Ausgabe 
9.7.1915
 
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mit allen Kräften erstxebte, zwischen Care

Jzeitung

Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

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Nr. 158

Gießen, Freitag, den 9. Juli 1915

10. Jahrgang

Vom Meltkrieg.

Vom 23. Juni bis 4. Juli!

Von Richard Gädke.

Wir dürfen uns nicht in der Hoffnung wiegen, den Höhepunkt bieses Krieges bereits überschritten zu haben; unzweifelhaft aber hat uns die vergangene Woche ein gut Stück vorwärts gebracht und reiht sich ohne Rückschlag den siegreichen Wochen an, die mit Beginn des Mai für uns eingesetzt haben.

Im Osten sind die russischen Heere auf unserem rechten Flügel weiter nach Osten bis an den Bug und an die Zlota-Lipa unter lebhaften Nachhutgefechten zurückgeworfen worden. Die verbün deten Truppen stehen an dem nächsten Punkte 40 Kilometer östlich Lemberg. Die Armee des Generals v. Linsingen kämpft nunmehr in voller Stärke auf dem nördlichen Dujestr-Ufer und hat sich aus diesem Grunde weit nach Norden hinauf gezogen; links an sie an⸗ schließend geht die österreichische Armee des Generals v. Böhm⸗ Ermolli gegen den Bug in der Linie von Krasne bis nördlich Kamionka⸗Strumilowa vor. Die Russen aber machen ihnen den Rest von Ostgalizien mit größter Hartnäckigkeit Schritt vor Schritt streitig. Der äußerste rechte Flügel der Verbündeten, die öster⸗ reichische Armee Pflanzer⸗Baltin, hält seit vierzehn Tagen fast im rechten Winkel zur Armee Linsingen, die Dujestr-Front von der Mündung der Jlota⸗Lipa bis zur bessarabischen Grenze. Der von ihr zu sichernde Raum verengt sich durch die Fortschritte Linsingens derart, daß wir wohl der Wiederaufnahme auch ihrer angriffs⸗ weisen Tätigkeit entgegensehen dürften.

Das bei weitem größte Interesse aber sammelt sich zurzeit auf die Bewegungen der verbündeten Heere, die unter dem Befehl des Feldmarschalls v. Mackensen vereinigt sind. Das siegreiche und ungestüme Vorwärtsdrängen des verbündeten Heeres vom Dunajee über den San und über Lemberg auf den Bug hatte beträchtliche russische Streitkräfte westlich und östlich der Weichsel in ihrer linken Flanke gelassen. Nur die Unfähigkeit dieser russischen Trup⸗ pen zum Angriff hatte den sehr kühnen Vormarsch der deutschen in östlicher Richtung ohne Gefahr gestattet. Da das aber möglich war, so lockerte sich allmählich der Zusammenhang der in Polen hart⸗ näckig stehenbleibenden russischen Heere mit den auf die Wolhynische Grenze östlich zurückweichenden russischen Truppenteilen. Es wurde Zeit, diesen günstigen Umstand zu benutzen und damit zugleich jede Flankenbedrohung für die Zukunft unmöglich zu machen. Die österreichische Armee des Erzherzogs Joseph Ferdinand, die wäh⸗ rend der San⸗Kämpfe dem Befehl Mackensens unterstellt wurde, war für sich allein nicht stark genug zu dieser Aufgabe. Schon während des Vorgehens auf Lemberg scheint daher die allmähliche Herumschwenkung der deutschen II. Armee aus der östlichen in die nördliche Richtung eingeleitet zu sein eine marsch⸗technisch

keineswegs leichte Aufgabe, besonders wenn man denkt, daß der zahllose Heerestroß in richtigem Verhältnis zu den einzelnen

Armeekorps gleichfalls in die neue Marschrichtung geleitet werden mußte. Zuerst unterstützte der linke Flügel über Ciesanow die Oesterreicher in ihren Kämpfen um den Tanew⸗Abschnitt, dann rückte die Mitte über Rawaruska gegen Zamose und Komarow zu beiden Seiten des oberen Wieprz nach, während der rechte Flügel zunächst noch in nordöstlicher Richtung verblieb und am 28. Juni die Russen bei Mostywjelki schlug. Er warf sie dann weiter auf Krystynopol und Sokal und schließlich über Krylow am Bug(65 Kilometer nordwestlich Kamjonka⸗Strumilowa, 92 Kilometer nörd⸗ Iich Lemberg) zurück, um so jede Gefahr für die eigene rechte Flanke auszuschließen. Augenblicklich befinden sich die verbündeten Trup⸗ ben des Feldmarschalls Mackensen in einer 170 Kilometer breiten Front zwischen Weichsel und Bug auf der Linie Josephow⸗Stary⸗ Zamosz(10 Kilometer nördlich Zamosz)⸗Krylow im siegreichen Vormarsch in fast nördlicher Richtung. Der rechte Flügel scheint noch ein wenig abzuhängen. Man sollte meinen, daß ein weiterer erfolgreicher Vormarsch dieser Heeresgruppe, der sich westlich der Weichsel die deutsch⸗österreichische Armee des Generalobersten v. Woyrsch anschließt, zu glücklichen Ergebnissen führen müßte. Von Lubim, und damit von der südlichen Zufuhrlinie der west⸗ polnischen Armee Rußlands, befanden sich die verbündeten Truppen am Morgen des 5. Juni nur noch 40 Kilometer entfernt; bis Sjedlee aber, an der Bahn Warschau- Brestlitowski haben sie keinen längeren Marsch als die westlich Warschau an der Bzura und Rawka noch haltenden russischen Truppen. Allerdings liegt da⸗ zwischen noch die breite Flußniederung des Wjeprz mit ihrer öst⸗ lichen Verlängerung, der Tysmsenieg. Der Wjeprz mündet bei der Festung Iwangorod in die Weichsel.

Nach Norden sind die Rückzugsstraßen der Russen durch den

befestigten Bug⸗Narew⸗Abschnitt gegen die Truppen Hindenburgs

vorläufig noch gesichert. Inzwischen steigern ihre großen Verluste sich von Tag zu Tag: in den ersten vier Julitagen haben sie schon wieder fast 26000 Gefangene in unseren und der Oesterreicher Händen gelassen. Auf ihre ganz auffällig geringen Verluste an Offizieren muß man immer wieder hinweisen.

Wenn der deutsche Generalstab sich in diesen Tagen entschlossen hat, eine zusammenhängende Darstellung der Kämpfe um Arras, der sogenannten Loretto⸗Schlacht herauszugeben, so scheint er damit andeuten zu wollen, daß er diese Kriegsepisode nunmehr für abge⸗ schlossen hält, so weit wenigstens die Durchbruchsversuche der Fran⸗ zosen in Betracht kommen. Aber schon aus dem ersten Teil der Schilderungen, der den großen Angriff des 9. Mai behandelt, geht hervor, daß wir diesmal mit dem bei weitem ernstesten und schwer⸗ sten Angriff der Franzosen zu tun hatten. So tapfer auch die Stilrme in der Champagne und an den Maashöhen angesetzt waren, sie konnten sich an Größe der eingesetzten Streitkräfte, an Plan- mäßigkeit der Vorbereitung und Durchführung, an hingebender Opferwilligkeit der Truppen, an Entschlossenheit der Führung mit dieser gewaltigen Schlacht nicht vergleichen. Einschließlich der Eng⸗ länder scheinen auf eine Frontlänge von 45 Kilometern über 20 Infanteriebivisionen oder mehr als 250 000 Mann Fußvolk einge⸗ setzt worden zu sein, auf jeden Meter etwa sechs Mann. Auf dem Raume aber, auf dem die französische Heerfüneang Udie Entschefdung bis Neuville, hat man

am ersten Tage fünf Divisionen, oder etwa 70 000 Mann Infanterie, in den Glutofen des Kampfes geworfen, das macht auf den Meter Frontlinie etwa 12 Mann. Und ähnlich gestaltete sich die Wucht des Angriffs an der Loretto-Höhe. Dazu kam die Versammlung einer ungewöhnlich gewaltigen Artillerie, deren Trommelfeuer nach Pri⸗ vatbriefen einen überwältigenden Eindruck gemacht und eine furchtbare Wirkung ausgelöst haben muß, deren nur eine Truppe von eisernen Nerven noch standhalten konnte. Die Franzosen hatten hierfür ihre besten Männer herangeholt: die Krieger der Bretagne, die eisernen Korps von Epinal und Nancy, die Zuaven, die Marokkaner, die Fremdenlegion wetteiferten miteinander um die Palme des Sieges. Aber die ungestüme Tapferkeit des an Zahl überlegenen Gegners brach sich schließlich dennoch an der eisernen Entschlossenheit einer an Tüchtigkeit überlegenen Minderzahl! Uebrigens scheinen die Engländer auch bei diesem Versuche wieder bei aller Tapferkeit im einzelnen, ihre Kräfte möglichst geschont zu haben; die Hauptlast des Kampfes ließen sie die Franzosen tragen, ihr Angriffswille erlahmte jedenfalls früher als der ihrer Ver⸗ bündeten. Daß die Franzosen hier ungeheure Verluste erlitten haben müssen, geht aus der Darstellung des Generalstabes un⸗ mittelbar hervor. Ihren Zweck, die Russen mittelbar zu unter⸗ stützen und zu entlasten, haben sie aber ebenso wenig erreicht, wie die Hauptaufgabe, die Deutschen zu schlagen. Und so will denn der Generalstab mit seiner Veröffentlichung gerade jetzt dem deutschen Volle wohl die Zuversicht einflößen, daß unsere Stellung im Westen unerschütterlich ist, während wir im Osten von Erfolg zu Erfolg fortschreiten.

Im Südwesten Oesterreich-Ungarns stehen die Sachen noch immer auf dem gleichen Fleck, wie in der vergangenen Woche: und auch das wird man als Erfolg unserer Verbündeten buchen müssen. Umsomehr, als in der verflossenen Woche die Italiener endlich mit größeren Kräften angegriffen haben. In der Nacht zum 30. Juni sind sie mit mehreren Divisionen zum Angriff am östlichen Ufer des unteren Isonzo vorgebrochen. Die Angriffe, die sich besonders gegen das Plateau von Doberdo richteten, bald aber auch in nörd⸗ licher Richtung verlängert wurden, sind seitdem mehrfach und auch mit einiger Entschiedenheit wiederholt worden Erfolg haben sie so wenig gehabt, daß der Generalstabschef Cadorna es vorzieht, nur von mißglückten Gegenangriffen der Oesterreicher zu sprechen, aber seinerseits keinen Raumgewinn verzeichnet.

Man weist auf die ungewöhnlich großen Schwierigkeiten hin, die die italienische Offensive in den geographischen Verhältnissen jener Grenzlandschaften findet. Diese Schwierigkeiten des aus der Ebene schroff ansteigenden Felsgebirges mit seinen von langer Hand vorbereiteten starken Sperrbefestigungen sind bekannt und in Rechnung gestellt. Aber das erklärt nicht, warum die Italiener jener Schwierigkeiten mit unzulänglichen Kräften, verkehrten Mitteln und erstaunlicherweise ungenügender Vorbereitung Herr zu werden versuchen. Immerhin wieder steigt die Vermutung auf, daß die italienische Heeresleitung einen beträchtlichen Teil ihrer Streitkräfte noch immer für andere Aufgaben zurückbehält.

An den Dardanellen haben sich die Verbündeten wie⸗ derum schwere Schlappen und beträchtliche Verluste geholt. Die viel⸗ umstrittene Höhe von Krithia, östlich Ari-Burnu, ist noch immer nicht in ihrem Besitz: im Gegenteil scheinen sie gegen die Küste hin Raum verloren zu haben. Das alles läßt ihren Wunsch und ihre andauernden Bemühungen sehr erklärlich erscheinen, noch andere Staaten in dieses übereilt begonnene und mangelhaft durchgeführte Abenteuer hineinzuziehen. Denn unzweifelhaft wäre die Er oberung der Dardanellen ein sehr großer moralischer, militärischer und politischer Erfolg.

* Tageshericht des Großen Hauptguurti Tagesbericht des Großen Hauptguarkiers. Allerlei Teilerfolge in West und Ost. W. B. Großes Hauptquartier, 8. Juli, vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.

Westlich von Souchez gelang es den Franzosen, in ciner Breite von etwa 800 Meter in unseren vordersten Graben einzudringen. Durch einen Gegenangriff wurden sie wieder vertrieben. Ein zweiter Angriff des Feindes brach im Feuer zusammen. Um ein kleines Grabenstück, in dem die Franzosen noch sitzen, wird mit Handgranaten gekämpft.

Gegen die von uns gewonnenen Stellungen westlich Apremont dauerten die feindlichen Angriffe Tag und Nacht hindurch ohne jeden Erfolg an. Die Zahl der Ge

fangenen hat sich auf 3 Offiziere und über 400 Mann erhöht.

Auf der ganzen Westfront fanden lebhafte Artillerie⸗ kämpfe statt.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Ein feindlicher Angriff aus Richtung Kowno wurde unter großen Verlusten für den Gegner abgewiesen.

Beim Dorfe Stegma nordöstlich von Prasznuysz wurden einige russische Gräben genommen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Die Lage der zwischen Dujestr und oberer Weich⸗ sel stehenden deutschen Truppen ist unverändert.

Westlich der oberen Weichsel wurde eine Reihe seindlicher Stellungen gestürmt. Oberste Heeresleitung.

Ein italienisches Luftschiff über Triest.

T. U. Amsterdam, 8. Juli. Reuter meldet vom 5. Juli amtlich aus Rom: Ein italienisches Luftschiff bombardierte

gestern abend Triest und richtete schweren Schaden im Arse⸗ nal an. Es ist unbeschädigt zurückgekehrt.

Die Verluste der englischen Handels marine im Junt T. U. London, 8. Juli. Der Standard gibt bekannt, daß die Verluste der englischen Handelsmarine im Juni 98 Schiffe betrugen, darunter 5 Segelschiffe und 63 Dampfer. Infolge der Zerstörung dieser Schiffe durch den Feind wurden drei Matrosen getötet. l

Ein südafrikanisches Freiwilligenkorps.

T. U. London, 8. Juli. Die engliche Regierung hat das Anerbieten der südafrikanischen Regierung, ein Freiwilligen⸗ korps für den europäischen Kriegsschauplatz zu entsenden, angenommen. Es werden sich unter dem Freiwilligenkorps einige Artillerie-Batterien und schwere Geschütze befinden.

Nach Sibirien verbannt.

Auf Befehl des Höchstkommandierenden von Petersburg ist der Direktor der russischen Staatsbahnen Petersburg⸗Wilna⸗Warschau und Petersburg-Riga, Excellenz Knipper, nach Sibirien verbannt worden. Dem Vernehmen nach hat Knipper dem Eisenbahnminister ein Gesuch unterbreitet, das Angaben über riesige vorgekommene Unterschleife, auf diesen Bahnen unter Beihilfe hoher Personen ent⸗ hielt. Knippers Ersuchen, vor eine Gerichtskommission gestellt zu werden, wurde abgelehnt.

Deutsche und östereichische Kriegsgefangene in Bergwerken.

Kopenhagen, 8. Juli. Nach einer Petersburger Mel⸗ dung der Times arbeiten gegenwärtig etwa 30 000 deutsche und österreich-ungarische Kriegsgefangene, zum Teil Zivil⸗ personen, in den Bergwerken am Don. Sie erhalten angeb⸗ lich die Hälfte des üblichen Tagelohnes. Der Rest der Ge⸗ fangenen wird zu Erntearbeiten hauptsächlich im oberen Wolgadistrikt herangezogen. In ganz Rußland macht sich der Mangel an Erntearbeitern empfindlich bemerkbar.

Krankheitsurlaub des deutschen Botschafters in der Türkei.

Freiherr von Wangenheim, der Botschafter Deutschlands in Konstantinopel, ist erkrankt. Die Aerzte erhoffen eine völlige Wiederherstellung von einer sechswöchentlichen Kur in Bad Na Herr von Wangenheim wird dann wieder auf seinen Posten zurück⸗ kehren. Für die Dauer seiner Abwesenheit vertritt ihn der einstige Vizepräsident des Reichstags, Fürst Hohenlohe⸗Langenburg, ein Schwager des Königs von Rumänien.

Eine Explosion russischen Kriegsgutes.

Die Kölnische Zeitung berichtet nach der Newyorker Tribune über eine Explosion für Rußland bestimmter Explosivstoffe im Hafen von Seattle im Staate Washington: Im Hafen lag ein Leichterschiff mit 15 Tonnen Dynamit, das der Beförderung nach Rußland harrte. Um 3 Uhr nachmittags explodierte die Ladung, zerriß den Leichter in Atome und richtete in der Stadt großen Schaden an.

Die Lage in Mexiko.

Newyork, 8. Juli. Die Lage in Mexiko wird immer verworrener. Gestern fanden heftige Gefechte zwischen beiden Parteien statt, bei denen auf beiden Seiten die Verluste über 2000 Mann betrugen. Dem Vernehmen nach soll ein neuer Aufstand ausgebrochen sein.

Die Pest in China. T. U. London, 8. Juli. Man meldet aus Hongkong, daß die Pest in Ching aufgetreten ist und täglich Hunderte von Opfern fordert, dis am meisten betroffene Provinz sei Canton.

Kriegsnotizen.

Der Kriegsschaden, welcher den evangelischen Kirchenge⸗ meinden Ostpreußens bei den Rufseneinfälken durch Brand, Raub und Zerstörung zugefügt worden ist, wird auf vier Millionen Mark geschätzt. Bisher wurden zwei Millionen Mark angemeldet. 22 Kirchen und 25 Pfarrhäuser sind derartig zerstört worden, daß Neubauten notwendig werden.

In Stockholm kamen Mittwochmorgen 288 deutsche Zivilgefangene aus der russischen Gefangenschaft an. Sie waren meistenteils in Wologda interniert und klagten vielfach über Nahrungsmangel, der sehr fühlbar war. Die meisten setzten abends die Reise nach Berlin fort.

Der Petersburger Rietsch zufolge erhielten sämtliche Hörer der technischen Hochschulen Rußlands den Mobilmachungsbe⸗ fehl. Sie werden ohne Rücksicht auf körperliche Gebrechen oder den Stand ihrer Ausbildung den WMunitions fabriken und den Bergwerken im Uralgebirge zugeteilt, um die Arbeiten der Munitionsfabrik zu beaufsichtigen. Sämtliche Laboratorien des Landes sind für Heereszwecke beschlagnahmt worden.

Den Blättern wird aus London gemeldet: Etwa 20 in verschie⸗ benen Konzentrationslagern internierten Deut⸗ schen ist es gelungen, zu entweichen. Einer von ihnen wurde in den Docks von London in dem Augenblick verhaftet, als er 15 anschickte, einen nach Genua fahrenden französischen Dampfer zu besteigen.

Auf eine Anfrage im englischen Unterhause erklärte Unterstaatssekretär Brace, daß zwischen dem 13. Mai und dem 5. Juni 7144 feindliche Ausländer interniert wurden, wodurch sich die Gesamtzahl auf 28 790 erhöht hat. In derselben

Zeit wurden 4800 Personen einschließlich der Kinder nach Deutsch⸗ land gesandt.