Nummer 203
Montag, den 31. August 1914.
7. Jahrgang
Xie „ileue ?nnt«icituno" encheinl irden SUeittog. Regelmäßige Beilagen „per parier ans Delle»", „vie Spinnltub»". verngoprci«: Bei den Postaitstalteil vieiieliahriich All. l,!lö tei Len Agenten monatlich 50 Pig. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. Anreigrn: Grund,eite 30 Pfg„ lotale lö Psg„ Anzeigen von auswärts werden Sur h Pa tua.hn r'jinr erhoben Erfüllungsort Friedberg. 5chrifrlkitn"S und Verlag Friedberg lvessen), Hanauer trage 12. Fernsprecher 43. Postscheck-Lonto Br. 4859, 21mt Franlsu't a. 'il(.
30000 Russen gefangen!
Das grosse Rmgen um Lemberg. — (yinc Seeschlacht. — französisches Manlheldentum. — Englische Minister siegen in Versammlungen. — Das russische Ehrenwort.
tfrlt die ssiiylinidkr. dann die Russen!
Peitschet, das ist Mensck^nr 'an Knntentum, Knotcntui»!
Reiter, Fußvolk, Nosseschwünze, Peitscht sie rückwärts an die Grenze? Dürfen uns nicht unterkricgen — Peitscht sie. dah die Lappen stiegen. Zarcndrcck, Barbarcndreck Peitscht sie weg! Peitscht sic weg!
Sic haben »ns nicht nntergckricgt! Zwar waren in der porigen Woche die Augen von Alldentschlnad sorgenvoll nach den, Osten gerichtet, wo die russischen Barbaren!,ordcn in Ostpreußen eingcdrnngcn waren. Heute können lvir befreit anfatmen, Tic russische Armee ist geschlagen! In der- selben Gegend, wo vor über 100 Jahren die armseligen Trümmer der großen Armee Napoleons nach unsagbaren Leiden und Mühen eingehinkt sind, unfern dem Lrle, wo der prensiischc General ?1ork mit den Russen jenes Bündnis gegen Frankreich abgeschlossen, das die Einleitung zu d.n Befreiungskriegen gegeben hat, sind heute die Russen deutscher Tapferkeit erlegen. Wie vor 100 Jahren so können wir auch heute sagen, Mit Mann und Rosi »nd Wagen, hat sie der Herr erschlagen!
Es mutz ein gewaltiges Ringen gewesen sein, jene drei- tägige Schlacht in den Gefilden Masnrens. Wenn dreisiig- tansend Rnlsen den Deutschen in die Hände gesellen sind, so bat die geschichtlich feststehende Tapferkeit der ostpreußisben Truppen wieder eine glänzende Probe bestanden nnd die -"i,- r'-ae de? russischen Heere? ist eine katastrophale ae're- i n. Bestätigt sich noch, wa? von privater Seite gemeldet : de. dnsi die Russen in die masurischen Seen nnd Sümpfe
n-r.-rs.-,! sind, so durfte» sic dort ihrem Schicksal kaum rnü .lnn. Alles in allem: Tie Wackeren Ostpreußen haben : -.i Osten getreue Grenzwa'cht gehalten^
Wie einst, vor 233 Jahre», Oesterreich den Grenzwall det hat vor asiatischer Barbarei und der österreickplche "n ä h-rr, der edle Starrhcmberg in Wien dem türkischen An- ,'in>-, a-trotzt hat. so stehen heute im fernen Oste» Oester- reie'O- Heere in siirchtcrlichcm Ringen mit den halb- nnd ganz nn,tischen Horden, die Rußland-zu Hunderttansend-n oegen den Toppesaar entsendet hat, Fsins Tue' wahrt das Schlachten schon, aber immer ist noch keine Entscheidung er- folat. Aber auf dem linken Flügel des ö(!l) Kilometer si-ngen Schlachtseides siegten die Oestcrrcicher und das Hauptquartier ineldet, daß die Aussichten gut stünden. TeS gibt »n? die Zuversicht, daß sich auch auf den Schlackteldern Gali'.ienS die Barbaren die Schädel einrcnnen und daß di- sicgge.nobn- ten Fahnen Oesterreichs niit neuen Siegesreisern geschmückt werden.
Vorposten unserer Flotte sind nördlich Helgoland ln, nebligem Wetter a»f weit überlegene, rnglii^" Streitkrittc gestoßen. Drei kleine Kreuzer und ein Tor. Hot sind in dem stck, cntspinnendew Kampfe vor rein, ■ .teb'rm.n.t gesunken. Ta? ist freilich bitter, aber d.- .• :m,t. mit
ö cr bei dieser Gelegenheit sich unsere ckeren B'an- sacken ausgezeichnet haben, läßt seine Niedcrgeschlagenluat anfkommcn. Wo ein solcher Geist vorhanden ist. da i'l t-r Sieg. Tcshalb darf der Verlust einiger Sck'isi.' uns nicht die Freude über unsere herrliche Siege aus den. Laude r er- bitter».
30000 Russen gefangen.
Ter Berichterstatter de-Z ..Berliner Tageblattes" melde!' >u dem Siege in Ostpreußen:
(D.T.-B)
Berlin, 3k. August I9!4. Bei dcn große»» Kämpfen in denen die rn''i' '.\e Ar,-icc in Lstprens;en bei Tau >cnIc: — Hohenstein—Ortersburg geu-oesc.« l^-nid.' i gerieten nach vorläufiger Schätzung üser 30 000 Russen mit vielen höhen Lsjizicr.-n in Gesangenschast.
Tie Russen wurden von de» dcntichen Trunnen ao» !">i Seiten gefaßt und in die Sümpfe und Sec» Masuren-r g- worscn.
Neue Erfolge der Oesterreich er.
W i c n , 30. Ang. (W.T.B. nichtamll.) Das hiesige österreichisch-ungarische Gcnc- ralkonsnlat stellt nns die folgende Zirkulardepesche des Grafen Bcrchtold zur Verfügung :
„Soweit sich he««te Mittag überblicken läszt, ist das große Ringen unserer Armee» mit Hanptkräften des russischen Heeres noch nicht zur Entscheidung hcrangercift. Nur die Erfotge der von dem General der Kavallerie Viktor Dankt in der Schlacht bei Krasnik siegreich geführten Armee find bereits einigermaßen zu übersehen.
In einer zweiten Schlacht vom 27. Aug., die durch die heldenmütige Erstürmung einer stark besestigten Stellung auf den Höhen von Niebrzwicabuza gekrönt war, gelang es, die bei Krasnik zurückgcworfenen russischen Kräfte und herangeführten Verstärkungen — im ganzen etwa 10 Divisionen von 6 verschiedenen Korps — neuerlich zu schlagen. Eines unserer Korps nahm in dieser zweiten Schlacht einen General, einen Obersten, 3 sonstige Stabs und 40 andere Offiziere und zirka 2000 Mann gefangen und erbeutete wieder sehr viel Kriegsmaterial."
Wien, 30. Ang. (W. 33.) Ter Korrespondent des „Wiener Neuen Tageblattes" im Hauptquortier meldet: Tie große Schlacht ist heute, o.m vierten Tage, in vollem Gange. Sic steht gut für nur. Tie linken Flügeltruppen r,ickcn gegen Lnbii» nnd Zamvcs langsam, aber sicher vor, stoßen aber imnici wieder anf neue vcrichanztc Gegner. 3ln Stelle von FrontalcMgrisfcn lind zeitranbendc Umgehungen iiut- wendig. Trei Züge de? Jnfanleric-Rcgiments Nr. 72 gelang ein rascher Frontalangriff, bei welchem zwei russische Ha.upilcutc, sechs Snbaliernoffiziere u. 470 Mann gcf ingcn gcnoinmcii wurden. Tie Krästegruppen zwischen Bug und WOprz gris'en eine russische Tivision mit Erfolg an, die unter dem Schuhe der Nacht entkam.
Gme Seeschlacht.
Berlin, 29. Angnst. (W.T.B.) Im Lause des gestrigen Bornrittags find bei teilweise»» nndnrchsichtigeu» Wetter mehrere moderne englische Kreuzer und 2 englische Zerstörerftottillen (etwa 40 Zerstörer) in der deutschen Bucht der Nordsee nordöstlich Helgoland ausgetreten. Es kam zn hartnäckigen Einzelgefechten zwischen diesen nnd unseren leichten Streitkrästcn. Die dents-: cn kleinen Kreuzer drängten hes.ig Hd‘ ! ; Westen nach uiiD g rieten in lolgc der erschwerten Sichtweite ins Gefecht mit mehreren starken Panzerkren;cr». Seine Majestät Schiss „Ariadne" sank Volt 2 Schkaitztschisskrenzer» der Lioukla.se aus kurze Entfcrunug mit schwerer Artillerie beschösse»» nach chrelivollein Kampfe.
Der weitaus gröhtc Teil der Besatzung (voraussichtlich 250 Man») konnten gerettet werden. Auch das Torpedoboot V l 87 ging, von einem kleinen Kreuzer und zehn Zerstörern aufs heftigste beschossen, bis zuletzt feuernd in die Tiefe. Flotillchef und Kommandant find gefallen. Ein beträchtlicher Teil der Besatzung wurde gerettet. Die kleinen Kreuzer Köln und Mainz werden vermißt. Sie find nach einer heutigen Rentcr- meldung aus England gleichfalls im Kampfe mit überlegenen Gegnern gesunken- Ein Teil der Besatzung (9 Offiziere und 81 Mann?) scheint durch englische Schiffe gerettet worden zu sein.
Nach der gleichen englischen Qikelle haben die englischen Schiffe schwere Beschädigungen erlitten.
Zchjldtrnnll fiiifs AuMtlllM.
Berlin, 30. August. (W. B Nicht amtlich). lieber die heldenmütige Energie, mit der das Torpedoboot „V 187"' sich bis zum letzten Augenblick gegen die feindliche Uebcrmacht wehrte gibt der Bericht eines Augenzeugen Kunde, dem wir solgendes entnehmen: „V 187" sah sich bei unsichtigem Wetter ganz unelwartct zuerst von Norden und dann allerseits oon Massen britischer Terpcdobootszerstorcr und Unterseebooten an- gegriffen. „V 167“ mehrte sich unverzagt mit allen Kräften, doch setzten zahlreiche Schüsse, aus nächster Nähe abgegedcn, seine Bewcgungsfähigkeit herab. Ta keine Möglichkeit war, sich dem scindlichen Feuer zu entziehen, drehte „V 187" auf de» Feind zu, um ein Passicrgesccht zu gewinnen und bis zum Ende dmchznkämpfen. Als unter dem Gcschoßhagel die Bewegungs- silhigkrit vollständig verloren gegangen war, wurde schnell im Innern eine Sprengung vorgcnoinmcn, um das Boot nicht in Fcindcshand sollen zu lassen. Jetzt sank cs schnell und während cs sank, stand die Besatzung bis zum letzten Augenblick an den nach brauchbaren Geschützen »nd feuerte. Der Flotlillcnchcf, Korvettenlapitä» Wallis. und der Kommandant, Kapilänleut- »ant Zechler, landen den Heldentod. Anzuerkennen ist, daß der Gegner, ungeachtet der eigenen Gefahr, Beiboote zur Rettung der unsrigcu aussetzte. Als sich deusiche Streilkräste nähcricn, mußte er sich von den Beibooten zurückziehcn, aus denen wir dann die geretteten Deutschen ausnahmen. — Don dem Untergang S. M. Schiss „Ariadne" gibt derselbe Augenzeuge folgendes Bild: Bon dem Kanonendonner gerusen, der ein Eesechl der Dorpostenstreltkrüste anzcigtc, eilte S. M. Schiss „Ariadne" diesen zu Hilse. An der Borpostenlctte entdeckte „Ariadne", daß einzelne leichte Streilkräste beschossen worden waren. Zwar waren die Schüsse inzwischen verstummt, aber ein Rückzug entspräche nicht dem Kampfcsmut der deutschen Offiziere und Mannschaften. Verfolgung, Fühlung mit dem Feinde gewinnen, heißt die Losung. 3lber Nebel verhüllt die Stärke des Feindes. Plötzlich ertönt neues Ecschützseuer, und schon stößt „Ariadne" aus einen der Unsrigen, der mit zwei Panzerkreuzern der Lion-Klaffc, Schijssriesen von je 27 000 Tonnen mit je acht 31.3 Zlm. Geschützen im Kampfe liegt. Mutig springt „Ariadne" dem Bedrängten bei. Aber in diesem Augenblick wird sie be- schosicn. Ein Tresser in den Kessclraui» setzt die Hälfte der Kessel außer Betrieb und vermindert die Geschwindigkeit aus 15 Seemeilen. Roch eine halbe Stunde währt der ungleiche Kampf, das Achtcrschisi brennt, doch die übrige» Geschütze feuern weiter. Auch auf das Vorderschisi dehnt sich der Brand aus. Der Feind hat inzwischen nach Weste» abgcdreht. Die tapfere „Ariadne" ist dem Untergang geweiht. Getreu der Ucberliefcrung, mit drei Hurras auf den Allerhöchsten Kriegsherrn, mit dem Flaggen- licde und „Deulschland, Deutschland, über alles!" wird das Schiss in Ordnung verlaßen. Kurze Zeit daraus verschwindet das Wrack in den Fluten.. Der erste Ossizier, Korocttcnkapilän Franck, Schisssarzt Ritter v. Bozberger und Wachofsizier Sel- biag mit ungesähr 70 Man» der Besatzung sind gefallen. Groß ist die Zahl der Verwundeten. War dieses Tressen mit dem übermächtigen Gegner auch nicht glücklich, so war es doch ein Zeugnis der Kampjcssrcudigkeit, der zähen Ausdauer und des höchsten Mutes. Der Feind ist, wie er selbst zugibt, schwer geschädigt, das Dertraucn der Unsrigc» IN das eigene Können nicht geschmälert, iondern gewachsen.
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