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damit noch nicht Ernst gemacht), um für de« Fall, bafc der Krieg längere Dauer habe« sollte, die Verpflegung Deutschlands zu unterbinden Man meint in England, daß dies zur Folge haben werde, daß die deutsche Flotte genötigt wird, die Offensive zu ergreifen und unter weit ungünstigeren Bedingungen den Enffcheidungskampf zu wogen. Der Erfolg dieser Absichten wird allerdings davon abhöngen, was Deutschland zur See selber vor bat. Die englischen Pläne sind ja sehr schön — wenn bloß die böse deutsche Flotte nicht wäre!
Im übrigen haben sie viel Wahrscheinlichkeit für sich. Das bisherige Verhalten von Englands Flotte spricht dafür. Taniit wäre das stolze Albion glücklich auf die Tiefe eine? Sccräuberstaales angclangt. Wie einst die Berberstaatcn an der Nordküstc Afrikas jahrhundertelang von Seeranb gelebt »nd das ganze Mittclmccr unsicher gemacht haben, lis Europas Völker sich zum Strafgericht aufgcraflt haben, so lauern heute Englands Dreadnoughts im Kanal auf iried- liche Handelsschiffe, geht aber den feindlichen Kriegsschiffen iäuberlich aus dem Wege, weil Vorsicht der bessere Teil der Tapferkeit ist.
Deutsche Verluste.
Eine Zusammenstellung der bisher erschienenen fünf Verlustlisten gibt folgendes Bild:
Tote:
1.
Verlustliste
1 Offiziere
28 Mannschaften
2
25 „
24
3.
6 ..
144
4.
1 ..
32
33 Osfiziere
268 Mannschaften
V «rwun d etr:
1.
Verlustliste
2 Osfiziere
27 Mannschaften
2.
- „
44
3.
IC ..
308
4.
7 ..
97
5.
„
11
147
36 Offiziere
623 Mannschaften
Vermißt und Gesängen:
1.
Verlustliste
— Offiziere
7 Mannschaften
2.
tt
2 „
11
3.
—
135
4.
—
97
5.
,»
— „
66
2 Offiziere 316 Mannschaften
Der Cesamtoerlust, den die fünf Verlustlisten verzeichnen, beläuft sich demnach aus 301 Tote, 659 Verwundete und 318 Vermißte.
Milche Kkwnndtniny für das Mk in Waffe».
In der angesehenen Kopenhagen«!: Zeitung „Berlingske Tidende" gibt ihr zurzeit in Berlin weilender Chefredakteuer Soenn Pouljen eine Schilderung über das bewaffnete Deutschland. worin es heißt:
„Alles hat gellappi! Fünf, sechs, sieben, vielleicht acht Millionen Männer — nur die obersten Führer kennen die genaue Zahl — stehen heute nach knapp einer Woche durch alles beherrschende intensive Arbeit bereit zum Kampf gegen den Feind im Osten und Westen, voll gerüstet mit den besten Magazingewehren und Schnellseuerkanonen, gekleidet in nagelneue starke Monturen, mit soliden Stieseln, mit Train und Magazinen, gefüllt mit Lebensmitteln, mit Acrzten, Canitatskorps, imstande, monatelangc Strapazen, Krankheiten und Vcrwun- »ungen Widerstand leisten.
Und hinter diesen Millionen Soldaten steht ein gesamtes einiges Volk, wo Männer und Frauen wetteifern, jedes Opfer zu bringen und sich bereitwillig allen Entbehrunzen für die gemeinsame Cache unterziehen, wo Greise und Binder ihre schwachen Kräfte anbieten, wo Knaben die Arbeit ,on Männern leisten und 70- bis 80 jährige wieder jung werten.
Für einen Fremden, einen Ausländer, der mit so kühler Kuh« und mit so objektivem Blick wie nur möglich dieses welthistorisch« Riesenschauspiel betrachtet, wird es mit jedem Tag, der vergeht, mehr und mehr überwältigend.
Es ist wie ein Gebirge, dar sich über das ganze Gefühl legt. Ein »ugehrures Gewicht, das in die Knie zwingt. Man muh all diese kleinen Züge vermerken, die sich in einem Volke ereignen, das zum Kamps« geht, tief überzeugt davon, daß es für eine gerechte Sache kämpft und daß es in den Krieg zieht als Wächter der europäischen Kultur, daß es Leib und Leben und große Reichtümer, die mit jahrelangem Fleiß und Sparsamkeit zusammengetragen sind, opfert, um die Barbaren des Ostens auszuhalten.
Auf der langen Eisenbahnfahrt von Vamdrup über Hamburg nach Berlin Hab« ich. buchstäblich gesagt, nicht ein einzi- zes nervöses oder scheuender Wort von irgendeinem Eisen- iahnbcamten gehört, nicht einmal ein aufgeregtes Gesicht ge- hlhen. Ruhe, Aufmerksamkeit und Zuverlässigkeit überall, ja, -hgar noch Zeit zur Höflichkeit für Zivilpersonen. Die dcut- Khen Eisenbahner haben ihre Feuerprobe bestanden.
Mehr und mehr Soldaten kommen in den Zug herein, je sittlicher wir kommen. Wir haben gehört, daß Zivilpersonen zintcr dem Militär zurückstehcn mästen in allen Mobilmach- ungszügen und daß wir riskieren könnten, zu warten. Doch davon war keine Rede. Die deutschen Landoffizicre und die zahlreichen deutschen Ceeosiiziere sind so entgegenkommend wie möglich. Viele stehen aus, damit andere darunter mehrere Däninnen, fitzen können.
Auf der ganzen Reise von Vaindrup nach Berlin habe ich keinen Betrunkenen gesehen. Dies ist auch charakteristisch. Es ist Sportsgeist in das deutsche Volk in den letzten Jahren gekommen. Spät am Nachmittag kam der Zug auf dem Lehrter Babnhof an, und ich fand Berlin beim ersten Anblick ganz ge
wöhnlich. Der gleiche, vortrefflich geordnete Verkehr, Auto- mobrlomnibuste. Straßenbahnwagen, viel« Automobil«, der Verkehr Unter de» Linde« und in der Friedrichstraße. Hätte man nicht gewußt, daß sich Deutschland in einem großen Krieg mit drei großen Völkern befindet, hätte man e» nicht aus dem Berliner Aussehen entnehmen können. Aber unter dieser dieser äußeren Ruh« brennt und kocht er." j ./—
An die Waffenbrüder!
Melodie: Laßt tönen laut mit hohem Sang usw.
Aus! Auf Du deutsche Bruderschar I Nimm die Waffe ftisch zur Hand.
Nach vierundvierzig Friedensjahr'
Ruft uns das Vaterland.
In West, in Ost und auch in Nord'
Droht uns der Feinde Neid:
Eie kommen an in wilder Hord Auf! Brüder, noch ists Zeit.
Schon fallen sie in Deutschland ein,
Bevor der Krieg erklärt,
Und schielen nach dem deutschen Rhein,
Drum Brüder, faßt das Schwert.
Die Friedensengel spielen noch.
Obgleich mobil ihr Heer,
Franzosen am Vogescnloch Und England auf dem Meer.
Auch Rußland flunkert uns was vor Und zieht gen uns ins Feld,
Jedoch der Deutsche ist kein Tor,
Er kennt die Lag' der Welt.
Wir dulden nicht solch' eine Schmach In dieser ernsten Zeit,
Mag kommen, was da kommen mag,
Mit Gott! wir sind bereit!
Uns schrecket nicht das Kriegsgeschrei Der wilden Welsenschar,
Und senden sie ihr tödlich Blei Zn unsere Reihen gar.
Dringt in die Brust die Kugel ein,
Dann sterben wir als Held!
Wir Deutsch« fürchten Gott allein.
Sonst niemand aus der Welt!
E. A m o s, Unterosfistcnt.
Ans der Heimat.
• Holzhausen «. d. H., 24. August. Zn der Gemeinde Holz- hausen hat die Tätigkeit für'» Rote Kreuz wie in allen anderen Gemeinden eingesetzt. Ein besonders erfreuliche» Tun und Treiben zeigt eine große Schar von Schulmädchen, di« sich jeden Nachmittag im Pfarrhos versammeln und dort unter hellklingenden Gottes- und Vaterlandsliedern mit regem Eifer Pulswärmer, Strümpfe und Leibbinden stricken. Einig« Ivjährig« Mädchen chs-ben in S Tagen je drei Paar Pulswärmer gestrickt so daß schon säst 100 Paar fertig gestellt sind. Ehre den fleißigen Mädchen, die auch etwas sür's Vaterland tun wollen.
* Petterweil, 24. August. Ein« Sammlung zu Gunsten des Roten Kreuzes ergab in unserem kleinen Orte die stattliche Summ« von annähernd 800 Mark. Man hofft durch weitere Spenden die Summe auf Ivvv Mark zu erhöhen. Ein hübsches Zeichen echt vaterländischer Gesinnung.
* GeißRidda, 23. Aug. Bei der Sammlung für dos Note Kreuz sind in unserer Gemeinde etwa 1500 Mk. e:»ge- gangen. Wenn man bedenkt, daß wir nur eine kleine Gemeinde find, so kann man getrost sagen, daß sie doch, was vaterländische Opferfrcudigkeit anbetrifft, von keiner anderen Lbertroffen wurde.
* Frankfurt o. M-, 23. Aug. (Polizeistunde 12 Uhr.)
Las stellvertretende Generalkommando des 18. Armeeko^-s gibt bekannt: Die für alle Gast- und Schankwirtschaften auf 11 Uhr festgesetzte Polizeistunde wird hiermit auf zwölf Uhr verlängert. Ausgenommen sind die Wirtschitfen für die vor dem Kriege die Polizeistunde auf 11 Uhr festgesetzt war. Zuwiderhandlungen ziehen die Schließung der Wirtschaft nach sich. •“* " •„>
Aus dem Kreise Hanau.
* Erbstadt, 22. Aug. Der Geist der Opfcrsreudigkeit, der in der jetzigen traurigen »nd schweren Kriegszcit die Herzen aller Deutschen in allen Gauen unseres lieben Vaterlandes ergreift — hat auch in unserem Dörflcin durch einen Sammclbetrag von Geldern eine Blüte gezeitigt, die alle Anerkennung verdient. Die von einem Komitee fürs Rote Kreuz, und die hilfsbedürftigen Familien des Ortes veranstaltete Sammlung brachte in wenigen Tagen die nicht unbedeutende Sumnre von 1284 Mk. zusammen von welcher in Kürze der Verwaltung des Roten Kreuzes ein großer Teil zugehen wird. Von einigermaßen gutsituierten Familien wurden zur Freude der Sammler Beträge von 20—50 Mk. von einer Familie sogar 200 Mk. gezeichnet und event. sofort gegeben auch die wenigen bemittelten Ortseinwohner bezeugten durch ihre Beiträge außerordentliche Opferfrmdig- keit und Hingabe fürs teure liebe Vaterland. Endlich sei noch erwähnt, daß auch die Gemeinde selbst und alle hier bestehende« Vereine sich noch mit Spenden, soweit cs die Kassen erlauben — sich beteiligen werden event, schon ke- keiligt haben'. Auch die von einem Frauenkomitee in die Wege geleitete Sammlung von Materialleistungen der Frauen des Ortes an Kaffee, Kakao, Eier, Zigarren und Zigaretten, Wurst und Fleischwaren usw. ergab durch gute Anregung der Komiteefrauen und Mädchen einen derartige» Vorrat, daß c? dem Dörfchen alle Ehre macht. Diese Sammlung und 131 Mk. vom Vaterländischen Frauenverein konnten bereits mit Dank an die leitenden Stellen abgrlicfert werden. So ists recht so muß es sein. Hierorts nochmals Dank allen Gebern. Dank auch vom Personal der Sammcl- stellc zu Hanau. Die Gemeindevertretung, alle Ortsbürgcr und alle bestehenden Vereine der Gemeinde Möge in der
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schweren Zeit auch fernerhin das alte kernige, deutsche Sprichioort beherzigen:
Hast Du genug und Ileberfluß
Denk auch an den der darben muß!
Hcsicn-Nassa».
* Schmitten i. T-, 24. August. Am gestrigen Sonntag konn. ten Herr Schuhmachermeister Konrad Schütz und seine Ehefrau Henriette geb, Reinhardt im Kreise ihrer Kinder und vieler Enkel in ungebrochener körperlicher »Nb geistiger Frische das Fest der goldenen Hochzeit begehen. Der Jubilar ist 78 und die Jubilarin 74 Jahre alt. Als die Glocken zur Kirche lauteten, bewegte sich unter Vorantritt des ehrwürdige,l Paares die zahlreich versammelte Gemeinde nach der Kirche, wo der Pfarrer mit schlichten zu Herzen gehenden 'Worten das Paar segnete. Herr Schuhmachermeister Schütz war früher in Biidcsbeim ansässig und ist der Vater des in der ganzen Wetterau bekannten und beliebte» Gastwirts L, Schutz v. Jäger Hörnchen in Friedberg i, h,
* Wiesbaden, 22. August. Von der Maul- »nd Klauenseuche war im Regierungsbezirk Wiesbaden gestern »och bcttofscn im Landkreise Wiesbaden in Biebrich ei» Gehöft. In den Grenz, gebieten des Bezirks herrscht diese Geißel der Landwirte noch in den Kreisen Dieburg, Erbach, Heppenheim, Ossenbach, Fried- berg, Mainz, Alzey und Bingen,
* Wiesbaden, 22. August. Der 11 Jahre alte Schüler Friedrich Mergel stürzte vom Dache des Hauses Dieichstraße 3«. Mit einem Bruch des rechten Armes und schweren inneren Verletzungen kam er ins Stdätische Krankenhaus.
* Bon der Jagd, Der Bezirksausschuß für den Regierungsbezirk Wiesbaden beschloß, die Rebhühnerjagb in diesem Jahre nicht vor Ablauf der Schonzeit aufgehen zu lasten, sondern noch Ablaus der gesetzlichen Schonzeit. In einem großen Teile des Regierungsbezirks Wiesbaden, der zur Festung Münz gehör' ist die Ausübung der Jagd untersagt.
Starkenburg.
* Darmstadt, 24. August, lieber vierhundert Gefangene aus Frankreich von verschiedenen Regimentern und aus allen Waffengattungen wurden vorgestern von Rastatt unter Be gleitung von Landsturmmannschaft des Bad. Jnj.-Regts. Rr. 111 hier eingebracht. Es waren auch zahlreiche Verwundete darunter, von denen viele sosort in das Lazarett gebracht werden mußten. Sie machen, wie auch schon die früheren Trans Porte keinen sehr günstigen Eindruck. Einzelne haben den Begleitmannschaften erzählt, daß sie Hausen von jranzojijche» Lei chen gesehen haben, besonders bei Schirineck, über die sie hin. wegsteigen mußten. Deutsche Tote haben sie wenig gesehen.
Aus Rheinhestcn.
* Aus Rheinhessen, 23. Aug. (Schwere Uuwetlcr.) lieber einen großen Teil des rheinhessisck^n Weinlande? ging gestern nachmittag ein furchtbare? Hagelwetter. begleitet von hcffigen Gewittern, nieder. Ter berühmte 'stier- steiner Weinberg bot durch den niedergegangencn H-i.iel- schlag ein winterliches Bild und auch hinter den Bergen waren weite Fluren weiß, wie von Schnee bedecki. Wie die „Niersteincr Warte" berichtet, setzte der dem Hagelschkge folgende wolkenbruchartige Regen die Straße» Nierst:-»? fußhoch unter Wasser, sodaß dieses in die Keller der Häuser kindrang. In Gärten und Feldern zeigte sich eiu euts- lichcs Bild der Zerstörung, namentlich litten die st? '
Der Schaden ist sehr beträchtlich.
Eilige! andt.
(Für Artikel unler dieser Rubrik übernimm! die Schiiftleftung nur die preßgesetzliche Verantwortung).
Friedberg, 24. August. Warum bezahlen die Leute ihr» Rechnungen nicht, trotz aller Ausrufe, Bitten und Vorstellungen der Zeitungen: besonders diejenigen, welche täglich Geld ein- nehmen, wie Metzger, Wirte, Bäcker usw. Die Landwirte, welche jetzt ihre Produfte gut verwerten und nur gegen bdr verlaufen, die Beamtenschaft, deren Gehälter weiter laufen und die der Zukunst mit Ruhe entgcgensehe» können. Es ist anzuerkennen, daß man sich für das Vaterland opsert durck- sreiwilligen Beitritt zum Heeresdienst und zur Beihitse beim Roten Kreuz und anderen guten Einrichtungen für unsere Helden im Felde, aber man darf auch darüber nicht die nächsten Pslichten vergehen. Hoffentlich tragen diese Zeilen dazu bei daß mancher seine alten und neuen Papiere einmal durchsieht, ob er nicht auch bei denjenigen ist, welche hier im Rückstände sind und noch etwas zu begleichen haben.
Mehrere Handwerker.
Frankfurter Wetterbericht.
Vorausjage: Heiter, trocken, tagsüber warm, östliche bi»
südöstliche Winde.
Bekanntmachung.
Dm 25. August 1914, lg llhr vormittags, findet in Friedberg, Burgplatz, Lanbsturm-Kontrolluersammlung statt.
Hierbei haben zu erscheinen sämtliche zum Kontrollbezirk Friedberg gehörenden Mannschaften des Landsturm II, Aufgebots folgender Waffengattungen:
Jäger, Maschinengewehrtruppen, Kavallerie, Feldartillerie, Fußartillerie, Pioniere, Eiscndahntruppen, Tele- graphentruppcn, Lustschissertruppen, Train, Sanitätspersonal, Veterinärpersonal, Oelonomiehandwerker und Arbeitssoldaten,
Sämtliche Mannschaften haben rechtzeitig an Ort und
Stelle zu sein.
Bezirkskommando Friedberg.
von Branconi,
Major a, D. und stellv, Bezirkskommanbeur,
Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!. Friedberg: für den Anzeigenteil: K. S ch in i d t, Friedberg. Druck und Verlag der „Renen Tageszeitung", A. G.. Friedbera t. 2.


