Ausgabe 
4.9.1914
 
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Kummer 80? Freitag, den 4. September 1014. 7. Jahrgang

DieIltur <ka.r»>ei1«ng" ti'd;tint irt«n iLttf*ag. Regelmatzige BeilagenDer Knurr au» Hell»»,",Die Spiniillub»". Üeiugspreia: Bei den Postanstaltc» vicrielsährlich Akt. >,S5 bei den Agenten monallich SO PIg. Hinzu »ritt Bostgebühr oder Trägerlohn. Anieigen: Grundzeit« 20 Psg^ lokale iS Pjg An,eigen oon auswätts werden durch Pilnachnatzm« erhoben Erfüllungsort Friedberg. S<l»r>f»i,itnNg und Verlag Friedberg (Hegen!, Hanauerstratze 12. ^Fer» precher 48, Pastichcck-Lanto Sir. «8.12. 2lm! Fraalsurt a. AI.

Die Natten verlaßen das sinkende Schiff.

Deutsche Kavallerie streift vor Paris. Die Flucht der frauröfischen Negicruna. 90 000 -inssen gefangen! Unüversehbare Kriegsvente steckt noch in -)en Wäldern Masurens!

50 000 Russen in Galizien gefangen.

Gerade wie 18701

Nnchdem nnscre Truppe» und die österreichischen Der- bündctcn den Scdanstag 1914 mit je einem glänzenden Sieg verhcirlicht haben, hat auch die französische Negierung bas ihrige dazu bcigctragcn, uni die Festesstimmiing zu er­höhen. Sic hat einen phrasengcschwollcnen Ausruf an das französische Volk erlassen, der auf den endlichen Sieg ver­tröstet und in dem von dem entscheidenden Stotz der Russen in das Herz Deutschlands 5 Tage nach der Kata­strophe von Tanneubcrgl die Rede ist. Der Ausruf gipfelt in die Bekanntgabe, dah die Regierung Paris z» verlassen gedenke, »in freie Hand zun» Handeln zu bekonime». Genau wie 1870 verlassen die Ratten das sinkende Schiff, nur mit dein Unterschied, daß es damals die imperialistischen Machthaber waren, heute aber die ra- dical-republikanischen Dolksbctrüger, im Verein mit dem faniosen Vertreter der roten Internationale, die das fran­zösische Hand und Volk dem Verderben ausliefcrn.

Generalqnartiermeistcr v. Stein hat wieder einer se-ncr, durch ihre knappe, aber bestimmte Form sich auszcichnenden Kriegsberichte bekannt gegeben. Alle Festungen des Nor­dens, mit Ausnahme von Maubenge, sind in unserer Ge­walt, danintcr auch Laon, wo 1811 beim Rückzug Napo­leons I. eine Schlacht stattgcfunden und das sich 1870 ducch die Sprengung seiner Citadellc einen Namen gcniacht hat. Die Lage ist fortgesetzt gut, die Armeen befinden sich im Vormarsch. Die Kavnllcrir des (llriicralvberften von Kkuck streift bereits vor Paris. Neu ist die Bestätigung der Nach­richt, die man seither nur gerüchtweise vernommen hatte, datz sich österreichische Artillerie und zwar Motorbattericn bei dem deutschen Heere in Frankreich befindet und ausqe- zeichnete Dienste geleistet hat.

Ter Scdanssieg in Ostpreutzen liefert immer neue Früchten Heute sind bereits über 90,000 Gefangene gezahlt, und unübersehbar soll die Kriegsbeute an Geschähen und Material sein, die noch in den Wäldern und Sümvscn Ma- surcns steckt. Drei kommandierende Generäle sind -clan- gen und der Lberstkommandiercnde der russisil, soll gefallen sein. Und nach einem solchen beispiel!'s.. Tieg wagt es der Lügenprnsident Poincard von einem Bor, , »ich der Russen in das Herz Deutschlands zu sprechen!

Zerschmetternd ist auch die Niederlage, die die D:sicr- reicher den Russen bereitet haben. An 50,000 Russen «nid über 200 Geschütze sollen die Lesterreicher erbeutet haben. Datz unter solchen Umständen jede Gefahr für Leinberg, wo noch erbittert gekämpft wird, geschwunden ist, wird alli>'il'g hcrvorgchobcn. Wie bei der Belagerung Wiens durch die Türken, so können wir auch heute sagen:

Im W'vde wch'n die Fahnen, Septembcrsouue lacht Funkelnd um eure Häupter: auf, auf zur letzten Schlacht!

Gott gib den Tapfer,» Segen, die dort zum Kampfe

zieh»

Tu Christcngott da oben: Wir beten heut für Wien!

llkütßt Kriegsberichte.

WTB. 6) v o ft c e Hauptquartier, 3. Scpt. Bei der Weqnal-me des hoch iu Felsen gelegenen Sperrforts Givct habe» sich, ebenso wie im Kampf um Namur, die von Oesterreich zugesandten schwere» Motor­batterien durch Beweglichkeit, Treffsicher­heit und Wirkung vortrefflich bewährt. Tie haben uns ausgezeichnete Dienste geleistet.

Tie SPerrbefestignngcn Hirson - lcs- Ahvcllcs, Conds, La J$erc und Laon sind ol,ne Kamps aenomtne». Damit befinde» sich sämtliche Tpcrrbcfcstignngc» im nördlichen Frankreich antzer der Festung Maubenge in unseren Händen. Gegen Rcims ist der Angriff cingelcitct. Tic Kavallerie der Armee des General­obersten v. Kluck streift bis Paris. Das Westheer hat die Aisne-Linie überschritten und seht den Bormarsch gegen die Marne

fort. Einzelne Vorhuten haben sie bereits erreicht. Ter Feind bcsindet sich vor den Armeen der Eencraloberste» v. Klttkk, von Bülow, v.Sanfen und des Herzogs von Württemberg im R ü «k z « g ans « n d hinter die Marne.

Bor der Armee des deutschen Kron­prinzen leistete er im Anschlug an Berdun Widerstand, wurde aber nach Süden zurück­geworfen. Die Armee des Kronprinzen von Bayern und des Generalobersten von Heeringen haben immer noch starken Feind in befestigten Stellungen in Französisch-Loth- ringe» gegenüber. Im oberen Elsag streifen deutsche und französische Abteilungen unter gegenseitigen Kämpfen.

Im Osten ernten die Truppen des Ge­neralobersten von Hindenburg weitere Früchte ihres Sieges. Die Zahl der Ge­fangenen wächst täglich ; sie ist bereits auf 90 000 Mann gestiegen- Wieviel Geschütze und sonstige Siegeszeichen noch in den prcu- hischen Wäldern und Sümpfen stecken, lägt sich garnicht übersehen. Anscheinend sind nicht zwei, sondern drei russische Kommandierende Generäle gefangen. Der russische Armce- führer ist nach russischen Nachrichten gefallen.

Der (i)fnfrfllpiirtifriimf!fr v. Zikin. Dlt,1 der fran;öfifrl?rii Ltgieriing.

WTB. Paris, 3. Scpt. (Aichlamtl.) Tic Agenee Havas meldet: Ter Präsident der Republik und die Regierung haben Paris heute Nacht verlassen und sich nach Bordeaux begeben.

(kill Aufruf ko PsWkntkll IJoinrnrö.

Paris, 3. £cpl. Präsident P oi » c ar e und die Regie­rung richteten folgenden Aufiuf an das Land:

Franzcjen! Seit nichrercn Tagen stellen erbitterte Kämpfe unsere heldenhaften Truppen und die feindliche Armee auf die Probe. Die Tapferkeit unserer Soldaten hat ihnen an meh­reren Punkicn bemerkenswerte Vorteile eingetragen, dagegen ha, uns im Norde» der Norstotz der dcutfchcn Strcitlräste zum Riilkzngc gezwungen. Diese Lage nötigt den Präs,deu­te» der Republik und die Regierung zu einem schmcrzkichcn E n I f ch I u 11 e. Um über das Heil der Nation zu wachen, haben die Behörden die Pflicht, sich zeitweilig von Paris zu entferne». Jebesfen wird der hervorragende Obcrbc- fehlehaber der französischen Armee voll Mut und Begeisterung die Hauptstadt und ihre Bevölkerung gegen den Eindringling verteidigen. Aber der .Krieg soll gleichzeitig im übrigen Lande weitergcfiihrt werden: ohne die Furcht, nachzulasscn, ohne

Aufschub cder Schwäche wild der heilige Kamps sür die Ehre der Nation und die Sühne des verletzten Rechtes wcitergehcn. Keine unserer Armeen ist in ihrem Bestände erschüttert. Wenn einige von ihuc» bemerkenswerte Bcrlustc erlitten haben, so sind die Lücken sofort vo» den Depots aus wieder ausgesüllt worden. Der Ausruf von Rekruten sichert neue Quellen an Mciischeneiiergie.

Wi der stand und Kamps, das fall die Parole der vcibündctcn englischen, russischen, belgischen und französischen Heere sein. Widerstand und Kamps, mährend die Englän­der uns zur See Helsen, die Verbindungen unserer Feinde mit der Welt abschncidcn. Widcistand und Kamps, wehrend die russischen Armeen weiter vorrückcn, um den entscheidenden Stotz in das Herz des Deutschen Reiches zu führen, Es ist die Ausgabe der republilanischc» Regierung, diesen hartnäckigen Widerstand zu leiten. Ilebcrall werden sich zum Schutze der Unebhängig'cit Franlrcichs die Länder erheben, um diesem surchlbaren Kampfe seine ganze» Kräfte und seine Wirksam- lcit zu verleihe».

Es ist unumgänglich notwendig, datz die Regierung freie Hand zuin Handel» behätt. Aus Wunsch der Militärbehörden verlegt die Regierung daher für den Augenblick ilncn Aufent­

halt nach einem Punkt Frankreichs, wo sie in uiuniterbrochener B.rbindung mit der Gesamtheit des Landes bleiben kann. Sie widert die Mitglieder des Partamcnics aus. sich nicht fern oon ihr zu Hallen, um gegenüber den, Feinde zusaminc» mit der Regierung und ihren Kollegen den Sammclpunlt der na­tionalen Einheit zu bilde». Die Regierung vcrlätzt Paris erst, nachdem sie die Verteidigung der Stadt und des befestig­ten Lagers durch alle in ihrer Macht stehenden Mittel sicher- gestellt hat. Sic wcitz, datz sie es nicht nötig hat, der bewun­derungswürdigen Pariser Bevölkerung Ruhe, Enischlutzlrast und Kaltblütigkeit zu empfehlen. Die Bevölkerung von Paris zeigt jeden Tag, datz sic de» grützten Pflichten gewachsen ist, Franzose»! Zeigen wir uns dieser tragischen Umstände würdig. Wir werden den endlichen Sieg erringen, wir werden ihn erringe» durch de» unermüdlichen Willen zum Widerstand« und zur Beharrlichkeit. Eine Nation, die nicht untcrgehen will, die, um zu lebe», weder vor Leiden noch vor Opscr» zu- rückschrcckt, ist sicher zu siegen.

Der Ausrnj ist von Poincarc und sämtliche» Ministern un- lcizcichnet.

Der Kaiser bei den Truppen.

Grobes H a u p t q u n r t i c r, Scpt. Am Sedan-Tage trafen sich der Kaiser und der K r o n p rinz bei Sorben l'üd- östlich von Louguyon. Der Kaiser zuhr dann im Kraftwagen weiter zi m Königs-Grenadier-Negiment Nr. 7, dessen Kom­mandeur Prinz Oskar ist; dort hielt er eine Ansprache, di« mit Hurra und der Nationalhymne endete, während die Sonne golden nntcrginI und di« Kanonen von Dcrdun hcrüberdröhn« tcu.

Die Schlacht bei St. Quentin.

Der Berichterstatter derFrantsurter Zeitung" sür de» westlichen Kriegsschauplatz meldet:

Erotzca Hauptquartier, 2, Scpt, Wie nachträglich gemeldet wird, hatte die Armee des Generals v, Bülom in der für sie siegreiche» Schlack,! bei S!. Quentin vier srair« zosischc Armeekorps und drei Rescrvedioisio cn gegen sich. Die Schlacht jeibst hat zwei Tage gedauert.

2forto vo» örlfcrt genommen?

Wir lesen in dem zu Bern erscheinendenBund": Wie der Coriicre dclla scrra" initteilt, ginge» die Tentsch.'ii feit Donnerstag in, Angriffe gegen Bcssort vor und haben schon zwei Forts genommen und verschiedene Stellung«! i» der Gegcnd besetzt. In demselben Blatt lesen wir:

Basel, 30. Ang. Tic im Eisatz zersprengten 1> Bri­gade» sind südwestlich von Mülhaiisen gefangen genommen worden. Ter Abtransport der Gesnngenen soll begonnen haben.

Die siegreiche Srfjlmljt in (OSlprfafmt.

Der Schilderung des Kriegsberichterstatters derDeutschen Tageszeitung' entnehmen wir folgendes:

Tic Landwehr jchlug sich prächtig und warf schlietzlich di, Russen in erbitterten Kämpfen aus der Stadt. Zu beiden Seiten der Provinzstratzen nach Osterode, wo die Nutzen in unser Schrapncllseucr geraten waren, lagen die Gefallenen so dicht übereinander, datz sie die Gräben fast ausslllltcn. Die Haupistratze der brennenden Stadt war ein Trümmerfeld, so datz unsere Wagen kaum passieren konnten,

Zm Süden hat:« rcchtc Rcbcndivision die Landwehrbri« gab- durch Einschwcnken aus Hohenstein unterstützt: namentlich die Wirkung unserer schwere» Artillerie hatte hier alles zer- Ichmettcrt. Zm Rordslügcl wurden die Nutzen durch andere Korps über A I l e n st e i n zurückgcworscn. Dann griffen die südlich der Landwehrsormationcn stehenden Armeekorps über Rcidenburg mit oorgcnommcncm rechten Flügel ein, während »ördtich über Allenstcin, Wartcnburg, Bischossburg starke Kräfte mir dem linken Flügel aus Passenheim vorstietzen, so datz die Russen von drei, beinahe vier Seiten cingekesselt wurden. Ihr Eros wurde in die Sümpfe und die wcitausgedehnte Seen- lctte geworfen.

Der kühne und weitsichtige Schlachtcnplan des Oberkom- mandicrcndrn hatte zu cinci» Erfolg geführt, wie er kaum zu halfen war. Nur die Anspannung aller Mittel und teil­weise ungchculc Marschleistungen hatte» cs ermöglicht, mit de» vorhandenen Kräften gegen grotze Ucberlegenheit diesen entscheidenden Sieg zu gewinnen.

Die Zahl der Gcsangencn wächst stündlich, üvoo sah ich, ron unseren braven Landwehrleute» eskortiert, slumpssinnig in ihren grauen Hemdblusen oorbciziehcn. Kurz hinter Hohen­heim irns ich ans Landwehrkavallerie aus Ludwiaslust. meist