Ausgabe 
17.9.1914
 
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r onurrstag, den >7. Septemdcr Isst 1.

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7 . Jahrgang

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,.l<tu ^aßWjfitinij cr.chemt irden Werltag. Regelmätzlge Leilagen ..Der L auer au» Hessen", ..Hie ü>pinn!tule". Keruga^reia: Lei den Poitanstaltcn oierteliahrlich Mk. 1,^. *»r7: Agenten monatlich 50 Pfg. vinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. Ameisen: Grun)-ci1e 20 Pig., lokale 15 Pfg^ Anzeigen von auswärts werden durch Po tnr.chnah-u.' erhoben Erfüllungsort Friedberg. Schriftteitnng und Verlag Friedberg lHe'ien ', Hanauer trage 12. Fern prechcr 4S. Postscheck» Tsnto 9lr. 4859, Amt Franlsnrt a. ?N.

Es wird weiter gekämpft!

Erschlaffung des fran;ösifchcn Heeres. Niederlage der Serben. Ein ftol;es deutsches Wort.

Amerika regt sich.

Illnncr nod) liriiic Eiitllsiridilllg!

Noch immer ringe« die deutschen Truppen auf einem ungeheure» Sckilachtjelde gegen die verbündeten Franzosen und Engländer und immer noch nicht ist die Entscheidung gefallen. Abermals find Angriffe der Franzosen auf -unsere Schlachtsront blutig zuriickgewiefen worden, während ein­zelne Gegenangriffe der Deutschen erfolgreich geblieben sind. Das sind die knappen Nachrichten, die uns vom Kriegsschauplatz zugingen. Sie beweisen lediglich, datz unser Heer unerschüttert steht und daß wir die beste Hoff- nung haben, bcn schweren endlichen Sieg zu erringen.

Wenn man mehr erfahren will, so mutz man die Be­richte iiiiserer Feinde lesen. Da geben englische Blätter zu, datz es im Centrum der Schlachtfront für die Deutschen ent steht. Ta gemeiniglich im Centruin die Schlachten entschie­den werden, so ist diese Nachricht hochbedeutsam: nicht min­der die, datz es den Deutschen gelungen sei, jetzt schon daS französische Nordheer von den Armeen im Osten z» trennen. Wenn das die Engländer zugeben, die doch sonst zu Gunsten Frankreichs das blaue vom Himmel herunterlügen, so haben wir keinen Grund, daran zu zweifeln.

Ein weiterer Gradmesser bildet die Stimmung der Franzose». Als die deutschen Armeen ihre vorgeschobenen Truppen in der vorigen Woche vor feindlicher liebermacht in aller Ordnung, die selbst die Franzosen zugeben und be­wundern. zzirückgcnominen hatten, da war man in Pa.-is himnielhoch jauchzend. Davon merkt man heute nichts mehr und die Stimmimg ist recht wenig zuversichtlich geworden. Denselben Geist atme» die amtlick^n französischen Mitt-sil- ringen über den Stand der Schlacht, lind was die Pariser Blätter dazu bemerken, lautet wenig hoffnungsvoll. Auch die Berichte, die nach der Schweiz kommen, bestätigen, datz die Lage der deutschen Armee günstig sei.

Wir werdend erleben. Die Hauptsache ist, daß wir uns mit Geduld wappnen und auch weiterhin mit Ver­trauen ans den endlichen Sieg, der je schwerer er errungen ist, um so glänzender sich gestalten wird, der Zukunft ent- gegeublicken.

Der Stand der Schlacht.

Amtliches Telegramm.

Trotzes Hauptquartier, 18. Sept. abends. Die Lage aus dem westlichen Kriegsschauplatz ist seit gestern » n - »er ändert. An einzelnen Stellen der Schlachtsront sind Angrisse sranzäsischer Truppen in der Nacht vom 18. zum 18. und im Lause des 18. zurückgewiesen worden. Einzelne Ecgcn- angrisse der Deutschen waren erfolgreich.

Bus Ergebnis der Schlachten um tembrrg.

Wien, 18. Sept. Aus dem Kriegspresiequartier wird amt­lich gemeldet. Der Sieg an der Huezwa hatte eine Kriegslage pefchajsen, die es ermöglichte, zu einem Angrisse gegen die in Lstgalizien eingebrochenen, sehr starlen russischen Kräfte vorzu- g.hen. In Erkenntnis der Notwendigkeit, unsere nach den Ge­jochten östlich Lemberg zurückgegangene Armee zu unterstützen, eihielt die in der Schlacht bei Komarow siegreich gewesene Ar­mee de» Befehl, gegen den geschlagenen Feind nach kurzer Ver­folg»-,ig nur untergeordnete Kräfte zurückzulassen, ihr Eros aber in dem Raume Rarol Uhnow zur Vorrückung in der ihrer bisherigen Angrisfsrichlung säst entgegengesetzten Direk­tion Lemberg zu gruppieren, was schon am t. September durch- ge iihrt war. Die Russen schienen nach dem Einzuge n die ihnen kampflos überlassene Hauptstadt Galiziens einen Flan- kenstotz in der Richtung Lublin vorzuhabe», wobei sie unsere t,m..r die Erodecker Teichlinie zurückgesuhrte Armee wohl ver­näh lässigen zu können glaubten. Indessen stand diese Armee bereit, in die zu erwartende Schlacht »nserer nun von Norden gegen Lemberg anrückenden Armee» einzugreifen. Am 8. Sep­tember war letztere Heeresgruppe bereits über die Bahnstrecke Rwraruska-Horyiiiee hinausgelangt. Sich weiterhin mit dem lv*;.K Flügel im Raum von Nawaruska behauptend, schwenkte sie mit dem rechten Flüge! am 8. September bis Kunriki, 'rat a» 7. September in einen ernsten Kampf gegen starke, nord- wärvi vorgeschobene feindliche Kräfte. Mit Tagesanbruch des 8. September begann auf der 78 Kilometer breiten Front Ko- inaroio-Rawaruska unser allgemeiner Angriff, der bis zum 1t. Svtc.nber durchaus ersolgreich, namentlich am südliche» Flll- gn! nahe an Lemberg, herangetragen worden ist. Trotz dieser Erfolge ist es notwendig geworden, eine neue Gruppierung un­seres Heeres anzuordnen, weil sein Rordsiügel bei Rawarusla

bedroht war und frische, weit überlegene russische Kräfte sowohl gegen die vorwärts Krasnil kämpfende Armee, als auch ,n dem Raume zwischen dieser und dem Schlachtfelde von Lemberg vorgingen. In den schweren Kämpfen östlich Erodeck am '8. September waren die Erzherzöge, Armeelommandant Fr-cd- rich und Karl Franz Joses bei der dort angreisenden Division. Wie in allen bisherigen Schlachten unk teuften haben uo sere braven, NU» schon seit drei Wochen ununterbrochen kämp­fende» Truppe» auch vor Lemberg ihr Bestes geleiste! und ihre Bravour und Tüchtigkeit abermals erwiesen. In der sünstägi- gen Schlacht hatten beide Teile schwere Verluste: namentlich bei Rawarusla wurden mehrere Nachtangrisse der Ruffen blu­tig abgeschlagen. Gefangene Russen, darunter viele Ofsiziere, wurden wieder in Massen eingebracht. Aus Ausweisen unserer leitenden Etappenbehörden geht hervor, das bisher 11088 Russen und 8888 Serben in das Innere der Monarchie abgeschoben worden sind: bisher wurden über 388 Feldgeschütze im Kamps erobert. Resümierend kan» hervorgehoben wer­den, datz unsere Armee bisher altioster Weise in heldenmütig­stem Kampfe dem numerisch überlegenen, tapferen und hart­näckig kämpfenden Feinde erfolgreich entgegentreten konnte.

Der Stellvertreter des Ehefs des Generalstabs: v. Höfer, Generalmajor.

Die Niederlage der Serben.

Budapest, 16. Sept. Nach amtlicher Mitteilung sind die über die Save cingedruiigeiien Serben seit gestern Abend aus Syrnnen und Banat vollständig ve-rtricbcir. Der Der- tvcsbmrg vorangegangen ist, gleichsalls nach einer amtlichen Mitteilung, ein erbitterter Kampf bei Altpazua, wo etwa 12,000 Serben verschanzt waren. Etwa 3000 von ihnen wurden getötet und verwundet etwa tausend gefangen. Zahlreiche Geschütze und Munition der Serben wurden er­beutet. 8000 Mann flüchteten im Dunkel der Nacht über die Save nach Serbien zurück.

Der Einfall der Serben nach Syrmien hat diese in der letzten Woche insgesamt 8000 Tote und 7000 Verwundete gekostet.

Ciiiilliatt Stunt) der fsrifpanlriljf.

Berlin. 16. Scpt. (W. B.) An der Börse wurde mit- geteilt, das, die Beteiligung an der Zeichnung der Kriegs­anleihen eine äußerst rege ist und sich «us »sie Schichten der Bevölkerung erstreckt. Man dürfe mit Sicherheit auf ein glänzendes Ergebnis rechnen.

Frieden mit in Ehren:

Berlin, 16. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) DieNord- deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: In den, Lügeuf.'ld- zug, der den Krieg des Dreiverbandes gegen Deutschland begleitet, treten seit einiger Zeit auch Meldungen über ein deutsches Friedeusbedierfnis, die sich mehr und mehr zu- spiben, auf. Bald wird von einer angeblichen Aeuhernug des Reichskanzlers über Deutschlands Geneigtheit zum Fricdcnsschlutz gesprocben, woraieshin Grey durch die Ver- miitluiig Amerikas eine stolze Antwort erteilt habe. Bald Iseitzt es, der deutsche Botschafter in Washington bemühe sich, den Frieden für Deutschland zu erlangen. Die Neu- tralen sollen durch solche Ausstreuungen den Eindruck em­pfangen, das Deu!sck>e Reich sei karnpsesmüde und müsse sich wohl oder übel den Friedensbedingungen des Dreiver­bandes 'sllgen. Wir setzen diesem Gaukelspiel die Cr- klürnng entgegen, datz unser deutsches Volk in dein ihm ruchlos ousgezwnngcnen Kamps die Waffe» nicht eher nic- dcrlegcn wird, bis die für seine Zukunst in der Welt crsor- derlicken Sicherheiten erstritten sind.

DentscheGcfanqenein Südafrika

London, 15. Sept. (W. B. Nichtamtlich)Daili, Telegraph" meldet aus Johannesburg: Das Gefangenen- läge, in Nobertsbeights wächst täglich. Deutsche und Oestcrrcicher in, Alter von Ist bis 15 Jahren werden ans allen Teilen Siidafrikas dort zusammengebrackit. Jbre Zahl soll jetzt >560 betragen.

Wie England die ilnitralität achtel.

Kristiania, 16. Sept. Das größte Aussehen erregt folgende Meldung des Pariser Korrespondenten der hiesigen ZeitungAstcpposten": DasEcho de Pgris" gibt ziisam- men mit anderen Blättern offen der Ansicht Ausdruck, datz der Grotzc Belt unbedingt tür die englische Flotte geössnet

ivcrdeu müsse, selbst wenn Däuemark dabei seine Neutra- lität aufgeb«» mutzte.

Kopriihngrii, >6. Sept. <W. B. Nichtamtlich.) Zu dem Ariilel desEclpi de Paris", der erklärt, die Flotte de> Verbündeten müsse nun in die Ostsee eindringen, Dnnen>ar! könne nicht fernerhin neutral bleiben, schreibt das Regie­rungsblattPolitiken": Dänemark kann darauf nur aml- worteii, datz die Kriegsbegebcnhciteu auf dem Kontinent, mie sie sich auch entwickeln mögen, nicht nuf dem Entschlich des dänischen Volkes einwirken können, während des Welt­krieges die strengste Neutralität anfrechtzi,erhalten.

Amerikas flottr im Stillen (Oim

Stockholm, 16. Sept. Die Flotte der Vereinigten Sta» ten im Stillen Ozean ist verstärkt worden und ein starkes Geschwader ist nach de» Philippinen abgcgange,,.

Diese amerikanische Matznahmc, so schreibt dieVoss. Zei­tung" dazu, gewinnt eine grotze Bedeutung, da sie zweiselloe die Antwort aus Englands Hilserus an Japan zur Unter- drückniig der indischen Ausstandsbewcguiig darstcllt.

Französische Giftmordverfnche.

Berlin, 16. Sept. Generalmajor Frhr. v. L., Komman­dant einer Kavalleriebrigade, überreichte am 5. September vormittags der chemischen Untcrsuchungsstctte beim Sanitäts- amtc seines Armeekorps einen Rest von Kaffee, nach des' scn Genus; er sofort unter Bergtstungserscheinuiigey ertränkte. v. L. erhielt diesen Kaffee in einem französischen Dorfe in der Nähe von Luneville. Die Untersuchung ergab zweifelsfrei, datz der Kaffee arsenikartige Säure, davon einen Teil in Pulverform am Boden der Flasche enthielt und zwar iii einer Menge, die genügte, um den Tod eines Menschen her- beizuführen. Der Generalmajor ist inzwischen wieder herge» stellt worden.

Die Zustände in Aegypten.

DieReue Züricher Zeitung" bringt folgende als amtlich bezeichncte Meldung aus Berlin vom 12. September: Del

deutsche Konsul in Aegypten meldet amtlich:Bis morgen

müssen die deutschen und österreichischen Konsuln Aegypten ver­lassen. Die übrigen Deutschen stehen unter schärfster polizei­licher Aussicht. Sie glauben, demnächst auch ausgewicscn zp werden. Bei de» Engländern macht sich eine starke Nervosität bemerkbar. Die in Aegypten seit dem. August erwarteten 18,888 bis 88,888 Mann indischer Truppen sind noch nicht ein- getroffen, lieber ihr Verbleiben lause» verschiedene Gerüchte um. Einige behaupten, die Cholera, andere, ein Ausstand sei in Indien ausgebrochen."

Berlin, 16. Sept. Aus Wien meldet dieB. Z.", in den Mitteilungen eines Wieners aus Kairo wird die dortige Lage als sehr ernst geschildert. Fortwährend lamme es zu Revolten aus offener Strotze, die Regierung werde wahr­scheinlich das Standrecht verhängen.

Der wer! inbildjee Gruppen fiir den Krieg.

Z» der aus London stammenden Mitteilung, es seien 70,000 Mann indischer Truppen nach dem europäischen Kriegsjehauplatz abgegangen, schreibt ein mit de» Ver­hältnissen Indiens wohlvertranter Herr, der auch früher schon aus Indien Berichte in derFrankfurter Zeitung" verösentlicht hat:

Ich bin über zehn Jahre in Indien gewesen, habe est das ganze Land von Norden bis Süden bereist und mir auch das Militär dabei etwas angesehen. Da halte ich denn die Anssühriing der Idee für ausgeschlossen. Nach Aegyp­ten konnten wohl noch indische Truppen geschickt werden. Auch da wird man bedacht gewesen sein, keine Moham­medaner zu nehmen. Aber einmal kommt dort die Ver­wendung nur gegen die einheimisehe Bevölkerung in Frage und, was mindestens ebenso in die Wagschalc fällt, die kli­matischen Bedingungen sind wenigstens für die aus Nord- iudieil genommenen Leute nicht sonderlich verschieden von denen ihrer Heimat. Gegen unsere Truppen sind die in­dischen Regimenter von untergeordnetem Gefcchtswert. Ich glaube, unserem Artillcricfeucr wurden auch die besten in­dischen Truppen nicht einen Augenblick standhalten. Weit schlimmer würde aber das Klima auf diese Truppen wirken. Jetzt wo der Herbst einsetzt, würden diese Soldaten, die auch im Norden Indiens kaum je für längere Zeit wirk- lichcr Kälte, vor allein nasser Kälte, ansgesctzt sind, einfach die Lazarette füllen. Im allgemeinen tragen sie kein schwe- I res Gepäck. Wollte man ihnen noch besondere Schutzmittel