Ausgabe 
5.9.1914
 
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Hummer 808

tzamslng. oen beptemöcr 1014

7. Jahrgang

DieUnit uncroirituiig" erschein, Itdtn SOnltag. SRtgelmäfeige Seilagcnver Cmitr au» Hellen««,?ir Splnnllub»^ciugajirti»: «e, äcn -Postan-taltcn oierieliahrttch 'JJit. 1,05 tci Ceu Xlgtnten monallich 50 Pfg. Hinzu tritt Postgebühr ober Trägerlohn. Anzeige»: Giund.elle M Pfg., lokale 13 Psg» Slnitigca von auswärts werden ouri, «Po lnr.hnahme erhoben

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Auf dem Weg nach Paris!

Reims ohne Kampf besetzt. Reiche Kriegsbeute. 30 Kilometer von Paris. Die

bevorstehende Entscheidung im Sndostcn.

Mit matlirmatifdirr yiiiiktlidjhrit

vollzieht sich der siegreiche Dormorsch unserer Heere. Am 22. August wurde gemeldet: Vor Namur donnern deutichc Kanonen. An, 25. August war Nainur in unserem Besitz. Am 3. September wurde gemeldet, daß der Angriss gegen Reims cingclcitct sei und am 4 . September sind unsere Truppen in die alte Krönnngsstadt cingczogen. Wenn die dcutsch-scindlicheTiuies" zu melden weiß, daß die Te»t- sck>en bereits vor Senlis, also knapp 30 Kilometer vor Paris ständen und das; dort bereits der deutsche Kanonendonner gehört würde, so hat man keinen Anlaß, an dieser Botschist zu zwciseln.

So geht das Schicksal mit ehernen Schritten seinen tßang. Mit Recht kann man diesen Krieg einemarichic- rendc Schlacht, den dauernd vordringcnden Sieg" nennen. Bezeichnend ist es, daß sich unsere Armceleitung veranlaßt sicht, ausdrücklich zu erklären, daß ihre Berichte auf voller Wahrheit beruhen, weil die fortwährenden Sicgesbcrichte, ohne daß bisher auch nur der klein st e Mißerfolg zu verzeichnen gewesen wäre, beinahe den Eindruck der Unglaubhaftigkeit machen könnte.

Tie verbrecherischen Mitglieder der französischen Re­gierung sind bereits in Bordeaux eingezogcn und in Paris herrscht dumpfe Verzweiflung. So wird unseren Feinden tagtäglich mehr die Wahrheit des Spruches vor Augen ge- sührt: Wer Wind sät, wird Sturm ernten!

Weitem Kriegsbericht

WTB. (Amtlich). Grohes H a u p t quartier, 4. Lcptbr. Reims ist ohne j'amps besetzt worden.

Tie Siegcsbcute der Armeen wird nur langsam bekannt. Tic Truppen können sich bei ihrem schnellen Bormarsch nur wenig darum kümmern. Roch stehen Ge­schütze «nd Fahrzeuge im srcic» Felde verlassen da. Tie Etappentrnppcn müssen sie nach «nd nach sammeln. Bis jetzt hat nnr die Armee des Generalobersten v. B ü l o w genauere 'Angaben gemeldet. Bis Gndc August hat sic sechs Fahnen, 233 schwere Geschütze, 116 Feldgeschütze, 70 Maschinengewehre «nd 166 Fahrzeuge erbeutet und 12934 Gefangene gemacht.

I», Osten meldet (Generaloberst von H i n d e n b « r g den Abtransport von mehr als 90 000 unverwundeten Ge­fangene«. Tas bedeutet die Vernichtung einer ganzen feindlichen Armee.

Dtr (üfnrrülptntifriüfiftfr u. Klein.

Aus Rotterdam wird berichtet: Der Berichterstatter der

Times" meldet über die letzte» Operationen in Siordsrant- eich: Das Tal der Somme wurde auigegeden und Amiens« jl in deutschen Händen, nachdem «in blutiger Kamps ,-Iiejert, die Engländer aus Laser- zurückgezogen morden und liefe Forts von den Deutschen genommen waren. Der drei- ägige Kamps bei Amiens erreichte seinen Höhepunkt in einem ilutigen Tressen bei Moreuil, wo der Ersolg wieder aus deutscher Seite war. Die Bcrbündctcu zogen sich in Ord­

nung zurück. »Daily Ehrouiclc" meldet, daß Üruli«- . .ippe» sich schon bei Ereil bcjindcn und sogar bei Sen» u baß der Kanonendonner bereits in Paris zu vernehmen sein dürste.

Kein Mißerfolg.

Berlin. 4. Sept. DieVofsifche Zeitung" erfährt aus dem Trogen Hauptquartier:

Die ununterbrochen einander folgenden Siegesmeldungen ohne dag man von Mißerfolgen hört, können beinahe putzig machen und haben im Auslande schon Mißtrauen erweckt. Dem­gegenüber wird vom Ceneralstab die ausdrückliche Erklärung abgegeben, daß kein Mißerfolg der Deutschen an irgendeiner Stelle einaetreten ist. der etwa verschwiegen worden märe.

Boulognc-snr Mer geräumt.

Berlin, 4. Sept. Ein Londoner Blatt vom 29. August bringt, derB. Z. am Mittag" zufolge, eine Central Ncwa- Depesche, die vom ossizicUcn Zenjurbureau zugelassen wurde, des Inhalts, daß Boulogne-jur-Mer von den ver­bündeten Truppen geräumt wurde.

Boulognc surMcr lst der wichtigste Hafenplatz im nördli chen Frankreich und kam seither besonders als Landungsplatz für das englische Hilsshecr in Betracht.

Die bevorstehende (Entscheidung in der Riescnschlacht.

Vom Kriegspressequartier wird gemeldet:

Da nun die österreichisch ungarischen Operationen gegen die Russen baldigst ganz enthüllt sein werden, werden Angaben mit größter Bollständigleit >n Berichten folgen, deren Verösfcntlichling nuiimehr der Sache Oesterreichs nicht mehr schaden kann, auch wenn doc Feind davon Kenntnis erhält. Die Schleier heben sich vor dem letzten Akt. Die Lage ist sür Oesterreich-Ungar» weiter gut, die Entscheidung jedoch wird noch einige Zeit aus sich warten lassen.

Eine kriegsamtliche Darstellung.

A IN t l i ch e s T e l c g r a m m.

Wien, 4. Sept. Die Schlacht, die sich aus dem russischen Kriegsschauplatz aus «unserer Osscnsive entwickelte, hat eine Entscheidung des Feldzuges »och nicht gebracht. Aus dem westlicheu Flügel gegen den Feind vordringend, in Ostgalizien den vaterländischen Boden gegen einen überlegenen Feind Schritt sür Schritt verteidigend, haben unsere Truppen allenthalben den alten Ruhm ihrer Tapserkeit gerechtsertigt und sehen den noch bevorstehenden ernsten Kämpfen mit Zuver­sicht entgegen. Eine Schilderung der mehrsachen Schlachten der vergangenen Woche muss der Geschichte Vorbehalten blei­ben. Gegenwärtig lässt sich der Verlaus der Ereignisse nur in großen Zügen angcbe».

Es folgt danii eine aussiihrlichc Schilderung der Siege des österreichischen Zentrums uud der der Westarmee. Eingehend wird die Lage im Oste» bei Lemberg besprochen. Die betresf. Stelle lautet:

Die Schlacht um Lemberg.

Gleichzeitig mit diesen zitierten Ereignissen wurde auch in Galizien schwer gekämpsi. Am 27. August stießen die zur Abwehr der dortigen weitaus überlegene» feindlichen Ein­brüche bestimmten Kruste aus der Linie Dunajow-Busk aus den Gegner. Trotz des Erfolges des von Dunajow her die Höhen westlich von Pomorzana gewinnenden Kolonnen konn­ten die beiderseits der Zloczower Ehausiee vorgehenden Armee- tcile gegen den namentlich a» Artillerie weit überlegenen Feind nicht durchdringen. Am 28. August setzten die Russen den Angriss auf die östlich von Lemberg kämpfenden Ar­meeteile fort und a^n Nachmittag war ein Zurücknehmen hinter Euila und Lipa und dem engeren Raum östlich und nörd­lich von Lcmbcrg nicht zu umgehe», zumal auch unsere südliche Flanke aus der Richtung Brezcsany bedroht wurde. Die rück­gängige Bewegung vollzog sich in voller Ordnung, ahne daß der ossenbar gleichfalls sehr mitgenommene Feind wesentlich nachdrängte. Am 29. August grijjen die Russen auf der gan­ze» Front auss neue an, und schoben ihre Kräfte auf den Raum nordöstlich Lemberg gegen Südcn. Tags daraus zeigten sich die Angrisse i» größter Heftigkeit. Insbesondere von Prc- zemyslany u»d Firlejow her vcrmochle der Feind immer neue Kräfte einzusetzen, denen gegenüber unsere Truppen nach ver­geblichen Versuchen, sie durch die Osscnsive neuer im Raum- westlich Rochstyn versammelter Armeeteile zu entlasten, gegen Lemberg und Milolaow weichen mußten. In allen diesen Kämpfen erlitten unsere braven Truppen hauptsächlich durch die an Zahl weit, überlegene und auch aus modernen feind­lichen Geschützen seuernde feindliche Artillerie große Verluste. Indessen kann gesagt werde», daß wir bis jetzt gegen etwa russische Insanlcrie- und 1l Kaoallericlruppendivinonen kämns- Icn und zum mindesten die Hälfte dieser feindliche» Kräfte un­ter großen Verlusten zuriickgcworsen haben.

Bom Balkan Kriegsschauplatz.

Lus dem Ballan-Kriegsschauplaßc herrscht im allgemeinen Ruhe und von den Höhe» nordöstlich Bilcl wurden die Montenegriner abermals gcworfcn. Am t. September er­schien das Gxos der ftanzöstschen Mittelmecrslotte, bestehend aus groben Einheiten vor der Einfahrt der Vocckia die Eat-

taro »nd beschoß a»» schwerstem Kaliber Punto d'Osiro. Die W'ikung war lköglich. Drei Festungsartillcristen wurden icichl r.rwnudet. Ein Hans in der Rühe des Forts wuide zerstört Ruch der Kanonade dampften die seindlichen Schisse wieder ab Drr Stellvertreter des Gcncralstabschess. von H ö s e r, Generalmajor.

Siegesbente der Oefterreicher.

20 i e » , 4. Sept. Aus dem Bereich der Armeen D a » I l und Ausse »berg wurden bisher 11 UDO Kriegsgesa»« g c n c e.bgeschoben, etwa 7000 sind vorerst noch angekündigt. In der Schlacht an der Huczwa wurden, soweit bisher belannt, 200 Geschütze, sehr viel Kriegsmaterial, zahlreiche Train, 4 «Auto­mobile und die Feidkanzleien des g. und 10. russischen «Armee­korps mit wichtige» Eeheimalten erbeutet. Der Feind ist in vollem Rückzüge. Unsere Armee versolgt ihn mit ganzer Krast.

Aus dem Kriegsschauplatz am «Balka» drang die von Generalmajor Pongracz besehligte 3. Gebirgsbrigade, die schon ciumal einen sühnen Vorstoß m das rauhe, kriegerische Monte­negro crsolgreich durchgcsührt hat, vor einigen Tagen von neuem gegen die auf den Erenzhöhen bei Bilel stehenden Mon­tenegriner vor und warf die an Zahl überlegenen seindlichen Kräfte in mehrtägigem Angriss zurück, nahm ihnen dabei auch schwere Geschütze ab und degagierle durch die kühne Tat die von den Montenegrinern bedrängte Grenzdcsestigung.

Der Stellvertreter des Ehcss des Gcneralstabs: von Hofer, Generalmajor.

Ablcgiiny engliiliikr (Orkii 11. Auszeichnungen.

Bereits am Morgen nach der englischen Kriegscrllärnng erllärte der Kaiser, wie dieKöln. Ztg." meldet, dem ehe inaligen englischen Boischaster, er möge König Georg Mittei­len, daß er (der Kaiser) stolz auf die Titel eines britischen Feldmarschalls und britischen Admirals gewesen sei, aber »ach dem, was vorgclommcn sei, wolle er letzt auch diese Titel ab- lcgen.

Im Namen vieler deutscher Eelchrteu vcrüssentlicht Ernst Haeckel eine Erklärung, wonach die Unterzeichner öss-nilich »uf alle ihnen von englische» Universitäten, «Akademien und gelehr­ten Ecsellschaslen erwiesenen Ehrungen und die damit vcibu». denen Rechte verzichten.

Und was macht der Lxsordcr Ehrcndollor des Fürsten Lich« »vwsky?

Die Japanesen.

London, 4. Sept.Daily Telegraph" zufolge, bereiten sich die Japaner aus eine längere Kriegsdaucr in Kiaut« sthou vor. Sie wollen langsam und methodisch Vorgehen und Menschenmaterial möglichst sparen. Das Parlament werde die Kredite bewilligen, um die Heere bis zum nächsten Jahre in Schantung zu halten.

Japanische Blätter bringen Alarmnachrichten aus China. Im Jangtsetal steht die Revolution bevor, die mit den Bestrebungen auf Wiedereinsetzung der Mandschu-Dynasiie Zu­sammenhänge.

Ans Frankreich.

Bordeaux, 4. Sept. Der Extrazug mit P o i » c a t e und den Ministern ist gestern Mittag hier cingetrosscn. Die «Menge schrie begeistert:Vive Poincarc. Vive la France!"

Poincare hat die Präseltur bezogen. Der Dienst der Mini­sterien des Kriegs und des Innern ist bereits eingerichtet.

Bordeaux, 4. Sept. Die Minister sind unter dem Vorsitz V i v i a n i s ii» Rathaus zu einer Sitzung zusammen­getreten, in welcher der Kriegsministcr zunächst über die mili­tärische Lage berichtete. Berschicdcne Fragen wurden beraten, besonders die Frage der Verproviantierung.

Paris, 4. Sept. Nach einer amtlichen Mitteilung richtete General K a l i c n i solgenden Aufruf an das Heer und die «Bevölkerung von Paris:

Die Mitglieder der Negierung der Republik haben Pa> ris verlassen, um der nationalen Verteidigung einrn neuen Antrieb zu geben. Ich habe den Auftrag erhalte», Pa­ris gegen den Eindringling zu verteidigen. Diesen «Aus- irag werde ich bis zum Ende ersüllen."

London, 4. Sept. Rach einem Telegramm aus Paris gründete sich der Beschluß, die Regierung nach Bordeaux zu ver­lege», ausschließlich aus militärische Erwägungen, daß Paris der Mittelpunkt drr Operationen wird. Man glaubt, daß Pa­ris nicht noiwendigerweise unmittelbares Angrisfsziel sein wird. «Paris soll mit äußerster Hartnäckigkeit verteidigt wer­den da ein 'Angriss natürlich-iiicki ist. Die lebten Ereig-