Ausgabe 
13.7.1915
 
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basis in der Nähe der amerikanischen Küste. Diese Idee, die vor einigen Monaten noch als unglaublich bezeichnet worden wäre, erscheint nach den großen Fortschritten, die die Deutschen in der Konstruktion der Unterseeboote machten, zicht mehr unmöglich.

Russische Mißstimmung gegen England und Frankreich.

T. U. Wien, 12. Juli. aus Bukarest: Hier sind gestern eine größere Anzahl ver⸗ mögender Russen aus Petersburg, Moskau, Kiew und Odessa eingetroffen, da in den betreffenden Bezirken revolutionäre Bewegungen befürchtet werden. In Petersburg herrscht große Erregung gegen die Franzosen. Die Zensur gestattet die heftigsten Ausfälle gegen Frankreich und England.

Eine Zusammenkunft der Balkankönige in Athen.

T. U. Lugano, 12. Juli. Die Corrispondenza erfährt aus Sofia: Im Laufe des Monats werden in Athen Zusammen⸗ künfte der Könige von Rumänien und Bulgarien mit König Konstantin stattfinden. Die Zusammenkünfte sollten zuerst in Bukarest vor sich gehen, seien aber wegen der Krankheit des Königs der Hellenen nach Athen verlegt worden. Die Könige werden von ihren Ministern der äußeren Angelegen⸗ heiten begleitet werden..

Die Ursache des Abschieds des englischen Wefandten in Sosia.

Sofia, 12. Juli. Dnewnik bringt eine Aufsehen erregende Nach⸗ richt über die Ursache des plötzlichen Scheidens des englischen Ge⸗ sandten in Sofia, Bax⸗Jronside, von seinem Posten. Wie das ge⸗ nannte Blatt wissen will, wären über den bekannten Mordanschlag gegen den Zaren Ferdinand der Bulgaren interessante Enthüllungen gemacht worden, wodurch Bax⸗Jronside schwer belastet wurde, so daß die bulgarische Regierung sich gezwungen sah, von der englischen Regierung die Rückberufung dieses Diplomaten zu verlangen. Auch der Ministerrat beschäftigte sich mit der Angelegenheit.

Furchtbarer Orkan in Missouri.

T. U. Chikago, 12. Juli.(Privattelegramm.) Ein furchtbarer Sturm, von Wasserhosen begleitet, brach über die Staaten Missouri, Illinois, Indiana und Ohio herein und verursachte großen materiellen Schaden und forderte viele Menschenopfer. In Eincinatti fanden mehr als 20 Personen den Tod. In Ohio kenterten zwei Fahrzeuge; viele Personen ertranken. 25 Häuser wurden

zerstört. Nriegsnotizen.

Das Hamburger Fremdenblatt meldet aus Kopenhagen: Einer privaten Meldung aus Riga zufolge seien dort am 16. Juni, rus⸗ sischen Datums, 8 Offiziere, 1 Major und 3 Unteroffiziere wegen Feigheit vor dem Feinde vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt worden.

Kopenhagen leidet an Gummimangel. Die großen AutogesellschaftenTaxamotor undAutotaxa mußten viele Wagen außer Betrieb stellen, erstere sogar bie Hälfte. Falls die Hoffnung einer baldigen großen Gummisendung vonDunlop.(Birmingham) 5 werden die Autos allmählich aus dem Straßenbild ver⸗ a n

Daß man auch im französischen Heere bestrebt ist, die Manns⸗ zucht mit aller Strenge aufrecht zu erhalten, das ergibt sich aus einer von der Nordd. Allg. Ztg. veröffentlichten Liste von Kriegs⸗ gerichts⸗Urteilen. Die Kriegsgerichte in Lyon, Rouen und Bordeaux haben im Monat Juni 147 Urteile gefällt wegen Deser⸗ tion, Unbotmäßigkeit, Trunksucht, Diebstahl usw. Die erkannten Strafen bewegen sich zwischen 2 Monaten und 4 Jahren Festungshaft.

Hessen und Nachbargebiete.

Gießen und umgebung. Im zwölften Kriegsmonat.

Wenige Wochen noch und es jährt sich der Beginn des gewal⸗ tigsten Völkerringens, das je in Europas Ländern zum Austrag

.Was in den paar Worten: Zwölf Monate Krieg, zum Aus⸗ druck kommt, das millionenfache Leid, das eingeschlossen ist in dieses Jahr blutigen Ringens, es läßt sich nicht ermessen. Und immer noch tobt der Brand, dessen erste furchtbare Lohe mitten in der Ernte des vorigen Jahres emporstieg, mit unverminderter Gewalt. Millionen deutscher Männer stehen in Feindesland. umbrandet von den Greueln moderner Schlachten, und gar mancher von denen, die hoffnungsfroh auf die siegreiche Heimkehr ins Feld zogen, modert schon monatelang in fremder Erde. Ein langes Jahr Krieg und

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Die Grazer Tagespost erfährt

noch ist das Ende nicht abzusehen. Die Städte und Dörser haben im Laufe der Monate die ganzen männlichen Kräfte, Burschen und Männer, ziehen sehen, und was sich in den Städten nicht so deutlich fühlbar macht, auf dem Lande, in den kleinen, abgeschlossenen Ge⸗ meinden mit ihren paar hundert Köpfen zeigt es sich deutlich, der junge kräftige männliche Bevölkerungsteil ist verschwunden. Man merkt's auf den Feldern, auf denen Kinder, Frauen und Mädchen, da und dort auch ein rüstiger Graukopf, die Arbeit tun, man jühlt's am Abend auf der stille gewordenen Dorfstraße, und der Wirtschafts⸗ arten ist an Sonntagen, von den Werktagen ganz zu schweigen, fast verödet. Aber auch die Geselligkeitsstätten der Städte werden stiller und stiller. Die Schrecken des Krieges sind nicht an den Städten und auch an den kleinsten Dörfern, selbst an den Einzel⸗ gehöften nicht vorübergegangen. Blühende Burschen waren sie aus der Heimat fort und gar mancher ist wiedergekommen zerbrochen oder verwundet, ein Opfer des Riesenkampfes, der jetzt im zwölften Monat tobt. Es war gut, daß man zu Beginn des Krieges nichts von seiner langen Dauer ahnte. So blieb die Hoffnung, die die Menschen aufrecht und stark erhielt. Man legte den Samen in den Boden, bestellte den Acker in dem stillen Wunsche, daß zur Zeit der Reise und der Ernte auch das Völkermorden zu Ende sei. Der Gang der Geschehnisse hat inzwischen freilich auch diese Hoffnung zerstört. Ein zweitesmal muß die Ernte eingebracht werden, während Söhne, Päter und Brüder die harte Arbeit des Krieges besorgen. Es ge⸗ schieht ein zweitesmal mit der gleichen aufrechten Kraft wie im ver⸗ gangenen Jahre. Nur die Sehnsucht nach der Rückkehr der Lieben ist gewachsen. Es wäre ja auch gar nicht natürlich, wäre es anders. Die härteste und schwerste Zeit für die Leute auf dem Lande ist mit dem Monat Juli angebrochen. Wochen ununterbrochener Ernte⸗ arbeit stehen bevor. Schon war man bange um die Frucht, als die hochsommerliche Hitze, die um die Mitte des Mai einsetzte, den Boden ausdörrte und die Felder zu verbrennen drohte. Zur rechten Zeit fielen in den letzten Tagen Bäche vom Himmel und holten lange Ver⸗ säumtes nach. In manchen Gegenden mag der lange ersehnte Regen zu spät gekommen sein; in anderen wieder hat er zur rechten Zeit Halm und Frucht vor dem Verderben gerettet. Die schon bräunlich gefärbten Wiesenflächen beginnen neu zu grünen und die frischen Halmspitzen schieben sich keck zwischen den gelben Grasstoppeln her⸗ vor. Die zweite Ernte, die diesmal unter dem Toben des Welt⸗ krieges herangereift ist, will eingebracht sein. Wenn sie doch in Friedenstagen gedroschen und verzehrt werden könnte!

Zum Verkehr mit Getreide und Mehl hat die Vertreter konferenz der hessischen Handelskammern vom 9. Juli 1915 folgende Erklärung einstimmig angenommen:Die Größe der mit dem Brotgetreideankauf gemäß Bundes⸗ ratsberordnung vom 28. Juni 1915 verbundenen Aufgaben und die Notwendigkeit, den Getreidehandel im volkswirt⸗ schaftlichen Interesse leistungsfähig zu erhalten, erfordern, daß gemäß§ 23 der Verordnung die Getreidehändler in weitestgehendem Maße herangezogen und die bisherigen Mängel in der Organisation vermieden werden. Dabei ist der Provinzhandel und der Landhandel besonders zu berück⸗ sichtigen. Aus ersterem sind in ausreichender Weise die Kommissionäre des Kommunalverbandes zu entnehmen, wo. bei auch die Möglichkeit einer Vereinigung dieser sämtlichen Händler zu einer gemeinsamen Geschäftsstelle besteht, der dann noch weitere Aufgaben übertragen werden könnten. Im ersteren Falle sind die nicht beteiligten Provinzhändler indirekt zu beschäftigen als Unterkäufer, als Lagerhalter und dergleichen. Die Landhändler sind möglichst sämtlich als Unterkäufer heranzuziehen, soweit sie am 1. August 1914 be⸗ reits Fruchthandel betrieben haben, und es ist ihnen ein angemessener Anteil an der Kommissionsgebühr zu ge⸗ währen. In gleicher Weise ist in bezug auf den Ankauf von Futtergetreide(Safer und Gerste) zu verfahren. Was die Mehlverteilung betrifft, so empfiehlt es sich, die Beteiligung des Handels in der Weise zu regeln, daß die im Bezirk ansässigen Mehlhändler sämtlich zur Abgabe des Mehles an die Bäcker, Konditoren und Kleinhändler heran- gezogen werden unter Kontrolle der zuständigen amtlichen Mehlverteilungsstelle, die den Händlern ihren Bedarf an Mehl gegen Bezugsscheine zuteilt. Die Bezugsscheine erteilt die amtliche Verteilungsstelle den Händlern auf Grund der abgelieserten Brotscheine, die diese von ihren Kunden ein⸗ ziehen. Für ihre Arbeit, die darin besteht, daß sie das Mehl in der Mühle abnehmen, ihren Kunden zuführen, das In⸗ kasso besorgen, die Brotkarten sammeln und die hierbei er⸗ forderlichen Auslagen leisten, erhalten die Händler eine an⸗ gemessene Vergütung. Die Großherzogliche Regierung wird gebeten, auf die Kommunalverbände dahin einzuwirken, daß sie im Einvernehmen mit den zuständigen Handelskammern

Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 21¹

Muß du anzünden? fragte Martha, ohne aufzusehen.

Und wild auffahrend erwiderte Diethelm:Weib, daß du mich für so schlecht hältst, hätt' ich doch nie geglaubt. Guck', aber nein, du traust mir ja nicht aufs Wort. Guck', mich soll die Sonn', wie sie jetzt am Himmel steht, nie mehr be⸗ scheinen, nie mehr warm machen, wenn ich nur einen Ge⸗ danken an so was hab'.

Und plötzlich fühlte Diethelm, wie es ihm frostig den Rücken hinablief, als wären die Sonnenstrahlen auf einmal eiskalt; er schaute sich um und verschloß lächelnd das Fenster, das er in der Heftigkeit aufgestoßen hatte, so daß durch die offenstehende Tür ein Luftzug strömte.

Verzeih' mir, was ich gesagt hab', und glaub' mir, ich hab's nie gedacht, sagte die Frau aufstehend;ich will ein bißle Ordnung machen, daß nicht alles so unters über sich aussieht, wenn die Herren kommen.

Rasch veränderte sich der leidmütige Ausdruck ihres Ge. sichts, und es war leicht zu erkennen, daß sie mit Stolz daran dachte, welche Augen die fremden Herren machen würden, wenn sie über Kisten und Kasten kämen. Festen Schrittes verließ Martha die Stube.

Diethelm stand wie gebannt an das Fenstergesims ge⸗ lehnt, er rieb sich die plötzlich so trockenen und kalt gewordenen Hände und fühlte mit Behagen, wie die Sonne ihm den Rücken durchwärmte. Durch seinen Sinn zog die gräßliche Anmutung, die ihn auf dem Marktplatz in G. zum ersten Male getroffen und niedergeworfen hatte, dann auf der Kalten Herberge so verlockend und doch widerlich und jetzt daheim so vorwurfsvoll an ihn gekommen war. Wie kann

nur ein Mensch daran denken und gar ihm solches zumuten? Und doch drängt ihn nicht alles mit C palt dazu, und

ist das nicht die letzte Rettung, wenn er sich in seinen Aus⸗ sichten bedroht sieht und die Ware ihm auf dem Halse liegen bleibt?

Diethelm war's, als ob die Mauer, daran er sich lehnte, plötzlich morsch würde und zurückweiche, und ein Schwindel erfaßte ihn wie gestern, als er oben in freier Luft zwischen Himmel und Erde schwebte. Diethelm schob die Ursache hiervon auf die brennenden Sonnenstrahlen, die, wie zu Zeugen angerufen, ihm heiß auf Haupt und Rücken brannten. Wie mit traulichem Gruße an all seine Habe ging er durch Stube und Kammern, durch Ställe und Scheunen; er gedachte der Zeiten, wo er als armer Bursch hierher gekommen war und nichts sein Eigen genannt, als was er auf dem Leibe trug, und wie er so glücklich war, als das ganze Haus mit allem, was darin war, sein Besitztum wurde; jedes Messer, jede Sense, jedes Feldgerät bewillkommnete er damals mit freudigem Blicke, das war jetzt alles sein Eigen. Das ist doch ein ander Leben, in der Welt zu Hause zu sein, teil zu haben an ihr. Es war ihm damals, als hätte er an dem Hause und dem, was es erfüllte, einen neuen Leib gewonnen. Wer darf daran denken, das alles in Staub zu verwandeln? Ist das nicht wie ein Selbstmord? Freilich sind das nur leb⸗ lose Dinge, die man neu viel schöner und besser haben kann: aber es sind doch nicht die alten, treu gewohnten.... Und wenn man sich nicht anders helfen kann, und alles verbrennen muß, dann ist's noch Zeit genug, daran zu denken, dann drückt man die Augen zu und tut's aber jetzt, jetzt darf man nicht daran denken.

So ging Diethelm in Gedanken hin und her und mußte gerufen werden, denn er hatte nichts davon gemerkt, daß die Feuerbeschau schon in der Wohnstube versammelt war. Noch⸗ mals lehnte er die Versicherung ab und sagte: auch seine Frau wünschte sie nicht; aber Martha widersprach, und nun gings im Geleit nochmals treppauf und treppab, und alles wurde

aufgezeichnet und gewertet. Diethelm tat oft Einspruch, daß

unter Berücksichtigung vorstehender Vorschläge und der ört⸗ lichen Verhältnisse ihre bezüglichen Anordnungen treffen. Den Handelskammern, deren gutes Recht es gewiß ist, für die Interessen des Handels einzutreten, wäre zu empfeh⸗ len, daß sie auch einmal über Vorschläge zur Bekämpfung des wucherischen Handels mit Nahrungsmitteln nachsinnen und diese der Oeffentlichkeit unterbreiteten. Gewiß soll man die Angehörigen des Getreidehandels zu den Arbeiten der Ge⸗ treidevermittelung und Verteilung heranziehen und man soll sie für ihre Tätigkeit nach Gebühr bezahlen, aber das Verdienen, d. h. über die Arbeitsleistung hinaus Geld zu gewinnen, das mögen sich die Herren Getreidehändler aus dem Kopf schlagen. Das Volk hat an der Kriegsprofitmacherei nachgerade genug. 5

Urlaubsgesuche für Heeresangehörige. In letzter Zeit gehen beim Kriegsministerium viele Gesuche um Be⸗ urlaubung von Mannschaften, insbesondere zur Hilfeleistung bei der bevorstehenden Ernte, ein. Durch diese Vorlagen

wird die Entscheidung auf die Gesuche erheblich verzögert,

weil nicht das Kriegsministerium, sondern die Truppenbe⸗ fehlshaber darüber Entscheidung treffen. Im Interesse schleuniger Erledigung kann nur empfohlen werden, die Ge⸗ suche unmittelbar den Generalkommandos, stellvertretenden Generalkommandos oder den Regimentern usw. vorzulegen. Eine weitere Beschleunigung läßt sich dadurch erreichen, daß den Anträgen auf Urlaub im Interesse der Landwirtschaft die vorgeschriebene Bescheinigung des Landrates beigefügt wird, aus der hervorgeht, daß eine entsprechende Arbeitskraft anderweitig nicht gewonnen werden kann. Auch bei anderen dringlichen Urlaubsanträgen empfiehlt es sich, eine amtliche Bescheunigung der unbedingten Notwendigkeit des Urlaubs beizufügen.

Krankenkassen und Kriegsteilnehmer. Schon mehrfach haben wir darauf hingewiesen, daß krankenkassenversiche⸗ rungspflichtige Personen, im Falle ihrer Einberufung, die Mitgliedschaft bei der Krankenkasse fortsetzen sollen. Leider ist trotz diesen verschiedensten Hinweisen von der Fortsetzung der Mitgliedschaft nicht allgemein Gebrauch gemacht worden, oftmals zum Schaden des Versicherten. Die Krankenkasse zahlt im Falle einer Verwundung oder Erkrankung des Ein⸗ gezogenen diesem das statutengemäße Krankengeld. Außer- dem steht im Todesfalle den Hinterbliebenen das statuten⸗ mäßige Sterbegeld zu. Welche Summen dabei in Frage kommen, ergibt sich aus einer Zusammenstellung der Orts⸗ krankenkasse Mainz. Bis zum 19. Juni 1915 hat diese Kasse folgende Unterstützungen gewährt: Für Krankenunterstützung an 148 Verwundete 20 026,50 Mk. an Kriegsteilnehmer, die erkrankten, in 262 Fällen 15 945 Mk. und an Sterbegeld für gefallene Kriegsteilnehmer in 42 Fällen 3240 Mk. Die Kasse hat also an ihre unter den Fahnen stehenden Mitglieder im ganzen 39 211,50 Mk. ausgezahlt. Die zur Auszahlung gelangte Summe wäre aber noch wesentlich höher, wenn von der Fortsetzung der Mitgliedschaft allgemein Gebrauch ge⸗ macht worden wäre. Mancher Verwundete und Erkrankte mußte abgewiesen werden, da er es unterlassen hatte, sich weiter zu versichern. Hoffentlich geben diese Zahlen manchem Kriegsteilnehmer Anlaß, mehr wie bisher auf seine Mitglied schaft bei der Krankenkasse zu achten. Die Fortsetzung der Mitgliedschaft kann noch drei Wochen nach dem Austritt aus der Beschäftigung erfolgen.

Das Gesamtvermögen der deutschen Krankenkassen

nach dem letzten Rechnungsabschluß beträgt 310,8 Millionen Mark und hat damit eine Steigerung um 3,5 Millionen Mark erfahren. Den höchsten Vermögensstand haben mit 162,8 Millionen Mark die Ortskrankenkassen aufzuweisen; dann folgen die Betriebskrankenkassen mit 140,9 Millionen Mark, die Innungskrankenkassen mit 8,2 Millionen Mark und die Baukrankenkassen mit 147 000 Mark. Ungünstig liegen die Verhältnisse bei der Gemeindekrankenversicherung: denn hier sind die Passiva um 12 Millionen Mark höher als die Aktiva.

Die Auszahlung der Familienunterstützung für 16. bis Ende Juli 1915 an die Angehörigen der zum Heeresdienst Einberufenen findet statt: an diejenigen, deren Namen be⸗ .̃ k.k., man ihn zu hoch einschätze, und ließ sich nur von dem Wald hornwirt beschwichtigen, der ihm die Nützlichkeit hiervon immer darlegte; Diethelm sah schnell, daß die Unbefangen⸗ heit, mit der er Einsprache erhoben, ihm für jetzt und später sehr zustatten käme, und als es nun endlich an die Wollvor⸗ räte und die Zahl der Herde kam, gab er selbst einen hohen Wert an, der in Betracht seines früheren Wertes ohne Wider⸗ spruch angenommen wurde. Die Versicherungssumme belief sich gegen zwanzigtausend Gulden, und Diethelm schmunzelte, als die Feuerbeschauer rühmend sagten: man sehe es einem bescheidenen Bauernhaus gar nicht an, was darin stecke, be fonders die Aussteuer der Fränz dürfe sich sehen lassen. Stau- nend gab man Diethelm verneinende Antworten, als er zu⸗ letzt einen großen Pack Papiere holte, mehrere davon vor- zeigte und die prahlerische Frage stellte, ob man auch Staats- papiere und Unterpfandscheine nach dem vollen Werte ver- sichere. Für so reich hatte den Diethelm doch niemand ge⸗ halten.

Scherzhaft fragte er noch zuletzt:Wie hoch habt ihr die Wanduhr dort angeschlagen? Die kostet mich keinen Heller mehr und keinen weniger als achttausend Gulden. Und er erzählte nun unter Lachen, wie ihn sein Schwager betrogen, und da er die Summe fast um das Dreifache zu hoch ange⸗ geben, vermied er es, dem Blicke seiner Frau zu begegnen, der, wie er zu spüren glaubte, zurechtweisend auf ihm ruhte.

Endlich wurde das Täfelchen mit den zwei roten Händen in Ermangelung eines Fensterladens auf die Haustür ge⸗ nagelt. Martha saß daneben auf der steinernen Hausbank. Diethelm stand bei ihr. Als der erste Hammerschlag geführt wurde, sagte sie leise vor sich hin:Mir ist's, wie wenn ich den Nagel in meinen Sarg schlagen hörte. Diethelm blickte sie nur stark an, und ob dieser Rede erzürnt, blieb er nicht zu Hause, sondern ging mit den Männern hinab in das Waldhorn und blieb dort den ganzen Tag bis tief in die

Nacht.(Fortsetzung folgt.)