Nummer 198
Kienstag, den 25. Angnst 1914.
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Die besten Unsstchten im Westen und iw Dsten.
Bevorstehende (Zutsch cid nnqen im Osten. — Telegramme des Kronprinzen. — Oesterreich an unserer Leite in Kiautschon. — Wieder ein Böllerrcchtsdruch.
(fine ssliillhkidiinii im (Ofteu sttht beoor.
Amtliche» Telegramm.
Berlin, LI. Aug. Wahrend aus dem westlichen Kriegsschauplatz die Lage de» deutschen Heere» durch Gottes Gnade eine »»erwartet günstige ist, hat aus dem östlichen Kriegsschauplatz der Feind deutsche» Gebiet betreten. Starte russische Kruste sind in der Richtung der Angerapp und nördlich der Eisenbahn Stallupönen — Insterburg vorgedrungen. Das erste Armeekorps hatte den Feind bei Wirballcn in siegreichem Ge- secht« ausgehalten, es wurde zurückgenommen aus weiter rückwärts stehende Truppen. Di« hier versammelte« Kräste haben den aus Gumbinnen und südlich »orgehenden Eigner angegris» sen. Da» 1. Armeekorps wars den gegcnüberstehenden Feind siegreich zurück, machte 8000 Gesungene und eroberte mehrere Batterien. Eine za ihr gehörende Kavallcriedivisivn wars zwei russische Kavalleriedivijionen und brachte 500 Ecsangcnc ein. Di« weiter südlich kümpsenden Truppen stietzen teil» aus starke Besestigungen, die ohne Vorbereitung nicht genommen werden konnten, teils besanüen sie sich in siegreichem Fortschreiten. Da ging die Nachricht ein vom Vormarsch weiterer seindlicher Kräste aus der Richtung des Narews gegen die Eegend südwestlich der Masurischen Seen. Das Oberkommando tras hiergegen Maßnahmen und zog die Truppen zurück. Die Ablösung vom Feinde erfolgte ohne jede Schwierigkeit, der Feind folgte nicht. Die Operation aus dem östlichen Kriegsschauplatz mutzte zunächst dnrchgcsnhrt und in solche Bahne» geleitet werden, datz eine neue Entscheidung gesucht werden kann. Diese steht unmittelbar bevor. Der Feind hat die Nachricht verbreitet. datz er vier deutsche Armeekorps geschlagen habe. Diese slachricht ist unwahr. Kein dentschcs Armeekorps ist geschlagen. Unsere Truppen haben das Bewutztsein de» Sieges und der, Ucierlegenheit mit sich genommen. Der Feind ist über die Angerapp nur mit Kavallerie gesolgt. Längs der Eisenbahn soll er Insterburg erreicht haben. Der beklagenswerte Teil der Provinz, der dem seindliche» Einbrüche ausgesetzt ist, bringt diese Opser im Interesse unseres ganzen Vaterlandes. Darum soll sich dasselbe nach ersolgter Entscheidung dankbar erinnern.
Der Eeneralguartiermeister: gez. v. Stein.
Tic Bedeutung unserer Siege.
lieber d>e Dedclitimg des letzen deutschen Sieges melden die im protzen Hauptquartier besindlichen KriegSberichi- krstatter der Berliner Morgcnblätter folgendes:
Das grotze EmschcidnngSringcn an der Westgrenze, dns als einzige Schlacht, die größte, dir jemals geschlagen »und, ausziisasien ist, ist durch den Sieg des deiitsche» Kronpriaze» bei Longwh nun auch aus diesem Teil des riesigen Volker- kampsseldrs glänzend zu unseren Gunsten entschieden worden. Auch hier ist das scharfe Zurückgchei, der Franzose» zum Teil in wilde Flucht ausgcartet. Eine verfolgende Kavallerie Tivisio» fand das Gelände mit Waffe,welche die flüchtenden Franzosen weggcworsen hatten, förmlich übersöl. T,e Persolgung wird auch hier wie gegen die zwischen Netz unb Bogest» geschlagene Armee mit rücksichtsloser » charsr fortgesetzt. Tie Armee des Kronprinzen tu» Aahern hat die Linie Lunevillc Blnmont erreicht. Tie zu- rückslntende französische Armee ist in zwei Teile zerrisse». Was uns an Wasscu, Geschütze», Ausslattungen und Gevock in die Hände gefallen ist .ist uugchcucr und einstweilen noch gar » ' ‘ zu übersehen. Ter Sieg der Armee des deutschen Kronprinzen ist von der orötzten Bedeutung. Unsere Trap- pen standen mehreren französischen Armcckc, "s gege iüb-r. In Lothringen mutzte in dem schwierigen, wkitreichenden Hügelland unsere Infanterie vieljach ohne Unterstütz uia durch dir Artillerie Vorgehen. Unsere Truppen sind von riiieut glänzenden Geiste beseelt, aber auch dir Franzose» habt!, sich vieljach tapfer geschlagen.
In B:lgien dürste »ach de» (5rsahrungen, die wie bei Lüttich gemacht habe», unsere schwere Artillerie mit ihrer kann, glanblichc» Geschotzwirkung dieForts von Namur in '' c zum Schweigen bringe». Auch vom östlichen Krirgö- s.l aus lab liegen günstige Nachrichten vor. Tie Gesamtlage If.i t sich ia die Worte zusammensassen: datz alles nach Wunsch e h!. In den von uns eingenommene» Teilen Bes. giens > I schon deutsche Ordnung ringezvgen. Scho» snhre» durch Lüttich die deutsche» Züge durch. Tie belgischen Zeit- nug'n werden, so weit sic weiter crschciucn wollen, die ossi- ziclleu Kritgsnachrichfcn vrrösscntlichcn müsicn.
Stille nach dem Sturm!
Wie nach einem Gcwittcrsturm, wenn die Elemente mit Toben und Brausen über die Lande dahingczogcn sind.
langsam die Ruhe wieder cinkchrt, bis die Natur wieder in Friede» dalicgt, so ist nach den vier siegreichen Schlachtt igc.t von, 21. bi? 24. August wieder eine gewisse Ruhe aus den Schlachtfeldern eingeircten und es kann wieder einige Tage dauern, bis weitere Nachrichten eintressen.
Kleinmütige Geister werden dann Wohl iefcct za.ien und allen möglichen ängstlichen Einsliisterungen Gehör schenken, die sich vielfach bemerkbar mach>ui. Diese Bangigkeit wird vielleicht noch erhöht werden, weil der Gencralquarticrmeistcr bekanntgegeben hat, datz unsere Truppen im Osten vor den cindringenden Russen zn- rückgenommen worden sind und der Feind bereits bi? Insterburg vorgedrungen ist. Hat gar nichts zu sagen I Wie unsere Heeresleitung den Feind im Obereisah und in Lothringen hat herankommen lassen, uni ihn dann umso sirberer zu zermalmen, so wird es wohl auch den Russen ergehen: die durchaus zuvrrsichtlichc Stimmung, die ruhige und feste Sprache, in der die amtliche Mitteilung gehalten ist, bürgt uns für den vollen Erfolg.
Wir wollen und können den koimnenden Ereignissen mit voller Zuversicht entgegensehcn. Zu unserem braven Heere »nd dessen vortrefflicher Leitung dürfen wir das restloseste Vertrauen hegen. Sie haben uns in der kurzen Zeitspinne, da der Krieg entbrannt ist, so herrliche Erfolge gebracht, datz es geradezu freventlich ist, noch mehr zu verlangen. Ueber die Kraft kann Keiner, auch nicht der Tapferste, streiten. Was geleistet werden konnte, das haben unsere wackeren Krieger getan und dafür und für ihre Erfolge ist ihnen der höchste Tank des ganzen Vaterlandes gewitz.
Deshalb freuen wir uns der Siege und vertrauen wei- terhin ans unsere Kraft und aus unsere gerechte Sache. Man höre nicht aus die unheimlichen Unkenrufe, die ans düsteren Ecken heraustönen. Es ist unseres Volkes, das sich in seiner Größe so herrlich offenbart hat, unwürdig, datz es sich dadurch beeinflussen läßt. Was ist in den Tagen des Sieges alles von den Kopfhängern erzählt worden. Da sollte Brüssel von den Feinden wieder genommen sein, in Belsort seien Tausende von deutschen Gefangenen untergc- bracht, die als Zielscheiben gegen die belagernden Deutschen ausgestellt seien, bei Toni seien 5000, oder waren es gar 10,000 Deutsche in eine französische Falle gerat::- usw. Ein ander Mal soll das 171. Regiment total ausgerieben worden sein: die Nummer de? betreffenden Regiments wechselt nach dessen Standort, in Friedberg ist es natürlich das 106. Kurz cs ist kein Unsinn zu groß, daß er nicht verbreitet wird. Aus die Erkundigung, woher denn diese Botschaft käme, erfolgte dann mit geheimnisvoller Miene die Antwort: Ich habe Einen gesprochen, der hat's von Einem gehört, der mit Einem gesprochen hat, der beinahe an der Grenze gewesen ist.
Fort in unserer großen Zeit mit diesem häßlichen Nrb.'n- gekrächze. Mahr sind allein die Hellen und aufrichtigen Worte die von unserer HrercSlcitung kommcn. Diese Wahrheit lehrt uns, datz unsere Krieger deS Geistes der Kämpfer von 1870— 71 würdig sind, sie haben in der größten Schlacht, iie je ans Erden stattgesunden hat, den Feind geworfen, sie halten ihn fest umkrallt und sie werden den Krieg znm sieg- reichen Ende führen. Und sollte auch mehr wie der halbe Erdball gegen »ns stehen, unsere mutbeseelten Truppen werden die Wahrheit des Verses beweisen:
Und daß. wenn Deutschland einig blieb Es eine Welt in Stücken hieb.
Telegramme
des Kronprinzen.
Auitliches Telegramni.
Berlin, 24. Angnst. Ter Kronprinz hat den irntcr seiner Führung erfochtenen Sieg über dis Franzosen bei Longwh der Kronprin zcssin telcgraphisch wie folgt bekannt gegeben: Armee glänzenden Sieg erfochten, Franzosen teilweise fluchtartig znrükk. (Frühe.Wilhelm.
Ferner hat der Kronprin; tut den
König von W ü r t t c ni b e r g folgendes Telegramm gerichtet:
B. llständiger Sieg. l.i. (württembcr- gischeö) Korps bewunderungswürdig geschlagen ; bin stolz, solche Truppen unter ineinem Kommando zu haben.
Tas württembergische (»-cncralko-n- inando gibt in, Anschlnsz a!l das Telegramm des deutschen Kronprinzen bekannt, das; von den würltenkbergischc«, Truppen Abteilungen in» Berbande unter Führung des deutsche» Kronprinzen ak» der» errungenen Lieg glorreichen Anteil genommen haben.
Oesterreich kämpft
in Kiantfchan mit.
Amtliches Telegramm.
Berlin, 24. Aug. <W. TB) Ter' kaiserliche und königliche österreichisch-ungarische Botschafter hat heute dem Answärtigen Amt folgende Mitteilung gemacht:
„In» allerhöchste» Aufträge ergeht an das Kommando Seiner M a j c st ä t Schiff „tt aiserin E lisabet h" in Tsingtau, sowie an den kaiserlichen und königlichen Botschafter in Tokio der Befehl, das; die „Kaiserin Elisabeth" i n Tsingtau in itzn kä m pf cn habe.
üerpjdltipnd des dkutjchk» KkjlWsIriigkrs in Taiigkl.
Amtliches Telegramm.
Berlin, 24. Aug. (W. T. B.) Laut einer eben ans Palcruiu ciiitrefscudr» Trahtiuclduug des kniscrlicheu Geschäfts trägcrs i» Tanger hat diesem die marokkanische Re. gicruug am 19. August seine Pässe zugcstcllt und ihn >ut dem gcsaiutei, Personal der Gesandlschast überraschend »nd gewaltsam an Bord des sranzösischcn Kreuzers geschasst, »m sic nach Palermo z» tranSpvrticreii. Diese, brutale Ucbcrsall in der Hauptstadt der internationalen Zone Marokko, in der die diplomatischen Vertreter der Tig- natnrmächtc der Algccirasaktc noch heute die Kontrolle der Regierung nuoübc», bedeutet seitens Marokkos und Frank- rcichs einen derartig unerhörten Bruch des Völkerrechts, wie er in der Geschichte ärger kaum vorgckommen sein bürfic Datz dieser Gcwaltstrcich nur mit Zustimmung Englands möglich >var, versteht sich bei der Lage Gibraltars von selbst, desselben England, das seine Kriegserklärung gegen »ns mit dem Eintreten für die Unverletzlichkeit internationaler Vertrüge beschönigt hat.
Wie die Franzosen siegen.
Amtliches Telegramm.
Paris, 24. Aug. (W. T. B.) Ein Eommunique vom 23. d. M!s., 11 Uhr abends besagt:
In den Vogesen hat uns die allgemeine Lage bestimmt, die Truppen vom Tonon und von dem Hügel bei Saales zurückzu,-:hmen, obwohl die Punkte nicht angegriffen wor- den sind. Bei Namur mackien die Deutschen große Anstrengungen gegen die Forts, die energischen Widerstand leisten. Tie Forts von Lüttich leisten ebenfalls noch Widerstand. sEinc dreiste bewußte Lüge! Wolss-Bureau.) Tie belgische Armee ist vollständig im befestigten Lager von Ant- loerpe» konzentriert. Ein gröherer Kamps spielt sich ans der ganzen Linie von Mons bis zur luxemburgischen Grenze ab. Unsere Truppen drängen überall zur Offensive und gehen überall gemeinschaftlich mit der englischen Armee vor. Anaeiiiblä der Ansdcbnuna der Front und der Stärke der


