder Tageblatt sein Erscheinen eingestellt. Das Blatt ist ein Opfer der durch den Krieg herbeigeführten Verhältnisse, die gerade für Zeitungen verderblich wirken, da Papier und sonstige Materialien erheblich teurer geworden sind, dagegen die Einnahmen geringer werden. In ganz Deutschland sind bisher schon mehrere Hunderte von Zeitungen aller Art eingegangen. Das hiesige Tage⸗ blatt hatte nur geringe Verbreitung, es dürfte außerhalb Alsfelds nur noch in wenigen Orten verbreitet gewesen sein.

Kreis Wetzlar.

Zur Erhaltung des kommunalen Wahlrechts der Kriegsteil⸗ nehmer ist soeben mit Gesetzeskraft eine Verordnung für Preußen ergangen, die den Gemeinden die Befugnis gibt, durch Gemeinde⸗ beschluß für 1915 und 1916 anzuordnen, daß von der Aufstellung, Berichtigung und Auslegung einer Liste stimmfähiger Bürger(Ge⸗ meindeglieder) ganz abgesehen und bei den Wahlen die letzte end⸗ gültige Liste zugrunde gelegt wird, oder daß bei der Aufstellung und Berichtigung der Listen hinsichtlich der Kriegsteilnehmer eine Minderung der veranlagten Steuersätze oder der Einkommensbezüge gegenüber der letzten endgültigen Liste außer Betracht bleibt.

Vermischtes.

85 Millionen Mark unterschlagen.

Eine Skandalaffäre von ganz ungewöhnlichem Umfang ist nach Meldungen Newyorker Blätter, in Washington aufgedeckt worden. Mehrere Unterbeamte des internen Zolldienstes haben gemeinsam mit Privatpersonen in den letzten 12 Jahren Zolleinnahmen in Höhe von 85 Millionen Mark unterschlagen und für persönliche Zwecke verbraucht. Das Justizdepartement hat eine eingehende Unter⸗ suchung eingeleitet und bereits mehrere Verhaftungen vorgenommen. Zwei Defraudanten, Caspar und Hartmann, deren Unterschleife bis 1903 zurückreichen, befinden sich hinter Schloß und Riegel, während es verschiedenen ihrer Komplizen geglückt ist, zu entfliehen.

Der einheitliche Frauenhut.

Eine Schweizer Frau hat eine Eingabe an die Bundesversamm⸗ lung gemacht, in welcher sie verlangte, es sei für alle Frauen der ganzen Schweiz ein einheitlicher Hut vorzuschreiben und die dadurch gemachten Ersparnisse seien dem Bund zuzuwenden. Der Ständerat Wirz als Referent meinte zu dem gutgemeinten Vorschlag. er sei nicht auszuführen,da es schon schwer halte, alle Männer unter einen Hut zu bringen, um so weniger alle Frauen.

Opfer der Bergarbeit. Ein schweres Grubenunglück, bei dem vier Bergleute

den Tod fanden, exeignete sich am 9. Juli auf der ZecheMathias Stinnes bei Gladbeck. Beim Einsturz eines Gewölbes auf der sechsten Sohle wurden fünf Bergleute verschüttet, von denen nur einer lebend geborgen werden konnte. Auf der ZecheFreier Vogel bei Hörde wurden fünf Bergleute und ein Steiger von schlagenden Wettern überrascht. Zwei wurden als Leichen und einer schwer vergiftet geborgen. Drei noch in der Grube an der Unglücksstelle Befindliche sind gleichfalls tot. Brand der Tetschen⸗Bodenbacher Kettenbrücke.

Am Donnerstag nachmittag gegen 3 Uhr ist auf bisher unauf⸗ geklärte Weise die Tetschen-Bodenbacher(Böhmen) Kettenbrücke in Brand geraten. Die Brücke hat eine hölzerne Gangbahn, die ohne Strompfeiler über die Elbe führt. Die Brücke, die 1854 erbaut worden ist und die einzige Verbindung zwischen den beiden Orten Tetschen und Bodenbach bildete, ist offenbar durch eine Unachtsam leit rauchender Arbeiter, die das Holz teerten, in Brand geraten.

Telegramme.

Lagtoberigt des Green Hauptgnartiers

Erfolgreiche Sturmangriffe in West und Ost. Im Südosten unverändert.

W. B. Großes Hauptquartier, 12. Juli, vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.

Am Nordhange der Höhe 70 südöstlich von Npern wurde ein Teil der englischen Stellung in die Luft gesprengt.

Der Nahkampf am Westrande von Souchez schreitet vorwärts. Der südlich von Souchez an der Straße nach Arras gelegene viel umstrittene Kirchhof ist wieder in unserem Besitz. Er wurde gestern abend nach hartem Kampfe gestürmt. 2 Offiziere, 163 Franzosen wurden gefangen ge⸗ nommen, 4 Maschinengewehre und 1 Minenwerfer erbeutet.

Bei Combres und im Walde von Ailly ging der Gegner abends nach starker Artillerievorbereitung zum An⸗ griff vor. Bei der Höhe von Combres gelang es dem Feinde, in unsere Linien einzudringen. Er wurde wieder herausgeworfen.

Im Walde von Ailly brach die feindliche Infanterie bereits vor unserer Stellung in unserem Feuer zusammen.

Nördlich der Höhe von Bau de Sapt wurde ein Waldstück vom Gegner gesäubert.

Bei Armersweiler nordwestlich von Altkirch überfielen wir eine feindliche Abteilung in ihrem Graben. Die feindliche Stellung wurde in einer Breite von 500 Metern eingeebnet. Unsere Truppen gingen sodann plan⸗ mäßig unter Mitnahme einiger Gefangener vom Feinde un⸗ belästigt in ihre Linien zurück.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

An der Straße von Suwalki nach Kalwarja in der Gegend von Lipina stürmten unsere Truppen die feindlichen Vorstellungen in einer Breite von 4 Kilometer.

Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Lage bei den deutschen Truppen ist unverändert. Oberste Heeresleitung.

Der österreichisch · ungarische Tages bericht

Wien, 12. Juli.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart, 12. Juli

1915, mittags: NRussischer Kriegsschauplatz.

Am Bug nordwestlich Busk haben unsere Truppen bei Derewlany einen russischen Stützpunkt genommen.

An der ganzen sonstigen Front im Nordosten fanden auch 5777 keine Kämpfe statt. Die Situation ist unver⸗ ändert.

Neue Angriffe am Isonzo abgeschlagen.

Jtalienischer Kriegsschauplatz.

An der küstenländischen Front versuchten die Italiener wieder einige Angriffe, die wie immer abgewiesen wurden, so bei Vermegliano, Redipuglia und an mehreren Punkten südlich des Krnugipfels.

Im Kärntner Grenzgebiet dauern die Geschützkämpfe fort. Auch gegen unsere Stellungen auf den Grenzbergen nordöstlich des Kreuzberg⸗Sattels und gegen einzelne Tiroler Werke richtete sich feindliches Artilleriefeuer. Neuerliche Angriffe des Gegners auf den Col di Lana scheiterten gleich allen früheren.

Südöstlicher Kriegs schauplatz.

In letzter Zeit entwickelten die Montenegriner an der herzegowinischen Grenze eine lebhaftere, jedoch ganz erfolglose Tätigkeit. So griffen unlängst wieder zirka zwei montenegrinische Vataillone unsere Grenzstellungen östlich Aptovae nach längerer Be⸗ 8 durch schwere Artillerie an. Sie wurden abgewiesen. Einer unserer Flieger bewarf zu dieser Zeit ein montenegrinisches Weiter südlich stieß ein

Lager sehr erfolgreich mit Bomben. Auch dieses wurde

Bataillon des Feindes über die Grenze vor.

durch einen Gegenangriff unserer Truppen auf montenegrinisches Gebiet zurückgeschlagen.

9 2 krinken LL 2 àum möglich;: denn alle aus Roggen hergestellten Getreidekaffees sind nicht mehr zu haben. Getreidekaffees aus Gerste sind sehr im Preise gestiegen. Da wöre guter Rat teuer, wenn der Kriegs- Kornfrandc nicht wöre: Er schmeckt vorzüglich, het eine schõne kaffeebraune Ferbe; er ist sehr aus-

giebig und deshalb billig. Ganzes Hake 50 Pig, holbes Pokef 25 Pfg.

Oestlich Trebinje versuchte der ZJeind nach den Mißerfolgen her vyrigen Woche vergebens, durch schweres Artilleriesener eine Wirkung zu erzielen.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant.

Wenn die russischen Truppen sich stark genug fühlten

T. U. Petersburg, 12. Juli. Die russische Militärzeitung Der russische Invalide schreibt: Wenn unsere Truppen sich stark genug fühlen und mit dem notwendigen Material versehen sind, werden sie nicht über die Eisenbahnlinie Jwangorod LublinCholm Kovel, die die Weichsel mit dem Bug verbindet, zurückweichen, sondern die Schlacht an dieser Stelle schlagen, die dann die Operationen in Galizien beenden wird. Wenn dagegen die Zeit nicht ausreicht, um sich zum Kampfe vorzubereiten, werden die Russen ihren methodischen Rückzug bis östlich der obengenannten Linie fortsetzen. g Die Russen befestigen die rumänische Grenze.

Budapest, 12. Juli. Nach einer aus verläßlicher Quelle stammenden Nachricht des Az Est aus Czernowitz befestigen die Russen ihre rumänischen Grenzen. Mehrere tausend Ar-

beiter errichten Schanzen und Drahthindernisse.

Die österreichisch⸗ungarische Flotte.

Wien, 12. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Aus dem Kriegspresse⸗ quartier wird gemeldet: Gegenüber ausländischen Zei⸗ tungs meldungen über Schiffsverluste unserer Kriegsmarine wird nach Informationen von maßgebender Seite festgestellt, daß die österreichisch⸗ungarische Flotte im Kriege mit Italien bisher keine Verluste erlitten und auch die in den ausländischen Zei⸗ tungen wiedergegebenen Nachrichten über Beschä di gu u gen am Unterseebooten unwahr sind.

Russisch⸗rumänische Verhandlungen.

T. U. Rom, 12. Juli. Hier eingelaufenen Meldungen zufolge ist der Gang der russisch-rumänischen Verhandlungen wieder lebhaft geworden.

Das Schicksal Skutaris.

London, 12. Juli.(Etr. Frkft.) Die London News meldet, daß auf Vorstellungen des englischen Gesandten in Cetinje Montenegro die Uebergabe Skutaris an die Italiener verweigert. Die englische Meldung trägt den Zenfur⸗ vermerk. Kürzung der Fleischrationen der Kriegsgefangenen

in Rußland.

Petersburg, 12. Juli.(T. U.) Zur Ernährung sämtlicher in Rußland befindlicher deutscher und österreichisch⸗ungarischer Kriegs⸗ gefangenen wurde bisher täglich 15 000 Pud Fleisch angewiesen. Der neue Kriegsminister Poliwanow hat jedoch angeordnet, daß künftighin nur 9500 Pud Fleisch täglich verwendet werden dürfen. Eine weitere Herabsetzung der Rationen sei in Aussicht genommen. Ferner sollen die Kriegsgefangenen stärker und planmäßiger als bisher zu Arbeiten herangezogen werden. g

Rumänien.

Ein Artikel der Frankfurter Zeitung über Rumämiens Schicksalsstunde hat in der gesamten Presse des In⸗ und Auslandes außerordentliches Aufsehen erregt. In der Tat war die Klarheit, mit der der Artikel Rumäniens Verhalten beleuchtet, höchst bemerkenswert. Die Stellung Nu⸗ mäniens wie Bulgariens ist damit erneut zur Diskussion ge⸗ kommen. Man braucht den Nutzen einer solchen Diskussion nicht zu überschätzen. Es ist leider so, daß in den Zeiten des Krieges Rede und Gegenrede sehr wenig nützen, daß nur die Tat entscheidet. Man hält Rumänien auf Grund des alten Vertrages mit Deutschland und Oesterreich⸗Ungarn für durch⸗ aus deutschfreundlich und das Verhalten Rumäniens recht⸗ fertigte eine solche Auffassung bis zu dem Augenblicke, wo die Russen nahe daran waren, über die Karpathen hinweg in die ungarische Tiefebene einzufallen. Mit diesem Druck auf Oesterreich⸗Ungarn entstand automatisch ein russischer Druck auf Rumänien, und die deutschfreundliche Stimmung dieses Landes und seiner Regierung schlug sehr vernehmlich um. Die Tat siegte über Gefühl und allen guten Willen. Seit diesem Zeitpunkte hat Rumänien auch die Durchfuhr von Munition nach der Türkei verhindert, und was jetzt trotzdem durchgeht, geschieht auf dem Wege des Schmuggels, was einer glatten Erpreffung von Geld gleichkommt. In⸗ zwischen ist der russische Druck auf Oesterreich⸗-Ungarn und uzgleich auch auf Rumänien völlig gewichen. Rumänien wird jetzt nichts übrig bleiben, als diesen neuen Tatsachen wiederum Rechnung zu tragen; aber es will augenscheinlich diesen seinen notwendigen neuen Umfall zugleich möglichst teuer an Deutschland und Oesterreich⸗Ungarn zu verkaufen suchen. Es ist ja kein Geheimnis, daß die Reise des Reichs kanzlers und des Staatssekretärs des Auswärtigen nach Wien diesen neuen Forderungen Rumäniens galt, und daß Ungarn den neuen rumänischen Forderungen im Interesse der Zentralmächte außerordentlich weit entgegenkommen will. Trotzdem ziehen sich die Verhandlungen hin und der Artikel der Frankfurter Zeitung erscheint in diesem Zusam · menhange als ein letztes Warnungssignal. Rirmänien muß sich jetzt entscheiden.

Die Entscheidung Rumäniens bedeutet aber eine Ent⸗ scheidung zugleich für alle anderen Balkanfragen. Ein Ar⸗ tikel der über diese Fragen unserem Münchener Parteiorgan von besonderer Seite zugeht, weist gerade auf diefes Problem sehr einleuchtend hin. Es wird mit Recht betont, wie die rumänische Entscheidung gegen die Zentralmächte besonders auf Bulgarien mit der Wirkung eines Angriffs auf Ru⸗ mänien Einfluß gewinnen müßte. Bulgarien würde zweifel · los sofort gegen Rumänfen losgehen, und das um so mehr, als dank Italiens Verhalten in Albanien Bulgarien nicht mehr zu befürchten haben würde, daß Griechenland Rumänien beispringen würde. In Rumänien konne man daher für den Fall eines Bundes mit der Entente mit ziemlicher Gewiß⸗ heit zugleich auf einen neuen Krieg am Balkan rechnen, und der Ausbruch eines solchen Krieges würde Rumäniens Hilfe

dem Vierverband ziemlich wertlos machen. Rumänien steht

au der Dat an einem Scheidenee. Wew es c Senn