Ausgabe 
20.1.1915
 
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serenz vertreten lassen. gunsten Deutschlands, da und Bann getan ist.

9 9 6. 2 Arbeiterunrußen in Petersburg und Mosk Stockholm, 19. J g 5 . i 19. Jan.(T. U.) Den hiesi Blã wird berichtet: In Petere Den hiesigen lättern 12 15 n Petersburg und Moskau dauern die Ar⸗ eiterausstände zum Zeichen des Einspruchs i haftung sozialistischer Mitgli FF Peters, zialistischer Mitglieder der Reichsduma fort. In 5 n sind 30 000, in Moskau 28 000 ausständig. eu Mus Aschlauds Aushungerung durch England. 3 Der Fall derDaela. openhagen, 18. Jan.(WB. Nichtamtlich.) Nati Tidende be der Londoner Presse über 980 1 Doc Prdze e daß 0 Angelegenheit einen üg nafall! rd. Wenn dieDacia i 1 8 9 7 5 Kriegsschifse aufgebracht werde, würde in Amerika Stoff 2 F Obm 710 Aktion vorhanden sein. Hierzu bemerkt der Hider 1 hl kein Zweifel daran besteht, daß der Verkauf in 0 8 0 mit der Londoner Deklaration stehe, sei doch der Regie- tagen anraten, durch die Finger zu sehen und den Verkauf zu ge⸗ so lle 1 15 die englischen Rheder den Frachtenmarkt aussaugen, 52575 es im englischen Interesse, daß in Amerika eine Konkurrenz And 15 Die meisten anderen Blätter betonen, dieDacia mülsse 95 1 ingt aufgebracht werden, falls sie ohne bindende 5 machungen abfahre. Der Standard wünscht nicht, in die ameri⸗ anische Rechtssphäre einzugreifen, hofft jedoch, daß in Amerika der Respekt vor England so groß sei, daß es nicht an⸗ nehmen werde, England werde die Hände in den Schoß legen und zulassen, daß Deutschland von Amerika Lebens⸗ m tetel erhält, die es nicht mit Waffengewalt erringen kann. 1 Globe schlägt einen noch herausfordernderen Ton an und meint: Wir lassen uns nicht die Hände binden, bei dem großen Werke, Deutschland ökonomisch zu ruinieren, können wir unter keinen Umständen zulassen, daß deutsche Schiffe aus Reutralen Häfen in dieser Weise unseren Plan durchkreuzen und Deutschland mit Dingen versorgen, die es unbedingt nötig hat. Wen dieDacia den sicheren Hafen verläßt, muß sie aufgebracht werden, ob der Bestimmungsort Bremen oder Rotterdam ist. Vom unterdrückten Buren⸗Aufstand. 5 London, 19. Jan.(J. U.) Reuter meldet vom 13. Jan.: In Bloemfontein sind Nachrichten eingegangen, daß neue starke Burenabteilungen bei Mafeking und in West⸗Griqua⸗ land festgestellt sind und sich Pretoria nähern.

Unruhen in Japan.

Basel, 18. Jan.(WEB. Nichtamtlich.) Die Baseler Nachrichten berichten aus Tokio, daß die Regierung mit Hilfe des Militärs große Versammlungen der Seijukai⸗Parkei gegen das Ministerium unterdrückt hat.

Neue Erderschütterung. 0 Laibach, 18. Jan.(Ctr. Frkft.) Heute abend fand auf allen Instrumenten der hiesigen Erdbebenwarte die neuerliche Aufzeich⸗ nung eines ziemlich starken Nahbebens statt. Der Beginn der Er⸗ schütterung war 9 Uhr 9 Minuten 26 Sekunden, die größte Boden⸗ bewegung von 2 hundertstel Millimeter um 9 Uhr 11 Minuten, das Ende der Aufzeichnung gegen 9 Uhr 15 Minuten. Die Herddistanz ist 500 Kilometer. Auf dem römischen Schüttergebiet dürfte dieses Nahbeben Schäden verursacht haben. Von der New⸗Vorker Untergrund bahn.

New⸗Nork, 18. Jan.(T. U.) Die Staatsanwaltschaft hat eine genaue Untersuchung der Ursachen des folgenschweren Unfalles auf der Untergrundbahn eingeleitet und hat auf Veranlassung der Aussage von Fachleuten jetzt gegen die Direktoren der Compang Anklage wegen fahrläfsiger Tötung erhoben. Die Direktoren sind die bekannten Millionäre Vanderbilt, August Bellmont und Theodor Schonts.

Hessen und Nachbargebiete.

Gießen und Umgebung. g

Die Gewerkschaften im Kriege. Ueber den Stand des Metallarbeiter⸗Verbandes am Jahres⸗ schlusse wird folgendes veröffentlicht: In 417 Verwaltungen des Verbandes befanden sich nach den vorliegenden richten zu Beginn der Woche vom 20. bis 26. Dezember, also in der 21. Kriegswoche, 329 897 Mitglieder. Im Laufe der Woche sind von diesen 4418 abgegangen, davon 2027 zum Militär. Am Schlusse der Woche wurden 325 479 Mit⸗ glieder gezählt. Die Zahl der Arbeitslosen belief sich am Schlusse der Berichtswoche auf 13 020, das sind 4,0 Prozent Die Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung beliefen sich auf 62 422 Mk. In den 21 Kriegswochen, für die Berichte vor⸗ liegen, sind 191072 Mitglieder zum Militär ab⸗ gegangen. Die Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung be⸗ tragen in der gleichen Zeit 4 763 817 Mark.

Unterstützung der Hinterbliebenen Gefallener. Zu unseren Erklärungen im gestrigen Blatte(Was für Hinter⸗ bliebene von Gefallenen wichtig ist) sei noch ergänzend be⸗ merkt, daß, wenn der Verstorbene Angestellter war und von ihm Beiträge zur Angestelltenversicherung ge⸗ leistet worden sind, die Kinder und die Witwe Anspruch ha⸗ ben auf Erstattung der Hälfte der für den Verstorbenen ein⸗ gezahlten Beiträge. Der Antrag ist zu stellen an das Direk⸗ torium der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte in Berlin⸗Wilmersdorf, beizufügen sind die Quittungskarten. Wenn vom Verstorbenen die Mitgliedschaft bei einer Krankenkasse fortgesetzt worden war, so kann bei dieser der Anspruch auf Sterbegeld geltend gemacht werden. Es ist zurzeit noch nicht feststehend, ob dieser Anspruch von der Rechtsprechung anerkannt werden wird. Die Sterbe⸗ urkunde des Gefallenen wird von dem Standesamt aus⸗ gestellt, in dessen Bezirk dieser seinen letzten Wo hnort hatte, nachdem der Truppenteil die Meldung vom Tode dort⸗ hin hat gelangen lassen. Ist der letzte Wohnort dem Trup⸗ penteil nicht bekannt, so gehen die Meldungen an den Ge⸗ burtsort des Gefallenen.

Be⸗ Be⸗

Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Obermatrose Hartmann Falken hainer, Kupfer⸗ schmiedemstr. aus Alsfeld, 3. Matrosenregiment. Freiw.

Feldartillerie-Regt. Nr. 47. Res. Ludwig Weber aus Romrod, Inf.⸗Regt. Nr. 168. Res. Konrad Jöckel aus Schwarz bei Alsfeld, Inf.⸗Regt. Nr. 116. Res. Karl Dillmann aus Storndorf; Res. Georg Hahn aus Brauerschwend. Wehrmann Heinrich Eißfeller aus Ehringshausen, Kr. Alsfeld, Inf.⸗Regt. Nr. 116. F eiw. Gustab Gaerthe aus Wetzlar.

Karl Spamer aus Alsfeld,

Winterwetter. Seit vorgestriger Nacht ist das bisher unaufhörliche Regenwetter in Kälte und Schnee überge⸗ gangen. Gestern früh verzeichnete das Thermometer 6 Grad Kälte. Von den Kindern und den Wintersportsleuten wird natürlich Frost und Schnee begrüßt und im allgemeinen ist auch in dieser Zeit das Wetter nicht vom Uebel. Von den Wetterberichten wird eine längere Kälteperiode angekündigt; doch kanns sehr gefährlich nicht mehr werden, in einigen Wochen hat die Sonne schon wieder etwas mehr Kraft er⸗ langt und der Frühling rückt näher heran.

Der Krieg ein Glück für die Kriegslieseranten. Der Krieg ist auch ein Glück! Freilich nur für Kriegslieferanten, von denen sich manch einer jetzt vor dem drohenden Zusammenbruch rettet, und für die Spekulanten, die die Kurse der besonders an Kriegslieferungen beteiligten Werke imfreien Verkehr mit gro⸗ ßem Eifer treiben. Das Berliner Tageblatt entwirft ein an⸗ dehendes Bild von dieser Tätigkeit.An der Börse wax heute Samstag die Tendenz auf der ganzen Linie wieder als durchaus fest anzusprechen. Auf dem Markte der Industriepapiere standen auch heute die Aktien der Ludw. Loewe u. Co. Akt.⸗Ges. im Vor⸗ dergrunde des Interesses, die gegenüber ihrem gestrigen Höchst⸗ stande um zeitweilig 7 Prozent anzogen. Ferner wurden die Aktien der Daimler⸗Motorenwerke auf der Basis ihres gestrigen Höchstkurses mehrfach umgesetzt. Nachfrage trat außer- dem hervor für die Altien der Aheinischen Metallwaren⸗ und Maschinenfabrik, der Deutschen Waffen⸗ und Munitionsfabriken, der Adler-Fahrradwerke, der Egestorff Maschinenfabrik, der Hirsch Kupfer⸗ und Messingwerke. Von den Aktien der Pulverfabriken waren die Aktien der Köln⸗Rottweiler Pulverfabrik höher, dagegen die der Rheinisch⸗Westfälischen Sprengstoffabriken etwas niedri⸗ ger. Was werden unsere Soldaten zu der frohen Kunde sagen, daß müßige Spekulanten aus schwerer Kriegszeit goldenen Ge⸗ winn ziehen?! Das schreit zum Himmel! Wird der Reichstag da⸗ zu ruhig bleiben? Heraus mit einer Wertzuwachssteuer auf das im Kriege erworbene Vermögen! Viele werden sich frei⸗ lich zu drlicken versuchen, wenn es ans Zahlen geht. Strengste Kontrollvorschriften müssen die Steuerflucht eindämmen. Aber die Steuer muß kommen. Denn niemals hat die Habsucht jedes sitt⸗ liche Empfinden schwerer verletzt als heute!

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Wer mit dem Brote spart, erwirbt sich :: ein Verdlenst vor dem Vaterland::

Eine Unterhaltung im Schützengraben. Ein Freund unseres Blattes sendet uns einen Bericht über ein Gespräch, das die Land⸗ wehrleute im Schützengraben führten. Es ist interessant genug, unseren Lesern unterbreitet zu werden.Sie wissen ja, wo⸗ für Sie kämpfen. Mit diesen Worten endigte der Brief, den uns eine wackere Gießener Dame in den Schützengraben schickte. Wir dachten über diesen eigenartigen Schluß des Briefes nach, dis⸗ kutierten hin und her, und es entwickelten sich mannigfache Ge⸗ dankengänge.Wofür kämpfen wir?, für was denn sonst, als für unser Vaterland, um unsere Existenz, sagte flugs ein biederer Vogelsberger Landsmann. Wofür wir kämpfen? Ist das aber eine Frage, sagte ein Zweiter. Um unser Land vor einem Ueber⸗ fall unserer Erbfeinde zu schützen, um unser Haus und Hof, unser Weib und Kind vor den Greueltaten der russischen Vandalen zu bewahren. Wir kämpfen für unsere liebe deutsche Heimat, das Land unserer Väter. Wir wachen, daß unser herrliches Land unsere Wälder und Felder nicht von einer brutalen Soldateska zerstampft werden, und wer angesichts dessen nicht gern für seine Heimat einsteht, der ist nicht wert, daß er ein Vaterland besitzt. Der erregte Landwehrmann schwieg. Im selben Augenblick kroch ein alter bärtiger Geselle aus seiner Höhle. Kameraden, sagte er, ich habe in meinem Loche eurem Gespräche mitzugehört und da mich dieses Thema auch angeht und interessiert, so gestattet mir bitte auch ein paar Worte darüber verlieren zu dürfen. Gewiß, ihr habt ganz recht, wir kämpfen für das Land, das wir unsere Heimat nennen, für das Land unserer Väter, wir kämpfen, um unsere Existenz, um Sein oder Nichtsein! Ihr habt recht, wir schützen unser Haus und Hof, unser Weib und Kind, unsere Wälder und Felder vor den Uebergriffen fremder Hasser und Neider, und ich

sage weiter, wir kämpfen für unsere Nachkommen. Nur kann ich die Worte nicht recht verstehen, mit denen mein Kriegsgefährte

hier schloß: wert, daß er eine Heimat besitzt! mir antworten, wenn ich dir sage, liche Heimat. Ich kenne unser liebes Deutschland gut. mich in seinen Gauen tüchtig umgesehen. Ich habe Großstädte kennen gelernt, auch haben wir prächtige Fluren, reizende Wälder, lachende Dörfer, ja, wir haben alles in Hülle und Fülle, die Natur hat uns reich bedacht. Wir sind ferner ein Volk der Technik und der Industrie geworden: unsere Schiffe durcheilen die Meere und unser Handel war auf dem Wege die Welt zu erobern. Das alles ist mir bekannt und auch Euch. Auch sind wir groß und stark. Da plötzlich geschah etwas, was viele von uns dunkel ahnten und schon lange mehr oder minder fühlten, was wir aber trotzdem alle nicht für möglich hielten und noch viel weniger erwarteten.Krieg hallte es durch alle Dörfer und Städte, durch alle Straßen und Gassen.Krieg, so ging es von Mund zu Mund.Eine ganze Meute von Gegner verschiedener Rassen bedroht uns. Deutsch⸗ lands Schlachtenkraft rollte einmlitig an die Grenzen. Nun stehen wir schon über 5 Monate im Felde. Ungeheuere Leistungen werden von jedem einzelnen von uns verlangt. Glück und Gesund⸗ heit, Blut und Leben wird geopfert, um unser Vaterland zu er⸗ halten. Wir stehen fest, unsere Kriegsschauplätze liegen zum weit⸗ aus größten Teile außerhalb Deutschlands. Unsere Lieben sehen micht die unsäglichen Schrecken der Granaten und Schrapnells. Es bleibt ihren Augen erspart, das grauenhafte Bild eines wirklichen Schlachtfeldes zu sehen. Nun sieh, lieber Kamerad, ich kämpfe wacker mit, obaleich ich dir bereits sagte, daß ich gar keine wirkliche, sichtbare, greifbare Heimat zu verteidigen habe; aber höre weiter, ich will dir gern erzählen, wofür ich kämpfe. Ich arbeitete in einer schönen deutschen Stadt als Fabrikarbeiter. Die Aufsicht bei der Arbeit war streng, die Akkorde ließen zu wünschen übrig und der karge Wochenlohn gestattete nur ein dürftiges Leben von der Hand in den Mund. Mit meiner Frau und meinen zwei Kleinen wohnte ich in der kleinen Mansardenwohnung eines Hinterhauses. Monatlich 21 Mark kostete mich dieses Obdach. Mit Steuern wurde ich auch niemals verkürzt. Was meinst du, was passiert wäre, hätte ich nur ein einzigesmal die Miete nicht rechtzeitig entrichtet? Wie denkst du es dir, wenn man in Geldverlegenheit gerät und die Steuern nicht pünktlich bezahlt? Wie, wenn Arbeitsmgngel ein⸗ tritt, oder die Familie von lang andauernder Krankheit heim⸗ gesucht wird? Volksschulbilbung genügt für den größten Teil des deutschen Volkes. Von den größten deutschen Männern wissen wir so qut wie nichts. Lieber Kamerad, kennst du den Großen, der das schöne deutsche Kriegslied gemacht hat:

Frisch auf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd;

Ins Feld für die Freiheit gezogen.

Im Felde, da ist der Mann noch was wert,

Da wird das Herz erst gewogen.

Das deutsche Gemüt ist so empfänglich für Gesang und Musik, kannst du mir etwas erzählen von unseren großen Meistern der Töne? Nicht! Ja, wir waren seither Stiefkinder der deutschen Kultur. Wäre es eine Schande für uns, wenn wir mit den armen alten Leuten, die hier in den verlassenen, halb oder ganz ver⸗ schossenen Dörfern, da und dort gespensterhaft umherhuschen, sprechen könnten? Wenn wir ihnen tröstende Worte sagen könn⸗ ten? Diesen Bedauernswerten, denen der Krieg seinen grausamen Stempel auf die Gesichter gepreßt hat? Du hast Haus und Hof, hast einen Garten, Acker und Wiesen, lieber Freund, du besitzt ein wirkliches Stück Vaterland. Mein ganzer Grundbesitz besteht in einigen Blumenstöcken. So geht es mir nicht allein, nein, es gibt

Wer für seine Heimat nicht gern einsteht, der ist nicht Lieber Kamerad, was willst du ich besitze tatsächlich keine wirk⸗

Ich habe

viele tausende solcher Proleten im deütschen Vaterlande. Wir kämpfen alle, Schulter an Schulter, von Schießscharte zu Schieß⸗ scharte stehen wir gemeinsam zusammen. Wirst du es bald ahnen, wofür wir kämpfen? Ich betonte, wir kämpfen für unsere Nach⸗ kommen. Wir ringen um ein neues Deutschland, das auch für uns zu einer wirklichen Heimat wird. Ihr habt eine Heimat zu verteidigen, und uns bleibt die ideale Aufgabe, eine Heimat und mithin ein Vaterland zu erringen. Dieses Ringen und Streben hat uns auch im stillen Frieden schon beseelt. Aus der sichtbaren Welt flohen wir zwar zu Hunderttausenden in die unsichtbare Welt des Ideals, aber wir folgten hoffnungsvoll der sozialen Entwick⸗ lung der Völker und achteten aufmerksam auf den schweren Gang der Geschichte. Nun stehen wir plötzlich mitten im Weltkrieg, das heißt, die Weltgeschichte hat ihre Bleigewichte von den Füßen ge⸗ schleudert, sie ist frei geworden und galoppiert über die morsche überwältige Bahn hinweg. Ueber die geschichtliche Bedeutung dieses Krieges, über die Ursachen desselben, über seine Ziele wissen wir nicht viel. Dieses genau zu ersoeschen ist Aufgabe der Ge⸗ lehrten, vielleicht der Geschichtsschreiber. fen glaube, will ich dir weiter erklären. Kamerad, ich glaube an einen Aufstieg des deutschen Volkes im 20. Jahrhundert. Glaubst du, daß man das Wesen der unteren Schichten, besonders der ge⸗ waltigen proletarischen Masse erfassen lernt? Glaubst du, daß man unser ehrliches Streben nach Bessergestaltung der sozialen Verhält⸗ nisse von Mensch zu Mensch endlich als vollberechtigt anerkennt? Freilich, man kann auch zweifeln. Man hat das Volk schon oft grausam behandelt. Sperrte man doch 1813 die Besten des Volkes ins Gefängnis und nach 1870 beglückte man es mit dem Sozia⸗ listengesetz. Wird das auch möglich sein, wenn 1915 die Kanonen wieder verstummt sind? Werden die deutschen Machthaber ver⸗ gessen, was ihnen 1914 vor Augen geführt wurde? Wenn der Friede kommt, dann werfen wir die menschenvernichtenden Waffen aus der Hand, und treten freudig ein in die Armee der Kultur und zeigen, daß wir auch da zu fechten verstehen und großes zu leisten vermögen, wo man uns seither die Fähigkeit absprach oder die Mitarbeit spöttisch verweigerte. Lieber Freund, ich weiß nicht, ob du mich bis zum Schluß verstanden hast, ob du begreisst, wenn ich sage, ich kämpfe für ein neues deutsches Reich, ich kämpfe um eine sichtbare, um eine wirkliche Heimat. Ich kämpfe für ein wirk⸗ liches Vaterland in dem Recht und Freiheit als des Glückes Unter⸗ pfand nicht nur theoretisch geplappert, sondern praktisch und in weitgehendstem Maße Anwendung findet. Wir Arbeiter hassen den Krieg, aber, da wir die Welt als im Werden verstehen, so wissen wir auch, daß diese Entwicklung voll schwerer Kämpfe ist, und zu diesen Kämpfen gehört leider auch der Krieg. Wir Arbeiter sind zahlreich, aber wir wollen in Zukunft auch stark werden; auch wir fühlen uns berufen, an dem großen Werk der Weiterentwick⸗ lung mitzuhelfen. Wir wollen selbst unser Teil zur Bedeutung der Geschichte beitragen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, es muß die Zeit kommen, wo die Menschen auf der Erde wohnen ohne Flinten und Kanonen. Leider muß ich jetzt abbrechen, denn ich muß auf Posten. Dieses Thema ist unerschöpflich und wenn wir morgen noch zusammen leben, dann übernimmst du das Wort. Solche Unterhaltungen regen den Geist an und bewahren uns vor seelischer Abstumpfung und Nervosttät, an welcher leider so viele unserer Kriegsgefährten durch dieses monatelange Schützengraben⸗ leben leiden. 8

Ortenberg. Die vor kurzem verschwundene Ehefrau des Rentners Söhnge fand man als Leiche in der Nidder in der Nähe von Glauberg. Es ist micht bekanmt, ob Unfall oder Selbstmord

vorliegt. Kreis Weßlar.

Die Steuerveranlagung der Kriegsteilnehmer in Preußen. Vom preußischen Finanzmimister sind wegen der Steuerveranlagung der Kriegstenlnehmer folgende Weisungen an die Veranlagungs⸗ behörden gegeben worden:

Die Pflicht zur Steuererklärung besteht auch für Feldzugsteilnehmer. Sie können aber in der Heimat Vertreter, z. B. die Ehefrau, auch ohne besondere Vollmacht be⸗ stellen. Der Kriegsteilnehmer kann auch ohne das übliche Formular seine Erllärung abgeben in Briefform.

2. Die Frist zur Erklärung verlängert sich für ihn, wenn er in Deutschland von seinem Wohnort entfernt weilt, auf drei Wochen; weilt er im Ausland, auf 6 Wochen. Ueberschreitungen der Frist sind straflos.

3. Bei der Veranlagung der Offiziere, Militär⸗ und Ziwil⸗ beamten der Militärverwaltung ist das Friedens einkommen, das der Steuerpflichtige bezogen haben würde, wenn der Krieg 1914 nicht ausgebrochen wäre, zugrunde zu legen. Ist die bei Ausbruch des Krieges bekleidete Dienststellung erst im Laufe des Jahres 1914 erreicht worden, so wird das mutmaßliche Diensteinkommen dieser Friedensstelle zugrunde gelegt. Mobilmachungsgelder sind außer acht zu lassen. Für die Zeit der Zugehörigkeit zu einer Kriegs⸗ formation ist das gesamte Militäreinkommen der Offiziere usw. steuerfrei.*

4. Die einberufenen aktiven oder pensionierten Reichs⸗ Staats⸗ und Kommunalbeamten worden mit dem vollen Zivildieyst⸗ einkommen veranlagt, ohne Rücksicht darauf, daß ihnen ein Teil der Kriegsbesoldung hierauf angerechnet wird. Das gesaunte Militä reinkommen einschließlich des auf das Zivildiensteinkommen angerencheten Teiles bleibt jedoch steuersrei, solange sie sich bei der Fahne befinden.

5. Unteroffiziere und Mannschaften des Be⸗ urlaubtenstandes sind nach ihrem Zivildiensteinkonumen unter Ausschaltaung des Miljtäreinkommens zu veranlagen. Soweit sie unter 3000 Mark zu veranlagen sind, bleiben sie, so lange sie im aktiven Heeresdienst stehen, steuerfrei.

6. Unterstützumgen für die Angehörigen gesetzlicher Art oder fortgesetzte Lohnzahlungen bleiben steuerfre i. Zinsen von Wertpapieren usw., auf vochnen ist, sind nur, insoweit sie tatsächlich im Laufe von 1914 ein⸗ gegangen sind, steuerpflichtig.

Von Nah und Fern. * Neue Erderschütterungen in Italien. Vom Montag nacht werden wieder neue Erdbeben aus Mittelitalien gemeldet, die jeden⸗

5 schütterung sind. Die N sind furchtbar, di Zahl der Toten wird auf mehr als 30 000 beziffert.

falls Nachbeben der großen Erf Telegramme.

Laeberiht des Großen Hauptnnartiers

Im Westen unverändert. In Polen russische Anarisse gescheitert.

W. B. Großes Hauptquartier, 19. Jan., vorm.(Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz:

Auf der ganzen Front fanden, abgesehen von unbe⸗

deutenden Scharmützeln, nur Artilleriekämpfe statt. Oestlicher Kriegsschauplas:

Die Witterung war sehr ungünstig.

In Ostpreussen nichts Neues.

Bei Nadzanowo, Birzun und Sierpe wurden die Russen unter schweren Verlusten zurückgeschlagen. Mehrere Hunderte Gefangene blieben in unseren Händen.

Westlich der Weichsel und ö st lich Pilica ist die

Aber wofür ich zu kämp⸗

Lage im allgemeinen unverändert. Oberste Heeresleitung. 0 0*

deren Beitreibung im Auslande micht zu