Ausgabe 
29.8.1914
 
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91t. 2U2

zurück, das große Heer erscheint in zwei Teile zerrissen und das Oberelsaß ist vor weiteren Invasionen bewahrt. Was an Waf- scn, Geschützen und Gefangenen erbeutet ist, weiß man noch nicht.Denn in dieser Beziehung schreiben wir keine Statistik", setzt unser freundlicher Instruktor humorvoll hinzu. Er bedauert auch, daß nach wie vor die Nachrichten selbst von den über­raschendsten Erfolgen unserer Truppen so lakonisch klingen. Aber er gibt uns eine wundervolle Erklärung dafür: wir haben mit der absoluten Bescheidenheit und der größten Sachlichkeit unse­rer Heerführer zu rechnen. Hat man doch dem Großen Eene- ralstab einen der letzten Siege auf dem westlichen Kriegsschau­platz in der dienstlichen Form gemeldet:Die vorgeschriebenc Linie ist erreicht". Zwischen diesen wenigen Worten aber lai gen tagelange Kampfe. Langsam aber immer deutlicher zeigt sich nun auch eine Katerstimmung in der französischen Presse, und damit sind wir bei dem heiklen Kapitel angelangt, wie wir ln Zukunst der einflußlosen Zeit unseres auswärtigen Nachrich­tendienstes ein End« machen können, damit das uns freundliche oder wenigstens neutrale Ausland besser von unseren Absichten, Leistungen und Aussichten unterrichtet wirb. Wenn auch jetzt wo man die Wahrheit eingestehcn muß, unsere Erfolge dem Ausland nur um so großartiger erscheinen werden, so ist doch nicht zu vergessen, daß Lauheit, Zaghaftigkeit und Gegnerschaft dort entstehen können, wo man aus Grund unrichtiger Jnfor- niationen zu dem Schluffe kommen muß, daß es beffer wäre, mit dem gefährdeten Freunde zu brechen. Nun, uns ist ja trotz­dem nicht bange, denn wir haben, was wir bisher erreichten, nur unserer eigenen Kraft zu verdanken, und müssen auch für die Zukunft damit rechnen, daß das alte deutsche Sprichwort Recht behält: selbst ist der Mann!

-lene Tageszeitung. Samstag, den 29 . August I9i*

den schrecklichen Tagen der Beschießung muß es hier unten, ob- geschnitten von Licht, Luft und» Freiheit, wie in der Hölle selbst gewesen sein. Man sieht noch die Geschosse umherliegcn, die in die Panzertllrme gebracht werden sollten, aber aus halbem Wege wieder hingelcgt erscheinen, da inzwischen die Lage der Forts unhaltbar geworden war. Am Pulvermagazin ist die Türe ein- gefchlagen und es hat den Anschein, als ob der Schlüssel im ent­scheidenden Augenblick nicht zur Hand gewesen sei. Zn der Mannschaftsküche brodelt es im Kessel, denn die Leutschen Be- satzungstruppen, ein Jägerbataillon hat sich ganz häuslich ein­gerichtet und versucht, gemeinsam mit belgischen Arbeitern, selbst den unendlichen Schmutz und Schutt zu beseitigen, um im Anschluß daran Fleuron wieder zu einer starken Befestigung auszubauen. Neben der Küche ist ein Raum für etwa 20 Franktireurs, die man in der Nähe des Forts in den letzten Tagen aufgegriffen hat, und die nach Lage der Sache kein sehr zuversichtliches Wesen zur Schau tragen. Natürlich will keiner etwas von den verhaßtenPrussiens" gewollt haben. In einem weiteren Raume sind die Sachen der beim Sturm ums Leben gekommenen belgischen Soldaten aufgestapelt, blutbefleckte Uni­formen, zerbrochene Gewehre und zerrissene Patronentaschen. Aus dem Fußboden des Bureaus tut sich ein wüstes Chaos von Plänen, Zeitungen und Briefen aus. In der hellen freundli­chen Offiziersmesse, wo uns der gegenwärtige Beherrscher des kleinen Reiches, Herr von Rosenberg, empfängt, steht ein schnee­weiß gescheuerter Tisch, deutsche Sauberkeit lugt bereits aus al­len Ecken und Winkeln. Draußen aber in der glühenden Mit­tagshitze arbeiten zahlreiche fleißige Hände, um die zerschossenen Erabenwände wieder zu erneuern und die zerrissenen und zer­schnittenen Verhaue wieder herzustellen. So blüht auch hier bereits wieder neues Leben aus den Ruinen.

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uoi! meiner grau auf,getragen, die sie noch vor .1 Wochen Im fernen Berlin im Quartier gehabt hat, als ich unten in Semlin weilte. Mit einem Feldbccher Wassers tue ich ihnen Bescheid, denn Alkohol gibt es hier vor dem Feinde nicht und alle Wirt­schaften rings um den Lauibcrtplatz, wie ich ihn in Vorahnu»., kommender Ereignisse nenne» möchte, sind geschlossen. Mit Rück, sicht auf die letzten Unruhen sind außerdem auf dem Balkon der Eouvcrnementspalasies zwei Maschinengewehre postiert,'j rend vom Tachstrjrcherab stolz die deutsche Flaoge weht. Ft^cd- lich llingt das Glockenspiel des monumentalen Baues, als ch>i, gegen 2 Uhr nachmittags die Weiterfahrt anirclen. Har: an dem Gelände vorüber, wo wir vor wenigen Jahren auf der Weltausstellung saßen und den Sieg der deutschen Industrie feiern halfen, sanft unser Wagen vorüber znm Fort Loucr-: t,!. auf, das geradezu ein Studienobjckt für den modernen Fei« ungstechniker und den Geschötzbauer genannt werden kann. Mil urgewaltiger Faust babcn die Geschosse in den ~tls eingrgrif- fen und einen förmlichen Bcsuokrater geschaffen. Man si.rnn! in de» schwarzen Schlund und erschaudert vor dem Unheil. M, hier eine einzige Granate angerichtet hat. die dritte, die unser, durchschnittlich g12 Kilometer entjernt stehende schwere Felo artillerie auf das Fort abgegeben hak. Reben dem tag cre' Kommandeur General Leman besanden sch etwa 330 tnanv Besatzung in dem Fort. An 130 Leichen lcegen jetzt ncch un­ter dem grandiosen Trümmerhaufen, der gegenwärtig dc:> Erdboden glcichgcmocht wird. General Leman wurde durls die Explosion inehrcre Nieter weit geschleudert und bewn-stia, ausgefunden. Er hat sich das ausdrücklich protokollarisch be­stätigen lassen und befindet sich jetzt als unser Gesängen, r in guter Pflege. Man soll ihm sogar seinen Degen belassen ha­ben. Auch auf den Loucin ist von uuseren Truppen noch ein Sturmangriff unternommen worden, und inancher brove Junge ist dabei geblieben. Eine,» von ihnen, der sich besonders her­vorgetan haben muß haben die Kaureradeu ein ciacn:s Grab gegraben. Zn feinen Häupten steckt eine Lanze, an der de: schwarz-weiße Fähnchen lustig im Wind« flattert. während z> Füße» eine Stange den Rock des Dragoners trägt, Und wcur im fernen Vaterland eine Mutter. Schwester, oder Brrut " , den Toten am Rande des Forts Louein trauern sollte, so man es ein kleiner Trost in ihrem Leide fei», daß heute ein Häuf, lein teiluchurender deuifchcr wnd fremdländischer Männer cn diesem ersten ihnen zu Gesicht gekommenen Soldatcno.rab oes grcßen Krieges von 1914 eine stille Andacht verricht:i Hel.

Ans der Aeimal.

* Frankfurt a. RI., 2g. August. Wie das eroberte Belgien allniühkich verdeutscht wird, zeigt sich darin, daß aus de n Ober pcstdiiektiansbczirk Frankfurt a. M. »cijchiedenc Postbermt, nach Belgien beordert sind zur Besetzung dortiger Postämlor.

* Hanau, 29. August. Das Königliche Proviantauit Ha­nau macht darauf aufinertfam, daß noch alter Hafer ge­kauft wird. Angebote sino dem Proviantamt umgehend zu- gehcn zu lassen.

rtochmaks nrrsere Gemnseernle.

Schon vor 14 Tage» haben wir auf die Gefahr aujinerljam gcinacht, die unserer Eemüseernt« droht. Unsere damalig» Warnung hat sich vollauf bestätigt. Tausende von Raupen des Kohlwcißliugs sind heule an der Arbeit, unser Weißtraut, Rotkraut, Wirsing usw. zu zerstören. Es ist also höchste Zeit, jetzt an das Ablesen resp. an das Zerdrücken der Raupen hcr- anzuaehen. Um die Tiere nicht in die Hand nehmen zu müs­se», kann mau dieselben auch Mittelst einer Schere zerschneiden.

Wenn einmal der Fraß soweit vorgeschritten ist, daß die Blatter Ler Kohlpjlanze» stark Rot gelitten habe», hat da« Vertilgen der so gefräßigen Raupen leinen große» Wert n:chr. Die Blätter, die wesentlich zur Ernährung der Pflanzen bei­tragen, ersüllcu diese Tätigkeit dann nicht mehr vollständig. Ein weiteres gedeihliches Wachstum der Pfla»»zen ist daher ausgcfchlcssen.

Eroßh. Obstbau- und landw. Winterschuke Friedbcrq.

Kirchliche Anzeigen, tfvangelische Gemeind«.

l2. Sonntag nach Trin., 30. August.

Gottesdienst in der Stadtkirche.

Bormittags 9% Uhr: Herr Pfarrer Ritte«.

Atends 8si, Uhr: Herr Psarrer Diehl.

Gottesdienst in der Burglirche.

Vorm. 8'A Uhr: Herr Kandidat Bock.

Vorm. II Uhr: Kindergottcsdicnst: Herr Pfr. Ritter.

Nachm. 2 Uhr: Katrchismurlchie für die männliche Jugend Herr Pfarrer Klebrige r.

Die Elter» der an Ostern Konsirmicrtcn werden d r > » gend ersucht, ihre Söync zum Besuch der Katechismuslehtt anzuhaktcn.

Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach,

Vorm. 10 Uhr: Herr Psarrer Z atz mann.

Anschließend Katechioniuslehre jür die Mädchen

Katholische Gemeinde,

13. Sonntag nach Pfingsten, 30. August. Deichtgelcgcnheit au> Samstag nachmittag von 3 Uhr, Sonntag früh von y,G Uhr an.

A7 Uhr: Frühmesse.

8 Uhr: Miliiärgottesdienft fSingmesse mit Predigt). ttzlO Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachm. 2'/. Uhr: Bittandacht mit Segen: danach Versamm­lung dös Vereins der christlichen Mütter.

Die Andachten aus Anlaß des Krieges sind wie bisher Mittwoch und Freitag Abend 8!-i Uhr.

Feierabend Friedberg.

Sonntag, den 30. August: Besuch der Abend,oltesdicnstesj

Sammlung am Verc inslokal.

Vom Großen Haupiquartier nach Lüttich und Namur.

In den ersten Morgenstunden des Montag hämmern die Fäuste des braven Thomalla den Eeneralmarsch gegen »reine Stubentür. Er meldet, daß unten Automobile zu einer Reise ins Belgierland bereit sind. Die Fahrt geht in Gesellschaft der Militärattachees von Schweden, Rumänien, Spanien, Nord­amerika, Chile und Argentinien vor sich und verschafft uns das Vergnügen, außerordentlich liebenswürdige und durchaus deutschfreundliche Sachverständig« an Bord zu haben. Ganz leise stehlen wir uns zum Tore hinaus, an dem die Wache beim Erscheinen der Automobilkarawane ins Gewehr trat und etwas mißtrauische Gesichter beim Anblick der bunten fremdländischen und ihr ganz unbekannten Uniforme» machte. Aber die bei­den Soldaten des Automobilkorps an der Spitze unseres Zuges und die Majors vom Großen Eeneralstab im letzten Wagen beruhigten sie schließlich und fort ginge, der fernen Grenze ent» gegen, über 200 Kilometer. Die deutsche Landesgrenze passier­ten wir auf der Fahrt bis abends und als wir die Glocken des Münsters erklingen hörten, in dem Kaiser Karl der Große den ewigen Schlaf schläst, sagten wir uns aufs neue, wie schon so oft in diesen Tagen, daß es nicht nur eine Freude, sondern ein ganz besonderer Stolz sein müßte, für dieses Land zu siegen eder zu sterbe». Dieses Elllcksgkfuhl und dieser Stolz leuchteten all denen aus den Augen: die wir auf der langen Fahrt der Grenze zu»narschieren sahen und die in der Hauptsache Reserve- und Landwehrmannschasten waren. Unterwegs stießen wir noch auf die letzten Spuren der Verwüstungen aus den Landstraßen und in den Straßen der Städte, die dazu dienen sollten, den Vormarsch unserer Truppen nach Möglichkeit aufzuhalten. Den Automobilverkehr hat man ja wohl einige wenige Stunden durch die tiefen Gräten, gesällten Bäume und Barrikaden aller Art aushalten können: aber die deutschen Truppen haben über alle diese Hindernisse nur gclächelt und sind darüber hinwegge­stürmt, dem Siege entgegen. Auch einige gespannte Drahtseile, stachelige Verhaue, umgestürzte Wagen, Fallgruben und iihn- lichc Scherze, mit denen inan im Krieg stellenweise hantiert hatte, sind nicht geeignet gewesen, unsere braven Jungen längere Zeit aufzuhalten. Wahl ist maiicher darin hängen geblieben oder darüber gestürzt und am Ende gar ein Opfer schleichender Franktireurs geworden. Allein diese feigen Burschen hatten nicht bedacht, daß andere nachrücken und sie für ihr Treiben mit aller nur wünschenswerten Strenge bestrafen würben. Und daraus allein ist es zu erklären, daß schon bald hinter den letz- >en Häusern von Neutral-Moresnct das grauenhaste Bild der Zerstörung sich bietet, bas irgendeinen belgischen Gesandten zu der unverschämten Behauptung veranlaßt hat, die deutschen Truppen hätten hier wie die Hunnen gehaust.

Schade, daß man ihn nicht bei den Ohren nehmen und etwa durch Battice, das allerdings von den Deutschen zu einem nco- dernen Pompeji gestaltet worden ist, führen kann. Da hätte er di« ganze Feigheit seiner Landsleute so recht deutlich suhlen können. Sollten doch unsere Truppen hier direkt in einen von den Franktireurs gelegten Hinterhalt sollen, nachdem sie die steil absallende Dorsstraße und «ine an die Mance-Schlucht bei Gravelotte erinnernde Straße, die zum Munizipalgebäude führt, erreicht hatten, und dem verräterischen Schützenfeuer ausgesctzt weiden, das denn auch neben dem Rathaus und der Pfarrlirche säst das ganze Städtchen zu einem Raub der Flammen werden ließ, nur noch die umfangreichen Ruinen, unter denen, nach dein stechenden Geruch zu urteilen, viele Leichen liegen müssen, geben ein warnendes Menetekel für die, melche cs immer noch besstzen wollen und unseren siegreichen Truppen die Freude am Ersolg durch gemeine Meuchelmörder aller Art zu vergällen s ichten. Ich möchte beinah« dem Großen Eeneralstab den Vorschlag ma­chen, Photographien von Baltic« durch unsere Flieger über de.» sranzösischen Eienzorten abwcrse» zu lasse» und dazu Warnun­gen vor der Wiederholung der Greuel, die die in dieser Bezieh­ung allzu lernbegierigen Belgier den Franktireurs von 1870-lt abgeguckt haben. Auch könnte man den Fliegern gleich zur Be­achtung für di« Festuiigslommandanten Abbildungen der Ver­wüstungen mitgeben, die unsere schweren Feldgeschütze an den Lütticher Forts angerichtrt haben und vom Großen Eeneral­stab bereits an di« Tagesprcss« weitergegeben worden sind.

Man zeigte uns zunächst dar an der Ostsront liegende Fort Fleuron. Die Folgen der Beschießung müssen hier surchtbore gewesen sein. Nach dem heißen Sonnenbrand aus der staubigen, wasserlosen Landstraße war er eine wahre Wohltat, in den küh­len. dunklen Kasematten von Fleuron zu wandern. Aber in

Nun geht es den Berg hinauf nach Lüttich selbst, lleberall an den Häusern kleben die Bekanntmachungen der Bürgermei­sterei, wonach der Provinz von uns eine hohe Kriegskontribu­tion auserlegt worden ist und jedermann um möglichst schleu­nige Einzahlung des aus seinen Teil entfallenden Betrages er­sucht wird.

Bekanntlich ist die Gesamtsumme der Kriegskoutribution . inzwischen um 20 Millioilen erhöht worden, nachdem »oc drei Tagen eine Revolte am unteren Maasujer stattgcfunden halt«. Auch sieht man an vielen Häusetir noch die Jnschrijre», durch di« die Einwohner den Schutz der ci,»ziehend«» deutschen Trup­pe» anrufen. Sie erklären, daß sie selbst Deiitsche seien oder doch die deutschen Truppen respektieren wollen. Au anderen Türen habe ungelenke Soldatenhäude »,il Kreide geschrieben: Gute Leute! oder: Schont dies Haus, wir baden es hier gut ge­habt! Einen grotesken Eindruck macht ein inmitten der Zer­störung und des Grauens stehendes Karousscll, das noch am Tage vor dem Einzug der deutschen Truppe» hier seine Zelte nufgeschlage» hatte und dessen weiße Lcincubcdachung zerrissen .und als weiße Fahnen aus den Häusern gehängt wrrrüe. Durch dichtbevölkerte Straßen rast unser Auto weiter bis zum Maas­ufer, wo die gesprengte Brücke uns ein unerwünschtes Halt,j.i bieten scheint. Aber da meldet sich schon die Wache und .reist uns zu einer neuen festen Balkenbrücke, die unsere wackeren Pioniere unter Benutzung der an de» Usern festgclegten großen Maaskähne in überraschend kurzer Zeit gebaut haben. Nun sind wir auf der Place de Lambert, dem Mittclpunit Lüttichs, wo sich das ehemalige sürstbijchäsliche Palais erhebt, das in den letzten Jahren als Gerichtsgcbäude diente, und in den: heute Generalleutnant K o l e w e als Gouverneur der deutschen Fest­ung residiert. Aus dem weiten Platze wimmelt es von deut­schen Truppen der verschiedc»isten Regimenter. Mnnitions- und Prooiantlolonncn rollen iii unendlich langem Zuge vorüber, aber trotz des anscheinenden Wirrwarrs gibt es nicht eine Stock­ung oder Störung. Die eleltrische Straßenbahn klingelt dazwi­schen, und mitten aus dem Marktplatz verlaust eine behäbige belgische Bauersfrau, als wenn »je etwas besonderes geschehen wäre, sastige Pflaumen und rotbäckige. Aepsel an die sie um­drängenden deutsche» Landwehrleute. Wir werden zunächst in den Eouverneurpalast gesührt, an de» ich eine persönliche Er­innerung injosern habe, als ich in seinem großen Sitzungssaal > vor beinahe 20 Jahren dem großen Lütticher Anarchistenprozeß beiwohnte, der übrigens schon damals gewisse Rückschlüsse aus den gewalttätigen Charakter eines großen Teils der Bevölke­rung zuließ. Eine ganze Anzahl helgischer und leider auch deutscher Anarchisten halte säst allnächtlich vor den Türen rei­cher Einwohner Daneben niedergclegt, die beim Ocssncn der Haustüren explodierten und meist ganz unschuldigen Leuten verhängnisvoll wurden. So werde ich niemals den Anblick ei­nes als Zeugen auftrctcndcn Lütticher Augenarztes vergessen, der infolge seiner ärztlichen Kunstsertigkeit und seiner Frecge bigkcit als ein wahrer Wohltäter der Stadt galt und der durch eine Bombe seines Augenlichts beraubt worden war. Der Pro zeß dauerte mehrere Wochen und endete mit der Verhängung mehrere Todes- sowie langiöhriger Zuchthausstrafe». Die Mit­wirkung deutscher Verbrecher an den Bombcnattentaten oder hatte eine heftige Verstimmung gegen alles Deutsche in Lüttich zur Folge.

In einem Parterregeschoß des Palais sehe» wir in einem besonderen Zimmer den Bürgermeister und den Psarrer eines Ortes bei Lüttich, di« zum Widerstand gegen unsere einrücken- den Truppen ausgcsordert hatten rrirb- sich nun vor dem im Ge- bäude installierten Kriegsgericht zu verantworten haben wer­den. Alsf den kostbaren Polstern rings in den großen Korri­doren fitze» unsere Landwehrleute bei der Einnahme ihres Mit­tagsessens, das draußen aus dein Hose in den Feldküchen zube­reitel wird, und das ihnen, wie sie aus geäußert« Zweifel aus­drücklich versichern, besser schmeckt als das daheim, lind da ich eingeladen werde, zur Probe mitzucssc», nehme ich einen- »aps zur Hand, und wirllich, auch ohne den feit 1 Uhr früh lee­ren Mage» schmeckt die Rinderbrust mit Bouillonlartosjeln mindestens ebenso n»t wie bei Kempinsli in Berlin. Drüben aber bei den Bäckce» erlebte ich eine große Freude. Wie über­all. wo sich ei» Krlegsberichlcrftaiter mit der gelben Armbinde und dem schwarze» B darauf sehen läßt, dieser sofort von Sol­daten umringt wird, die ihn nach den neuesten Nachrichten aus- fragen, so stürmten auch hier drei Feldbäcker aus mich zu, jedoch nicht, um etwas Neues von mir zu erfabren. sondern mir Grüße