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volles Jahr auf 450 Millionen Pfund Sterling(= 9 Milliarden Mark) berechnet, und Llond George hat neuerdings die Ausgaben für Heer und Flotte zusammen sogar auf monatlich 45 Millionen Pfund Sterling angegeben; dies würde auf ein volles Jahr Krieg⸗ eus 550 Millionen Pfund Sterling(= 11 Milliarden Mark) edeuten.
Die russischen Ausgaben berechnet der Economist, nach einer Angabe des russischen Finanzministers auf 178 500 000 Pfund Ster⸗ ling bis zum 30. Oktober 1914. Für die ersten sechs Kriegs monate würden sie mindestens 425 Millionen Pfund Sterling(= 8,5 Mil⸗ liarden Mark) betragen. 8 f In den ersten sechs Kriegsmonaten betrugen die Kriegskosten 125
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Pfund Pfund Deutschland 425 000 000 Oesterreich⸗Ungarn 300 000 000 725 000 000 Rußland.. 425 000 000 Frankreich.. 325 000 000 Großbritannien.. 240 000 000 990 000 000 1715⁵ 000 000
In diesen Zahlen sind die Ausgaben der Türkei sowie die von Japan, Serbien und Montenegro nicht enthalten. Diese Länder dürften nach der Schätzung des Economist Kriegsausgaben von etwa 100 Millionen Pfund Sterling in den ersten sechs Monaten gehabt haben. Danach wlürde sich eine Gesamtausgabe aller krieg⸗ führenden Länder in den ersten sechs Kriegsmonaten in Höhe von 36,3 Milliarden Mark ergeben.
Kriminalität und Krieg. l
Im letzten Jahresbericht der Dresdener Kriminalpolizei, den ihr derzeitiger Chef Dr. Robert Heindl kürzlich veröffent⸗ lichte, finden sich interessante Zahlen über das Abnehmen der Kriminalität seit Kriegsausbruch. Das Verbrecherhandwerk gehört offenbar zu den Branchen, die der Krieg besonders lahmlegt. Die Betrugsfälle haben in Dresden um 40 Prozent abgenommen, die Einbrüche sogar um 70 Prozent; die Sitt. lichkeitsdelikte dagegen nur um 17 Prozent. Man sieht, daß nicht so sehr die Gelegenheitsverbrechen als vielmehr die Tätigkeit der Gewerbsmäßigen nachgelassen hat. Dies ent⸗ spricht vollständig den statistischen Erfahrungen des Jahres 1870, in dem sich ebenfalls die schweren Verbrechen in Deutsch⸗ land und die affaires correctionelles in Frankreich stark verminderten. Es wäre verfehlt, die Abnahme der Krim. nalität etwa nur der Abnahme der Zivilbevölkerung zuzu⸗ schreiben. Es müssen vielmehr psychische Gründe mitspielen. Der beste Beweis dafür ist die preußische Kriminalstatistik des Jahres 1864, in dem nur sehr wenig preußische Truppen das Land verließen. Damals waren die wirtschaftlichen Ver⸗ hältnisse Preußens zu Kriegsbeginn so schlecht, daß die gesetz⸗ liche Beschränkung des Zinsfußes abgeschafft werden mußte die Cholera herrschte, die Industrie stand still— alles Gründe, die erfahrungsgemäß ein Steigen der Kriminalität verur⸗ sachen. Trotzdem war eine Abnahme der strafbaren Hand⸗ lungen zu beobachten, die in keinem Verhältnis zur Abnahme der Bevölkerung stand.
Bearbeitung der Oedländereien bei Berlin.
Nach Vorbesprechungen mit dem Landwirtschaftsminister haben der Schutz verband für deutschen Grundbesitz und die Berlsner Gewerkschaften und Gewerkvereine sich über die Bildung einer Genossenschaft geeinigt, deren Zweck es sein soll, die Dedländereien in der Umgebung Berlins im In⸗ teresse der Volksernährung landwirtschaftlich auf gzuschließ en. Die Maßnaßme ist nicht für die Dauer, sondern nur für die Zeit des Krieges geplant. Da der Boden sich am besten zum Anbau von Kartoffeln eignet, werden die Ländereien jetzt zu dem Zweck gepflügt, um im Frühjahr die Kartoffeln anzusäen. Die Grund⸗ stücke werden durch eine Zentralstelle, die dannit von der zu grün⸗ denden Genossenschaft betraut wird, urbar gemacht. Dies hat einen doppelten Vorteil: die Bestellung des Landes wird billiger gestaltet, als wenn feder einzelne Parzelleninhaber die Arbeiten auf eigene Faust besorgen würde und ferner wird die Vestellung wirksamer und die Aussicht auf einen ausreichenden Ernteertrag größer, weil die Bestellung nach rationellen landwirtschaftlichen Grundsätzen erfolgt. Die in Frage kommenden Gelände befinden sich zum größten Teil in Privathänden und sind von diesen dem gemeinnützigen Unter⸗ nehmen entweder unmittelbar oder durch Vermittlung der betreffen⸗ den Ortsgemeinden zur Verfügung gestellt worden. Es handelt sich bei dem Unternehmen, von dem das schon unter den Pflug genom⸗ mene Tempelhofer Feld einen wichtigen Teil darstellt, um eine ve in gemeinnützige Veranstaltung, die auf eine Anregung des Regierungs⸗ rats Dr. Hoepker zursickzuführen ist. Im einzelnen ist das Vor⸗ gehen so gedacht: jeder Morgen umgepflügten, gedüngten und mit
toffeln verpachtet werden. Man rechnet, daß im Durchschnitt auf den
Pächter ein Ernteertrag von etwa 10 Zentnern entfallen wird, ein Betrag, der groß genug ist, um den Durchschnittsbedarf einer Familie im Winter zu decken.
Das Verbot der Vündlerparade.
Die Gründe für das Verbot der Generalverschnmlung des Bundes der Landwirte, teilt die Deutsche Tageszeitung in folgender Form mit:„Der Bund der Landwirte, dessen Satzungen die Abhaltung einer jährlichen Generalversamm⸗ lung vorschreiben, hat, um die Rechtslage mit Rücksicht auf den Kriegszustand zu klären, sich mit einer Anfrage an die zuständige Stelle gewandt. Diese Anfrage ist in genereller Form dahin beantwortet worden, daß die Generalpersamm⸗ lung des Bundes der Landwirte unter die Veranstaltungen falle, die gemäß Verfügung des Oberkommandos in den Marken nicht gestattet sind.“
einen großen Gefühl der Verzweiflung, die Heimat v lassen zu müssen, die ihnen lieb und teuer war.
gellendem Schreien durch die Straßen eilte, indem sie Go
Heiligen anrief, wurde durch ein Geschoß von ihrem Jammer löst. Aus einem Hause stürzten weinen de Frauen und schrien nach einem Arzt. durch den Schrecken war schleunigste Hilfe tat not.
sie zu
Ueberführung von Mutter und Kind, Knaben, ins nächste Dorf. 5 Die Szenen wildester Verzweiflung mehrten sich. kleinen Stoßkarren und Handwagen mit, was sie nur wegschaffen
konnten. Größere Leiterwagen, die anstatt von Zugtieren von Frauen und Kindern gezogen wurden, waren keine
Postverkehr und Kriegsgefangenen. Von jetzt ab können Postsendungen jeder Art unter den Bedingungen des Kriegsgefangenen-Postverkehrs an die deutschen Kriegs⸗ und Zivilgefangenen in allen britischen Besitzungen und Schutzgebieten(Leitung über die Nieder⸗ lande), ferner gewöhnliche Briefsendungen und Post⸗ anweisungen an deutsche Kriegs⸗ und Zivilgefangene in Japan(Leitung je nach Wahl und Leitvermerk des Absenders über die Schweiz oder über Schweden⸗Rußland) abgesandt werden. Die Postanweisungen an Gefangene in britischen Besitzungen sind wie solche an Gefangene in England an das Postamt im Haag, Postanweisungen nach Japan wie solche an Gefangene in Frankreich oder Rußland an die Oberpost⸗ kontrolle in Bern oder an das Postamt in Malmö 1 zu richten.
Ein beschossenes Dorf.
In mehreren Berichten der deutschen Obersten Heeresleitung war um die Jahreswende erwähnt worden, daß die Franzosen Orte beschossen hätten, die hinter der deutschen Front lägen. Sie fügten damit den Deutschen keinen Schaden zu, wohl aber brächten sie ihre eigenen Landsleute um Hab und Gut, Haus und Herd und vermehrten dadurch das Elend, in das diese durch den Krieg geraten seien 1. 85 Ein Beweis für diese Behauptung liegt jetzt in einem Feld⸗ postbrief vor, den die Köln. Ztg. veröffentlicht. Der schildert mit großer Anschaulichkeit die Schrecken, die die fran⸗ zösische Beschießung über die französischen Bewohner des Dorfes gebracht hat:
boten keinerlei Schutz gegen ö 6 Franzosen, Keller gab's keine, oder doch nur sehr primitive, also war's nicht viel anders als im Schützengraben, nur mit dem Unterschied, daß man dort wenigstens seine Feinde sah, während wir hier nur seine eisernen Grüße zu spüren bekamen. Eine fürchterliche Panik bemächtigte sich der armen Fran⸗ zofen, deren Häuser und Stallungen jetzt das Ziel franzö⸗ sischer Geschosse bildeten. Nachdem die Beschießung zwei Tage und zwei Nächte gedauert hatte— wir waren unterdessen wieder mal im Schlitzengraben gewesen und ins Dorf zurückgekehrt—, fanden wir schon mehrere rauchende Trümmerhausen, die von unglücklichen Menschen schluchzend umstanden wurden. Auch Tote und Verwundete gab es unter den Dorfbewoh⸗ nern, die beim Löschen der Häuser von Geschossen getroffen worden waren. Da konnte es denn nicht ausbleiben, daß von militärischer Seite aus die Räumung des Dorfes beschlossen wurde, was den Bewohnern durch Austrommeln bekanntgemacht wurde. Der Jammer der armen Einwohner ist nicht zu schildern. Immer noch hatten die Aermsten gehofft, daß das Feuer aufhören und der Kelch des Leidens an ihnen vorübergehen werde. Ver⸗ gebens hatten sie die langen, bangen, Stunden unter steter Todes⸗ gefahr wie die Soldaten ausgeharrt, schwache alte Männer⸗ Frauen und Kinder, und nun sollten sie doch alles verlassen müssen, was ihnen lieb und teuer war. Wie den anderen Ortschaften näher am Feinde, die schon seit Wochen geräumt waren, sollte es nun auch ihrem Dorfe gehen, zerschossen, zerstört und in Rauch aufgehen, worin sich ihr ganzes Leben mit seinen Freuden und Leiden abge⸗ spielt hatte.
Die Leute waren wie jrrsinnig. „Bis morgen früh 7 Uhr muß das Dorf geräumt sein!“ lautete der Befehl Und nun suchte seder zusammen, was für ihn das wertvollste war. Die Kisten. Ballen und Bündel häuften sich; doch die meisten hatten kein Fuhrwerk, um den Hausrat fortzuschaffen, und diejenigen, denen noch ein Roß oder ein Zugochse im Stalle stand, brauchten sie für sich. Ueberall hörte man nur Weinen und Wehklagen, überall irrten verzweifelte Menschen umher. Ver⸗
Saatkartoffeln besetzten Landes wird in sechs Lose eingeteilt, die be⸗ stimmten Pächtern gegen ratenweise Abtragung der Selbstkosten der Bestellung zur weiteren
Bearbeitung und zum Abernten der Kar⸗
gessen waren jetzt die Todesboten, die noch immer heulend und lrachend durch die Luft daherrasten, vergessen die bangen Stunden vorher in beständiger Todesgefahr. Es ging alles unter in dem
Schreiber
„Die Häuser des Dorfes, zumeist aus leichtem Fachwerk gebaut, die fliegenden Neufahrsgrüße der
Seltenheit; es mußte eben gehen wie es ging. 3 Aus einem Hause klang ein lautes Klirren und Splittern heraus. Wir stürzten hinein, um wenn möglich zu helfen und zu retten, was noch zu retten war. Ein sonderbares Bild bot sich unseren Augen. Mitten in der großen Küche des Haufes stand eine derbe Frau und schlug mit einem Scheite Holz die ganze Kücheneinrichtung in Scher ben. Gefüllte Schnaps⸗ und Weinflaschen flogen zerschmettert an die Wand, eingemachte Früchte,
Kaffeebohnen, Reis und sonstige Kücheningredienzen bedeckten neben zerschmetterten Topf⸗ und Tellerscherben den Boden, und in diesem Chaos 5 stand die Frau, lachte und schrie. Sie lachte so markdurchdringend, daß es uns eisig den Rücken her⸗ unterlief. Das war der Krieg in seiner furchtbarsten Gestalt! Was waren dagegen die Granaten und Schrapnelle die uns zu hunderten täglich um die Köpfe flogen, was war dagegen der Männerkampf mit Bajonett und Kolben. Das grüßte Schlachten⸗ elend versank vor diesem Jammer, vor diesen Verzweiflungs⸗ ausbrüchen unschuldiger, zitternder Greise und hilfsloser Kinder, die durch das Feuer ihrer eigenen Landesgenossen ihrer Habe be⸗ raubt wurden. 1. Als dann spät in der Nacht und früh am Morgen die einzelnen Familien zum Dorfe hinauszogen, nachdem unsre Leute soviel wie möglich Hilfe geleistet hatten, da feuchteten sich die Augen unserer kampferprobten und abgehärteten Leute, und ein heißes„Gott sei Dank, daß unsere Heimat von diesem namenlosen Elend ver schont blieb“, zog neben dem innigen Mitleid für die Vertriebenen N in unser Herz ein. 4 Da sah man Männer weinen, wirkliche Männer, die im Kampfe nie gezittert und deren Her gegen alles gefeit schien. In der Ferne brüllten die Kühe, quiekten
men hatten, und allmählich zog Ruhe in das verlassene Dorf ein, in dem jetzt wir die alleinigen Bewohner waren, bereit, alles tun, um das Eigentum der armen Vertriebenen zu schlitzen. 0 weiter Ferne brüllen die Kanonen, der Morgen graut und der Kampf beginnt wieder f
Der Kampf um Soissons. Holländische Blätter melden der Post zufolge die Fo rt⸗ dauer der Beschießung von Soissons durch die Deutschen und das erfolgreiche Vorrücken de deutschen Artilleriestellung gegen die Stadt Ueber den deutschen Sieg bei Soissons finden sich Berichte aus Paris in holländischen Blättern, in denen geschriebe wird: Die Franzosen wurden durch die Zerstörung der Br bei Missy von der Hauptmacht abgeschnitten. Ihre Le ich bedeckten das Ufer des Flusses wie von einer R ies sichel niedergemacht. Die Lazarettmannschaften zählen, daß sich die Ambulanzen in der Hitze des Kampfe vom Schlachtfelde zurückziehen mußten, weil in dem dich Pulverdampf die Abzeichen des Roten Kreuzes nicht meh erkennen waren.— In Calais machte der deutsche Erfe sehr starken Eindruck, weil er in der Nähe von Paris e fochten wurde. Von einem Regiment am nördlichen Ufer de Aisne blieb nur ein Viertel des Bestandes unverletzt.
Einer Meldung des Berl. Tagebl. aus Halle zufol sind gestern 3300 gefangene Franzosen aus der Schlacht b Soissons im Gefangenenlager von Langensalza angekomme
Frankreich und die Sozialisten⸗Konferenz
in Kopenhagen.
Paris, 19. Jan.(TU.) Das Journal des Debats zieht einem längeren Artifel sehr scharfgegen die nach Kopenhag einberufene sozialistische Konferenz der Neutralen in
* Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 163
Dieser Erschossene war ein Schelm, ein Bösewicht der schlimmsten Art, und kaum glaube ich, daß sein Ende irgend wo anders Bedauern erweckt als bei seinen Genossen und Ge⸗ hilfen. Er war der nahe Verwandte Afrajas, eingeweiht in dessen Ränke, seine rechte Hand zu allen bösen Streichen, sein Vertrauter bei allen Plänen gegen den Frieden und die Sicherheit dieses Landes. Ich, der ich des Königs und des Gesetzes Diener bin, mußte auf ein Mittel denken, diesen Schelmen beizukommen. Ich verband mich dazu mit meinen Freunden Björnarne und Hlaf, und rufe als Zeugen der Wahrheit den besten Mann in den Finnmarken, Niels Helge⸗ stad, an der von allem unterrichtet war, was ich tat, und seinen eigenen Sohn mir mitgab.
Wir kamen an den Kilpis und trafen dort Afraja. In seiner Gamme überzeugte ich mich nochmals von seinem nichtswürdigen Leben und Treiben. Ich versuchte ihn durch Schmeichelworte, und er verkaufte uns gegen Bezahlung ein Götzenbild, daß uns glückliche Heimkehr und guten Wind auf dem Meere sichern sollte.“
Hier schlug Afraja seine Augen zu ihm auf, und eine ganze Hölle von Hohn und Rachsucht leuchtete daraus.
„Du schändlicher alter Heide und Hexenmeister!“ rief Petersen,„kannst du es leugnen?“
„Schlagt ihn nieder, den verfluchten Schelm!“ brüllte ein Haufen halbtrunkener Quäner und Kolonisten.
„Wir entfernten uns und lagen versteckt in einer Schlucht, bis der Abend kam“, fuhr der Schreiber fort. „Pflicht und Gewissen sagten mir, daß ich zu des Landes Bestem alles anwenden müsse, um dies gefährliche Gewürm unschädlich zu machen; eben so gewiß war es jedoch, daß Afraja niemals aus seiner Wüste herunterkommen würde,
Ich hatte erfahren, daß er in einem Tale des Kilpis seine Tochter verbärge, dieselbe Gula, welche Helgestad einst von ihm kaufte und zur Christin erzog, bis er sie ihm stahl und wieder zum Götzendienste zwang.“
„Du lügst!“ sagte der alte Mann,„und du weißt es.“
„Wir fanden das Tal, fanden das Mädchen und nahmen sie mit uns. Nichts Uebles ist ihr geschehen; unsere Absicht war allein, diesen schlauen Missetäter herunterzubringen, um ihn greifen und strafen zu können. Das ist uns geglückt. Was aber diesen Toten anbelangt, so weiß ich nicht, wie er sein Ende gefunden hat. Verdient hat er es tausendmal. Er war der boshafte Feind jedes Christen und norwegischen Mannes. Vor wenigen Wochen erst schoß er Olaf Veigand durch den Hut, daß jener kaum mit dem Leben davonkam. Ich würde ihn an Leib und Leben strafen, wenn Gottes Wille ihn nicht fortgenommen hätte. Hat ihn Olaf erschossen, so hat er ohne Zweifel sich vor ihm schützen müssen. Ich trennte mich von meinen Freunden, die das Mädchen an den Quänarnerfjord brachten, um sie dann, wenn dieser Lappe, ihr Vater, in unserer Gewalt sei, an Niels Helgestad, ihren rechtmäßigen Herrn, zurückzuliefern.“
„Sie hat keinen Herrn!“ sprach Afraja, der seinen mageren Arm schwörend aufhob.„Bei dem großen Gotte aller Christen, ich habe mein Kind niemals verkauft!“
„Nuh!“ antwortete Helgestad, indem er vortrat,„bin auch hier, Afraja, und kann sagen, bist ein Lügner und ein Schelm. Habe dein Kind gekauft, kostet Tabak und Brannt⸗ wein, mehr wie es wert ist. Hast sie gestohlen, ist alles richtig, was Paul Petersen sagt. Kennt mich alle, wird mein Wort Glauben haben.“
„Es ist falsch!“ sagte Afraja,„wie alles falsch an dir ist. Gula hat dir niemals gehört. Sie ist von dir gegangen, weil dein Sohn sie mit Liebe verfolgte. Er hat sie aus meiner Gamme gerissen, um Unehre auszuüben.“
Diese Worte machten einen betäubenden Eindruck sowohl
vollste Beschuldigung, die erhoben werden konnte. Der reiche hochmütige Mann, er, der erste unter allen, sollte sich und seinen einzigen Sohn so öffentlich beschimpft sehen?* elendes Lappenmädchen sollte vor Björnarnes entflohen sein? Er sollte sie verfolgt und geraubt haben und.
seine Verlobte, Uve Fandrems Tochter, ihn vergebens er
Seine Fäuste hatten sich geballt, sein Kopf war dunkelrot vol Zorn und Scham, er wußte sich mühsam zu mäßigen.„Unsal!“
dem Büttel gehört.“
„er soll für alle seine Schandtaten büßen.“ Aber Afraja flüchtete sich dicht an Marstrand und ume klammerte den Junker.„Hört ihn an!“ sagte er,„fragi ihn, er weiß alles. Fragt den Priester, fragt Klaus Hornemann. er wird die Wahrheit sagen.“ 10 „Will's hören,“ sagte Niels, indem er vor beide trat „Ruhig, ihr Leute, laßt ihn reden! Sprecht, Herr Marstrand Ihr seid ein feiner Herr, der auf Ehre hält. Was zwischen uns auch sein mag, Ihr habt unter meinem Dache gelebte handelt sich hier um Namen und Ansehen. Straft den Sche 0 Lügen und stoßt ihn von Euch! Mahne Euch an Gewi und Pflicht vor Gottes Thron, macht diesen elenden Höllenken zu schanden.“ „Wenn es so weit gekommen ist,“ „wenn die volle Wahrheit gesagt werden muß, Helgestad, kann ich nicht anders als Afrajas Worte b ö Ja, es ist wahr, Björnarne hat Gula aus Ihrem Hause 9 trieben. Er hat sie mit seiner Liebe verfolgt; die ihn bei“ derben wollten, haben seine Leidenschaft genährt, 5
um den Sohn vom Vater zu reißen, ihn und alle gleie
wenn wir nicht ein Mittel fänden, ihn hierher zu locken.—
auf Helgestad wie auf den ganzen Kreis. Es war dieschmach⸗
zu machen.“(Fortsetzung
Ein Stabsarzt nahm sich der Aermsten an und rettete ihr das Leben; weiter sorgte er für eine sachgemäße
übrigens einem prächtigen
Die Leute, welche kein Fuhrwerk bekommen konnten, beluden sich selbst mit dem nötigen Hausrat und schleppten auf
Säfte und Gelees klebten an den Wänden und Decken der Küche,
die Schweine, gackerten die Hühner, die die Abziehenden mitgenon⸗
Leidenschaf! mit ihr sich nun an dem Quänarnerfjord verbergen, während! wartete?— Helgestad stand wie ein Mann von Stein.—
sagte er endlich,„ich wollte dich unter meinen Füßen zer treten, wär's nicht eine Schande, Hand an den zu legen, den
„Schafft den alten Schurken fort,“ rief jetzt der Vogt,
fürchte, es war ein angelegter Plan, das Mädchen zu aue


