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deglektei oon unterirdischem Douner. Der Bevölkerung der benach⸗ barten Orte bemächtigte sich eine Panik.
Kriegsnotizen.
Bei dem am letzten Montag vormittag in den Räumen der Allgemeinen Elektrizitäts⸗Gesellschaft in der Koloniestraße in Berlin vorgekommenen Unfall ist, wie jetzt bekannt wird, niemand umgekommen. 14 Personen, drei männliche und elf weibliche, die schwer verletzt waren, wurden nach Kranken⸗ häusern übergeführt. 30 Personen, die leicht verletzt wurden, konnten sich nach ihren Wohnungen begeben. In dem Betrieb sind keine Störungen eingetreten. 5
Das Gouvernement Mainz teilt mit, daß die beiden aus Essenheim am 8. Juli geflüchteten ru ssischen Gefangenen bereits wieder aufgegriffen worden sind.
Der Bundesrat in Bern hob die Militärgerichtsbar⸗ keit mit Ausnahme der spezifischen Militärdelikte für Ange⸗ stellte aller Verkehrsanstalten auf, welche dem mili⸗ tärischen Betriebe unterstellt sind.
Die luxemburgische Regierung erhielt die Zusage der Lieferung von 500 000 Ltr. rumänischen Petroleums, dessen Einfuhr indes infolge Mangels an Transportmitteln er⸗ schwert ist.
Frankreich hat die Ausfuhr von 500 Wagen Oe[kuchen nach der Schweiz bewilligt. Das ist, da die Schweiz jährlich 4000 Wagen braucht und Oelkuchen in Marseille seit Monaten zu⸗ rückgehalten werden, außerordentlich wenig.
In einer Pulverfabrik in Hounslow bei London er⸗ eigneten sich nach 9 Uhr früh zwei heftige Explosionen, denen einige weniger heftige folgten. Eine riesige Rauchwolke war viele Kilometer weit sichtbar. Der Umfang des entstandenen Schadens ist noch unbekannt.
Havas meldet: Die marokkanischen Blätter veröffentlichen Nachrichten aus Larrasch, wonach auf den General Sylve st ere ein Attentat verübt wurde, als er die Stellungen beim Haref⸗ flusse besichtigte. Fünf Banditen, die sich verborgen hielten, schossen auf den General und sein Gefolge. Einer der Banditen wurde durch einen Offizier getötet.
Partei⸗Nachrichten.
Bernstein und Kautsky über ihren Aufruf.
Die Genossen Bernstein und Kautsky, die im Unterschiede von Haase im Parteiausschuß nicht Sitz und Stimme haben, übersandten dieser Körperschaft, die in der vergangenen Woche tagte, die nach⸗ folgende Erläuterung zu dem in der Leipziger Volkszeitung mit ihren und Haases Unterschriften veröffentlichten Artikel:
„Wir erklären, daß dieser Artikel das Ergebnis eines Mei⸗ nungsaustausches ist, der lediglich zwischen den beiden Unter⸗ zeichneten und dem Genossen Haase stattgefunden hat. Um es be⸗ stimmter zu sagen, daß kein weiterer Personenkreis irgendwelcher Art dahinter steht, auf ihn Einfluß oder auch nur von ihm vor der Abfassung Kenntnis gehabt hat. Im Angesicht der Kundgebungen, die in dem Artikel selbst zusammen⸗ gestellt sind und anderer, uns bekannt gewordener Tatsachen, hielten wir es für unsere Pflicht, in aller Oeffentlichkeit den Genossen die Anschauungen vorzulegen, über die wir bei unserm Meinungsaus⸗ tausch volle Uebereinstimmung untereinander sestgestellt hatten.
Den von einigen Seiten erhobenen Vorwurf, daß wir damit eine Sonderaktion vollzogen hätten, die eine Störung der Einheit der Partei bedeute, müssen wir als grundirrig zurückweisen. Unser Artikel wandte sich gegen keine von der Partei be⸗ reits beschlossene Aktion. Was er im Auge hat, ist eine Frage, vor die unsere Partei sich in nächster Zukunft gestellt sehen wird. Eine freie Aussprache über bevor stehende Entscheidun⸗ gen kann aber unmöglich als Gefährdung der Parteieinheit betrach⸗ tet werden. Sie ist im Gegenteil als im demokratischen Charakter unserer Partei liegend stets für notwendig erachtet worden. Sie wollte gerade die Genossen, die bisher auseinandergingen, wieder zusammenführen.
Zur Sache selbst bemerken wir in Kürze folgendes. Die ent⸗ schiedene Zurückweisung aller Annexionsbestrebungen in unserer Presse, in Kundgebungen des Parteivorstandes und der Fraktion, so wichtig sie ist, genügt für sich allein nach unserer Ueberzeugung nicht.
Es wird vielmehr für die Zukunft der Partei sehr viel davon abhängen, wie sich die Fraktion weiterhin gegenüber den Anschau⸗ ungen der gegnerischen Parteien und der Regierung verhalten wird.
Darüber eine sachliche Erörterung und Klärung herbeizuführen und damit die Einheit der Partei zu fördern, ist der Zweck unserer Publikation. Wir müßten es aufs tiefste bedauern, wenn durch die formale Seite eine fruchtbringende Erörterung des Inhalts unserer Publikation zurückgedrängt und auf diese Weise die sachliche Eini⸗ gung erschwert würde.“
Einmütig gegen Parteizerrüttung.
Die Ausschußvertreter der Bezirksvereine des 16. sächsischen Reichstagswahlkreises(Chemnitz) haben zu den gegenwärtigen Parteistreitigkeiten nach lebhafter Diskussion gegen 2 Stimmen eine Entschließung angenommen, in der es heißt:„Der Parteiausschuß. bestehend aus den Vertretern der 32 Bezirksvereine, ist mit der Hal⸗ tung der Parteileitung und der Reichstagsfraktion bezüglich der Kreditbewilligung und der Friedensfrage völlig ein verstan⸗ den. Ein dauernder Friede soll sobald als nur irgend möglich an⸗ —.— k————————
gestrebt werden. Aber es soll dabei derart vorgegangen werden, daß die Sicherheit und die jetzt so nötige innere Ein mü⸗ tigkeit des von allen Seiten bekämpften deutschen Volkes nicht gefährdet wird. 0
Das parteischädigende Treiben der hinter der Berner Tagwacht steckenden Genossen mißbilligen die Vertreter auf das entschiedenste. Sie mißbilligen vor allen Dingen aber auch das Vorgehen derjenigen Genossen, die kürzlich die Aufrufe gegen die Haltung der Partei⸗ leitung und der Fraktionsmehrheit unterzeichneten. Die Vertreter des 16. Kreises ersuchen alle Genossen und Genossinnen, an der Einigkeit der Partei festzuhalten, um nach dem Kriege mit noch größerem Nachdruck erfolgreich für unsere sozialistischen Ziele kämpfen zu können.
Die französischen und belgischen Sozialisten über die Wiederher⸗ stellung der Internationale.
So überschreibt Genosse L. Mart ow, der Führer des menschewistischen Teiles der russischen sozialdemokratischen Partei, einen Artikel im Newyorker Nowy Mir. Martow, der wieder⸗ holt und ausdrücklich gegen den Standpunkt der Mehrheit der deut⸗ schen Reichstagsfraktion Stellung nahm, erzählt über den Besuch des italienischen Genossen Morgari in Paris, der bezweckte, eine Sitzung des Internationalen Sozialistischen Bureaus herbeizu⸗ führen. Bekanntlich ist sein Versuch mißglüickt.
Martow traf den italienischen Genossen, als dieser unter dem Eindruck seines Mißerfolges war, und fragte ihn, aus welchen Grün⸗ den mögen wohl die Belgier und die Franzosen sich weigern, die Hand zur Verwirklichung der Aufgabe, die sich Morgari stellte, zu bieten?
Darauf antwortete Morgari wörtlich:„Sie, die Belgier und die Franzosen, sagen dies nicht gerade heraus, ihre Gedanken sind aber zu erraten, und ich habe ihnen in der Sitzung des Permanenten Ver⸗ waltungsausschusses gesagt, wie ich ihre kategorische Weigerung auf⸗ fasse. Sie begreifen, daß jede internationale Zusammenkunft, möge sie bestehen aus den allergemäßigsten Führern des Sozialismus, die den Revolutionarismus verwerfen, oder aus Sozialisten aus⸗ schließlich neutraler Staaten, die die patriotischen Gefühle keiner der Parteien verletzen wollen,— ganz einerlei, daß eine derartige Zusammenkunft damit beginnen wird, daß sie ihrem Wunsche Aus⸗ druck gibt, die Sozialisten aller Länder mögen für den Frieden Pro⸗ paganda machen. Und nun, wenn der internationale Sozialismus offiziell verkünden wird, daß es notwendig ist, für den Frieden ohne gewaltsame Annektionen zu kämpfen, so wird dies von dem jetzt noch nicht zahlreichen Teil des Proletariats aufgegriffen werden, der ab⸗ seits vom nationalen Fanatismus geblieben ist. Es ist einleuchtend, daß die französischen und belgischen Sozialisten, die jetzt zu den Re⸗ gierungsparteien gehören, nicht wünschen, daß in ihren Ländern eine Bewegung erstarkt, die nach Ansicht der Regierung die patriotische Einheit des Voltes schwächen wird. Daraus folgt nur, daß das In⸗ ternationale Bureau zur Geisel wurde in den Händen der Entente, d. h. in den Händen von zwei bourgeoisen Regierungen und des Zarismus. Mit Hilfe der Internationalen behalten die Regierungen die Führung über die Massen. Das habe ich gegenüber Vandervelde und den Belgiern geäußert und sie konnten meine Behauptungen nicht widerlegen. Das Ergebnis unserer Unterhaltung saßte ich im Gespräch mit ihnen so zusammen: das Wort gehört jetzt den Kanonen und Gewehren, den bürgerlichen Regierungen und dem Zarismus, der Sozialismus und das Proletariat haben zu schweigen, nicht wahr?“
Auf die Frage Martows, was haben die Belgier und Franzosen auf diese Formulierung geantwortet, führte Morgari weiter aus:
„Vandervelde sagte:„ja, jetzt können wir nichts machen, viel⸗ leicht aber in zwei Monaten.... Darauf erwiderte ich:„Lehnt das Internationale Bureau seine Pflicht ab, dann werden wir selbst eine internationale Konferenz einberufen und alle Sozialisten— aus den kriegführenden sowohl wie auch aus den neutralen Staaten— einladen, die dem Internationalismus treu geblieben sind“.„Das werden wir zu verhindern wissen“ erwiderte trocken Vandervelde“.
4 Vermischtes.
Aus Bayern wird folgender fast unglaublicher Vorfall be⸗ richtet: Der Rektor der Realschule in Gunzenhausen in Bayern, Jahraus, der zurzeit als Oberleutnant und Kompagnieführer im Felde steht, hatte als Andenken und„um seinen Schülern eine be⸗ sondere Freude zu bereiten“, zwölf Granatzünder der Realschule übermittelt und jedenfalls geglaubt, daß sie entladen und unge⸗ fährlich seien. Diese Zünder wurden nun auf dem Turnplatz der Realschule durch den stellvertretenden Rektor, Professor Denk, an die besten Turner der Realschule verteilt. Der Realschüler Ernst Brunner, 16 Jahre alter Sohn der Lehrerswitwe Brunner aus Brodswinden, erhielt als ersten Preis das interessanteste und schönste Stück, einen englischen Zeitzünder. Er versuchte nun gleich die Schraube an dem Zünder zu drehen, was ihm auch gelang, wo⸗ bei jedoch die Kapsel auf Explosion gestellt wurde. Sofort erfolgte eine gewaltige Explosion, die großes Unheil anrichtete. Brunner verschied nach einer Stunde, ihm folgte im Tode nach kurzer Zeit der 16jährige Hauptlehrerssohn Chlodwig Funk von Unterwurm⸗ bach. Die Schiller Arthur Baur von Wassertrüdingen, Karl Meißner und Willi Steingruber von Gunzenhausen, sowie ein jüngerer Bruder des tödlich verletzten Funk erlitten schwere, fünf andere leichtere Verletzungen.
Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 20
So verließ auch Fränz jetzt wieder die Stube, und ohne sich deutlich zu machen, was sie wollte, ging sie vor das Haus, um vielleicht nach Munde zu sehen der fast über sie gestolpert war, als er den Kronentaler empfing. Die Liebe des schönen, jungen Burschen, der sie mit den Augen verschlingen wollte, tat ihr wohl; sie zeigte doch, was sie noch vermöge, und wie sie, wenn sie nur wollte, an jedem Finger einen nach sich ziehen könnte. Am Stalle hörte sie drin sprechen, das war die Stimme Mundes, der in Verwünschungen seinem Bruder klagte, daß er nicht den Mut gehabt habe, dem Meister das Geldstück vor die Füße zu werfen; er betrachte ihn immer noch als Meister und wolle es auch wegen der Fränz nicht mit ihm verderben. Medard tröstete, so gut er konnte, und schalt über die Meistersleute, die zugrunde gehen müßten,
und eben zog er über Fränz los und sagte, daß in ihr keine
getreue Ader sei; da trat Fränz unter die Stalltür, und als hätte sie nichts gehört, rief sie dem Munde zu, sie wolle ihm noch„B'hüts Gott“ sagen, weil er morgen früh abreise. Rasch trat Munde heraus und hielt zitternd die Hand der Fränz in seinen beiden Händen; er wollte eben sprechen, als man vom Hause her Schritte vernahm, und halb widerwillig zog er die Fränz mit sich fort in den Grasgarten hinter dem Schafstall. Richtig kam Diethelm nochmals und schärfte dem Medard ein, ja niemals bei Licht Heu vom Boden herabzu— holen, es läge jetzt ein ganzes Vermögen auf dem ersten Speicher. Medard mußte ihm noch die Laternen zeigen, damit er wisse, daß keine beschädigt sei, und er befahl ihm, sie morgenden Tages mit Drahtgitter überziehen zu lassen; dann kehrte Diethelm wieder ins Haus zurück. Unterdessen war Munde in seliger Liebe bei Fränz. Sie neckte ihn damit, daß sie wahrscheinlich Engelwirtin in G. werde, aber Munde schalt sie über diese Neckerei und glaubte nicht daran. Als
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sie ihm sagte, daß sie ganz gewiß nach der Hauptstadt käme, um dort das Kochen und Nähen zu lernen, war Munde voll Jubels und gab Fränz genau an, wo sie ihm Nachricht geben könne, und Fränz neckte nicht mehr mit der Engelwirtin. Als sie ihm endlich den letzten Kuß gab und verschwand, rief ihr noch Munde nach:„Aber nur für heut.“
Fränz kehrte wohlgemut ins Haus zurück. Wenn alle Stränge reißen, bleibt ihr noch der Munde, dessen war sie gewiß.
Als Munde neben seinem Bruder in der Stallkammer lag, sagte dieser:„Und ich wette meinen Kopf, der Diethelm will das Haus anstecken, um wieder reich zu werden, drum ist er so ein Laternenvisitator; aber mich betrügt er nicht.“
„Sei still, das darfst nicht reden, oder ich muß dir aufs Maul schlagen,“ rief Munde in größer Heftigkeit.
„Du mir? Büble, wer bist du denn?“ rief Medard und paff! hatte der Bruder einen Schlag weg, aber er steckte ihn ruhig ein, und ohne ein Wort zu sagen, stand er auf und machte sich mitten in der Nacht auf den Weg nach der Garnison.
2 Eine feste Friedsamkeit lag in dem Wesen Diethelms,
als er am anderen Morgen in seinen berühmten grünen Saffianpantoffeln im sonnigen Hofraum umherspazierte.
Die Nacht, vor der es ihm so seltsam bange war, ist glücklich vorüber, und so wird auch alles Sorgen und Zagen ein heiteres Ende nehmen, es gilt nur ruhig stillhalten und die günstige Gelegenheit erfassen. Ein bedeutungsvolles An⸗ zeichen kündigte sich eben jetzt an. Der Metzger, mit dem Diethelm vorgestern nicht handelseins werden konnte, kam gerade den Hügel heran, hatte allerlei Ausreden, wie er zu⸗ fällig daher komme, und begann nochmals einen geringen Kaufpreis anzubieten, aber Diethelm war klug genug, die Kauflust des Metzgers zu ersehen, und sagte stolz und fest: wenn nichts mehr geredet werde, halte er sein Wort und bleibe es bei dem auf dem Markte Besprochenen, wo nicht,
Hessen und Nachbargebiete.
Gießen und Umgebung ⸗
— Wahlverein Gießen. Wir werden ersucht, die Mit⸗ glieder des Wahlvereins nochmals auf die heute abend 9 Uhr, im Gewerkschaftshause stattfindende Versammlung aufmerk⸗ sam zu machen. Wie bereits bekannt, wird Parteisekretär Neumann⸗Offenbach einen Vortrag über die politische Lage halten, wobei er jedenfalls auch die Meinungsverschieden⸗ heiten in der Partei mit berühren wird. Es darf wohl er⸗ wartet werden, daß sich die Parteigenossen zahlreich und pünktlich einfinden.
— Frauen an der Setzmaschine. Die Einberufung so vieler. Buchdrucker, namentlich Maschinensetzer, gab dem Tarifamt der deutschen Buchdrucker(eine gemeinsame Einrichtung zwischen Unternehmer- und Arbeiterorganisatio⸗ nen) Veranlassung, die Anlernung von Handsetzern zu Ma⸗ schinensetzern zu empfehlen. Dem ist in den bürgerlichen Zeitungsdruckereien wenig entsprochen worden. Im Gegen- teil; es werden zu der aufreibenden Arbeit an der Setz⸗ maschine Frauen und Mädchen angelernt und beschäftigt. Die erste, und zwar recht geschäftskundige„Weltfirma“ war Reismann⸗Grone in Essen(Herausgeber der Rhein.⸗Westf. Ztg. und ihres lokalen Ablegers Rhein.⸗Westf. Anz.), die den Tarifbruch beging. Der Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer beschäftigt sich mit der Ange ⸗ legenheit und veröffentlicht einen einstimmig gefällten Schiedsspruch des Tarifamtes, woraus hervorgeht, daß sich die Firma einen Vertragsbruch hat zu Schulden kommen lassen. Das Tarifamt hat festgestellt und der Firma eröffnet, daß ihre wiederholte Behauptung, es sei ihr vom Kriegs⸗ ministerium sowohl als vom Generalkommando die Beschäf⸗ tigung weiblicher Personen an den Setzmaschinen zur Pflicht gemacht worden, den Tatsachen nicht entspricht. f liche Bemerkung der Firma über die Parteilichkeit des Tarif⸗ amts, vor allem seines Geschäftsführers, des„Verbands- agitators“, weist das Tarifamt als unbegründet und unge⸗ hörig zurück. Aus der längeren Begründung geht hervor, daß die Firma seit März vier weibliche Personen an Setz⸗ maschinen beschäftigt und diese bis zum 15. Juni zu entlassen hatte. Ob das geschehen ist, wissen wir nicht. Vielleicht wird es die Firma auf den Ausschluß aus der Tarifgemeinschaft ankommen lassen.
— Pfändbarkeit von Lohn⸗ und Gehaltsansprüchen. Nach einer Bekanntmachung des Bundesrats vom 17. Mai 1915 tritt an die Stelle des nach§ 850 Zivilprozeßordnung und§ 4 Nr. 4 des Lohnbeschlagnahmegesetzes der Pfändung nicht unterworfenen Betrages von 1500 Mk. ein Betrag von 2000 Mk. Demnach ist zukünftig bei der Pfändung des Diensteinkommens der Effiziere, Militärärzte, Beamten Geistlichen usw. und der Pension dieser Personen, sowie der Pension invalider Arbeiter oder der Witwen⸗ und Waisen⸗ pension nur der dritte Teil des 2000 Mk. übersteigenden Betrages der Pfändung unterworfen. Handelt es sich um die Pfändung von Arbeits⸗ oder Dienstlohn, so ist für die Folge nur der 2000 Mk. überschreitende Betrag pfändbar. Ist ein Anspruch der vorbezeichneten Art bereits gepfändet. so verliert die Pfändung hinsichtlich später fällig werdender Bezüge ihre Wirksamkeit, soweit sie bei Anwendung dieser Vorschrift unzulässig fein würde. Danach wird der zwischen 1500 Mk. und 2000 Mk. liegende gepfändete Betrag frei und fällt dem Schuldner zu. Dies gilt hauptsächlich bei der Zah⸗ lung von Alimenten und sonstigen wiederkehrenden Geld⸗ leistungen. In gleicher Weise ist zu verfahren, wenn eine Aufrechnung, Abtretung oder Verpfändung erfolgt ist.
— Der Getreideschnitt hat in unserer Gegend bereits begonnen. Von allen Seiten hört man, daß die Ernte im allgemeinen recht gut und reichlich ausgefallen ist, trotz der langen Trockenheit. Eigentlich ist es noch ein wenig früh, in unserer Gegend beginnt gewöhnlich der Getreideschnitt nicht vor Ende Juli. Doch scheint die Sonne nichts ver⸗ dorben zu haben.
wenn er nicht, bevor die Herde den Berg hinab ist, in die Hand einschlage, verlange er für jeden Hammel einen Gulden mehr. Der Metzger schlug ein und Diethelm hatte schon and frühen Morgen dreihundert Hämmel verkauft und dabei eine namhafte Summe gewonnen.
Diethelm ging mit dem Meßzger ins Feld und übergab ihm die gesondert gehaltene Herde, die sogleich nach der Hauptstadt getrieben wurde, und eben als er noch im Wirts⸗ haus saß und dort die bare Bezahlung empfing, kam ein Wagen angefahren, und in die Stube trat bald darauf der Kaufmann Gäbler mit noch zwei Männern, die Diethelm als Oberfeuerschau vorgestellt wurden. Diethelm war sichtlich betroffen, aber schnell sagte er mit Entschiedenheit, daß er es mit dem Versichern nicht so ernst gemeint habe, sein Haus läge so einödig, und er könne schon selber jede Feuersgefahr abwenden und sei überhaupt entschlossen, die erworbenen Vorräte bald wieder loszuschlagen. Der Kaufmann Gäbler widersprach heftig, und die Feuerschaumänner, der Metzger und selbst der Waldhornwirt redeten Diethelm zu, er möge doch versichern, da sei man für alle Gefahren geborgen und der Zins sei so gering. Gäbler faßte schnell den Waldhorn⸗ wirt beim Worte und hatte ihn bald gewonnen. Während nun die Fahrnis im Wirtshaus aufgenommen wurde, eilte Diethelm heim, um seine Frau gütlich vorzubereiten. Er übergab ihr zuerst das eingenommene Geld für die Hämmel und zeigte ihr zum ersten Male in seiner roten Schreibtafel den Einkaufspreis und ließ sie den Gewinnst selber ausrech⸗ nen. Die Frau nickte zufrieden und verschloß eben das Geld in ihren Schrank, als Diethelm von der bald kommenden Feuerschau und der Fahrnisversicherung sprach.* Wie gewaltsam gepackt kehrte sich Martha um und sah ihrem Manne, der am Fenster stand, starr ins Gesicht, dann sette sie sich rasch auf einen Stuhl legte die Hände gefoltet in den Schoß und jammerte vor sich nieder:„Ist's so weit?“
„Was meinst? Was hast?“ fragte Diethelm. f
(FJortsetzung folgt.)
Die schrift⸗


