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8.1.1915
 
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Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

die Oberbessische Volksseituns erscheint

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Nr. 6

Gießen, Freitag, den 8. Jaunar 1915

ö 75 10. Jahrgang

*** * 0 5 ö 7 Das bisherige Kriegsergebnis. Von Richard Gädke.

. Das Ergebnis der ersten fünf Kriegsmonate für di r lündeten Heere Deutschlands und Deter eich kagarns wird 10 en kürzesten dahin zusammenfassen dürfen, daß es ihnen überall glückt ist, die Gegner in die Verteidigung zurückzuwerfen. Das lebiet des deutschen Reiches ist mit Ausnahme weniger Grenz Fiche in Ostpreußen und im südlichen Elsaß frei vom Feinde. Die

schäden des Krieg ssturms unschädlich zu machen, der einige Wochen indurch über Ostpreußen hinweggebraust ist, sind wir schon jetzt frig am Werke. Ganz Belgien, mit Ausnahme eines kleinen ipfels, ist in unseren Händen und ist uns mit seiner Kohle und ner Industrie schon jetzt dienstbar. Der Besitz der belgischen iste bildet eine ernste und schwer empfundene Drohung für Eng⸗

1A. ind und gefährdet seine maritime Ueberlegenheit wenigstens auf nem beschränkten. sich aber allmählich erweiternden Gebiete. Ein ießen. Ausdehnung Belgien etwa gleicher Teil Frankreichs ist gleich⸗ ls unter unserer Herrschaft, und auch dort haben wir Kohlen⸗ ürgwerke und eine blühende Industrie dem Gegner entzogen. Nfg. eser selbst aber schädigt durch seine eigenen, seit Monaten an 5 In Ort gebannten Truppenmassen einen noch größeren Raum des r himischen Landes und hat seine Volkskraft viel schärfer anspannen Lissen, um den hohen Anforderungen des Krieges militärisch ge jeßen zachsen zu bleiben. Im Osten haben wir beträchtliche Landstriche 8 Plens in unserer Hand und beziehen aus dem größtenteils wohl- 8 Abenden Lande einen Teil des Unterhalts für unsere Heere; auch * her wiederum sind sehr wichtige Kohlengruben von uns oder fferen Verbündeten mit Beschlag belegt, deren Ausbeute der (egner für seine Weichselfestungen schmerzlich vermißt. Als ein⸗ 90 N zer Schuldposten steht demgegenüber der Verlust des größten . ils von Galizien an die Russen, ein Verlust, der uns doch nicht zittelbar trifft und von Oesterreich⸗Ungarn zeitweise ertragen f rden kaun, Augenblicklich scheint dieser Gewinn des Feindes be⸗ en its wieder gefährdet zu sein. N 1 All das mag schließlich wenig erscheinen, wenn man es mit um glänzenden Anfange des Krieges vergleicht. Und niemand ist le geniger geneigt als ich, zu leugnen, daß es noch großer An⸗ lrengungen bedürfen wird, um den dauerhaften fe. zrieden zu erkämpfen, auf den wir alle hoffen. Aber wir haben ch eine ganze Menge erreicht, wenn wir an die überlegenen halten Freitermassen denken, die unsere Gegner gegen uns aufbieten Aus- hinten. Allerdings nicht gleichzeitig zur Geltung zu bringen allen nußten! Es ist unwahrscheinlich, daß ihnen in Zukunft möglich Rienk⸗ m wird, was sie mit ihren besten und noch unerschütterten 1 Ur. Puppen in den ersten fünf Monaten nicht erreichen konnten. Ihr Erlust war reichlich 600 000 Offiziere und Mannschaften allein an lt 6 sangenen, ihre Einbuße an Kriegsmaterial aller Art fällt schließ⸗ g 15 schwer in die Wagschale: dazu tritt übrigens noch der Verlust chen de Russen an die Oesterreicher, der den der letzteren aller Wahr- leeinlichkeit nach gleichfalls übersteigt. Man darf annehmen, daß 0 e Aufstellung kriegstüchtiger neuer Truppen den drei Gegnern uft swerer fallen wird als uns, und daß ihnen so mit der Zeit sogar m. Sahlenuberlegenheit in der Feldschlacht abhanden mmen wird. 5 10014 Im Westen befinden sich die Dinge in einem labilen Gleich⸗ an f wichte der beiden Gegner. Unsere Versuche, die feindliche geellung in Flandern einzurennen, haben zu einem vollen Erfolge, 7 mk der Aufopferung der Belgier und besonders infolge der nech Aberschwemmung, nicht geführt. Die Gegner halten sich die Wage, 1 kleinen Raumgewinne, die hier der eine, dort der andere macht, tikel · kanen keine entscheidende Bedeutung beanspruchen. Beide Parteien Eten sich gegenseitig fest, Brust an Brust gepreßt. Und ein Ende nicht abzusehen. Die schwächlichen Versuche Joffres, zur Ossensive überzugehen, sind völlig gescheitert. Damit ist freilich iht gesagt, daß sie nicht mit größerer Tatkraft und mit stärkeren a Jnssen wiederholt werden könnten. 0 5 10 1 Man hat in der letzten Zeit wiederholt von der Bildung eines een, mien französischen Heeres und der Absicht des französischen Ober⸗ 1000 herrn gesprochen, mit ihm durch den Ober⸗Elsaß gegen die 1250 kutschen Verbindungen vorzugehen. Im allgemeinen verlieren N Unternehmungen, von denen man solange vorher spricht, viel von hen Aussichten. Davon abgesehen wäre der Gedanke ja so übel 10 icht. Aber mit Gedanken allein gewinnt man keine Kriege, jeder il ere Kriegsschüler kann sie schließlich haben. Zuletzt kommt es mer noch auf die Gegenmaßregeln des Feindes an und darauf, a ih man auch im Kampfe der Sieger bleibt. Dasdumme Gesiege e ja nach dem zu früh verstorbenen Feldmarschall Grafen * Ehlieffen letzten Endes das entscheidende. 5 Der Beharrungszustand, wie er seit Monaten auf dem west⸗ 1 hen Kriegsschauplatze besteht, hat aber der deutschen Heeres⸗ V. kzung ermöglicht, im Osten soviel Kräfte anzusammeln, daß man ee r einen vollen Sieg über die russische, Heeresmacht anstren , uefte. Die große Gunst der zentralen Lage Deutschlands und 1 öͤsterreich⸗Ungarns und unser engmaschiges Eisenbahnnetz gaben 1 ils den großen Vorteil in die Hand, verschiedene und weitgetrennte

zegner durch dieselben Truppen bekämpfen zu können. Armee⸗ bps, die heute im Westen fochten, konnten wenige Tage später 20 Kilometer weiter östlich auftreten und so das Uebergewicht e: feindlichen Massen wenigstens teilweise ausgleichen. Der zulung und der Hingebung unserer Eisenbahner sind wir ebenso Dank schuldig wie der Kriegstüchtigkeit und dem Opfermute srserer Truppen.

Der genialen Kriegsführung Hindenburgs ge e eneswegs untüchtigen russischen Feldherrn. mitten in seiner zinden Majenblütte zu ertappen und zu strafen. Wie er eifrig stwärts strebte, dem Kerne Deutschlands zu, um den Verbündeten Flandern durch eine mächtige Angriffsbewegung die ersehnte atlastung zu bringen, wurde er überraschend von den deutschen berscharen im Norden, von den verbündeten Oesterreichern im Elden Polens angefallen. Er erlitt eine Anzahl verlustreicher Alnsederlagen und konnte nur unter größter Anstrengung seiner uppen den beiden verblündeten Heeren eine neue Front entgegen

gelang es, den

Tünf Monate 1

setzen. In schweren und blutigen Kämpfen wurde auch diese weiter und weiter zurückgedrängt, während eine kombinierte Armee von Oesterreichern und Deutschen über den Westteil der Karpathen hin⸗ über seine äußerste linke Flanke plötzlich zu umfassen und auf die Weichsel in nördlicher Richtung zurückzuwerfen begann. Am 17. Dezember schien es einen Augenblick, als werde das gewaltige russische Hauptheer eine entschiedende Niederlage noch westlich der Weichsel erleiden und nur in Trümmern ostwärts entkommen.

Mit unleugbarem Geschick und eherner Entschlossenheit hat sich die russische Heeresleitung dieser Gefahr entzogen. In nächtlichem Abmarsche wich sie auf eine vorbereitete, starke Stellung näher der Weichsel zurfick, wo sie auf engerem Raume und darum mit größerer Kraft ihren zähen Widerstand fortsetzte. Zugleich raffte der seind liche Feldherr alles zusammen, was er erübrigen konnte, scheint auch die Belagerungsarmeen von Przemysl geschwächt zu haben, um die Gefahr, die seinem linken Flügel drohte, zu beseitigen. In verzweifelten, mehrtägigen Angriffen hat er den rechten öster⸗ reichischen Flügel auf den Kamm der Karpathen zuxrückge⸗ worfen und damit wieder Licht und Bewegungsraum gewonnen. Die Gefahr besteht gleichwohl weiter, sie wird in die Erscheinung treten, sobald seine Massen über die Weichsel zurückgehen müssen.

Hier setzten die Deutschen trotz der ungünstigen Witterung, die alle Bewegungen und alle Zufuhr erschwerte, ihre ungestüme An⸗ griffsbewegung fort und allmählich gelang es ihnen, an ver⸗ schiedenen Stellen in die feindliche Front einzubrechen. Schon kämpfen sie östlich der Bzura, der Rawka und der mittleren Piliza und sind nur noch 40 Kilometer von Warschau entfernt. Soweit wir sehen können, steht die Schlacht günstig für sie.

Daß England zurzeit die Seeherrschaft noch unbestritten ausübt, erfahren wir täglich am eigenen Leibe. Gewisse Aussichten liegen für uns in der erfolgreichen Tätigkeit unserer Unterseeboote. Ein großes englisches Schiff nach dem andern fällt ihnen zum Opfer, die Unruhe und Besorgnis der Engländer wachsen täglich. Die Beschießung von Hartlepool und Scarborough, die deutschen Flieger über Dover rauben ihnen die Zuversicht, auf ihrer Insel noch länger unnahbar zu sein. Deren Unangreifbarkeit aber bildet für sie den Angelpunkt ihrer äußeren Politik und ihrer Kriegs⸗ führung; fällt jene, dann sinken ihre Hoffnungen auf den endlichen Sieg glatt zu Boden. Daher die fieberhaften Versuche, ein großes Landheer aufzustellen. Und man sollte diese immerhin nicht gering schätzen: auch weniger tüchtige Truppen können in der Verteidigung vorzügliches leisten.

Die serbischen Ereignisse spielen keine entscheidende Rolle. Das Land, um dessentwillen der furchtbare Weltkrieg entbrannte, ist ganz in den Hintergrund getreten. Auch sein Geschick wird sich in Polens Ebenen und an beiden Ufern des Aermelkanals erfüllen.

**

*

Das Ende der Schützengrabenfreundschaft.

Durch französischen Armeebefehl vom 29. Dezember ist, wie die Tägl. Rundschau zu melden weiß, das Fraternisieren und überhaupt jede nichtkriegerische Annäherung an den Feind verboten worden. Wir werden also in Zukunft auf die zahlreichen, stets mit Freude gelesenen Feldpostbriefe verzichten müssen, in denen geschildert wurde, wie sich unsere Volksgenossen in Waffen während der Kampfpausen mit sranzösischen und stellenweise sogar auch mit englischen Sol⸗ daten ganz freundschaftlich unterhielten. Diese Unterhal tungen berührten menschlich wohltuend, zu dem Kriegszweck standen sie allerdings, wie man zugeben muß, in einem ge wissen Gegnsatz. Es kämpft sich schwerer, wenn sich einmal Fäden kameradschaftlicher Vertraulichkeit zwischen den feind⸗ lichen Schützengräben herüber und hinüber gesponnen haben. og tritt dadurch leicht ein Zustand des Geistes- und Gefühls⸗ lebens ein, der dem Zweck der Kriegführung, der gegen. seitigen schonungslosen Vernichtung, hinderlich ist. Da⸗ gegen kann man einwenden, daß dieses Hindernis auf beiden Seiten gleich stark ist, das Kräfteverhältnis also nicht ge⸗ ändert wird. Aber man denke sich einmal die begonnene Entwicklung bis ins Unendliche fortgesetzt: die Folge wäre, daß man überhaupt keinen Krieg führen könnte! Es ist also nur logisch, daß diejenigen, die Krieg führen wollen, gleich den Anfängen wehren und jede kameradschaftliche Annähe rung an den Feind verbieten.

Das ist eben der Krieg.

Ein Nachmittagskaffee, von

Deutschen und Franzosen gemeinsam getrunken, mag an sich,

etwas sehr Hübsches und Verständiges sein, es ist aber das Gegenteil vom Krieg. Und der unvermeidliche Umschlag vom Idyll in die kriegerische Wirklichkeit wirkt dann doppelt empfindlich. Darum müssen eben alle Vertraulichkeiten auf die Zeit verschoben werden, bis wieder Frieden sein wird.

Wir aber wünschen den Tag zu erleben, an dem kein Krieg, kein Armeebefehl, kein Völkerhaß die Angehörigen der verschiedenen Nationen mehr hindern wird, einander die Hand zu reichen für immer!

Gefangene Mohammedaner.

Dessau, 6. Jan.(TU.) Etwa 200 Mohammedanec trafen aus den Quedlinburger Gefangenenlager über Cöthen hier ein und wurden nach dem Gefangenenlager in Zossen gebracht, von wo sie mit anderen Kontingenten die Aus⸗ reise nach der Türkei antreten werden, um am hei ligen Kriege teilzunehmen.

leltkrieg.

Allerlei Nussisches.

Die Wjadomosci Poliska berichtet, daß in den südöstlichen Be⸗ zirken Galiziens, Kolomca und benachbarten die Russen eine Rekrutierung vorgenommen haben. Die ruthenischen Huczulen flüchten sich zu den unweit kämpfenden polnischen Legio⸗ nen, um dem Dienste in dem siebefreienden Heere zu entgehen.

Der Prawitelstwenny Wjestnik(Reichsanzeiger) in Petersburg meldet die Genehmigung einesVereins 1914, dessen Zweck ist, die Befreiung Rußlands von deutschen Einflüssen im geistigen, sozialen und gewerblichen Leben zu bewerkstelligen. Eine große Zahl aus derElite der Gesellschaft ist heute diesem Verein beigetreten.

Die unter russischer Zensur in Lublin, erscheinende Ziemia Lubelska(Lubliner Erde) teilt mit, daß in den dortigen Antiqui⸗ tätenhandlungen Bücher zu kaufen sind, die schön gebunden mit Stampilien der Czartoryskischen Bibliothek in Sienawa(Galizien) versehen sind. Diese Bücher wurden von den Russen bei Plünderung des genannten Palais geraubt und werden jetzt zu Spottpreisen veräußert. Dieselbe Meldung bringt auch die Rußkija Wjedomosti.

Barbarisches aus Frankreich.

Der Frankfurter Zeitung wird geschrieben: 7

Am 13. September stellten die Franzosen auf einem der Titrme der Kathedrale von Reims einen Beobachtungsposten und einen Scheinwerfer auf: sie zwangen dadurch die Deutschen, den Turm unter Feuer zu nehmen. Und was daten win die Franzosen zum Schutze des altehrwürdigen Gebäudes, das, nebenbei bemerkt, in allen Teilen, zumal denunersetzlichen bunten Fenstern, längst neu aufgearbeitet war? Ein Aufsatz von E. Ashmead Bartlett in ColliersThe National Weekly vom 31. Oktober 1914 gibt darauf eine geradezu ungeheuerliche Antwort. Bartlett ist Kriegs⸗ korrespondent bei den verbündeten Armeen, er läßt sich keine Ge⸗ legenheit entgehen, dieLegionen des Kaisers zu verleumden. Er veröffentlicht auch den obengenannten Aufsatz in der ausgesproche⸗ nen Absicht, die deutsche Kriegführung vor den Augen der Welt bloßzustellen. Und nur als etwas Selbstverständliches erzählt er, was die Franzosen zum Schutze der Reimser Kathedrale taten.

Zum Schutze des Gebäudes wurden l(am Donnerstag, den 17. September) 63 gefangene Deutsche aus nahms⸗ los Verwundete auf Stroh in das Kirchenschiff gelegt.

Bartlett hat bei seinem Besuch der Kathedrale, am Westende des Schiffes, nahe beim Haupteingang die unglücklichen Opfer fran⸗ züsischenKirchenschutzes selber gesehen.Hier, auf Strohbündeln, schreibt er,lagen die verwundeten Deutschen in allen Stadien des Leidens. Ihre Rundköpfe, eingefallenen Wangen, blaugrauen Uni⸗ formen stachen seltsam von dem feierlichen Schwarz der Priester, die sich ihrer annahmen, ab. Die meisten Verwundeten hatten ihre Strohbündel hinter die großen gotischen Pfeiler gezogen, als such⸗ ten sie Schutz gegen ihre eigenen Granaten.

Die Folge solches französischenKirchenschutzes war es, daß sich während des Bombardements vom 19. September unter diesen unglücklichen Verwundeten die Qual aufs höchste steigerte. Bartlett sagte:Während dieses Bombardements wurden die deutschen Ver⸗ wundeten nahezu wahnsinnig vor Schrecken. Sie krochen hinter die großen gotischen Pfeiler, um Schutz zu suchen, und ächzten zum Er⸗ barmen. Viele, die sich bewegen konnten, krochen die Treppen im Innern zu den beiden Türmen hinan, den umherfliegenden Glas⸗ splittern zu entgehen.

Der Turm fängt Feuer, und es kommt für die Verwundeten zum Letzten.Glühendes Zinn rann hernieder und setzte das Stroh im Innern der Kirche, auf dem die Verwundeten lagen, in Brand. Panik ergriff die verwundeten Deutschen, sie versuchten zu flüchten. Der Erzbischof und Monsieur Chinot wiesen sie zu dein Nordtor und zogen die, die unfähig waren, sich zu bewegen, auf Matratzen hinaus. Hier hatte sich ein wütender Volkshause versammelt. Sie schrien den beiden heroischen Priestern zu, man solle die Barbaren zu Grunde gehen lassen, und drohten Gewalt anzuwenden. Der Erzbischof und Monsieur Chinot stellten sich indes vor die erschreck⸗ ten Verwundeten und beschützten sie, bis eine Abteilung französischer Truppen kam, die sie in ein Haus in einiger Entfernung brachte. Etwa 14 von den Verwundeten, die der Warnung, aus dem Nord⸗ tor herauszugehen, kein Gehör gaben, flüchteten durch das Südtor auf den brennenden Palast des Erzbischofs und den Sagal der Könige zu: 8 oder 9 wurden hier von den Flammen erfaßt und verbrannten 4 oder 5, offenbar so verwirrt, daß sie nicht wußten, was sie taten, liefen auf die Straßen hinaus und wurden offenbar von dem Volk, das sie flüchtend wähnte, erschlagen.

Eine gefährliche Rechtsprechung.

Unter dieser Spitzmarke bringt die Humanite vom 30. Dezember 1914 einen Bericht über die Verhandlung des Kriegsgerichts gegen einen Arbeiter. Der öffentliche An⸗ kläger(Regierungsvertreter) hat in dieser Verhandlung den Rechtsgrundsatz aufgestellt, daß der Streik ein Ver brechen des Hochverrats darstelle. Wir lassen die von der Humanité gegebene Darstellung in vollem Wort⸗ laute folgen, soweit die französische Zensur sie hat passieren lassen:

Gestern hat das Kriegsgericht beziehentlich des Arbeits. vertrags die Aufstellung eines Rechtsgrundsatzes beliebt, die sehr' gefährlich werden kann. 5

Der Vorarbeiter, Mechaniker Rene Hamon arbeitete für die Firma Ledereg, die als Zwischenunternehmer an Armes⸗ lieferungen beteiligt ist. Hamon war mit einer Anzahl seiner Kameraden der Auffassung, daß die Firma nicht genügend

bezahle und ve stätte. Man beschul

mit diesen die We;