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191«.
Teile 8.
Und geht's so munter recht- vom Rain.
Will Gott, wird- links nicht schlechter sein:
Schon seh' ich Dragoner rücken Zu Frankfurt über die Brücken.
Und auf der Bahn von Würzbukg, schau Da wogts heran im Hellen Blau;
Wie trugen- die rüstigen Bayern.
Beim großen Raufen zu feiern?
Grüß' Gott, mein schönes Heidelberg!
Leb' wohl, der Musen Friedenswerk!
Der Bursche vertauscht den Schläger Mit der Büchse der tapferen Jäger.
Und nun mein Neckartal entlang
Nach Haus, mir wird so wohl >md bang:
Zur Fahne eilen die Schwaben Und die Mütter segnen die Knaben.
Und wie ich betrete mein eigen HauS:
Da kommt ein junger Krieger heraus.
Da kommt mein Sohn mir entgegen:
„Grüß Gott," und „gib mir den Segen.'
So segne dich Gott mit fröhlichem Mut Und segne Euch all' ihr wackeres Blut,
Und schütz' euch im heiligen Kriege Und führ' euch zum herrlichen Siegel
Zum heiligen Krieg mit dem alten Feind,
Zum herrlichen Sieg mit den Brüdern Vereins,
Zieht aus denn in Gottes Namen,
Gr hclf' euch und segne Euchl AmenI
Berichtigung. Ein bedauerlicher Fehler hat sich in dem Erdicht „An die Waffenbrüder" von E. Amor in unserer Montag- nunrmcr eingeschlichcn. In der zweiten Zeile des letzten Verses heißt es irrtümlich: „Der wilden Welsenschar". Da» ist ein Fehler unseres Setzers und es dürste der ausmcrksame Leser auch gemerkt haben, daß es heißen muß:
Uns schrecket nicht das Kriegsgeschrei Der wilden Welschenschar.
Spiritus als Brtrirbsstosf für Automobile.
Tic Tatsache, daß Benzin und Benzol im Handel nicht Mehr zu haben sind und während der Dauer des Krieges auch nicht mehr erhältlich sein weiden, zwingt die Besitzer von Kraftwagen, sich nach einein anderen Brennstoff umzusehen. Es ist sestgestellt worden, daß sich jeder Automobil- Motor mit 05 Volumen-Prozentigem Spiritus betreiben läßt, wenn zum Anlassen des Motors eine ganze geringe Menge Benzin in die Kompressions-Hähne bezw. in den Vergaser gegeben wird. Um dies zu ermöglichen, haben bereits sämtliche Vergaser-Fabriken und Erbauer von Krast- wagen, die ihre eignen Vergaser verwenden, durch kleine Ergänzungen an den Vergasern diese und somit die Motore zur Verwendung von Spiritus eingerichtet. Bemerkt sei, daß sich nur hochprozentiger Spiritus von 95 Volumen-Prozenten wegen seines geringen Wassergehaltes zum Betriebe von Automobilen eignet. An den Vergasern muß im allgc- meinen die Düse etwas erweitert und die Luftzufuhr etwas verringert werden, wobei sich eine geringe Belastung des Schwimmers als zweckmäßig erweisen kann. Ferner ist >5 ratsam, daß der Vergaser bezw. die zum Vergaser führende vrcnnstoffteitung durch Kühlwasser oder Auspuffgase vorze- Lärmt werden. v w *
üif £rfiri)m!ng von Mlkudiingtli.
Infolge zahlreicher Anfrage» über Verspätungen von Postsendungen an Angehörige des mobilen Heeres wird folgendes bekannt gegeben: Die Regelung der Zuführung der Feldpostsendungen an die mobilen Truppen ist an und für sich ungemein schwierig. Die Postverwaltung kann mit der Versendung von den Postsammelstcllcn aus erst beginnen, wenn sie von der Militärverwaltung die rrsorderlichcn Unterlagen über die Ausstellung und Gliederung des Feldheeres erhalten und für ihre Zwecke verarbeitet hat. Wenn diese Arbeiten unter günstigen Verhältnisien schon einen erheblichen Zeitaufwand beanspruchen, so war es beim Beginn des gegenwärtigen Krieges infolge der ganz besonders gearteten Verhältnisse, die fortgesetzt zahlreiche und umsasieude Acuderungen erforderten, damit ausnahnis- welse ungünstig bestellt. Trotz der angestrengtesten Arbeit aller Stellen korrntc mit der Versendung der Feldpostfrndungen von oen Sammelstellen nicht vor dem 11. August begonnen werden. I: nach der Entfernung der Sammrlstellen vom Kriegsschauplatz erfordert die Beförderung bis zur Etappcnstraße bei dem Fehlen schneller Zugverbindnngcn aus den mit Militärzügen überlasteten Bahnstrecken bis zu 1 lagen Zeit. Auch für die Zuführung bis zu der für den Truppenteil zuständigen Feld- postanstal» besiehcn im gegenwärtigen Feldzug außergewöhnlich sroße Schwierigkeiten.
Die Schwierigkeiten werden hvfsentlich zum größten TeN Schoben sei», und es ist onzunchurcn, daß die Truppen inzwi- ßlhe» einen großen Teil der an sie abgesandtcn Nachrichten erhalten haben. Störungen werden aber auch in Zukunst nicht «»»bleiben, da die Kriegslage häufig unoorhergfiehene Aende- rungen in der Zuteilung der Truppenteile erfordert. Jede solche Aenderung kann zur Folge haben, daß Feldpostjendungen nach längerer Besördrrungszeit den Trnppenteil in seiner ursprüngliche» Gliederung nicht mehr antresfen. und aus zeitraudenden Umwegen weiter gesandt werden wüsieu. Das find Schatterr- ieiteu, die unvermeidlich mit jedem Kriege verdungen sind. Di« Postverwaltung ist sich der Wichtlgleit eine, geregelten Rach, richtenverkehrr zwilchen Heer und beimat dvrchaus bewußt und Siete» ihrerseits alle» auf, dieses Ziel zu erreichen.
Ans der Heimat.
Air Feuertaufe der 168er.
Unsere wackere» 168er habe» am vergangenen Sonntag r» bea Kämpfen bei Neuschateau im südiriden Belgien ihren
ersten Kampf bestanden und die Feuertaufe erhallen. ES ist heiß hergegangen und so Manchen unserer Wackeren dcS hiesigen Bataillons tverden wir nicht mehr zu sehen bekommen. Auf dem Felde der Ehre sind sie geblieben im Kampfe für dos Vaterland. Ein Einjähriger des diesigen Bataillons. Herr von Molitor, kam gestern Nacht verwundet zurück. Er ist von 3 Streifschüssen, darunter ein dicht am Auge und von einem Schuß durch einen Finger verinundet, seine Uniforin ist außerdem an mehreren Stellen von Streif- schüssen zerfetzt, so daß die schöne „feldgraue" arg mitgenommen aussieht. Aber den Mut hat man ihrem Träger nicht grnomiuen. Er wünscht die Heilung herbei, um so- fort wieder in's Feld zu rücken. Mit alles vor sich nicder- wcrfeuden Kühnheit sind die Tapseren des 168. Regiments vorgedrungcu, es gab kein Hallen, in wenige» Stunden waren die Rothoscn über 10 Kilometer zurückgcworfen, trotzdein die besten Truppen des Feindes, die afrikanischen Kolonialsoldaten gegenüberstandcn. Leider hielt der Tod reiche Ernte: zweimal mutzte über freies Feld vorgerückt werden. Unter den Schwervcrwundctcn befindet sich leider auch der heldenmütige wackere Kommandierende des hiesigen Bataillons, Major G u d c w i l I. Don zwei Banchschüffen getroffen liegt er darnieder. Geben wir der Hoffnung Raum, daß es dem Tapferen trotzdem vergönnt sein möge, an der Spitze seines ruhmgekrönten Bataillons wieder in die Mauern Friedbergs einzuziehcn.
• Rieder-Wöllstadt, 25. August. (Eine Berichtigung). Bon einem fteiwilligen Auswanderer der Stadt Metz wird uns geschrieben' „In der Beilage Ihres geschätzten Blattes vom Samstag den 23. d. M. finde ich einen, die gegenwärtige men- schcnmördcrische Kriegszeit behandelnden zutreffenden Artikel aus der Feder des Herrn Reichstagsabgcordneten Schwarze, betitelt: „Eine jede Kugel trisft ja nicht". Dieser Artikel, vom echten deutschen Patriotismus durchdrungen, und ebenso der nackten Wahrheit entsprechend, enthält aber doch einige llnge- nauigkeiten, in Bezug aus die im Feldzuge von 1870-71 in den einzelnen größeren Schlachten gefallene» deutschen Soldaten. Der Herr Versasier dieses sonst sehr trefflichen Arfikels sowie die geehrte Redaktion der „Reuen Tageszeitung" wolle mir daher gütigst gestatten, wenn ich an der Hand einer ojsiziellen Ctafistik des 10er Infanterie-Regiments, dem anzugehören, ich als Unteroffizier den ganzen Feldzug in der Front mitzumachen, die Ehre hatte, einiges über die Verluste des 18er Infanterie- Regiments höflichst bekannt gebe. Die Regimentgscschichle, welch« gelegentlich der 100jährigen Jubelfeier des Regiment» tm vergangenen Jahre neu bearbeitet und an die Regimentsangehörigen ausgegeben worden ist, bezeichnet die Zahl der Toten in der Schlacht von Mars la Tour auf 801 Toten und nicht 832, wie der Artikel besagt. Dabei hat die eigentliche Schlacht am 10. August für das I8te Infanterie-Regiment resp. für die 38. Brigade nur 1\4 Stunde gedauert. Nebenbei dürste ich noch wohl erwähnen, daß das Regiment in dieser kurzen Zeit von 1K Stunden, außer den 801 Toten, noch 787 Verwundete und 388 Gefangene cingebußt hat.
* Kloppenhrim Kr. Jriedbcrg, 25. Aug. Graf Walder- dorff in Molsbcrg hat seine sämtlichen Gebäulichkeit.m in Kloppenheim. Kr. Friedberg, dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt.
* Rendel, 25. Aug. Der Turnverein Rendel spendte dem Roten Kreuz 50 Mk., weitere 50 Mk. wurden zur Verfügung gestellt, »orlche sofort zur Auszahlung kommen.
* Blcichenbach, 25. Aug. Heute wurde der hiesige Hcibst- Schweineniarkt abgebnlten. Auch hierbei hatte sich der Krieg sehr bemerkbar gemacht. Gegen 300 Stück und mehr, im Hmstigen Jahr, waren diesmal nur ca. 60 Schweine aufge- tricben. Auch die Preise entsprachen vollständig unserer gegenwärtigen Lage. Für Läufer wurden 60—65 Mk., für 6wöchentlichc Ferkel 18—22 Mk. bezahlt Hessen-Nassa«.
* z. Usingen, 28. August. Die Rechnung der Krerslommu» nalkaffe für das Etatsjahr 1012 schließt ab mit einer Einnahme von 88,180 Ml. 11 Psg. und mit einer Ausgabe von 83,137 Ml. 38 Pfg. mithin Mehreinnahme 8,023 Mk. 3 Psg. — Von behördlicher Seite wird darauf aufmerksam gemacht, und empfohlen, daß die Landbevölkerung, wie auch schon früher, ihr Brot in den Eemeindebackhäusern backen solle. Da im Kreise viel Korn gebaut wird, sollen die Eemerndcbackhäuser, die ja noch in vielen Orten bestehen, im Fall sie reparaturbedürftig sind, wieder in Stand gesetzt und benutzt werden, was bei gegenwärtigen Kricgszeiten, wo mit jeder Ausgabe gerechnet werden muß, immerhin in die Wagschale fällt. Von den Mühlen gilt eventuell da» gleiche. Man hofft aus diese Weise, daß die Landbevölkerung wieder zu einem guten Kornbrot aus billigere Weise kommt.
* j. Oberursel, 24. August. Die Firma Spang u. Brands hält den Betrieb der Fabrik aufrecht, um die Zrullckgebliebenen nicht brotlos zu machen, den Hinterbliebenen ihrer ins Feld gezogenen Arbeiter gewährt sie eine wöchentliche Unterstützung. — Zur Fahne einberusen sind bereits bis jetzt schon zirta 000 Obcrurseler. Im Jahre 1870 waren etwa 60 ausgcrückt. — Durch Direktor Konten ist in besten Amtszimmer in der höheren Mädchenschule eine Auskunstsstell« über die >m Feld stehenden Soldaten von Oberurjel und Umgegend eingerichtet worden.
* Wiesbaden, 24. August. Der erste Berwundetentransport traf heute von der Westgrenze in Wiesbaden ein. Er brachte 100 Verwundete, meist mit leichteren Verletzungen. Vor allem zeigte die Mehrzahl von ihnen Verletzungen an den Armen. Auch fünf Offiziere sowie er» Franzose befanden sich unter den Verletzten. Der Abtransport der fürs Vaterland im Feuer gestandenen rrsolgte prompt »nd sicher, vre Organisation des Roten Kreuzes in Wiesbaden hat stcki trekklich bewäbrt. Mit
Hilfe der eleltrijcheu Straßenbahn, Autos und anderer Fahrzeuge ersolgte tn kürzester Zeit die Unterbringung der Verletzten in den fünf hiesigen Krankenhäusern.
Etarkcnburg.
* Tarmftadt, 25. Aug. Prinz Franz Joses von Balten berg, der jüngste Bruder des englischen Flottenadmirils, der jetzt gegen sein Vaterland kämpft, ist nach einer officiösen Meldung nicht m Montenegro, der Heimat seiner Frau, sen- dern hält sich in der Schweiz aus, von wo er dem Großherzeg von Hessen, seinem Detter, seinen Degen zur Verfügung ge- stellt haben soll- Seiner Rückkehr setzen sich aber vorerst Schwierigkeiten entgegen, die durch seine Heirat mit einer montenegrinischen Prinzessin bedingt sind. — Wie wir übrigens hierzu aus bestimmter Quelle wissen, ist Franz Joses von Battenberg schon längere Zeit Magenkrank und wahrscheinlich überhaupt nicht felddicnstsähig. Es wäre ja auch ein weiteres Charakteristikum des jetzigen Bruderkrieges, wenn der Bruder gegen den Bruder hätte käinpscn müssen.
* Dnrmsiadt, 25. Aug. Im Bahnschutzdienst verunglückt ist heule früh ein Arbeiter auS Klcin-Stcinhcim, der ans einen hcrannahcndcn Zug nicht hinreichend geachtet batte, von der Maschine getroffen und getötet wurde. Er isk vcr- heiratet und Familienvater.
* Dnrinstadt, 25. Aug. Die Grvßhcrzogin besuchte beute Nachmittag mit Gefolge die auf dem hiesigen Hanoi- bahnhosc eingerichtete Erfrischnngs- und Verpflegung'- ftation für Verwundete »nd sprach sich in jeder Weise aner- kennend über die getroffenen Anordnungen aus.
* Tarmstadt, 25. Aug. Infolge von Fauiilienstreitig- kciten erschossen hat sich der etwa 18 Jahre alte Karl Stork in Arheilgen. Er hatte dem Vater einen Geldbetrag en't- wcndet und hatte Furcht vor der Entdeckung durch sein.» Vater und führte die schon angcdeutete Tat auch ans.
Neueste und Drahtnachrichten.
Rom, 26. August. Der italienische Botschafter ist hrurr Vormittag nach Berlin abgereift.
K o n st a n t i n o p el, 26. August. Wie hier gemcloet rrücl, werden die in Frankreich wohnende» Türke» wie Feinde behandelt. In Marseille werde» türkische Frauen nackt aus die Straßen gejagt. Die türkiiche Boijchast in Paris hat Mal regeln getroffen, um die in Frankreich lebenden Ottomane» zu schützen. Fast alle Türken haben Frankreich oerlajsc».
Appell.
Bürger do» Echzell, Bingenheim, Gettenau und Bissrs.
Heilige Pflicht aller Bürger ist cs, zu helfen, daß unsere Krieger im Kampfe für Kaiser und Vaterland keine leibliche Not leiden. Wohl keine Familie hat nickst Söhne oder irgend einen Verwandten im Feld stehen. Wir ans dem Lande wollen den Städten in Bezug aus Hilsstüfigkeit nicht nach stehen. Alle von uns können durch Abgabe von Naturalien wie Kartoffeln, Gemüse, Speck und Wurst etwas dazu leitragen. Ich wende mich an unsere jungen Turner, sich in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen und ans einem rech durch die Ortsschelle zu bestimuienden Tag das Einsamnieff. aller Gaben vorznnchmcn. Diese werden in Echzell oder Gettenau (Bahnhof) verladen und der Militärbehörde in Friedberg zur weiteren Verfügung zugestellt.
Wir balden keine großen Komitees. Wir niachens halt
K. Haub-Echzell.
Briefkasten. *
G. in Blerchcnbach. Unser Redakteur Beruh. Lenz ist für's Vaterland mit in's Feld gezogen. Der Serbenkenig ist noch nicht gefangen. Sie können recht gute Ariegskarten vom westlichen und östlichen Kriegsschauplatz durch uns snr je 60 Pfg. beziehen.
Psr. R. in W. Ihre wertvolle Mitarbeit in angegebener Richtung ist ims nicht allein sehr erwünscht, wir sind Ihnen auch sehr dankbar dafür.
Deutschrn Grnß! Die Schriftleitiino
Franksurter Wetterbericht.
Voraussage: Trüb und regnerisch, kühl, südwestliche Winde.
„Römerbmnnen
Hervorragendes Tafelwasser.
Verantwortlich für den politffchen und lokalen Teil: Otto Hirschel, Friedbcrg; für den Anzeigenteil: K. Schmidt, Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung", A. G„ Friedberg i. H.
Große Auswahl
Hrbeits-Pferds
steht von heute ab zum Verkauf.
JsenburgerKCo.
friedberg.


