Nummer 200
Donnerstag. den 27 . August 1914.
7 . Jahrgang
Neue Tageszeitung
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Namur vollständig in unseren Händen.
Longwh erobert. — Ein starker französischer Vorstoß zttrückgetoorfen. —
Ein großer Lieg der Oesterreicher.
Heil Oesterreich!
Oesterreich, an Ehren und an Siegen reich! Hat sich das Herz gestern gesreut, als der glanzende Sieg unseres Bundesgenossen über die Moskowiter bekannt worden war. Den tatarischen Mordbrcnncrbanden, die selbst im eigenen Lande sengten und brennten, würde der Weg nach Ocßrr- reich gründlich verlegt. In dreitägiger Schlacht, deren Ausdehnung über 70 Kilometer betragen hat, wurden die Russen geschlagen und in die Flucht gejagt. 3000 Gefangene, 3 Fahnen, 20 Geschähe und 7 bespannte Maschinengewehre sielen als Kriegsbeute dem siegreichen österreichischen Dop- pclaar anheim. Mit einer Begeisterung u. einer Wucht die keine Grenzen kannte, rannten Oesterreichs Heere den Feind über den Haufen. Gefangen genommene rnss. Offiziere, die den Feldzug gegen Japan mitgcmacht haben, sagen übeccin- stimuicnd aus, daß die Angrisse der österreichischen Strcit- kräftc viel stürmischer als die der Japanesen gewesen seien.
Jubel herrscht in Oesterreich und Jubel in Deutschland ; über diesen Sieg, der sich würdig der Deutschen Siege in: Lothringen und Belgien anglicdert. Bestätigt cs doch, daß wir uns mit keinem Unwürdigen verbündet haben, das; seine Kräfte »nd Leistungen den unserigen ebenbürtig zur Seite stehen. Das druckt auch die halbamtl. „Nordd. Allg. Ztg." ans, indem sic schreibt:
Mit dem Gefühl hochgespannten Stolzes vernehmen wir Reichsdeutsche die Kunde von dem siegreichen Vordringen unserer Bundesgenossen. Was in langen Friedensjahren vorbereitet wurde, besteht jetzt glänzend die ernste Prüfung und kräftigt die im Deutschen Reiche und in Oesterreich-Ungarn immerdar gehegte Ucberzeugung, daß Deutschland und OesterreichUngarn, Schulter an Schulter kämpfend, jeder Nebermacht gewachsen sind, die sich gegen sie erheben könnte.
Aber nicht allein das Gefühl der Freude und des Stolzes erfüllt uns. Wir haben auch die Gewißheit, daß dieser Sieg dazu beitragen wird, den barbarischen Feind, der über unsere Grenzen eingedrungen ist, wieder in seine heimischen Steppen znriickzuwerfcn und daß die deutschen Krieger im Norden bald den Oesterreichcrn im Süden die Hand reichen können. Bereits ist an der Grenze Schlesiens die Fühlung mit den Oesterreichcrn hergrstellt worden.
Im Westen gehen die Ereignisse ihren Gong. Daß die letzten 1 Forts von Namur gefallen sind, nehmen wir dankbar, aber als etwa? selbstverständliches hin. Daß die kron- prinzliche Armee die französische Stadt Longwtz genommen hat, bestätigt, daß wir im Vormarsch begriffen sind. Ungleich wichtiger ist cs, daß von Verdun aus vordringende starke französische Strcitkräste abermals geworfen worden sind. Offenbar bat die französische Heeresleitung die Ge- kahr erkannt »nd suchte den Durchbruch der französilch-m Stellungen zu verhindern, was aber nicht gelungen ist. Die Erfolge der großen Siege in Lothringen tragen bereits ihre Früchte: Der Ober-Elsaß ist bis auf geringe Kräfte vom Feinde geräumt. Und nun heißt allgemein die Losung: Alldciitschlnnd nach Frankrcich hincin!
llnifftc NegesbotsW.
Verkitt, 26. Allst. (W. B.) Bei Namur sind sämtliche Forts gefalle«, ebenso ist Lottgwy «ach tapferer Gegenwehr genommen. Gegen den linken Flügel der Armee des Deutschen Kronprinzen gingen von Verdun n. östlich starke Kräfte vor, die znriiikgefchlagen find. Der Ober Elfaf; ist bis auf unbedeutende Abteilungen westlich Eolmar von den Franzosen geräumt.
Die Niederlage der Neffen | in Polen.
Amtliches Telegramm.
W i c n, 26. August. (W. T. B.> Da: Kriegsquartier meldet amtlich: Tie dreitägige S ch l a ch t b e i K » a s ri i k ci» dcte gestern *n*t einem völligen Sieg, unserer Truppen. Tic Rügen wurde» aus der ganzen, etwa 70 Kilometer breiten ,7ront geworfen und staben fluchtartig den Rückzug gegen Lublin anaetreten.
Kriegsbeute.
Amtliches Telegramm.
Wien, 26. August. (W. T. B.) Aus dem Kriegspreffequartier wird amtlich gemeldet : Nach den letzten Nachrichten haben unsere Truppen in den Kämpfen um Kras- nik 3000 Gefangene gemacht «ndSFastneu, 20 Geschütze und 7 bespannte Maschinengewehre erbeutet.
Französische Eingeständnifse.
Berlin, 25. A»g. Nach einem italienische» Blättern zn- gegangenen, uns aus Rom übcrmiltcltcn ofsizicllcn Bericht ist in Paris am 24. August um 41 Uhr abends folgender offizielle Kommunique ausgcgcbcn worden: „Westlich der Maas wurde unsere Armee von den Deutschen anqcgrisscn und hielt bewundernswert stand. Zwei französische Armeekorps ruckten vor und wurden von einem mörderische» Feuer empsangc». Sic wichen jedoch nicht. Als aber die prcußi- fchc Garde einen Gegenangriff anssührtc, mußten sie sich zurückzichcn. Der Feind hatte enorme Verluste. Westlich der Maas hatten die Franzosen in schwierigem Gelände eine Vorwärtsbewegung gemacht und wurden dann heftig angc. griffe». Nach sehr lebhaftem Kampfe mußten sic zurück- gehen. Südlich des Scmois nahmen englische und französische Truppen eine gedeckte Stellung; sic blieben intakt. Un- scrc Kavallerie hat nicht gelitten. Ter physische und morn- fische Zustand unserer Truppen ist ausgezeichnet. Tic sran zösischc Armee wird jetzt defensiv bleiben, »m die Offensive im geeigneten Moment wieder aufzunehmcn. Unsere Verluste sind bedeutend, aber noch nicht genau anzugeücn." Das Kommunique erklärt schließlich, es sei zu bedauern, daß der Angrisssplan seinen Zweck nicht erreicht habe, und fügt dann hinzu, dir Tescnsivstcllung der Franzosen bleibe gegen- über dem Feinde, der schon geschwächt sei, vollkommen fest. Teile einer selbständigen deutschen Kavallericdivisio» aus dem äußersten Flügel seien in das Gebiet von Roubaix, Tonrcoing ciiigedrunge«, das nur von Tcrritorialtrnppe» verteidigt werde.
Berlin, 26. Ana. Das „kcho de Paris" mcldct übcr die Kämpsc an der Maas: Am Sonntag standen 400,000 Franzosen »nd 40,000 Engländer gcgcn die Deutschen. Zuerst waren die afrikanischen Truppen westlich der Maas Herr des Tcrrniiis. Ta ließen die Deutschen die Garde Sturm lausen, woraus die Trnpprn der Verbündete», na- mcntlich die asrikanischen, wichen. Tic Deutschen hatten allerdings 700,000 bis 300,000 Mann im Feuer »nd die besten Ttellnngen.
Nach Tetegrammen aus Paris ist die Stimmung in I Frankreich zur Zeit bedeutend gesunken. Die Regie- | t ;;»3 und die Preise suchen der Bevölkerung über die Enltäu- schuug hii.wegzuhclfen. Der „Temps" schreib! beispielsweise iu einem Rusiatz, daß die Hoffnung, den Krieg durch -ine» er.!- sckciLcubrn Wasscueefvlg der Franzosen -iulciten zu können, gescheitert sei, weil die Offensive der Deutschen zu kräftig gewesen sei. Die Pläne Frankreich» seien aber dadurch nicht geändert werden.
Die Ränmnttg Des Overelfaf;.
Das sranzosischc Kricgsministrrinm kündigt an, General Jofkrc sei der Befcbl erteilt worden, das Lbrrelsaf, rn rän.
»,cl>. um alle verfügbaren Truppen nach den, Reibe» zu
werfe», wo sich das Schicksal des Kiicgcr cni'ch.itze.
Ae Aiifnchrit dtiltjcheil Sifp in WM.
Kopenhage n, dg. August. In der Sitzung des engl, Ichen Unicrhaulcs gestern Abend teilt- Asquilh mit, daß eine Meldung von General Frcnch cingcgangcn sei, worin über den Rückzug, der an der Nord grenze Frankreichs uorgcnow- mcn worden sei, berichtet werde. Frcnch teilte mit, daß seine Truppen ohne irgend welches Mißgeschick die neuen Stellungen erreicht haben. Mehr lönne im Augenblick nicht gesagt werden Trotz der langen Marschtourcn seien die englischen Truppe» in brillanter Verfassung. (Nach einer Meldung aus Nom hat Aj quin, die Höhe der englischen Verluste in den letzten Schlachte,! auf 2606 Mann angegeben).
Ltr Heldentod des prinrcn o. Lippe.
Hannover. 26. Aug. (W. T. B.) Zum Tode des Pein- zen Friedrich Wilhelm zur Lippe gibt das stellvertretende Generalkommando in Hannover folgende Einzelheiten au? dem Bericht eines Augenzeugen: Nach erbitterten Nahkämp- fcn gingen wir am Morgen des 6. August erfolgreich gegen Lüttich vor. Die Abteilung, zu der ich zählte und bei der sich eine der Rcgimcntssahnen und der Regimenlskomma»- dcur Prinz Friedrich Wilhelm zur Lippe befand, gelangte gegen Morgen ans die nordöstlichen Wälle von Lüttich. Hier wurden wir von allen Seiten von belgischen Truppen umstellt, die uns inrmer enger cinschlosscn und mit einem Hagel von Geschossen übcrsäctcn und »ns hart bedrängten. Aus Befehl Seiner Durchlaucht bildete unsere Abteilung n„n- nrchr einen Kreis, und wir verteidigten uns längere Zeit nusS hartnäckigste. Endlich erschien zu unserer Unterstützung von links eine starke Abteilung. Um dies genauer fest- zustellcn, erhob sich der Prinz i» Kniestcllung, musterte mit dem Feldstecher die herannahendc Abteilung und gab mir, der ich nuf handbreite Entfernung »nmittclbgr neben ihm auf der Fahne lag, den Befehl: „Erheben Sic die Fahne, da,»it wir rechtzeitig erkannt werden." Ich erhob die Fahne »nd schwenkte sic im Krciie, was sofort einen verstärkten feindlichen Kugelhagel bewirkte. Mir wurde die Fahne a»S der Hand geschossen und der Prinz gleichzeitig an B r n st i, n d H a l s t ö d l i ch g c t r o f s c n. llmsinkcnd sprach er — es war gegen 1l Uhr vormittags — seine beiden letzten Worte: „Grüßen Sic. .
Meile des Königs von Kayern auf de» KrirgsIchlmKl!.
München, 26. August. Der König hat sich heute früh nach dem westlichen Kriegsschauplatz begeben.
Ein a flfntamm finiirr frnni Iojephs.
Berlin, 26. August. Im Eroßen Hauptquartier ist fat genbcs Telegramm des Kaisers Franz Zoscf an Kaiser Wilhelm vom 24 . Auauit civgetrossen:
Sieg aus Sieg. Kott ist mit Euch, »r wird auch mit uns! jugendliche» Helden. Deinen liebe» Cohn den Kronprinzen, so. wie den Kronprinzen Rupprecht von Baqern und das unvergleichlich tapfere deutsche Heer. Warte schlen, um auszudriik- lcn, was mich und mit mir meine Wehrmacht in diesen weltge- schlchtlichs» Tagen bewegt. Herztichst drückt Deine starke Hand Franz Joses
Unzufriedenheit in Belgien.
Berlin, 26. August. Aus dem Haag wird der „Voss. Ztg." geschrieben: „In Antwerpen macht sich bereits eine heftige Unzufriedenheit mit dem Verhalten der Regierung bemerkbar, die durch ihre doppelsinnigen Bekanntmachungen das Publikum so lange in völliger Ungewihheit gelassen hat. Am Mittwoä) Mittag trafen in jämmerlichem Zustande die ersten flüchtigen Truppen von dem Tchlachtselde ein. Die Echlacht bei Löwen dauerte drei Tage. Die Soldaten berichteten uns auf unsere Frage: Ilnser Vormarsch ist dreimal abgeschlagen worden. Wir kämpfen wie Löwen, aber wir konnten gegen die Uebermacht nicht an. Für jeden gefallenen Feind standen zehn neue auf, und doch hätten wir ausgehalten, wenn unsere Leute nicht von dem grauenhaften Feuer der deutschen Maschinenge» wehre buchstäblich niedergemäht worden wären. Diese entsetz» lichen Mordwerkzcuge speien den Tod aus und mähen mit ra» sender Geschwindigkeit in ihrem Umkreise alles needer. Da gibt es keinen Widerstand. Ferner beklagten sich die Belgier üocr den Mangel an Offizieren. Di. Verzweiflung ist um


