Die Belagerung von Warschau.
Wie die Münchener N. N. mitteilen, hat sich das pol ni⸗ sche Nationalkomitee an die deutsche Heeres⸗ leitung mit der Bitte gewandt, Warschau möglichst zu schonen, da es zahlreiche polnische Kulturdenkmäler enthalte. Eine Abordnung der Warschauer Bürger sprach in Petersburg vor mit der Bitte, Warschau möge vor der Beschießung geräumt werden. Alle Mitglieder der Ab⸗ ordnung sollen angeblich verhaftet worden sein.
Russischer Jammer.
Ein Freund der Münchener Post erhielt Einsicht in den Brief einer zur Verwandtschaft des Zaren gehörenden russischen Fürstin an ein Mitglied der österreichischen Aristokratie. Die Fürstin schreibt von den gewaltigen russischen Ver⸗ lusten, die in ihren Kreisen schon Ende November(nach Angaben des russischen Kriegsministers) auf mindestens 500 000 Tote und 1300 000 Verwundete und Erkrankte geschätzt worden seien. Auch die Verluste unter den Offizieren der Regimenter, deren Offizier⸗ korps sich vornehmlich aus der Aristokratie rekrutiere, seien ganz un⸗ geheuer. In den Kreisen der Aristokratie, die nicht zum engeren Zirkel des Zaven gehöre, werde die Beteiligung Rußlands am Krieg nur als das„Unglück Rußlands“ bezeichnet. Verwandte des Zaren, vor allem einige Großfürstinnen deutscher Abkunft, hätten sich aufs äußerste, aher leider vergeblich bemüht, den unheil⸗ vollen Einfluß Nikolai Nikolajewitsch zu brechen und die Kriegsgefahr abzuwenden. Die eigentliche Entscheidung sei
schon bei der Anwesenheit Poincarés und Vivianis in Petersburg gefallen. Sie sei nach den Absichten der Kricgspartei intensiv vorbereitet worden von Iswolski und Bencken⸗ dor ff, den russischen Botschaftern in Paris und London. Zur Zolt der Anwesenheit Poincarés und Vivjanis habe Benckendorff bereits aus London berichtet, daß die von England mit Belgien, Portugal und Fapan geschlossene Koalition für alle Teilnehmer jedes Risiko ausschössen. Seinen Haupttrumpf beim Zaren habe Nikolai Nikolajewitsch mit der angeblichen Versicherung Vivianis Kusgespielt: die französische Regierung habe mit Ausnahme von Jaureès die ganzen Sozialisten geschlossen hinter sich und könne darüber hinaus die Gewähr dafür bieten, daß die
revolutionären Elemente aller Schattierungen in Ruß⸗ K
land während des Krieges von jeder aggressiven Haltung gegen die Zarenfamilie und die Regierung absehen würden. Die dunklen Ahnungen jener Großfürstinnen, darunter auch der Groß⸗ fürstim Sergius, die ungeachtet schlimmer persönlicher Kränkungen die Kaiserfamilie vor dem Unheil des Krieges habe bewahren wollen, seien nun leider in vollem Umfange eingetroffen: „Elend, Verzweiflung und Zu sammenbruch ist unser Schicksal geworden“.
Teuerung in Rußland.
Rußkoje Slowo berichtet über eine Lebensmittel⸗ teuerung in Rußland, über die von allen Seiten Klagen einlaufen. Man sei allgemein der Ansicht gewesen, daß infolge des Ausfuhrverbotes die Weizenpreise sinken würden. Umso erstaunter sei man jetzt, daß die Preise eher steigen als herabgehen. Umsonst schreibe die Regierung die Preise vor, die Händler nähmen davon keine Notiz und beuteten die wehrlosen Bewohner aus. Die Teuerung er⸗ strecke sich aber nicht bloß auf Lebensmittel, sondern sei überhaupt allgemein. Ganz enorm seien die Man u⸗ fakturwaren im Preise gestiegen, da ein Import von
Rohmaterialien nicht stattfindet und Lodz, das für diesen
Markt viel geliefert hat, sich in deutschen Händen befindet. Die r Ausbeutung von seiten der Handeltreibenden im Verein mit einer bedeutenden Erhöhung der Steuern gestalte dem Mittelstande, dem kleinen Manne und den Bauern das ohnehin so schwere Leben noch unerträglicher und elender.
In der Oeffentlichkeit beschäftigt man sich, wie aus zahl⸗ teichen Zuschriften an Zeitungen hervorgeht, mit diesen Miß ständen, und auch die Duma wird energisch aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen.
Die Verfolaung der Deutschen in Rußland.
Die Korrespondenz Rundschau meldet aus Stockholm: Der Gouverneur von Jekaterinoslaw, Kolobow, hat fol⸗ gende Verordnung erlassen:„Die Ansammlung von mehr als zwei erwachsenen Deutschen männlichen Geschlechts, sei es in deren Wohnungen, sei es außerhalb, ist selbst für den Fall untersagt, daß die betreffenden Personen russische Untertanen wären. Außerhalb der Wohnungen ist es nicht gestattet, deutschz zu sprechen. Es ist verboten, Geschäfts- und Türtafeln sowie Visttkarten in deutscher Sprache zu benutzen und Briefe in dieser Sprache abzusenden. Den Druckereien ist untersagt, Zeitungen, Broschüren, Bücher, Inserate, Plakate und Visitkarten in deutscher Sprache herzustellen. Das Uebertreten dieser Verordnung wird mit Gefängnis oder Festungshaft bis zu drei Monaten bezw. mit Geldstrafen bis 3000 Rubeln geahndet. In besonders wichtigen Fällen kann auch Verbannung in die entserntesten Gegenden des Reiches verfügt werden.“
Die Gouverneure in Russisch⸗Polen wurden vom Mini⸗ sterium des Innern beauftragt, die deutschen Kolonisten in den Dorfgemeinden aller öffentlichen Funktionen zu entheben und die deutschen Namen der Ansiedelungen durch russische zu ersetzen.
Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht
Wien, 19. Jan.(WB.) Amtlich wird verlautbart: 19. Januar mittags. In Polen und in Westgalizien Artillerie⸗ kampf. In den Karpathen hat sich nichts ereignet. Aus einigen Gegenden wird neuerlich starker Schneefall gemeldet. Bei Jakobeni in der südlichen Bukowina wurde ein russischer „Vorstoß unter schweren Verlusten des Gegners zurückge⸗ schlagen.
Am füdlichen Kriegsschauplatz ist
ändert. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: 2 v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. . Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M.
die Situation unver⸗
Vereinskalender. Mittwoch, 20. Januar.
Wetzlar. Gewerkschaftskartell. Abends 87% Uhr Sitzung bei Schreier. 5 Samstag, 23 Januar..
Krofdorf. Freie Turnerschaft. Versammlung abends
9 Uhr im Lokale von Abel umter
18 Jahren wollen erscheinen.
4 ** 22 Vergebung von Bettstoßfen.
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Muster der Stoffe und ein Verzeichnis über die Abmessungen der einzelnen Muster liegen daselbst, Zimmer 13, zur vorherigen Einsicht offen. 8 22.
Zu unserer Rüstung gegenüber den Feinden, zu den wicht Vorbedingungen unseres Sieges gehört das Vorhandensein der zur Volksernährung nötigen Brotmengen. Der Konsument ist in dieser schweren Zeit nur zu leicht geneigt, wenn er von der Ernährungs⸗ frage im Kriege hört, an die Preise zu denken, zu denen er die Nahrungsmittel erhält, ap den Gewinn, den möglicherweise einzelne Kreise aus höheven Preisen ziehen und dergleichen. Wenn aber der Krieg lange dauert, wenm das Ziel des„Durchhaltens“ erreicht werden soll, daun kaum es sein, daß Zeiten kommen, in denen das deutsche Volk nicht mehr fragen wird: zu welchen Preisen bekommen wir das Brot, sondern: bekommen wir es überhaupt in denjenigen Mengen, an deren Verbrauch wir gewöhnt sind? Es gilt, schon jetzt Vorsorge zu trefsen für unvorhergesehene Fälle. Es gilt gerüstet zu sein; es heißt sparen. Viele meinem, was der einzelne an Brot spare, habe keine Bedeutung, wenn es nicht gleichzeitig alle täten; damit es schließlich alle tun, müssen aber einzelne anfangen. Tausende von Goldstücken sind durch die vaterländische Gesinnumg inzelner in die Reichsbank geflossen und haben unsere simanzielle eitschaft erhöht. Gerade das Beispiel des zelnen ist nötig: niemand' halte sich für zu gering, um durch sein Beispiel weiter zu wirken. Wir müsson mit unserm Brote sparen und gerade an den Einzelnen richtet das Vaterland, richten diejenigen Volks⸗ wirte, die einen Einblick in unsere Ernährungsfrage während des Kricges gewonnen haben, den Mahnruf: spart, wo und wie Ihr könnt, ann Brote. Betrachtet das Brot als Volksgut, betrachtet es als unsere Waffen, als unsere Widerstandskraft. Wer sich heute einschränkt, wird gerüstet sein für Zeiten etwafger Knappheit und die Allgemeinheit wird ihm dadurch danken, das sie ihm in schweren Zeiten zu dem Brote verhilft, das er für sie heute gespart hat.
CCC 27
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