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Krieges entschleiert worden ist, rennen alle bisherigen Be- rcchnungen über den Festungsbau über den Haufen. Ihre Geschosse, die, schon erwähnt, 42 Ctm. lichte Weite und die
Hohe cincä mittelgroßen Mannes haben, verbreiten schon im Augenblick, wo sie abgcfcucrt werden, Furcht und Schreie!,, denn der durch sic erzeugte Luftdruck ist ganz enorm. Auf viele hundert Meter in der Runde bleibt nicht eine 2a cK'.c ganz. Dazu kommt das Gernusch des dahinsausen- cm Projektils und der furchtbare Krach des einschlagenden t-eschosses. Naturgemäß ist es an der Einschußstelle am ellerschrecklichsten. Denn nicht nur, daß das Geschoß etwa einen halben Morgen Land aufreißt, schlägt cs auch durch mcterdickc Mauern und selbst Cement- und Betonwände glatt hindurch und wirft Blöcke von der Größe eines mittleren'Wohnhauses hoch in die Luft. Auf längere Zeit hinaus sieht dann die Besatzung der feindlichen Stellung nicht die Hand vor den Augen, kann also an eine Erwiderung des Schusses nicht gut denken. Gleichzeitig ist eine Gaswirkung zu konstatieren, die eine schwere Erstickungsgesahr für alle in gedeckten Stellungen stehenden Mannschaften inil sich bringt, sodaß meist schon nach den ersten Treffern falls das Werk nicht dadurch schon ein Schutthaufen gewor- den sein sollte, die Artilleristen einfach ans dem Werk hinauslause».
Was nun speziell Maicheugc anlangt, so ist bekannt, daß die zweite Armee unter v. Blllow in den Tagen vom 27. August ab beiderseits an der Festung vorbeiging, unter Zurücklassung von Einschlicßungstruppen, die von anderen Stellen her noch verstärkt wurden. Die alte Stadtumwallung stammt lyirf) aus der Zeit Dauban's. Maubeuge ist von einem durch „ouvragcs" verstärkten Fortgllrtel uni- geüen, der etwa 5 bis 6 Kilometer vorgeschoben ist. Vor >870 war nur die Stadtbefestiguug und einige schwache Außcnwcrke vorhanden. Nachher wurde Maubeuge mit einem Gürtel vorgeschobener Werke (6 Forts, 7 ouru^ges und einer Anzahl Batterien) umgeben. Die Forts sind mtckill- gemciuen altbetonierte Panzertiirme mit langen 1155 mm. Kanonen sind in zwei der Forts an der Ostfront installiert; eine Pauzerkasematte (d. h. gepanzerte Zwischenraum- strcichc) befand sich im Fort du Bordiau. Panzerbcobacht- ungSstände bcsaudcn sich in verschiedenen anderen Werken. Die „ouvragcs" fiii& meist zum Teil im Frieden auszebaute Jnfantericanschlußlinicn die auch mit Hohlräimien versehen sind. Für unseren Angriff kamen vier Abschnitte in Betracht.
Der Hauptangriff richtete sich im allgemeinen gegen die im Norden und Nordosten gelegenen Werke. Besonders hervorzuheben ist bei Maubeuge, daß das Gelände zwischen den Werken nicht wie bei Lüttich und Namur unbefestigt sondern im Gegenteil stark ausgebaut war. Dazu gehören verstärkte Schützengräben, zahlreiche Hohlräume, starke Drahthindernisse, zahlreiche tief in die Erde eingegrabene Batterien und starke bewegliche Artillerie. Außerdeni war auf der Nordostfront ein Panzerzug tätig, der Geschütze auf Lowrys bewegte, die somit aus wechselnden Stellungen feuern konnten. Infolgedessen genügte cs nicht, nur ein- zelne Werke artilleristisch nieder-,»kämpfen, wie dies bei Namur und Lüttich geschehen ist, sondern es mußten auch die Zwischenstellungen mit ihren sehr geschickt eingekxiuten Batterien auf der Angrisfsfront mit Feuer stark zugedeckt werden, ehe die eigene Infanterie zum Angriff schreiten konnte. Unsere schwere Artillerie stand anfangs etwa 8 bis >0 Kilometer von den Werken entfernt; später ging sie mit einzelnen Teilen weiter vor. Sie hatte hauptsächlich 21 Ctm.-Mörser, weittragende Flachfcuergefchiitze, unsere modernen schweren Stcilfeucrgcschütze, darunter auch die eingangs erwähnten 42 Ctm.-Mörser und schließlich riech zwei österreichische Motorbattcrien zur Verfügung. Die deutschen Angriffstruppen waren an Infanterie dem Verteidiger bedeutend unterlegen. Nachdem die Forts und Zwischenwerke der Angriffsfront artilleristisch niederge- kämpft waren (auch die Panzertiirme wurden in kurzer Zeit zum Schweigen gebracht), wurde das Artilleriefencr auf die Zwischenstcllungcn verlegt. Nach kaum eintägiger Wirkung hatte die schwere Artillerie auch hier volle Arbeit getan. Unter ihrer vernichtenden Wirkung gelang es, den Jnfanterieangriff bis zum 7. Mittags auf Sturm errtsera- ung hcranzutragcn. Kurz darauf wurden die Stellungen genonimen. Tie Werke ans den anderen Forts waren zum größeren Teil bis zu diesem Zeitpunkt artilleristisch zusain- mengefchossen. Unsere Verluste waren verhältnismäßig gering, lln wir das Niederringen des Verteidigers im großen und ganzen der vernichtenden Wirkung der schweren Artillerie überlassen konnten. Am 7. Nachmittags begannen dann die Kapitulationsverhandlungen, denen am folgenden Tage der Auszug der 10,000 Mann, darunter 4 Generale, sich anschloß. Er nahm fast sieben Stunden in Anspruch »nd zwar wurden die Gefangenen sofort cinwaggoniert und nach Deutschland abgeschoben, eine neue Mnstcrleistnng unseres Eisenbahnwesens. — Die Verwüstung in den Werken war schrecklich, doch wurden sofort alle Jnstandsetznngs- arbeiten in Angriff gcnominen.
Seitdem Kaiser Wilhelm am 16. August dieses Jahres von Berlin au§ ..in der Richtung Mainz", wie es in der offiziellen Depesche hieß, nach dem ersten Großen Haupt- guartier in Coblcnz abgereist ist, befindet er sich nunmehr gerade einen Monat im Felde. Ganz still und unbemerkt ist der aus zehn Wagen bestehende Kaiserliche Sondeczug, dessen Erscheinen sonst immer den hellen Jnhcl der Bevölkerung hcrvorrief, durch das halbe deutsche Reich gefahren. Vergeblich hat man im Westen und Südwesten damals Ausschau nach dem schönen weiß-blauen Train gehalten, der den obersten Kriegsherrn zu seinen braven Truppen trug. Er hat nämlich inzwischen seine Farbe verändert. Wie wicb-
Ncuc Tagerzeuung. Samstag, den 26. September lbi«
tig diese Vorsichtsmaßregel gewesen ist, beweist allein schon der Umstand, daß französische Flieger auf die absichtlich falsch gewählte Bezeichnung der Reiseroute hin sofort auf der Eisenbahnstrecke Frankfurt mit dem Abwersen von Bomben begonnen haben sollen, ohne jedoch irgend etwas Positives zu erreichen. Aber auch noch aus anderen Gründen mußte diesmal in jeder Weise für die persönliche Sicherheit des Monarchen gesorgt werden, denn er kann sich in diesen Tagen und Wochen nicht etwa wie der französische Präsident in die friedliche Stille einer weit vom Schuß belesenen Provinzstadt zurückkchren, sondern hält es, getreu der großen Ueberliescrung seiner Vorfahren, für seine Pflicht, so oft als nur irgend möglich umnittelbar mit den Truppen in Fühlung zu treten. Dabei ist er schon mehrfach bis dicht an die Gcfcchtslinie herangekommen.
Den Weg zu den kämpfenden Truppen hat der Kaiser sowohl von Coblcnz wie auch von seinem jetzigen Hauptquartier aus stets im Automobil zuriickgelegt. Die Sicherheit des Kaisers während seiner Anwesenheit im Felde verbürge» neben seinen persönlichen Adjutanten und der Leib- gendarmerie auch seine große Anzahl aus allen deutschen Polizciämtcrn zusammengezogener Geheinipolizisten, die als sogenannte „Geheime Polizei" organisiert sind. Ihnen liegt naturgemäß auch die Observation aller im Felde und ini Großen Hauptquartier auftauchenden ver- dächtigen Persönlichkeiten ob, die neben der Sicherheit des Kaisers auch die des Heeres durch Spionage, Attentate u. a. m. gefährden könnten.
So umgibt eine dem ungeübten Auge selbswcrftändlich unsichtbare, aber trohdein undurchdringliche Schutzwand den Monarchen bei Tag und Nacht. Natürlich bewegt sich der Kaiser selbst im Großen Hauptquartier und im Felde völlig unbehindert durch die zu seinem Schutze getroffenen Maßnahmen. So sah man ihn in Coblcnz wiederholt in heiterer und ungezwungener Unterhaltung mit vor dem historischen Coblenzcr Schlosse spielenden Kindern und auch in sei,rem jetzigen Hauptquartier jenseits der Grenze hat er sich die Herzen der Bewohner sofort erobert, als er, nur wenige Minuten nach seiner Ankunft, bereits aus seiner Wohnung hcraustrat und sich einigen Kindern freundlich nahte, die auf sein Erscheinen gewartet hatten.
Er sieht überhaupt um Jahre verjüngt aus, seitdem er die Bravour seiner Truppen in diesem Feldzüge wiederholt persönlich hat beobachten können. Während in Coblcnz nock) die letzten Vorbereitungen zu treffen waren und verschiedene höfische und diplomatische Geschäfte ihn in Anspruch nahmen, ist der Kaiser jetzt säst ausschließlich um das Wohl und Wehe der draußen im Felde Stehenden bemüht und charakteristisch dafür ist die kleine Episode, die ich selbst beobachten konnte. Irgend eine Stelle hatte das Fehlen einiger Wolldecken für Verwundete gemeldet, und nun erschien der Kaiser persönlich, um festzustellcn, ob die Sachen inzwischen abgeliefcrt ivorden seien. Auch die Kaiserin hat sich wiederholt persönlich um das Wohlergehen der Verwundeten gesorgt, zumal von weiblicher Seite aus darüber geklagt worden sein soll, daß man den Frauen nicht in ge- nagender Weise Platz für Betätigung bei der Verwundeten- pslege geschaffen habe. Ich komme darauf noch zurück.
Mit den, Kaiser find auch Automobilführer, Leibkutfcher und sonstige Bedienstete, sowie ein auserlesenes Pserdemate- rial über die Grenze gekommen, und der Ort, wo sich das Große Hauptquartier befindet, erlebt in dieser Zeit goldene Tage, da ja die kleineren Bedürfnisse für die Hofhaltung direkt hier befriedigt werden müssen. Aber auch die engere und weitere llmgebnng des Monarchen setzt die Kaufleute, Lieferanten und Handwerker der Stadt andauernd in Bewegung. ES komnicn hinzu der Große Generalstab, das Auswärtige Amt mit seiner hiesigen Filiale, das Kabiact- und das Hospostaint mit ihren vielen Beamten, das Rote Kreuz, die freiwillige Krankenpflege, das Kaiserliche Freiwillige Automobrlkorps, die ausländischen Militärattach es,> und die Kriegsberichterstatter, alles Faktoren, die mit ihren Ansprüchen und Bedürfnissen die ganze Stadt beschäftigen, sodaß in den meisten Läden mangels genügender Ansuhr bereits keine Waren mehr zu haben sind.
Unvergeßlich wird den Truppen besonders der diesjährige Sedantag bleiben. Aui 1. September war der Kaiser, vom Große» Hauptquartier kommend, in Beanville ein- getrosfen, wohin auch der Kronprinz herllberkam. Mitten in deni von seinen Bewohnern fast ganz verlassenen halb- verbrannten Städtchen trafen sich Vater und Sohn und zogen sich alsbcild in ein niedriges kleines Gasthaus zuriick, wo der Kronprinz dem Kaiser die soeben errungenen Erfolge seiner Ariiiee niitteilen konnte. Mit strahlender Miene erschien der Kaiser darauf Arm und Arni mit dem Kronprinzen bei den in den Straßen die Warbst haltenden Land- ivehr- und Landsturmmännern und rief sie mit den Worten Na Kerls, mm kommt mal her, ich muß euch doch zuerst das Neueste erzählen! heran. Inmitten der Lciite und mit Jubel begrüßt von den das Städtchen ununterbrochea durchziehenden Kolonnen teilte er ihnen dann die Freudenbotschaft von dem Siege der kronprinzlichen Armee bei Virton mit und gab die Nachricht an Einzelne Kolonncnführer weiter. Wiederholt klopfte der Kaiser dem Kronprinzen, der in der Uniform seiner Tanziger Husaren und mit deni ihm vom Kaiser persönlich angchcsteten Eisernen Kreuz geschmückt, in tiefer Bewegung vor ihm stand, gerührt auf die Schulter. Nachdem ein begeistertes Hurra auf den Kaiser und den Kronprinzen ausgcbracht war, verabschiedeten sich Vater und Sohn. Ter Kaiser suhr alsbald nach Marvillc und von dort »ach Sorbcy. Auf dem ganzen Wege begegneten den, Kaiser vorrnckendc Truppen, von denen der Monarch sich iinmer wieder über den Sieg und ihre Erlebnisse erzählen ließ. Man kann sich ungesähr denken, wie fröhlich die iniiden Feldgrauen wurden, wenn plötzlich
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ihr oberster Kriegsherr sichtbar wurde. In Sorbcy war in- zwischen das Liegnitzcr Königs-Grenadier-Regiment mit Musik und Fahne lintcr dein Kommando des Prinzen Oskar von Preußen aufmarschicrt, der sich im Felde einen schönen brünetten Vollbart hat stehen lassen, und von, Kaiser mit einem fröhlichen, auf seine Kriegstrauüug mit der Gräfin Bassewitz bezüglichen Scherzwort begrüßt wurde. Der Kaiser schritt dann die Front der Truppen ab und begrüßte jede einzelne Kompanie mit den, üblichen: Guten Abend, Grena- dierc!
Dann hielt der Kaiser eine längere Ansprache an das Regiment, teilte ihm den Sieg der kronprinzlichen Armee bei Dirton mit i,nd bemerkte dabei, daß dieser Erfolg angesichts der besonderen Bravour unserer Truppen mit ehernen Lettern in die Geschichte dieses Krieges cingezcichnct zu wer- den verdiene. Mitten in die Rede hinein dröhnte der Touncr der Kanonen vor Verdun. Unbeschreiblich war der Jabel, init dem das Regiment in das von seinem Kommandeur auf den Kaiser ausgebrachtc Hoch einstimmte. Tann rief der Kaiser die Offiziere und ebenso die Unterossizicre zu einer Besprechung zusammen. Er forderte schließlich das Regiment zur Nacheiferung auf und blieb die Nacht im Biwak mitten unter den Königs-Grenadieren. Tic Sonne war blutrot im Westen untergcgangen und über der lauen Soni- incrnacht stand der Vollmond, als sich der Kaiser aiit dem Prinzen Oskar in ausgcräumtestcr Stinnmuig zur Ruhe begab.
Paul Sch weder, Kriegsbcrichlerstatter.
Cin Feldpostbrief.
Hicrniit bringen wir den zweiten Feldpostbrief des bei de,i Jägern dienenden Odenwälders an seine Angehörigen zur Veröffentlichung. Derselbe lautet:
La Bougoi, 8. Scpt. 10; I.
L. E.
Ta ich gerade heute Nacht von 8—1 Uhr Telephon- dienst habe, kann ich Euch wiederum einen ausführlichen Brief schreiben. Ich bin jetzt beim Bataillonsstab. Wir haben uns hier ein Brcttcrhaus gebaut, worin wir zu dreien Hausen. Einer niuß stets am Telephon zur Verfügung stehen. Das Hcius, in dem sich der Stab befindet, ist gleich nebenan. Soeben sind 4 Mann mit einem Sack Postsachen e.ngekommen. Ihr glaubt nicht, wie einem das freut, eine Nachricht aus der Heimat von seinen Lieben zu erlangen, und wenn es auch nur eine Postkarte ist. So nun will ich weiter fortfahren von meinen Erlebnissen aus dem letzten Brief, der von Mayenmouticr nach Etinal, wo wir die ganze Nacht im Wald zubrachtcu. Am morgen des 3. Septembers ging es um 4 Uhr nach Nompartelizc, daS stark vom Feinde besetzt war; wir machten uns auf einen heißen Kampf gefaßt. Um 5 Uhr bei starkem Nebel begann die Artille ie mit dem Geschiitzfcuer. Es war fürchterlich, wie das krachte, aber trotzdem gingen wir vor. Um 8 Uhr abends hörte der Kampf auf. Wir nahmen eine geschützte Stellung ein. Ich und »och 16 Mann hatten Patrouille nach Nompa Belize. Wir wurden aber am ersten Haus schon von feindlichen Vorposten angeschosscn und mußten umkehrcn, um nicht abgefangeii zu werden. Am 4 . gingen wir morgens im Schutze des Nebels vor. Die Franzosen hatten den Ort bereits geräumt; sie hatten eine starke Verteidigungsstellung an einem spitzen Bergkegcl hinter Nompartclize ei» gc- uonimcn und sich dort gut verschanzt. Unsere Artillerie beschoß nun den ganzen Tag die feindliche Stellung; um den Gegner mürbe zu machen. Wir hatten in der Zeit nichts zu tun und lagen in einer sicheren Deckung. Um 5 Uhr gab's Befehl, den Feind auf der ganzen Lrnie zu 'türmen und ihn aus seiner Stellung heraus zu werfen. Das war so etwas für uns Jäger! Mit Hurra gings in einer großen Schützenlinie über das freie Feld aus den Bergiö- hang zu.' Einige von uns fielen, aber unaufhaltsam gu g - cs weiter. Das Hurrageschrei könne» die Franzosen nickst vertragen und so zogen sie sich deshalb eiligst zurück. Nun gings den Berg hinauf bis auf die Spitze, wo wir unser Nachtlager aufschlugen. Wir fanden noch einige Franzosen in den Steinkippen, sic wurden gefangen genommen. Hier sahen wir zum ersten Mal französische Alpenjäger. DaS ist die beste Truppe und die besten Schützen bcsinden sich unter ihnen. Unsere Kompagnie hatte nur wenig Verluste, trotzdem, daß wir als erste vorangestürmt sind. Am 5. Sept. gingen wir gegen La Bonyoi vor, wo wir jetzt noch sind. Artilleriefencr kann man den ganzen Tag sehen und hören. Heute den 7. hatten wir Gottesdienst. Wir hatten einen schönen Tag, da die ersten Eisernen Kreuze an unser Batail- Ion verteilt worden sind. Jetzt will ich Euch noch einiges über Frankreich schreiben. Wenn Ihr diese Gegend schci, würdet, ihr würdet staunen. Erstens sind die -Ortschaften nicht so zusammengebaut wie bei uns. In jedem Eck steht ein Haus. Wenn man hinein will, muß man erst durch den Stall dann sozusagen durchs Hühnerhaiis. Die Hühner lalcfcn nämlich in der Küche herum. Ich habe bis jetzt in den kleinen Ortschaften noch keine Haustür gesehen. Im Innern sind die Häuser sehr fein ausgestattct. Vor ollem Dingen sind Weinflaschen zu finden. In Frankreich hat nämlich' jeder Bürger seinen Rotwein, aber einen feinen Tropfen, kein so schlechtes Zeug wie unser Kirmeswein. In einer Wirtschaft gekauft kostet der Liter 50 Psg. ^ Wir brauchen natürlich keinen zu kaufen, denn er ist in jedem Keller zu sindcu. Bier bekommt man keines zu sehen. Vieh ist überall in Mengen vorhanden. Wenn man Zeit hat, kann man sich dauernd Fleisch kochen. Ihr müßtet nur einmal sehen, wie cs bei uns so spaßig hcrgeht. Vorgestern mußten wir uns ein Bretterhaus bauen. Die Bretter gab cs hoch oben am Waldrand in einem Sägewerk. Die Leute
I sind alle fort. Wir drei sollten nun die Bretter holen, das war uns nicht gerade angenehm. Auf einmal kam uns ein


