Ausgabe 
10.7.1915
 
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bestimmt, Kaiserl. Oberpostdirektion

die 26 000 großen Säcke, die die Feldpost täglich besorgen soll, Ju befördern. Von den 100 neuen Kraftfahrzeugen, die der Armee Mackensen vor einigen Monaten zugewiesen wurden, sind bis jetzt schon 80 unbrauchbar gewonden. Nun muß die Feldpost mit Pferde⸗ fuhrwerken 100120 Kilometer weit den Truppen nachgefahren werden. Das Publikum wird, und zwar auf den ausdrücklichen Wunsch des Generalfeldmarschalls v. Mackensen, dringend gebeten, nur das unbedingt Notwendige zu schicken.

Die Ermittelung von Vermißten und die Fürsorgetätigkeit für kriegsgesangene Deutsche war bisher im Großherzogtum Hessen nicht einheitlich geordnet. Um die sich hieraus ergebenden Mißstände für die Zukunft abzustellen, hat nunmehr der Hessische Landesverein vom Roten Kreuz die Ermittelung von Vermißten und die Für⸗ sorgetätigkeit für kriegsgefangene Deutsche zwecks einheitlicher Regelung für das gesamte Großherzogtum Hessen in die Hand ge⸗ nommen, indem gleichzeitig auch die in Darmstadt bestehendeHessi⸗ sche Vermißten⸗Ermittelung in den genannten Landesverein als ein Organ desselben(Bezirksausschuß in Darmstadt) eingegliedert wurde. Der Hessische Landesverein vom Roten Kreuz übt die Er⸗ mittelungs⸗ und Fürsorgetätigkeit durch Bezirksausschüsse für ver⸗ mißte und kriegsgefangene Deutsche aus. Solche Bezirksausschüsse bestehen zurzeit folgende: 1.Hessischer Landesverein vom Roten Kreuz, Bezirksausschuß für vermißte und kriegsgesangene Deutsche in Darmstadt, zuständig für die Kreise Darmstadt, Dieburg, Erbach und Groß⸗Gerau. 2.Zweigverein vom Roten Kreuz, Bezirksausschußfür vermißte und kriegs⸗ gefangene Deutsche in Offenbach, zuständig für den Kreis Offenbach. 3.Zweigverein vom Roten Kreuz, Be⸗ zirksausschuß für vermißte und kriegsgefangene Deutsche, in Heppenheim, zuständig für die Kreise Heppenheim und Bensheim. J.Zweigverein vom Roten Kreuz, Bezirksausschuß für vermißte und kriegsgefangene Deutsche in Gießen, zuständig für die Kreise Gießen, Alsfeld, Lauterbach und Schlotten. 5.Zweigverein vom Roten Kreuz, Bezirksausschuß für vermißte und kriegsge⸗ fangene Deutsche in Friedberg, zuständig für die Kreise Friedberg und Büdingen. 6.Kreisverein Mainz vom Roten Kreuz,, Be⸗ zirksausschuß für vermißte und kriegsgefangene Deutsche in Mainz, zuständig für die Kreise Mainz, Bingen und Oppenheim. 7.Zweigverein Worms vom Roten Kreuz, Bezirksausschuß für vermißte und kriegsgefangene Deutsche in Worms, zuständig für die Kreise Worms und Alzey. Die Aufgaben der Bezirksaus⸗ Aude sind die nachstehenden: a) Nachforschung nach Vermißten, b) Auskunft über den Verkehr mit Gefangenen, c) Auskunft über die Gefangenenlager, d) Unterstützung von einzelnen Gefangenen und Anträge auf Unterstützung von ganzen Gefangenenlagern. Die An⸗ meldung von Vermißten ist zweckmäßigerweise an den für den Wohnort des Anmeldenden zuständigen Bezirksausschuß zu richten. Dies kann auch durch Vermittelung eines Zweigvereins vom Roten Kreuz oder einen Vertrauensmann vom Roten Kreitz erfolgen. Der Hessische Landesverein vom Roten Kreuz und seine sämtlichen Be⸗ zirksausschüsse sind mit der in Frankfurt a. M. im Anschluß an den dortigen Verein vom Noten Kreuz für Süddeutschland geschaffenen Zentralstelle für kriegsgefangene Deutsche in Arbeitsgemeinschaft getreten. Die gesamte Tätigkeit der Bezirksausschüsse ist unent⸗ geltlich. Soweit Vermißte bei einer der schon zurzeit für die Vermißten⸗Ermittelung im Großherzogtum Hessen bestehenden Stellen bereits angemeldet sind, bedarf es keiner neuen Anmeldung. Auf Grund der schon vorliegenden Anmeldungen werden die Er⸗ mittelungen fortgesetzt oder eingeleitet werden.

Stellennachweis für Militäranwärter und Anstellunasberech⸗ tigte. 1. August 1915, der Ort wird bei der Einberufung bestimmt, Kaiserl. Oberpostdirektion in Darmstadt, mehrere Postboten. Die Bewerber müssen körperlich für den Post⸗ und Telegraphendienst geeignet sein und in einer mündlichen und schriftlichen Prüfung im allgemeinen die Kenntnisse nachweisen, die auf Volksschulen er⸗ worben werden. Probezeit 6 Monate. Nach Ablauf der Probezeit auf Awöchige Kündigung. 2,50 bis 3 Mk. Tagegeld, je nach den Teuerungsverhältnissen des Amtsorts, und 10jährliche Alterszulagen von je 10 Pfg. für den Tag, etatsmäßige Anstellung als Landbrief⸗ träger oder als Postschaffner, Kaiserliche Oberpostdirektion in Darmstadt. 1. Oktober 1915, der Ort wird bei der Einberufung in Darmstadt. Schaffner, Probezeit 6 Monate. Nach Ablauf der Probezeit auf Zmonatige Kündigung, nach 15jähriger Gesamtdienstzeit auf Lebenszeit. 1200 Mark Gehalt und tarifmäßiger Wohnungsgeldzuschuß, nach je 3 Jahren 4 mal 90 Mk. und 3 mal 80 Mk. Zulagen bis zum Höchst⸗ gehalt von 1800 Mk. Kaiserl. Oberpostdirektion in Darmstadt. Be⸗ werbungen um diese Stellen werden nur von Inhabern des Zivil⸗ versorgungsscheines angenommen.

Falsches Papiergeld. In Frankfurt a. M, wurde ein falscher Zwanzigmarkschein angehalten. Da in letzter Zeit öfters falsches Papiergeld zur Ausgabe gelangte, ist im Geldverkehr besondere Vorsicht geboten.

Eine verhältnismäßig einfache Kühlvorrichtung kann man sich auf folgende Weise billig beschaffen: Man nimmt zwei Tontöpfe, von denen der eine in den andern hineinpaßt. Den äußeren Topf umwickelt man mit Zeitungspapier und stopft auch Zeitungspapier in den Zwischenraum der beiden Töpfe. Den äußeren Topf füllt man, soweit das möglich ist, mit Wasser, das das Papier durch⸗ tränkt. In den kleineren Topf stellt man die Speisen, die man kühl halten und vor dem Einfluß der Hitze schützen will. Da das Wasser, das durch das Papier aufgesogen wird, fortwährend verdunstet, ent⸗ steht eine niedrige Temperatur, die das Kühlhalten der Speisen außerordentlich gut besorgt. Man spart auf diese Weise das Eis, das nicht immer leicht zu beschaffen ist, und hat den Vorteil, Butter, Fleisch usw. besser aufzubewahren als auf dem Eise. Denn bekannt⸗ lich verderben die Sachen, die auf Eis liegen, sofort, wenn man sie herunternimmt und dann nicht sofort genießt, während die Speisen, die man in diesem Kühltopf aufbewahrt, sich noch lange halten. Je größer die Tontöpfe sind, je besser kühlend wirken sie.

Die Freilichtbühne veranstaltet am morgigen Sonntag nach⸗ mittag wieder eine Vorstellung, die Uhr beginnt. Das Pro⸗ gramm bietet zunächst Lieder zur Laute, gesungen von Frl. Gretel Leist und Hellmut Eckardt; ferner Rezitationen von W. W. Göttig. Dann kommt ein Einakter zur Aufführung:Die Rosen des Herrn von Malesherbes von Aug. von Kotzebue, ein Stückchen, das sehr selten gegeben wird. Als Darsteller treten darin Frl. Leist und die Herren Eckhardt und Frey auf. Sollte wegen schlech⸗ tem Wetter nicht gespielt werden, so wird dies durch Anschlag um 4 Uhr am Bürgermeistereigebäude bekannt gegeben. Für diese Vorstellung sind kleine Preise festgesetzt; es darf daher wohl ein guter Besuch erwartet werden, wie ihm die Freilichtbühne im Hinblick auf das von ihr Gebotene verdient.

Im Oberhessischen Kunstverein wird am kommenden Don⸗ nerstag eine sehr interessante Ausstellung eröffnet. Es ist ge⸗ lungen, eine Reihe von Werken, fast ausschließlich Portraits des be⸗ kannten Darmstädter Malers, Professor Walther Illner, zu⸗ sammenzustellen und in geschlossener Kollektion zu zeigen. Zu der Vorbesichtigung der Ausstellung am Donnerstag ergehen an die Mitglieder des Kunstvereins Einladungen.

Plötzlicher Tod. Am Donnerstag vormittag wurde Maler⸗ meister E. Groß in einer Wirtschaft, in die er wahrscheinlich einge⸗ treten war, weil er Uebelkeit verspürte, vom Schlage betroffen und wurde durch die Sanitätskolonne in die Klinik gebracht. Dort ver⸗ starb er nach wenigen Stunden. Groß stand in den vierziger Jahren und war ein hervorragender Vertreter seines Gewerbes.

Heuchelheim. Die Gemeindesteuer wird auf Beschluß des Gemeinderats für das laufende Rechnungsjahr in derselben Höhe wie im Vorjahre erhoben und zwar 143,274 Prozent der Staatseinkommensteuer und rund 20,8 Pfg.(genau 20,792 Pfg.) auf ie 100 Mk. Vermögenssteuerwerte.

Kreis Alsfeld⸗Lauterbach.

d. Schweres Brandunglück. In Zell bei Alsfeld brach am Mittwoch nachmittag in der Hofraite des Landwirts Gemmer Feuer aus, das von dem herrschenden Winde angefacht, mit unheim⸗ licher Schnelle das ganze Anwesen ergriff und es in kurzer Zeit

völlig einäscherte. Dabei ging leider auch fast sämtliches Vieh zu⸗ grunde, 16 Stück Rindvieh, 3 Schweine, sowie auch 2 wertvolle Pferde. Durch den Sturm griff das Feuer auch auf das Anwesen von Karl Dörr über, dessen Scheuer und Stallung völlig abbrannte. Ein Glück war es noch, daß Wasserleitung vorhanden war, durch welche es möglich war, das Feuer wirksam zu bekämpfen, da es ohnehin an männlichen Helfern bei den Löscharbeiten fehlte. Der angerichtete Schaden soll nur teilweise durch Versicherung ge⸗ deckt sein. 1

Schlitz, 7. Juli. Zu Tode gequetscht. Bei einer Veran⸗ staltung der Schlitzerländer Jugendwehr ereignete sich ein beklagens⸗ werter Unglücksfall. Der Brauereiarbeiter Heinrich Vollmöller, ein durchaus nüchterner und zuverlässiger Mann, geriet auf unaufge⸗ klärte Weise derart zwischen seinen Bierwagen und einen Baum, daß der Tod auf der Stelle eintrat.

Kreis Friedberg⸗Büdingen.

Bad⸗Nauheim, 10. Juli. Besuchsziffern. Bis zum 8. Juli 1915= 11,494 Kurgäste angekommen. Bäder wurden bis dahin 137,328 abgegeben.

Kreis Wetzlar.

Zusatz⸗Brotkarten für schwer Arbeitende gelangen jetzt im Kreise Wetzlar zur Ausgabe. Der Kreisausschuß hat der Verord⸗ nung über den Verkehr mit Mehl und Brot folgenden neuen Ab⸗ satz hinzugefügt:Auf Antrag bei dem zuständigen Bürgermeister erhält bei der regelmäßigen Brotkartenausgabe jeder über 14 Jahre alte Einwohner ohne Unterschied des Geschlechts mit einem eigenen Arbeitseinkommen bis zu 2400 Mk., wie landwirtschaftliche und gewerbliche(industrielle) Arbeiter, kleine Landwirte(auch Selbstversorger), Handwerker, kleine Beamte(Eisenbahn⸗ Post⸗, Polizei⸗, Bureau⸗Unterbeamte) usw., eine Zusatzbrotkarte über höchstens 350 Gr. Mehl wöchentlich auf den Kopf. Der Landrat bemerkt dazu, daß diese Anordnung nur zum Zwecke einer höheren Brotversorgung der körperlich schwer arbeitenden er⸗ werbstätigen Bevölkerung getroffen worden ist. Von allen nur leichte Arbeiten verrichtende Personen werde erwartet, daß sie auf eine Zusatzbrotkarte verzichten.

Westerwald und Unterlahn. Brand einer chemischen Fabrik.

In Bad⸗Ems entstand in der Nacht zum Mittwoch in der etwas außerhalb der Stadt gelegenen chemischen Fabrik von Dr. Troost Nachf. Feuer, das an den großen Mengen leicht brennbarer Stoffe reiche Nahrung fand und sich deshalb mit riesiger Schnellig⸗ keit verbreitete. Der Feuerwehr gelang es, die großen Vorräte von Schwefelsäure, deren Aufbewahrungsraum schon fast vollständig vom Feuer ergriffen war, zu retten, da durch ausgiebige Wasser⸗ bestrahlung ein Explodieren der Kessel vermieden wurde. Die fämtlichen Gebäulichkeiten der Fabrik sind bis auf die massiven Umfassungsmauern ausgebrannt. Der Schaden ist recht bedeutend, jedoch durch Versicherung gedeckt.

Soziale Rundschau.

Kriegskinder.

Das Problem derKriegskinder wird in allen kriegführenden Staaten zurzeit lebhaft erörtert. Sogar England, das bekanntlich bisher keine Invasion feindlicher Truppen hat, hat trotzdessen Ur⸗ sache, sich mit dem Problem derSoldatenkinder zu beschäftigen. Für Deutschland ist das Problem aktuell geworden durch die Russeneinfälle in Ostpreußen, da nach amtlichen Berichten eine Anzahl von Vergewaltigungen weiblicher Personen- stattgefunden hat. DerBund für Mutterschutz, der sich zur Auf⸗ gabe gemacht hat, hilfsbedürftigen Müttern und Kindern zur Seite zu stehen, hat durch seine Ortsgruppe Berlin eine Petition an Bundesrat und Reichstag gerichtet, ein Notgesetz erlassen zu wollen, wonach in bestimmten Fällen der Arzt das Recht haben würde, die Folgen solcher Verbrechen abzuwenden, sobald der Tat⸗ bestand der Vergewaltigung nachgewiesen ist. In jedem Falle soll der Staat die Fürsorge für aus solchen Gewalttaten etwa hervorgehende Kinder übernehmen. Die unglücklichen Opfer solcher Verbrechen, deren Erleiden allein schon schwere pspychische und physische Schäden hervorzubringen vermag, dürfen nicht noch mit der Schande einer aus Vergewaltigung hervorgegangenen Mutter⸗ schaft lebenslänglich bestraft werden. Wie man sich zu der hier an⸗ geregten Erledigung auch stellen mag: an dem Problem, eine be⸗ friedigende Lösung von Seiten des Staates und der Gesellschaft für diese Opfer des Krieges zu finden, wird man auch in Deutsch⸗ land nicht vorübergehen können.

Arbeiterbewegung.

Der Verband der Gastwirtsgehilfen im Jahre 1914.

Der Weltkrieg hat naturgemäß auch das Gastwirtsgewerbe stark beeinflußt und damit die gastwirtschaftlichen Angestellten. Der Rück⸗ schlag auf die Organisation konnte nicht ausbleiben. Die in den letzten Jahren, namentlich während der Sommerzeit, lebhaft ein⸗ setzenden Lohnbewegungen mußten mit Ausbruch des Krieges gänz⸗ lich unterbleiben oder eingestellt werden. Die Unternehmer be⸗ nutzten die Panik der ersten Kriegswochen und suchten die in den letzten Jahren errrungenen Lohnerhöhungen nach Möglichkeit wieder aufzuheben. Wo Tarifverträge bestanden, gelang es den Organi⸗ sationen in den meisten Fällen, sogenannte Kriegstarife zu verein⸗ baren, wodurch wenigstens ein allzugroßer Lohnrückgang vermieden wurde. Viele dieser Tarife sind jetzt bereits wieder zugunsten der Angestellten revidiert worden. In den ersten sieben Monaten haben 146 Lohnbewegungen in 24 Orten stattgefunden: beteiligt waren 212 Betriebe mit 2677 Beschäftigten. Nur bei 22 Bewegungen mit 673 Beschäftigten kam es zur Arbeitseinstellung oder zur Aussperrung. Erreicht wurde durch die Lohnbewegungen für 222 Personen eine Arbeitszeitverkürzung von 1272 Stunden wöchentlich, Lohnerhöhun⸗ gen für 840 Personen im Betrage von 2163 Mark wöchentlich. Sonstige Verbesserungen der Arbeitsbedingungen(darunter Aner⸗ kennung des Arbeitsnachweises und der Organisation) wurden in 62 Fällen für 594 Personen erreicht. Die Tarifverträge kamen in 9⁴ Prozent(138 von 147) auf friedlichem Wege zustande.

Wie fast alle Verbände, so hat auch der Verband der Gastwirts⸗ gehilfen infolge der Kriegsereignisse einen starken Rückgang des Mitgliederbestandes zu verzeichnen. Am 1. Januar 1914 wurden 16 025 Mitglieder gezählt, im ersten Quartal machte sich ein ansehnlicher Zuwachs bemerkbar. Da kam der Krieg und die erste Zählung am 8. August 1914 ergab nur noch einen Bestand von 9352 Mitgliedern: davon zum Militär abgemeldet 1740, sodaß ein wirk⸗ licher Bestand von 7612 verblieb. Bei der Zählung am 31. Dezem⸗ ber 1914 änderte sich das Bild etwas zugunsten des Verbandes: es wurden gezählt in 72 Verwaltungsstellen 12 395 Mitglieder. Davon waren aber bereits zum Militär abgegangen 4441(35,9 Prozent), sodaß 7954 Mitglieder verblieben. Bei diesen Zahlen ist zu be⸗ achten, daß die Abmeldung vielfach unterlassen wird.

Die Hauptaufgabe des Verbandes während des Krieges war selbstverständlich die Unterstützung seiner arbeitslosen Mitglie⸗ der und der Familien der Kriegsteilnehmer. Bis zum Jahresschluß verausgabte der Verband 58 647 Mark für Arbeitslosen⸗ und 49 182 Mark an Familienunterstützung. Bis heute stellen sich die ent⸗ sprechenden Zahlen folgendermaßen: Nach einer am 1 Mai d. J. vorgenommenen Statistik waren bis dahin zum Militär eingezogen 6156(41,7 Prozent der Mitglieder). An Unterstützungen sind bis Mitte Juni in runden Summen zur Auszahlung gekommen: An ar⸗ beitslose Mitglieder 72 500 Mark: an die Familien von Kriegsteil⸗ nehmern 100 000 Mark; an sonstigen Unterstützungen 11 500 Mark: insgesamt 184000 Mark. Von dieser Summe sind zirka 35 000 Mark durch freiwillige Sammlungen aufgebracht worden.

Nermischtes.

Doch wehe, wenn die Himmelsmacht Durch Blitzschlag wurden in Diebach bei Aschaffenburg eine

Gewitters schlug der Blitz in dem Dorf Strut bei Eschwege in eine Scheune und zündete. Das Feuer griff weiter um sich: drei Bauern⸗ gehöfte fielen ihm zum Opfer. Durch Brandstiftung entstand in dem Dorfe Bodenrode bei Eschwoge Großfeuer durch welches in kurzer Zeit fünf Wohnungen und ebensoviele Scheunen und Hintergebäude vernichtet wurden.

Eine Viertelmillion Geldstrafe für einen Steuerm 3

Durch das Landgericht Frankenthal wurde laut, Tageblatt Fabrikdirektor Gauß wegen Wehrsten en Hinterziehung zur Zahlung einer Geldstrafe von 255 000. verurteilt. Das Gericht erkannte damit auf die Höchststrafe, die zwanzigfachen Betrag der gefährdeten Summe vorsteht.

Die Marksburg als Kriegs⸗Jnvaliden⸗Haus.

Der-Vorstand der Vereinigung zur Erhaltung deutsch. beschloß, in der bei Braubach am Rhein gelegenen, köstlich mabert⸗ schen Marksburg, die der Vereinigung gehört, ein Heim zur dauerw⸗ den Aufnahme von Kriegsbeschädigten einzurichten.

Wolkenbrüche in Amerika.

Das Reutersche Bureau meldet aus Chicago: Tornados ü Wolkenbrüche, die Teile von Missouri, Illinois, Indiang und ö heimgesucht haben, haben schwere Verluste an Menschen⸗ leben und Eigentum zur Folge gehabt. An einer Stelle wurde ein Passagierzug von den Gleisen gehoben, wobei einige Personen verletzt, wurden. In vielen Städten liegt der Weizen auf den Straßen, der von den Feldern weggefegt worden ist. In Cincinnati sind dem Sturm 20 oder mehr Menschenleben zum Opfer gefallen. Im Ohio⸗ flusse kenterten zwei Schlepper, wobei zahlreiche Personen ertvanken. Ferner sind 25 Häuser zerstört worden.

K. Fraukfurt a. M., 7. Juli. Der soeben veröffentlichte, 8 8 des Frankfurter Gewerkschaftskartells zeigt drasti e Wirkung des Krieges auf die Mitgliedschaft der Organisationen. Während der Mitgliederstand aller Verbände in Groß⸗ Frankfurt Ende 1913 43 887 betrug, sank diese Zahl bis Ende des 2. Quartafs auf 42 986, dagegen bis Ende des Z. Quartals auf 2⁵ 657 und bis Ende des Jahres 1914 gar auf 22 494. Zum Kriegsdienft waren, bis zum Jahresende 16 200 eingezagen Zwischen dem Stande des 2. Quartals und dem am Jahresschluß ergibt sich also, wenn man die Zahl der zum Militär eingezogenen und diejenige des Mitglieder⸗ standes zusammenzählen, eine Differenz von 4202, die zum guten Teil der Kopflosigkeit der Industrie zu Lasten fällt. Der 2 Teil ist wohl gleich in die Heimat gereist, während ein anderer Teil in kluger Voraussicht in bereits bestehenden Betrieben für Kriegs⸗ lieferungen im Rheinland usw. Arbeit gesucht und gefunden Hat. Der Metallarbeiterverband zählte Ende Juni 1914 noch 10 10 Mit glieder, Ende Dezember dagegen nur noch 5019, die N ö Ende Juni 2339, Ende Dezember 1100; die Fleischer Ende Juni 228, Ende Dezember 84 usw. Ganz verschont blieb ß kein Verband. Die Verbände mit jüngerem Mitgliedermaterial, wie die Gärtner, Friseure, Fleischer mehr, die anderen weniger. Die Ver⸗ luste waren am geringsten in der Lederindustrie. Unter den obwa⸗⸗ tenden Umständen zeigte dann auch die Fi. e Verbände ein ganz anderes Gesicht wie sonst. Das Vorjahr ö mit einer Gesamteinnahme vom 2164456 Mark. Das Jahr 1914 schloß dagegen mit 1847 248 Mark, also einer Mindereinnahme von 317 208 Mark. Die Ausgaben betrugen im Jahre 191 1734 714 Mark, im abgelaufenen Jahre 1516 339 Mark, alfo nur eine Diffe⸗ renz von 218 375 Mark. An Reiseunter stützung w gezahlt 20 857 Mark gegen 34 312 Mark im Vorjahre dagegen an Arbeitslose am Orte 337456 Mark gegen 152 290 Mark um Vorfahr, Für Streiks wurden verausgabt 27 880 Mark gegen 147 356 Mark im Vorjahr. An Umzugskosten wurden 317 Mark, für Rechtsschutz 2696 Mark den Mitgliedern Für Krankenunterstützung wurden 227 024 9 283 381 Mark im Vorfahre verausgabt. Die Erklärung dafiir gibt die Tatsache, daß die meisten Verbände mit Kriegsbeginn diesen Zweig der Unterstützung zugunsten der Arbeitslosen einstellten ober doch einschränkten. An invalide Mitglieder wurden von einigen Verbänden 11650 Mark bezahlt. Sterbegeld wurde 20 14 Mark den Hinterbliebenen ausgehändigt. Besondere D wurde den Mitgliedern und ihren Familien in Höhe von 215 9 Mark gewährt gegen 31637 Mark im Vorjahre. Insgesamt wurden den Mitgliedern und ihren Familien 866 846 Mark- an reinen Unter- stützungen zugeführt.* Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen.

Verlag von Krumm& Cie., Gießen. 2 Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. unn..ʃ

* Vereinskalender. Montag, 12. Ju li. Gießen. Wahlverein. Abends punkt 9 Uhr Mitgliederver⸗ sammlung. Vortrag von Parteisekretär Neumann⸗Offenbach.

. Bekanntmachung.

Die Verpflegungsgelder für die vom 5. Mai ab in Bürger. wohnungen untergebrachten Mannschaften des Ersatz⸗Bataillons 116 werden wie folgt ausgezahlt:

a an diejenigen, deren Namen beginnen mit 5

AK Montag, den 12. Zuli, vormittags von 812 Uhr,

I. 2 Montag, den 12. Juli, nachmittags von 26 Uhr. ö Zahlstelle im Stadthaus, Zimmer Nr. 4.

Es wird dringend ersucht, die Beträge an dem genannten Tage abzuholen. Ein Zuschicken kaun nicht erfolgen.

Gießen, dem 9. Juli 1915.

Der Oberbürgermeister: N Keller. i

Bekanntmachung.

Die öffentlichen Impftermine für die Erstimpflinge in der Stadt Gießen, welche jeden Mittwoch, nachmittags von 56 Uhr, in der Turnhalle der Stadtmädchenschule(Schillerstraße) stattfinden, wer⸗ den nur noch im Monat Juli abgehalten.

Wer die Termine nicht benutzen will, muß seim impfpflichtiges Kind auf eigene Kosten impfen lassen..

Gießen, 8. Juli 1915. N

Der Oberbürgermeister.

Verstorbene. Eugen Groß, Malermeister, in Gießen.

Von den Apotheken in Giessen ist am Sonntag, den 11. Juli von 3 Uhr nachmittags an und die Nacht hindurch geöffnet die Hirsch-Apotheke.

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