Ausgabe 
2.9.1914
 
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Nummer ^05_ Mittwoch, den 3* September 1U14. 7. Inlrrgon-

-K- tue o aecsirituiig" kl cheint jrten Ül'eiltafl. Regelmäßige JBeilogtnDer Kauer an* Hellen",Die Spinnlkub«". Kesngeprei«: Bei den Postanstalten vierleliährlich Ml 1,l5

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Noch 10000 mehr!

3's. 9lrmeckorps vernichtet. Die Gntfchcidnnqsfchlacht in Galizien reift zur Entscheidung. Eine Liatastrophe der ruffifchen Weftarmec in Aussicht. Beginn der Kämpfe um Belfort.

7« «00!

(WTB.) Berlin 1. Lcpt. Nach weiteren Mitteilungen des Hauptquartiers ist die Zahl der Gefangenen in der Schlacht bei Gilgenburg-ertelsbnrg noch großer, als bisher bekannt. Sie beträgt 70 000 Mann, darunter 300 Offiziere. Das gesamte Ar tillericmalerial der Russen ist vernichtet.

3 % Armeekorpsvermißt"!

Thor«, 1» Sept. Das Gouverne­ment Thorn teilt mit: Tie russische zweite Armee, die Rarew -Armee, hat auf­gehört zu existieren. Vermißt sind das 8., 15., 23. «nd die Hälfte des O. russischen Armeekorps. Von diesen Korps sind die sämtlichen Geschütze und Fahrzeuge in unsere Hände gefalle». Durch die Flucht konnten sich unter schweren Verlusten das l. «nd die Hälfte des 6. russischen Armee­korps über die Grenze retten.

Unsere deutsche Heeresleitung hat sich, wie es scheint, in den Gcdankcngang der Russen eingelcbt. Bei denen kommt es ja vor, dah von den Beamten ganze Eisenbahn­wagen unterschlagen werden, die nachhervermißt" werden. Leingcmäst meldet das Gouvernement Thorn, daß die 31/2 Armeekorps vermißt werden. Bei uns werden in der Ver­lustliste einzelne Soldaten als vermißt aufgesiihrt; bei den Russen geht cs gleich arnicekorpswcise.

500 Kanonen erbeutet.

Rach dein obigen Bericht sind die sämtlichen Geschütze der vernichteten russischen Armeekorps in unsere Hände gc- allen. Tic Gcfcchlstärkc der russischen Batterien beträgt 8 Geschütze, eine Brigade hat 8 Batterien, das sind 18, die zwei Brigaden eines Armeekorps haben, demnach 96 Geschähe. LaS gibt 298 Geschütze. Ta aber auch die Kavallcricdivisio- nen und die Kosaken Geschütze mit sich sichren u. das 1. Ar­meekorps und die Hülste der 6 russischen Armeekorps schwere Verluste erlitten haben, so ist der Verlust der Russen m.t 560 Kanonen eher zu gering als zn hoch anzuschlagen. Rechnet man noch dazu die 70,060 Gefangene und den Ver­lust an Kriegsmaterial so kann man kühnlich behaupten, laß der Sieg an den masurischen Seen die g l ä n z e n d st e W a f s c n t a t d a r st c l l t. die je in 0 s s e n e r Feld- sch lacht errungen wurde.

Ein deutscher IkxM nach ßrlfort.

Meldungen ans der Schweiz berichten übereinstimmend, daß der Vormarsch der Tcutscljcn über die obereli.issische Grenzen begonnen habe. Eine ungeheure Heeressäule habe sich, wie derBaseler Anz." berichtet, in Bewegung gesetzt. Trotzdem die Infanterie 8 Mann tief marschiert 'ei, habe der Durchmarsch an einer Straße 6 Stunden, auf der zwei­ten sogar 8 Stunden betragen. In einigen Tagen sollen sie großen 12-Zentimeter-Geschütze vor Bclsort donnern. LeeBaseler Anz." fährt dann fort:

Gestern drangen deutsche Reitertcilc mit reitender Ar­tillerie zu einer gewaltsamen Erkundigung der sranzösiichen Stellungen gegen Telle vor. Tic Forts von Belforr be­gannen ilir Feuer, besonders das Fort Tn Bosinont. T.e Kavallerieabteilungen mit Maschinengcwehrabtcilungen ». Artillerie lieferten ein Gefecht ans der ganzen östlichen Fest- ungslinic und zwangen auch die den Forts vorgeschobenen Feldsortifikationen der Franzosen zum Feuer. Tie Frau- zosen brachten sofort Verstärkungen in den Kampf rnd die deutsche Vorhut zog sich zurück. Tie Franzosen hatten die Anhöhe bei Lcpnir stark bcfestiat. Um diele Stellung

wurde der Artillerickamps eingeleitet. Das deutsche Feuer erschütterte diese Stellung. Dennoch nahmen, als größere französische Teile auf sie ansetzten, die Deutschen ihre Trup­pen weiter zurück. Ter wichtigste Kampf ging um die Be­setzung des welschen Belchen vor sich. Diese Stellung batten einigemale beide Teile inne, aber iin Laufe des Nachmittags brachten die Deutschen schwere Haubitzen ins Feuer. In der Nacht wurde die Stellung genommen und befestigt. Jen­seits der deutschen Grenze besetzten die Deutschen den süd­lichen Westfuß der Vogesen auf französischem Boden. Eben­so beginnen sie auf allen geeigneten Anhöhen schwere Artille- < ric einzuschnciden. Auch legen sic rings um das östliche Belfort eine doppelte Ausnahmestellung an, außer der äu­ßersten jetzt eingenommenen. Bereits wurden gegen Giro- magny 21 Zentimeter-Mörser in Stellung gebracht. Heute sollen weiter südlich mehrere Geschütze aufgefahren werden.

Weiterhin wird gesagt, daß die Franzosen Belfort verstärkt hätten. Ein Armeekorps, das bereits vor weni­gen Stunden abmarschiert sei, habe man wieder sturiick- geruscn. Es seien Anstalten getroffen, daß die wenigen, noch in Lberclsaß zurückgebliebenen Franzosen gestellt wür- den.

zlie rnjßiche Mllarnike m (Minen vor einer Katastrophe.

Der Kriegsberichterstatter derFranks. Ztg." meldete

v. R. Ocstcrreichischcs KriegSpresseqnartier, I. Sept.

Das ungeheure, vor zehn Tagen begonnene Ringe» der russischen Westarmcen mit de» nacheinander eingreifen­de», stets vorrückcndcn Teilen des österreichischen linken Flügels scheint dem Ende nahe. Aus österreichischer Seite erstreckt sich jetzt die Kampssront 160 Kilometer lang von der Weichsel über den Wieprz znm Bug, die russischen Ar- mecn langsani vor sich herschicbcnd in die Snmpsseenzone nördlich der Linie Lublin Cholin; diese befindet sich nur noch einen oder zivci Tagcmärsche im Rücken der Russen. Deren Trains dürften den Rückzug der Truppen ans den wenigen guten Straßen behindern, da die Wege vielfach Dcfilc-Charaktcr haben. Die Lage kann zu ungeheuren Katastrophen führen. Die russischen Wcstarmeen dürsten auch bereits keine Möglichkeit eines Anschlusses an die Oft- armeen mehr haben.

Sicher ist bisher das volle Mißlingen der von der russi­schen Heeresleitung geplanten strategischen Umfassung der österreichische» Heere und ihr Umschlagen in das Gegenteil: Ausrollung und Abdrängung der russischen Wcstarmeen. Tic Kämpfe dauern noch auf der ganzen 100 Kilometers langen Linie weiter. Tic Lage der österreichisch Ungar- ischcn Truppen ist gut.

Kriegsprcssequartier, 31. August.

Die breit vorgeschobene österreichisch-ungarische Ossensioe Leo ganzen linken Flügels der Armee hat in harten Kümpsen die Linie südlich von Lublin-Krasnostaw-Ernbie- s > 0 w heute erreicht, wodurch die russische W c st a r m e e zwischen die Weichsel «nd den Bug abgedrängt wird. Im Zentrum unv am rechten Flügel ist die Lage noch unverändert, die Hauptentscheidung jedoch bald zu erwarten. Die heran- reifendc allgemein» Situation ist günstig.

Wien, l. Sept. Die Meldungen der Kriegsberichterstatter der BKittcr aus dem Kriegsprcijcgeartiec stimmen darin über­ein. dag die österreichisch-ungarische Ojscnstoe im Norden unter anhaltenden harten Kämpfen stetig s 0 r t i ch r e i t e : sie ist »och vorwärts und nach der Breite bedeutend gewachsen. Die Hauptentscheidung nn der Nordsront steht bevor. An der Ost- sront ist die Lage stationär, jcdoch günstig. Durch die Mel­dungen über die Eesamtlage der Millioneuschlacht erscheint die Annahme begründet. Vast eine ähnliche Laltik non den Führern der österreichisch-ungarischen Truppen befolgt wird, wie st- von dem deutschen Eeueealstab gegenüber Feanleeich so erfolgreich anaewendet wird. Die östliche Armeegruppe behauptet sich in­folge ihrer vorzüziichcn Stellung s-rtgesetzt gegenüber der grö­ßt» scindlichen llebcriuacht. Hinsichtlich der beverstehende» groß:» Entscheidung werden allgemein günstige Erwart-n- gen gehegt. Die bisherigen Erjalg: werden enger durch die

geniale Führung durch die unbeschreibliche, toduerrchteode Hal­tung der österreichisch-ungarisch«» Ossiziere »nd Maanjchasten errungen.

Wir haben allen Grund anzunehmcn, daß die österrei­chische Armccleitung die Berichte vom Kriegsschauplatz gerade so gewissenhaft zensiert, wie dies bei »ns der Fall ist. Dem­

nach scheint der österreichische Erfolg sicher und cs ist nicht aus­geschlossen, daß sich der Rückzug der russischen Westarmee dnrch das Sumpigcbict bei Lublin zu einer ähnlichen Kata­strophe gestaltet, wie in Masuren. Damit wäre» auch die An­griffe im Zentrum und im Osten, wo die Ocsterreichcr die Aus­gabe hatten, den Feind auszuhaltc», was ihnen bis jetzt glän zcnd gelungen ist, abgeschlagen.

Togos heldenhafter Untergang.

Von der holländischen Grenze wird derKöln. Ztg." gc- melbet:

Unfähig, in Europa ihren betrogenen belgischen Verbün­deten beizustehen, haben die Franzosen und Engländer an der Spitze von schwarzen Soldaten ihren Mut durch die Ilebcrwiil- tigung der llcinften deutschen Kolonie, des zwischen dem sran- zösischcn Dahome und der britischen Eoldküste eingeklemmten Togo, zu beweisen Gelegenheit gehabt. Wie an dieser Stelle gemeldet wurde, hatten die Briten die deutschen Behörden zur unbedingten Uebcrgabe ausgefordert, worauf diese Behörden um Kriegsehreil beim Abzug und Erfüllung gewisser Bedin­gungen ersuchten. Das wurde ihnen verweigert, fie sollten sich bedingungslos übergebe». Nach amtlicher britischer Mittei­lung sind nun am 26. August die verbündeten Slreitkräste in die Kolonie eingezogen. Die Deutschen haben sich zweifellos bis zur letzten Möglichkeit tapfer gehalten, denn die Gegner haben verhältnismäßig viel Verluste: 2 srnnzösischc und l eng­lischer Ofsizicr gefallen, 1 englischer Leutnant, 2 franzöfifche Unteroffiziere lebensgefährlich, 1 englischer Leutnant schwer, l englischer Feldwebel leicht verwundet, dazu kommen an einge­borenen Soldaten 14 Tote auf französischer und 12 auf engli­scher Seite bezw. 15 Schweroerwundetc usw. Zwei der fran zösischcn sind inzwischen ihren Wunden erlegen. Ein Franzoie wird vermißt. Von britischer Seite allein wurde siir dicse Heldentat ein ganzes Regiment der West-Asrican-Fronti:r Force ausgeboten, also eine richtige Kricgstrnppe, keine Poli- zeitruppc, wie sie Togo in der Stärke von einigen hundert Mann besitzt. Es ist allerdings sicher, daß neben der Polizei truppe alle wehrpflichtigen Deutschen für die Ehre ihres Vater landcs mitkämpstcn. Die Sieger werden sich hossenilich für dieses wahnsinnige Verbrechen an der Kullursördermig k scikas schwer zu verantworten haben.

Apia kapituliert.

Rotterdam, 1. Sept. Der englische Kolonialminisler erhielt eine Depesche des Gouverneurs von Rcu-Se^land mit der Mitteilung, dasi Apia, die Hauptstadt von Samoa, nach der Belagerung durch eine englische Expedition am 29. August ka­pituliert habe.

8rr Lkdarl von Kr'iegchtmjlligeil Mckt.

Berlin, 3l. August. (Amtlich). Der Bedarf an Kriegs- freiwilligen ist zurzeit gedeckt. Das Kriegsminifteriuin kann daher bis aus weiteres Kriegsfreiwillige a» die Ersatztruppcn nicht überweisen. Meldungen, sei es schristlich bei dem Kriegs- Ministerium oder mündlich bei dessen Auslunstsstcllc, haben da­her keine Aussicht aus Berücksichtigung. Sobald die Einstell­ung von Freiwilligen später wieder möglich wird, wird dies in der Tagcspresie bekannt gegeben.

ilüfere Heerführer im Weilen.

Ru» wissen mir es auch, wer unsere Heere im Westen zu--> Siege führt. Unsere oberste Heeresleitung hat sie uns olle vom rechte» Flügel unserer 100 Kilometer langen gewaltigen Heereslinie an genannt: Generaloberst o. Kluck, General­oberst v. Bülow, Generaloberst Frhr. v. Hausen, General­oberst Herzog Albrccht von Württemberg, der Kronprinz des Dcatjchen Reiches, Keneraloberil und Kronprinz Rnpprecht von Bayern, General­oberst v. Hceringen. So möge ihr Lebensbild, was sie in langen Jahren schon unserem Heere gewesen sind, an ans vor- überziehe».

Alexander Klack (späier geadelt) wurde am 20. Mai 1840 zu Munster i. Wests, geboren. Er trat am 13. Oktober 1863 in das Infanterie-Regiment Rr. 55 ein und wurde am 16. August 1866 Leutnant. Den Feldzug gegen Oesterreich machte er 5:1 der Mainarmce mit. Im Kriege gegen Frankreich nahm er .-n der Zernierung von Metz, an den Schlachten bei Colombey Rouilly, Vionvillc und Gravelotte teil und erwarb sich das Eiserne Kreuz. Am 14. Januar 1872 wurde er zur Otkupa- tionsarmee nach Frankreich kommandiert. Am 13. Sept. 196S wurde er mit der Führung des 5. Armeekorps beauftragt: am 16. Oktober desselben Iabres unter Beiördcrung zum General