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Beilage zurNeuen Tageszeitung".

Samstag, den 26. September 1614.

, liatirgung

Eine Kirchweihprrdigt.

(I Kon 8, bk61).

Viebc tbemeinbc! beute ist unjet Kirchweihtag Wie be­deutungslos i scheint er uns geworden! Wie haben sich die Zeiten geändert! Wer mag letzt an das denken, was man sonst so gemeiniglich unterKirchweihe" versteht! Während man sonst aus diesen Tag gar manchem Haus innen oder außen ein iestiiches Gewand anlegte, während man sonst Gäste lud und dafür sorgte, duß man sie festlich bewirte» konnte, während die «oldaten sich freuten, an diesem Tag daheim und mit den Ka nieradcn fröhlich zu sei», ist das jetzt so ganz anders. Keine Hand hat sich gerührt. UI» aus Kirchweih- zu rüste», kein Gast sendet sich ein und wird willkommen geheißen, kein Soldat koi.imt IN Urlaub, kein Mädchen, das auswärts dient, kommt heim, und kein auswärts wohnender Dorfbewohner sucht für b.nte die Heimat aus. Der Kirchweihtag scheint bedcutungs Ire y.i fein. Und doch dürfen wir diesen Tag nicht vorüber llchen lassen, ohne seiner Bedeutung zu gedenken, ja wir jeiern ihn heute sinngemäßer, und mehr haben sich im Gotteshaus e vg.landen als sonst. Wir suhlen cs in dieser Zeit, was wir ,V i cii dieser Stätte gemeinsamer Anbetung haben: wir spü- >oic alles Irdische erst dann wirtliche» Wert gewinnt, nn es erarbeitet und verbraucht wird im Gehorsam gegen n der da ist, der da war und der da sei» wird. Darum ist a: ,l> las Tezteswort gewählt aus der Geschichte der Tempel n e he. Im Osten war der Eingang zu dem Tempel, Im Olten geht die Sonne auf. das Licht, welches die Finsternis !> Utrecht. Wer den Tempel betrat, soll das tun i» dem Glau de», dag Golteswort das Lichi ist, welches in die Finsternis der Sunde hineinleuchtet. Und Ivcnn der Jude am Sabbath Aus­gang das Gotteshaus verließ, dann sollte ihn die untergegan- gene Sonne mahnen daran, daß da wo das Licht des göttlichen Wortes erlischt, die Finsternis menschlicher Sunde ihren Ein­zug hält. Unser Tert enthält die Worte des Königs Salomo, lenes Königs, der bei Uebernahmc seiner Herrschaft nicht um Reichtum, sondern um ei» weises und verständiges Herz gebe­ten hatte, Buhe hatte Israel gesunden, vorbei war die Zeit der Stistshütte, jenes Wanderzeltcs, ein sester Haus wurde gebaut, das den Mittelpunkt der Gemeinde, ja des ganzen Lan­des bilden sollte. Das Volk sollte nicht vergessen, zu danken: ..Der Herr unser Gott war mit den Väter»", vertrauensvoll zu bitten:Der Herr ziehe seine Hand nicht von UNS ab", »nd freudig z» geloben,zu halte» die Gebote, Sitten und Rechte, die Gott den Vätern geboten hat,"

Was hat doch eine Genieinde an ihrem Gotteshaus, und ein Volk an seiner Kirche! Wie oft sind wir hier schon zusam- niengekommen! Nicht nur o» den großen Feste», die uns ver­kündigen die Wunder, welche durch Christus für uns Sünder geschehe» sind, nicht nur in den Zeiten, wo besondere Ereig­nisse im Leben der Gemeinde, oder des ganzen Voltes unsere Gedanke» in Anspruch nahmen, sondern auch ao den gewöhn­lichen Sonntagen, iinmer fand sich eine feiernde Gemeinde hier ein, die da glaubte:An Gottes Segen ist Alles gelegen",

Freud' und noch mehr das Leid hat uns hier zusammengesührt, solange dieses Gotteshaus steht, haben es seine Besucher je und je empfunden, daß Himmel und Erde zusammen gehören, Seil uns die Erde die Ernte geben, so muß der Himmel Son- nc»schein und Regen spenden, »nd wollen wir i» den Besitz lines Gluikes kommen, das die Vergänglichkeit überdauert, so inß i» der Seele lebendig bleibe» als Grundstimmung:Wir h>öe:> stier keine bleibende Statt, sondern die zukünftig« suchen vor. Keinem andere» Zweit sollte dieses Haus dienen, als es ni,leie Voriahren erbaute», Dorum gaben sie ihm de» hohen, e -- -»artigen Turm, damit die im Felde arbeitenden Menschen i:> ihm sähen den Gottesjingcr, der zum Himmel weist: darum l> en die Glocken da oben, damit unser Herz immer wieder -h werde in dem Bekenntnis:Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses, und den Ort, da deine Ehre wohnt."

Und wie ist »nsere Gemeinde durch die Sitten mit ihrem

C..... haus verwachsen! Ich nenne nur zwei, die gewisser-

- ias,en am Anfang und Ende eines ' Menschenlebens

sie-!.'». Der erste Gang einer ihres Kindleins frohen Mutter aus dem Bereich ihres Hauses jührt sie zu», Donk ins Goilesha»», und wo Leid und Trailer i» einem Hause cinoeiehrl sind, da gehört es fast mit zur Trauerseier, daß der jelgeude Sonntag die Leidtragenden in der Kirche sieht,

Wohl ist diese Kirche ei» Bau von Menschenhände» ge­mocht, aber Niemand wird leugne», daß sie llezeit bewiesen hat: . Ich bin ei» Bau zur Ehre Gottes uv» Segen der Menschen". Was ist uns unser Gotteshaus . ,. wert in dieser schwel betrübten Zeit?! Nicht Menjchenrrort suchen wir, das »ulerhält wohl einmal, aber tröstet nicht Gottes Wart lachen wir, und von ihm aus fällt Licht in diese dunlle Zeit, itüit anders war der Verlaus der Gottesdienste wie sonst auch, Sic Orgel ist erllungen, die Gemcittde hat gesungen, ein Mensch hat gepredigt und g-bc.et: aber welch' ganz andere Be- beutung hat für uns, sonderlich in de» Abendstunden Orgel- ,'loug und Menschengesang, Predigt und Gebet gehabt. Ein

inneres Bedürfnis trieb uns her, und Gott gebe, daß wir mit nchmen allezeit aus dem Gottesdienst neuen Mut, neue Geduld und neue Hoffnung in sorgenvoller Zeit, Darum sind wir Gott von Herzen dankbar, daß er uns dieses Haus geschenkt hat. Mag die rauschende Kirchweihsreude fehle», die schönste bleibt uns, die Freude an dem Haus, das dem Dienste Gottes geweiht ist

Und wenn wir nun unseren Blick lenken von diesem Got­teshaus in die Weite und das WortKirche" bedenken in sei­nem großen, das Land umfassenden Sinn, ach, wie tritt uns letzt auf einmal der Wert einer Kirche vor die Seele, die als Landeskirche" durch Gesetz und Sitte mit dem Staatswesen fest verwachsen ist.

Wie manchmal hat man die Kirche gescholten, al» besorge sie nur die Geschäfte des Staates, als solle sie nur die Menschen zum Gehorsam gegen die Obrigkeit erziehen, persönliche Frei­heit unterdrücken und Aufklärung verhindern. Und »UN sehen wir auf einmal, was ein Volk hat. in welchem der Staat Hand >» Hand mit der Kirche die Grundlagen alles wahren Gedeihens hegt und pflegt. Wer will behaupte», daß das nur äußerer Schein sei! Nein, in der Religion liegen die tiefen, sonderlich in der Not brauchbaren Kräfte eines Volkes, und ei» Staat, der Schutz und Pflege der Religio» unterläßt, hört auf. ei» Ge­meinwesen zu sein, das wirklich zum Segen der Menschen be steht.

Vor ein paar Tage» siel mir ei» Schristche» in die Hand, das Mittel und Wege nannte, der Kirchen Austrittsbewegung entgegen zu treten. Die Zeit ist noch nicht lange her, da hielt man in den Städten große Versammlungen, in welche» die Redner, teilweise leidenschaftlich und geradezu verblendet den Wert der Kirche herabsetzten und zum Austritt aus ihr auffor- dcrten. Still ist's geworden im Lager dieser Feinde: ©ott

selbst hat durch de» Ernst dieser Zeit für Freund und Feind ge­predigt, Die Welt mag hören:Irret Euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten, Gott schasst' Recht seinem Volk, auf daß alle Völker auf Erden erkennen, daß der Herr Gotb ist und keiner mehr. Wir wißen, daß die Landeskirche, wie jede menschliche Einrichtung ihre Fehler hat, aber wir erleben es jetzt in dieser Zeit dankbaren Herzens, was sie uns wert ist, und welch' festes Band sie um die Gemeinden unseres Landes schlingt.

Am Kirchweihtag freuen wir »ns, daß wir ein Gotteshaus haben und geloben, es auch ferner treulich zu besuchen. Gott segne unseren Kirchgang, aus daß unser Herz werde rechtschaffen, mit dem Herrn zu waiideln in seinen Sitte» und zu halten seine Gebote, Amen, K,

Ans meiner Dorslnrche.

Krieg und Liebe.

I, Korinther 1» V, 8: Die Liebe höret »immer auf, Liebe Gemeinde!

Krieg und Liebe, wie will das zusammenpasien? Im Krieg herrscht Haß und Streit und Zorn, alle Schlechtigkeit kommt zum Vorschein, aber Krieg und Liebe? Und doch! Gerade die zwei gehören zusammen! Ja wir könnten sagen: Es gibt auf der ganzen Erde nicht soviel Liebe, als gerade im Krieg! Wo­für und warui» sind denn unsere Soldaten hinausgezogen? Die Soldaten der Engländer ziehe» für Geld in den Krieg, unsere aber darum, weil sie uns rette» wolle» vor dem Feind, weil »litten in tobender Schlacht vor ihren Augen das Bild der Lieben daheim steht, weil sie wißen, daß wir verloren wäre», wenn der Feind ins Land käme. Und darum weiche» sie nicht zuiuck und darum halte» sie aus bis zum Sterben, um uns zu retten, ja aus Liebe zu uns stehen sie im Krieg, Krieg und Liebe, sie gehören zusammen, sie können gar nicht auseinander ja die Liebe, sie gibt erst die rechte Kraft zu Krieg und Sieg!

* Und was für eine Liebe! Im Frieden haben wir oft ge­redet von der Liebe bis zum Tod, aber wenn wir dann gingen und sie wirklich sehen wollten, diese große Liebe, dann konnten wir oft suchen und suche» und fanden nichts. Aber jetzt, jetzt ist sie da, die große Liebe, die selbst de» Tod nicht fürchtet! Tau­sendfach werfe» sie draußen das Leben hin, und wenn sie ver­wundet aus dem Schlachtfeld liege», dann wißen sie in all den Schmerzen und all dem Jammer ringsum doch: es hat sei» müssen so, duß oer Feind nicht herein kann, die Heimat verwü stcn, es hat sein müssen sür Elter» und Geschwister, für Weib und Kind: es hat sein müssen und wir müßen es tragen aus Liebe Ja das ist die große, die riesengroße Liebe des Kriegs,

Und wir daheim sollte» uns das alles merken! Auch gerade dann sollten wir es uns merken, wenn unsere eigene» Lieben das Opfer an Blut und Leben bringen mäßen: Gerade dann sollte» wir bedenken: sie sind aus Liebe zu uns gestorben: sie wollten nicht, daß mir unglücklich würde» durch ihre» Tod, im Gegenteil, sie sind in de» Tod gegangen, ui» uns vor dem Un glück zu retten! Es ist ein ander Ding, daheim sterben a» Al­tersschwäche und Krankheit, und ei» ander Ding, draußen ster­ben aus Liebe! Ja bei allem Leid darüber, daß so ein Herz voll Liebe ausgehört hat zu schlagen, dürfen mir doch nie »er geßen: daheim an einer Krankheit sterben, das ist ein Unglück,

aber draußen aus Liebe sterben, das ist eine große Gabe Got­tes, dadurch einer geradenwegs zu Jesu Christi Bruder wird. Darüber soll man nicht klage», wie über das-tzterden daheim, ja da» muß uns trotz allem Leid doch auch erfüllen mit tiefem Dank gegen Gott, der solche Liebe d«, Mensche» gegeben hat! Und das muß noch eine andere Wirkung haben, wenn wir uns das sagen: Wenn uns nun eine solche Nachricht kommt, drau­ßen aus der mörderische» Schlacht, vom Tode vielleicht des Liebsten das wir hatten, dann dürfen wir nicht sagen: »un ist alles vorbei und nun will ich an nichts mehr teilhabe». Wenn wir so sprächen, dann wäre der draußen ja umsonst gestorben! Dafür starb er nicht, daß wir »un das, was er mit seinem Hcrz- vlut uns erworben, liege» und verderben ließen: Nein, dafür starb er, daß wir nun sein Werk weiter führen sollen, in seine», Sinn und in seiner Liebe! Im Frieden da inag ei» Todesfall es bringen, daß wir müde die Hände in den Schoß lege», denn es ist ein Unglück: die da draußen aber, unsere Brüder, sie ster be» aus Liede, und Liebe kann nicht ruhen, sie höret »immer auf! Ja. je schwerer und erschütternder uns die Nachrichten tressen, von Wunden und Tod. um so brennender muß auch un­ser Verlangen werden, uns die Hände wund z» arbeite» in Liebe und Treue,

Wir haben in dieser Woche davon gehört, daß es i» Deutsch land wirklich heute noch Menschen gibt, die anders denke» I- Menschen, die sagen: Was sollen wir mitmache», unser Man» bekommts ja doch nicht bei den vielen, oder die da reden: Was liegt »ns a» Sieg oder verlorener Sck>lacht, wenn nur unser Sohn wieder daheim wäre, Reiche Leute, die weder Mensch »och Tier hergeben mußte» für den Krieg, die keine Not und keine Sorgen kennen, und haben gemeint, mit ein paar schäbige» Marlstückche» könnten sie sich von ihrer Liebespslicht loskansen! Und wieder andere, die da sprechen: Wir gebe» Nichts, es ist ja doch nur für die Offiziere.

Draußen laßen sie ihr Leben aus Liebe, draußen ken »en sie nicht Offizier noch Mann, da sind sie zuammengebnnden in einer riesengroßen Liebe und Treue und daheim gibt» Mensche», die so reden und denken! Es ist uns das Zornblut in die Stirne gestiegen über solchem schlechte» Geschwätz! Zorn Gottes, der kommen wird über die, die auch in diesen schweren Tagen Gottes Heimsuchung nicht erkennen, sein Ruse» und Locken zur Liebe nicht hören wolle»! Ja denen, die so reden und denken, denen wollen wir zurusen Bleibt nur so in eurer Schlechtigkeit, eurem Geiz und eurer Engherzigkeit, aber dann gebt uns auch lieber gar nichts, von euch wollen wir'» nicht, Gottes Segen ruht doch nicht auf solcher Gabe, spart auch euer Beten, euch hört Gott doch nicht, denn ihr wollt ihn ja auch nicht hören! Und wißt: wenn unsere Soldaten heimkomme», und hören von eurer Art, dann werden sie vor euch ausspeie», und jagen: ihr seid gar nicht wert, was wir für euch getan habe», und wenn nnsere Gefallene» am jüngsten Tag vor euch steh'n werden, dann werden sie sich abwende» und sprechen: Wir ha be» nichts mit euch zu schaffen, ihr Lieblosen!

Liebe Gemeinde! Wir wollen Gott danken, daß es in Wirklichkeit doch nur ein ganz kleiner Teil unseres Volkes ist, der heute so denkt! Wir aber wollen anders sei»! Ja wir wollen es uns feierlich geloben: wir wollen die Liebe unserer Brüder draußen brennen laßen auch in unserem Herzen! Und wenn wir nicht wie sie unser Leben lasse» dürfen aus Liebe, fo wolle» wir doch wenigstens unser ganzes Lebe» ausjllllc» mit Liebe! Und dann werden wir die herrliche Wahrheit des War lcs erfahren: die Liebe höret nimmer auf: erfahren, daß einer, der solche Liebe im Herzen trägt, nicht sterben kann, »nd wenn er auch stürbe, ja dann wird uns die Stunde schlagen, wo wir wiederoereinigt mit den Lieben, die der Krieg uns entrißen hat, durch alle Himmel jubeln und jauchzen werden: die Liebs höret »immer aus, Amen

Dcnllche Krieysbriefe.

Von unserem Kriegsberichterstatter, *)

IX.

Die erste fraiizösisckle Festung ist gefallen, Znni crstcn- iiialc halte nufere schwere Artillerie Gelegenheit, ihr gerade­zu sensationell wirkende? neues Geschützniaterial nach der gelungene» Beschießung der großen belgischen Festnngen Lüttich und Nainnr nun auch an einer französischen Festung zu erproben »nd diese Probe ist glanzend gelungen. Wehl waren die Forts von Manbenge zni» Teil veraltet, aber feit 1892 hatte inan damit begonnen, die sog.onvrages" (Außenwerke) cinznbauen von denen sich die Ingenieure des französischen Geniecorps geradezu Wunderdinge ver­sprachen. Zu ihrem große» Schmerze kannten sic die Wir­kung unserer großen Mörser nicht, sonst wären sie wohl ei- was weniger zuversichtlich getvescn. Diese Geschütze, über deren Leistungen man sich erst jetzt klar werden konnte, da da? Geheimnis ihrer Verwendung erst zu Beginn diese?

*j Genchmigung zur Veröffentlichung erteilt am 12, Sept, 1914 I, A, des Chess des Generalstabs des Feldheeres (gez, v Rohrscheidt, Major im Großen Generalstab,

Ohne Reiben und Bürsten, nach einmaligem/«V, ständigen Kochen und sorgfältigem flusspülen ist die Wäsche fertig. Erforderlich sind keine Zusätze an Seife, Seifenpulver etc., da diese die selbsttätige Wirkung von Persil nur beeinträchtigen und dessen Gebrauch unnütz verteuern. überall erhältlich, niemals lose, nur in Original-Paketen.

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