Ausgabe 
1.10.1914
 
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»**»«>' , darf der Danke» aller gute» Deutschen sicher sein. Linker al« ein Vierteljahrhundert kämpft der deutsch- Sprach- verri» unermüdlich für di« Durchsetzung dieser Forderung.

oder garAdjo" zu beseitigen, dafür sollt« sich jeder DerHchr und jede Deutsche einsetzen. Wenn er aber dann Hecht, vor allem sei auch dastatarische" Hurra zu bekämpfen, so enktM dieser zweite Teil Ihrer Ausführungen einen fprech- g,sch»chtltchen Irrtum. Der AusrufHurra" ist nämlich gut deutsch. Er ist nichts anderes als die Befehlsform eines dextdh«» Zeitwortshurrau" mit angeführtem langen a. Die tBedcntung des ZeitwortsHurrau" istsich schnell bewegen, jetten" und die Befehlsform ohne Anfügung findet sich in einer 'berühmten Stelle von Bürgers LenorcUnd hurra, hurra, sh«np, hopp hopp, gings fort in sausendem Galopp". Die An «siigung des tönenden ft. im langtöncuden Ruf, zur Verstellung ausklingenden Schalles ist eine durchaus altdeutsche Ec- v«hnheit; als eine so von der Befehlssorm abgeleiteten Form ! F«t hier nur aufholla" hingewiesen, das nichts anderes ist, f»ls ein verlängerteshol", (so ruft man heut« noch am Rhein 'den Fährmann vom anderen Ufer an) vom Zeitwortholen". Hurra", das sowohl auf der erste» wie auf der zweiten Silbe -betont vorkommt, ist also ein kerndeutsches Wort, das Franza | jjcn, Engländer und Russen (dort heißt's urä, mit dem Ton au! | j bet letzten Silbe) erst von uns entlehnt haben. Es hat die | sieghafte Bedeutungeilig, drauf und dran". Dieser Sieges- rnf möge unseren Feinden noch recht oft in die Ohren gellen, wen» unsere wackeren Feldgrauen mit aufgepflanztem Seiten­gewehr zum letzten Sturme aufspringen. Und auch seiner in heereskreisen ja schon lange üblichen Verwendung an Stelle des gegen des klingendenhurrah" stets stumpf und gepreßt töncndcnhoch" möchte ich warm das Wort reden.

Prof. Gebhard.

Der Landsturm.

Und ruft das Vaterland uns wieder Als Reservist, als Landsturmmann,

S» legen wir die Arbeit nieder Und folgen treu der Fahne dann.

Von unserem Verbandsredner und Kameraden, Herrn Lehrer Keil, Klein-Linden, z. Zt. bei dem Landsturm-Batail­lon, 1. Kompagnie, zu Eiehen, ist eine Sammlung der gebräuch­lichsten i^nd beliebtesten Vaterlands-, Soldaten- u. Volksl-ede- .zusammengestellt worden. Die in derselben mit Melod e angabe enchaltcnen Lieder sind ein treuer Gefährte der Land- sturmmüniier. Sie eignen sich sehr zum Singen bei festlichen t ^Gelegenheiten und sonstigen Veranstaltungen. Ganz besondere -werden sie bei Märschen ihre Mrkung nicht verfehlen. Wie r-st fehlt cs bei solchen Gelegenheiten an richtigen begeisternden vaterländischen Liedern. Gerade in der jetzigen schweren Zett »sind dieselben von unschätzbarem Werte. Herr Kamerad Keil hat in seiner Sammlung die richtige Auswahl getroffen, und > müssen wir ihm hierfür herzlich Dank sagen. Auch den Krie­gervereinen sei das Büchlein warm empfohlen. Der Preis betragt pro Stück 15 Pfg. Bei Herrn Keil, der di« Sammlung ! selbst im Verlag hat, kann alles Nähere erfahren werde». Bei i »grobem Absatz wird sich vielleicht der Preis etwas billiger Wellen.

Nachschrift: Das Lied Nr. '47, nach der Melodie

JSieh' ich in finst'rer Mitternacht", hat Herrn Keil selbst z- t.

, Verfasser. Es heißt: . .et»

Der Kaiser rief, der Landsturm kam, f Mit strammen Schlitten, Mann sür Mann (7 Fürs Vaterland sind wir bereit,

- In dieser schweren Kriegeszeit.

y Die Feinde, die das Deutsche Reich fr In Ost und West bedroh'» zugleich Sie werde» deutsche hiebe spür'»,

Denn auch der Landsturm tut sich rühr'n.

. Sorgend« Mütter vor Angst verzagen^ . .

" . Krönten vor Schmerz dos Herz fast bricht»

lIDer deutsche Krieger, er kämpft und siegtl

Mit uns ist Gott!

Wenn Kanonendonner umbraust das Ohr,

Wenn die Trompeten schmettern im Chor,

Sausende Kugeln dem Rohr entslich'n,

Eiserne Vögel die Luft durchzieh'n,

Weng die Schicksalswag' die Parteien wiegt:

Der deutsche Krieger, er kämpft und siegtl

Nun geht's hinaus!

Voll froher Hoffnung die Brust geschwellt,

Blitzenden Auges denr Feinde gestellt,

Fest umklaminert den Kolbenlauf

Mit dem Kronprinz: Immer feste drauf I

Dis Franzmann und Russe zu Kreuze kriecht,

Der deutsche Krieger, er kämpft und siegtl

Nach der Schlacht von Allloh am 22. August 1914.

Heiß war das Nillgen in blutiger Schlacht,

Ter Tag entschwand, ein brach die Nacht.

Auf waldigem Berg, hoch über dom Tal Da sammeln sich nun die Kämpen all.

Hier und da ein Schuh aus verlorenem Lauf, Offiziere, die Hand noch am Dcgenknauf,

Tie Mannen, sie liegen so hungrig und müd".

Manch junges Leben war heute verblüht.

Es war ganz still; ein jeder Soldat Dacht an die Lieben, die zu Hause er hat,

Er dachte trauernd der Kameraden,

Die auch zu Hans ihre Lieben hatten.

Und die nun plötzlich mit blutiger Hand Der Tod geführt in ein ander Land, lind die nun nimmer werden schauen Ihrer Mutter Aug', der Heiinat Auen.

Auf einmal wurde das heilige Sinne»,

Unterbrochen von einer Stimme Klingeli,

Erst tönte sie leise und ganz allein,

Allmählich sielen die anderen ein.

lind stärker und stärker wurd' der Choral,

Es sangen die müden Krieger all.

Es war das Gefühl, das dem Herz sich entrang,

Als endlich erloschen der Schlachtenklang. ..§N

Ta fühlten die Helden, wer in dieser Schlacht,

Sie hat zu den Herrschern der Wahlftatt gemacht. Und sie wußtens alle, daß das Eine war not:

Der Glaube an Ihn, an den helfenden Gott.

Und wenn auch so mancher gefallen und tot.

So fangen sie doch: Run dankt alle Gott!

Sie dankten, daß er so treu sie geführt.

Und ein jeder war tief im Herzen gerührt.

Sie baten, daß er in kommenden Tagen,

Verhüten mög' alles Leiden und Klagen,

Und daß die ersehnte Zeit bräche an.

Wo sie heimwärts kehrten, Mann für Man».

Ans der Heimat.

Sie schicken gegen's deutsche Heer, Ein wild Gesindel uns daher.

/. Zuaven, Turkos, Annamit,

" . Vereint mit Franzmann und mit Brit.

Der Reger selbst oom Kongofluß,

41" FürGrand Ration" jetzt streiten muß; <77 Doch er hat'? Laufen grad so los,

7' Wie Englishmen und Schelm-Franzos.

Ein jeder Schuß, das ist ein Ruß, Ein jeder Tritt ein Brit sein muß.

Ein jeder Stoß sei ein Franzos,

So werden wir die Bande los.

Wir Deutsch, sind zum Sturm bereit, F Wir zeigten'» schon in alter Zeit;

Bei Rosiach, Leipzig und Sedan,

Bei Gravelott«, Metz, Orlean.

Jetzt da der Feind das Reich bedroht,

Der Kaiser ruft zum Kampf und Tod Jetzt Kaiser ist der Landsturm da, heil Kaiser Wilhelm! hoch! Hurra!

R, M-

8w ei Lieder vom Schlachtfeld

Frau Waas von hier stellt uns zwei tiefempfundene Düker zur Verfügung, die Herr Lehrer Fritz Stoll zu Mkibecken (Kr. Hanaus auf den Schlachtfeldern iw jetd} Hechtet hat.

tt gibt fein »streck! '

Mcm iiw die Träne (HF.

SQcnu auch bk Lchpe weint und fWft- . frmiifmfcr SrraiKJi bert jGatteu WfaatXfv

* Friedbcrg, 1. Olt. Am heutigen Tage feiert der hiesige Vorschuß- und Kredit-Verein E. m. b. H. sein goldenes Jubi­läum, ein Ereignis, welches in friedlichen Zeiten wohl das Interesse und die Teilnahme weiterer Kreise auf sich gezogen hätte, welches aber jetzt zurllcktreten muß unter dem schweren Ernst der Kriegszeit, in welche unser deutsches Vaterland gegenwärtig verwickelt ist. Der Beschluß des Vorstandes und Aussichtsratcs, gemeinsam mit den dazu geladenen Gästen und Mitgliedern eine schöne Jubelfeier zu veranstalten, ist unter diesen Umständen wieder aufgehoben worden, dagegen soll die von dem Verein herausgegebene Festschrift in den nächsten Ta­gen an alle Mitglieder verschickt werden; dieselbe gibt ein klares Bild über die Entwicklung, welche der Verein in dem ersten halben Jahrhundert seines Bestehens genommen hat und wird hoffentlich allen Mitgliedern eine willkommene Erinne­rungsgabe an das segensreiche Wirken dieser Genossenschaft sein. Es soll deshalb auch nicht die Aufgabe dieser Zeilen sein, hier eine zahlenmäßige Aufstellung über die Entwicklung des Vereins zu geben, die Festschrift, eine gewissenhafte Arbeit des Vorstandsmitgliedes Jean Dörr bietet jedem, der dafür In­teresse hat, das nötige Material. Wir glauben aber im Sinne des größten Teils unserer Einwohnerschaft zu sprechen, wenn wir dem Verein zu seiner goldenen Jubelfeier unsere herzlich­sten Glückwünsche aussprcchen und der Hoffnung Ausdruck geben, daß das beginnende zweite halbe Jahrhundert der Geschäfts­tätigkeit in gleicher günstiger und fortschreitender Entwicklung verlaufen möchte wie das erste. Wir glaube» feststellen zu dürfen, daß von Gründung des Vereins bis zur Jetztzeit die ganze Leitung im Geiste unseres Altmeisters Schulze-Delitzsch erfolgte, daß der Gedanl« der genossenschastlichen Selbsthilfe Selbstverantwortung und Selbstverwaltung stets hoch gehalten wurde. Dankbar wollen wir daher der wackeren Friedberger Bürger gedenken, welch« im Sommer des Jahres 1864 zuerst zu« Gründung zusammentraten und welch« veranlaßt«», daß die Geschäftstätigkeit am 1. Oktober 1864 ausgenommen wurde. Au» kleinen Anfängen, in einem b«schetdenen Stübchen des da- maltaenVoMchkS^SL'^ hat sich allmählich der Verein in

stetig fortschreitender Weise zu seiner jetzigen 'S:' : ;Utn| er wickelt, heute übt er seine Geschäftstätigkeit in dem fchö;; praktischen und mit allen modernen Hilfsmitteln v

tcn Eeschäftshause in der haagstraßc aus. Wir können i: : Genugtuung feststellen, daß der Friedberger Verein h« "e ir der ganzen genossenschaftlichen Welt einen guten Klang I. die Revisionen, welche nach den gesetzlichen Bestimmung-::, c- zwei Jahre erfolgen müssen, haben nach niemals zu irgend irc! cher ernstlichen Beanstandung Veranlassung gegeben und stets mit der Bemerkung geschlossen, daß Vorstand und Aussichtt:-.! in vollstem Maße ihre Schuldigkeit getan Hütten. Die an de: Spitze des Vereins stehenden Vorstandsmitgliedern sind fSmili : schon seit langen Jahren in ihrem Amte tätig und geben UNS die volle Bürgschaft dafür, daß die Geschäfte stets in oorji -i gcr und vertrauenerweckender Weise gesührt werden-. Ein Be­weis für diese Tatsache ist wohl der, daß bis jetzt »och keinerlei Verluste von irgend welcher Bedeutung z» verbuchen find. Die Mitgliederzahl beträgt zur Zeit nahezu 1406, der Umsatz etwa 52 Millionen, die Reserven eine halbe Million, Auch in sozia­ler Hinsicht hat sich der Verein stets bewährt und im Lause der Jahre schon mehr wie 35 Tausend Mark Beiträge an hie­sige gemeinnützige Institute und sür wohltätige Zwecke verteilt. Der Vorschuß- und Kreditverein hat niemals seine Aufgabe darin gesucht, ein Bankinstitut sür die Interessen des Groß­kapitals zu sein, sondern sein höchster Ehrgeiz bestand darin, eine Volksbank im wahren Sinne des Wortes zu sein, d. h. die Interessen des laufmännischen, gewerblichen und landwirt­schaftlichen Mittelstandes, jedem Arbeiter und Handwerker in Stadt und Land durch Gewährung von Kredit zu dienen und wir können mit Befriedigung feststellen, daß er cs veritanden hat, in dieser Beziehung segensreich zu wirken, so daß man sich heute das Gcschäftsleben von Friedbcrg und Umgebung gar nicht mehr recht ohne di- Mitwirkung des Vereins vorstellen kann. Möge der Verein diesen bewahrten Grundsätzen stets treu bleiben, möge er auch fernerhin umsichtig, gewissenhaft und vorsichtig weiter arbeiten, dann wird ihm eine gedeihliche Fortentwicklung beschieden sein und die Anerkennung und An, hänglichleit weiter Kreise werden ihm auch sür die Zulun!: treu zur Seite stehen. In diesem Sinne nochmals de», Jubi­lar« unsere herzlichsten Glückwünsche!

* Friedberg, 1. Oktober, (Schöffengericht), Die Prioat- tlage eines prall. Arztes von Lcidhecken gegen einen Landwirt von da wegen Beleidigung wurde zwecks weiterer Vewciser Hebung auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Ein Landwirt von Lcidhecken klagte gegen eine ledige Landwirtin von da wegen Beleidigung. Es kam ein Vergleich zustande. Die Angeklagte trägt alle Kosten, nimmt die Beleidigung zurück und zahlt 5 .!! Buße sür das Rote Kreuz. Die Privatklage zwischen einem Landwirt von Burg-Gräfenrode und einem Weißbinder von da wurde verglichen. Letzterer nimmt die Beleidigung zurück und trägt die Kosten. In gleicher Weise wurde die Privat klage zwischen zwei Bergleuten vo» Ober-Rosbach erledigt.

* Friedbcrg, 1. Okt. (Auszeichnung »uch dem Tode.) Herr Schutzmann Kaiser erhielt heute eiue Feldposttarte, worin ihm der Rittmeister Freih. Rogalla von B-berfteiu mitteilt, daß seinem Sohn, dein Gefreiten Martin K als« r das E i f e r n e K r e u z für vor dem Feinde bewiesene Tapferkeit verliehen worden sei. In der Posttarte gab der Rittmeister der Ver-mutting Ausdrurh daß der Geehrte, der verwundet zu Longuyon im Lazarett gelegen habe, wobl in französische Gefangenschaft geraten fei. Leider ist die Der- mutiing unrichtig, indem bekanntlich der Gefreiter Kaiser au den Folgen seiner Verwundung gestorben ist. Für seine Angehörigen aber bedeutet die Ehrung des Dahingeschiede- nen einen Trost im Schmerze.

* Eroßlarben, 1. Okt. Immer reicher sollen die Opfer, die das Vaterland verlangt. Mit ganz besonderem Schmerz hat uns der Tod des Landwehrmannes Heinrich Bär erfüllt, der jahrelang ein getreuer Freund uuserer Sache und einer ihrer eifrigsten Förderer gewesen ist- Ein fanzüsischer Flieger warf eine Bombe aus eine Munttionskolonne, die 6 Mann tötete und viele Leute verwundete. Unter den Getöteten be­fand sich auch der Landwehrmann Bär. Wir werden dein Freunde, der den Heldentod für's Vaterland erlitt, ein getreues Andenken bewahren.

Hessen.Nassau.

* j. Usingen, 1. Okt. In anerkennenswerter Weise ha! der Vorstand des 10. landwirtschaftlicheu Bczirksvereins beschlos­sen, aus die diesem Vereine nassauischer Land- und Forstwirte ctatsmäßig zustehenden Beihilfe van 600 Mark zu Gunsten des Uuterstützuugsoereins für die Landwirte der Provinz Ostpreu­ßen zu verzichten. Es wäre erfreulich, wenn diesem schönen Beispiel die übrigen 15 landw. schastlichcn Bezirlsvcreine des Kammerbezirks Wiesbaden folgen würden. Den armen, von Haus und Hof vertriebenen ostprcußischen Berufsgenossen kä­men dann allein auf diesem Wege 9600 Mark zugute. Gol­dene Hochzeit feierten Wagnermeister Wern und Ehefrau Elisa­beth geb. Erny-Usingen, im 78. bezw. 75. Lebenssahre.

* %. Cratzenbach, 1. Okt, Unser Bürgermeister Rühl, an Alter wie an Dienstjahrcn der älteste Bürgermeister des Krei­ses, er ist über 38 Jahre Bürgermeister, legt aus Gesundheits­rücksichten sein Amt mit dem 1, Oktober nieder.

Kirchliche Anzeigen. Gottesdienst in der Siadtlirche.

Freitag. 2. Okt, nbevds 8(4 Uhr: Kriegsbittandacht. Herr Pfarrer Kleberger.

Franksnrler Wetterbericht.

B-raussage: Wolkig, messt trocken, mäßig warm, westliche Winde.

Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirschek, Friedberg: für den Anzeigenteil: K. S ch m i d t, Friedberg. Druck und Verlag derNeuen Tageszeitung", A. G., Friedbcrg i. H.