Ausgabe 
17.9.1914
 
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Nr. 218

Neue Tageszeitung. Donnerstag, den 17. September 1314

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gegen Kälte und Regen in Gestalt von Mänteln, Zelten usw. aufblirden, so würden sie versagen, und die Mittel würden nichts Helsen. Nein, ich glaube nicht, daß Lord Kitchcner als Höchstkommandiercnder in Indien so wenig

gelernt haben soll, lind er wird auch Indien nicht von Truppen entblößen wollen, deren Entsendung unter icn heutigen Verhältnissen dort eine unerwünschte Aufmerk­samkeit und ein Aufheben der gewaltsam etwas cinge- dämmten Agitation unter den Eingeborenen zur Folge ha­ben würde." (Wenn er sie nun aber gerade deswegen von Indien fortgenommcn hätte, damit sic nicht einen ars- brechenden Aufstand sich anschließen und ihm als militär­ische Stütze dienen? D. Red.)

Kräftigung der Türkei.

Wien, 16. Scpt. (Nichtamtlich.) DiePolitische Eor- tespondcnz" erhält von ihrein Gewährsmann aus Konstan­tinopel folgende Mitteilung: Tie Tätigkeit, welche die deut­sche Militärmission in Konstantinopel entwickelt, hat nach dem Urteil von Angehörigen der Armee sowie ausländischer fachmännischer Beobachter zu sehr ersprießlichen Erfolgen geführt. Dit Mitglieder der Mission arbeiten mit uner­müdlichem Eifer daran, das Ottomanische Heerwesen mit dem Geist«? strengster Manneszucht zu erfüllen, alle Nach- lässigkciten und Korruption auszurotten und auch den Ge­boten der Hygiene Achtung zu verschaffe». Die Früchte dieser Erziehung zeigen sich auch bei der Durchführung der Mobilisierung. Es ist nicht zu bezweifeln, daß zu der festen Haltung, welche die Pforte in der jctzigen^rraL^ijchen Krise gegenüber Rußland zeigt, auch das Bewußtsein beiträgt, über ein wohlausgebildetes Heer zu verfügen. Das voll­ständige Gegenstück zum Wirken der deutschen Heeresinstruk- toren bildet das der englischen Marinenlission. Man hat allgemein den Eindruck, daß die englischen Marincossiziere die Aufgabe um derctwillen sie nach Konstantinopel berufen wurden, nie ernst genommen haben. In der kleinen otto- manischen Flotte war seit Ankunft der Mission nicht nur kein erhöhter Eifer, sondern überhaupt keine Tätigkeit zu entdecken. Die britischen Offiziere widmeten ihre Zeit vor­nehmlich der Pflege von Tennis und Bridge. Es mußte sich, zumal nach der Beschlagnahme zweier türkischer Groß- kampfschisse durch die englische Regierung die Ueberzeugung aufdrängen, daß man von englisckier Seite die türkische Ma­rine in einem Schwächezustand zu erhalten sucht.

Ans Frankreich.

Di« Erschöpfung der srauzösisch«» Trupp««.

Der Pariser Korrespondent d«rIribuna" gibt ein trübes Bild non den sranzöstschen Truppen. Die aus dem Marsche be­findlichen Leute seien völlig erschöpft von den Strapaze» aller Art u»d non der Hitze.Mit struppigen Bärten und sonnver­brannten Gesichtern, unter der Last des Gewehrs und des Tor­nisters säst erliegend und vornübergebeugt, schleppen sich die Soldaten aus der Landstraße dahin. Alle sind so am Ende ihrer Kräfte, daß sie glücklich sind, wenn sie sich mit der Hand an einem nebenan fahrenden Karren scsrhalte» können. Alle diese Leute tragen die Spuren schlafloser Nächte und endloser Mühen. Regimenter folgen aus Regimenter und überall zeigt sich dasselbe Bild nnbcschreiblicher Erschöpfung. Kein Soldaten­lied erschallt in den Reihen, leine forsche Militärmusik. Die neben der Truppe einherrcitcndcn Offiziere sind ebenso er­schöpft. Wenn ein Regiment Halt macht, sollen die Leute ein­fach hin und schlasen. Keiner denkt an Essen."Wie lange sind Ihre Leute schon aus dem Marsche?" fragte der Korrespon­dent einen Offizier. Die Antwort lautetetSeit drei lagen." Und der Ossizier sägte hinzu:Was hat das alles sür einen Wert, wir werden ja doch wieder geschlagen, nicht weil wir schlechte Soldaten wären, sondern wegen dieser verwünschten roten Hosen." Die meiste» nüchtern denkenden Pariser, schließt der Korrespondent, sind jedes Optimismus bar. Sie halten den Rückzug des General Klack nur für eine strategische Finesse.

Wie die Franzosen im eigene» Lande hausen.

Berlin, 16. Sept. Unseren Truppen siel folgender Be­sch! des Kommandanten der ersten sranzösischen Armee in die Hände, der in wörtlicher deutscher Ucbersetznng wie solgt lau­tet:Es ist dem Oberbcschlshaber der ersten Armee durch die Stadtbchördc von Rambervillcrs zur Kenntnis gebracht wor­den, daß sich Soldaten in dieser Stadt zu Akten der Gewalt- tätigteit und Plünderung haben Hinreißen lassen. Diese Handlungen sind umso bedauerlicher und verwerslichcr, als sie auf s r a n z o s i s ch e m Boden begangen wurden. Der kom­mandierende General des 21. Korps wird svsort eine Unter­suchung in dieser Angelegenheit einleiten, damit die Urheber der Verbrechen den Kriegsgerichten übergeben weiden können, (gez.) Dubail." Mit diesem Dokument wird die besonders bei unserer kronprinzlichen Armee gemcld-te Wahrnehmung, daß die französischen Truppen sogar im eigenen, Lande plündern und rauben, von amtlicher französischer Seite be­stätigt.

Wieder ein sranzöjisches Lob der deutschen Truppen.

Berlin, 15. Sept. Einen bemerkenswerten Brief veröf­fentlicht derTemps" vom 6. September über das korrekte Verhalten der deutschen Trupp,,, i» Nordsrank­reich. Staatsrat Gouver (Rouen), der die betreffenden Ge­biete in amtlicher Eigenschaft bereist hat, bcllagt den überstürz­ten Abzug der Zivilbevölkerung von Rouen. Er erklärt, daß sich Taten der Deutschen, wie sie aus Belgien gemeldet wurden, im Norden von Frankreich nicht ereignet hätten. (Aum. d. Ler.: In Frankreich war natürlich die Mär verbreitet, daß die deutschen Soldaten in Belgien alles verwüstet und die Bevöl­

kerung schlecht behandelt hätten). Es wurden keine Gebäude angesteckt und alle Requisitionen von Fleisch, Brot usw. wurden bar bezahlt. Als der Berkäuser eines Fahrradgeschäfts nicht anwesend war, nahmen die Deutschen die nötigen 3 Fahr­räder erst, nachdem sie den Bürgermeister ausgesucht und die­sem eine Quittung darüber übergeben hatten. Scharf gingen die Deutschen nur in Häusern vor, deren Besitzer sich cntscrnt hatten, denn sie suchten überall Proviant und werden nur zor­nig, wann man ihnen solch- verheimlicht oder verweigert. Herr Gouver bezeugt zusammcnsassend, er müsse anerkennen, daß er in der ganze» großen Gegend, die er bereist habe, keine Klagen der Bevölkerung über die Deutschen gehört habe.

Aus Belgien.

Ungebetene Gäste.

Am Schluß eines belgischen Reiseberichtes, den Herbert Eulenbcrg in derKöln. Ztg." abstattete, schreibt er:

So anständig ich unsere Soldaten und vor allem un­sere Ossiziere sich gegen die Eincklohncr betragen sah, so tö­richt und minderwertig sand ich gelegentlich das Benehmen deutscher Zivilisten, die nur aus Neugierde oder Sensations­lust jetzt das Land durchreisen.Wir werden schon Zug in diese schlappe Bande bekommen!" hörte ich einen Deutschen in einem Hotel in Namur einen alte», vornehmen Kellner auschnauze», der, verbasclt, wie er durch den Krieg gewor­den. vergessen hatte, mit dem Biate» den Salat zu servieren. Derlei Erobererallüren wirken namentlich einen, schwäche­ren Gegner gegenüber höchst häßlich. Man sollte überhaupt seitens unserer Behörden nur solchen Zivilisten, die ein be­rechtigtes öffentliches Interesse vertreten und geltend ma­chen können, eine Reise durch Belgien gestatten. Privat­leuten, die nur bloß! Anregung oder Stoff sür Stammtisch- Unterhaltung suchen, möge man strengstens fernhalten. Es ist scheußlich, wenn man Touristengcspräche vernimmt, wie: Waren Sie noch nicht in Löwen? Unbedingt zu machen! Wir sind gestern im Mondschein von Brüffel dorthin gefah­ren. Schauerlich großartiger Eindruck! Wie Pompeji!" Allen solchen Reisenden, die Schlachtselder und Ruinen dort mit stumpfer Teilnahme wie irgend eine Cooksche Reisege­sellschaft abgrasen, sollte der Eintritt in Belgien nach Mög­lichkeit versperrt werden."

Man kann diesen Ausführungen nur zustimmcn und hof­fen, daß die Regierung ihnen Gehör schenke. Bisher hat un­sere Armeeleitung in dankenswerter Weife alles getan, um un­gebetene Elemente fernzuhalten. Sorge man auch dafür, daß derartige Schlachtenbummler anderswo ihre R-rven kitzeln kön­nen, als auf dem Schlachtfeld.

Die deutschen Barbaren.

Der Kriegsberichterstatter Karl Ludwig schreibt in einem Bericht u. a.:

Auf dem Brüsseler Wcstbahnhof irrt eine blasse, verhärmte Proletarierfrau umher, einen zehnjährigen Knaben an der rechten Hand, ein etwa gleichaltriges Mädchen an der linken. Sie fragt sich durch von Mann zu Mann, von Offizier zu Of­fizier. Endlich hat man sie begriffen und weist sie zu einem Zuge auf dem letzten Geleise! Sie hat in der Stadt erfahren, daß Gefangene vom 11. belgischen Linienregiment in Brüssel angelangt sind, um weiter besördert zu werden, und nun kommt sie aus gut Glück, um zu sehen, ob ihr Mann darunter. Mit den beiden Kindern geht sie an der Reihe der Wagen entlang, in jeden mit angstvoller Stimme hincinrusend: Michel! Michel! Neugierige Gesichter strecken sich vor, aber ihr Michel ist nicht darunter. Hoffnungsloser klingt es: Michel! Michel! Keine Antwort! Endlich, im letzten Wagen, schnellt ein Mann, da er die bekannte Stimme vernimmt, von der Holzbank aus er ist'?! Und gibt ein trauriges Wiedersehen »ach sünf bangen Wochen! Sie küssen sich, er zieht die Kinder an seine Brust, über seine gebräunten Wangen rinnt cs heiß und naß, ein lrampshastes Schluchzen schüttelt ihre schmalen Schultern und Bub und Mädel weinen fassungslos dann fährt der Zug! Deutsche Soldaten stehe» umher, still und ergriffen, und in je­dem Gesicht ist zu lesen: Welch ein scheußlich Ding ist der Krieg! Als aber die Frau erzählt, daß sie kein Brot mehr im Schrank habe und noch eine alte Mutter ernähren müsse und ein drit­tes Kind sei verkrüppelt, da greift einer der Feldgrauen in die lasche und drückt der Verzweifelten fast scheu einen Franken in die Hand. Und ein zweiter macht cs ebenso und ein dritter und ein vierter . . . Und ein Proviantamtsbcamter kommt herzu, fragt, vernimmt, packt Bub und Mädel an der Hand und als sie zurllckkehren, trügt jedes der beiden im Arm ei»e große, große deutsche Wurst und lächelt unter de» Tränen- spuren.....

Die Barbaren sind in Brüssel!"

Sie frtunolfn über die Schier.

Ter Franzose Romain Rolland hat einen phrasettgc- s sclwollcnen Brief an Gerhard Hanptmann gerichtet, in dein er sich besonders Über den Nentralitätsbrnch gegenüber Bel­gien aufrcgt. Zur rechten Zeit erinnert der Schrift stille- Norbert Jacques den Briefschreiber daran, wie verächtlich sonst die Franzosen über Belgien gedacht hatten:

Rolland spricht voniedlen Belgien", von derhoch­herzigen Nation!" Aus cininal! So wie cs vor 1S70 nichts Lächerlicheres sür einen Franzosen gab als einen El­sässer (so oft in einem Ronian eine komische Persönlichkeit vorkam, war cs entweder ein Neger oder ein Elsässer), so bestand bis zum August 1914 nichts Geringeres und Ver­ächtlicheres für einen Franzosen als der Belgier. In ihm sah der Franzose den schauderhaften Versuch, den edlen Ein- ischtuugen des Franzosentums kläglich »achzustrcben. Er war eine Mißgeburt, die ihm Ucbclkcit erregte. Er wandte sich mit heftigem Abscheu, mit giftigstem Spott gegen die belgische Nation, mit verächtlichster Ungerechtigkeit sogar. Ein Dokument sür die Stellung des Franzosen zun« Belgier ist das Buch, in dem Octave Mirbeau eine Auto-Reile

durch Belgien schildert. Es ist vor nicht langer Zeit crschie- neu. Er läßt darin keinen belgischen Meitenstein, an den, das Auto vorbeirast, unangespuckt. Ich fragte jüngst auf einem Dampfer eine Pariserin die einen belgischen Namen hatte, ob sie denn eine Belgierin sei. Ta sprach sic aus der ganzen Reise kein Wort mehr mit mir. Und ruf ein­mal ist Belgien eine Rassenation, der deutschen Brutalität anheimgesallen. Franzosen, ihr hattet doch Armeen, i-ics edle Volk vor der InvasionAttilas II." zu retten.

Ans Rußland.

Die Russen über die Schlacht bei Lemberg.

Wien, 18. Sept. Die Petersburger Telegraphenagentul hat in den letzten Tagen die gewohnte» phantastischen Sieges­meldungen anläßlich des Abbruches der Schlacht bei Lemberg gebracht. Als Beleg für diese wird von 38 000 Kriegsgefange­nen, die die Russen gemacht hätten und vom Verluste von 98 Kanonen gesprochen. Es ist interessant, festzustcllen, daß in dem offiziellen Eommuniquc des russischen Generalstabes vom II September über die Ereignisse um Lemberg nurmehr von 30 Kanonen und 8000 Gefangenen die Rede ist. Von der Ar­mee des Generals Brussilow wird zugegeben, daß sie sich in kritischer Lage befand, und daß es ihr nur »ach schweren Kümp­fen gelungen ist, uns den Sieg zu entreißen. Es war zu er­warten, daß die russischen Eommuniques die aus strategischen Rücksichten trotz des Sieges unserer Heereskörper um Lemberg erfolgte Zurücknahme unserer Armee zum Anlaß nehmen wür­den, Siegesnachrichten in die Welt zu posaunen. Daß dies in so zahmer Weise geschieht, dürste die Oesfentlichkeit davon über­zeugen, daß man unseren offiziellen Nachrichten, die nichts be. lchönigen und nichts verhehlen, vollstes Vertrauen entgegen- bringen kann.

Die verkannte Klopfpeitsche.

Berlin, 14. Scpt. DieNowoje Wrcmja" vom 3. Scpt. d. I. veröffentlicht folgende Notiz:Die Ausrüstung der deut­schen Kriegsschiffe. Bei der Untersuchung des deutschen Kreu­zersMagdeburg" stellte sich ein interessanter Umstand heraus, der auf die Behandlung in der deutschen Marine schlie­ßen läßt: In jeder Offizierskammcr fand sich eine lederne Peitsche, Handgriff 25 Ztm. und neun Riemen von 3 Zentime­ter Länge. Auf dem Griff ist K. M. (Kaiserliche Marine) und der Name des betreffenden Offiziers cingestempclt. Diese Peitschen zeigen das Merkmal eines sehr häufigen Gebrauchs. Besonders abgenutzt ist diejenige des ersten Offiziers, der je nach dem Charakter seiner dienstlichen Tätigkeit am meisten mit den unteren Chargen der Besatzung in Berührung kommt." Soweit dieNowoje Wremja". Daß die Russen, die Ver­teidiger de» Knutenregimcnts, eine Ahnung haben, daß außer­halb Rußlands Klopfpeitschen nicht zur Regierung, sondern zum Klopfen der Kleider zwecks Reinigung benutzt werden, kann nicht weiter in Erstaunen setzen.

Der Zar empfängt Verräter.

Wien, 14. Sept. Gegenüber der Meldung der Petersbur» ger Telegraphen-Agentur, daß der Kaiser von Rußland den Präsidenten des galizischen Landtages" Dudykiewicz in Au­dienz empfangen habe, stellt das Wiener k. k. Telegr.-Korresp.- Bureau fest, daß Dudykiewicz ein bekannter russophiler ruthe- nischer Abgeordneter, aber niemals Präsident des galizischen Landtages gewesen ist. Bekanntlich bekleidet die Stelle des Präsidenten des galizischen Landtages seit jeher ein Pole und nicht ein Ruthene. Zudem war Dudykiewicz wegen russophiler Umtriebe bereits in Untersuchungshaft. Im Lembergcr Hoch­verratsprozeß war er der Verteidiger eines der Hauptangeklag­ten. DieReichspost" bemerkt zu der Meldung der Peters­burger Telegraphen-Agentur:

Mag der Zar einen oder anderen der Verräter huldvoll empfangen und mit der schmutzigen Gesinnung auch hier ge­meinsame Sache machen, die österreichischen Slawen wollen mit den Verrätern nichts zu tun haben. Sie kämpfen desto erbit­terter gegen jene, die in den slawischen Völkern solche Indivi­duen emporheben. Uebrigens dämmert langsam auch in Pe­tersburg die Erkenntnis, wie falsch eine der hauptsächlichsten Voraussetzungen der russischen Berechnung, nämlich die Zuver­sicht aus den Zeisall des Reiches infolge der Betörung der Slawen durch die verlogene allslawische Hetze, sich nun erweist. So spricht der PetersburgerRusskoie Slovo" seine Verwun­derung darüber aus, daß unter den gegen Rußland so tapfer kämpsenden Truppen neben Deutschen und Magyaren auch Serben, Polen, Tschechen und Kroaten stehen, die gegen die sla­wischen Brüder in erster Linie kämpfen."

Vom Valko».

Verzweifelte Lage in Serbien.

Wien, 15. Scpt. DieRcichspost" meldet aus Sofia: Berichten aus Risch zufolge ist die innere Lage in Serbien verzweifelt. Die Serben geben ihre bisherigen Verluste auf 25 000 Mann an. Schrecklich ist der Hunger, welcher im Lande herrscht. Die serbische Regierung hat sich mit in Bulga­rien ansässigen griechische» Lebensmittelhändlern wegen Liefe­rungen in Verbindung gesetzt. Trotz des Eingreifens der ruf fischen Regierung hat Bulgarien die Ausfuhr der Ladungen nicht zugclasscn, da sie das auf der Neutralität beruhende Aus­fuhrverbot berührten. Alle größeren Orte sind mit Verwunde­ten übersüllt. Krankheiten richten Verheerungen in der Armee und der Bevölkerung an.

Das Elend in Montenegro.

Wien, 14. Scpt. DieSüdslawische Korrespondenz" mcl dct aus Scrajewo: Montenegriner, die in Gcsangcnschast gc ratcn sind, schildern die innere Lage Montenegros als sehr traurig. Das durch den vorige» Krieg gänzlich erschöpfte Land war sür diesen neuen Krieg, der die größten Menschen opfer kostet, in keiner Weise vorbereitet. Es fehlt an Aerzten und Arzneimitteln, und die zahlreich cingebrachten Verwund«, tcn bleiben tagelang ohne ärztliche Hilfe. Diele Verwundete sind aus diese Weise zugrunde gegangen. > k