Ausgabe 
10.7.1915
 
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Telegramme.

Der österreichisch· ungarische Tages bericht Die Kriegslage im Osten.

Wien, 9. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Amtlich wird ver lautbart: 9. Juli 1915, mittags: 5

Die allgemeine Lage im Nordosten ist unverändert.

In Russisch⸗Polen wird auf den Höhen nördlich Krasnit weiter gekämpft. Wie in den vorhergehenden Tagen wurden auch gestern an mehreren Stellen der Front äußerst heftige russische Angriffe zurückgeschlagen.

Westlich der Weichsel wurden alle genommenen russischen

Vorstellungen behauptet.

Italienischer Kriegsschauplatz. en der küstenländischen Front herrschte gestern ver⸗ ältnismäßig Ruhe. Ein italienischer Flieger war bei

örz zu einer Notlandung gezwungen. 5 Im Kärntner⸗ und Tiroler Grenzgebiet Geschütz⸗ kämpfe und Scharmützel. Ein Angriffspersuch zweier feind⸗ licher Bataillone auf den Col di Lana(bei Buchenstein) wurde a b⸗

gewiesen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Göfer, Feldmarschalleutnant.

General Rußki.

Berlin, 9. Juli. Die B. Z. meldet aus Petersburg: General Rußki, der vor einiger Zeit wegen Unstimmigkeiten mit dem Groß⸗ fürst⸗Generalissimus einen angeblichen Krankheitsurlaub erhielt, wurde der Oberbefehl über die russischen Armeen an der Nordwest⸗ front übertragen. Er erhielt besondere Machtbefugnis. Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß er demnächst offtzsell den Titel Vize⸗ Generalissimus erhält.

Der türkische Tagesbericht.

Konstantinopel, 9. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Mel⸗ dung der Agence Milli. Die Mitteilung über die Darda nellenfront besagt: Am 7. Juli kein wichtiges Ereignis bei Ari Burnu. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr nahmen unsere Truppen zwei feindliche Schützengräben vor unserem rechten Flügel und besetzten sie. Unsere aus dem Zentrum abgesandten Er kundungsabteilungen überraschten feindliche Gräben und er beuteten eine Menge Munition und Pioniergeräte. Am linken Flügel dauerte leichtes Artillerie- und Infanteriefeuer, sowie Bombenwerfen an. Am Vormittag warf ein feind⸗ liches Flugzeug drei Bomben auf Gallipoli, ohne Schaden anzurichten. Unsere Batterien in Kleinasien zerstörten feind⸗ liche Landungsbrücken bei Teke Burnu und nahmen die Zelte des feindlichen Lagers unter Feuer.

An den anderen Fronten nichts von Bedeutung.

Eindrücke an der Dardanellenfront.

Konstantinopel, 9. Juli(W. T. B. Nichtamtlich.) Von einem Besuche an der Dardanellenfront zurückgekehrt, sagte der Kon stantinopeler Deputierte Dschahid über seine dort empfangenen Eindrücke: Ich kehre voll Stolz, Hoffnung und Vertrauen zu⸗ rück. Wenn ich die bisher zu Lande und zu Wasser unternommenen Operationen überblicke, für die der Feind eine mächtige Flotte, so⸗ dann eine etwa 300 000 Mann starke Armee heranführte, die reich⸗ lich über jedes Kriegsmaterial, über zahlreiche Flieger und Ver⸗ teidigungsmittel, wie Blendwerke usw. verfügt und von Kriegs⸗ schiffen unterstützt wird, die zuweilen an einem Tage bis 40 000 Schüsse abgaben, wenn ich bedenke, daß der Feind trotz alledem nach

2˙è Kriegsmonaten nicht imstande war, auch nur das kleinste Dorf

zu nehmen und auf einen kleinen Streife Landes von einem Kilo⸗ meter bei Sedd⸗ül⸗Bahr eingeengt blieb, kann ich nur fest⸗ stellen, daß auch in Zukunft dem Feinde jedes Vorrücken unmöglich sein wird. Das große Geheimnis des Er⸗ folges der Türken liegt in der vollendeten Organi⸗ sation aller Zweige der Armee, die, wie eine tadellos arbeitende Maschine funktioniert und die, um der türkischen Nation neues Leben zuzuführen, alles, vom Führer bis zum einfachen Soldaten,

vom Automobil bis zum Kamel in den Dienst dieser Sache stellte und selbst die alten, seit Jahrhunderten unbenützten türkischen Mörser wieder gebrauchsfähig zu machen verstand. Die Kämpfe in Südwestafrika. Niederlage der Deutschen? London, 9. Juli. Reuter meldet aus Kapstadt: Ein

offizielles Telegramm aus Pretoria meldet, daß Botha die Kapitulation der gesamten deutschen Heeres⸗ * Deutsch⸗ Südwestafrika angenommen habe.

Ein weiteres offizielles Telegramm aus Pretoria be richtet, daß die Feindseligkeiten nun tatsächlich beendet seien. Das Heer kehre nach dem Gebiet der Union zurück.(Eine Bestätigung dieser Nachricht bleibt abzu⸗ warten. D. Red.)

London, 9. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Reutersche

Bureau meldet aus Kapstadt: Die Uebergabe der Deut- schen war bedingungslos. Botha hat ein Ultimatum ge⸗ stellt, das heute um 2 Uhr nachmittags abläuft.

Die deutsche Antwort an Amerika.

Berlin, 9. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Die deutsche Antwort auf die amerikanische Note vom 10. Juni ist dem amerikanischen Botschafter in Berlin gestern überreicht worden.

Die neue Note ist in einem von den früheren Schrift⸗ stücken etwas abweichenden Stile gehalten. Sie verbindet mit der sachlichen Beweisführung einen Ton sittlichen Ernstes, der diplomatischen Urkunden sonst gewöhnlich ab⸗ geht, und es findet sich sogar ein pathetischer Einschlag, so wenn die deutsche Regierung ausspricht, sie würde ihre Pflichtenvor Gott und vor der Geschichte vergessen, wollte sie nicht alles tun, um das Leben deutscher Staatsbürger zu schützen. Dies bezieht sich auf den Unterseeboolt⸗ krieg, der sich als eine so schneidende Waffe im Kampfs mit der von England gegen uns erklärten Aushungerungs⸗ blockade erweist. Daß auf diese Waffe nicht verzichtet werden kann, erklärt die deutsche Note mit allem Nachdruck. Sie enthält aber auch praktische Vorschläge zu einer Lösung der augenblicklich zwischen Deutschland und den Ver einigten Staaten bestehenden Schwierigkeiten, besonders des durch die Torpedierung derLusitania hervorgerufenen Konfliktes. Wenn es der amerikanischen Regierung ernstlich um die Beilegung dieser Differenzen zu tun ist, so wird sie in den deutschen Anerbietungen den Beweis guten Willens sehen und gleichzeitig ihren eigenen Bürgern die Sicherheit der Ueberfahrt nach und von Europa schaffen. Daß Deutsch⸗ land auch seinerseits Garantien dafür verlangt, daß

diese wesentlichen Zugeständnisse nicht etwa von unseren Feinden ausgenutzt werden, ist selbstverständlich. Werden aber die erwarteten Garantien von der amerikanischen Re gierung geboten, so kann die Passagierschiffahrt der Ver einigten Staaten von jetzt ab außer Gefahr gestellt werden. Insofern bedeutet die deutsche Note einen Schritt nach vorwärts. Torpediert.

London, 9. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Reutersche Bureau meldet aus Hull: Der DampferDido von der Wilson Linie, der in der letzten Woche einem deutschen Unterseeboote ent ronnen ist, nachdem ihn dieses durch einen Kanonenschuß beschädigt hatte, ist jetzt in der Nähe von Nordschottland durch einen Torpedo versenkt worden. Die ganze Besatzung wurde gerettet.

Berlin, 9. Juli. Der Berl. Lok.⸗Anz. meldet aus Kopenhagen: Der dänische DreimasterschonerEllen, mit Holz auf der Fahrt nach Liverpool, wurde in der Nordsee von einem deutschen Untersee boot in Grund geschossen, da er Bannware an Bord hatte. Die Besatzung wurde gerettet und in Helsingborg gelandet.

Deutsche Unterseeboote im Aegäischen Meer.

Bern, 9. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Der Mailänder Secolo meldet aus London, daß laut Berichten aus Athen deutsche Unterseeboote im Aegäischen Meer erschienen seien, die in der Flotte der Alliierten große Aufregung hervorge rufen haben. Daraufhin habe der Admiral die hauptsäch⸗ lichsten Einheiten von den Dardanellen zurückgezogen. In London messe man dieser Nachricht nicht viel Glauben bei, wenn man auch die Möglichkeit zugebe, daß einige Schiffe zurückgezogen worden seien, weil sie ausgebessert werden müßten. Die Zurückziehung der Schiffe könne sich auch aus der Notwendigkeit von Dislokationen ergeben haben.

Niederlage der Engländer in Arabien.

Konstantinopel, 9. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Nach Privatnachrichten aus Bagdad griffen die den Türken treuen Stämme Elkiab und Devrek, die auf persischem Gebiete in der Gegend des Flusses Karun wohnen, der sich südlich Bassorah in den Schatt el Arab ergießt, die englischen Trup⸗ pen in der Umgebung von Hasai Hasalie und Elmare an, nahmen tausend Engländer gefangen und erbeuteten 6 Ka nonen, 2 Maschinengewehre und eine Menge Munition und Lebensmittel. Außerdem hatte der Feind eine Anzahl von Toten und Verwundeten.

uglische Volksstimmungen.

In der Newyorker Staatszeitung gibt ein Neutraler folgende Schilderung über die Volksstimmung in England:

Ich bin im Lause des Krieges nun schon das vierte Mal nach London gekommen und halte mich jetzt schon seit den ersten März⸗ tagen hier auf. Während anfänglich auch hier der Haß gegen Deutschland hohe Wogen schlug, ist ein U mschwung in der Stim⸗ mung und Haltung der Bevölkerung schon nach Weihnachten einge⸗ treten. Bei allen denkenden Leuten hat der Haß einem Gefühl der Achtung, vielfach auch der Bewunderung des Feindes Platz gemacht. Ich hörte in einer großen Volksversammlung der sozialisti⸗ schen Arbeiterpartei das Wort von demdeutschen Sauer⸗ teig, der alles durchdringen und der auch England bereits stärker durchsäuert habe, als die regierenden Herren wahrhaben möchten.

Auch sonst sind in der vierstündigen Volksversammlung viele Worte voll Lobes und der Anerkennung gegenüber dem deutschen Wesen, der deutschen Arbeit, den deutschen Leistungen und der deutschen Regierung gefallen. Wäre ähnliches in Frankreich mög⸗ lich? Der Franzose hat oft über seinem blinden Haß gegen alles Deutsche seinen Verstand verloven, der Engländer, soweit er nicht gerade die Aufgabe hat, seine Regierung aus ihrer Klemme zu be⸗ freien, legt sich kühl erwägend folgende Frage vor:Wie können wir die Dummheiten der Regierung wieder gut machen, ohne allzu sehr ramponiert aus der Affäre hervorzugehen? Der Engländer bemüht sich um die Erkenntnis, der der Franzose hart⸗ näckig aus dem Wege geht. Die meisten Engländer, die ich gesprochen habe, sagen ganz aufrichtig:Wir haben die Deutschen unterschätzt. Kein Franzose würde etwas Derartiges sagen. Von dem Deutschen spricht er nie anders als in Ausdrücken des Hasses, der Wut, der Verachtung.... Anerkennung des Wertes der Feinde habe ich bisher nur bei französischen Offizieren und Mannschaften an der Front gefunden. Aber auch sie müssen sehr vorsichtig sein mit ihren Aeußerungen über die Vorzüge der Deut⸗ schen. In St. Germain erlebte ich es, daß verwundete Offiziere einer unpatriotischen Haltung geziehen wurden, als sie sich in ihren Erzählungen der Kämpfe zu weitvergaßen und die Deutschen sieg⸗ reich sein ließen. Die Wahrheit findet in Frankreich während des Krieges kein Ob dach. Sie wird zum Hause hinausgetrieben. In England aber ist man in weiten Kreisen des Volkes auf der Suche nach Wahrheit, weil man überzeugt ist, daß die Regierung und ihre Preßorgane der Wahrheit die Tür verrammeln möchten. Bis in den Februar hinein war der Glaube des Volkes sehr stark ge⸗ wesen, daß die Regierung ihre Verheißungen erfüllen könne. Ver⸗ trauensselig hatte man der Regierung nachgeredet, was sie in Sachen des Millionenheeres Lord Kitcheners, der deutschen Unterseeboote, der Aushungerung des Feindes, seiner militärischen Schwächung dem Volke vorgebetet hatte. Heute aber hört man allenthalben: die Re⸗ gierung hat sich um ihren Kredit geredet. Gegen sie und ihre Ver⸗ sprechungen führen die Exeignisse und Tatsachen, wie die enorme Lebensmittelteuerung, der stupende Mangel an Munition, an Fabrik⸗ arbeitern, das plötzliche Versagen der Kitchenerschen Werbetrom⸗ mel, die schweren Verluste an Schiffen aller Art eine deutliche Sprache, die in allen Schichten verstanden wird...

Ju der gestrigen Volksversammlung(22. Mai), an der über 3000 Personen teilnahmen, konnte ich, obwohl im Laufe der viel⸗ stündigen Debatte mehr als zehn Redner ihre Ansichten vortrugen, auch nicht ein einziges Schmähwort gegen den Feind Englands hören.... Als von einem betagten Manne, seines Zeichens Werk⸗ stättenführer, in einer sehr fachlichen Rede das Wort von dem deut⸗ schen Sauerteig siel, da ertönte aus allen Ecken und Winkeln lebhafter Beifall, und der Redner wurde warm und immer wärmer in seiner Begründung der Notwendigkeit einer alsbaldigen Aussöhnung Englands mit einem Volk, das ich zitiere wörtlich vor und mehr noch in diesem Konflikt so viele Zeichen hervarragen⸗ der Schaffenskraft und untadeligen Willens gegeben hat. Wir eng⸗ lischen Arbeiter würden uns selbst am meisten schädigen, wollten wir dabei beitragen, den Deutschen, den wir brauchen, wie das Licht zum Sehen, zu morden. Was dieser Mann aus dem Volke den Herren Asquith, Grey und Lloyd George an kernigen Wahr⸗ heiten an den Kopf schleuderte, das hätte ebensogut in einem all⸗ deutschen Blatte stehen können. Und nach jedem mit Bosheiten ge⸗ pfefferten Satz wurde dem Redner Zu st im mu ng zuteil. Kein Zwischenruf störte die Harmonie der Versammlung. Sie sollte eine Protestveranstaltung darstellen. In regierungsfreundlichen Blättern war der Arbeiterschaft Englands der Vorwurf unpatriotischen Ver⸗ haltens aus dem Grunde gemacht worden, weil sie für ihre Arbeits⸗ leistungen in den Munitionsfabriken bestimmte Forderungen aufge⸗ stellt hätte, die für unerfüllbar erklärt wurden. Der Zweck der Ver⸗

sammlung war, nachzuweisen, daß auf der einen Seite die hohen Ge⸗ winne der Armeelieferanten, auf der anderen Seite die bitterste Not

infolge der Lebensmittelteuerung die For rechtfertige. Es fiel mir auf, daß in di Meeting zahlreiche Sol⸗ daten, die augenblicklich nicht au der Front weilen, in ihren Kaki⸗ uniformen auftauchten, und daß gegen Schluß der Debatte zwei Sol⸗ daten die Rednertribüne betraten, um kurze zustimmende Erklärun⸗

derungen der Arbeiterschaf!

gen zu der Tagesoronung aozugeben, oc eine harte eerurtellung der

Regierungspoljitik darstellt. Einer von den Soldaten erklärte mit schallender Stimme:Die Franzosen mögen um ihre Nevanche kämpfen und bluten. Warum aber sollen wir englische Arbeiter un⸗ sere Haut zu Markte tragen, um den Herren mit dem großen Beutel die Konkurrenzvom Halse zuhalten?

In den englischen Blättern wird lebhafte Klage geführt, daß keine Begeisterung für den K rieg in den breiten Massen des Volkes zu spüren sei. Die gestrige Versammlung erbrachte mir die Bestätigung für biese Klage. Es ist tatsächlich, das wurde von sast allen Rednern zugegeben, auch nicht die geringste Begeisterung für das Kriegsunternehmen zu merken, das ein gewandter Sozialist als ein unlauterer Wettbewerb bezeichnete, den deutschen Wettbewerb auf zahlreichen Gebieten des Handels auszuschalten.

Die Blockade der englischen Küste.

Turin, 9. Juli.(Ctr. Fekft.) Die Stampa vernimmt aus Sofig: Man telegraphiert aus Athen, daß die englische Flotte mit der Blockade der ganzen griechischen Küste be⸗ gonnen habe. Die griechische Regierung habe einen energi⸗ schen Protest an die Regierung in London gesandt mit der Erklärung, daß die Blockade eine Verletzung der Neutralität Griechenlands darstelle.(Fraukf. Ztg.)

Polnische Heldinnen.

Wien, 9. Juli. Wie hierher aus Piotrkow berichtet wird, sind von den Russen zwei Polinnen in Opocno(Gouvernement Radom) unter der Anklage, flir die österreichisch-ungarische Armee Erkundig⸗ ungsdienste geleistet zu haben, gestellt und öffentlich hingerichtet worden. Vor dem Vollzug der Exekution rief die eine Verurteilte: Es lebe Polen! Die andere forderte die Versammelten zu ver⸗ zweifeltem Kampf gegen den Zarismus auf. Der Heroismus, mit dem beide Polinnen in den Tod gingen, machte im ganzen Bezirk außerordentlichen Eindruck. i

Der russische Freiheitsbringer. Tot erklärte Dumamitglieder.

Aus Kopenhagen, 9. Juli, wird der Frankf. Ztg. be richtet: Die Ehefrauen der zu Bergwerksarbeit verurteilten fünf sozialdemokratischen Dumamitglieder ersuchten laut Nawoje Wremja die Kasse der Reichsduma unter Vorlegung schriftlichen Vollmachten ihrer Ehegatten um Auszahlung des diesen zustehenden fälligen Dumamitgliedsgehalts. Die Auszahlung wurde mit der Begründung abgelehnt, die ver⸗ hängte Strafe bewirke den Verlust aller Bürgerrechte, mithin den bürgerlichen Tod, und Vollmachten verlören ihre Gültig. keit, wenn der Aussteller tot sei.

Die Kabel zwischen Deutschland und Amerika.

Berlin, 9. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die New Nork Times vom 14. Juni enthält den Wortlaut der Note der deutschen Regierung an die amerikanische vom 27. Februar 1915, in der die Frage der Wiederherstellung direkter Kabelverbindung zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland behandelt wird. Die deutsche Regierung erklärte sich darin bereit, die Kosten für die Instand⸗ setzung des Kabels zu tragen und seine Benutzung durch die amt⸗ lichen Vertretungen der Vereinigten Staaten in Deutschland und Oesterreich⸗Ungarn zu gestatten. Ferner sollte das wiederhergestellte Kabel dem Verkehr der amerikanischen Zeitungen mit ihren Kor⸗ respondenten dienen und auch mit gewissen Einschränkungen für den geschäftlichen Privatverkehr zur Verfügung stehen. Die Regierung der Vereinigten Staaten wird unter Hinweis auf die Vorteile, die hieraus auch für das amerikanische Publikum erwachsen, ersucht, die Zustimmung der englischen Regierung zu diesem Vorschlag herbei⸗ zuführen. Sie hat ihn denn auch in London unterbreitet; soviel in⸗ dessen hier bekannt wurde, hat die großbritannische Re⸗ gierung ihn bisher nicht beantwortet.

Die englische Kriegsanleihe in Amerika. Zürich, 9. Juli.(Ctr. Frkft.) Die Verhandlungen der Morgangruppe mit der englischen Regierung wegen Ueber⸗

nahme von 20 Millionen Pfund der neuen Kriegsanleihe scheiterten infolge der Forderung der Gruppe, Steuerfreiheit

für die Zinsscheine zu erhalten. Rekrutierungsversuche in Amerika.

Lyon, 9. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Nouvelliste meldet aus Newyork: Der Vertreter des montenegrinischen Roten Kreuzes, Se⸗ ferowitsch, ist von den Bundesbehörden verhaftet worden. Er wird beschuldigt, die Neutralität der Vereinigten Staaten verletzt zu haben, indem er Rekruten für die montenegrinische

Armee anwarb. Eine Spende Bryaus.

London, 9. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Wie die Times aus Toronto meldet, spendete der frühere amerikanische Staatssekre⸗ tär Bruan 2000 Mark für die deutschen Gefangenen in den kanadischen Gefangenen lagern.

Austausch gefangenen Sanitätspersonals.

Von der Schweizer Grenze, 9. Juli. Wie eine vom französischen Kriegsministerium der Presse mitgeteilte Note ankündigt, ist zwischen der französischen und deutschen Re⸗ gierung ein neues Einvernehmen zustande gekommen be⸗ treffend die Wiederaufnahme des Austausches des gefangenen Sanitätspersonals; von dem Austausch sollen vorläufig nur diejenigen Aerzte, Krankenpfleger und Gehilfen ausgeschlossen sein, deren die feindliche Armeeverwaltung zur Pflege ihrer kriegsgefangenen Landsleute bedarf. Eine Anzahl Aerzte und Pfleger soll bereits als Begleiter der nächste Woche aus⸗ zutauschenden Kriegsinvaliden in ihre Heimat zurückkehren,

(Frankf. Ztg.)

Die mysteriösen Feuersbrünste in England.

Französischen Blättern meldet man aus London, daß die Feuersbrünste in England nicht aufhören. So wurde in den letzten Tagen wieder eine Schuhfabrik in Mar ches field zerstört und in Glasgow kamen bei einem Brande gegen 100 Pferde um. In Liverppl vernichtete ein Großfeuer einen neu⸗ errichteten Speicher und ein angrenzendes Kohlenlager.

Unwetter im Gouvernement Moskau.

T. U. Stockholm, 9. Juli. Wie Rjetsch meldet, zerstörte ein Hagel⸗Unwetter große Erntebestände im Gouvernement Moskau. In der Stadt selbst ist eine große Ueberschwemmung ein⸗ getreten. In dem tiefergelegenen Stadtteil ist der Verkehr nur auf Kähnen möglich.

Pareigenssen! Muileet fir die ee