Chiasso, 11. Juli.(Ctr. Frkft.) Tribuna schreibt, Por ros Jesuch in Paris stehe unmittelbar mit der Konferenz eng⸗ lischer und französischer Staatsmänner und Heerführer in Ca lais in Zusammenhang. Der Kriegsmoment sei so delikat wie noch nie. Der Besuch Porros sei eine Gewähr für den engen Kon⸗ takt zwischen den Verbündeten.
Warschau von der Zivilbevölkerung geräumt?
Petersburg, 10. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Der Njetsch stellt fest, daß Warschau nunmehr von der Zivil⸗ bevölkerung und den Regierungsorganen ge⸗ rä u mt sei.
Eine russische Wüste erwartet die deutschen Heere.
Die Morning Post bringt einen Bericht aus Petersburg, der erkennen läßt, daß die Russen nunmehr eine Kampfmethode an⸗ wenden wollen, die bereits in der Zeit der napoleonischen Kriege geübt worden ist. In dem Bericht wird ausgeführt:
„Es ist ersichtlich, daß die Deutschen ihren alten Plan wieder aufgenommen haben: sie wollen vom jenseitigen Weichselufer vom Norden(Kurland) und Süden her gegen Warschau vorgehen. Auf dem Papier scheint der Plan gut, die Ausführung aber bildet eine dex schwersten Aufgaben, die man sich denken kann. Der Vormarsch der Verbündeten wird nicht weiter so rasch vor sich gehen wie bis⸗ her. Was der Feind bei seinem Vormarsch in Rußland finden wird, ist ein in wahrhaft heroischem Maßstab ver wüstetes Land. Keine solchen Genüsse wie in Belgien und Frankreich er⸗ warten die Barbaren des modernen Deutschlands. Sie wollten den Krieg— jetzt sollen sie ihn haben bis zum Tode und keine Pein soll ihnen erspart bleiben!“
Die Nachricht findet ihre Bestätigung in einem Artikel der Nowoje Wremja, in dem u. a. ausgeführt wird:
„Die Truppen Kaiser Wilhelms bereiten sich in den frucht⸗ barsten Gegenden Rußlands zu einer großen Offensive vor, und ihre erste Sorge wird offenbar dahin gehen, die reichen Nahrungsmittel, Fahrzeuge und sonstiges nützliches Material in Besitz zu nehmen. Diesen Plan des Feindes können wir jedoch dadurch vereiteln, daß wir von den gefährdeten Gebieten alles in das Innere Rußlands abführen, oder wenn dies nicht an⸗
ginge, alles Wertvolle vernichten, damit es nicht in die Hände
Unseres Gegners falle. Wir erwarten, daß jeder ehrlich seine Pflicht dem Vaterlande gegenüber erfüllen und das große Opfer bringen wird, selbst Jahre hindurch gesparte und er⸗ worbene Güter zu vernichten, falls diese nicht mehr fort⸗ geschafft werden könnten. Nichts dürfen wir hinterlassen, was dem Feinde nützlich sein könnte, oder was er, auf welche Art immer, verwerten könnte. Sollte aber die Bevölkerung diese Aufgabe nicht mehr erfüllen können, so werden unsere den Rückzug unserer Haupt⸗ macht deckenden Nachhuttruppen alles, was von Wert ist, ver⸗ nichten. Unser Feind wird nur kahle Erde und Ver⸗ lassenheit antrefsen.“
Der türkische Kriegsbericht.
Konstantinopel, 11. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Be⸗ »ichts des Hauptquartiers:
Am 10. Juli fand an der Dardanellenfront bei Ari Burnu und Sedd⸗ül⸗Bahr keinerlei Veränderung statt, außer zeitweiligem Artillerjefeuer. Am Nachmittag erschien ein seindliches Panzerschiff vom Typ des„Nelson“ vor Kaba Tepe unter dem Schutz von vier Torpedobvoten und schleu— derte ohne Erfolg mehr als 200 Granaten gegen unsere Stel— lungen. Wir hatten nur einen Toten und zwei Verwundete. Mehrere Schüsse unserer Artillerie erreichten das Schiff und zwangen es, sich zurückzuziehen. Infolge des wirksamen Feuers unserer anatolischen Batterien verlor die Tätigkeit des Feindes bei Ari Burnu ihre bisherige Lebhaftigkeit.
Ihre Batterien feuerten gestern besonders gegen eine Haubitz⸗ Batterie westlich von Hissarlik wirksame Schüsse ab, wobei eine Haubitze einen Volltreffer erhielt. Feindliche Flieger überflogen die anatolische Seite der Meerenge, wurden aber durch das Feuer unserer Abwehr-Batterien vertrieben.
Auf den übrigen Fronten keinerlei Veränderung.
Sperrung des Suezkanals.
Befehlshaberschiff schwer beschädigt von zwei Booten weggeschleppt. Wir erlitten keine Verluste. 6000 Engländer bei der ersten Landung an den Dardan llen gefallen!
Paris, 11. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Der nach den Dardanellen entsandte Sonderberichterstatter des Journal schildert seinem Blatte, wie die erste Landung des Expe⸗ ditionskorps am 25. April erfolgte. Um dem Gros der Armee die Landung zu ermöglichen, hatten sich 6000 englische Freiwillige angeboten, als erste an Land zu gehen, um die weitere Landung zu decken. Sie wurden in den frühen Mor⸗ genstunden des 25. April an Bord des Dampfers„River⸗ blyde“ gebracht, der mit Volldampf direkt auf das Ufer zu⸗ lief und am Strand auffuhr. Die Engländer stürzten sofort aus dem Dampfer hervor und wurden von einem höllischen Feuer der Türken, die ausgezeichnet verschanzt waren, empfangen., Die Engländer hielten Stand, bis unter dem Schutze des gestrandeten„Riverblyde“ Verstärkungen heran⸗ kamen. Der Kampf um den Besitz der ersten Stellungen dauerte zwei Tage. Von den 6000 Engländern sei kein ein⸗ ziger am Leben geblieben. Auch jetzt, so erzählt der Bericht⸗ erstatter, falle bei jeder Landung ein großer Teil der Mann⸗ schaften, da die Landungsstellen unter türkischem Feuer liegen.
Budapest, 11. Juli.(Ctr. Frkft.) Wie die Bukarester Mol⸗ dova aus Saloniki meldet, waren die Verluste der Engländer und Franzosen bei dem letzten großen Kampf an den Dar⸗ danellen enorm. Bisher wurden zwei mit Verwundeten voll⸗ beladene Schiffe nach Malta gebracht, ein drittes Schiff, das 650 Verwundete führte, ging nach Lemnos. Die Stimmung unter den verbündeten Truppen auf Lemnos ist sehr gedrückt. Die französischen Offiziere machen die Engländer für die bisherigen erfolglosen Kämpfe verantwortlich.
Ein Ruf nach Italiens Hilfe.
Paris, 11. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Im Figaro äußert Hanotaux die Meinung, es sei an der Zeit, daß Italien im Orient zu Hilfe komme, damit man mit Konstantinopel fertig werde. In Frankreich habe man ein Ereignis dringend notwendig. Der Kampf um Konstantinopel sei von größter Wichtigkeit, jede Minute zum entscheidenden Kampfe zähle. Die wankelmütige Haltung der Balkanstaaten allein verzögere den Untergang der Türkei. Für den Vierverband bestehe die Notwendigkeit, um seine eigenen Opfer zu verringern, so schnell wie möglich zu Ende zu kommen. Italien sei bereit und könne zur Hilfe kommen, warum zögere man denn noch?
Auch Bulgarien muß helfen!
Paris, 10. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Hervé stellt in der Guerre Sociale mit Bedauern fest, daß die Unterhandlungen mit den Balkanstaaten nicht vorankämen. Es sei für die Diplo⸗ matie des Vierverbandes noch nicht so schwierig, ein Abkommen zu erzielen. Eine Intervention Bulgariens habe für den Vier⸗ verband große Bedeutung, mehr noch als Intervention Rumä⸗ niens und Griechenlands. Mehr als je sei jetzt die Zeit Geld. Die Verbündeten Frankreichs legten sich anscheinend nicht Rechenschaft darüber ab, wie groß die Ungeduld in Frankreich sei, Bulgariens Intervention zu erreichen. Rußland, England und Italien seien nicht vom Feinde besetzt, aber in Frankreich seien große Gebiete seit elf Monaten in Feindes Hand. Frankreich habe ein Recht, eilig zu sein. Frankreich brauche, um das Volk zu er⸗ mutigen, gute Nachrichten, damit es seine Leiden geduldig ertrage. Eine Intervention Bulgariens, durch die die Einnahme Konstanti⸗ nopels in greifbare Nähe gerückt würde, wäre für Frankreich ein solch ermutigendes Mittel. Die Diplomatie des Vierverbandes müsse sich endlich bereit finden, eine klare Sprache auch mit Serbien zu reden, um die Eifersüchteleien der Balkanstaaten zum Schweigen zu bringen und eine Intervention Bulgariens herbeizuführen.
Der Krieg zur See.
Lloyds meldet aus Peterhead: Das russische Dampfschiff „Anna“, das von Archangelsk nach Hull fuhr, ist durch ein deutsches Unterseeboot angegriffen worden. Die Besatzung wurde in Peterhead gelandet. Die„Anna“ befindet sich in treibendem Zustande und bildet deshalb eine Gefahr für die Schiffahrt.
Reuter meldet aus Hull: das Dampfschiff„Guido“, do⸗ der Wilson⸗Linie, das in der vorigen Woche einem deutschen
Unterseeboot entkommen ist, nachdem es durch einen Kanonen
schuß beschädigt worden war, ist jetzt nördlich von Schottland durch ein Torpedo in den Grund gebohrt worden. Die ge⸗ samte Besatzung wurde gerettet. Der„Guido“ hatte 2093 Tonnen Inhalt und gehörte nach Hull. 5 a
Der englische Dampfer„Ellesmerm“, mit einer Ladung Früchte und Mineralien von Buriana nach Manchester unter⸗ wegs, wurde gestern von einem deutschen Unterseeboot an der Küste von Cornvalles in den Grund geschossen. Ein Mann wurde getötet, einer verwundet und der übrige Teil der Besatzung in Milford gelandet.
Amerika liefert nur gegen bar!
Seatle, 11. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Große Schiffsfrachten mit Kriegsmaterial für Ruß⸗ land sind von den Fabrikanten zurückgehalten wor⸗ den, weil es unmöglich war, Barzahlung zu er⸗ langen.
Kapitulation der Schutztruppe in Südwestafrika.
An der Tatsache, daß die Schutztruppe in Südwestafrika vor der englischen Uebermacht kapitulieren mußte, ist nicht mehr zu zweifeln. Das Bureau Reuter berichtet aus Prätoria:
„General Botha berichtet, daß die Umzingelungsbewegung sehr schwer durchzuführen war. Man mußte unausgesetzt Tag und Nacht marschieren und lange Strecken ohne Wasser mit großer Ge⸗ schwindigkeit durchmessen. Eine berittene und eine unberittene Infanterie⸗Brigade werden vorläufig in Otavi bleiben. Gemäß den Uebergabebedingungen werden die Offiziere der aktiven Truppen ihre Waffen behalten; sie können gegen Ehrenwort ihren Wohnplatz unter gewissen Einschräkungen auswählen. Die übrigen Gefangenen werden in Orten, die die Union ihnen anweist, inter⸗ niert. Die Reservisten aller Ränge werden ihre Waffen abliefern, ein Paroleschriftstück ausfüllen und nachher wieder nach ihren Wohnorten zurückkehren können, um ihren gewohnten Berufen nach⸗ zugehen. Die Offiziere dürfen ihre Pferde behalten. Die Polizei⸗ truppen werden wie aktives Militär behandelt. Die bürgerlichen Behörden können nach ihren Wohnorten zurückkehren, nachdem sie eine Paroleerklärung unterzeichnet haben, aber ohne ihr Amt aus⸗ üben und Gehaltsansprüche an die Union stellen zu können. Alles Kriegsmaterial wird an die Union abgeliefert. In der Parole⸗ erklärung verpflichtet sich der Unterzeichnende, die Feindseligkeiten während des gegenwärtigen Krieges nicht wieder aufzunehmen.“
Die Kapitulation war unter diesen Umständen eine sehr ehrenvolle.
Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen.
Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. 2 ˙ AA———TTbTTbTGTPT0TTbTTTTT—TT—T——————————————— Vereinskalender.
Montag, 12. Juli
5 Gießen. Wahl verein. Abends punkt 9 Uhr Mitgliederver⸗ sammlung. Vortrag von Parteisekretär Neumann⸗Offenbach.
Wochenmarktpreise in Gießen am 11. Juli 1915
Butter ver Pfd. 1.50—1.60 Mk.] Zwiebeln ver Pfund 40—50 Pfg. Milch Liter 24 Pfg.] Blumenkohl ver Stck. 20—00 Pfg. Hühnereier Stück 15—00 Pfg J Weißkraut v. Haupt 00 00 Pfg. Gänsecier Stück— Pfg.] Rotkraut p. Haupt 00—00 Pfg. Käse Stück 6—8 Pfg.] Wirsing v. Haupt 00—00 Pfg. Käsematte 2 Stück 5—6 Pfg.] Kohlrabi ver Stück 6—8 Pfg. Tauben per Paar 0.80— 1.20 Mk.] Gurken per Stück 20—40 Pfg Hühner per Stück 1.20—2.00 Mk.] Bohnen Pfund 30-35 Pfg. Hähne ver Stück 1.50—2.50 Mk.] Kopfsalat per Kopf 8—40 Pfg. Ochsenfleisch per Pfd. 1.20—1.24 Mk.] Spargel per Pfd. 40-50 Pfg. Kalbfleisch per Pfd. 108—112 Pfg.] Erbsenschoten Pfund 40 Pfg. Kuh⸗ u. Rindfl. per Pfd. 100-118 Ufg.] Gelbe Rübchen Päckchen 12 Pfg. Schweinefleisch Pfd. 140—150 Pfg.] Kirschen Pfund 30-00 Pfg. Hammelfleisch p. Pfd. 96 110 Pfg.] Erdbeeren Pfund 60—70 Pfg. Kartoffeln p. Malter 00 00 Mk.] Johannisbeeren Pfd. 25 Pfg. Kartoffeln Pfd. 6—7 Pfg.] Heidelbeeren Liter 40—45 Pfg. Neue Kartoffeln Pfd. 10—11 Pfg.] Himbeeren Schoppen 35—40 Pfg.
BVerstorbene. Frau Marie Löber, in Gießen.— August Wiedling, Rechnungsrat, in Wetzlar, 71 Jahre alt.— Frau Henriette Schäfer, in Wetzlar, 53 Jahre alt.
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