Ausgabe 
28.8.1914
 
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Freitag, den 28. August 1914

Kummer 201

7. Jahrgang

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Sitjf $f(p |rnnlirfiil|, örlgirn und Eilglmid.

Trsflftändigcr Niick;«g der französischttt Armee. Sieg gegen die Engländer. Die Belgier dis Antwerpen geworfen. Belgien wird fiir die deutschen Heerespedürfnissc ansgeniitzL. Berlust eines Kreuzers. Neues srntt'.ösischcs rNinifterium.

!tnnnfhnltsam!

Tcr gestern erschienene Bericht des Generglgnzrlier- meislers von Stein meldet in lnlonischer Kürze eine ganze Reihe siegreicher Toten unserer Truppen. Unsere Wesl- arnicc besindct sich fortgesetzt im Vorgehen, wegen dem schwierigen, waldreichen Gelände ist die Zählung der Gc- saiulbcute au Gefangenen und Kriegsmaterial immer noch nicht möglich gewesen. Tic Erfolge des Kronprinzen sind bereits früher bekannt geworden, in den Kämpfen um Lang- wy sind 3600 Gefangene und 40 Geschütze in unsere Hände gefallen. Mit ganz besondererFreude wird in Deutschland der Sieg gegen die Engländer bei Manbeuge ausgenominrn werde». Tie englischen Söldnerscharcn wurden geworfen und tag? darauf unter Umfassung erneut cingearils.u. so daß wir hossentlich bald noch mehr erfreuliches zu hören bc- kommen. Tie belgische Besatzung von Antwerpen nachte, vier Tivisionen stark, einen zweimaligen Vorstoß gegen die Deutschen, den sic mit dem Verlust vieler Gefangener und Geschütze bezahlen mußte.

Ta auch die siegreiche deutsche Maasarmee vor Maust ge angclangt ist, so erfolgt der Einmarsch der deutschen Heere

längs der ganzen fror .....'::i Ostgrenze. Die franzöfr <he

Haup!.nacht gerät also tagtäglich mehr in Gefahr, von einer eisernen Umklammerung umfaß! zu werden, der sic nicht mehr entgehen kann. Tic Stimmung in Frankreich, wo allmählich die Wahrheit zu dämmern beginnt, nähert s'ch einer Krisis. Bereits ist das Ministerium zurückgetretc i u. hat einem neuen Platz gemacht, in dem neben den ehemaligen Sozialisten Millerand und Briand, der marristische Sozialist Jules Gucsde auch ein Beweis von dem Zusammenbruch der Internationale! sitzt, ferner der Gemäßigte Ribot u. a. Es sind also die entgegengesetzten Elemente in dem neuen Ministerium vertreten. Ein Beweis, daß man die Lage sehr ernst aufgefaßt und alle Kräfte zusammenfassen will. In dieser Beziehung gleicht die Lage ganz der von 1870 nach den ersten entscheidenden deutschen Siegen. Auch im General­stab ist Zwietracht ausgcbrochcn und dem Generalissimus Jofsrc wird bereits Unfähigkeit vorgeworfcn und an seinen Ersatz gedacht. Rur so weiter.

Daß ein sleiner deutscher Dampfer aus den Grund ge­raten ist und von der eigenen Besatzung in die Luft gesprengt werden mußte, damit er dem Feinde nicht in die Hände falle, ist schmerzlich. Auf der anderen Seite erfüllt uns der Heldenmut der Besatzung des verlorenen Kreuzers mit Stolz: sic hat abermals bewiesen, daß der Geist in unserer Marine ein ganz vorzüglicher ist.

Auch in den Kämpfen um Löwen hat sich die bel stsche Bevölkerung als überaus tückisch und grausam gezeigt. Unsere Heeresleitung hat sich veranlaßt gesehen, zur Deckung der rückwärtigen Verbindung den Landsturm > eranzuzieheu. der Belgien besetzen soll. Tic aktive Armee wird aus duse Art zum Einmarsch nach Frankreich frei. Rech eine Maß­nahme wird den ganz besonderen Beifall unserer Bevölker- ung finden. Belgien soll nämlich zur Verpflegung unseres Heere? in erster Linie nukgenutzt werden, damit unser Hei­matland entlastet wird. So wird denn da? verächtliche S'-el- gien die Schüssel, die cs sich vollgebrockt hat, zuerst an?, löffeln müssen. Seinen Freunden und Verbiiude.'en petzt s aber auchan's Leder": darauf können sie sich verli"m.

Kriegsbericht.

WTB. Hauptguarticr. 27. Aug. Das deutsche Westheer ist neun Tage nach Bceudignng seines Aufmarsches unter fortgesetzt siegreichen Kämpfen aus sranzösisches Gebiet von Eembrep bis zu den Südvegesen eingedrungen.

2cv Fcrnd ist ü'jevaU flCjrfjliVCit :::ib be­findet sich in vsltstä»d«,ic»tt !,i»o jiri'.c.

Tic Größe seiner Verluste an Gefallenen. Gefangene» and Trophäen läßt sich bei der gewaltigen r'nstelr.ung der Schlachtscldcr in zum Teil unübersichtlichem Waid- und Gr. birgogelände noch nicht annähernd übersehe».

Tie Armee des Generalobersten von GiNlk hat die englische Armee bc'; Mcnibcnnc geworfen

und sic heute südwestlich von Mnubeuge unter Umfassung >r nent angegrissen. Tie Armeen des Generalobersten von Bülow und Generaloberst Frhrn. von Hansen haben etwa

acht Armeekorps französischer und bel­gischer Truppen

zwischen Sambre, Namur und Maas in mehrtägigen Kamp fen

vollständig geschlagen

und Verfolge» sic jetzt östlich Maubeuge vorbei. Namur ist nach dreitägiger Beschießung gejalten. Der Angriss aus Mnubeuge tst eingeleitet. Die Armee des Herzogs Albre,ht von Württemberg hat den geschlagenen Feind über den Se. mois verfolgt und die Maas überschritten. Die Armee des deutschen Kronprinzen hat befestigte Stellung vorwärts Longwh genommen und einen starken Angriss aus Verdun abgcwiesen. Sic befindet sich im Vorgehen gegen die Maas. Longwh ist gefallen. Die Armee des Kronprinzen von Bahern ist bei der Verfolgung in Lothringen von neuen feindlichen Kräften in der Position vor Nancy und ans süd­licher Richtung angegriffen worden. Sie hat den Angriff zurückgrwiesen. Tie Armee des Generalobersten v. Heer, ingcn setzt die Bcrsolgung in den Vogesen nach Süden fort.

Tas Glsatz ist vom Feinde geräumt.

Aus Antwerpen haben vier belgische Divisionen gestern und vorgestern einen Angriff gegen unsere Verbindungen in der Richtung Brüsiel gemacht. Die zur Abschließnng von Antwerpen zurückgelassenen Kräfte haben diese

belgischen Truppen geschlagen u. dabei viele Gefangene gemacht und Geschütze e.> cutet.

Tic belgische Vevölkcriing hat sich fast überall an dem Kampfe beteiligt, daher sind die strengsten Maßnahmen zur Unterdrückung des Franktireur, und Bandcnwcfens nage- wandt worden.

Tie Sicherung der Etappenlinien mußte bisher den Ar- ineen überlassen bleibe». Ta diese aber für den weiteren Vormarsch die zu diesem Zwecke zurückgelassenen Kräfte not- wendig in der Front brauchen, so hat Seine Majestät die

|Hobilnmd)itna des llnidjimiis befohlen.

Der Landsturm wird zur Sicherung der Etappenlinien und zur Bcjctzung von Belgien mit herangezogen werden.

D'.eses unter deutsche Verwaltung tretende Land sott für die Heeres- oedürsnisse aller Art ausgenutzt werden, um das Heimatgebiet zu entlasten. iVi' EtilkralqilartierlNt'ister v. Nein.

Lonftigc Meldungen.

Berlin, 28. August. Der Kriegsberichterstatter des Berk. Lrkrlenz." tritt seinem Blatt: aus dem Hauptquartier am 27. d. Mt», mit:

Auf der ganzcn Front de: riesigen Schlacht, di: säst oo\i Lothringens bis a» dis Vogesen war, sind die Deutschen im siegreichen Bordeingcn. Gegen von beiden Seiten oon Lengwy roeg:h:nde deutjche Truppen wurde von SicKC» aus ein starker Boestotz aus Sie link: Flank: versucht. ILI'.t Einiatz io-:» Teil» de: Reserve und mit herqngezsgrnea Truppen aus Metz wurde dieser Vorstoß znenagewieien und die Verfolgung sorrgesetzi. Die bei Maubeuge stehrnde englische Armee wurde geschlagen und in die Gegend westlich vo» Maubeuge zarückze» d-angt. L--ue.wy ist nach lapseeer Gegenwehr genommen. 8203 Uneersund.ir und 400 Verwundete wurden zu Gesauzenen ->r- inacht und i ) -Ersöutze erobert. Aus Antwerpen, das we.t» eingeßhiosien wird, machten am 28. d. M!s. 1 Divisionen

einen Ausfall. Gleichzeitig übeesielen die Einwohner von Lo­we» die unseren Truppen folgende Munition»- und Proviau:- tolonneu. Es besteht die Vermutung, dah dies auf höher: itzi, jung erfolgte. Ihren Wohnsitz büßte die Stadt aas diese Weise ein, wie zu erwarte» war. Der Ausbruch der i Division.» wurde vollständig zuriickgewiese».

Ansprache des Kaisers.

Nach dom grotzen Sieg unserer Truppen in Lothringen rer- sammelte, wie einem in Berlin eingetroffenen Bericht der Dort- i munbetTremonia" zu entnehmen ist, der Kaiser die beim Hauptquartier liegenden Truppen zu einer Parade und hiel: hierbei folgende Ansprache:

Kameraden! Ich habe euch hier um mich versammelt, um mich mit euch des herrlichen Sieges zu erfreuen, den unsere Kameraden in mehreren Tagen in heißem Ringen erfochten ha­ben. Truppen aus allen Gauen halsen in unwiderstehlicher Tapferkeit und unerschütterlicher Treue mit zu dem großen Er­folge. Es standen unter Führung des bayerischen Königssoh- nes nebeneinander und sachten mit Glanz und Schneid Trup­pen aller Jahrgänge, Aktive, Reserve und Landwehr. Diesen Sieg danken wir vor allem unserem alten Gott, der wird UNS nicht verlaßen, da wir einstehen für eine gerechte und heilige Sache.

Viele unserer Kameraden sind bereits im Kampfe gefallen. Sie starben als Helden fürs Vaterland. Wir wollen derse.ben hier in Ehren gedenken und bringen zu Ehren der draußen stehenden Helden ein dreifaches Hurra! Hurra! Hurra!

Irniii Jolkplj an drn dklitlchtil Kailcr.

Kaiser Franz Josef hat an Kaiser Wilhelm solgendes Telegramm gesandt: Die herrlichen, den mächtige»

Feind niederwersenden Siege, welche das deutsche Heer unter Deiner obersten Führung erkämpft hat, haben ihre Grundlagen und ihren Erfolg Deinem eisernen Willen zu danken, welcher das wuchtige Schwert schärfte und schwang. Dem Lorbeer, der Dich als Sieger schmückt, möchte ich das hehrste militärische Ehreiizeiche», das mir besitzen, anreihen dürfen, indem ich Dich bitte, das Großlreuz meines militärischen Maria-Thcresten- ordens als Zeichen meiner hohen Wertschätzung in treuer Was- senbrllderschast annehmen zu wollen. Die Insignien soll Dir. teuerer Freund, ein besonderer Abgesandter überbringen, sobald es Dir genehm ist. Wohl wisiend, wie sehr Du und Dein Heer die genialen Leistungen des Generals der Infanterie v. Moitke zu schützen wißen, verleihe ich ihm das Kommandeurlreuz des militärischen Maria-Theresienordens.

(betreu bis in den Tod.

Seiner Majestät kleiner KreuzerMagdeburg" ist bei einem Vorstoß im Finnischen Meerbusen in der Näh: der Insel Odensholm im Nebel aus Grund geraten. Hil­feleistung durch andere Schisse war bei dem dichten Nebel un­möglich. Da es nicht gelang, das Schiff abzubringen, wurde cs beim Angriff weit überlegener russischer Streitlräste in die Lust gesprengt und hat so einen ehrenvollen Untergang gesun­den. Ilnter dem feindlichen Feuer hat das TorpedobootV 28" den größten Teil der Besatzung des Kreuzers gerettet. Di: Ver­luste vonMagdeburg" undB 28" stehen noch nicht ganz fest. Bisher gemeldet: Tot 17, verwunde! 21, vermißt 85, darunter der Kommandant derMagdeburg". Die Geretteten werden in einem deutschen Hafen eintresfen. Die Verlustliste wird so­bald als möglich herausgegeben werden.

Der rcoMlilflif (Wola dts ijßkm'ch'.ichkii Siim

Wien, 27. August. Die hiesige Preße spricht ihre Genug­tuung darüber aus, daß die Russen nach den anmaßenden Acußcrunge» Easonows in der Reichsduma von dem absichtlich verächtlich behandelten Oesterreich se'lche Schläge bekommen, die die Uederlegenhcit unserer Waffen beweisen. Der moralische Eindruck aus die slawische Welt und den Orient sei oiclleichl noch hoher zu bewerten als der strategische Erfolg.

Vit tirüfn srroaicn und (Tidjfrfirn.

Prag, 27. August.Rarodnr Listy" verweise» in einem Die treuen Kroaten, die neuen Tschechen" betitelten Artikel auf die Nachrichten über die bewundernswerte Haltung kroati­scher und tschechischer Regimenter aus dem südlichen Kriegsschau­platz und zitieren den AgramerObsor", der darüber n. a. schreibt:Es ist wahr, daß die Kroaten gegen verschiedene Re­gierungen. welche die kroatischen Länder verwalteten, in Oppo­sition gestanden haben. Aber selbst dann, als alle kroatischen Parteien in Ichärsstcm Kample mit dem System bcgriilen wa-