Ausgabe 
8.9.1914
 
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Nr. 210

®nfe v

Reue Tageszeitung. Dienstag, Sen «. September lui«

Erna und Ilse.

Ikoinan von D. Feußner.

40 (Fortsetzung).

Im Zimmer war es jetzt totenstill und da man die Fensterläden des Wetters wegen geschlossen statte, herrschte ein fast unheimliches Halbdunkel, das nur für Momente fast gespenstig erhellt wurde.

Desto fürchterlicher grollte, prasselte, stürmte es draußen, als sollte die Erde aus ihren Gleisen ge­hoben und weggeschleudert werden in die unermessenen Weiten des Universums, oder zertrümmert, zerrissen als winzige Moleküle ihreni Schöpfer vor die Füße zu fliegen. Wann würde sich die wild entfegelte Gewalt der Elemente erschöpfen.

Der Rittergutsbesitzer warf während eines Blitz­strahles einen Blick auf seine Tochter. Totenbleich lehnte diese in ihrem Stuhle, furchrsain und keiner Be­wegung fähig, gleich den, Marmorbildc Pygmalions, das sein rosiges Inkarnat verlor, uin zurückzusinken in die Totenstarre, aus der cs der Künstler zum Leben erfleht hatte.

Plötzlich flammte es in der Stube auf, als befände man sich in einem glühenden Fcuerwürfel und un­mittelbar darauf folgle ei» Donnerschlag, welcher alle vorhergegangenen an Starke weit überlraf.

-Mit leisem Stöhnen glitt Ilse vom Stuhle und blieb mit ausgebreiteten Armen auf dem Teppich zu dei^^llße^hr^^ater^icgen^

Der Blitz hat eingeschlagen," ries dieser mit gellender Stimme,Mein Kind! Mein Kind! Hin­aus! Hinaus! Sonst ersticken wir alle!" Er bückte sich, nahm die Leblose in seine Arme und eilte hinaus, hinarrs in das Unwetter. Ihm auf dein Fuße folgten die anderen, sie halten ihre Geistesgegenwart be­halten.

Der Forstineister (dies war der Titel des Besitzers der Villa Rosalie>, ivendete sich irm, um einen Blick auf das schmucke Gestände zu werfen.

Gott sei Dan'," murmelte er selbst rotenblcich, nirgends sehr ick, Rau.b, es war nur ein kalter Schlag," dann ctlle er dem unglücklichen Bnler den Schuppen zu öffnen, vor welchem dieser schon mit seiner teueren Last stand. Die andren folgten und gemeinschaftlich bettete man Ilse auf ein primitives Strohlager.

Als sie so dalag, bleich w'e Wachs und doch schön wie ein Engel, singen beide Mädchen an zu weinen uni auch über die Wangen des ^betrübten Vateis rannen Tränen und fielen auf das fast überirdisch schöne Eefichtchcn seines einzigen Kindes.

O Ille, mein Kind, inein einziges Kind, was ist mit dir geschehen? O Gott, wie wehe ist mir!" Und ruckhaltslos. gab er sich feinem Schmerze hin, während die Frau des Forstmeisters der regungslos Daliegendcn Erleichterungen zn verschaffen suchte und ihr Gatte in gedämpfteni Tone den Befehl erteilte, den Arzt des nahen Kurhauses herbeiz uhole n. Im

Herbst-Pferdemarkt

m Gießen.

Am Mittwoch, den 16. September 1911, vorm, von 7 Uhr ab findet auf den städtischen Marktanlagen an der Rodheimerstraßc Pferdemarkt statt. Der Äuf- tricb von Pferden aus Sperrbezirken ist unzulässig.

Bezüglich der in der Nähe des Marktplatzes vor­handenen Stallungen erteilt Herr Lohnkutscher Huhn Auskunft.

Mit dem Pferdemarkt ist eine Prämie v u «t g des besten Pferdematerials verbunden, wofür .reichliche Mittel zur Verfügung stehen, darunter 250 M. aus Mitteln des Hessischen Landes-Pferdezuchtoereins. Der Prümierungsplan ist von Herrn Weinhändler August Schwan in Gießen erhältlich. Die Preisverteilung erfolgt nach Beendigung der Prämierung.

Die für den Herbst-Pferdemarkt vorgesehene Ver­losung ist mit Genehmigung Eroßh. Ministeriums des Innern mit Rücksicht auf die eingetretene Mobilmachung bis auf Weiteres zurückgestellt worden.

Gießen, den 4. September 1914.

3 ic städtische Pferdemarkt-Deprltation Eriinewald, Beigeordneter.

Aufruf!

Sämtliche laiidsturmpflichtigen Leute der Jufaii- terie, Jäger, Garde-Infanterie und Krankeuträger haben sich am

MMmoch. den 9 . Sept. ds. Js., vormittags 10 |Ujr

m Friedbrrg i. H auf dem Burgplatz zu stellen.

Es wird darauf aufmerksam gemacht, das; sich nur gediente Leute zu stellen haben.

Nichtgestellung wird streng bestraft.

Die Leute werden in das hier zu bildende Ersatz- Landsturm-Bataillon eingestellt.

Sämtliche oben erwähnten Leute haben zu er­scheinen, einerlei ob diese Gestellungsbefehle haben oder I nicht.

Friedberg i. H.< den 7. September 1914.

Großh. Bezirkskommando.

von Branconi.

Major u. Bezirkskominandeur.

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Da cs in der jetzigen Kriegszeii fchioierig ist, Kohlen sllr mit Tainps betriebene Dreschsätze zu erhalten und außerdem das elektrische Dreschen wesentlich billiger, be­quemer und voricilhaftcr ist (3 u / höherer Ausdrusch), hat sich die Bau- und Betriebsleitung der elektrischen Ueberland-Anlage der Provinz Oberhessen in zuvor­kommender Weise zur Ciromabgabe für besagten lweck bereit erklärt.

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Stefan Kuhu, Znheidcn-chnitgcn.

Der Kampf, den das deutsche Volk gegen halb Europa zu führen gezwungen ist, sicht im Zeichen einer unerschütterlichen Siegeszuversicht.

Kein Zweifel wird daran laut, daß unsere gerechte Sache über unsere Feinde triumphieren wird. Aber diese feste Ueber- Zeugung oarj uns nicht vergessen lassen, daß auch der Sieg Opfer fordert.

Mag der Feldzug gegen die Massen 'unserer Feinde noch fo glücklich verlaufen, an seinem Ende werde» dack> viele Win»«»' und Waisen cur der Bahre ihrer Ernährer stehen, viele Inva­liden. die für die Allgemeinheit freudig ihre Gesundheit ge- dp,er« haben, nick>t wissen, wie sic das Dafcin weiter fristen sol­le,,. Roch leben unter uns Taufende in saldier Laxe ,,ls le­bendige Erinnerungen an die große» Tage vor 44 Jahren.

Der Unterstützung und wirtschaftlichen Forderung dieser Invaliden und ihrer Hinterbliebenen dient seit mehr als 40 Jahre» das Wirren des VereinsJnvalidendank".

Taufenden hat derJnvalidcndank" eine neue Bürgerliche i Erlstenz verschallt und damit nicht nur diele Taufende vor Rat

Hause waren untere.es Türen und Fenster geöffnet worden, denn es machte sich ein stark fchwefkiger Ge­ruch in allen Räumen bemerkbar.

Es schien, als hätte dies eine Opfer dem wilden Element genügt, denn wie intt einem Schlage änderte sich das -Zetter, es hstrte ,zu regnen, und nur da­dumpfe Resten des st-e-nners war ab und zu veinehnr- bar. Bald kebrtc auch zu ail«: L^ruhignng der Wagen, welche: :m schne:'ücn Tempo nach den: Arzt gefahren war, mit diesem >»rück.

Go>.' Sir Herr Ruth! und Ihr hold» Töchterchen das Opse: eines Blrtz-chlags " rief dieser aufs t efste erschrocken,

Ja leider, Herr Doktor," sagte der Rittergntsve- sttzcr mit tonloser Sli»:n:e,aber Gott wird geben, oaß das Ärgste, wie ich anfangs bejücckuete, nicht ein- gctreien ist."

Wollen s hoffen! Wollen'- hoffen!"

Lange, lange blieben die Belebungsversuche er­folglos, doch endlich siegte die Kunst des Arztes, die Lebensgeister kehrten wieder und Ilse holte tief Atem.

Vater, Vater Vat ihre Lippen be­wegten sich noch ein wenig, aber kein weiterer Ton schien sich der beengten Brust entwinden zu können.

Mein Gott, sie lebt! Sie lebt!" jubelte der glückliche Vater,ich darf sie noch behalten! O Gott, ich danke dir!"

(Fortsetzung folgt?

und Sorge bewahrt, sondern auch die Gemeinden vor allzu wach­sender Belastung ihrer Vcrsorgungsanftalten.

DerJnvalidcndank", der unter dem Protektorate des Deutsche» Kronprinzen steht, hat diese Tätigkeit ausüben kön­nen. ohne je die Oesfentlichkcit für seine Kaffen in Anspruch nehmen zu muffen. Aus kaufmännischen Geschäften, die er be­treibt, sind die Summen als Gewinne gefloffen, die er ohne Abzug an Invaliden und Angehörige verstorbener Krigrr verteilt hat.

In diesen Tagen aber glaubt auch derJnvalidendank" sich berechtigt, ja sogar verpflichtet, auf dem Plan zu erscheinen. Seine geschäftlichen Betriebe leiden naturgemäß auch unter der Rot der Zeit und er mutz befürchten, seine Unterstiitzungsauf- gabe gegenüber den Hinterbliebenen einer großen Zeit nicht mehr erfüllen zu können, die uns doppelt wert fein sollten, weil sie die Waffen für den gegenwärtigen Kamps geschmiedet haben.

DerJnvalidendank" mutz aber ferner heute schon an die gewaltige Erweiterung denken, die seiner Tätigkeit am Ende dieses Krieges bevorstehen wird. Dafür fo früh wie möglich und so gut wie möglich zu rüsten, ist keine minder wichtige Auf­gabe, als die Sorge für die Wcitergewährung der bisherigen Unlerstützungen.

DerJnvalidcndank" wendet sich daher an die weiteste Oeffcntlichkeit mit der Bitte, fein gemeinnütziges Wirken durch Beitritt zum VereinJnvalidendank" zu unterstützen.

Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt IN Mark, durch eine einmalige Zahlung von INN Mark kann die lebenslängliche Mit­gliedschaft erworben werden.

Als eine einmalige Spende wird selbstverständlich jebet kleinere oder größere Beitrag gern entgegengenommen.

Wer sich über die bisherige Arbeit desJnvalidendank" unterrichten will, erhält auf Wunsch gern ein Merkblatt gesandt.

Gebt alle, gebt rasch, gebt reichlich!

Die Wiederausrichtung der bürgerlichen Existenz ist für Tausende tapferer Krieger willlommener als jede Gabe.

Alle Sendungen sind zu richten an den

Vorstand desInsalidendank"

Berlin W. S, Potsdamer Straße 20 Victor Herzog von Ratibor, Vors. d. PerwaltnngsratS

Aufruf.

Ein gewaltiger Krieg ist Uber Deutschland heieingebro«

che».

Millionen deutscher Männer bieten ihre Brust dem Feinde

dar.

Viele von ihnen werden nicht zurücklehren.

Unsere Pflicht ist es, für die Hinterbliebenen der Tapfe­ren zu sorgen.

Des Staates Ausgabe ist, hier zu helfen, aber er kann es nicht allein, diese Hilfe mutz ergänzt werden.

Deutsche Männer, Deutsche Frauen gebt! Gebt schnell! Auch die kleinste Gabe ist willkommen.

Das Büro befindet sich Berlin NW. 40, Alscnstratzc 11. Das Präsidium: von Locbcll, Staatsminister und Minister, des Innern, voi« Keffel. Generaloberst, Oberbefehlshaber der Marken. Freiherr von Spitzenberg, Kabinettsrat Ihrer Maj. der Kaiserin. Sclbcrg, Kommerzienrat. Schneider, Geh. Oberregierungsrat, Vortragender Rat im Ministerium des Innern als Staatskom- miffar. Hcrrmann, Kommerzienrat, Direktor der Deutschen Bank, Schatzmeister.

Impfung.

Die Impsnachschau des geimpften Pflege- »nd Sanitäts- perjouals fiubet Dienstag, den 8. September, abcuds 8 Uhr im

Hospiial statt. Es ist zu diesem Termin auch alle« Personen, die sich einer Impfung unterziehen wollen, Gelegenheit zur Impfung gegeben, zu deren Benutzung dringend geraten wer­den kann.

Eroßh. Kreisgejundheitsamtt

Dr. Nebel.