Ausgabe 
9.7.1915
 
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Während der Arbeit stieß der aus dem Felde beurlaubte Reservist Hugo Leineweber aus Wasenbach auf einen steckengebliebenen Schuß, der sofort explodierte. Leineweber wurde verschllttet und kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus nach Diez. Dort ist er in der Nacht gestorben. Er war 24 Jahre alt. Ein Mitarbeiter namens Schäfer aus Schönborn erlitt Verletzungen an den Armen, die jedoch ungefährlich sind.

Vermischtes.

Noch ein Opfer des Karlsruher Fliegerattentats.

Her bei dem Fliegerüberfall auf Karlsruhe durch Bomben⸗ wplitter schwer verletzte Wagenfabrikant Hermann Brand ist jetzt seinen Verwundungen erlegen. Damit ist die Gesamtzahl der Opfer des Ueberfalls auf unsere Stadt auf 28 gestiegen. Die übrigen Verletzten, die sich noch im Städt. Krankenhaus befinden, sollen

außer Gefahr sein. 8 f Morphiumvergiftung eines Kindes.

Das 2 jährige Söhnchen eines Schieferdeckers in Karlsruhe trank in einem unbewachten Augenblick Morphiumtropfen und starb. Schreckliches Brandunglück.

Die Schlesische Volkszeitung meldet: Am Dienstag abend brach im Hause des Bäckermeisters Heller in Sorau bei Waldenburg ein Dachstubenbrand aus. Da die Bewohner bereits schliefen, konnte sich das Feuer unbemerkt über den ganzen oberen Teil des Hauses ausbreiten. Sieben Personen, darunter fünf aus derselben Fa⸗ milie, kamen in den Flammen vm, zwei andere wurden verletzt. Die

11 ist unbekannt. rsache ist Raubmord auf der Landstraße.

Aus Berlin, 7. Juli, wird berichtet: Auf der Chaussee, die von Oranienburg nach dem 5 Kilometer entfernten Dorfe Schmach⸗ tenhagen führt, ist gestern mittag ein schweres Verbrechen verübt worden. Hier wurde die 35jährige Bäckersfrau Anna Witt aus Schmachtenhagen von einem bisher unbekannten Täter überfallen, beraubt und durch Beilhiebe über den Kopf so schwer verletzt, daß ste noch abends im Oranienburger Krankenhause verstarb.

Telegramme.

Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Heftige Kämpfe in Polen.

Wien, 8. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlaut⸗ dart: 8. Juli 1915.

Russischer Kriegsschauplatz.

In Russisch⸗Polen östlich der Weichsel dauern die Kämpfe fort. Zahlreiche heftige russische Angriffe wurden blutig abgeschlagen. Vor überlegenen feindlichen Kräften, die, zur Deckung von Lublin herangeführt, zum Gegenangriff vorgingen, wurden unsere Trup⸗ ven beiderseits der Chaussee auf die Höhen nördlich Krasnik zu⸗

rückgenommen. 1 Westlich der Weichsel wurden einige russische Vorstellungen er⸗ ürmt. Abgewiesene Vorstöße der Italiener. Italienischer Kriegsschauplatz.

Im Görzischen unternahmen die Italiener gestern wieder ein⸗ zelne Vorstöße. Gegen den Görzer Brückenkopf sandten sie auch Mobilmiliz ins Treffen. Unsere Truppen schlugen sämtliche feind⸗ lichen Angriffe wie immer ab. Am mittleren Isonzo und im Krn⸗ gebiet herrscht Ruhe.

Im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet fanden nur Geschütz⸗ kämpfe statt.

Eine neue Niederlage der Montenegriner.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Auf den Grenzhöhen östlich Trebinje hat nachts zum 7. Juli der Kampf gegen die Montenegriner erneut begonnen. Da der Gegenangriff am 6. ds. Mts. mißlungen war, versuchte der Feind nachts noch einen Vorstoß, der jedoch in unserem Infanterie⸗ und Artilleriefeuer völlig zusammenbrach. Nunmehr herrscht dort Ruhe.

An der übrigen Grenze hat sich nichts wesentliches ereignet.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant.

Italienischer Panzerkreuzer

versenkt!

Wien, 3. Juli.(W. B. Nichtamtl.) Eines unserer Unterseeboote torpedierte und ver⸗ senkte am 7. Juli morgens einen italienischen . TypAmalsi, in der Nord⸗ adria.

Der Chef des italienischen Generalstabs teilt unterm S. Juli morgens 4 Uhr mit:

Eine Geschwaderaufklärung wurde vergangene Nacht auf der oberen Adria ausgeführt. Der KreuzerAmalfi, der hieran teilnahm, wurde bei Tagesanbruch durch ein öster reichisches Tauchboot torpilliert. Das Schiff, hatte sofort Schlagseite nach links. Der Kommandant rief, bevor er die Mannschaft sich ins Meer werfen ließ:Es lebe der König! Es lebe Italien!, in welchen Ruf die auf Hinterdeck aufge stellte Mannschaft mit bewunderungswürdiger Disziplin einstimmte. Der Kommandant verließ als Letzter das Schiff, indem er sich auf ein aus dem Wasser emportauchendes Schiffsboot heruntergleiten ließ. Das Schiff sank bald dar⸗ auf. Durch unsere Hilfe wurden fast die ganze Bemannung und die Offiziere gerettet. Thaon di Revel.

*

Die römische Presse tröstet sich über den Untergang derAmalfi damit, daß bei den ausgezeichneten österreichischen Basen, der Schnelligkeit der Unterseeboote und der Vollendung der technischen Hilfsmittel derartige Zwischenfälle unvermeidbar und vorauszu⸗ sehen seien. Die Torpedierung fand gestern morgen dreißig Kilo⸗ meter von der Küste statt, als dieAmalfi von einer Aufklärungs⸗ fahrt im Golfe von Venedig zurückkehrte. Von Venedig gingen so fort zwei Hospitalschiffe ab.

Die Besatzung betrug rund 900 Mann, davon sollen 500 ge⸗ rettet sein. DieAmalfi ist 1908 in Sestri vom Stapel gelaufen, hatte 10 400 Tonnen, Schnelligkeit 23 Knoten, Bewaffnung vier Kanonen von 254, acht von 190, 18 von 76, zwei von 47 Millimeter, zwei Maschinengewehre, drei Torpedorohre.

Der Hafen von Riga gesperrt.

T. U. Wien, 8. Juli. Das 8 Uhr Abendblatt erfährt liber Kopenhagen aus Petersburg: Der Hafen von Riga ist für den neutralen Handel als gefährdet erklärt und vollständig gesperrt worden. Alle im Rigaer Hafen liegenden russischen Handelsschiffe wurden in die Petersburger Bucht gebracht,

Räumung Venedigs von Kunstschätzen.

T. U. Lugano, 8. Juli. Infolge der Ereignisse am Isonzo sind aus Venedig mehrere Eisenbahnzüge mit wertvollen Kunstschätzen in das Innere Italiens abgegangen. Sie wurden von Truppen der

Mailänder Garnisonen begleitet. Die Flucht der Wohlhabenden aus Venedig ist allgemein.

Der türkische Tagesbericht.

Konstantinopel, 8. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Das Große Hauptquartier meldet: An der kaukasischen Front ver⸗ suchte die von unserem rechten Flügel zurückgeschlagene feind liche Kavallerie, sich in ihrer Stellung zu halten und Gegen⸗ angriffe zu unternehmen. Die Versuche schlugen fehl. An der Dardanellenfront beschoß unsere Artillerie bei Ari-Burnu am 6. Juli wirksam die feindlichen Stel⸗ lungen und verursachte schweren Schaden. Die gegen unseren linken Flügel kämpfende feindliche Artillerie beschoß infolge schlecht gezielten Feuers die eigenen Schützengräben und fügte dadurch ihren eigenen Soldaten beträchtliche Ver luste zu. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr schlugen wir die von Erkun⸗ dungsabteilungen des Feindes versuchten Angriffe ab und fügten ihnen schwere Verluste zu. Während der Feind bei Tekke Burnu mit Aus⸗ und Einbooten beschäftigt war, woran sich Hilfskriegsschiffe und kleinere Boote beteiligten, eröffneten unsere anatolischen Küstenbatterien plötzlich das Feuer auf die genannte Stellung. Eine Granate fiel mitten in ein Bataillon des Feindes und verursachte Verwirrung und Verluste. Dieselben Batterien sprengten ein feind⸗ liches Munitionsdepot in der Nähe in die Luft.

Von den anderen Fronten ist nichts Wichtiges zu melden.

Demoralisierung des Feindes.

Aus Konstantinopel, 8. Juli, wird der Frankf. Ztg. ge⸗ schrieben:

Die Operationen an den Dardanellen nehmen seit eini⸗ gen Tagen einen sehr befriedigenden Fortgang. Während trotz der heftigsten Kämpfe die beiderseitigen Positionen seit Wochen unverändert blieben, ist es jetzt durch einen kühnen Angriff der Türken gelungen, mehrere wich⸗ tige Schützengräben des rechten Flügels den Engländern zu entreißen. Bei der Gelegenheit sind zwei bemerkenswerte Erscheinungen beobachtet worden. Die Franzosen, von denen auch einige gefangen genommen wurden, setzen sich aus jungen, kaum siebzehn Jahre alten Mannschaften zusammen. Sie machen einen geradezu bedauernswerten Eindruck. Unter den Engländern zeigen sich ernste Anzeichen von Dis⸗ ziplinlosigkeiten und Ermüdung. Die englischen Führer müssen zu den stärksten Mitteln Zuflucht nehmen, um ihre Truppen in der Hand zu halten. So feuern die hinter der Hauptfront befindlichen zweiten englischen Schützengräben unbarmherzig auf ihre eigenen Leute, wenn beim Angriff Schützen zurückbleiben oder sich mit Fluchtabsichten tragen.

Das Riesendesizit im englischen Staatshaushalt.

Im englischen Oberhaus zeitigte das lawinenartige Anschwellen der Staatsausgaben infolge des Krieges eine lebhafte Debatte. Lord Midleton brachte eine Resolution ein, daß die Regierung Schritte tun müsse, um die nichtmilitärischen Staatsausgaben zu verringern. Er sagte dabei, daß die letzten Tage eine beträchtlich veränderte Hal⸗ tung der Regierung betreffs des Krieges zeigten. Reden wie die Curzons ließen erkennen, daß die Regierung entschlossen sei, das Volk nicht länger im Zweifel zu lassen, daß die Maske abgenommen und der Ernst der Lage völlig dargelegt werden solle. Die Kriegs⸗ schuld würde März 1916, wenn der Krieg dann beeendet wäre 1293 Millionen Pfund(25 860 Millionen Mark) betragen, die Zinsen würden 58 194000, die Kriegspensionen etwa 19 Millionen Pfund Sterling ausmachen. Demgegenüber ständen, vorausgesetzt, daß die Verbündeten und die Dominions alle aus den Anleihen entstandenen Verpflichtungen erfüllten, nur 62 750 000 Pfund zur Verfügung, sodaß ein jährliches Defizit von 14 250 000 Pfund(285 Millionen Mark) vorhanden sein würde. Dabei fehlten Maßnahmen zur Ab⸗ tragung der neuen Schuld. Midleton kritisierte die einzelnen Resforts und griff die Finanzpolitik der liberalen Regierung, namentlich die Ausgaben für Sozialpolitik und Schulpolitik an und sagte:Wir scheinen ebensowenig finanzielle wie militärische Vor⸗ bereitungen für den Krieg getroffen zu haben. Lord Lansdowne stimmte im allgemeinen den Ausführungen Midletons zu. Lord Staldwyn tadelte, daß der Schatzkanzler nicht sofort bei Kriegsbeginn die Besteuerung erhöht habe. Lord Haldane stimmte der Ansicht zu, daß die Ministerien sehr verschwenderisch wirtschafteten, aber die Debatte mache den Eindruck, als ob es nach dem Kriege genügen würde, neue Steuern zu erheben und im übrigen fortzufahren wie vorher. England werde indessen nach dem Kriege ein ganz anderes, weil viel ärmeres Land sein. Es werde die Vorteile des Prestiges der Vergangenheit und der Tradition verloren haben, die England eine einzigartige Stellung im Handel und in der Industrie gegeben hätten und die es bis jetzt genossen hätte, weil es sie in Besitz hatte, ohne daß Rivalen hineinkommen konnten. Jetzt aber würden die Rivalen ins Feld einbrechen, England werde nicht so viel Ueberfluß an Kapital haben wie andere Länder. Die Kaufleute und Industriel⸗ len würden auf ihre eigenen Hilfsquellen, auf ihr eigenes Geschick, ihre Findigkeit und ihren Unternehmungsgeist angewiesen sein. Es sei daher notwendig, sich jetzt darauf vorzubereiten; eine bessere Er⸗ ziehung sei nötig. Die Kaufleute und Industriellen müßten eine bessere Vorbildung erhalten, wenn sie sich gegen die neue Konkurrenz behaupten sollten. Sparsamkeit müsse aufs entschiedenste geübt wer⸗ den, aber im Schulwesen ebensowenig wie bei den Armeen an der Front.

Die ägyptischen Ulemas und Notabeln

gegen den Krieg.

Konstantinopel, 8. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Wie die Blätter an zuständiger Stelle erfahren, haben sich die Ulemas und Notabeln in Aegypten in Ausübung der ihrem religiösen Amte zustehenden Machtbefugnis versammelt und nach längerer Aussprache beschlossen, bei der britischen Re gierung vorstellig zu werden und zu verlangen, daß dem Krieg gegen den Khalifen in Anbetracht der Tatsache, daß dieser Krieg die religiösen Gefühle verletzte, ein Ende gesetzt werde.

Ein englischer Dampfer von einem Unterseeboot vernichtet.

T. U. Athen, 8. Juli. Der Kapitän des griechischen Dampfers Andromache meldet aus England, daß er am 22. vorigen Mo⸗ nats bei Lundy Island, am Eingange des Bristolkanals, zwei Booten begegnete, in denen 20 Mann der Besatzung des englischen DampfersHopemont sich befanden, der mit einer Kohlenladung nach Alexandrien unterwegs von einem deutschen Unterseeboot ver nichtet worden ist.

Griechische Entrüstung über England.

Wie der Bukarester Seara aus Salonik gemeldet wird, greift die gesamte griechische Presse, auch die russphile, Eng⸗ land wegen der Verfügung der englischen Admiralität betr. die Blockierung der griechischen Küsten an. Eine Deputation des Verbandes der Schiffsgesellschaften sprach beim Ministerpräsidenten Gunaxis vor und er ·

suchte um sofortige Intervention behufs Sicherung des unge⸗ störten griechischen Seehandels. Die Gesellschaften drohe mit Einstellung des Verkehrs und Entlassung des Personals Ganz besondere Entrüstung erregt die Verfügung der eng lischen Regierung, die die Ausfuhr von Lebens und anderen Konsumartikeln aus Aegypten nach Griechen land verbietet. f Kein Eintritt Portugals in den Krieg.

T. Uu. Genf, 8. Juli. Der Madrider Imparcial meldet: Insolge des bevorstehenden Eintritts Portugals in den Weltkrieg, haben in Lissabon revolutionäre Kundgebungen stattgefunden. Diario schreibt, daß bisher keine Kriegsbeteiligung Portugals be schlossen sei und auch keine in Aussicht stehe. In Oporto hat 50 Arbeiterschaft vor dem englischen Konsulat demonstriert.

Nussisches.

Der französische Militärattachee gelyucht!

Von den anläßlich der Moskauer Pogroms von dort flüchtig gewordenen Personen ist eine größere Gruppe nach Rumänien gekommen. Ein unter ihr befindlicher Arzt deutscher Abstammung aus Saratow, der sich nach Brasso und Kronstadt begab, erzählte, wie Az Est meldet, in dortigen Blättern interessante Einzelheiten über seine Erlebnisse: Er war Augenzeuge der Moskauer Ruhestörungen, die mit Un⸗ terstützung der russischen Regierung von der Ochrana ver⸗ anstaltet wurden. Während der ärgsten Ausschreitungen erschien der in Moskau weilende französische Militärattachee auf der Straße. Die tobende Menge, die ihn für eine Deutschen hielt, stürzte sich auf ihn und lyychte ihn. Bis e der Polizei gelang, durch die Masse zu dringen, war der Attachee, der fürchterliche Wunden erlitten hatte, bereits tot.

Verhaftung russischer Würdenträger.

Die Bürgermeister von Windau, Goldingen und Hasenpot in den russischen Ostseeprovinzen wurden auf Befehl von Petersburg verhaftet und unter militärischer Bewachung in das Mitauer Ge⸗ fängnis eingeliefert.

Staatsrat Spahn, der seit langer Zeit Direktor einer Gesell⸗ schaft war, die sich mit der Herstellung von chemischen und 92 stoffen für den Staat beschäftigte, wurde verhaftet und in die vinz Nenissei geschickt. Ein russischer Aufruf an deutsche Soldaten.

In einem siegreich genommenen russischen Schützengraben fand sich der folgende Aufruf an die deutschen Soldaten. Der Ort, wo er gefunden wurde und die Zeit, in der er ver breitet werden sollte, rücken ihn in ein eigenartiges Licht:

Deutsche Soldaten! Wir bringen Euch die Wahrheit.

Zum zweiten Mal schon schleppt man Euch vor die Warschaus und zum zweiten Mal wird Euer Blut zwecklos ver⸗ gossen. Drüben in der Heimat weinen Eure Frauen und Kinder. Ihr selbst erduldet unsägliche Not und geht sicherem Verderben entgegen. Rußlands Armeen sind groß, wie das Meer. Unmög⸗ 5 ist es, sie zu durchbrechen, unmöglich, unser Riefenheer zu be⸗ siegen.

Deutsche Soldaten! Ihr werdet belogen. Eure Armee ist von den Engländern und Franzosen völlig geschlagen worden und flieht. Zwei Millionen deutscher Soldaten sind bereits tot oder verwundet. In einigen Tagen(!) werden die französisch⸗eng⸗ lischen Truppen den Rhein überschreiten. Der Krieg mit sei unsäglichen Jammer wird nach Deutschland hineingetragen,

Hab und Gut wird vernichtet werden.

Deutsche Soldaten! Eure Führer wissen wohl, daß sie den unermeßlichen Reserven Rußlands gegenüber ohnmächtig sind/ aber sie wollen lieber Euer Blut als ihre eigene Eitelkeit o 9 Was kümmert sie menschliches Elend? Was gehen sie die Tränen Eurer Frauen und Kinder an?

Während Ihr hier vor den Schanzen Warschaus einem bluti gen Zusammenbruch entgegengeht, heult schon drüben in Euren. Vaterlande der Hunger. Eure Familien haben kein Brot. Not, bittere Not pocht an ihre Tütre.

Was säumt Ihr noch? Soll Euer Blut zum Dünger für seren Boden werden? Jeder Tag dieses aussichtslosen Kampfes bringt Euch dem Tode und dem Unglück näher. Streckt die Waffen! Kommt zu uns herüber! Ihr habt bereits genug Be⸗ weise Eurer Vaterlandsliebe gegeben, jetzt ist es die höchste Zeit, Eure Vernunft zu beweisen. Wahnwitz wäre es, für eine ver⸗ lorene Sache zu bluten. 5

Wir haben aus dem unzählbaren Menschenmaterial des rus⸗ sischen Kafserreichs neue Millionen an die Front gebracht und Ihr geht völliger Vernichtung entgegen.

Je länger Ihr ausharrt, desto schlimmer wird das Ende, deste⸗ größer die Opfer, desto trauriger das Los Eurer Familien sein.

Die Stunde schlägt. Rettet Euch vor dem Verderben!

Die russische Armee.

In einigen Tagen werden französisch-englische Truppet, den Rhein überschreiten! Und dabei mühen sich die fran⸗ zösisch-englischen Truppen noch heute wie vor Monaten ver · geblich ab, den Deutschen in Frankreich und Belgien irgend welchen beträchtlichen Bodengewinn abzuringen! Immer wieder ist die prahlend angekündigte große Offensive Joffres machtlos in sich zusammengebrochen.Unmöglich ist es, unser Riesenheer zu besiegen und dabei stehen in der Ge⸗ schichte dieses Krieges die Namen Tannenberg, Masuren⸗ schlacht, GorliceTarnow für alle Zeiten eingezeichnet. Von den Karpathenhöhen bis nach Lemberg hat der neueste fieg reiche Vorstoß geführt. Neue Hunderttausende russischer Sol⸗ daten bezeugen dieUnwiderstehlichkeit russischer Heere in deutscher oder österreichisch-ungarischer Gefangenschaft. Rußlands Armeen sind groß wie dasMeer. Aber Ruß⸗ land hat bereits seine mandschurischen Garnisonen auf den europäischen Kriegsschauplatz geführt und die jüngsten Jahr⸗ gänge zu den Fahnen aufgeboten.Jeder Tag dieses aus⸗ sichtslosen Kampfes bringt Euch dem Unglück näher aber das Unglück hieß Przemysl und hieß Lemberg!

Zeitungsvertrieb in Russisch⸗Polen.

Die Norddeutsche Allg. Ztg. teilt mit, daß bei sämtlichen deut⸗ schen Postanstalten in Russisch⸗Polen der Zeitungsvertrieb einge⸗ führt worden ist. Bezogen werden können die in deutscher Sprache innerhalb Deutschlands erscheinenden, sowie eine beschränkte Zahl, polnischer Jeitungen und Zeitschriften. Die Bezieher in Russisch⸗ Polen haben die deutschen Bezugspreise zu entrichten. Gleichzeitig find auch die Ueberweisung von Zeitungen für gewonnene Bezieher, sowie der Versand von Zeitungsbahnhofsbriefen nach Russisch⸗ Polen zugelassen.

Verantwortlicher Redakteur; F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. a Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M.

Verstorbene. Heinrich Specht in Heimertshausen, Kr. Als⸗ feld, 81 Jahre alt. Frau Dorothea Ziegler, geb. Möser in Wieseck, 65 Jahre alt.