Ausgabe 
28.1.1915
 
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gebrochen ist, findet seinen

auf die geringste Einzelheit vollkommen ist. Das ganze Obergesch e cen Verwundeten eingeräumt und unter der Auflicht 0 gefangenen rufsischen Arztes. Ich unterhielt mich mit ihm min deut⸗ scher Sprache. Er⸗ erklärte mir, daß er und seine kranken Unter⸗ 8 entztickt seien von der Menschlichkeit und Giite der Vehand⸗ lung, von den Erleichterungen, die ihnen von den Siegern gewährt wurden. Die Deutschen leisteten Großartiges in der erstklassigen Jürforge für die verwundeten Gefangenen. Mir wurde das von allen Seften versichert, und in zahlreichen Fällen konnte ich mit meinen eignen Augen und Ohren mich davon Überzeugen, daß ver⸗ legte frangösische englische und belgische Soldaten die⸗ selbe aufopfernde und wirksame Pflege erhielten wie jeder deutsche m Rhei nland kam ich einmal zufällig durch einen großen Saal in einem Milttärlazarett. Ich hörte im Vorbeigehen einen französt⸗ schen Soldaten bitterlich klagen und weinen, weil er glaubte, daß er sterben müsse. Da sah ich, wie ein deutscher Arzt an sein Bett kam den Pioupiou zärtlich um die Schultern faßte und liebevoll zu ihm sagte, wie wenn er zu feinem Bruder spräche:Seti guten Muts,

mein Junge! Ich gebe Dir mein Ehren wort, d

b 95 110 5 8 0 daß Du wieder

Arzt beseelte ist allgemein in den deutschen Krankenhäusern unter

. dem ganzen Pflegepersonal, und besonders rührend sind die Kran⸗ kenschwestern. Jede dieser Schwestern ist ein Engel an Barm⸗

er Geist der Gitte und Menschenliebe, der diesen

berzigkeit: jede ist die personsfizierte Unermüdlichkeit und Güte, un jede versteht ihren Beruf von Grund auf. Der Grundsatz der G5 wissenhaftigkeit und Gründlichkeit, der in jeder Einzelheit der deut⸗ schen Kriegsmaschine zum Ausdruck kommt, hat von den Militär⸗ lazaretten fene Scharen weiblicher Freiwilliger ferngehalten, deren einzige Empfehlung in ihrem guten Willen besteht. Es gemigt nicht, wenn eine Krankenschwestersich betätigen will; sie muß die Pflege sehr genau gelernt haben und all die schweren traurigen Pflichten im Kriegskrankenhaus gut erfüllen können. *

Von der Schlacht in der Nordsee. 5 Englische Schlachtkreuzer in Reparatur.

Haag, 27. Jan.(T. U.) Wie das Handelsblad in einer Privatmeldung mitteilt, haben sich die englischen Panzer⸗ kreuzerPrinceß Royal undNew⸗Sealand ins Dock be⸗ geben zur Ausbesserung der in der Nordsee erlittenen Be⸗ schädigungen. Die falsche Behauptung, daß die englischen Seestreitkräfte keinen Schiffsverlust in der Schlacht gehabt hätten, wird dagegen noch kräftig aufrechterhalten.

Die russische Geldnot behoben!

Rom, 27. Jan.(T. U.) Der Pariser Korrespondent des Corriere d'Italia meldet, England habe Rußlands zurzeit unexportierbare Getreidevorräte im Werte von über 3 Milliarden Mark angekauft und eine sehr bedeutende Summe angezählt. Damit sei Rußlands Geldmangel momentan gehoben und ihm die Fortsetzung des Krieges er⸗

möglicht. Englands Kriegskosten.

Basel, 27. Jan.(W. B. Nichtamtlich.) Die Baseler Nachrichten melden: In der am 17. Januar abschließenden Woche betrugen nach einer englischen Quelle laut Zwischen⸗ bilanz des Schatzkanzlers die Kriegsausgaben 15,3 Millionen Pfund(306 Millionen Mark). Die bisherigen Gesamtkriegs⸗ kosten betragen 207 Millionen Pfund(über 4 Milliarden

Mark). 5 Italienische Kriegskosten.

Rom, 27. Jan.(W. B. Nichtamtlich.) Die Militär⸗ zeitung Esercito Italiano führt aus, daß Italien, falls es sich am Kriege beteilige, außer der Milliarde, die schon jetzt erforderlich sei, in einem Vierteljahr noch ca. 3 Milliarden Lire für den Heeresbedarf werde aufbringen müssen. Avanti meldet aus zahlreichen Ortschaften Kundgebungen gegen den Krieg; stellenweise liefen diese Proteste nicht ohne Zusammenstöße mit der Polizei ab, wobei es auch Ver⸗ wundete gab.

Revolution in Portugal?

Zürich, 27. Jan.(Tu.) Die Neue Züricher Zeitung hat ein chiffriertes Telegramm aus Lissabon erhalten, das besagt, in Portugal sei die Nevolutfon ausgebrochen. Die Regierung sei ge⸗ flürzt worden.

Der Lyon Republicain teilt mit: Das gesamte portugiesischa Kabinett hat demissioniert. Der General Pemento Castro hat vor⸗ läufig den Vorsitz im Ministerium und die provisorische Weiter⸗ führung sämtlicher Portefeuilles übernommen.

Die Opfer des italienischen Erdbebens.

Rom, 27. Jan.(T. U.) Das furchtbare Unglück, das durch das Erdbeben über 5 italienische Provinzen herein⸗ Ausdruck in den vorliegenden statistischen Feststellungen. Der Mattino berichtet, die Zahl der Unglücklichen, die durch das Erdbeben ihren Tod fanden sei auf 44 000 zu schätzen.

Ein Erdbeben auf dem Balkan?

W. B. Hohenheim, 27. Jau. Die hiesige Erdbebenwarte meldet: Heute nacht 2.13 Uhr begannen die Instrumente ein starkes Erbeben zu verzeichnen, dessen Höhepunkt um 2.15 Uhr eintrat. Die Entfernung beträgt 17501800 Kilometer; der Ort des Bebens befindet sich wahrscheinlich auf der Balkan⸗ halbinsel. a

Zerstörung einer englitch⸗ ersi chen Bank.

Kopenhagen, 27. Jan.(T.⸗U.) Tifliser Zeitungen berichten aus Täbris. daß dort die englisch⸗persische Bank vom Volke vollständig demoliert und ausgeraubt wurde.

Untergang eines enalischen Dampfers. Mailand, 27. Jan.(T.⸗U) Die Gazette del Popolo bringt aus Parmouth die Drahtnachricht vom Untergang des englischen DampfersRufia, der mit Kohlen beladen nach Cherbourg unter⸗ wegs war und mit dem britischen DampferAbbes zusammensticß.

llegertod in Johannisthal.

Berlin, 27. Jan.(T.⸗U.) In Johannisthal hat sich gestern ein schwe rer Unfall 0 der den Tod dreier Flieger im Gefolge hatte. Gegen 2 Uhr mittags war der Flieger Müller, der erst von einigen Tagen das Pilotenexamen gemacht hatte, aufgestiegen und verließ das Flugfeld in der Richtung auf den Teltowkanal. Kurz vorher war der Feldwebel Conrad mit Leutnant Böhmer eu einem Rund⸗ fluge aufgestiegen. In einer Höhe von etwa 50 Meter stießen beide Flugzeuge zusammen. Der Zusammenprall war 0 stark, daß beide Apparate in der Luft zerschellten und zu Boden stürzten. Alle drer Flieger kan en unter die Trümmer zu liegen und waren sofort tot

Partei⸗Nachrichten. . Die sozialistische Reichstags fraktion tritt am Dienstag, den 2. Februar im Reichstag zusammen. die Beratungen sind zwei Tage vorgesehen.

Für

Hessen und Nachbargebicte.

Gießen und Umgebung. Die Zeitung.

l Noch niemals wohl, so lange es Zeitungen gibt, sind sie ein so wichtiger Faktor im öffentlichen Leben gewesen, als in der ereignisreichen, weltbewegenden Gegenwart. Denn auch der stumpfsinnigste Mensch wird zum Denken und Urteilen aufgerüttelt, keiner kann sich den Einflüssen der aufregenden Zeit entziehen. Die Tageszeitung ist in diesen Verhältnissen das wich⸗ tigste und einfachste Mittel, sich zurechtzufinden. Für den kritischen Betrachter der Dinge, besonders für den Arbeiter, ist es jedoch nicht gleichgültig, welche Zeitung er liest. Ge⸗ wiß, die Generalstabsberichte, die jeder Tag bringt, sind in allen Zeitungen gleichlautend und auch die amtlichen und halbamtlichen militärischen Depeschen. Denn an ihnen dar! la laut behördlicher Anweisung nichts geändert werden. Wie überhaupt die Möglichkeit kritischer Prüfung der Vorgänge des öffentlichen Lebens sehr beschränkt ist. Vieles, was jetzt gesagt werden möchte, muß auf später verschoben werden. Trotz alledem soll und muß die sozialdemokratische Presse auch in dieser schwierigen Lage die Zeitereignisse von einem besonderen, dem sozialen und Arbeiterinteresse entsprechen⸗ den Standpunkte aus betrachten! Daß uns dabei so eng Grenzen gezogen sind, bedauert ntemand mehr als wir selbst. Wir durften aber darauf vertrauen, daß unsere Leser Ver⸗ ständnis für diese Lage haben werden. Darin sind wir auch nicht getäuscht worden; die Leser der Oberhessischen Volks⸗ zeitung haben gut zu ihrem Blatte gehalten. Das ist auch notwendig! Nach dem Kriege werden wir ein kampfbereites Organ für die Interessen der Arbeiterschaft notwendig brauchen. Sorge darum jeder nach besten Kräften für seine Verbreitung, wozu auch in jetziger Zeit sich noch reiche Ge⸗ legenheit bietet. Werbt in euren Bekannten⸗ und Kollegen⸗ kreisen für den beginneden Monat neue Leser für die

Oberhessische Volkszeitung!

Eine Negelung des Konsums.

Von allen Seiten kommen jetzt Anregungen und Voc⸗ schläge, wie wir haushälterisch mit unseren uns zur Ver⸗ fügung stehenden Nahrungsmitteln umgehen können und der Konsum geregelt und geordnet werden kann. Wir haben schon einmal darauf hingewiesen, daß alle die Vorschläge und Verordnungen, die darauf hinausgehen, durch gute Ratschläge und verständige Vorstellungen an das Publikum zu appel⸗ lieren, zu einem guten Teil wirkungslos bleiben. Außer⸗ gewöhnliche Verhältnisse, wie der Krieg sie auf dem Wirt⸗ schaftsgebiet hervorgerufen hat, erfordern außerordentliche Maßnahmen. Wenn solche Anordnungen im Interesse der Allgemeinheit notwendig sind, wirken Zwangsmaßregeln aus⸗ gleichend gegen alle Bevölkerungsschichten. Es entscheidet nicht mehr der materielle Besitz, sondern alle müssen die Un⸗ bequemlichkeiten über sich ergehen lassen. Gerade dieser Um⸗ stand versöhnt gewissermaßen gegen die Einschränkung, die der einzelne unangenehm empfinden kann, von der er sich aber sagt, daß alle sie gleichmäßig zu ertragen haben.

Sehr wichtig ist die Maßnahme, die darauf hinausgeht, die vorhandenen Getreidemengen nicht der Viehfütterung zu überlassen. Aber es hat sich sehr bald gezeigt, daß diese An⸗ ordnung sehr wenig Erfolg hatte. Denn der Mangel an Futtermitteln hat trotzdem zur Verwendung großer Mengen von Getreide zu Viehfutter Anlaß gegeben, so daß gegen⸗ wärtig damit gerechnet wird, durch Zwang unfere Vieh⸗ bestände zu vermindern, indem größere Abschlachtungen vor⸗ genommen werden.

Wir haben auch den Maßnahmen sympathisch gegenüber⸗ gestanden, die darauf hinausgingen, die vorhandenen Ge⸗ treidevorräte möglichst so einzuteilen, daß sie bis zur nächsten Ernte unseren Bedarf sicher stellen. Der Zusatz von Kar⸗ toffeln und Kartoffelpräparaten erschien notwendig und konnte wirksam sein, wenn diese Anforderung allgemein durchgeführt wird. Weniger zweckmäßig erscheint es schon, wenn jetzt vielfach aufgefordert wird, Kriegsbrot vom Bäcker zu fordern, weil dieser Appell doch nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung befolgt wird.

In letzter Zeit sind die Anregungen gekommen, ob nicht durch erhebliche Erhöhung der Weizen⸗ und Kartoffelpreise diesem Uebelstande abzuhelfen sei. Wir müssen uns mit aller Entschiedenheit gegen diese Vorschläge aussprechen. Die Höchstpreise für Weizen und Roggen sind so hoch, daß eine weitere Hinaufschraubung eine sehr starke Unzufriedenheit in den ärmeren und mittleren Volksschichten hervorrufen muß. Ganz abgesehen davon, daß eine Erhöhung der Kartoffelpreise eine ganz unerhörte schwere Belastung gerade der ärmeren Volksschichten bedeuten würde.

Eine Woche lang lein Mehlverkans! Die soeben vom Bundesrat beschlosfene Verordnung über die Regelung des Verkehrs mit Brotgetreide und Mehl enthält eine Bestim⸗ mung, die schon am gestrigen Dienstag in Kraft trat und besondere Beachtung verdient. Es ist nämlich in der Zeit von Beginn des 26. Januar bis zum Ablauf des 31. Januac 1915 die Abgabe von Weizen-, Roggen⸗, Hafer⸗ und Gersten⸗ mehl im geschäftlichen Verkehr verboten. Zuwiderhand⸗ lungen gegen dieses Verbot find unter hohe Strafe gestellt. Nicht verboten find nur Lieferungen an Behörden, öffent liche und gemeinnützige Anstalten, Händler, Bäcker und Konditoren.

Wieviel Getreide erzeugt Hessen? Vor Ausbruch des Krieges hatte man in Deutschland für die Mengen der Ge treidesorten, die in unserem Vaterlande erzeugt werden, nur in begrenzten Kreisen Interesse. Mehlhändler, Bäcker, Poli- tiker und Statistiker, damit war der Interessenkreis für diese Frage erschöpft. Man seine Semmel und Kuchen ohne viel zu fragen, woher sie kamen. Seitdem wir aber in diesem furchtbaren Weltkampfe stehen und wir das Fehlen einzelner Getreidearten am eigenen

Leibe zu spüren bekommen, hat

sich dies gewaltig geändert. Jedermann aus dem Volke, zu⸗ mal alle Zeitungsleser verfolgen mit dem größten Interesse jede Notiz über unsere Vrotversorgung. Da ist denn gerade zur rechten Zeit ein kleines Büchlein erschienen, das uns über die Getreideerzeugung in unserem engeren Kreise einige Aus⸗ kunft gibt. In dem Wirtschaftlich⸗Statistischen Jahrbuche für das Großherzogtum Hessen, daß die hessischen Handelskam⸗ mern in Verbindung mit der Landwirtschaftskammer und der Handwerkskammer, alljährlich herausgegeben, ist in der eben erschienenen Ausgabe der Getreidebau in den hessischen Pro⸗ vinzen von 1861 bis 1914 behandelt. Man ersieht daraus, daß der Anbau von Weizen, Spelz und Hafer ganz gewaltig in den genannten Jahren zurückgegangen ist, der Anbau von Roggen sich in Starkenburg und Rheinhessen ungefähr gleich blieb, in Oberhessen aber sich beträchtlich erhöht hat, d. h. nur in den Mitteljahren 183387, während er in den Jahren 1913/4 wieder etwas zurückging. Gerste fiel in Starkenburg bedeutend während des in Untersuchung genommenen Zeit⸗ raums, ebenso in Oberhessen, während der Anbau in Rhein⸗ hessen erheblich stieg. Hafer stieg in allen drei Provinzen. Geben wir einige Zahlen in rund tausend Hektar, so finden vir einen Anbau in Starkenburg: Weizen, Spelz: 1. Periode: 1861-65) 13, 2. Periode:(188387) 13, 3. Periode 1913 673 1914) nur. Oberhessen: 1. Periode: 20, 2. Periode: 24, 3. Periode 21. Rheinhessen: 17, 6, 4. Roggen: Rhein⸗ hessen: 18, 20, 22. Gerste: Nheinhessen: 15, 22, 21. Hafer: Starkenburg: 11, 13, 16. Oberhessen: 16, 23, 29. Rhein⸗ hessen: 5, 6, 8. In den nördlichen Staaten unseres Vater⸗ landes ist der Getreideanbau verhältnismäßig größer, weil bier der Weinbau, die Spargelzucht und andere Garten⸗ uflanzen weniger in Frage kommen. In Bayern und Elsaß beeinträchtigt der Hopfenbau die Vermehrung des Getkreide⸗ landes. In Rheinhessen will man jetzt dazu übergehen, alle schlecht sich verzinsenden Weinberge in Getreidefelder um⸗ zuwandeln. 5

Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Gefr. Oswald Riedel aus Gießen, Neserve⸗Infanterie⸗Regiment 116. Unteroffizier Heinrich Klein aus Großenlinden, Infanterie⸗Regiment 168. Reservist Heinrich Jüngling aus Michelau, Reserve⸗Infanterie⸗Regiment 168.

= Schlachlungen in Gießen. Im städtischen Schlachthofe wurden im 4. Vierteljahre des vergangenen Jahres ge- schlachtet: 315 Ochsen(273 im gleichen Zeitraum 1913), 100 Bullen(63), 235 Kühe(192), 351 Rinder(316), 941 Kälber (1277), 454 Schafe(307), 37 Ziegen(10), 3769 Schweine (3246). Die Mehrschlachtungen bei Schweinen beträgt im letzten Vierteljahr rund 500 Stück, denen eine Wenigerschlach⸗ tung von rund 330 Kälber gegenübersteht. Der Mehrbedarf an Schlachtvieh ist bedingt gewesen durch den Konsum der Gefangenen, der Verwundeten und unserer außergewöhnlich starken Garnison. Die Großvieh⸗Schlachtungen sind im Monat Januar stetig zurückgegangen, auch die Schweine⸗ schlachtungen dürften etwas niedriger ausfallen..

An den Streichhölzern sparen! Im Verlauf weniger, Jahre ist der Preis der Zündhölzer infolge der Steuern und zuletzt des Krieges fast auf das vierfache gestiegen. Vorläufig ist das Zündholz im Haushalt noch unentbehrlich; der Ersatz durch Benzinfeuerzeuge hat sich bisher noch nicht überall be⸗ währt; außerdem war lange Zeit Benzin im Kleinverkauk nicht zu haben. Es ist also nötig, daß manan den Streich⸗ hölzern anfängt zu sparen, wie das Scherzwort lautet. Teil⸗ weise wird auch noch recht schlechtes Zeug als Streichhölzer verkauft.

Die Kohlen sind auch immer teurer geworden. Es heißt, daß eine erhebliche Einschränkung der Kohlenförderung erfolgt sei, weil viele Bergarbeiter zum Militär einberufen worden find. Deshalb brauchten aber die Preise nicht zu rteigen, die ohnehin vorher schon hoch genug waren, aber die Kohlenbarone wollen die gute Konjunktur auch ausnützen. Es wird deshalb von verschiedenen Seiten angeraten, mehr mit Koks zu heizen, von dem bei den Gasanstalten große Mengen vorhanden sind. Ein Gemisch von Kohle und Koks oder Brikets ist als Heizmaterial zweckmäßig und zu emp⸗ fehlen. Der gemahlene Koks(Grieskoks) ist auch verhältnis⸗ mäßig billig. 15

Winter. Nun hat sich nach langem Zögern doch der Winter eingestellt und er scheint einige Zeit bleiben zu wollen. Seit mehreren Togen haben wir Schnee und Kälte zur Freude der Wintersvortler und der Jugend, die sich gern mal mit dem Rodelschlitten vergnügt. Das ist ihr gewiß zu gönnen: doch wird die Mehrheit der übrigen Menschen dafür sein, daß die Häste nicht so lange anhält.

Die Kugelschutznanzer. Stellvertr. Generalkommando des 18. Armeekorps gibt bekannt:Der Privatverkauf von Kugel⸗ schutzvbansern wird hierdurch alloemein verboten. Ausgenommen von dem Verbot sind dieienigen Panzer, die non der Gewehr⸗ prüfungskommission geyrüft und nach den hierfür giltigen Fest⸗ setzungen fir brauchbar befunden wurden, was nachzuweisen ist.

Das Riefenmeer der FTeldyost. Nach einer am 16. Januar vorgenommenen Zählung sind an diesem Tage aus dem deutschen Reich 7989 940 Feldpostbriefsendungen nach dem Felde abge⸗ gangen, nämlich 4 304 770 portofreie. also meist bis 80 Er. schwere Briefe und Postlarten und 3 685 170 schwerere frankierte Feld⸗ vostbriefe und Feldvostnäckchen Davon rührten her aus Reichs⸗Postgebiet 6.6 Millionen, aus Banern rund 1 Million, aus Württemberg rund 0,4 Millionen Sendungen.

Strafgelder in Zigarrenfabriken. Uns wird geschrieben: 1. Außerordentlich hart wird es von den Arbeitern empfunden, wenn wegen ganz geringfügiger Sachen der Lohn durch Straf⸗ gelder gekürzt wird. Wie manchmal in sehr ausgiebigem Maße davon Gebrauch gemacht wird, beweist ein Vorfall bei der Firma Schi., Zig.⸗Fabr. in Gießen. Zwei Arbeiterinnen hatten sich etwas faut unterhalten, deshalb verhängte Meister V. kraft seines Amtes für jede Arbesterin 50 Pfg. Strafe. Im übrigen scheint dieser Meister auch sonst nicht allzuzart mit den Arbeitern umzugehen. denn seit seiner Tätigkeit haben diese schon allerlei liebens⸗ würdige Titulationen kennen gelernt. Wir sind der Ansicht, daß man fetzt nicht auch noch Strafen verhängen solle. Der an un für sich geringe Lohn, welcher trotz der gewaltigen Steigerung der Lebensmittel immer noch der gleiche geblieben ist, sollte nicht durch Geldstrasen noch gekürzt werden, denn dadurch kommt die Existenz⸗ möglichkeit der Arbeiter noch mehr in Gefahr. Im übrigen be⸗ zweifeln wir, ob der Meister überhaupt die Berechtigung hatte, in diesem Falle eine Geldstrafe zu verhängen. Dieses Vorkommnis jst wieder ein Beispiel, wie notwendig es ist, daß gerade jetzt die Tabakarbester einmittia zusammenstehen müsfen. Genau so einig. wie sich die Tabakfabrikanten sind, die über eine gute Organisation

Das