Uummer 231
Freilag, den 2. Whtoucv 11)14,
7. Jahrgang
Sic „?l»ur <r#8K>!citun8“ eridjcint zedcn Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Paucr au« tsessen", „Die Spiiinllubr". üeiugoprci»: Bei den Postanstalten merlel[ät,rlid, 'JJÜ. 1,45 tci ccn Slgenten monatlich SO Psg. Hinzu tritt Postgebühr ober Trägerlohn. Anzeigen: Grund,eile 20 Psg., lokale 15 Psg, Anreizen von auswärts werden Lurch Postnachnahme erhoben Erfüllungsort Friedberg. Schriftleitung und Verlag Friedberg (Hegen), Hanaueritraße 12. Ferniprecher 4S. Poftscheck-Conto 91t. 4859, Ami Franliurt a. M.
Vorwärts auf dem rechten Flügel!
y\n französischer Ausfall ans Toul zurückgcworfen. — Gine abermalige ferbifche Niederlage. —
Afghanistan gegen Indien.
Immer voran!
Neunzehn Tage dauert schon das Völkerringen in den gesegneten Gefilden Frankreichs. Unsere Geduld wird fürwahr auf eine harte chrrobe gestellt, aber sie wird belohnt werden, dessen sind gewiß. Mit Sang und Klang und slic- genden Fahnen zogen die verbündeten Heere der Franzosen und Engländer hinaus in die Schlacht und glaubten unsere Truppen Wersen zu können. Unser wohlerwogener Rück- inarsch schien ihnen der Anfang ihrer Siege zu bedeuten. Gar bald aber kam der feindliche Vormarsch zum Stehen und seit geranmcr Zeit sind unsere Feinde wieder in die Verteidigung gedrängt.
Nur auf ihreni linken Flügel, an dem nordwestlichen Ende der Schlacht, versuchten sie es immer und immer wieder mit ihren Angrisfen.Abgcsehen von vielen kleineren Kämpfen, sind die Verbündeten dreimal, bei Nohous, bei Bapaume und bei Albert, entscheidend geschlagen worden. Fetzt sind sie auch dort in die Verteidigung gedrängt war- den, denn die Erstürmung der Höhen von Rohe und Fres- nov durch die Deutschen zeigt, daß wir jetzt auch auf unserem rcchten Flügel im Vorgehen begriffen sind.
Verzweifelte Anstrengungen machen die Franzos m unseren Vormarsch an der Maas aufzuhalten. Gestern schon wurden Ausfälle aus den Festungen Verdun und Toul gemeldet, die aber blutig zurückgewiesen worden sind und heute wird abermals von einem zurückgeschlagenen Ausfall aus Toul berichtet, bei dem sich der Feind schwere Verluste geholt hat.
Vor Antwerpen schreitet der Angriff erfolgreich fort. Der Kreis um die Festung schließt sich immer enger. Sind erst die Forts gefallen, so wird die von Flüchtlingen aller Art vollgepfropfte, von schlechten Soldaten vcrteidchte Stadt nicht lange mehr Widerstand lc-sten können. Dann werden wieder große Heeresmassen zu neuen Taten frei.
Im Osten, auf dem galizischen Kriegsschauplatz berei- teu sich große Tinge vor. Wcnu nicht alles trägt, wird cs vereinter Deutscher und Ocsterreichischer Tapferkeit auch dort gelingen, die Russen zu paaren zu treiben und den Krieg in Feindesland zu tragen.
„Feinde ringsum!" das ist für uns Deutsche die Losung in diesem Kriege. Einen Freund scheinen wir doch gefunden zu haben. Weniger uni unserer schönen Augen willen, sondern weil er die Stunde nahen sieht, die die jahr- zehntc lang gchuldcte Schmach und Erniedrigung rächen 'soll, erhebt sich der Islam allenthalben, um seinen Feinden, die auch unsere Feinde sind, die Zähne zu zeigen. Rußland und England, denen sich Frankreich in Algier, Tunis und Marokko angeschlossen hat, sind die Unterdrücker der mohamedanischen Welt. Tic Anhänger des Propheten ziehen deshalb die nötigen Folgerungen ans den Nöten, in die der Dreiverband geraten ist.
Eine Gährung hat allenthalben die Welt ergriffen die, in der zu Allah gebetet wird. In der Türkei begann sie pflanzte sich fort nach Aegypten und dem Kaukasus und scheint nunmehr in Persien und in Afghanistan zum lieber- schäumen zu kommen. Wenn auch sicherlich bei den Nachrichten, die von 700,000 bewaffneten Afghanen sprechen, die orientalische Fantasie eine große Rolle spielt, so dürfte doch feststehen, daß den Russen u. Engländern ernstliche Sorgen bevorstehen, die umso schwerer wiegen, als England über 100 Millionen und Rußland über 20 Millionen islamitische Untertanen gebietet.
Auch in der Haltung der Türkei ist nichts mehr von dem „kranken Mann" von ehedem zu verspüren. Ziel- und selbstbewußt tritt die Regierung auf und die Tage sind vorbei, wo sich die Türken gehorsam den Wünschen des Drei- Verbandes gefügt haben. Die Türken sch'ckeu sich an, in der Weltgeschichte wieder eine Rolle zu spielen. Und das ist kein Unglück, denn schon Bismarck hat gesagt, daß die Türken die.einzigen anständigen Leute im Orient seien.
Die Kriegslage.
Amtliches Telegramm.
Großes Hauptquartier, 1. Otk.. abends. Am 31. ^epember wurden die Höhen von Roqe und Fresnoy (nordwestlich von Noyon) den Franzosen entrissen.
Südöstlich von St. Mihiel wurden am 1. Oktober Angriffe von Toul her zurückgewiesen. Die Franzosen hatten dabei schwere Verluste.
Der Angriff auf Antwerpen schreitet erfolgreich fort.
Auf dem östlichen Kriegsschauplatz keine Veränderung.
Wer vornmrilh in KaiiMdl-tolhriM!.
Rotterdam, 1. Olt. Eine Depesche der „Tiincs" aus Rancy vom 24. September besagt: Die Deutschen rücken wieder vor. Sie besetzten Thinancourt und Romcny. Die Deutschen rücken durch das Bezonjc-Tal vor.
Vor Antwerpen.
Aus Antwerpen wird dem „Perl. Tagcbl." gemeldet: Beim gort Waclhcm sprengten die Deutschen das Pulvermagazin. Sic sollen die dortigen Trinlwassccwcrle zerstört und die Plätze Lier und hcrrcntal besetzt haben. — Ans Ostende wird gemeldet, daß Bergcm (Bcrchem, südlich Antwerpen) brennt
Dom jiidöülichkn Kriegsichaiiplah.
Berlin, 1. Ott. Aus dem österreichisch-ungarischen Haupi- guartier wird dem „Bcrl. Tagebl." gemeldet: Die dritte Ent- wutlungsstufe des Ringens aus galizischem Boden hat begonnen. In den letzten beiden Wochen konnte sich die österreichisch- ungarische Armee unter dem Schutze ihrer starten neuen Positionen hinter der Sanlinie in Ruhe gründlich verproviantieren, die Verluste, die bei einzelnen Regimentern ziemlich hohe Prozente betragen, durch frische Mannschaften ausglcichen und den Eesamtbestand durch große Reserven erhöhen. Dank ihrer Erschöpfung und Munitionsverausgabung kamen die Russen während dessen nicht über die Besetzung der srciwillig überlassenen Gebietsteile Galiziens und der Nordbukowina und kleinere Plänkeleien hinaus. Ueberdics erschwerte der wochenlangc Regen die russischen Zufuhren und Nachtschübe. Infolgedessen setzten die russischen Operationen gegen das Heranziehen und den Aufmarsch der deutschen Truppen zu spät ein und blieben wirkungslos. Es reicht nunmehr die deutsche Armee ihre Hand der verbündeten österreichisch-ungarischen Armee, die im Vertrauen daraus monatelang den Stoß der gegen sie konzentrierten, weit überlegene» russischen Hauptmacht aufgehalten und den geplanten Durchbruch zweimal vereitelt hat. Außerstande, diese für sic verhängnisvolle Vereinigung im Nordwesten zu verhindern, suchten die Russen, durch strategisch bedeutungslose Einbrüche in die Karpathcnpässe den Südwcstcn Ungarns zu beunruhigen und eine Krästezersplitterung der österreichisch- ungarischen Armee herbcizusuhren. Nachdem auch dies mißlungen ist, sind sie jetzt durch die eingeleitete österreichisch-ungarisch deutsche Ofscnflve gezwungen, den Kamps in dem von den Bcrbündcten vorgesehene» und vorbereiteten Gelände auszu- »ehmcn.
Wieder eine vernichiende Wederlage der Zerben.
Budapest. 1. Okt. Ein neuerlicher Einfall der Serben auf kroatisches Gebiet hat abernrals mit einer schweren Niederlage der Serben geendet. Unsere Armecleitnng hat einen neuerlichen Vorstoß der Serben planmäßig gefördert, um die Serben aus nnscreni Boden fassen zu können, was, wie aus Miirowitzn gemeldet wird, vollständig gelungen ist. Ter Einfall, der Montag erfolgte, endete mit einer Vernich, tcnden Niederlage der Serben, die Tausende Verwundete Tote und Gefangene hatten. Nur wenige erreichten wieder das serbische User.
Die Montenegriner.
Wien, l. Okt. Aus Sarajewo wird der „Südslawischen Korrespondenz" berichtet: Die montenegrinischen Truppen, die durch die ihnen beigebrachten schweren Schläge sichtlich erschöpft sind, haben in den letzten Woche» nur zu tnbedeu- tcndcn Greuzafsürcn Anlaß gegeben. Tic Montenegriner versuchten an mehreren Stellen über unsere Grenze zu kom- men, wurden aber von den Grcnzschutztruppen überall ab- gcwiescn. Nur einigen kleinen Banden gelang es, nach Bosnien cinzubrechens zwei davon sollen bereits gefangen sein. In den letzten Tagen gelang es einer Patrouille von ] sechs Mann, auf montenegrinischem Boden eine Abteilung von 130 Montenegrinern, bei denen sich wie gewöhnlich auch ihre Weiber befanden, bei Nacht zu überraschen. — Die Zahl der Deserteure und Ucbcrlänfcr ninnnt immer mehr zu. Die Leute sind vielfach in einem erbarmungswürdigen Zustand und erzählen, daß in Montenegro die Not arg sei, da die von den Franzosen über Antivari gelieferten Provinn!? nicht genügten.
Nachträglich wird auch gemeldet, daß in den letzten Kämpfen mit den Montenegrinern französische Soldaten auf montenegrinischer Seite gefallen sind. Ticic Soldaten dürften zu dem französischen Skutari-Tetacheinent gchö.t baden.
Die Kriegsanleihen.
Die Reichssinanzvcrwultung beschloß, die aus die Kriegsanleihen gezeichneten Beträge voll zuzutcilen. Für den die aufgelegte Summe übersteigenden Betrag an Schatzenweistrn gen wird Reichsanleihe zugctcilt, wofür durch die reichlich sin- gcgangencn Wahlzcichnungen die Möglichlcil gefchaffen worden ist. Die Zeichner erhalten die Zutcilungsfchrcibcn von der Stelle, bei der sie gezeichnet haben. Vom Empfang der Zu- teilungsschrciben an können Zahlungen geleistet werden.
Guter Geiiludheitsrilstliiid nuirrrr imiMil.
Nach authentischen Nachrichten von der westlichen Front soll der Gesundheitszustand unserer Truppen trotz der großen Anstrengungen und mancherlei Entbehrungen, die der Feldzug mit sich bringt, vorzüglich sein. Auch hinter der Front herrscht tadellose Ordnung. Die Stimmung ist überall zuversichtlich. Auch von den maßgebenden militärischen Stellen wird die Lage als eine für uns günstige betrachtet, so daß man der bevorstehenden Entscheidung mit aller Zuversicht entgegensehcn kann.
Ansliruchsuerluch gefangener pullen.
Crossen, 1. Olt. In dem hiesigen Lager russischer Gefangener benutzten vor einigen Tagen etwa 200 dort untcrjse- brachte Russen einen Augenblick schweren Unwetters mit heftigem Sturm und Regen zu einem A u s b r u ch v c r s u ch. Sie stürmten aus den nahe der Kantine gelegenen Baracken aus den Platz zu, w die Gewehrpyramide» der wachthabenden Kompagnie aufgestellt waren. Der Posten erössnete sofort das Feuer aus die Ausbrechenden und alarmierte das Wachtkom inando, das zum Teil ebenfalls die Waffe gebrauchte. Als die vordersten der Gefangenen sielen, wurde der Ausbruch sofort aufgegeben. Drei Russen sind getötet, acht schwer und mehrere leicht verletzt. Eine abirrende Kugel traf den Karnison- verwaltungsinspektor a. D. Schulz an der Lunge. Außerdem verletzte eine Kugel einen Posten der Landsturmleuie am lin- tcn Unterarm leicht. Aerztliche Hilse war sosort zur Stelle.
Infolge der Vorfälle wurde dann noch eine Kompagnie des Landsturms alarmiert und zur Berstärlung des Wachtkomman- dos herangczogen. Es trat aber bald wieder Ruhe und Ordnung ein.
Die scharfen Schüsse, die weithin hörbar waren, vcrursach- !cn große Aufregung in der Stadt.
Die Untersuchung soll ergeben haben, daß der Ausbruch tatsächlich von einer kleinen Gruppe, die des Zwanges des La- gerlebcns überdrüssig war, vorbereitet wurde. Dr Wind soll vorher dazu benutzt worden sein, um Zettel zur gegenseitigen Verständigung nach den anderen Baracken zu vermitteln. Ein getüteter Ausbrecher war dicht bei den Gewehrpyramiden zu sammengestürzt.
Unsere Feldgranen.
Der „Berner Bund" schreibt über die Wirkung des Fcldgraus: In der sranzästschen und englischen Presse liest man in der letzten Zeit wiederholt, daß die Infanteristen sich bitter über die Unsichtbarkeit des Feindes bellagcn. Mau wisse im Gefecht nur, daß Gefahr in der Nähe sei, aber wo sie stecke, könne nicht herausgcfunden werden.
ventiche Verwaltung in Cienftodinu.
In Czcnstochan ist nach der „Schlesischen Volkszeitnng" am 24. Scptcnibcr durch Anschlag folgende Bekanntmachung cifutflt:
. „Im Aufträge des stellvertretenden Generalkommandos des 6. Armeekorps habe ich am heutigen Tage die Verwaltung des Kreises Czensiochau übernommen.
von Kries, Königlicher Landrat."
Ter Landrat Tr. von KcieS, bisher Landrat von Filch- nc, gehört der konservativen Fraktion des preußischen Abgc> I ordnctenhauseS ans er ist als ein besonders tüchtiger Vcr- waltungsbeamter anerkannt.
Die Haltung Italiens.
Zürich, 30. Sept. Die „Neue Züricher Zeitung" gibt einen Artikel aus dem „Corricre Subalpino di Cunco" wieder, der Giolitti zugcschricben wird und der sich mit der italicni- ichcn Neutralität besaßt. Nachdem der Versager das Anerbieten der Triple Entente, das durch Delcaste und Pichon gemacht wurde, und in dem Italien Trient, Triest und Dalmatien versprochen wird, sowie das Anerbieten Andrastys, das 9!izza, Savoyen, Korsita und Malta bctrtsft, launig zurückweist, weil die hochherzigen Geber tie Geschenke gar nicht in der Tasch, hätten, iaat er » n :


