Ausgabe 
29.8.1914
 
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Nummer LOL

Samstag, de« SO. August 101^.

7. Jahr gang

Großer Sieg über dis

i der ganzen Linie im Vormarsch. Das stärkste Sperrfort genommen. Frankreichs Ohn»

macht. Oestcrreichischcr Sieg.

We!;e England !

Fuchs im Bau, fönst so schlau, wir haben dich gesoßt, fo listig und so klug du's abgekartet hast.

So viele und so herrliche Siege über unsere Feinde sind ans dem »ns nfgedungenen Kampfe berichtet worden. Stei­ner aber bat eine solche Begeisterung ausgelöst, hat einen solchen Jubel entfacht, als der gestern gemeldete vollständige Sieg über das englische Expeditionskorps. Man glaubte föriiilich, ide Glocken, die allenthalben über die Lande er- lchallten, hätten reiner und voller getönt, da sie Englands Tchniach verkündeten. Seit Jahrhunderten haben die Bri- !en eine solche Niederlage nicht erlebt, wie ihnen gestern delltsche Tapferkeit bereitet hat. Man kann sich denken, daß unsere sieggewohnten Truppen sich mit ganz besonderer Wucht in den Kampf gestürzt haben, als sie die englischen Söldnerscharen wider sich erblickt haben. Zersprengt und ^vernichtet sind die englischen Doggen und der geschlagene Rest mußte sich Hals über Kopf nach Südosten flüchten. Nicht dem rettenden Meere zu, sondern abgedrängt von der heimischen Insel wird hoffentlich der lebte jämmerliche Nest

reu Truppen zum Opfer fallen. So haben die Deut­schen dem heimtückischen Albion endlich gezeigt, wo Barthel den Molt holt.

St. Quentin, wo die britischen Söldner unterlegen sind, ^at schon inr Kriege 181071 den Si' g deutscher Waffen ge- iel-rn.' Am 12. Januar 1871 besiegten die Deutschen unter ' neral von Gäben die französische unter dem Befehl deS ' neralS Faidherbe stehende Nordarmee. Heute haben dort . ; J, hne gezeigt, daß sie der Väter würdig sind.

Auch sonst geht alles gut! Unsere Armee ist auf einer - i de, die über 300 Kilometer lang ist, im Vorrücken, n Eaml.ai bis zu den Südvogesen in ununterbrochener

Schon einmal ist Cambrai in der Weltgeschichte hervor- letrcteu. Mit der Belagerung v. Cambrai 1339 begann jener lahrzehnte währende Krieg, in dem die Engländer den Fran­zosen Niederlagen auf Niederlagen zufügten und der erst mit de,« Auftreten der Jungsrau von Orleans sür-die Fran­zosen eine günstigere Wendung genommen hat. Ta.nrls gab es noch ein Old-Englaud in gutem Sinne des Wort >3 und der berühmte ichwarze Prinz, unter dem die Engländer ihre Siege wider die Franzosen erfochten haben, war ein Vorbild achter Ritterlichkeit. Heute sind die Briten ein f'i-

ge. St,5......-CnW geworden und der Boden von Cambrai

sieht Swger und Besiegte von damals heute brüderlich ver­eint als Flüchtlinge vor deulsck)e Kraft und deutscher El re. Auch das benachbarte Flundern mußte diese Wandlung er- fahren. Heute noch gilt die Schlacht bei Waterlo als das schönst" Ruhmesblatt in der englischen Geschichte. Zu lln- denn : dieser Schlacht hat Lord Well'-mt--- seine

:- 0cn ......vm geschont, während Hannoveraner und Nus-

"er, also Deutsche dem wuchtigen Angriff der Frau»',»n standhalte- muhten. Demnach wäre die e»-'"-'* ~ rer Schl'chtenkunst Napoleon? erlegen, wenn nicht d. Helden- .jjeie Blücher abends zur rechten Stunde aus dem Schlacht- selde erschienen wäre und die Wendung zum Siege he bei- geführt hätte. Damals stand England an der Seite von Preußen und Oesterreich wider die Franzoien, heute fickst es riii deren Seite gegen die Verkündeten von ehedem, l der daö Vlättlein hat sich gewandt und wenn die englischen Söld- nericharen die Stätte englischen Nnhnies bei Belle-Allianer überhaupt had.u zu sehen bekommen, so war es nur auf der Fluckst. denn sie flohen dahin wie Hasen übers Feld »nd hin­ter ihnen winkten verderbenbringend deutsche Hiebe. Gölte« Mühlen mahlen langsam aber sein!

Mit Frankreich scheint es bald Mathäi am Letzten fi> stehen. Eine schmerzliche Enttäuschung habe» ihm .ei rrt unsere Truvven bereitet. Morainviller bei Lnneville, das stärkste französisch« Sperrfort ist von unseren Truvven »!».e viel Federlesens genoninien worden. Die Franzosen batte» ihre ganze Hossnnng auf dem starke» Gürtel von rsperrsortS gesetzt, die den Weg nach Paris schließen sollten. ö : ; nach dem Falle von Lüttich. Na,nur und Lcngwn orwarrvi, war, können diese Befestigungen deu!sch>cn Watten nicht trotzen, das hat auch jetzt der Fall des stärksten Speresorts bewiesen. Also auch von dieier Seile ist der Weg :>nch Paris

offen. Von St. Ouentin nach Paris sind es kaum inehr als I 100 Kilometer, also eine Strecke, die nicht weiter ist als no» Frankfurt nach Marburg. Bereits wurde es den Macht­habern an der Seine wind und wehe ums Herz und sie sehen den Tag des Gerichts mit unaufhaltsamer Wucht heran­nahen.

Eine bedeutsame Sprache redet die Mitteilung des Bür­germeisters von Brüssel, aus der hervorgeht, daß die jran- zösische Regierung die Unmöglichkeit erklärte, Belgien tt- gendwie offensiv unterstützen zu können, da sie selbst völlig in der Defensive sei. So mußte es kommen. Wie toll dee Lohme dem Blinden helfen? Die Belgier müssen arg jür ihre Verblendung büßen und noch) immer kehrt keine Besinn­ung bei den, betörten Volk ein. Die Stadt Löwen hat meu­terischer Weise die Waffen gegen die deutsche Besatzung ge­richtet. Sie wurde zusammen geschossen und ein Trüm­merhaufen bezeichnet heute die Stätte, wo einst die an Denk­mälern altflämischer Kunst so reiche Stadt gestanden hat. Das ist der Kriegl - . l

Diejenigen, die ihn entfacht haben, mögen dafür büßen. Auch in England ist der Rückschlag eingetreten und man ver­hehlt sich dort nicht, daß man sich in einer ernsten, sehr ern­sten Lage befindet. Um so besser für uns. Auf zu 1 Siegen aus daß es heiße jetzt und immerdar:

Nun latzet die Glocken von Turm zu Turm

Dnech's Land froblocken in Jubelsturml Ehre sei Gott in der Höhe!

Großer Sieg über Engländer nnd Franzosen.

(W.T.-B.)

Ha»ptquartier, den 2». August. Tie englische Armee, der sich 3 französische Territorial-Tivisionen angeschlossen hatten ist nördlich St. Ouentin

vollständig geschlagen

nnd befindet fich in vollem Rückzüge über St. Ouentin. Mehrere 1000 Gefangene,

7 Feldbatterien, eine schwere Batterie sind in unsere Hände gefallen.

Siegreicher Vormarsch.

Südöstlich Mszieres haben unsere Truppe» unter fortgesetzten Kämpfen in breiter Front die Maas überschritten.

Unser linker Flügel hat in Otägigen Gcsirgskämpsen die französischen Gcbirgs- trnppcn bis ans (spinal zurückgetrieben nnd befindet sich in weiterem siegreichen Vormarsch.

Berlin, 23. Slug. (W. B.) Marain- villcr, das stärkste Spcrrsort der Fran­zosen, ist in unserem Besitz.

Frankreichs Ohnmacht.

Ter Bürgermeister von Brüssel teilt dem deutschen Kommando mit, das; die

französische Regierung der belgischen Re­gierung die llnmöglichkcit cröfincie, sic irgendwie offensiv zu unterstützen, da sic selbst völlig in der Defensive sei.

Siegreiches Vorgehen

unserer Verbündeten.

Amtliches Telegramm.

Wien, 23. »lug. (W. T. B.) Das Kriegspreffeguartier meldet: Seit dem 20.

Angnst entwickelten sich ztvischen den öfter rcichisch-nttgarischen nnd rnssischcn Trup­pen Kämpfe, die angenblicktich in dem ganzen Raume zwischen Weichsel nnv Tnjcstcr stattfinden. Der österreichisch- ungarische linke Flügel ist in der Offen- s i v e begriffen nnd dringt s i e g r c r ch vor.

(Orftcrrridiö fuiraarrhlaniiiö an Schien.

Wien, 28. August. Der österreichisch ungarische <5kp»b» am belgischen Hofe ist beauftragt worden, dem belgischen Mi­nister des Aeutzcrn zu tclegraphicicn:

Da Belgien Frankreich und Grotzbritannien seinen mili­tärischen Beistand leihe, welche beide Oesterr»^)-Ungain Sen Krieg erklärt haben und angesichts der Tatsache, daß üslcrrei- chisch-ungarische Staatsangehörige unter den Augen der del'gi- jchcn Regierung eine selbst den primitivsten Anfordcrunzen der Menschlichkeit widersprechende Behandlung über sich ergehe» lassen mutzten, sicht sich Oesterreich-Ungarn genötigt, die diplo­matischen Beziehungen abzubrechen und betrachtet sich von die­sem Augenblick a» als im Kriegszustand mit B e l g > c n befindlich. Den Schutz der österreichisch-ungarischen Staatsan­gehörigen übernimmt der Gesandte der Bereinigten Staaten. Dem belgischen Gesandten in Wien wurden die Pässe zugejlellt.

Der Strahcnkampf in Löwe;».

Diegrantjurter Zeitung" meldet vom westliche» Kriegs­schauplatz:

Trotzes Hauptquartier, 28. August.

Ucbcr die Entstehung und den Verlaus des St ratzen- kampses in Löwen wird noch folgendes berichtet:

Am Montag war alles ruhig und die Eisenbahntruppeu an der Arbeit, durch Rampcnbau die Entladung der Truppen vorzubercitcii. Auch am Dienstag vormittag blieb »lies ruhig und cs entwickelte sich ein reger Verkehr zwischen den l..-,u>oh- ncrn und Truppen, die in Ouarlicren untcrgebracht waren Als am Dienstag nachmittag die drohenden Nachrichten von einem bevorstehenden Aussall aus Antwerpen eintrascn, wur­den schleunigst die in der Stadt besindlichcn Truppen a»i Antwerpen in Marsch gesetzt. Auch der kommandie­rende General begab sich mittels Krastwagcn nach vor». Es blieben daher verhöltnismötzig wenig Truppen in der Stasi ,* darunter das Landsturmbataitlon Rcutz. seiner Kolonnen.

Die zweite Staffel des Generalkommandos satz gerade aus dem Marktplatze aus, als plötzlich ein wütendes Feuer aus den oberen Stockwerken der umliegenden Häuser erasjuet wurde. Rach kurzer Zeit waren süns Ossizicre der zweiten Stesscl verletzt und sämtliche Pferde erschossen. Am Bahnhof war gerade ei» Truppeuzug angclommen und die ausgelaoe- ncn Truppen standen friedlich aus dem Bahnhossplatze versam­melt, als auch dort zur selben Stunde das Feuer aus li« eröffnet wurde. Der Kamps wurde sofort ausgeuauiuien und durch die fortwährend eintrefscnden Truppenzügc gespeist. Der Stratzcukamps flackerte überall auf, wo Deutsche standen. Auch in eine Bcnzinkolonne wurde hincingcseucrt, die in Brand geriet.

Der Stratzenkamps dauerte von Dienstag Abend bis Mitt­woch nachmittag. Er endete mit der R i e d c r w c r f» n g de» Aufstandes, aber als er vorüber war, bildete die alt« Kunststadt Löwen und ihre nördliche Vorstadt L c - rent ein Flammenmeer.

Ein ^rstkst des (öfufrnlftübrtdjffö.

Großes Hauptquartier, 28. August

Die deutsche Heeresleitung protestiert gegen die durch un­sere Gegner verbreiteten Rachrichten über Grausamkeiten der deutschen Kricgssührung. Wenn Härten und strengste Motz, nahmen nötig geworden sind, so sind sic veranlatzt und hcraus- gesordert worden durch Teilnahme der Zivilbevölkerung e-,n- schlietzllch grauen an den heimtückischen Uebersällen aus un­sere Truppen und durch die bestialischen Grausamkeiten, die an unseren Verwundeten verübt worden sind. Die Verantwor­tung für die Schärfe, die in die Kriegssührung hineingebracht wurde, tragen allein die Regierungen uild die Behörden des von uns beletitcn Landes die die Bürger mit Massen versehe»