Ausgabe 
19.9.1914
 
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Nr. 220

lich England und Rußland, wachst. Man beschuldigt Eroßbri- tannien. daß cs Japan gegen China Hetze und aus Kosten der chinesischen Republik Japan Gefälligkeiten erweisen wolle. Die M-sisiimmung gegen Rußland ist daraus zuriickzufiihren, daß der Petersburger Etadthauptmann für die Dauer des Krieges die -llus eeisung sämtlicher chinesischer Kaufleutc aus seinem Amts- i: . verfügte. Ileberdies behauptet man in Peking, daß zwi- . ?i Japan und Rußland jetzt eine Vereinbarung dahin zu- naude gekommen sei. daß Japan provisorisch und allein die

.Z-s-hurei und Mongolei besetzen solle. In Pekinger Rezie- runzalreisen inacht man kein Hehl aus der warmen Sympathie für Oesterreich-Ungarn und Deutschland, die in China immer stärker zu Tage tritt.

Italien bleibt neutral.

Rom, 18. Sept. (W. B. Nichtamtlich.)Tribuna" undGiornale d'Jtalia" erklären das von einigen Blättern verbreitete Gerücht, der Minister des Aenßern, di San Gin» liano, welle aus Geslindheitsrückiichten znrücktreten, für un­richtig. Der Minister hatte einen Gichtanfall, den Pro­fessor Marchiafava als in einigen Tagen zu beheben beur­teilte. Ter Minister hat nicnials aufgehort, die Leitung der auswärtigen Politik zu führen lind zwar in voller llcbereinstiinmung mit dem Ministerpräsidenten Salandra, der gestern Abend mit San Giuliano bei der üblichen Kon­ferenz in der Konsnlta eine längere Unterredung hatte. DieTribuna" denientiert ferner die Gerüchte von eincin kiücktritt des Kricgsministcrs, Generals Grandi.

Eine Unwahrheit.

Nom,' 18. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) DieAgenzia Etcfani" meldet: Die ansländiscl>e Blättermeldung, daß

Italien in Valona Truppen gelandet Hobe, oder im Begriff sei, eine Landung vorzunehmen, entbehrt jeder Begründ­ung.

England vkrbiktctlikii Ülbganzdtt^kili'gkiiMawiliit".

Frankfurt a. M., 16. Sept. (W. T. B.) DieFrank­furter Zeitiing" meldet ans Konstantinopel: In allen Tei­len Aegyptens ruft cs tiefsten Unwillen hervor, daß der englische Militärkoniinandant in Kairo de» Abgang der heilige» Karawane »ach Mekka verboten hat. Diese Kara­wane, welche nach den geheiligten Stätten bedeutsame Geld­geschenke überbringt und der sich stets eine Anzahl arabischer Gelehrter von der bei den Muselmanen höchstes Ansehen genießenden Universität Kairo anschließt, sollte in der ver­gangenen Woche abgehen.

Heber die rnWe Artillerie, Wckrie u. Kosaken

schreibt der Tiroler Abgeordnete Mcnz, der verwundet i» Ungarn liegt, vlgendes an dieTiroler Stimme":

An, meisten Verluste Hot uns das russische Granat- und Schrapnellscuer beigebracht, das unaufhörlich uns bestreute und das unserer Artillerie an Siärle weit überlegen war. Auch scheint die hier tätige russische Artillerie gut ausgcblldct sein. Am Samstag, den 29. v. M. bekamen wir am meisten davon zu spüren. Wir besorgte» die Artilieriededeckung in einem Wald- «heil, wo wir stets schußbereit uns hinter Erdwällen und Baum­stämmen ain Boden liegend zu deäe» juchte», während unheim­lich gegen uns losgodonncrt wurde Zirka 2V Granaten schlu­gen im Raume unserer Kompagnie ein: wunderbarerweije

wurde nur ei» Kamerad verwundet. Der Baden war ein leich­ter Sandboden, der die Wirkung der Geschosse stark herabmin- dcrtc: oft wurden wir mit Erde, die die Geschosse aufwühlteii. zugedeckt. Eine Granate schlug knapp neben mir im Boden ein, ohne zu krepieren. Wir dekorierten das Geschoß mit eincin Spielhahnstoß, lachten und scherzte» trotz oller Gefahr. Unsere Osfizlerc bewunderten unsere Kaltblütigkeit. Wir sind, nach­dem man sich a» die Eesahre» etwas gewöhnt, vielleicht oft zu sorglos und zeigen uns inehr als noiwcndig dem Feinde.

Die russische Jnsantcric ist selten jichtbar.»nd tritt aus ihren gut verschanzten Schützengräben meist nur dann h:rvor, wenii uns ihre Artillerie verdrängt. Die russischen Kugeln sind ipitz und von kleinerem Kaliber als die unseren. Die Gewehre schei­nen uns unhandlich, haben kurzen Riemen und vierkantiges, soft einest halben Meter langes Bajonett.

Die gejürchtcte» Kostilen habe» sich bislang uns gegenüber wenig hervorgetan. Sie sind stets bestrebt, uns von seitwärts zu belästigen und zeigen sich oft auch als Loststel. worauf sie dann verschwinden und die vor ober hinter i-.ne» in Deckung liegenden Ins»»reitst«» ein mörderisches Feuer ans uns ab- g'-ben. Bemerkt sei noch, daß der russische Soldat sehr leicht bepackt ist. Ein gerollter Monte! um die Schulter geworfen, an dessen Ende unten ein Kllpsktlessel steckt, ein Leibriemen mit Bajonett, ein Brotsack mit Patronen und Zucker bilden nebst dem Gewehr oft sein- ganz- Ausrüstung. Seine ichmutzig-graue Montur mit ebensolcher Tellerkappe bildet ein sehr schlechtes Ziel.

IkiilK Äikgsbtiill' eines Jüdfl ifiiinrim.

Der koujcroatire Landtagrabgcoidncte, Bürgermeister Prenß in Striegau, der als Hauptmann und Kompagnie- chcs in einem Ressrvcjägrrbataillü» an den Kämpfen bei Tan- ncnderg t-ilgenommen Hai. teilt, wie dieReue politische Kor­respondenz" erführt, IN einer Karte an den Magistrat Striegau mit, t'.ii seine .. nipagnic von den Russell eine Kriegslasse mit 140, 1 ' 0 Rubel i,nnb 300,601) Marts erbeutet bat.

?kk;i. ü fei Gkiirklilßahrchess gkflillcii.

W . ; n . 17. Sept. Der Sohn des Generalstabschefs Baron Conrad von Hößendorf, Leutnant im ir>. Dragoner Regiment Herbert Freiherr Conrad von hötzendors, ist bei Rawaruska ge- jalleii.

Sroöif Ärfliiji$ff;i!ffi!iöii(fjc alb poliiiitfje Ltgienäre.

K . arau, 15. Sept. Wie die satter meiden, haben sich ^um Eintritte in die polnischen Legionen zwölf Franoiskaner-

Neue Tageszeitung, i-amstag, oen in. September 131-4

inönche gemeldet, die von ihrer Vorgesetzten Behörde die Erlaub­nis hiesür erhalten hatten. Die Mönche geben durch ihren Eifer den übrigen Legionären ein leuchtendes Beispiel.

Ans Frankreich.

Wieder drei deutsche Flieger über Paris.

Wie derFrantsurter Zeitung" aus Malmö berichtet wird, erführt das dortig-Südsvenska Dagblatt" aus Paris:

Drei deutsche Flieger lrcuzten gestern nachmittag über Paris, Sie wurden von Maschinengewehren mit einem Schnellfeuer begrüßt, aoer sie scheinen keinen Schaden ge­litten zu haben. Mehrere Personen wurden durch Bomben lebensgefährlich verketzt. Einige sind von Kugeln, die den Fliegern galten, verwundet und getötet worden.

Die jvap; fische., Royalisten rühren sich.

Genf, 17. Sept. Aus Frankreich eingehende Nachrichten berichten über eine fieberhafte Tätigkeit der Geheimagenten der Royalisten. Nach der Flucht der Negierung wurden mas- senhast royalistischc Ausrufe verbreitet, in denen betont wurde, die Siege der Deutschen seien in erster Linie auf die Stärk- des monarchischen Gedankens in Deutschland zurückziiführeii. Die Proklamationen wurden auch in der Armee verteilt. Der Wechsel in der Pariser Präfektur wird mit dieser royalistischen Bewegung in Zusammenhang gebracht, weil der srühere Pari­ser Präfekt Mit den Royalisten sympathierte. Dem Präsiden­ten Poincare sind viele Drohbriefe zugegangen. Die Miß­stimmung gegen die Regierung wächst und läßt neue Verände­rungen im französischen Kabinett erwarten.

Die Franzosen im rigcncu Lande.

Berlin, l7, Sept. Ein Berner, der in dem französischen Dorse Roufroy sui Antri kDep. Ardennes), ein Gut gepachtet hat, berichtet: Ganze Dörfer sind von den flüchtenden ichwar- zcn französischen Truppen geplündert worden. 10 Kühe und alle Lebensmittel habe man ihm ohne Bezahlung geraubt. Keln Bissel: Brot sei ihm für seine Familie geblieben.

Ans England.

Vorsicht ist der besiere Teil der Tapferkeit.

Aus Holland erfahren verschiedene Blätter, daß am Diens­tag die englische» Gardengrenadierc, 1400 Mann stark, nach dem Kriegsschauplatz abgegange» seien. Der Prinz von Wales wurde angeblich vom ersten zu dem in London zurückge­bliebenen dritten Bataillon versetzt. (Man vergleiche damit das Verhalten der deutschen Prinzen. D. Red.).

Line Batterie gesucht!

In, Anzeigenteil des LondonerDaily Telegraph" vom 7. d. M. findet sich folgende Anzeige, die so recht die Art und Weise beleuchtet, wie in England die Bewaffnung der Söldner vor sich geht:

Gelegenheit zur Hilfeleistung! V

Für ein neu zu errichtendes Bataillon wird eine Batte­rie von sechs Maschinengewehren gesucht.

Wer unserem Lande praktisch behilflich sein will, belieb­sich in Verbindung zu setzen mit

h. W. h o d g e s Esq.

(61, Eraccchurch Street, London E. C ), der alle Anfragen beantworten wird."

Schwere Geschütze sür England.

K o p e n ha ge n, 16. Sept.Berlinskc Tidende" zufolge sind die engtischen Zeitungen zu der Ansicht gekommen, daß England, »m den Krieg zu dem Abschluß, welchen es für den einzig denkbaren hält, zu bringen, große moderne Belagerungs­geschütze Herstellen müsse, di- hinter den deutschen nicht zuriick- stchen. Die französische und englische Jngenieurwisscnschast, welche besonders auf dem Gebiet der Stahltechnik so große Triumphe gefeiert habe, werde sich sicher dieser Aufgabe gewach­sen zeigen. Das Rohmaterial, Personal und Geldmittel seien I» schon vorhanden.Der Sieg wird den kräftigsten Kanonen Zufällen", schreibt das Parlamentsmitglied Sir I. Eompton- Rikett imDaily Mail",^deshalb muß England auch die Ka­nonen haben, für welche es Verwendung hat, Und es wird sie bekommen."

Gewiß wäre cs ganz gut, wenn die Engländer sich schwere Geschütze anschasfen, aber sie sollen sich nicht einbilden, daß dies so leicht ist.

Englische Werbung.

London, 14, Sept. Im Unterhaus fragte der Abgeord­nete der Arbeiterpartei Thomas bei dem Premierminister an, ob cs ihm bekannt sei, daß Arbeitgeber in großem Maßstabe unverheiratete Leute ciitließeu, um sie dazu zu zwinge», sich an- werbcn zu lassen. Asquith war darauf gezwungen, die Antwort zu geben, daß ihm allerdings einige derartige Fälle bekannt seien, aber dies sei nicht allgemeiner Brauch,

Die englische Werbetätigkeit scheint also zu Mitteln ihre Zuflucht zu nehmen, die an die Tätigkeit der Prcßossiztere un­ter Georg 711. erinnern, als man kräftige junge Leute den Werbern zujührte und ihnen solange mit Wein und anderen geistigen Getränken zusetzle, bis sie den Werbelontralt Unter­zeichneten,

Das Heer ohne Fahnen.

Eine Gcnugiuung werben unsere braven Soldaten in oic- scm Kriege nicht erleben tonnen: eine Fahne werden sic von dem geliebte» englischen Vetter nicht erobern, aus dem einfachen Grunde, weil er leine mit hat! In der Tat gilt seit etwa 30 Jahren im englischen Heere auch in dieser Hinsicht die Borsicht als der bessere Teil der Tapferkeit, Es hat wohl Fah­nen, aber es zeigt sie nur noch bei Paraden »nd in Manövern, während cs sie vom Schlachtfelde sorgsältig fernhält. Der .-er­zog oo» Cambridge war cs, wie dasJournal des Debats" er- *»', der in seiner Eigenschaft als Oberstkommandiercnder im Jahre 1882 diese Anordnung tras. Aber schon früher hatten einige englische Regimenter bei gewissen gefahrvollen Unter- nehmnngen in Indien die Ehre der Fahne auf die einfachste Weise zu sichern gesucht, indem sie sie in der Kaserne zurückließcn. Einer dieesr Kriegszüge ohne Fahne nach Afghanistan wurde von Sir Fredcrick Roberts, dein späteren Führer im Vurentriege besehligi. Gegen die bedcnklickie Benutzuna der Fabnen im

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Felde wurde in erster Linie geltend gemacht, daß die Kämpfe

immer ihr Feuer auf die Fahne des Feindes richten und daß ganz- Rcgimentet zur Verteidigung ihres Ehrenzeichens, mehr als die strategische Lage cs erfordert, gelegentlich die schwersten Verluste erdulden. Das Opfer an Menschenleben stünde in sol­chen Fällen gar nicht mehr im Verhältnis zu der anseuernden Wirtung, die die sichtbare Fahne auf den Mut der Soldaten ausübt. So haben auch englische Fahnen manchmal auf recht traurige Art ihre Laufbahn beeidet. Wie, das genannte fran­zösische Blatt versichert, hat die Fahne eines Regiments, die 3 Jahre lang während der berühmten Belagerung von Gibraltar stolz im Winde wehte, schließlich als Sofaübeezug im Hause eines Kaufmanns ihr Dasein unrühmlich beschlossen. Und eine »nderc Fahne, die ein Regiment unter dem Befehl Wellinglon» geführt hatte, wurde vor etwa zehn Jahren im Laden eines Lumpensammlers ausgesunden!

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London, 18. Sept. Ucber die Behandlung der deut­schen Gefangene n in England berichtet dieEoening News": Die Eesangcnen dürfen Billard und Karten spielen, Zeitungen lesen und in die nächste Stadt gehen, um Einkäufe zu machen. Sie erhalten alle während der Zeit der Eesangen- jchast eine bestimmte Summe, die ihrem Range entspricht, Für etwaige Arbeiten erhalten sie Bezahlung, die sic sür ihre Ein- laufe verwenden können. Die Eesangenen erhallen die glei­chen Rationen wie die britischen Soldaten. Ihre Freunde ton­nen ihnen portofrei Karten senden. Sie selbst lönnen Bricfe und Pakete gleichfalls unfrankiert absenden. Sie dürfen Be­suche empfangen und den Gottesdiensten beiwohnen. Sterben sie im Lager, so werden sie mit militärischen Ehren wie die bri» tischen Soldaten begrabe».

Ans Rußland.

Das Gouvernement Suwalki.

B e r li n, 16. Sept. Das Gouvernement Suwalki, das erste russische, bas jetzt in deutsche Verwaltung genommen wurde, ist insofern bemerkenswert, als cs zwar östlich von Ost­preußen liegt, aber doch zum früheren Eroßherzogtum, dem jetzigen Generalgouvernement Warschau gehört. Dieses Gene­ralgouvernement durch einen schmalen Streifen bei Grajewo mit dem Gouvernement Suwalki verbunden. Es erstreckt sich östlich bis Erodno und Kowno, nördlich bis zur Memel, die russisch Njemen heißt. Es hat eine Breite von etwa 100 Kilo­metern. Obgleich die Hauptstadt Suwalki nur etwas über 20 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt ist, hat sie doch keine unmittelbare Verbindung mit dem deutschen Eisenbahn­netz. Wohl aber führt eine Eisenbahn von Grodno über Augu- stow nach Suwalki und von hier nach Wilna.

Russische Lügen.

Wien, 18. Sept. DieZeit" meldet aus Bukarest: Das russische Hauptquartier fährt fort, die rumänische Presse mit Lügen Meldungen zu überschwemmen. Am Montag telegraphierte angeblich Eroßsürst Nikolai Nilolaje- witsch nach Bukarest, die russischen Kosaken wären vor K r o n > s» a d t, das geräumt worden sei, angelomme». Das Blatt Dimineata" verösscntlichtc diese Nachricht in einer Extraaus­gabe Aus Kronstadt und dem benachbarten Sinaia, wo der rumänische Hof sich aushält, wurde »ach Bularest telegraphiert, daß man es mit einer russischen Lüge zu tun habe.Dimi- neata" erklärte am nächsten Tage, sie sei bas Opfer einer pein­lichen Mystisilation, und nicht zum ersten Male, da cs wieder­holt geschehen sei, daß die russische Eesandtschaft lügenhafte Sie- gcsnachrichten in die Welt gesetzt habe. Die russische Regie­rung verbreitet in Schweizer Blättern die unverschämic Lüge, daß sie bei Lemberg über 200 V00 Oestcrreicher gefangen ge­nommen habe und viele hunderte von Geschützen erbeutet wor­den seien. Diese Gesellschaft scheint betrunken zu sein und ver­wechselt die russischen Soldaten, die in Ostpreußen gefangen worden sind, mit den Oesterreichern.

Unsere Fleischversortznng.

Berlin, 12. Sept. Seit einiger Zeit ist Deutschland mit Schlachtvieh namentlich mit Schweinen, sehr reich versorgt. Rach dem Kriegsausbruch hat sich das Angebot noch erheblich da­durch gesteigert, daß zahlreiche Viehhalter übereilt ihre Bestände zum Schlachte» abgcben, obwohl diese oft noch weil von der Schlachtreife entfernt sind. Unter den abgestoßenen Rindern befinden sich häusig jüngere wertvolle Zuchtkühe, de­ren Erhaltung sür die Nachzucht nicht nur erwünscht, sondern notwendig ist. Eine Fortdauer dieser Mißstände muß trotz de» jetzigen Ucbcrjlusses aus dem Fleischmarlt die Flcischversorgung lünstig beeinträchtigen und den Nachwuchs gefährden. Deshalb hat cs der Bundesrat für notwendig gehallen, vorsorgend cin> zugreiscn. Durch eine von ihm gestern beschloffenc Verordnung werden Schlachtungen von Kälbern, die weniger als 75 Kg. Le­bendgewicht haben, und von weiblichen noch nicht 7 Jahre alten Rindern für die Dauer von drei Monaten seit dem Inkrafttre­ten der Verordnung verboten. Das Verbot findet keine An. Wendung auf Weidemastvieh, auf das aus dem Auslande ein- geführte Schlachtvieh »nd auf Notschlachtungen. Ausnahmen von ihm lönnen in Einzclfällcn beim Vorliegen eines bringen­den wirtschaftlichen Bedürfnissen zugclasse» werden. Das Ver­bot wird gewisse unvermeidliche Härten sür die Viehhaltung mit sich bringen. Diese werden aber wesentlich durch seine zeit­liche Bcschrünlung sowie dadurch gemildert, daß es nur Schlach­tungen und nicht auch de» Weiterverkauf von Vieh umfaßt. Dis günstige Ernte an Rauhfuttcr und die jetzige Weidegelegenheit werden den Viehhaltcrn im allgemeinen die Durchjüiterung der von dem Verbot betroffenen Bestände ohne besondere Schwierigkeiten ermöglichen. Der Handel und die Bevölkerung brauchen sür sich keine Nachteile von der Verordnung zu befürch­ten, ihr Zweck ist allein, auch sür das kommende Jahr die Fleisch' Versorgung zu erträglichen Preisen »ach Möglichlett zu sichern. Eine Einschränkung des allgemeinen Fleischbedarss wird das Schlachtungsocrbot schon aus dem Grunde nicht bewiilcn, weil jetzt schlachtreise Schweine im Uebcrsluß zu haben sind.. Auch an Kalb- und Rindfleisch wird ein sühlbarer Mangel "laum j