———
5
eine günstige Arbeitsgelegenheit.
wenig günstigen Lage des Schreinergewerbes berichtet.
Die Tabakbranche ist zur Zeit sehr gut beschäftigt.
Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 19
Gießen, Samstag den 23. Januar 1915.
Gießen und umgebung. Handelskammern und Volksernährung.
0 Die hessischen Handelskammern haben bei einer Be— sprechung über die Frage der Volksernährung, die am
19. d. M. in Frankfurt a. M. stattfand, folgende Erklärung einstimmig angenommen: a
Die hessischen Handelskammern 182 f 9 kam geben der Ueberzeugun 3 daß, wenn auch genügende Mengen von Ace 3 euts hland vorhanden sind bezw. erzeugt werden können, um die Ernährung der Bevölkerung dauernd zu sichern, es zu diesem Zweck doch unbedingt notwendig ist, alle Maßnahmen zu treffen, 1 5 volle wirtschaftliche Ausnutzung derselben herbeizu—
hren. Hierzu gehören weitere staatliche Anordnungen, wobei . auch vor scharfen Eingriffen in
i e Privatwirtschaft nicht zurückzuschrecken ist, ferner eine nachdrückliche und planmäßige Einwirkung auf die möglichst reichliche Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte in richtiger Auswahl, endlich eine eingehende Aufklärung der ge⸗ samten Bevölkerung über die sparsame und richtige Gestaltung der Ernährung. Die Kammern erklären sich bereit, ihrerseits ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Sonderinteressen an der Er⸗ füllung dieser Aufgaben, soweit sie dazu berufen und imstande sind, mitzuwirken.
Die Handelskammern haben gleichzeitig an das Mini⸗ sterium des Innern die Bitte gerichtet, wegen der Aufklärung der Bevölkerung eine Besprechung mit Vertretern der be— teiligten Kreise abzuhalten, damit diese Aufklärung überall planmäßig und nachdrücklich geschieht.
Der hessische Arbeitsnachweis im Dezember.
Der Mitteldeutsche Arbeitsnachweisverband meldet: * Die im Vormonat geschilderten Arbeitsmarktverhältnisse setzten sich im Monat Dezember fort und zwar in der Richtung, daß in einer Reihe von Gewerben ein Arbeitsmangel sich noch stärker wie seither fühlbar machte, und auf der andern Seite die Verhältnisse der Arbeitsuchenden sich im allgemeinen günstiger gestalteten. Be⸗ sonders günstig lagen die Verhältnisse in den mit Heereslieferunge versehenen Zweigen der Metallindustrie, so daß bei allen Arbeitsnachweisen des Verbands gebietes eine nicht zu befriedigende Nachfrage nach Schlossern, Drehern. Fräsern, Nietern, Schmieden, Elektromonteuren herrschte. Ungünstig waren die Verhältuisse für Goldarbeiter, Graveure, Ciseleure usw. bei denen jedoch die Unter⸗ bringung in andere Berufe teilweise gelang. Die Edelmetallindustrie (Goldindustrie) und Diamantschleiferei in Hanau lagen noch da⸗ nieder. Neben den Angehörigen der Metallbranche war auch für Sattler und Tapezierer die Arbeitsgelegenheit günstig, so zwar, daß nur ein Teil der offenen Stellen besetzt werden konnte. Hier sorgte ein verhältnismäßig großer Uebergang von Tapeziexern, Portefeuillern, Buchbindern, Schuhmachern für einen gewissen Aus⸗ gleich. Auch hier bildeten die Heereslieferungen die Grundlage für In der Holzindustrie haben sich die Verhältnisse ebenfalls gebessert, wenn auch nicht überall in gleicher Welse. So wird von Mainz und Darmstadt von einer Zum Teil gingen Möbelfabriken zu Anfertigung von Heereslieferungen ins⸗ besondere von Sattlerarbeiten, über(Darmstadt). Von den Zwei⸗ gen der Industrie der Nahrungs⸗ und Genußmittel war
im Bäckergewerbe die Nachfrage nach Gehilfen im Anfang des Mo⸗
nats gering. Zu den Weihnachts⸗ und Neujahrsarbeiten konnten jedoch die meisten Arbeitslosen Stellung finden. Teilweise wird über einen Mangel an tüchtigen Metzger⸗ und Bäckergehilfen ge⸗ Hagt(Darmstadt). Das Konditorgeschäft hat etwas nachgelassen. Einige Fipmen arbeiten mit Ueberstunden. Im Schuhmacher⸗ gewerbe war infolge des Preisaufschlages der Rabenaterialien der Geschäftsgang ungünstiger als wie in dem gleichen Monate des Vorjahres. Nur infolge der vielen Einberufungen war es möalich, die Arbeitsuchenden unterzubringen. Die Militärschneide⸗ reien waren ebenfalls gut beschäftigt. So wurden beispfelsweise
bei der Uniformschneiderej G. m. b. H. in Frankfurt a. M., ge⸗
gründet von der Schneider⸗Zwangsinnung, 180—200 Arbeiter be⸗
schäftigt. Dagegen verschlechterte sich der Geschäftsgang in der Zivilschneiderei gegenüber den beiden vorhergehenden Monaten.
Im Baugewerbe besserte sich die Lage etwas. Die Arbeits⸗ losigkeit war verhältnismäßig gering, da eine ziemlich rege Nach⸗ frage nach Bauarbeitern für öffentliche Arbeiten, insbesondere der Heeresverwaltung, bestand. Die größte Zahl der Arbeitslosen ent⸗ fällt auf das Malergewerbe. Teilweise gelang es, diese Leute für Erdarbeiten zu vermitteln, oder aber sie bei den von den Städten eingerichteten Notstandsarbeiten unterzubringen. Eine Reihe von
Bauarbeitern fand auch Unterkunft bei Holefällungsarbeiten. bo⸗ sonders im Großherzogtum Hessen. An einigen Orten(Frank⸗
furt a. M., Darmstadt) wird mit dem Anzichen der, Bautätigkeit gerechnet. Im Dachdeckergewerbe waren die Verhältnisse günstig Imgraphischen Gewerbe ist immer noch keine Besserung eingetreten. In Frankfurt a. M., Cassel, Darmstadt, Offenbach a. M sind Buchdrucker in größerem Umfange zu anderen Berufen über⸗ getreten. Eine größere Schriftgießerei in Frankfurt a. M. hat die Fabrikation von Granatzündern in Angriff genommen. Im Ga st⸗ wirtsgewerbe waren in den bauptsächlich in Betracht kom⸗ menden Städten Frankfurt a. M. und Wiesbaden die Verhältnisse ungünstig, wenn auch die Zahl der besetzten fesden Stellen höher war als in dem gleichen Monat des Vorjahres. Mangel herrschte an Hoteldienern, Restaurations⸗ und Küchenburschen und jungen Saalkellnern. f. 1 5 Für ungelernte A rbeiter war die Beschäftigungs⸗ möglichkeit gut. Das Weihnachtsgeschüft hat, wie in früheren Jahren, einen ähnlichen starlen Bedarf an vorübergehenden Ar⸗ beitsträften erfordert. Die Nachfrage nach kräftigen Erdarbeitern konnte nur teilweise gedeckt werden. Auch für die nächste Zukunft sind die Aussichten keine schlechten. Besonders bevorzugt waren die von der Heeresverwaltung ausgeführten Arbeiten(Namur, Lüttich, Lille, Metz u. dgl.). Dagegen gelang es nicht, für Bahn⸗ bauten und insbesondere für Wasserbauten(Mainkanallsierung Offenbach—Aschaffenburg) die genügende Anzahl von Arbeits⸗ krüfben zu beschaffen. In der landwirtschaftlich en Ver⸗ mittlung war die Nachfrage nach Arbeitskräften geringer als in dem gleichen Monat des Vorjahres, anscheinend infolge der in größerer Anzahl von den großen Gütern Zurückbehaltenen Polen. Das Blumen⸗ und Weihnachtsgeschäft war für die Gärtnerei wenig günstig. Infolge des Wegfalls der Festlichkeiten im Januar dürfte eine Besserung auch in nächster Zukunft nicht zu erwarten. sein. Auf dem weiblichen Arbeitsmarkt wax der Verkehr
in den Dienstbotenabteilungen der Arbeitsämter lebhafter als in
dem gleichen Monat des Vorjahres(besonders in Frankfurt g. M. und Wiesbaden). Auch für Wasch⸗ und Putzfrauen war. genügend Arbeit vorhanden. Für gewerbliche Arbeiterinnen besserten sich
die Verhältnisse gegenüber dem Vormonat weiter, wenn auch in einigen Branchen der Metallindustrie, in denen Arbeiterinnen be⸗
schäftigt sind, noch verliirzt gearbeitet oder zeitweise ausgesent
Hessen und Nachbargebiete.
wurde. Am unglünstigsten lagen die Verhältnisse in der Damen⸗ konfektion. Einen Ausgleich brachte die im großen Umfange, teils von den Arbeitsämtern direßt, teils von den mit ihnen in Ver⸗ bindung stehenden gemeinnützigen Nähstuben vergebenen Arbeiten. In Frankfurt a. M. wurden bei den Nähstuben des Nationalen Frauendienstes insgesamt 525 Näherinnen und Schneiderinnen be⸗ schäftigt, gegen 650 im Vormonat. In Mainz wurden 5—600 Frauen vom Arbeitsamt und vom Nationalen Frauendienst mit der Anfertigung von Zwiebacksäckchen beschäftigt. Auch in Davmstadt konnten Hunderte von Frauen nach dem Bericht des Arbeitsamtes von der Betriebswerkstätte für Heimarbeiterinnen beschästigt wer⸗ den. In Offenbach a. M., wurden ca. 400 Frauen, auch vom Lande mit der Anfertigung von Strohsohlen für Pferde beschäftigt.!
Versorgung mit Dauerwurst.
Von fachmännischer Seite wird uns geschrieben:
Kürzlich ist vom Landwirtschaftsminister die Auffor⸗ derung ergangen, wegen des gegenwärtigen reichen Angebots don Schweinen die Fabrikation von Dauerwurst stärker aufzu⸗ nehmen als bisher. Begründend wurde hervorgehoben, daß später durch den Mangel an Futtermitteln aller Voraussicht nach ein starker Ausfall an schlachtreifen Schweinen sein wird. Gleichzeitig wurde an die Haushaltungsvorstände die Auf⸗ forderung gerichtet, sich mit Vorräten von Dauerwurst zu ver⸗ sehen.
Kann das erstere durchaus gebilligt werden, so muß die Mahnung an die Haushaltungsvorstände als gänzlich unzweck— mäßig bezeichnet werden; denn es wird nur erreicht, daß die wenigen Vorräte an Dauerwaren, die in Deutschland über⸗ haupt vorhanden sind, von dem kaufkräftigen„besseren“ Publikum bald aufgekauft sein werden. Schon heute ist es dem Kaufmann sehr schwer möglich, Dauerwurst für den Detailhandel zu bekommen, weil der größte Teil der leistungs⸗ fähigen Wurstfabriken für den Heeresbedarf arbeiten und in⸗ folgedessen in diesem Winter die Fabrikation von Dauerware fast garnicht oder nur in beschränktem Maße aufgenommen haben. Die Aufforderung des Landwirtschaftsministers wird auch noch den Nachteil zeitigen, daß die Preise für die Dauer—
———
————————ů—[—ð—
Wer mit dem Brote spart, erwirbt sich :: ein Verdienst vor dem Vater land::
ware, die aus den ebengenannten Gründen heute schon erheb— lich angezogen haben, noch ganz enorm in die Höhe getrieben werden. In dem Publikum wird auch jene unsinnige Angst aufs neue angeregt, die in den ersten Augusttagen zu den Masseneinkäufen und Preistreibereien geführt hat.
Noch etwas anderes kommt hinzu: Ebenso wie den Haus— frauen die Waren zum Teil verdorben sind, welche sie in großen Mengen im August gekauft haben, wird es ihnen auch mit der zu hohen Preisen erstandenen Dauerwurst gehen. Die Dauerwurst braucht zur Aufbewahrung Räume, welchen ständig frische Luft zugeführt wird. Wird die Dauerwurst aber in der Wohnung wochen- und monatelang aufbewahrt, so wird sie vielfach grau und ranzig werden. Die wenigsten Konsumenten haben eine Speisekammer, die den Anforderun⸗ gen genügt. Dazu kommt noch, daß jetzt die meiste Dauer⸗ wurst, die in Deutschland fabriziert wird, nur einen kurzen Fabrikationsprozeß durchmacht und nur soweit dem Rauch ausgesetzt wird, wie das zur mindesten Haltbarkeit äußerst notwendig ist. Die Wurstfabrikanten wollen damit den größe⸗ ren Gewichtsverlust, der durch den längeren Rauch entsteht, verhindern. Bei einer solchen Wurst ist die Haltbarkeit aber nur beschränkt und sie ist nicht zu vergleichen mit der Dauer⸗ wurst, die sehr viele Konsumenten durch die Landschlachtungen kennen gelernt haben. Es ist also mit der Eindeckung von Dauerwurst äußerste Vorsicht geboten, weil sonst das dafür ausgegebene Geld vielfach zum Fenster hinausgeworfen sein würde.
Kauincen als Volksnahrunesmittel.
Das Verständnis und die Sorge, daß wir in dem gegenwärtigen Kriege mit dem Nahrungsmittelvorrat, den wir im Lande haben so haushälterisch umgehen müssen, wie nur irgend möglich, scheint sich den breiten Valksschichten noch immer nicht in dem erforder⸗ lichen Maße zu eröffnen. Ein Blick in die Speisekarten der groß⸗ städtischen Speiseanstalten erweist das ohne weiteres. Auch heute noch ist die dargebotene Auswahl an Fleischspeisen dieselbe reichliche wie vor dem Kriege. Kalb⸗ und Hanmnelfleisch werden in ver⸗ schsedenster Zubereitung gereicht, anstatt sich auf Rind⸗ und Schweinefleisch zu beschräyken, das veichlich im Lande ist. Gemlise wird nach wie vor spärlich, nur als„Be'lage“ genossen, aller Mahnungen von Behörden. Aerzten und Volkswirten zu Trotz, das Fleisch durch Gemüse zu ersetzen, das in unserem Lande ausreichend wächst. Auch Fische werden noch immer nicht in der der Zeit an⸗ gemessenen Menge vorgesetzt, obwohl sie wie Fleischspelsen her⸗ gerichtet werden können. Gerade Fische, Hering, Schellfisch, Kabeljau, Klippfisch, Stockfisch bilden ein ebenso wohlfeiles wie gehaltvolles Nahrungsmittel für die minderbemittelten Be⸗
ölkerungskreise. l 2 70 Auf ein 0 durchaus gleichwertiges Nahrungsmittel ist im Zusammenhang mit der Kriegsernährung vor kurzem nachdrück⸗ lich von behördlicher Seite hingewiesen worden, das Kan in chen⸗ fleisch. Der preußische Landwirtschaftsmänister hat an die Land⸗ wirtschaftskammern einen besonderen Erlaß errichtet zur Förderung der Schlacht⸗Kaninchenzucht. Die Schlacht⸗Kaninchengucht hat im Laufe der letzten Jahre eine immer weitere Verbreitung, gefunden, in manchen Landesteilen hat sie sogar eine ziemlich beachtenswerte Bedeutung für die Fleischversorgung gewonnen, und die Landwirt⸗ schaftskammern haben es sich schon immer angelegen sein. lassen, diefen Teil der Kleintierzucht zu fördern. Nach dem Wuunsche des Landwirtschaftsministers soll gerade in der jetzigen Zeit mit Rück⸗ sicht auf die unter Umständen zu erwartende Fleischtnappheit der Schlacht⸗Kaninchenzucht noch mehr Fürsorge als bisher zugewandt werden. Als Volksnahrungsmittel gewinnt das Kaninchpufleisch gerade aber um deswillen Bedeutung, weil sich bei der großen und schnellen Vermehrbarkeit rascher wie bei jeder anderen Tierzucht Erfolge erzielen lassen. Es ist ferner zu beachten, so wird in dem
ministeviellen Erlaß ausgeführt, daß durch die Kaninchen sehr viele
Futtermittel, Küchenabfälle, Erzeugnisse des Hausgartens usw., die für die Großviehzucht nicht in Frage kommen, verwertet werden
wird. Schließlich wird aber durch die Kaninchenzucht die Lamd⸗ wirtschaft, auf deren Schultern ja die Fleischversorgung ausschließ⸗ lich ruht, zu einem gewissen Teile entlastet. Die Kaninchenzüchter nämlich werden meistenteils der übrigen Bevölkerung, wie kleinen Beamten, Handwerkern, Arbeitern usw. angehören. Gerade also die Kreise, in denen eine Steigerung der Lebensmittelpreise am schwersten empfunden wird, könnten mit am ehesten selbst zur Milderung einer etwaigen Notlage beitragen.
In der Tat sprechen alle diese Umstände dafür, daß gegenwärtig versucht werden muß, auch auf diesem Gebiet der Viehzucht das, was überhaupt möglich ist, auch wirklich zu erreichen. Gewiß sind nicht einige Schwierigkeiten zu verkennen, die anfänglich bestehen mögen, enva Unkenntnis über die Art der Zucht, Abneigung gegem Kaninchenfleisch, Beschafsung geeigneten Zuchtmaterials. Aber über sie würde man zweifelsohne hinwegkommen mit Unterstützung der zuständigen Instangen, in erster Linie der Landwirtschaftskammern und der landwirtschaftlichen Vereine, die nicht nur der Aufzucht ihr Interesse zuwenden sollten, sonderm auch, am besten vielleicht in Verbindung mit ländlichen Haushaltungsschulen, für Ausarbeitung und Erprobung einer größeren Anzahl von Zubereitungsrezepten für Kaninchenfleisch Sorge tragen sollten. 8
8 Was eine planmäßige Kaminchenzucht volkswirtschaftlich, im besonderen von dem hier besprochenen Standpunkt der Volks⸗ ernährung aus, bedeutet, lehren folgende statistische Daten, die sich auf das Königreich Sachsen beziehen. Hier war im Jahre 1913 ein Tierbestand von 56 000 Kaninchen vorhanden. Davon wurden im Laufe des Jahres geschlachtet und zum Verkauf gestellt bezw. im eigenen Haushalt verzehrt 51500 Stück. In Gewichtsmasse um⸗ gerechnet bedeutete dies für das Königreich Sachsen einen Bestand von 230 000 bezw. einen Konsum von 206 000 Kilogramm in dem genannten Berichtsjahr. Den Wert der Tiere, das Kilogrammm dur 80 Pfg. angenommen, berechnet die genannte Statistik auf 165 000 Mark. Dazu tritt noch als Erlös für verkaufte und verwertete Kaninchenfelle ein weiterer Betrag von 40 000 Mark. Viele Wenige machen ein Viel.
— Der Neujahrsgruß Scheidemanns. Im Solinger Parteiblatt hatte Genosse Scheidemann am Neujahr einen. Gruß an seine Wähler veröffentlicht. Damit hatte er zu⸗ gleich eine kleine politische Ansprache verbunden, in der er natürlich auf den Krieg bezug nahm und zum Durchhalten aufforderte. Den Neujahrsgruß hatte das Blatt im In⸗ seratenteile abgedruckt unter den übrigen Neujahrsglück⸗ wunschen. Wir haben die Angelegenheit seinerzeit nicht er⸗ wähnt, weil sie ja auch von weiter keiner Bedeutung war. Jetzt scheint sie aber eine solche erlangen zu sollen. Vor kurzem fand in Solingen eine Parteiversammlung statt, in der an dem Glückwunsch-Inserat Scheidemanns lebhafte Kritik geübt wurde. Wie berichtet wird, äußerten sich zehn Redner zu der Sache, aber nur einer versuchte ihn zu ver⸗ teidigen; dieser eine meinte, Scheidemann werde so etwas gewiß nicht wieder tun. Es wurde gewünscht, daß Scheide⸗ mann in einer Parteiversammlung das Inserat doch einmol näher erläutern sollte.— Uns will scheinen, daß man sich in. Solingen zuviel mit Kleinigkeiten abgibt.
Keine Feldpakete im Januar. Eine Annahme von Feld⸗ paketen findet im Januar nicht statt. Voraussichtlich wird eine Annahme Mitte oder Ende Februar wieder stattfinden.
— Städtische Nahrungsmittel⸗Versorgung. In Darm⸗ stadt brachte die sozialdemokratische Fraktion folgenden An⸗ trag ein:„In Anbetracht der fortgesetzten, zum großen Teile unberechtigten Preissteigerungen aller Lebensmittel, wolle die Stadtverordnetenversammlung beschließen: 1. Die Stadt⸗ verwaltung wird beauftragt, in erweitertem Maße als seither den Ankauf aller hauptsächlichsten Nahrungsmittel zu be⸗ tätigen und in die Detailversorgung der Stadt an Lebens⸗ mitteln einzutreten und zwar: a) durch direkte Abgabe an Minderbemittelte zum Selbstkostenpreis und durch unent⸗ geltliche Abgabe an Bedürftige(Geldunterstützungen können aufgerechnet werden); b) durch Abgabe an die Kleinhändler zu bestimmten Verkaufsbedingungen. 2. Die Schlachtung und Aufzucht von Schweinen im städtischen Schlachthof auf eigene Rechnung zu organisieren und die Waren zum Selbst⸗ kostenpreis an Minderbemittelte abzugeben. In der An⸗ nahme, daß in gegenwärtiger schwerer Zeit die Erhaltung der Volksernährung und der Kaufkraft als höchste volkswirt⸗ schaftliche Tat dringend notwendig erscheint, ersuchen wir um einstimmige Annahme des Antrags.“ In der Debatte über diesen Antrag erklärte der im Stadtverordneten-Kollegium
sitzende Obermeister der Metzger-Innung, daß die Preis- steigerungen der Fleisch⸗ und Wurstwaren nicht erfolgt
wären, wenn das Publikum nicht aufgefordert worden wäre, sich mit Dauerware zu versorgen! Also das Vieh ist nicht teuerer geworden, aber trotzdem erhöhen die Metzger die Preise, weil— das Publikum Dauerware kaufen will! (Nebenbei bemerkt, ist die große Masse nicht imstande, auf Vorrat einzukaufen.) Der Antrag gelangte noch nicht zur Abstimmung.— Die Stadt Köhn hat nach und nach für 8 Millionen Mark Lebensmittel eingekauft, um im Notfalle die Einwohnerschaft selbst versorgen zu können.
— Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Unteroff. d. Res. Heinrich Gilb ert aus Dutenhofen, Inf.⸗ Regt. 206.— Wehrmann Ludwig Eichenauer aus Ober- Widdersheim, Inf. Regt. Nr. 116.— Res. Heinrich Krug aus Schwarz bei Alsfeld, Inf.⸗Regt. Nr. 140.— Aug. Wilh. Schmidt aus Schwarz, Res.⸗Inf.⸗Regt. Nr. 116.— Freiw. Ernst Groth aus Wetzlar, Inf.⸗Regt. Nr. 116.
— Sammlung von Wollsachen. Heute und nächsten Montag wird anläßlich der„Reichswollwoche“ die Sammlung von Woll⸗ und Tuchsachen in Gießen vorgenommen. Sie erfolgt durch die„Jugendwehr“, die mit Ausweisen versehen ist. Man soll die Sachen in Bündel oder Säcke verpackt zu⸗ rechtlegen; aus der heutigen Bekanntmachung ist ersichtlich, zu welcher Zeit in den einzelnen Straßen die Abholung er⸗ folgt e
— Wer bekommt Altersrente? Man hört jetzt in Arbeiter⸗ kreisen die Ansicht, während des Krieges würden beine J Anal den⸗ und Altersrenten bewilligt, keine Remten für Witwen und Waisen. Auch das Heilverfahren, so heißt es, werde von der
Anstalt nicht übernommen. Das ist alles durchaus Na(sch. Frei⸗ lich müssen stets die gesetzlichen Voraussetzungen für die Renten und
können, so daß durch die Ausdehnung diefer Zucht der sehr knappe
Fitttevmittelmarkt nicht erheblich in Anspuch genommen werden
das Heilverfahren erfüllt sein. So erhält uicht jeder eine Alters⸗


