Erfolge gegen die Montenegriner. Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Auf den Höhen östlich von Trebinje fand in den Tagen ein für unsere Truppen erfolgreiches Gefecht statt. Im An⸗ griff eroberten einige unserer Abteilungen nach kurzem heftigen Kampfe eine montenegrinische Vorstellung und trieben die Montenegriner auf die nächsten Höhen zurück. Tags darauf ging eine montenegrinische Brigade nach starker Artillerievor⸗
bereitung zum Gegenangeiff vor, erlitt jedoch im Feuer unserer
Truppen derartige Verluste, daß sie nach einiger Zeit auf die Hauptstellung, aus der sie vorgebrochen war, zurückging. Mehrere unserer Flieger griffen mit Bomben und Maschinengewehrfeuer er⸗ folgreich in den Kampf ein. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. * von Höfer, Feldmarschalleutnant. Russische Kulturtaten.
Basel, 7. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Einem Privat⸗ telegramm des Sonderberichterstatters der Basler Nachrich— ten aus Lemberg zufolge brennen die Ru ssen auf ihrem Rückzuge alles nieder und rauben und morden. In Komarno veranstaltete eine Kosaken⸗ nachhut ein großes Judengemetzel; 75 Juden werden vermißt, 27 Leichen wurden gefunden.
Kopenhagen, 7. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Rußkoje Slowo erfährt aus Orenburg vom 22. Juni: In der Stadt ist ein Befehl des Leiters des Gouvernements ausgehängt über die Verschick⸗ ung von sämtlichen deutschen Untertanen und der mit uns kriegführenden Mächte aus Stadt und Gouvernement Orenburg inerhalb einer dreitägigen Frist und über die Ab⸗ nahme deutscher Schilder bei Handels⸗ und Gewerbe- treibenden.
Die Beschießung von Arras.
T. U. Genf, 7. Juli. Durch das im Norden und Osten unausgesetzt durchgeführte deutsche Bombardement hat die Stadt Arras schwer gelitten. Die Brände wüten unausge⸗ setzt weiter fort. Die Engländer sind durch die Zerstörung der in Arras lagernden Hauptvorräte in allen ihren Unter⸗ nehmungen stark gehemmt. Die Erwartung der fränzösischen Armeepresse, daß die heutige Joffrenote eine glänzende Re⸗ vanche für die bei Fey-en⸗Haye und im Hauptteil des Priesterwaldes erlittenen Schlappen enthalten werde, blieb unerfüllt. Die deutsche Artillerie erschwert nach französischen Privatmeldungen durch weithin beherrschendes Feuer jede Neugruppierung französischer Truppen.
Der türkische Tagesbericht.
Konstantinopel, 7. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) dicht des Großen Hauptquartiers.
Auf der kaukasischen Front fuhr auf dem rechten Flügel unsere Kavallerie nach ernsthaften Kämpfen fort, die feind⸗ liche Kavallerie gegen Osten zurückzuwerfen. Wir machten in dem Kampfe von vorgestern eine Anzahl Gefangene und gewannen Beute..
Auf der Dardanellenfront ist die Lage im allgemeinen
unverändert. Die gewohnten Grabenkämpfe dauern zwar besonders heftig auf unserem rechten Flügel bei Seddeül⸗ Bahr fort, alle diese Kämpfe sind aber für uns günstig. Un⸗ sere anatolischen Batterien haben zahlreiche Explosionen und Brände in dem feindlichen Lager bei Sedd⸗ül-Bahr hervor⸗ gerufen. Unsere Flieger warfen zweimal mit Erfolg Bomben auf die feindlichen Truppen. Vor Ari Burnu bombardierte ein feindlicher Monitor, der sich sichtlich hinter einem Lazarett⸗ schiff verbarg, unsere Landstellungen.
Auf den übrigen Fronten nichts Bedeutendes.
Die Torpedierung der„Carthage“.
Marseille, 7. Juli.(Ctr. Frkft.) Ueber den Untergang der Fb en wird laut einer Meldung der Agence Havas berichtet,
letzten
Be⸗
aß am 3. Juli nach 8 Uhr abends ein dichter Nebel die Mudros⸗ bucht und das Kap Helles, wo die„Carthage“ vor Anker lag, ein⸗ hüllte. Die Landungsoperationen waren im Laufe des Abends be- endigt worden. In diesem Augenblick versenkte ein Unterseeboot, begünstigt durch den Nebel, die„Carthage“.
Die riesigen Verluste der Verbündeten
an den Dardanellen.
Der militärische Mitarbeiter des Mailänder Avanti äußert sich über die Erfolge der Verbündeten an den Dar⸗ danellen sehr pessimistisch und weist auf die riesigen Verluste der Engländer auf diesem Kriegsschauplatze hin. Kein an⸗ derer Kriegsschauplatz habe verhältnismäßig solche gewal⸗ tigen Verluste aufzuweisen. Keiner stimme so nachdenklich und entmutige so sehr, wie dieser.
Rußlands Neutralitätsverletzung und Entschuldigung.
Die schwedische Regierung gibt bekannt:
„Nachdem am 2. Juli die Nachricht von Gotland eingegangen war, daß das deutsche Minenschiff„Albatroß“ bei Kuppen innerhalb der Oestergarnsholm bei Gotland auf Land gesetzt, sowie, daß dieses Fahrzeug von russischen Kriegsschiffen innerhalb des schwedischen Ge⸗ bietes beschossen worden sei, wobei Geschosse über die Holmen gingen und in geringer Entfernung vom Land einschlugen, erhielt der Ge⸗ sandte Sr. Kgl. Majestät in Petersburg sofort Befehl, bei der rus⸗ sischen Regierung kräftig gegen diese Verletzung des schwedischen Territotiums und damit der Neutralität Schwedens zu protestieren. Gleichzeitig wurden der hiesige russische und der deutsche Gesandte schriftlich über das Geschehene unterrichtet und außerdem mitge- teilt, daß auf Grund der von den Behörden den Gotland eingega genen Berichte die notwendigen Internierungsmaßnahmen getroffen worden seien.“
Die russische Regierung hat hierauf folgende Antwort gegeben:
„Nach dem von dem russischen Kommandierenden Admiral einge⸗ gangenen Bericht konnte der Vorfall, der Gegenstand des schwedi⸗ schen Protestes war, sich nur infolge des zufällig herrschenden Nebels ereignen, der verhinderte, die Beschießung genau zu regulieren. Die russische Regierung drückte das lebhafte Bedauern über das Ge⸗ schehene aus, und versicherte, daß sie völlig entschlossen sei, gewissen⸗ haft die schwedische Neutralität zu achten. Im gegenwärtigen Fall
U
liegt nur eine bedauerliche Unachtfsamkeit vor. Es ist den Betreffen⸗ den bestimmte Weisung gegeben, in dieser Beziehung ihre Ausmerk⸗ samkeit zu verdoppeln, um eine Wiederholung solcher Ereignisse un⸗ möglich zu machen. Italienischer Justizmord. Der Kapitän und der Maschinist der„Lemnos“ zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Der Spionageprozeß vor dem Kriegsgericht in Venedig gegen die Besatzung der„Lemnos“ endete mit der Verurtei⸗ lung des Kapitäns Liebsicher und des Maschinisten Hoppe zu je zehn Jahren Zuchthaus und mit der Freisprechung der drei anderen Ange klagten. Der Staatsanwalt hatte gegen alle fünf Angeklagten die Todesstrafe beantragt. Selbst aus den italienischen Zei⸗ tungsauszügen ist leicht die Ueberzeugung zu gewinnen, daß die beiden unglücklichen Verurteilten Opfer der italienischen Spionagepsychose geworden sind. Man belastete sie mit An⸗ klagen wie der, daß sie Umgang mit dem deutschen Konsul, der der Organisator der Spionage gewesen sei, und mit einer deutschen Pflegerin gehabt hätten. Wenige Zeugen wollen auch gesehen haben, wie ein grünes Licht an der„Lemnos“ erschienen sei, was Liebsicher einfach mit dem Reflex des Mondlichtes an den Kajütenfenstern erklärte. Die Gänge, die Liebsicher am Hafen machte, wurden mit seiner Neugierde für Schiffsbewegungen erklärt. Als der Dolmetscher der fünf Angeklagten, wovon kein einziger Italienisch verstand, den Todesantrag des Staatsanwalts mitteilte, hatten zwei Matrosen, die später freigesprochen wurden, Verzweiflungs⸗ ausbrüche und beteuerten ihre Unschuld, während der Kapi— tän, der Heizer und der Koch stoisch diese Probe haßverblen⸗ deter Justiz anhörten. Der Verteidiger, Artillerie-Unter⸗ leutnant Renzo Ascoli, versah sein Amt mit Anstand, er zweifelte die Verläßlichkeit der Zeugenaussagen angesichts der Ueberreizung der Bevölkerung Anconas an, wies darauf hin, daß gerade die„Lemnos“, die ein Spionageschiff sein sollte, von einem österreichischen Torpedo getroffen worden sei. Zum Schluß beteuerten alle Angeklagten in überzeugend— ster Weise ihre Unschuld.
Da gegen das Urteil des Kriegsgerichts eine Berufung unmöglich ist, will Kapitän Liebsicher die Gnade des Königs anrufen.
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Die französischen Justizverbrechen wurden auf energische Intervention der deutschen Regierung s. Z. rückgängig ge⸗ macht. Wir glauben, daß auch im vorliegenden Falle mil Erfolg versucht werden wird, dem schändlichen Justizmord, von italienischen Richtern versucht, entgegenzuwirken.
Zum Attentat auf Morgan.
Der Londoner Daily Telegraph meldet aus Newyork, daß der Mann, der den Anschlag auf Morgan verübte, eigentlich Münter und nicht Holt heißt. und daß sich unter den bei ihm gefundenen Briefen auch ein solcher an den deutschen Kaiser befindet. Aus dem Wortlaut dieses Briefes geht klar hervor, daß man es mit einem Geistesgestörten zu tun hat. Zahlreiche offizielle Persönlichkeiten haben in den letzten Wochen von Leuten, deren Denkvermögen an⸗ scheinend getrübt ist, Drohbriefe erhalten, sodaß sie sich entschlossen haben, einen besonderen Dienst zu ihrer Bewachung einzurichten. So zum Beispiel der Vizepräsident Marshall, der mitteilte, daß er in den letzten Monaten 12 Drohbriefe erhalten habe. Auch der Sicher⸗ beitsdienst für den Präsidenten Wilson, der augenblicklich auf seinem Sommersitz in New⸗Hampsbire weilt, ist verschärft worden.
Nach einer Rotterdamer Meldung wurde Holt tot in seiner Zelle aufgefunden. Offenbar hatte er durch einen Revolverschuß feinem Leben ein Ende gemacht.
Die englische Registrierungsbill angenommen.
Das englische Registrierungsgesetz, durch das die Regie⸗ rung sich einen Ueberblick über das in England noch vorhan— dene menschliche Kriegsmaterial verschaffen will, wurde vom Unterhaus nach lebhafter Debatte mit 253 gegen 30 Stimmen in zweiter Lesung angenommen.
Rumänische Wünsche.
In der Bukarester Zeitung Moldawa fordert Peter Carp die rumänische Regierung auf, ihr Augenmerk auf Bessarabien, dem Rumänien angrenzenden russischen Gouvernement am Schwarzen Meere, zu richten. Der Ar— tikel, überschrieben:„Wir verpassen den richtigen Augenblick“, betont, der gegenwärtige Augenblick gebiete dringend die Eroberung Bassarabiens von dem geschwächten Rußland. Wenn Rumänien diese vielleicht nie mehr wiederkehrende Gelegenheit verabsäume, begehe es ein Verbrechen an seiner eigenen Zukunft. Rumänien müsse aus dem gegenwärtigen Weltkrieg vergrößert hervorgehen und dürfe sich nicht durch Gefühlsschwäche von diesem Ziele ablenken lassen.
Die französischen Operationen in Marokko.
T. U. Genf, 7. Juli. Nach einer Meldung aus Rabat befahl General Henrys, um eine weitere Ausbreitung der aufständischen Bewegung gegen den Fluß Querra zu unterdrücken, den Kolonnen Simon und Derigoine eine Reihe von Operationen, die von Erfolg gekrönt waren. Am 28. Juni überschritten französische Truppen den Fluß Querra und wandten sich nach Kasbah. Nach einer heftigen Kanonade nahmen die französischen Truppen die Höhe und verfag⸗ ten den Feind, der zahlreiche Tole zurückließ. Auf französischer Seite wurden 6 Mann getötet, 22 verwundet, darunter 3 Offiziere. In⸗ folge dieser Operationen wurde die Ruhe unter der Bevölkerung am linken Ouerraufer wiederhergestellt.
Ein internationaler Judenkongreß.
Von dent Niederländischen Komitee der Alliance Israélite Universelle wird ein internationaler Judenkongreß vorbereitet zur Besprechung des Verhältnisses der Juden nach dem Kriege. Ursprünglich sollte der Kongreß in Amerika stattfinden, aber von dort aus machte sich eine Oppo⸗
sition dagegen bemerkbar, weil man— eine Verletzung der Neutralität befürchtete. Das Niederländische Komitee teilt diese Bedenken nicht, es will vielmehr den Kongreß in Hol⸗ land organisieren. Wie wir vernehmen, wird dieser Versuch schon von verschiedenen Seiten begrüßt. 5
Zur Zusammenkunst der Finauzminister der Bundesstaaten. Die Nordd. Allg. Ztg. berichtet: Wie wir hören, handelt es sich bei der Zusammenkunft der Finanzminister der Bun⸗ desstaaten nicht um die Beratung bestimmter Vorlagen, der Zweck der Zusammenkunft ist vielmehr eine allgemeine Aus⸗ sprache über die Finanzlage des Reiches und die mit der finanziellen Kriegführung zusammenhängenden Fragen. Der Chef der Reichsfinanzverwaltung legt in der gegenwär⸗ tigen Zeit ganz besonderers Wert auf die unmittelbare und persönliche Fühlung mit den Leitern der einzelstaatlichen Finanzen.
Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. ———
Bekanntmachung
den Voranschlag der Stadt 925 15 das Rechnungsjahr 1919 betreffend.
Der in der Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung vom
6. Juli 1915 festgestellte Voranschlag der Stadt Gießen für das
Rechnungsjahr 1915, ebenso die Voranschläge des Stadterweiter⸗
ungsfonds, der Armenkasse, des Elektrizitätswerks und der
Straßenbahn, sowie des Gas⸗ und Wasserwerks für dieselbe Zeit,
liegen vom 8. ds. Mts ab während einer Woche auf dem Stadthaus, Gartenstraße 2, Zimmer Nr. 15, offen.
Cs wird dies mit dem Bemerken öffentlich bekannt gemacht, daß die Beteiligten innerhalb der Offenlegungsfrist die Voranschläge einsehen und bei dem Oberbürgermeister schriftlich oder zu Pro⸗ tokoll Einwendungen gegen ihren Inhalt vorbringen können.
In dem Voranschlag der Stadt Gießen ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker herangezogen
werden.
Gießen, den 7. Juli 1915.
. Der Oberbürgermeister: Keller.
Verstorbene. Frau Lina Schudt, geb. Jahre alt.— Frau Wwe. Rau in Großen-⸗Buseck, 76
Fabry in Gießen, 80 Jahre alt.
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