Ausgabe 
15.9.1914
 
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Dienstag, den IS. September

7. Jahrgang

Mene Tageszeitung

rue v n[e*mtnng fidjeint leöen Sl'trltüg. Regelmäßige BeilagenSer llnurr au» <1 eilen",Oie Spinnttube". iieiiiQcprrio: Lei den Postanstalte» vteriel|ährlich Mk. 1,85 lei len Agenten monatlich so Pig. hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. .Xu,eigen: Grund-,eile 20 Psg lolale 15 Pfg, An,eigen von auswäri, werden durch Postnachnahme erhoben Erfüllungsort Friedberg. Schriftleitung und Verlag Friedberg (hesten), Hanauer trage 12. Fern:preck»ei 4S. Postiheck-Eonlo Nr. 4859, Amt Feanlluet o. M.

Schwere

Unser Sieg im Osten. Das

(Englands gefährliches Spiel.

Schmach über Schmach häuft Großbritannien auf seinen Namen. Mit einem Lügengewebe zettelte es den Krieg an, machle sich Frankreichs Nachegedanken zunutze und verbündete sich mit dein kosakischen Rußland. Kein Mittel war ihni zu niedrig, selbst der Beirat an der weiße» Rasse nicht, um Deutschland nieder»,uversen. Nicht das militärische Deutsch land, wie es jetzt heuchlerisch in englischen Blättern mit dem phrasenhaften Wort heißt, die Welt solle vom Geiste des deut­schen Militarismus befreit werden, sondern das wirtschastüche Deutschland, dessen Handel und Weltmachtstellung Britannien unerträglich schien. Unjähig den deutschen Konkurrenten auf dem Weltmarkt niederzuringen, unfähig auch ihn mit eigenen militärischen Mitteln zu vernichten, mußte es fremde Helfer haben, um sein brutales Gelüst zu befriedigen. Nur die Art des Borgehens ist daran neu, nicht so das Wesen der englischen Politik, die allen seefahrenden Bollern bisher in gleicher Weil» angewandt wurde. Durch Englands Seeräuberpolitik wurde 1578 die deutsche Hansa vernichtet, 1588 der spanische Handel lahmgelegt, Eromwells Navigationsakte schädigte den Nieder­ländischen Handel und mehr als einmal wurden die Niederlän­der durch England in schamloser Weise vergewaltigt, so 1684 durch die Ueberrumpelung von Neu Amsterdam. Portugal kam durch den Methuen Vertrag 1703 in die wirtschastüche Ab­hängigkeit von England. 1807 überfiel England im tiefsten Frieden Dänemark und führte die dänische Flotte aus Kopen­hagen fort. Sein jetziger Derbünüeter, Frankreich, büßte durch Englands Raubpolilik dreimal die Flotte ein, so in den Krie­gen gegen Ludwig XIV., im Siebenjährigen Krieg und wäh­rend der Kontinentalsperre Napoleons I.

Gar zu gern hätte jetzt England Deutschland ein ähnliches S-i'tttfal bereitet. Nur der deutschen'Wachsamkeit gelang es 1805 und 1911 die englischen Flibustierstreiche zu verhindern. f3!an steht, die englische Politik hat sich seit Jahrhunderten in nichts geändert und während sonst alle seefahrenden Völker sich der fortschreitenden Sittigung nicht verschlosten, trifft aus Eng­land noch heute zu, was der bekannte Historiker E. heyrk sagt, Seefahrt und Seeraub sind Zwittingsgeschwister, die in der Frühgeschichte der Meervöller kaum voneinander zu unterscheiden sind."

Noch immer wird England von der Moral primitiver See röuber geleitet, nur darin ift's moderner geworden, daß es, wo seine eigene Krast nicht ausreicht, sich der anderer Böller be­dient, und die ihm nicht willsährige» Böller, wie die Skandi­navier in diesem Kriege, einzuschüchtern versucht, um deren Handel mit dem ihm unbequemen Gegner zu unterbinden. Jetzt schon, nach kaum vier Wochen Kriegsdauer, scheint man in England allerdings einzusehen, daß Deutschland auch mit dem Ausgebot aller Kräfte nicht so leicht zu vernichten ist. Es ent- blödet sich nicht, mit seinen eigenen Schissen Rußlands halb- asiatische Horden nach dem Westen zu schaffen, um Erfolge auf dem Festlande zu erzielen, denn nur da kan» die Entscheidung fallen. Da England zumal seine eigene Flotte wahlweise wie seine Krondiamanten hütet, zeigt sich immer mehr, daß der we­gen des Krieges aus dem Ministeriuin ausgeschiedene John Burns recht hatte, wenn er ausführte:

Der Krieg mit Kontinentalstaaten ist für Eiigland ein ganz unmögliches Ding. Die englische Industrie sei es Textil oder Maschinenindustrie ist aus den Kontinenlal- export angewiesen, kann ohne ihn überhaupt nicht existieren, da England selbst nicht ein Biertel von den industriellen Er­zeugnisten abnehmen kann, die es produziert.

So gräbt sich England selbst sein Grab. Der Versuch, den deutsche» Handel zu vernichten, wird in seinen Folgen nur den Urheber treffen. Das um so mehr, wenn England versuchen sollte, die Absicht zu verwirklichen, den Krieg aus zwei Fahr­zehnte hinaus z» verschleppen. Die Hoffnung, Deutschland auszuhungern, muß an unserer gulgegründeten und leistungs lähigen Landwirtschaft zuschanden werden. Nicht so steht es mit England. Schon jetzt wagen kaum noch neutrale Schiffe sich seine» Küsten zu nähern, da sie nicht sicher sind, gekapert zu werden oder aus englische Mine» aufzulausen Mehr als Deutschland ist England der Gefahr des Aushungerns pre.sge. geben. Schvii hat Lord Milner einen Aufruf an die Landwirt­schaft treibende Bevölkerung Großbritanniens gerichtet. Es sei notwendig, auch das kleinste Stärk Land zur Produktion von Nahrungsmitteln zu benutzen. Das Fahr 1915 werde gcw.'ttige Veränderungen in der Produktion und der Zufuhr Hervorrufen. Die Iriegsührenden Staate» hätten eine ungeheure Zahl ar beitstüchtiger Männer im Feld, die der rationellen Bodenbe- wirtschajtung entzogen sind. Die anderen, Getreide produzieren­den Länder könnten diesen Ausfall nicht decken. Jedes Land lei daher aus Selbsthilfe angewiesen. Die englische Selbst-

Kämpfe

(Gouvernement Suwalki mrter deutscher Verwaltung. Verlust eines Kreuzers.

Oer

gefälligkeit und Sicherheit ist also stark im Wanken, England spielt, wie Fohlt Burns sagte, ein gefährliches Spiel Mi! seiner , Existenz und hat, wenn nicht alles trugt, dies Spiel schon zur Hälfte verloren und über seine Buiidesgenossen namenloses Elend herauibeschwore».

Zur Kriegslage.

fl TB, Großes Hauptquartier, 14. Lept.

Im Westen finden ans dem rechten Heeresflütfcl schwere, bisher unentschiedene Kämpfe statt. Gin von den Franzosen versuchter Durchbruch wurde

fiegreich zurückgeworsen. sonst ist au keiner -stelle eine Gntscheidung gefallen. Im Osten schreitet die Vcr- nichtung der russischen 1. Armee fort. Die eigenen Verluste sind verhältnismäßig gering. Die Armee von H i n d c u b n r g ist mit starken Kräften bereits jenseits der Grenze. Das Gouvernement Suwalki wurde «utcr deutsche Verwaltung gestellt.

6 roh es Hauptquartier, 14. Sept. (W. V. Amt­lich). General v. Hindcnburg telegraphierte an Se. Maje- stät:Die Wilnaer Armee (2., 3., 4., 20. Armeekorps, 3. und 4. Reseroedivision, fünf Kavallcriedioisioncn) ist durch die Schlacht an den masurischen Seen und die sich daran schlichendc Verfolg­ung vollständig geschlagen. Die Gradnoer Reesrvearmce (22. Armeekorps, Rest des 6. Armeekorps, Teile des dritten sibiri­schen Armeekorps) hat in besonderem Gefecht bei Lyck schwer ge­litten. Der Feind hat st a r k e B e r l u st e an Toten und Verwundeten. Die Zahl der Gefangenen steigert sich, Kriegsbeute au'gcrordcntlich. Bei Frontbreite der Armee von über hundert Kilometer ungeheure Marschleistungen von zum Teil 150 Kilometern in vier Tagen. Bei auf dieser ganzen Front und Tiefe abspielendcn Kämpfen, kann ich den vollsten Umfang noch nicht melden. Einige unserer Verbände sind scharf ins Gefecht gekommen, Verluste aber doch nur gering. Die' Armee war siegreich auf der ganzen Linie gegen hartnäckig kämpfenden, aber schließlich fliehenden Feind. Die Armee ist stolz daraf, dah kaiserlicher Prinz in ihren Reihen gekämpft und geblutet.

vtr kltine fuTiiirrsiklii" grlnnbftr.

Berlin, 14. Sept, (Amtlich) Am 13. September vorm, wurde S. M. Heiner Kreuzerheia" durch einen Torpedo­schuß eines seindlichen Iluteijeeüsoles zum Sinken gebracht. Die gejomie Dinnnschojl wurde gerettet.

Der steltuertr. Ches des Admiralstabes gcz. Behacke.

Der kleine KreuzerHeia" ist das älteste und kleinste Schiis der Kreuzerstotte und eigentlich längst überaltert.Heia" lies schon Ende März >805 vcm Stapel und hatte 2040 Tonnen Wasserverdrängung. Seine Besatzung beträgt rund 191 Mann. Da d e Mannschaft erfreulicher 'Weise vollständig gerettet ist, so bejchränlt sich der Verlust aus den Materialschaden, der, wie ge­sagt, verhältnismäßig wenig ins Gewicht fällt.

Die Kämpfe in Galizien.

Wien, 14. Sept. (Nichtamtlich). Ter Kriegsberichterstat­ter desMorgen" meldet. Die Schlacht bei Lemberg wurde abgebrochen. Unsere Truppe» wurden zurückgezogen und in einem Abschnitt versammelt, der für die Verteidigung die gün­stigsten Bedingungen bietet. Unser Plan, die russische Armee durch eine rasche »nd lUhne Ossensive zu zerschlagen, scheiierie nicht wegen der mangelnden Führung oder der Fnserioritäi un­serer Truppen, im Gegenteil, die Führung und die Drup.en leisteten Uebermenschliches, aber der Heroismus der Truppen scheiterte an ö.-r lolossale» Uebermacht des Feindes, Es ist srstgestellt, daß die Uebermacht der Rügen viele Divisionen betrügt, wobei zu bedenken ist, duß eine russische Division stär- ler ist, als eine unsrige. Ferner sind die Rasten in d:r M'-l.i- lisicrung weit voraus, da sie dan'.it lange vor de n offiziellen Kriegebeginu cinsctzien. Endlich haben wir fast die gesamte Hauptmacht der Russen gegen uns. Wenn man das bedenlt, kann man erst die Leistung unserer Truppen richtig -bschätzen, Fn säst ununterbrochenen dreiwöchigen Kämpfen Hielien sie nicht nur in foriwährender Offensive dem Feinde überall stand, fond:rn nahmen ihn, auch fast 60 000 Gefangene und 300 Ge-

,',utze ab Aber^dlese Teilerfolge, so groß sie auch waren, konn-

nicht zu dem gewünschten Eesamtresultai vereinigt wer» I.n, weil die Russen buchstäblich |Ur eine jede geschlagene Di­vision eine neue Heranwersen konnten, höhere strategische Rücksichten verlangen setzt die Versammlung unserer Truppen IN einer Stellung, an der sich die Uebermacht der Rüsten brechen v-. Wir tonnen hier ruhig den Angriff abwarten, Fch wiederhole nochmals: Unsere Truppe» sind nicht geschlagen und suhlen sich auch nicht geschlagen. Die österreichisch-ungarische Armee bezieht eine Stellung, die so stark ist, daß sie jedem Feinde Trotz bieten kan».

Ausgezeichnete Stimmung.

Der Kriegsberichterstatter derFranks, Ztg" meldet am 14, September aus dem Kriegsprestequartier: Der durch die

neue strategische Lage bedingte 'Abmarsch unserer Truppen in die neuen Stellungen westlich von Lemberg vollzog sich in vollster Ordnung. Die Truppe» waren im Bewußtsein ihrer Erfolge trotz des eingetretenen schlechten Wetters in aus­gezeichneter Stimmung: sie sührien über 10000 Gesän­ge n e »nd SO erbeutete Geschütze mit sich und haben ihre neuen Stellungen bereits bezogen.

Waffengrnf; an Oesterreich.

DieKreuzzettung" bemerti zu dem Ausgang der Schlacht bei Lemberg: Mit höchster Bewunderung mästen wir die unver­gleichlichen wnb übermenschlichen Tate» unserer Berbündeie» anerlennen. Eine Pause in den, surchibaren Kampfe wird ihnen durch Zuführung von Reserven neue Kräfte bringe». Einer Stärkung iqres Heldenmutes bedürfen sie nach dem, was wir von ihnen erlebt haben, sicherlich nicht. Die Schlacht bei Lemberg ist also noch unentschieden, Wir dürfe» uns aber nicht verhehlen, daß die Russen jetzt sich einen Sieg zuschreiben wer­den und das wird leider nicht ohne Eindruck aus gewisse un­schlüssige Neutrale bleibe». Wenn aber nun bald wieder die beiden Doppeladler ihre Schwingen zu neuen Kämpfen breiten, dann wird hossentlich der volle Sieg aus österreichisch-ungari­scher Seite sei», Fn diesem Sinne senden wir den tapferen Freunden unseren Wassengruß,

Ans Frankreich.

Ein wertvolles Eingeständnis.

Ein hoher jranzosischer Ossizier Hai dem Pariser Korre­spondenten derTijd", des großen holländischen Katholiken- blattes, folgende Mitteilung gemacht. Er sagte, das Gerede über die Verwendung von Dum-Dum Kugeln sei vermutlich da­durch entstanden, daß ein Stabsossizier in der Festung Longwg sich mit Studien übex die Ansertigung »euer Patronen be- schästigte. Es hätten sich auch in einer Rumpellanimer aus der Festung noch einige K i st e n a u 2 g e h ä h 1 t e I Kugeln be­funden, die aus der Zeit stammte», als diese noch nicht durch die Haager Friedenskonferenz verboten waren, und die man später durch maschinelle Umleitung brauchbar zu machen ver­sucht habe. Es sei möglich, daß einige Schachteln verbotener Patrone» unabsichtlich (!) an die sranzäsischen Fnsanieiisien verteilt (!) worden seien, aber von einer regelrechten Fabrika­tion der Dum-Dum-Kugeln könne nicht die Rede sein, Fn die­ser Erklärung wird zum ersten Mal bas Vorhandensein von Dum-Dum-Kugeln in sranzösischem Besitz zugegeben. Abge­sehen davon, daß es eine sehr merkwürdigeRuinpellammer" sein muß, aus dcr im Kriegsfall Munition geholt und an di« Truppen verteilt wird, ist es natürlich einfach lächerlich, daß man uns vormachen will, die Franzosen Hütten in ihren Maga­zinen 10 Fahre lang Patrone» aufgehoben, die wegen des haa> gcr Verbots ausrangiert worden waren. Der Beschluß der Haa­ger Konferenz stammt nämlich aus dem Fahre 1899. Für wel­chen Zweck und für welchen Gegner hat man die Dum-Dum-Ee- schosse ausbewahri'? Herr Poiueare, der gestern noch einen unverschämten Protest gegen die angebliche Verwendung von Dum Du: . Geschossen durch die Deutschen erlassen hatte, ist ra< scher, als er gedacht, Lügen gestraft worden.

Englisch-srauzästiche Brüderlichkeit.

DerBerliner Dörsen-Zeiiung" geht folgendes Stimm»,igs- bttd aus Ehamberg zu, vas Zeugnis ablegt für dieenglisch- sranzäsische Einigkeit":

Es r at i: >r interessant, sestzustellen, daß die französischen Ossiziere keine allzu Hetze Meinung vo» den kriegerischen Tu­tenden ihrer englischen Kampsgenolfen haben, wie umgekehrt nie Söhne Albions kein gutes haar an den militärischen Fähig- keiten und der Disziplin der Franzmänner lasten. Wie schwie­rig es gewesen sein muß, den Konlali zwischen den Heeressäu­le» der Franzosen und Enaländer ausrcchizuerhalten davon