Ausgabe 
29.1.1915
 
Einzelbild herunterladen

davongetragen hätten. Das müssen sie tun, weil bei den neutralen Staaten der Glaube bereits zu wanken begonnen hat, als ob Eng⸗ lond der Alleinbeherrscher aller Meere sei. Aber die neutralen Staaten werden bei der Einschätzung der englischen Nachrichten sicher nicht vergessen, daß England bis jetzt den Untergang des Audacious noch nicht zugogeben hat, obwohl auch dieser englische Verlust einwandfrei und zwar von neutraler Seite festgestellt wer⸗

den konnte. Nussischer Munitions mangel.

Aus dem österreichischen Kriegspressequartier meldet die B. Z.: Uebereinstimmende Meldungen von Artillerieoffizieren be⸗ sagen, daß bei der russischen Artillerie immermehr Munitions⸗ mangel in die Erscheinung trete. Bei den letzten Artillerie⸗ kämpfen wurde konstatiert, daß die Russen diesem Mangel durch Verwendung alter Munition abzuhelfen versuchen.

Der Krieg im Orient. Die Kämpfe im Kaukasus.

Konstantinopel, 27. Jan.(W. B.) Amtlicher Be⸗ richt des Hauptquartiers: Im Kaukasus rückten unsere Truppen, von neuem zur Offensive über gehend, in der Richtung auf Oly vor.

Petersburg, 27. Jan.(W. B.) Amtlicher Bericht der Kaukasus⸗Armee: In der Gegend jenseits des Tschorok und in der Richtung Olty fanden Kämpfe von unter⸗ geordneter Bedeutung statt. An den übrigen Teilen der Front sind keine Aenderungen eingetreten.

Ein mikalückter Landungsversuch.

Konstantinopel, 26. Jan.(W. B. Nichtamtlich) Am 23. De⸗ zember hat der englische KreuzerDoris einen Landungsversuch in der Umgegend von Alexandrette gemacht. Die Engländer wur⸗ den aber gezwungen, sich unter dem Feuer unserer Küstenwache zu⸗ rückzuziehen und verloren sieben Tote.

China und Japan.

Petersburg, 27. Jan.(Ctr. Frkft.) Wie die Peters⸗ burger Telegraphen⸗Agentur aus Peking meldet, hat Chin. am 14. Januar die Abberufung der japanischen Truppen aus der Provinz Schantung verlangt. Japan hat jedoch die Räumung des genannten Gebiets ver weigert mit der Begründung, daß der Krieg mit Deutsch⸗ land fortdauere.

Das japonische Kriegsbudget.

Aus Tokio wird halbamtlich gemeldet: Der Kriegsminister und der Marineminister fordern zusammen für das erste Halbjahr 1015 Sonderkredite im Betrage von 28 Millionen Yen.

Sozialdemokratische Pflicht.

Die Pariser Humanite hat jüngst erneut die gute Be⸗ handlung der französischen Gefangenen in Deutschland festgestellt. Ausnahmen kämen vor, aber

jedes Abweichen von der Regel werde von den Behörden ge⸗

ahndet. Das sozialistische Blatt tritt damit jenen Schwind⸗ lern entgegen, die immer wieder von dem entsetzlichen Los der Franzosen in Deutschland erzählen. Es erkennt offenbar, daß die Verbreitung solcher Nachrichten nicht nur un⸗ moralisch, sondern auch gefährlich ist. Läßt sich eine Regierung unter ihrem Eindruck zu Repressalien be⸗ stimmen, so ist nichts gewisser, als daß ihr Vorgehen den Feind zu Vergeltungsmaßregeln veranlaßt und am Ende sind die Gefangenen auf beiden Seiten die Leidtragenden.

Das sollten aber auch alle die bedenken, die Gerüchte über die Mißhandlung deutscher Gefangener in Frank⸗

reich verbreiten. Keinen Augenblick zweifeln wir, daß solche

Fälle vorkommen, aber wir haben auch soviel Beweise von seinem sehr korrekten Verhalten gegenüber unseren Landsleuten, daß es uns ganz und gar unangebracht scheint, einzelne Gemeinheiten als typisch hinzustellen. Etrfreulicherweise wendet sich die Humanité gegen eine allgemeine Verbreitung der amtlichen Berichte über die deutschen Greuel. Der Temps hat den Geschmack besessen, diesen Bericht als Lesebuch für die Schulen vorzuschlagen, damit die Kleinen schon den nötigen Haß gegen die Feinde Frankreichs in sich aufnehmen. Dar⸗ stellungen, die unter ganz unkontrollierbaren Bedingungen zustande gekommen sind, sollen zur Würde von Dokumenten mit unwiderstehlicher Beweiskraft erhoben werden. Wenn die Humanits solchen Versuchen, den Haß zu verewigen, ent⸗

gegentritt, so erfüllt sie eine der vornehmsten sozialistischen Pflichten, die Pflicht, denen das Handwerk zu legen, die die Kriegsbegeisterung wachhalten wollen, in dem sie den Gegner zum Verbrecher stempeln.

Parlamentsfrieden im Krieg.

Aus Paris, 20. Januar, wird uns geschrieben:

Das Parlament funktioniert wieder. Aber welcher Unter⸗ schied zu den sonst so lebhaften und kampflustigen französt en Parlamentsverhandlungen. Bisher gab es alles in allem drei Kammersitzungen von je einer halben Stunde. In acht Tagen wird wieder eine Sitzung stattfinden. Der Senat hat überhaupt erst eine Sitzung abgehalten. Das Parlament will hübsch artig und brav sein. Solange der Krieg dauern wird, wird im Parla⸗ ment Frieden herrschen. 8

Nicht geradetiefer Frieden, denn dieser Frieden ist nur ganz oberflächlich. Hinter den Kulissen rumort es, ohne daß man deshalb diese hinter verschlossenen Kommissionstüren ausgetragene Konflikte tragisch zu nehmen braucht. Das Parlament bemüht sich so sehr, seden ernsten Konflikt zu vermeiden, oder ihm die Schärfe zu nehmen, daß es ernstlich Gefahr läuft, seine Tätigkeit auf ein bedeutungsloses Geflüster zu beschränken. Man will nicht nur dem Auslande keine Gelegenheit geben, auf innere Zwistigkeiten zu rechnen eine solche Rechnung wäre ganz falsch man will auch der Reaktion jeden Vorwand nehmen, über das Parlament herzuziehen. Denn natürlich war das Parlament der Sündenbock für die Niederlagen im August. Manche vereinfachten oder ver⸗ einfachen die Verleumdung und sagen:Das ist die Schuld der Sozialisten! Das Fehlen der schweren Artillerie, die Lücken in der Ausrüstung zu Beginn der Feindseligkeiten wurden den Geanern der dreijährigen Dienstzeit in die Schuhe geschoben. Es läßt sich sehr leicht das Gegenteil nachweisen; abgesehen davon, daß die Verlängerung des Kasernendienstes Frankreich nicht einen Soldaten mehr gab.

Auf diese in der Bevölkerung kolportierte Verleumdung gab Herr Deschanel die Antwort, als er in seiner Antrittsrede sagte: Wenn das Parlament gewußt hätte, wenn es gewagt hätte, würde sich Frankreich besser befinden. Es sieht jedenfalls nicht so aus, als ob das Parlament jetzt wagen würde, das Programm, das ihm der Kammerpräsident zeichnete, in Angriff zu nehmen. Doch warten wir's ab.

Es soll keineswegs damit gesagt sein, daß das Parlament bis⸗ her nichts getan hätte, oder daß alles sich in holder Eintracht abge⸗ spielt hätte. Aber die ziemlich lebhaften Auseinandersetzungen in den Kommissionen sind für die Augen des Profanen fast unsichtbar. Sie betrafen vor allem drei Dinge: die Vorherrschaft des Parlaments, die Zensur und den militärischen Sanitätsdienst.

Die Vorherrschaft des Parlaments, die in Frankreich eigent⸗ lich keine Frage sein sollte, war anläßlich des möglichen Kompe⸗ tenzkonfliktes mit der Militärbehörde zum Austrag gekommen. Etwa 180 Parlamentarier stehen im Militärdienst und sie be⸗ kamen natürlich zur Ausübung ihres Mandates Urlaub. Nun soll oder kann die ordentliche Session fünf Monate dauern. Unter den Parlamentariern gibt es viele Offiziere d. R., sogar Generäle, die wieder Dienst genommen haben. Haben diese einer Einberufung der Heeresleitung Folge zu leisten, oder geht die Parlamentspflicht vor? Die Parlamentarier denn die Entscheidung lieat natürlich bei ihnen allein haben sich in letzterem Sinne entschieden.

Die Zensur ist eine heikle Sache, über die schon viel Tinte unnütz vergossen worden ist, denn die allmächtige Zensur streicht einfach, was ihr nicht behagt. Am 4. August beschloß das Parla⸗ ment ein Gelegenheitsgesetz, das alle Informationen militäri⸗ scher oder diplomatischer Natur, die dem Feinde nützen, oder die Bevölkerung beunruhigen könnten, mit schweren Strafen belegt. Daraus ist eine allgemeine Präventivzensur entstanden. Kein Mensch könnte sagen schon weil es die Zensur nicht er⸗ lauben würde wie das kam. Jedenfalls ist sie da. Ihre füngste Tat ift die Unterdrückung einer sozialdemokratischen Tageszeitung, die seit Monaten in Paris in russischer Sprache erschien. Uebrigens scheint die französische Presse diese Erdrosselung der Kritik des Zarismus ganz natürlich zu finden. Die Verhand⸗ lungen über die Zensur sind noch nicht beendet. Jedenfalls hat Gen. Varenne auf Grund eines Fraktsonsbeschlusses das ihm an⸗ gebotene Amt des Oberzensoren abgelehnt.

Wegen des Sanitätsdienstes wäre es beinalle zu einem ernst⸗ baften Konflikt gekommen. Die zuständige Kammerkommission wollte sich nämlich in Gruppen teilen, um die Lazarette zu besuchen. Der Kriegsminister wollte nur zwei Mann zusassen, mas die Kom⸗ mission, mit Streik drohend, rundweg ablehnte. Der Krieas⸗ minister hat sich schließlich in das Unvermeidliche der ernsthaften Parlamentskontrolle gefügt.

Wie man sieht, hat das Parlament bisher sich mit der Wahrung seiner Rechte befaßt. Jetzt wird es sie auszuüben haben.

Die Haltung der Vereinigten Staaten. Furcht vor Japan?

Wien, 27. Jan.(Ctr. Frkft.) Die Neue Freie Presse bringt eine interessante diplomatische Information über die amerikanische Konterbandeaktion. Diese sei nicht Selbstzweck, sondern das Mittel eines Druckes zur Ver⸗

hütung japanischer Hilfe für die Tripelentente, d fast schon ausgemacht gewesen sei. Amerika befürchtet Japan den Kaufpreis seiner Hilfe zur Schaffung ei kolossalen Flotte verwendet hätte. Die Aktion se gelungen. Die japanische Hilfe käme nicht mehr in Fre ob jedoch die öffentliche Meinung Amerikas mit dem Er der Scheinaktion zufrieden sei, bleibe ungewiß. 5 Infolge der Bewegung deutscher und irisch Wähler, die die Neutralitätsfrage aufwerfen, Staatssekretär Bryan eine lange Note heraus, die den Pr denten Wilson gegen die Anklage, nicht unparteiisch genug zu sein, in Schutz nimmt. Er zählt verschiedene Fälle auf, in denen er Frankreich und England aufgefordert habe, von, gewissen Handlungen gegen Deutschamerikaner abzustehen, und erklärt auch, daß die britische Ueberlegenheit zur See die einzige wirkliche Grundlage der Klagen bilde. 10 Die Antwort Bryans auf den Brief des Abgeord Stone wird naturgemäß von den englischen Blättern großer Freude begrüßt. Seine Darlegungen darüber, daß die Vereinigten Staaten nicht gezwungen werden könnten auch nicht die Absicht hätten, die Ausfuhr von Kriegs kontrebande nach den Entente-Ländern zu untersagen un seine Erklärung, daß Kriegskontrebande nach allen Ländern gleichmäßig durchgelassen werde, und daß es Sache dieser Mächte felbst sei, den Transport in Feindesland zu verhindern, wird von der Times mit großem Enthusiasmus gewürdigt. 3

Die deutschen Kriegsgefangenen in Japan. Das Japan Chronicle vom 3. Dezember 1914 berichtet: 8 Sonntag, den 22. November drängten sich große Mensche

massen am Bahnhof von Shinagawa leiner Vorstadt von Toki um die deutschen Kriegsgefangenen zu sehen, die nach dem Hong⸗ wanji⸗Tempel im Stadtviertel Asakusa gebracht werden sollten. Der Zug traf eben vor Sonnenuntergang ein. Der Bahnhofsplatz liegt nahe der See und hier war die Menge, die sich zum Empfang der neuen Gäste versammelt hatte, so dicht, daß sich niemand rühren konnte. Aus allen Fenstern streckten sich Köpfe wie junge Vöge aus ihren Nesternn. Hier und da hörte man lautes Rufen aus der Menge und die Stimmen der Polizisten und Soldaten. Auf de Bahnsteig hatte sich mit anderen der Vizepräsident der Staat bahnen eingefunden und dort rschte völlige Ruhe. Die deutschen Kriegsgefangenen traten in Reih und Glied an und trugen 105 Kleidersäcke und Wolldecken. Einer unter ihnen namens Riero(

erregte besondere Aufmerksamkeit, da er sich bei dem Nachtangriff

von Schontansan ausgezeichnet hatte. Eine junge Dame verteilte Blumensträuße mit angehesteten deutschen Grüßen, was viel Auf⸗ merksamkeit erregte und der Menge besonders zu gefallen schien. Große Teilnahme erregte ein etwa fünfzehnjähriger Deutscher, ebenso eine deutsche Dame, die mit einem Kinde auf dem Arm neben den Gefangenen herging. 1 Nach Verlauf einer halben Stunde marschierten die Soldaten aus dem Bahnhof und die Polizei hatte große Mühe, Ordnung zu halten, da jeder die Gefangenen sehen wollte. Diese fuhren mit de Straßenbahn durch die dicht belebten Straßen zum Hongwanfi⸗ Tempel. Es war ein sehr belebtes Bild und einige der Krieg gefangenen winkten mit den Blumensträußen aus den Fenstern d⸗ Wagen.Sie sehen eher aus wie Vergnügungsreisende als w Gefangene, sagte einer der Zuschauer. Das war eine zutreffende Bemerkung. Ich freute mich, daß das japanische Volk seine Kriegs gefangenen gut behandelt und wir hoffen aufrichtig, daß sie während ihres erzwungenen Aufenthaltes in unserem Lande einen Eindruck der japanischen Großmut bekommen werden. 5

Umsturz der Eigentumsordnung.

Die bürgerliche Presse spricht, soweit wir sehen, ei stimmig ihre Zustimmung zur Einführung des Reichsgetreide⸗ monopols aus. Die liberale Presse hat ihre sonst üblichen, Bedenken gegen die staatliche Einschränkung desfreien Wirtschaftsverkehrs vollständig überwunden; sie wie auch die konservative Presse spricht sogar vielfach ihr Bedauern darüber aus, daß diese Maßregel nicht schon früher gekommen ist, ja die agrarische Deutsche Tageszeitung kündigt sogar an, daß man nach dem Kriege etwas schärfer und dringender nach den Gründen werde fragen müssen, die zu dieser Verzögerung geführt haben. Die Kreuzzeitung nennt die Bundesrats⸗ verordnungein neues Stück allgemeiner Wehrpflicht, der 0 sich niemand entziehen kann. 1

Einen Versuch, das Problem etwas tiefer zu fassen, finden wir im Berliner Lokalanzeiger. Dieser nennt die neue Verordnungdas erste wirtschaftliche Monopol, das im Deutschen Reich aufgerichtet wird, nicht um der Reichskasse

17

2 Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 170

Helgestad sah ihn lange und hämisch an.Bist ein kluger Bursche, sprach er,wirst festhalten, was du hast. Hast Lop⸗ pen haben wollen, nimmst den Balsfjord jetzt dazu. Aber halt richtige Rechnung, Paul, richtige Rechnung. Hast den Dänen dahin gebracht, wo er ist, gibt Leute genug, die da meinen. geschieht ihm unrecht. Pfeifen Vögel umher, singen besondere Lieder. Hat einer mir ein Lied vorgesungen nuh! mur⸗ melte er, den Kopf schüttelnd,hast mein Wort, kann nimmer⸗ mehr geschehen.

Ich denke, wir kennen uns, sagte Petersen. Vogels Lied kann Mißtrauen zwischen uns bringen.

Sage mir eines, fragte Niels, indem er seine Augen groß aufmachte.Hat Björnarne niemals mit dir von ihr von dem Mädchen von dem verfluchten Balg gesprochen?

Von Gula niemals. Auf mein Wort!

Der Priester will's behaupten. Sind Stimmen da, die meinen sein wilder Blick flog über den Schreiber hin dann lachte er auf und schlug auf den Tisch.Ist höllische Lüge! Haben mich gebrandmarkt vor allem Volk! Hat's der falsche Däne ausgeschrieen. Denke, du hast ihn, Paul Peter sen, wirst ihn nicht lassen hast ihn!

Paul eilte, diese Szene zu beenden. Er sprach sanft und beruhigend, hoffte, daß ein guter, ruhiger Schlaf helfen und stärken werde, und überließ Helgestad endlich der Sorge seines Onkels und der beiden Jungfrauen.

Als er allein dann in seinem Zimmer war, ging er auf und ab, warf sich in seinen Lehnstuhl und sprang wieder auf. Endlich stand er still und horchte, die schweren Schritte Helge stads polterten über seinem Kopfe. Er sah hinauf und lachte. Alter Narr, flüsterte er,du hast recht. Was ich habe, halte ich fest, und Rechnung will ich mit dir machen, richtige Rechnung. Mein ist jetzt alles, was du erspart, erwuchert und

Keines

ergaunert hast. Loppen, der Balsfjord und dein Wunder von Weisheit und Schönheit, deine Ilda. Was haben sie dem Alten zugeflüstert? Was hat der verdammte Priester geschrie⸗ ben? Ehe er sich rühren kann, muß alles vorbei sein.

Und es wird vorbei sein, sagte er, indem er ein Licht nahm und in die Kanzlei ging.

Er öffnete einen großen düsteren Schrank, der schwarz vor Alter war, und leuchtete hinein. Allerlei schreckliche Instru⸗ mente lagen auf den Brettern. Schrauben und eiserne Keile, rostige Ketten und verstäubte Schnüre. Endlich nahm er eines davon heraus, ein breites Eisenband, das durch ein Gewinde eng zusammengepreßt werden konnte.

Was der menschliche Geist erfinderisch ist, murmelte er, wenn es darauf ankommt, im Dienste Gottes und der Wahr⸗ heit sich anzustrengen.

Er hörte ein Geräusch, und als er umblickte, erschrak er. Ilda stand wenige Schritte von ihm.

Was hast du da? fragte sie, ehe er reden konnte.

Ein probates Mittel gegen Falschheit und Verrat.

Das wäre, was du brauchst, antwortete sie.

Morgen kann es geschehen, sagte er.

Sie faltete die Hände wie in großer Angst und sah ihn starr an.Ich will mit dir sprechen, begann sie leise,es muß so sein.

So komm, fagte er, den Schrank schließend.Wie gern, mein süßes Herz, plaudere ich mit dir.

Bleib, sprach sie,hier zur Stelle sollst du mich hören. Ich habe eine Bitte an dich.

Welche Bitte wäre es, die ich dir nicht gern erfüllte!

Ilda holte tief Atem, ihr Kopf schien einen Augenblick unter der Last niederzusinken, dann richtete sie ihn hoch empor, und mehr wie je sah sie geisterhaft in dem schwarzen Trauerkleide aus.

Rette ihn, sagte sie, mühsam die Worte vorzwängend, rette Johann Marstrand von der Schmach, die ihm droht, und

ich will dich segnen!

Wie kann ich ihn retten, teure Ilda? f Du weißt, daß er unschuldig ist, fuhr sie fort.Oh! bei Gottes ewiger Gnade, tue dies falsche Lächeln ab, weißt, daß auch Afraja die Schuld nicht hat, die du ihm bei legst. 4 Ich lege ihm keine Schuld bei, sagte Paul.Ich will freudig sein, wenn seine Richter ihn lossprechen. 1 Du lügst, du heuchelst! rief Ilda, und die zitternde wegung ihrer Hände verriet ihre Verzweiflung.Es gibt Auge, das in jedes Herz sieht, es gibt ein Ohr, das jeden danken hört. Sieh mich an, Paul, sieh mich an und über dich. Das, antwortete er,will ich dir überlassen, und wie ich fürchte, ist dein Urteil grausam hart. 5 Nein, sagte sie, indem sie seine Hand faßte,ich will bei dir stehen, was auch kommen mag. Dienen will ich dir, wie deine Magd, keine Klage sollst du hören. Nimm alles 7 nimm, was ich habe, nimm mich selbst, wann du willst, ich bin dein Eigentum. Aber rette den unschuldigen Mann, ret ihn! Auf meinen Knieen will ich dir Gehorsam schwören! Wie sie vor ihm kniete, füllten sich seine Augen mit und Hohn.Du kniest vor mir, sprach er langsam, als wolle er seine Lust und ihre Qualen verlängern,warum kniest du Keine Macht hätte dich beugen können. Sprich die Wahrheit, ich will sie hören. Warum kannst du knieend um diest elenden Dänen bitten? 1 Sie beugte den Kopf tief nieder, dann hob sie ihn ruhig zu ihrem Verlobten auf.Weil ich ihn liebe! antwortete sie mit leiser, fester Stimme. Du liebst ihn liebst ihn noch? Noch und immer! sagte sie. 1 Er biß die Zähne zusammen und faßte nach seiner Seite. O! du edle Seele, rief er dann,wie du aufrichtig sein kannst! Du liebst ihn, liebst ihn immer! Und wenn du an meiner Seite liegst, wirst du denken, seine Arme umfassen

du

deinen Leib. Fortsetzung fol

SS