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Seil« 3.
Kabinett die telegraphische Anfrage, ob Bulgarien im Falle eine; ruffisch-türkischen Krieges wohlwollend neutral blei- den würde. Tie Depesche hat das größte Aufsehen erreg!. Tie öffentliche Meinung ist jedoch gegen Rußland gerichtet.
Rumäniens sicherer Hort.
Der rumänische Finanzminister Costinescu sagte zu ungarischen Journalisten: „Wir sind mit Leib und Stele aus bet Seite des Dreibundes gegen die slawische Expansion. Der Dreibund ist unser sicherer Hort. Es ist ganz aus- gejchlosien, daß Rumänien gegen Oesterreich geht. Rumäniens Interessen gebieten eine Annäherung an den Dreibund.
Zürn Papstwahl.
R o m, L Sept. Um 11.36 Uhr vormittags stieg aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle des Vatitans der erste Rauch auf, ein Zeichen dafür, daß die erste Abstimmung sür die Papstwahl z» keinem Ergebnis gefühtt hatte. Viele tausend Personen waren aus dem St. Petersplatze versammelt und zerstteuten sich, als der Rauch verschwand, lim 11.15 Uhr stieg zum zweitenmale Rauch aus dem Schornsteine aus. Dieser läßt vermuten, daß am Vormittage zwei Abstimmungen statt- sanden. die ergebnislos blieben. — Heute vormittag begaben sich die Gesandten Preußens, Bayerns und Rußlands sowie der argentinische Geschäftsträger und andere Diplomaten beim Heiligen Stuhle in den Vatikan.
Vit Lramtkn »nd Crhrn für das llotf £trti{*
Die Vertreter von 21 ntcn- und Lehrervereinen in Hessen erlassen folgenden Ausruf:
Als wir in, vergangenen Jahre die Hundertjahrfeier von 1813 begingen, da ahnten wir nicht, daß wir so schnell Gelegenheit finden sollten, die Probe dasür abzulegen, ob wir auch selbst jenen Heldenmut von 1813, jenen Geist einer hingehenden Vaterlandsliebe in den Herzen tragen.
Jetzt ist die Stunde des tatkräftigen Beweises gekommen, jetzt können und wollen wir vor aller Welt bezeugen, daß wir von deni Blute und von dem Geiste der Helden von 1813 und 1870 sind, daß wir, jeder in seiner Art und auf seinem Platze, freudig Opfer zu bringen gewillt sind. Vor allem sollen sich hieran auch die beteiligen, welche nicht Leib und Leben aus dem Schlachtfclde für das Vaterland «inzusctzen haben. Viel Not gibt eS zu lindern, viele Wunden siud zu heilen, viele Werke barmherziger Liebe sind zu verrichten. DaS „Rote Kreuz" steht an der Spitze dieser helfenden Licbestätigkeit und seiner wollen auch wir Beamten und Lehrer gedenken.
Je sicherer, regelmäßiger und andauernder die Spenden ihm zuflicßen, desto besser und erfolgreicher ist dies. Deshalb sprechen wir den herzlichen Wunsch aus, daß sich möglichst Viele vo» »ns alsbald dazu verpslichte» möchten, sür dir Krirgsdaucr oder einen sonst zu bestimmenden Zeit- raum einen Abzug vo» dem Dienstgehalt zu Gunst:» des »Roten Kreuzes" zu gewährleisten, jeder nach seinem Vermögen und seiner Kraft.
Das Bewußtsein, daß wir in einem uns aufgezwungene» Kampfe stehen, daß unsere Sache eine reine, hehre und heilige ist, läßt wohl alle Opscr leichter tragen.
Die Liebe zu Volk und Vaterland erhält durch Hingabe und Entsagung ihre schönste Weihe I
Unterzeichnet haben: Hessischer Richterverein, Verband akademisch gebildeter Lokalbeamtcn fiir den Hessischen Obcr- lehrerverein, der Verein akadeniischer Finanzbcamten tci den Finanzämtern, der Verein der akademischen Staatsbau- beamten, der Medizinalbcamtenverein. der Verein Hessischer Oberförster, der Verein der akademisch gebildeten Landwirt- schastslchrer, Hessischer Städtcbeamten-Vcrband, Verband mittlerer Reichspost- und Telegraphenbeamten, Verein niitt- lercr Justizbeamten, Verein mittlerer Verwaltungsbeamten, Verband Heffischer Finanzbecunten, Reallchrerverein, Bcr- band der mittleren Banbeamten, Verband der unteren Post- nnd Telegraphenbeamten Ortsgruppe Darmstadt, Verband Hessischer Stcuerausseher, Verband der Finanzamtsbürobe- amtcn. Verband Hessischer staatlicher Unterbeamten, Verein Hessischer Tomanialsorstwarte, Hessischer Landeslehrerve rein, Katholischer Lchrervercin, Verband Hessischer Gerichlsasse- ssoren, Verband Hessischer Forstassessoren.
Ta die Vereine mehr wie 10,000 Mitglieder haben, ist ein schöner Ertrag sür das Rote Kreuz sicher.
Die Zustimung mehrerer Vereine, von denen bei der Durze der Zeit die Antwort aussteht, ist noch z» erwarten.
Der Jannschauer.
Von Oldenburg der Januschauer Edelmann und deutscher Bauer,
War grad auf seinem Arbeitsfeld Da blitzt die Nachricht durch die Welt: »Mobilmachung besohlen".
Sofort ruft er den Leuten zu:
»Hier ausgepaßt und Hahn in Ruh Für uns heißts jetzt mit Herz und Hand Für König und für Vaterland Der Teufel soll sie holen."
„Drum schnell nach Haus, ich komme nach Will erst noch drüben an den Hag Es allen ander» sagen.
Kein Zittern gibt'» und Zagen Vorwätts ist die Parole."
Und dann aus den Nachhausewegen Benutzt er schon den Stock als Degen,
Als kaum er leinen Hoi betreten
fl**« Tageszeitung. Ztouttrtta«, Ma 3. e«ptembct 1911.
1 .schallt sei» Kommando: .Angetteteas"
' Und: »Vordermann gefaßt?'
. 0 -. 7 .
Er ordnet selbst, wo einer Irrt sich Von siebzehn bis zn fllnfundvierzig.
Dann rast er laut jetzt: „Rechts um kehrt!"
„Zur Sammelstelle abmarschlert Und feste draus geschlagen."
Dann greift er selbst In Hellem Zorn Zn seinen Stieseln mit den Spor'n Nimmt seinen Säbel — fort den Stock! —
Und preßt sich in den Waffenrock:
Der ist ihm eng geworden.
„Ade Ihr Lieben all zugleich.
Es gilt für Kaiser und für Reich Für König und sür Vaterland!"
Noch jedem eine Abjchiedshand,
Verläßt des Hauser Stufen
Mit seinem Pferd vom Zirkus Busch Sprengt er voran dem Feind: husch husch!
Haut Russen, Briten, Franzen,
Daß rund die Funken tanzen:
Ihr sollt die Cchwernot kriegen!
Das ist ein rechter Bauersmann Der aus dem Felde umgehn kann Mit Ehren sammeln, Achten lesen,
So ist's von jeher schon gewesen Im deutschen Bauernstand.
Gießen. Louis Troß.
Ans der Heimat.
* Friedberg, S. Sept. Anläßüch des gestern Abend und heute Nacht bekannt gewordenen Siege der Deutschen und der Oesterreicher stimmten die Glocken der Stadttirche in feierliches Geläute ein. So feierlich der Glockenton durch die Stille der Nacht dahinbrauste und so sehr wir es begrüßen, wenn unsere Siege durch Glockengeläut gefeiert werden, so möchten wir doch bezweifeln, ob gerade die zweite Nachtstunde die richtige Zeit dafür ist.
* Friedberg, 3. Sept. Gestern Abend nach 8 Uhr liefen wieder ein Transport von etwa 100 Verwundeten hier ein, dem in den Nachtstunden ein zweiter mit 34 folgten. Sie wurden nach den verschiedenen Lazaretten gebracht u. in Pflege genomnien. Unter den Verwundeten befinden sich auch mehrere Friedbergcr Krieger, darunter Unteroffizier Theiß, die Reservisten Wollrab, Gondolf >l. diele Andere.
* Friedberg, 2. Sept. (Zur Nachahmung empfohlen.)
Wie uns mitgetailt wird, wird auch in Friedberg von der des unter Oberaufsicht des Großh. Obcrversichcrungsamtcs gebildeten Hess. Kriegsversichcrung für unsere ins Feld gezogenen Krieger stark Gebrauch gemacht. Besondere Anerkennung muß cs finden, daß eine Reihe Firmen für bei ihnen beschäftigt gewesenen Personen Anteilscheine zu Gunsten der Angehörigen derselben gelöst haben. So kaufte die „Elettrische Ucberlandanlage" acht Anteilscheine, die Firina Fr. Megerle acht, die „Neue Tageszeitung" sieben, die Firma Th. Mörschel 26, der Verband der Straßenwärtcr des Kreises Friedberg elf usw. Möchten diese Beispiele eifrige Nachahmung finden. Ausgabestellen sind die Ortsstellen der Allgemeinen Ortskrankcnkasse.
* Friedberg, 2. Sept. (Steuerveranlagung für 1015.) Infolge Anordnung des Großh. Ministeriums der Finanzen, Abteilung für Steucrwesen, wird die Steuerveranlagung für 1915 vorerst nicht vorgenommen und haben die Aufforderungen zur Abgabe der Steuererklärungen für 1915 zu unterbleiben. Die für den Finanzamtsbezirk Friedberg bereits ergangene Aufforderung ist damit gegenstandslos ge- worden.
* Büdesheim (Oberhessen), 3. Sept. Durch die Bemühungen aller mitwirkcnden Kräfte ist unser Lazarett nunmehr ser- tiggestellt, sodaß die ersten Verwundeten Aufnahme finden können. Der Gedanke, in Budesheim ein Lazarett einzurichten, ging von Frau Gräfin v. Oriola aus, die durch ihre tätige Mithilfe und eine große Geldspende das Unternehmen sehr gefördert hat. Di« Arbeiter-Turngemeinde hat in anerkennenswerter Weise ihre Turnhalle zur Beifügung gestellt. Vorläufig sind 22 Betten aufgestellt worden. Ihre Königliche Hoheit die Eroßherzogin besichtigte am 25. August das Lazarett auf's eingehendste und sprach wiederholt ihre Befriedigung über die zweckmäßig eingerichteten, schönen Räume aus. Aerzt- licher Leiter ist Dr. Dalquen aus Heldenbergen. Büdesheim hat sich durch die Errichtung des Lazarettes, was Opfermut und Einmütigkeit anlangt, für alle Zeiten ein ehrendes Denkmal gesetzt. Fast die ganze Einrichtung ist von den Ortseinwohnern unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden. Die Gemeinde Büdesheim bewilligte 2000 Mark, eine Hauskollekte brachte zirka 1000 Mark ein, ferner haben sämtliche Vereine beigesteuert. Von auswärtigen Gemeinden sagten uns Heldenbergen 1000 Mark, Burggräfenrode 200 Mark zu. Andere Gemeinden stellten uns eine Unterstützung in Aussicht. Allen Gebern, auch von dieser Stelle herzlichen Dank. Sonntag, den 30. August fand in der Turnhalle eine kleine Feier statt, bei der Pfarrer Bcrnbeck aus die Bedeutung des Unternehmens in ernsten Worten hinwies und die Fürsorge sür unsere verwundeten Brüder als selbstverständliche vaterländische Pflicht betonte. Möge das Band der Einmüttgkeit, das die Gründung um alle Ottseinwohner geschlungen hat, ein dauerndes sein.
* Echzell, 2. Sept. Die zum Besten des Roten Kruize?- angeregtc Sainmlung von Naturalien fiir unsere Verwundeten nahm einen glatten Verlauf. Die Tätigkeit des Landwirts Heinrich Scheuermann II. sowie der jungen Tur- ner verdient bei dieser arbeitsreichen Zeit valle Anerkenn.
ung. Di« Sendung ein voller Waggon ist an die Lazarette in Friedberg gegangen und mit Dank angenomnicn worden.
* Frankfurt a. SB., 2. Sept. Die Nachricht von dem Siege der kronprinzllchen Armee wurde hier mit großem Jubel ausgenommen. In den Hauptverkehrssttaßen drängten sich we< gen des Sedanfestes dichte Menschenmassen, die bei Bekanntwerden der freudigen Botschaft in stürmische Hochrufe auf den Kaiser und unser tapferes Heer ausbrachen. Besonders groß wurde der Jubel, als zufällig gerade ein eben eingetroffener Verwundetenttanspott in Autos und Straßenbahnwagen di- Haupfftraßen passiette. Im Schauspielhause, wo der Inten dank Hoftat Bchrcnds die Siegesnachricht bekanntgab, kam es zu einer erhebenden Kundgebung.
Hessen-Nassar
* x Usingen, 3. Sept. Der Sohn des hiesigen Seminarlehrers Weidcr ist bei Neuchatcau in Belgien gefallen.
Starkenburg.
' Darmstadt, 2. Sept. Ein Brief des Groß- Herzogs von Hessen vom Kriegsschauplatz an di: Großhcrzogin, der veröffentlicht wird, lautet im Ansrng:
„Die Hauptsache ist, daß wir den Sieg haben. Bei uns sing die Schlacht im dichten Waldgestrüpp an. ES war ein furchtbarer Kanipf. Ich erinnere mich, daß mein Vater sagte: das schlimmste sei ein Waldgefccht, wobei keiner den Anderen sieht. Die folgende Nacht schliefen Ivii alle in einem HauS auf Stroh, hoffend auf den nächsten Tag. Dieser brachte uns eine siegreiche Verfolgung. Gestern stand der Feind uns mit neuen Kräften gegen über. Unsere Leute mußten nach der am vorherigen Tage geschlagenen Schlacht Tag und Nacht laufen, um zur Stelle zu kommen. Unsere Regimenter haben sich jo groß- artig geschlagen, daß ?llles davon sprach. Friedrich (Prinz Friedrich Carl von Hessen) ist seinen Leuten begeisternd imnier voran. Man erlebt zuviel. Ter Tod wird Nebensache. Man sitzt zwischen Toten, Verwundeten, Pferden usw. Es ist, als ob cs so sein müßte. Aber dann üver- komnit einem doch da? Gefühl, wie das alles jo unnatürlich ist."
Man sicht auS dem Obigen, wie unser Großherzog tas Los der Truppen im Felde teilt, wie warmherzig er den Geschehnissen folgt und mit wie innigem Stolz er die Ruhmestaten unserer tapferen Hessen empfindet.
* Darmstadt, 2. Sept. In 22 Wagen eines Sondcrznges kamen am Samstag Mittag vier in der Lothringer Schlacht erbeutete französische Geschütze, zwei Maschinengewehre, ein« Partie Munitionswagen, Gewehre und zahlreiche Geschosse aller Art hier an und wurde» im Güterbahnhos ausgeladcn. Die Stadtgärtnerei hatte eine Partie Blumen geschickt, mit welcher die Beute, wie auch die Pferde der hiesigen Artillerie welche sie abholten, geschmückt wurden. Schon der Güterbahn- Hof war dicht Umlage« und unter dem Jubel, der die ganzen Straßen besetzt haltenden Bevölkerung ging es durch die Stadt am Denkmal des Eroßherzogs Ludwig IV. vorbei, wo die Eroßherzogin mit den beiden Prinzen Ausstellung genommen hatte. Auch hier folgten begeisterte Hochrufe. Zwei Maschinengewehre, sowie ein Festungsgeschütz wurden am Paradeplatz aufgestellt, während die anderen Wagen mit Munition usw. nach dem Artilleriedepot gebracht wurden. Die Beute wurde durch das Infanterie-Regiment Nr. 115 nach heftigem Kampfe erobert.
* Darmstadt, 2. Sept. Die Fürstin zu Erbach-Schönberg gibt durch ihren Nechtsbeistand bekannt, daß das Schloß Heili- genberg bei Jugenheim, welches sie dem Roten Kreuz zur Ver fügung stellen wollte, den Geschwistern Battenberg gemein ja m gehört und daß es aus juristischen Gründen aus den Namen des ältesten Bruders Prinz Ludwig von Battenberg eingetragen sei.
* Darmstadt, 2. Sept. Schwer verletzt wurde gestern Abend ein Landsturmmann des Art.-Regts. 25 mit seinem Rade vo» einem Militärauto in der Rheinstraße dahier.
Kücherliich.
„Der Weltkrieg" betitelt sich die in den nächsten Tagen er scheinende allgemeine Deutsche Kriegszeitung. die von der Ferd. Oechelhaeuserschen Verlagsanstalt in Kempten, Allgäu, herausgegeben wird. Diese Kriegszeitung erscheint wöchentlich einmal und bringt die neuesten Ereignisse des Weltkriegsschau- platzes in Wort und Bild. Zahlreiche Karten und Pläne Skizzen usw. unterrichten die Leser über die Vorgänge ans den verschiedenen Kriegsschauplätzen. Der Preis ist so billig bemessen, nur 10 Psg. die Nummer, daß sich jedermann diese vortrefflich redigierte Kriegszeitung verschaffen kann. Wiederver- läufer an allen Plätzen gesucht. Buchhandlungen, Schreibwarengeschäfte, Kolporteure wollen Lieferungsbedingungen vom Verlag einholen.
. Frankfurter Wetterbericht.
Zunahme der Bevölkerung, noch trocken, etwas kühler, westliche Winde.
Kirchliche Anzeigen.
Gottesdienst in der Stadttirch
Freitag, den 1. Sept., abends 8'/, Uhr: Kriegsbittandacht. Herr Pfarrer Diehl.
..Rptnerbmnnen "
Hervorragendes Tafelwasser.
Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: £ tto Hirsche l, Friedberg: für den Anzeigenteil: K. S:i) :.i i d t Friedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tag::: uln.'.g" A. G., Friedberg i. H.


