— Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Vizefeldwebel Heinrich Kraft aus Staufenberg, Inf. Regt. Nr. 222.— Musketier Friedrich Lenz aus Lützellinden, Inf.⸗Regt. 253.— Musketier Karl Mohr aus Reiskirchen, Kr. Wetzlar, Inf.⸗Regt. 221.— Musketier Heinrich Becker aus Tiefenbach, Inf. Regt. 253.
— Die Entlassung versorgungsberechtigter Hecresangehöriger. Einer Bekanntmachung des Kriegsministeriums zufolge werden noch immer Fälle bekannt, in denen versorgungsberechtigte Heeresange⸗ hörige aus den Lazaretten entlassen werden, bevor sie in den Genuß ihrer Versorgungsgebührnisse gelangt sind. Während der Zeit bis ur Anerkennung, die manchmal Wochen und Monate dauert, eilen sie dann nicht selten von einer Wohlfahrtsstelle zur andern, um die nötigen Mittel zum Lebensunterhalt und zur Beschaffung von bür⸗ gerlicher Kleidung zu erlangen. Derartige Vorkommnisse, so heißt es in der Bekanntmachung weiter. sind geeignet, das Interesse der Kriegsbeschädigten und das Ansehen der Heeresverwaltung erheblich zu schädigen und in der Oeffentlichkeit die Meinung aufkommen zu lassen, daß es an der erforderlichen Fürsorge für die versorgungs⸗ berechtigten Kriegsteilnehmer fehle. Es ist durchaus unstatr⸗ haft, einen Heeresangehörigen als dienstunbrauchbar aus dem Lazarett zu entlassen, bevor nicht über seinen Versorgungsanspruch endgültig entschieden ist. Findet vor dieser Reglung aus besonderen Gründen eine Beurlaubung in die Heimat statt, so ist dafür zu sorgen, daß die Leute die ihnen, zustehende Löhnung und Verpfle⸗ gungsbedürfnisse pünktlich erhalten. Auch die Ersatztruppen sollen sich die Durchführung der Vorschriften angelegen sein lassen, damit Vorkommnisse der obigen Art sich nicht mehr wiederholen. Ein Not⸗ stand in der Kleidung der zu entlassenden Mannschaften, die keine bürgerliche Kleidung besitzen oder sie nicht rechtzeitig herbeischaffen können, kann im allgemeinen nicht eintreten, da die für die Heimreise nötigen Stücke leihweise verabfolgt, in besonderen Fällen auch be⸗ lassen werden dürfen. Mannschaften, die etwa aus Erwerbs- oder andern Rücksichten die Versorgung mit einem Anzuge durch das Rote Kreuz anstreben, sind hierzu von den entlassenden Dienststellen mit Ausweisen darüber zu versehen, daß sie als wirklich bedürftig an⸗ zusehen sind. 5
— ueber die Verwüstungen im Kriege erzählt ein in der Leipz. Volksztg. abgedruckter Feldpostbrief unter anderem: Und Du glaubst nicht, was so alles im Kriege verwüstet wird. Wenn von uns aus auch nicht absichtlich. Du mußt nur so ein Dorf, etwa ein Kilometer hinter der Front sehen, Fenster gibts nicht mehr, die sind im Schützengraben in den Unterständen verwendet. Ebenso Türen, Bretter, Schränke(die Bretter davon), Stsihle, Tische, Bänke, Töpfe, Pfannen, von don Oefen sind die Platten mit Ringen in den Unter⸗ stand gewandert. Scheunen gibts nicht mehr, die Bretter und Bal⸗ ken sind im Schützengraben. Ställe— ist nicht. Alles im Schützen⸗ graben. Das Haus ist vollständig leer, die vier kahlen Wände stehen
noch. Selbst die Bilder von den Wänden sind verschwunden, die,
Scheibe ist als Fenster verwendet, und der Rahmen ist den Weg allen Brennholzes gegangen, ebenso wie die Bettstellen, Kommoden usw.
Wohl gemerkt: So schlimm sieht es nur kurz hinter der Front aus. lind niemand kann uns dies alles verdenken; wenn wir wochenlang im Schützengraben liegen müssen, wollen wir auch einige, wenn auch kleine Bequemlichkeiten haben.
Kommt man ein Stück weiter zurück, ein ähnliches Bild. Die Häuser sind mit Soldaten knüppeldick belegt, deren Truppenteil⸗ augenblicklich in Reserve liegen. Den Bewohnern ist der kleinste und schlechteste Raum übrig gelassen, Lebensmittel haben sie nicht mehr, ihr Vieh ist längst in den Feldksichen verschwunden, die Kartoffeln essen die Soldaten auf, das Getreide hat die Heeresverwaltung be⸗ schlagnahmt, ebenso den Hafer und das Heu. Das Stroh ist nach vorn gefahren und wird in den Unterständen verwendet. Jede Zu⸗ fuhr stockt, die Leute können sich nichts kaufen, kurz, sie sind ganz auf uns angewiesen. Wenn wir ihnen nichts geben, müssen sie verhun⸗ gern. Und nun denke Dich einmal in die Lage dieser Leute. Allzu⸗ große Geisteslichter findet man sowieso nicht unter ihnen. Sie sehen nur, daß wir ihre Kartoffeln essen, daß wir ihr Vieh, den Hafer, Stroh und sonst noch alles wegnehmen. Sie können nicht einsehen, daß eben dies alles durch den Krieg bedingt wird, daß all das Elend nur durch den Krieg verschuldet wird. Und wie es jetzt in Polen geht, ging es damals in Belgien. Ich schildere nur, was ich selbst gesehen habe. Bitte gib vor allem nichts auf die Zeitungen, es gibt auch unter uns manches schwarze Schaf. Bei unserem Durchmarsch wurde zwar das Land nicht dermaßen ausgesogen, wie es jetzt wäh rend des Stellungskampfes geschieht, es wurde aber vieles ver⸗ wüstet. Ich muß immer daran denken, wie wir ein Dorf zur Ver⸗ teidigung einrichten mußten und wie alles, was eben vom militäri⸗ schen Gesichtspunkte aus betrachtet hinderlich war, beseitigt wurde: wie in Wände, Fenster Türen und Dächer Schießscharten geschlagen wurden und die Häuser dadurch unbewohnbar wurden. Der Bauer sieht eben nur, daß wir dies alles verwüsten und sieht nicht, daß dies alles schließlich nur militärische Notwendigkeit ist.“
Die Pflichten der Krankenkassen und Berufsgenossenschaften gegen Kriegsbeschädigte. Ein Gutachten, das der Gesamtverband deutscher Metallindustrieller eben bekannt gibt, dürfte manche Be⸗ denken der Arbeitgeber bei Einstellung von Kriegsbeschädigten aus der Welt schaffen. Es wird dort ausgeführt: Bezüglich der Krankenversicherung ist eine Aenderung der jetzigen gesetzlichen Lage nötig. Der Kriegsbeschädigte, der wieder in Arbeit tritt, gehört kraft des Gesetzes einer Krankenkasse an: die Kasse hat kein Recht, ihn etwa wegen schlechten Gesundheitszustandes zurückzuweisen oder für ihn höhere Beträge zu erheben, und sie entschädigt jede Krankheit während der Versicherungsdauer ohne Rücksicht auf die Ursache. Wenn also die spätere Krankheit auf Kriegsschäden zu⸗ rlickzuführen ist, so erhält er doch volle Krankenpflege und Kranken- geld. Wenn der Kriegsbeschädigte vor oder nach dem Kriege einen Betriebsunfall erleidet, so entsteht eine ähnliche Lage, wie wenn ein Unfallversicherter in zwei verschiedenen Betrieben je einen Unfall nacheinander erleidet: derartige Fälle kamen schon in der bisherigen Rechtsprechung vor. Erleidet der Kriegsbeschädigte nach dem Kriege einen Betriebsunfall, so wird die neue Unfallrente berechnet auf Grund des Jahresarbeitsverdienstes bis zum Unfalltage; die Militärrente wird dabei also nicht mitgerechnet und läuft neben der neuen Unfallrente einfach selbständig weiter. Hat der Kriegs⸗ beschädigte noch nicht ein volles Jahr wieder im Betriebe gearbeitet, so daß der ortsübliche Tagelohn bei der Rentenberechnung heran⸗ gezogen werden muß, so wird nur ein der verbliebenen Erwerbs⸗ fähigkeit entsprechender Teil dieses ortsüblichen Tagelohnes ein⸗ gesetzt. Dies bezieht sich nur auf gewerbliche Arbeiter. Wenn die frühere Kriegsbeschädigung bei dem Entstehen des neuen Betriebs⸗ unfalles mitgesprochen hat, so bleibt die Berufsgenossenschaft trotz⸗ dem für den neuen Unfall haftbar. Gesetzesänderungen sind also auch hier nicht nötig. Die Berufsgenossenschaften können nur inso⸗ fern zur Wiederbeschäftigung Kriegsbeschädigter beitragen, als sie bei Erlaß neuer und bei Durchführung bestehender Unfallverhüt⸗ ungsvorschriften auf Kriegsbeschädigte Rücksicht nehmen, indem sie die Beschäftigung Kriegsbeschädigter nicht verbieten, oder ein⸗ schränken, obgleich dadurch die Unfallhäufigkeit wachsen wird, und von Regreßausprüchen gegen Betriebsunternehmer, die aus solchen Fällen erwachsen könnten, absehen. Ob bei den Berufsgenossen⸗ schaften das richtige Verständnis dafür vorhanden ist, wird die Zu⸗ kunft lehren müssen.
Die Verteilungsstelle für Futtermittel in Darmstadt macht darauf aufmerksam, daß zuckerhaltige Futtermittel (flüssige Rohmelasse, Melasse vermischt mit Häcksel oder Torf, Roh⸗ zucker vermischt mit Häcksel), sowie sonst ige Kraftfutter⸗ mittel, namentlich Oelkuchen, Oelkuchenmehle aller Art, etwas Biertreber und getrocknete Getreideschlempe, Reiskleie und Fleisch⸗ futtermehl,(etztere beiden Futtermittel hauptsächlich für Schweine) noch erhältlich sind. Die Landwirte müssen die Bestellungen bei den örtlichen Ausführungsstellen, das ist entweder die
Großh. Bürgermeisterei oder eine Genossenschaft(landw. Konsum— geren oder Spar⸗ und Darlehenskasse) einreichen. Diese örtlichen Ausführungsstellen geben den Bedarf der Gemeinde der Zentral⸗ genossenschaft der hesfischen landwirtschaftlichen Konsumvereine in
Darmstadt auf, nicht aber dem Kommunalverband oder dem Kreis⸗ amt oder gar der Bezugsvereinigung, wie dies vielsach noch irrtlüm⸗ licherweise geschleht. Grundsätzlich ist am schriftlichen Verkehr fest⸗ zuhalten. Telefonische Mitteilungen sollten nur auf besonderg dringende Fälle beschränkt bleiben. Kleie ist bekanntlich nach be⸗ stimmten Grundsätzen auf die Gemeinden verteilt. Eine Nachbe— stellung hat keinen Zweck, da nur soviel Kleie verteilt werden kann, als durch Ausmahlen des Brotgetreides gewonnen wird.
Zur geplanten Ausdehnung der Freifahrt für Urlauber. Die Dresdener Handelslammer hat an das Ministerium eine Eingabe gerichtet, in der ausgeführt wird:„Nach einem Erlaß des preußi⸗ schen Kriegsministers vom 27, April v. J. fallen die Kosten für Eifenbahnfahrten der Mannschaften vom Feldwebel abwärts, die zur Frühjahrs feldbestellung in die Heimat beurlaubt werden, dem Kriegsjahresetat zur Last. Für Mannschaften, die zur Erledigung dringlicher gewerblicher Arbeiten beurlaubt werden, besteht unseres Wissens diese Vergünstigung nicht. Da unseres Erachtens kein Anlaß vorliegt, die landwirtschaftlichen Erwerbskreise in die⸗ ser Beziehung günstiger zu behandeln, als die gewerblichen, ersuchen wir das Königliche Ministerium, an zuständiger Stelle dafür einzu⸗ treten, daß auch den Mannschaften, die zu dringlichen gewerblichen, industriellen und kaufmännischen Arbeiten beurlaubt werden, freie Eisenbahnfahrt gewährt wird.— Der vom Reichstag einstimmig ge⸗ faßte Beschluß, den Kriegsteilnehmern überhaupt freie Reise zu ge⸗ währen, ist vom Bundesrat noch immer nicht erledigt. Wie ver⸗ lautet, liegt der Widerstand beim Reichsschatzamt.
Städtische Apothelen. Die Stadt Mainz hat interessante Er⸗ fahrungen auf dem Gebiete der Errichtung städtischer Apotheken ge⸗ macht. Wie der Fr. Ztg. geschrieben wird, trat die erste Konzession, die der Stadt Mainz verliehen wurde, mit Beginn des Jahres 1908 in Gültigkeit. Die Stadt mietete daraufhin auf dem Frauenlob⸗ platze ein Haus und verpachtete es an einen Apotheker vom 1. April 1908 ab. Der Pächter hat für Konzession und Wohnung eine jähr⸗ liche Summe zu zahlen, deren Höhe aus dem Warenumsatz zu be⸗ rechnen ist, u. z. vom Rezepturumsatz 30 Proz. und vom Umsatz aus Handverkaufsartikeln 12 Proz. des jährlichen Umsatzes. Ist der Umsatz geringer als 35 000 oder höher als 45 000 Mark, so kann beiderseits gekündigt werden. Die Jahrespacht ergab nun in den letzten drei Rechnungsjahren ein durchschnittliches Erträgnis von 8300 Mark, sodaß die Stadt Mainz für das kommende Jahr vor⸗ sichtigerweise 7500 Mark als Einnahme in den Voranschlag ein⸗ stellen konnte. Da Miete und Spesen für das Haus nur etwas über 3000 Mk. betragen, so hat sich dieses Unternehmen recht gut gelohnt und auch die Verbraucher haben eine Gewähr für preiswürdige und gediegene Behandlung. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse bei der Stadtapotheke Bopystraße, für die gleichfalls 7500 Mark Einnahmen vorgesehen sind. Die Stadtapotheke Mombach brachte in den jüngsten dret Jahren 2600 Mark durchschnittlich, die Stadtapotheke Kostheim 2500 Mark. Soweit die Häuser Eigentum der Stadt sind, ist eine entsprechende Tilgung vorgesehen.
Die Kohlenproduktion in Hessen. Die monatliche Statistik der Kohlenproduktion des Großherzogtums Hessen weist nach der Darm⸗ städter Zeitung für den Monat Juni 1915 folgende Zahlen nach: An Rohbraunkohlen wurden gefördert 28 638 Tonnen, verkauft wurden davon 3241 Tonnen. Der größte Teil der Rohkohle wurde weiter verarbeitet oder war zur weiteren Verarbeitung bestimmt. Aus den verarbeiteten Rohkohlen wurden neben Schwelereiprodukten erzeugt 1516 Tonnen Braunkohlenbriketts und 2040 Tonnen Naß⸗ preßsteine; außerdem wurden in Hessen 9687 Tonnen Preßkohlen aus Steinkohlen erzeugt. Unter Bersicksichtigung der aus Vor⸗ monaten übernommenen Bestände, sowie des Absatzes und Selbst⸗ verbrauchs verblieben am Monatsschluß absatzfähig 5589 Tonnen Rohbraunkohlen, 528 Tonnen Braunkohlenbriketts und 2806 Tonnen Naßpreßsteine, zusammen 8917 Tonnen Braunkohlen und Braun⸗ kohlenprodukte im Gesamtwert von 69 000 Mark.
— Gießener Freilichtbühne. Die gestern von den rührigen Mitgliedern des„Natur⸗Theaters“ veranstaltete Vorstellung war zwar ganz gut, aber doch nicht so stark besucht, als die vorher⸗ gegangenen. Vielleicht hielt manchen das trübe, drohende Wetter ab, das sich aber noch ganz leidlich hielt und das Programm nicht zum vorzeitigen Abschluß brachte. Zunächst sangen Gretel Leist und Hellmut Eckhardt Lieder zur Laute, bekannte Volkslieder, die immer gern gehört werden, besonders so anheimelnd vorgetragen! — Durchschlagenden Erfolg erzielten wiederum die Rezitationen von W. W. Göttig, der eine Anzahl humoristischer Sachen aus⸗ gewählt hatte, die er wirkungsvoll mit der ihm eigenen, unüber⸗ trefflichen Komik zum Vortrag brachte. Sehr gut gefiel u. a.„Der Regenschirm“,„Die Abreise“ und eine Manöver⸗Episode von dem Rapsseld.— Den Schluß bildete das Hauptstück des Tages, ein Ein⸗ akter von Aug. v. Kotzebue„Die Rosen des Herrn von Malesherbes“. Für Leser, die nicht wissen sollten, wer Malesherbes(sprich: Mal'serb) war, sei bemerkt, daß dieser Mann französischer Minister in den ersten Regierungsjahren des Königs Ludwig XVI. war. Zu⸗ sammen mit dem Advokaten Désege führte er die Verteidigung des des Landesverrats angeklagten Königs vor dem National-Konvent, ohne jedoch den König vor dem Schuldig und der Todesstrafe be⸗ wahren zu können. Im Jahre 1794 fiel M. als 72jähriger Greis selbst der Guillotine zum Opfer. In dem Stück wird uns erzählt,. daß Malesherbes sich auf seinem Landsitze eine Rosenhecke angelegt hatte, die ihm viel Freude machte, denn die Rosen gediehen und blütten herrlich, ohne daß er sie besonders pflegte. Das taten desto⸗ mehr die jungen Mädchen des Dorfes, um den alten. freundlichen Herrn Freude zu machen, dessen Rosen die ganze Gemeinde mit Treue hütet. Er beobachtet die rührende Sorgfalt, als sich das Milchmädchen Susette mit ihrem Peter an der Rosenhecke trifft, wo sie ihr ferneres Glück ausmalen, dabei aber sich eifersüchtige Szenen machen. Durch das Dazwischentreten des Alten kommt alles zum glücklichen Ende.— Dem Greise verlieh der jugendliche Hellmut Eckhardt Würde und Güte und brachte die welterfahrene Abge⸗ klärtheit des Ruhe suchenden Mannes in trefflicher, natürlicher Weise zur Darstellung. Schon am vorigen Sonntag gab Herx Eckhardt im „Vetter von Bremen“ eine prächtige Probe seines Könnens und zeigte, welchen Fleiß er seiner Aufgabe widmet. Das gilt im gleichen Maße von Gretel Leist, die gestern dem Milchmädchen Frische und Herzlichkeit gab, das aber nebenbei auch gut verstand, dem Peter die Hölle heiß zu machen. Dieser, Kurt Frey stand auch durchaus nicht hinter der Partnerin zurück, stellte vielmehr den treuen, aber eiferfüchtigen Bauernburschen durchaus lebenswahr auf die Bühne. Mit einem Wort, das ganze gelang unter der Regie von Walther Kolb ausgezeichnet, was um so mehr anerkannt wer⸗ den muß, als Störung durch das Wetter drohte, wodurch etwas Unruhe entstand.
— Diebstahl auf dem Markte. Auf dem Wochenmarkte am Samstag Morgen kam einer Marktfrau ihre Butter abhanden, die sie zum Verkauf zu bringen gedachte. Es handelte sich um eine Menge von 20 Pfund, welche die Eigentümerin durch einen Dienst⸗ mann von der Bahn auf den Markt bringen ließ. Dort soll der Transporteur die Ware auch hingebracht haben, bald sei sie aber von dort verschwunden gewesen. Von dem Verbleib hatte man am Samstag Abend noch keine Spur.
— Burkhardsfelden. Durch das Spiel mit Schuß wa ffen ist hier ein Menschenleben zugrunde gegangen. Der 16jährige Sohn des Werkmeisters Schauber hantierte am Freitag mit einem Re⸗ volver, ein Schuß ging los und dem jungen Menschen durch die Brust. Er wurde nach Gießen in die Klinik gebracht, doch erlag er der schweren Verletzung bereits am andern Tage.
Von Nah und Fern.
Frankfurt a. M., 10. Jul. Bootsun glück. Am Freitag nachmittag hatten zwei junge Männer und eine Frau, deren Mann im Felde steht, eine Kahnfahrt auf dem Main unternommen. Das Boot stieß gegen den Bogen der Notbriicke und schlug um. Dabei gingen zwei Insassen, der 22jährige Kaufmann Linker und die Frau Schenk geb. Meyer unter und ertranken. Der andere junge Mann konnte sich durch Schwimmen so lange über Wasser halten, bis er von einem vorüberfahrenden Dampfer aufgenommen
Telegramme.
Tegesberichte des Großen Hauptauurtiets
Die Kämpfe zwischen Maas und Mo sel. Vom Osten nichts Neues. W. B. Großes Hauptquartier, 10. Juli, vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.
Tagsüber war die Gefechtstätigkeit auf der ganzen Front gering.
Drei französische Angriffe bei Launois(am Südhang der Höhe 631 bei Bran de Sapt) scheiterten bereits in un⸗ serem Artilleriefeuer.
Nachts wurde in der Champagne nordwestlich von Beauxjour⸗Ferme ein vorspringender französischer Graben erstürmt. Oestlich anschließend unternahmen wir einige erfolgreiche Sprengungen.
Zwischen Ailly und Apremont fanden vereinzelte Nahkämpfe statt.
Im Priesterwal de verbesserten wir durch einen Vor⸗ stoß unsere neue Stellung.
Seit dem 4. Juli sind in den Kämpfen zwischen Maas und Mosel 1798 Gefangene(darunter 21 Offiziere) ge⸗ macht, 2 Geschütze, 12 Maschinengewehre, 18 Minenwerfer er⸗ beutet.
Bei Leintre y, östlich von Luneville, wurden nächt liche Vorstöße des Feindes gegen unsere Vorposten abgewiesen.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Bei Ossowetz wurde ein feindlicher Angriff abge⸗ wiesen.- Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die Lage der Truppen ist unverändert.
W. B. Großes Hauptquartier, 11. Juli, vorm.(Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz.
Nördlich von Ppern wiederholten die Eng länder gestern ihren Versuch vom 6. Juli, sich in den Besitz unserer Stellung am Kaual zu setzen. Der Angriff scheiterte unter erheblichen Verlusten für den Feind.
Hart nördlich der Straße Souchez— Ablain versuchten die Franzosen abends einen Angriff, der auf einen Vor⸗ stoß von deutscher Seite traf. Der Kampf ist noch nicht abgeschlossen.
Dem französischen Feuer fielen in den letzten Tagen 40 Einwohner von Liéevin zum Opfer, von denen zehn getötet wurden.
Ein vereinzelter französischer Vorstoß auf Fricourt östlich von Albert wurde leicht abgewiesen. f
Der gestern nacht nordwestlich von Beaussjour⸗Ferme dem Feinde entrissene Graben ging am frühen Morgen wieder verloren, wurde heute nacht jedoch ernent ge⸗ stürmt und gegen fünf Angriffe behauptet.
Zwischen Ailly und Apremont erfolglose frau⸗ zösische Handgranaten ⸗Angriffe. Im Priesterwalde brach unter starken Verlusten für den Feind ein durch heftiges Ar⸗ tilleriefeuer vorbereiteter Angriff dicht vor unseren neuen Stellungen zusammen.
Ein Angriff auf die deutsche Stellung östlich und sũdö ft. lich von Sondernach, südwestlich von Münster, wurde zurückgeschlagen.
Unsere Flieger griffen die Bahnanlagen von Gerard · mer an. a.
Gute Erfolge gegen die Russen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
In den letzten Tagen fanden in der Gegend von Kras nostaw örtliche Gefechte statt. Sie verliefen für uns überall günstig. Sonst hat sich bei den deutschen Truppen nichts ereignet. 5
Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Oberste Heeresleitung. 8
Der oö sterreichisch/ ung arische Tagesbericht
Wien, 11. Juli.(W. B.) Amtlich wird verlautbart: 11. Juli 1915. mittags. Die Lage ist auf allen Kriegsschauplätzen un ver ⸗
ändert. ö Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Ruhe an der küstenländischen Front hielt im allgemeinen au. Ein feindlicher Angriffsversuch bei Saraussina wurde ab⸗ gewiesen.
Im Kärntner Grenzgebiet hat sich nichts ereignet.
An der Tiroler Front wurde ein italienischer Angriff auf unsere Stellungen nordöstlich des Kreuzbergsattels zum Stehen gebracht.
Gegen den Col di Lana gingen vorgestern Nachmittag mehrere feindliche Bataillone vor. Das Feuer eines unserer Forts zwang sie zur Umlehr. Gestern Vormittag versuchte ein Bataillon einen neuen Angriff. Erst auf die kleinsten Entfernungen beschossen, hatte es große Verluste und mußte gleichfalls zurück. Die braven Standschützen betätigen im schwierigsten Hochgebirge ihre Unter⸗ nehmungslust in erfolgreichen Kämpfen.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 2 2
Großer Kriegsrat in Calais.
Verschiedene Blätter melden aus London, der große Kriegsrat, der gegenwärtig in Calais zwischen den englischen und fran⸗ zösischen Befehls habern stattsinde, werde lebhaft besprochen. Die Beschlüsse würden geheim gehalten; nur so viel sei bekannt, daß der Kriegsrat durch die Meldung veranlaßt worden sei, daß Deutschland am Monatsende 900 000 Mann frische Truppen an die West⸗ front werfen werde, um Calais und Verdun zu nehmen. Kitchener habe daher das Ein⸗
treffen von 100 000 Mann neuer englischer Auguft augełünd
wurde. Trupven für Anfang


