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8 3 Und das wäre doch die Hauptsache gewesen. Die Brot und Hessen und Nachbargebiete. Kartoffeln und Fleisch verbrauchende Bevölkerung hat aber
Gießen und umgebung. Der Warenmarkt im Juni.
das erste Recht darauf, zu erfahren, was wird.
Die neuen Höchstpreise für Petroleum. Am 15. Juli treten die vom Bundesrat festgesetzten Höchstpreise für Petroleum in Kraft. Im Großhandel dürfen für 100 Kilo
Das Bild der allgemeinen Marktlage hat sich im Juni weiter Petroleum höchstens 30 Mk. gefordert werden; im Klein⸗
verschlechtert. Wenn auch der Plan unserer Feinde, Deutsch⸗
land auszuhungern, als endgültig gescheitert betrachtet werden darf, handel darf der Preis für das Liter Petroleum 32 Pfg. nicht so haben sich durch das Eingreifen Italiens in den Weltkrieg die Be- übersteigen. Bei Lieferung ins Haus darf ein Zuschlag von zugs möglichkeiten, für uns vermindert, was sich in einer weitern] 2 Pfg. pro Liter erhoben werden. Um zu verhüten, daß Steigerung der Preise für verschiedene Waren zeigt. Es kommen ähnlich wie beim Getreidebandel, wo für Säcke enorme Preise
hierbei in erster Linie in Frage italienische Süd früchte und Ge⸗
müse, aber auch getrocknete Früchte und Gewürze. berechnet worden sind, der gleiche Unfug auch im Petroleum: Das Oelgeschäft leidet ebenfalls gewaltig durch die weitere] geschäft Platz greift, wird ausdrücklich bestimmt, daß für die Ausdehnung des Krieges. Bei Ausbruch der Feindseligkeiten be- Ueberlassung und das Füllen in Behältnisse eine Vergütung fanden sich erhebliche Mengen Oelsaaten für deutsche Rechnung in nicht berechnet werden darf. In der Begründung dieser
italienischen Häfen, welche Vorräte jetzt ausbleiben? Unter den Ge⸗
schädigten befindet sich auch die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Verordnung wird hervorgehoben, daß das Dazwischentreten Konsumvereine. Nach den neuesten Berichten soll das Ausland zahlreicher Händler, die sich nie mit dem Petroleumhandel sämtliche Vorräte an Rosinen⸗ Korinthen und Gewürzen befaßt haben, zu der ungeheuerlichen Preissteigerung geführt in den Produktionsländern aufgekauft haben. Selbst wenn sich diese habe.— Wir vermissen auch eine Bestimmung, die verbietet,
Nachricht nicht bewahrheiten sollte, so werden doch weitere 2 2 Preissteigerungen nicht ausbleiben, da an eine ordnungs⸗ daß die Händle
r ihren Kunden Petroleum nur dann ver⸗
mäßige Verladung der genannten Artikel nicht zu denken ist. Die] kaufen, wenn diese zugleich andere Waren in bedeutenden 8
neue Ernte in Rosinen,
orinthen und andern Südfrüchten wird für] Mengen einkaufen.
uns fiberhaupt nicht in Frage kommen, da in den meisten Produk⸗— Die Gemälde⸗Sammlung, welche 11 5 Fabrikant
tionsländern eine Erledigung der Erntearbeiten nicht möglich sein
wird. Steigende Preise hatten Rohkaffee, Zucker(bezüglich Bo ck in Berlin zum Gedächtnis seines auf dem Schlachtfelde dieses Artikels verweisen wir auf unsern Artikel„Zuckermangel“ in] gefallenen Sohnes der Stadt Gießen gestiftet hat, ist vor⸗ Nr, 134), Margarine, Pflanzen butter, Kunstspeise⸗ läufig im Turmhause am Brand untergebracht. Der Saal
fett. Auch die Butte r preise haben leider im Juni nach vorüber⸗ gehender Ermäßigung eine bedeutende Erhöhung erfahren, da infolge
soll durch eine Querwand mit Türe abgeteilt und die ganze
langanhaltender Dürre die Produktion sehr zurückging. Das gleiche[ Sammlung dann zusammengehängt werden. Gestern wurde ist vom Weichkäse zu sagen. Die Einfuhr von Em mentaler sie von den Stadtverordneten besichtigt, leider hatten sich 1 3 in Tilsiter besteht große Knappheit. In] aber nur wenige Mitglieder dazu eingefunden. Unter den Fleisch⸗ und Würstwaren sind ebenfalls— wie unsere Leser(Femälden befinden sich sehr wertvolle Stücke, und die ganze
und Leserinnen nur zu sehr am eigenen Geldbeutel und Leibe er⸗
jahren mußten— während des Juni infolge der beständig steigenden Sammlung stellt einen sehr erheblichen Wert dar. Unter Viehpreise weitere Preisaufschläge eingetreten und bis jetzt sind die[ anderem befinden sich folgende Werke darunter: Eisenblätter:
Preise noch andauernd hohe.
Durch die strikte Durchführung des österreichisch⸗ungarischen Eier ausfuhrverbots sind die Notierungen für hier ununterbrochen
Fichtenwald bei Sturm(Pastell); Moll: Pommersches See⸗ bad(Aquarell); W. Leibl: Bildnis seines Mitschülers Weiß
höher gegangen. Wie neuerdings verlautet, soll die Zufuhr größerer(Oel); Melchior Lechter: 2 Landschaften(Oel), Damen⸗ Mengen hier aus der Nachbarmonarchie freigegeben sein, d. h. für] bildnis(Oel), Kareisee(Oel), Triptychon(Temperafarben), Rechnung der Zentraleinkaufsgesellschaft. Die Abwicklung des] Landschaft:„Es lacht die Aue“(Oel); Franz v. Lenbach: Marmeladen und Frucht ta f geschaft mar saharshalen. Bildnis Richard Wagners(Oel); Franz v. Stud Ane
durch den Mangel an Zucker. Die Konservenfabriken halten
mit ihren Offerten in Gemüsekonserven neuer Ernte völlig triumphator(Oel), Dämmernacht(Oel); Kockock: Landschaft 4 Die. re. 1 e(Oel); C. F. Deicker: 2 Hundestudien(Rauchbilder; Willi und warme Witterung die Gemüsekulturen ungünstig beeinflußten] Hammacher: Riviera(Del) Kuro w: Alte Dame bei Lam⸗ b dahin. Jedenfalls wird schon der Mangel an Blechdosen eine penlicht(Oel); Graeßel: 2 Enten(Oel); Ludw. Dettmann:
reiserhöhung bezw. Knappheit an Konserven bedingen. Wir wer⸗
den uns also darauf gefaßt machen müssen, Konserven alter Ernte Schreinerwerkstatt, Weihnachten im Wartesaal(beides Tusch⸗ 7 970 5 5 1 2 55 34. 1 8 7 e zeichnungen), Landschaft in Holstein(Aquarell); Walter zeuer Ernte entsprechen. Mit Sauerkraut befürchtet man ahn⸗ Leistikow: Waldecke(Oel), Gotth. Rühl: Der Netzfischer(Oel); liche Erscheinungen. Die Nachfrage nach Tee, Kakao und Scho⸗ F. Puy: Junges Mädchen(Oel); Max Liebermann:
koladen ist weit geringer wie bei Beginn des Krieges und kann
leicht befriedigt werden; die Preise steigen. Hülsenfrüchte wer⸗ Wellen(Aquarell); Hans Peller: Mephisto(Oel), Variete den wenig verlangt: die Preise haben sich behauptet. Reis steht](Oel), Der Perlenkönig(Oel), Der Pascha(Del): Angelica unter der Kontrolle der Zentraleintaufsgesellschaft ebenso Reis] Kaufmann: Damenbildnis(Oel) Dietrichs: 2 Studien⸗ mehl. Beide Artikel waren der Spekulation so gut wie entzogen, köpfe(Oel); Schütz(Goethefreund): 2 Mainlandschaften
so daß weitere Preissteigerungen nicht eintraten. Sonstige Nähr⸗
mittel, wie Gersten⸗ und Haferflocken, Hafermehl,(Oel); Steinkopf: 2 Landschaften mit Tieren(Oel); Carlo Erbswürste sowie Suppen⸗ und Saucenwürfel haben] Dolce(Schule): Betender Engel(Oel); Rob. Hch. Tischbein: sich im Preis nicht vermindert. Z wi eeb eln neuer Ernte(auslän⸗J Madonna(Oel); De icker Vater: 2 Köpfe alter Leute bische, äguptfsche) sind nur kleine Mengen vorhanden, für die phan⸗(Oel); Künstler unbekannt: Antiker Ofenschirm mit 9 Por⸗
tastische Preife verlangt werden.
träts kursächsischer Fürstlichkeiten(Silberstift mit Aquarell),
Die Verbrauchsregelung der Ernte 1915. Am 5. d. Mts. Polnischer Ritter(Oel), Nyymphen von Satyrn überrascht fand in Darmstadt unter dem Vorsitz des Ministers des(Oel); Arland, Alt-Genfer Meister: Damenbild(Elfenbein ⸗ Innern von Hombergk eine Besprechung über die Regelung] miniatur); Stademann: Mondscheinlandschaft(Oel); Tuck: des Verbrauchs der Ernte 1915 statt. Als Regierungsver⸗ Kücken und Spinne(Oel) und noch mehrere Zeichnungen usto. treter nahmen die Ministerialräte Hölzinger und Schliephake.— Kinder an der Lahn. Fast täglich kann man beobach⸗ Geheimer Landesökonomierat Müller und Finanzrat Emmer⸗] ten, daß Kinder an der Lahn herumspielen, die oft erst ein ling teil. Außerdem waren erschienen die Provinzialdirek-] paar Jahre alt sind. Wie leicht ist da ein Unglück passiert. toren und Kreisräte, die Oberbürgermeister der fünf großen] Fällt eins ins Wasser und ist nicht sofort Hilfe zur Hand, so Städte, Oekonomierat Walter als Vertreter der Landwirt- ist es in der Regel verloren; seine Spielkameraden werden schaftskammer, Geheimer Kommerzienrat Dr. Bamberger sses in den seltensten Fällen retten können. Fast täglich be⸗ als Vertreter der Handelskammer Mainz, Bauunternehmer] richten auswärtiger Blätter von ertrunkenen Kindern. Eltern Sames für die Handwerkskammer und Regierungsrat ist daher dringend anzuraten, ihre Kinder nicht an die höchst Knöpfel, sowie Direktor Berg für die Verteilungsstelle für] gefährlichen Spielplätze gehen zu lassen.
Futtermittel. Vertreter der wichtigsten Gruppe, der Ver—— Künstlich erwärmter Erdboden. Aus Dresden braucher nämlich, waren nicht geladen. Diese werden sich] wird von einem interessanten Versuche berichtet. Auf Län⸗ also aus eigenem rühren und bemerkbar machen müssen. Die] dereien der Technischen Hochschule hat man versucht, den Verhandlungen nahmen den Vor- und Nachmittag in An⸗[ Ackerbau künstlich durch ein Röhrensystem zu er⸗ spruch und führten zu einer Einigung in allen wesentlichen wärmen, das an das Elektrizitäts⸗ und Heizwerk ange⸗
Punkten. In welchen, das sagt der offiziöse Bericht nicht.! schlossen ist. Die Erwärmung geschieht mit sogenannter Ab⸗
wärme, die in den meisten lechnischen Betrieben ungenützt entweicht. Auf jenen künstlich geheizten Ländereien hat man jetzt Gartenfrüchte gezogen, die 20 bis 40 Prozent schwerer sind als solche, die auf ungeheiztem, sonst aber völlig gleichem Boden wuchsen. Die Versuche sollen fortgesetzt und nach ausreichenden Erfahrungen von fachmännischer Seite öffentlich dargelegt werden.— Vielleicht kann man dann. schon an Weihnachten Bohnen, Erbsen und Gurken ernten! — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Karl Müller aus Deckenbach, Inf.⸗Regt. 224.— Leutnant Gerhard Kolb aus Wetzlar, Inf-⸗Regt. 69.— Ersatzreservist Georg Schmidt aus Waldgirmes, Inf. Regt. 224.— Musketier Friedrich Waldmann aus Ehringshausen, Kr. Wetzlar, Inf.⸗Regt. 88. ueber die bevorstehende Ernte in Rheinhessen wird aus Alzey geschrieben:„Hundertfältiges Korn. Ein Gang durch die reifenden Aehrenfelder, die golden in der Sonne schimmern und schwer zur Erde niederhängen, erfreut das Auge jedes Naturfreundes und macht das Herz höher schlagen bei dem Gedanken, daß wir ange⸗ sichts dieser Ernteaussichten nicht untergehen werden, daß ein höherer Bundesgenosse mit uns ist und uns helfen will. Aehre an Kehre, darin Korn an Korn, schönes, großes volles Korn und in jeder Aehre 80—100 Körner und darüber⸗ Gleich gut geraten mit wenigen Ausnahmen sind nach den Rheinhessischen Volksblättern in ihrer gleichmäßigen Entwicklung auch die anderen Fruchtarten. Heilig sei uns in diesem Sommer die Frucht des Feldes, ein jeder helfe darum nach Kräften, daß jedes Körnlein unversehrt seinen
allen erfüllen kann.“— Heilig sei die Frucht des Feldes, deshalb
und Spekulantenfinger behütet werden.
Handverlaufsartikeln 12 Proz. des jährlichen Umsatzes. Aft der Umsatz geringer als 35 000 oder höher als 45 000 Mark, so kann beiderseits gekündigt werden. Die Jahrespacht ergab nun in den letzten drei Rechnungsfahren ein durchschnittliches Erträgnis von 8300 Mark, sodaß die Stadt Mainz für das kommende Jahr vor⸗ sichtigerweise 7500 Mark als Einnahme in den Voranschlag 5— stellen konnte. Da Miete und Spesen für das Haus nur etwas über 3000 Mk. betragen, so hat sich dieses Unternehmen recht gut gelohnt
vorgesehen sind. Die Stadtapotheke Mombach brachte in de
jüngften drei Jahren 2600 Mark durchschnittlich, die Stadtapothek
Kostheim 2500 Mark. Soweit die Häuser Eigentum der Stadt sind⸗ ist eine entsprechende Tilgung vorgesehen.
Kreis Friedberg⸗Büdingen.
Gefallen ist in Galizien der Großh. Bergrat Schulz, Vorstand der Großh. Bergwerksdirektion zu Friedberg, im 41. Lebens; Mit ihm verliert der Staat einen treuen, arbeitsfrohen Beamten. der hessische Bergbau einen stets hilfsbereiten Förderer in Rat und Tat. Im März 1905 wurde ihm zunächst auftragsweise die Leitung der staatlichen Braunkohlengrube Ludwigshoffnung bei Wölfersheim übertragen. Am 1. Oktober 1906 wurde er als„Großh. Berg⸗ werksdirektor“ Vorstand der Großh. Bergwerksdirektion Friedberg. In dieser Eigenschaft hat er den Ausbau jenes Werkes und die An⸗ gliederung des großen staatlichen Kraftwerks mit bestem Erfolg gefördert und erreicht, und so aus einer kleinen, wenig. Grube ein großes, modernes Unternehmen entwickeln helfen. A war er schon seit Jahren Vertrauensmann der Knappschafts⸗Be⸗ rufsgenossenschaft und auch sonst in Unfallverhütungs⸗ und Arbeite fürsorgefragen lebhaft tätig. Der Kriegsausbruch rief ihn soglei zu den Fahnen. Zunächst war er Adjutant des Offenbacher Ersatz⸗ bataillons, dann führte er in den Kämpfen in Flandern erst eine Kompagnie, dann ein Bataillon, das er später als Hauptmann in den Karpathen und jetzt in Galizien führte. Er war mit dem Eisernen Kreuz 2. und 1. Klasse und der Hesstschen Tapferkeits⸗ medaille ausgezeichnet worden. Alle, die ihn kannten, werden ihn als prächtigen, tüchtigen Menschen in ehrender Erinnerung behalten.
ö Kreis Wetzlar.
n Ertrunken. In Löhnberg nahm der 20jährige Sohn des Maschinenbauers Zipp am Dienstag abend ein Bad in der Lahn, nachdem er auf dem am Flusse gelegenen Grundstück gearbeitet hatte. Wahrscheinlich war der junge Mann zu erhitzt in das Wasser gegangen, denn obwohl er ein guter Schwimmer war, v ersank er plötzlich in die Tiefe und er trank.
Westerwald und Unterlahn.
„ Opfer der Bergarbeit. Auf der Krupp'schen Eisensteingrube bei Fachingen a. d. Lahn ereignete fich am Dienstag ein Unfall. „Pr
Diethelm mußte bei Tische tun, als ob er noch nirgends ge⸗
Diethelm von Buch enberg. speist habe; er würgte jeden Bissen mit Mühe hinab, und sein
Erzählung von Bertold Auerbach.
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ganzes Heimwesen erschien ihm auf einmal so düster: wie war's draußen in der Welt so hell und freundlich und alles
Diethelm stand erstarrt und biß sich auf die Lippen.] so zuvorkommend, und hier mußte er immer tun, als ob er Was meinte die Frau mit diesen Worten? Wie konnte sie] das Gnadenbrot esse. Die freie Stimmung, die er aus der ahnen, daß heute schon zum zweiten Male ein solcher Ge-] Ferne mitgebracht, war plötzlich gefängnisdumpf, und als danke ihm wie ein brennender Funke in die Seele fiel? Die] er wieder hinabkam und seine Halbkutsche sah, meinte er, er Frau aber schien diese Worte nur unbedacht als scharfe Wider-] müsse gleich wieder anspannen und fort, immer weiter: auf
rede gesprochen zu haben; denn, ohne weiter darauf einzu- der Kalten Herberge, im Stern, in der Post, überall war's gehen, schalt sie die Fränz:„Was laufst so rum wie ein! viel besser, sonniger und luftiger.
Schlittengaul? Wirst doch nicht so daheim rumlaufen Wagen an Wagen kamen angefahren, Herden hielten wollen? Zieh' deine Sonntagskleider aus. ist ja Sünd'] unten am Wege und blökten so kläglich, und Diethelm war's und schad'. Bei rechtschaffenen Bauersleuten ist's immer] wieder, als ob ihn all das neue Besitztum erdrücke; er hatte so gewesen; wenn man heimkommt, zieht man seine Werk- außer Medard noch zwei Schäfer in Dienst genommen, und tagskleider an und legt die guten ordentlich in den Schrank.] noch hatte jeder mehr als die gewohnte Zahl vierhundert zu Aus dem Weg! Darfst mir nichts anrühren. Fahr' in der] hüten. Aber er tat freundlich und wohlgemut, er half selber
Welt herum oder zum Teufel, wohin du magst.“
die Ballen oben in der Luke einziehen, und einmal schrie alles
Der Zorn gegen den Vater ging, wie schon so oft, auch] laut auf, denn Diethelm hatte sich zu weit hinausgewagt, er diesmal an dem Kinde aus; denn einerseits hatte Martha] hing frei in der Luft am Seile, es war ihm, als schwebte er nicht den vollen Mut gegen ihren Mann, andererseits wußte] über dem Abgrund: er wußte nicht, sollte er festhalten oder sie, daß eine Kränkung der Fränz ihm doppelt weh tue. freiwillig hinabstürzen, daß er zerschmettere und alles auf Fränz wollte laut aufweinen, aber Diethelm beschwichtigte sief einmal aus sei; aber unwillkürlich hielt er fest, und beson⸗ und sagte:„Die Mutter hat recht, ganz recht hat sie, aber] ders der Geistesgegenwart und dem entschiedenen Kommando heut' ist eine Ausnahme, heut' kommen noch viele Leut', und] des Schäfersoldaten Munde war es zu danken, daß vor lauter
da darf man nicht so verhudelt rumlaufen.“
Staunen über den möglichen Unfall derselbe nicht eintraf.
„Und ich? Ich kann das Aschenputtel sein?“ fragte die] Die Männer unten ließen leise die Last wieder herabgleiten,
Mutter.
und Diethelm stand schwankend auf dem Boden und fühlte,
„Du mußt dich auch besser antun. Wie gefällt dir das] wie er aus Not und Tod plötzlich wieder ins Leben gestellt Manteltuch? Frau, du wirst dein' Freud' haben an dem] war. Marktgang,“ sagte Diethelm mit zutraulicher Stimme, wäh⸗ Die Gefahr, in der Diethelm geschwebt, hatte plötzlich rend er klein Holz häckelte, eine Aufmerksamkeit, die er seit] wieder all die Liebe Marthas zu ihm geweckt, sie umhalste
den ersten Jahren der Ehe nicht mehr gehabt hatte.
ihn laut weinend und dankte Gott für seine Rettung. Vor
Der Hausfriede war nun notdürftig hergestellt, und einer Stunde noch voll Jähzorn und aiftiger Verwünschungen,
verfiel sie jetzt in die ganz entgegengesetzte Stimmung, daß sie ihren Diethelm„verkindelte“, so daß dieser einst von solcher altmütterlichen Behandlungsart gesagt hatte: es fehlt nichts weiter, als daß ihm seine Frau noch Kindchensbrei koche. Martha duldete es nicht mehr, daß Diethelm irgend Hand anlege; sie besorgte selber die Empfangnahme alles Eingekauften. Diethelm mußte in der Stube sitzen, und wie er draußen lärmen und rufen hörte, kam er sich vor, als wäre er im Fieber gefangen und alles stürmte auf, ihn ein, und er konnte sich nicht wehren und mußte still alles mit sich geschehen lassen.
Endlich waren die leeren Wagen abgefahren, die Herden in den weitläufigen, an das Haus angebauten Ställen unter⸗ gebracht. Es war Abend, und Diethelm fühlte sich so wohl daheim, daß ihm die vergangenen Tage und das Hinaus⸗ sehnen wie ein Traum erschienen. Hier allein war Friede und Glückseligkeit. Er ließ den Munde in die Stube rufen, dankte ihm für seine entschiedene Hilfe und schenkte ihm einen Kronentaler, Munde nahm zaghaft das dargebotene Geld, aber er nahm es doch, und fast stolperte er über Fränz, die am Spinnrocken saß, und verließ ohne ein Wort die Stube. Diethelm war so hingegeben, daß er fast geneigt war, seiner Frau die ganze Lage seiner Verhältnisse zu offenbaren, aber er hielt noch zeitig genug an sich und erklärte ihr nur, daß er entschlossen sei, nur noch diesmal die Handelschaft zu treiben, dann wolle er wieder hier oder anderswo Aecker kaufen und ruhig bauern wie ehedem. Diese tröstliche Aus- sicht, die das Antlitz der Frau fast verjüngte, erfüllte Diet⸗ helm selbst mit einer heiteren Gemütsruhe und in ihm sprach's: es muß alles wieder gut werden, Gott darf eine so schöne Zukunft nicht zuschanden werden lassen.. Eine andächtige Stille herrschte in der Stube, und Diethelm zog die Uhr auf; das war das Zeichen, daß es Zeit zum Schlafen⸗
gehen sei.(Fortsetzung folgt.)
muß sie aber vor jeglicher Besudelung durch schmutzige Wucherer⸗
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