Urrmmer 196
Samstag, den 22. August 11)14.
7. Jalsrgang
. • r.age«,e>t»»g ciichemt irden Weiltag. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer an» Hellen", „Sie Hpinnllubc". Krnigoprei«: Bei den Postanstalteu viertel,öhrlich Mk. I,nb
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Eine Niesenschlacht in Lothringen
Lieg ans der ganzen Linie! — Flucht der Franzosen. — 10000 Gcfamicrrc gemacht und mehr
als 50 Geschütze erbeutet. — Rückzug der Russen.
Die Siegesbotschaft.
Amtliches Telegramm, ücrlin, 21. Aug. (SB. T. B.) Unter Führung Seiner Königlichrn Hoheit des Kronprinzen von Bayer» haben Truppen aller deutschen Stämmr gestern in Schlachte» zwi- scheu Metz und de» Vogrsen einen Sieg rrkämpst. Ter mit starken Kräften in Lothringen nordringende Feind wurde auf der ganzen Linie unter schweren Verlusten geworfen. Viele Tausend Gefangene und zahlreiche Geschütze sind ihm abgeuvinmen worden. Ter Gesamtersolg läßt stch noch nicht übersehen, da das Schlachtfeld einen größeren Raum einnimmt als in den Kämpfen von 1870 — 71 untere gesamte Armee in Anspruch nahm. Unsere Truppen, beseelt von dem unaufhaltsamen Drang nach vorwärts, folgen dem Feind und fetzen den Kampf auch heute fort.
Flucht der Franzosen.
Berlin, 22. Slug. 3 Uhr. Tie von «nsercn Truppen zwischen Met; nnd den Vogesen geschlagenen französischen Streit kräfte sind heute verfolgt worden. Ter Rückzug der Franzosen artete in Flucht ans. Bisher sind m c h r als tO,ttOO(Hefangcne gemacht und mindestens 5 0 (4 e s ch ü t; e erobert worden. Tic Stärke der gesamten feindlichen Kräfte wird ans mehr als acht Armeekorps geschätzt.
Nimm' Gottes Lohn! Habe Dank, Gesell I Das war ein Klang, der das Herz erfreut!
Gestern die Botsehast von der Einnahme von Lüttich u. ljcutc die so sehnlich erwartete Nachricht von dem Siege in einer grasten Feloschlacht. So mußte es kommen nnd so wird et, weiter gehen. Die größte Schlacht, die bisher auf europäischem Boden geschlagen wurde, ist von den Deutschen siegreich bestanden worden.
Unsere Heeresleitung hat bis jetzt ihre Aufgabe waeker erfüllt. Wo sich der Feind verleiten ließ, unsere Truppen anzugreifen, da wurde er mit blutigen Köpfen heinigeschiikt. Geschah' dies bisher in verhältnismäßig kleineren Treffen, die ohne Ausnahme m. dem Siege d. deutschen Waffen geendet haben, so ist jetzt der Sieg in einer Feldschlacht erfochten worden, die eine ungeheuere Ausdehnung angenommen hat. Wenn auch die Meldung, daß die Schlacht eine Ausdehnung von iiber 100 Kilometer gehabt habe, sich aus keinerlei amtlicher Angabe stützt, und wohl lediglich Reporter-Fantasie entsprungen ist, so sagt doch der amtliche Bericht, daß daS Schlachtfeld einen größeren Raun, eingenommen habe, als in den Kämpfen von 1870—71 unsere ganze Armee in Anspruch genommen habe.
Unter Führung des Kronprinzen Rupprecht von Bayern wurde der Siegespreis geholt und alle deutschen Stämme haben daran teilgcnomiuen.
Tic deutsche Einheit ist auf dem Schlachtfeld geichmiedet worden, aus dem Schlachtfeld wird sie auch weiterhin fest gekittet. Beserlt von drm unaushaltbarrn Drang nach vor- wärtS, so lobt der Bericktt unsere tapferen Krieger. Wer sie hinaus hat ziehen sehen ins Feld, der wußte, daß es so kommen und daß cs für unsere Soldaten lein Zurück geben werde.
Sonst zeichnet sich die amtliche Meldung durch i!ire knappe Form und die schlichte, bcicheidene Sprache aus, die wir bei ihr gewohnt sind. Im Gegensatz zu unteren Feinden tut unsere Heeresleititng nicht groß, sie 1.-. nicht die Siege nicht aus, sondern wägt vorsichtig ab nnd verössc-.-ltchi den vollen Erfolg erst dann, wenn er vollständig sicher sieht. So ist auch aus der vorliegenden Meldung zu er.ine'ituen, dag der Sieg von weit größerer Dedeutung isl, o>S dte knappe Meldung erkennen läßt.
Die Schlacht ist abermals ans deutschem Boden geschla- gen worden, eine weitsichtige Maßnahme unserer Heeresverwaltung. Würden wir mit bedeutet -. en knallen nach Ft.'M- reich htnübergestoßcn sein, io sänden wir den Tycmb t . schwächt und gedeckt durch den starken Gürte! je '.er Forts ».
Festungen. So aber trifft er uns wohlvorbereitet auf unserem Gebiete, er wird geworfen, verfolgt und kommt-geschlagen und zerrüttet in das Bereich seiner schützenden Kanoaen- seine Widerstandskraft ist also bedeutend erschüttert.
So hat sich denn das feste Dertranen, mit dem wir i 11 den Kampf gezogen sind, bis jetzt, vollauf bewährt nnd wir wissen, daß der Sieg sich auch fernerhin an unsere Fahnen heften wird:
(4ott mit uns!
Die Aufnahme der Ziegesbollchaft in IlorD und M.
Berlin, 21. August. Die Nachricht von dem großen Siege der Deutschen bei Metz hat in der Bevölkerung ungeheuren Jubel hervorgernfen. Alle Lssentlichen und zahlreich« private Gebäude und Geschäfte haben geflaggt. Neben der deutschen Reichsflagge sieht man viele österreichische, bayerische und preußische Fahnen. Gegen Abend durchzogen größere Trupps unter Absingen patriotischer Lieder die Straßen. Zur Siegesfeier fällt am morgigen Samstag der Schulunterricht aus.
München, 21. August. Die Kunde von den großen Siegen, welche unsere tapferen Truppen unter der Führung des Kronprinzen Rupprecht von Bayern gestern erfochten haben, rief bei der Bevölkerung eine große Begeisterung hervor. Tausende zogen zum Wittelsbacher Palais, um dem König ihre Huldigungen darzubringen. Der König dankte herzlich für die Ovationen. „Ich bin stolz", so fuhr der König fort, „daß mein Sohn an der Spitze seiner tapferen Truppen so schöne Erfolge errungen hat. Das ist aber erst der Anfang. Wir haben noch schwere Kämpfe vor uns. Ich vertraue aus die Tüchtigkeit des deutschen Heeres, daß es auch diese überwinden wird, mögen auch der Feinde noch so viele sein." Die Menge erwiderte mit brausenden Hochrufen aus das Königspaar, den Kronprinzen, den Deutschen Kaiser und den Kaiser von Oesterreich.
Grfol«zc im Osten.
Berlin, 21. Aug. Wie die Abendblätter aus Thorn melden, gelang es in der Gegend hinter NieSzawa den deutschen Truppen, 16 russische Gendarmerie- und Polizeibe- amte, die mit der Aushebung von Militärpersonen beschäftigt waren, gefangen z>> nehmen. Die Leute wurden als Keiegsgefangene hier eingeliesert und eine Nacht im Ge- fätignis untergebracht. Dann erfolgte ihr Weitertransport nach dcm Artillerieschießplatz Hammerstein.
In Lyl wurde vor einigen Tagen ein russisches Flug- zeug mit Erfolg beschossen. Es fuhr über unsere Stadt und die Insassen warfen Bomben herunter, die aber keinen Schaden anrichtcten. Die deutsche Infanterie überschüttete die Flieger mit heftigem Gcivehrscuer. Dabei wurde ein Flügel des Propellers abgcschossen, worauf der Apparat in den Wald stürzte. Kavallerie ritt sofort nach und fand bas Flugzeug. Der ritte russische Offizier war erschossen, der »nitre halte sich beim Absturz daS Genick gebrochen.
Die Ostsee ist frei vom Feinde.
Berlin, 21. Slug. <W. SB.) Tie Ostsee ist frei! Wiederholte Rekognoszierungen unserer Serstreitkräste bis hinaus zum finnischen Meerbusen baden den Beweis erbracht, daß in der Ostsee kein feindliches Fahrzeug zu sehen ist. Ter neutralen Schisiahrt droht also auch in der Ostsee südlich von dem finnischen Meerbusen keine Gefahr.
Siege Oesterreichs.
Krakau, 21. Aug. „Czas" meldet: Mehrere in daS Militärspital eingebrachte Verwundete des Olmützer Jns-tn» tcrieregimeitts erzählen, daß bei Krasnik unweit von Kieler eine Schlacht stattgesunden habe, in der der dreifach überlegene Feind von den österreichischen Truppen geschlagen worden sei.
Budapest, 21. Aug. DaS Blatt „Az-Est" meldet aus E; tnowitz: Tie Russen machten mehrere Versuche, über die Grenze der Bukowina vorzudriugkn. Alle dieie Versttche wurden von ttnlercn Truppen energisch zurückgeschlagen. Be'ouderj zwischen Rowo-Sielitza und Okna erlitten die Siiricu schwere Verluste. Unsere Truppen besetzten das Gellt zwischen Noleo-Sielitza, Balamukovka und Rahavenzh nnd zerstörten bei Olita die Telegraphenleitungen sowie das russische Postgebäude. Tie Russen versuchten an mehreren Punkten, das Vordringen unserer Truppen zu verhindern, wurden jedoch stets mit aroßen Verlusten zurückgedränge-
Revolution im Kaukasus.
Wir», 21. Aug. Tie „Südslawische Ksreeft'.md.ilz" meldet aus Koustantinopel: Ter Aufstand im Kaukasus gegen Rußland hat sich zu einer vollrn Revolution rntwickclt. Seit Tagen finden blutige Kämpfe zwischen den Aufstäud- ischen und den treu gebliebenen russischen Trnppcti stall. Tee Verlauf der Ereignisse im Kaukasus und au der Grenze wird in türkischen Regiernngskreisen mit zunehmender Ult- ruhe verfolgt. Abordnungen der kaukasischen Grenzorte er- scheinen bei den türkischen Trnppenkommandantcn ,t. bitten »m den Einmarsch der türkischen Armee. Die Lage beginnt unhaltbar zu werden.
tfiü rillßlchtk ssransportdampfkr mit 4000 Söldlitkn gklunkln.
Berlin, 2l. August. Die heute hier eingetrosfetwn Wiener Blätter bringen Konstantinopeler Meldungen: ei» russischer Transportdampfer mit Munition und 1600 Sol- baten an Bord fließ ans eine Mine und ist untergegangen. Die meisten Soldaten sind ertrunken.
Piiliik in Krüssel vor drin ssinrug der veiitiche».
Amsterdam, 21. Aug. Fast bis zum letzten Augenblick wußte man in Brüssel, wo man nicht an den Fall Lüttichs glaubte, das Hcranrückeu der Deutschen zu verheimlichen, was die Konsternation umso größer machie, als vorgestern Nacht drei Uhr Bürgermeister Max die bereits telegraphierte Proklamation anschlagen ließ, in der die Bürger ncch ausgefordert werden, sich jeder Feindseligkeit und jeden Wassengebrauchs zu enthalten. Auch werden die Bürger aufgesordert, jede Auskunft über belgische Truppen zu verweigern und sich vor Spionen und Agenten zu hüten. Das Privateigentum und Leben der Bürger, die religiöse und philosophische Ueberzcugung müsse der Feind gemäß den Gesetzen in Ehren halten. So lange er (der Bürgermeister) lebe, werde er mit aller Kraft die Bürger beschützen. Diese Proklamation wirlte wie ein Donnerschlag, und die Flucht zahlreicher Bürger nach Eent und den umliegenden Orten begann.
Um II Uhr gestern früh zogen die ersten deutschen Kavallerieabteilungen an der Porte de Louvain ein. Bürgermeister Max war den deutschen Truppen entgegen gegangen und ließ bei ihrer Ankunft die weiße Flagge Hochziehen. Der kommandierende deutsche Offizier trat vor, unterhielt sich einige Augenblicke freundlich mit dem Bürgermeister und gab die absolute Versicherung ab, daß der Stadt keinerlei Leids geschehe, solange sie sich still halte und vor jeder Feindseligkeit absehe.
Beim Näherriicken aus Brüffcl bemächtigte sich der Einwohner der benachbarten Orte ein furchtbarer Schreck. Die Landstraßen waren voll Wagen, bepackt mit Menschen und Hausgerät, die Brüssel zustrebten. Die Panik war derart, daß ein englischer Kinophotograph Entsetzen und Geheul hervorrief. als er seinen Apparat aus die Flüchtenden richtete, da sic an- nahmen, cs sei eine Mitrailleuse.
Der Korrespondent des „Nieuwe Rottcrdamsche Eourant", dem es geglückt ist, Nachrichten hierher zu bringen, sagt, daß in Brüssel eine große Zahl englischer Korrespondenten weilt, die seit Tagen keine einzige Nachricht befördern konnten. Die englischen Journalisten streben Ostende zu. Brüslcl ist wie a u s g c st o r b e n, die sonst gedrängt volle Geschästsader. der Boulevard Anspach, still wie ein Friedhof. Große Angst herrschte, daß für die Zerstörnng einiger deutscher Restaurants und Eelchästshöuser Strasmaßregeln genommen würden. Die Barrikaden, die von der Bürzergarde in den letzten Tagen erstellt wurden und die Stacheldrahtsperren wurden von den Bürgern in aller Eile entfernt, da der vcrstöndige Besehl gekommen war, eine zwecklose Verteidigung der ossenen Stadt auf zugcben.
Dir Lklliilimnlihiiit des Kmmu-autkil m\
Mich.
Aachen, 13. Aug. Ueber die Gefangennahme des Generals L e m a N . des v-tjöhrigen Kouimandanten der Festung Lüttich, berichtet die „Aachener Post": Bon den stürmenden
deutschen Truppen wurde er halbcrstickt unter den Trümmern des zusanintcngeschosiencn Forts ausgcsunden und in Sicherheit gebracht. Die deutschen Offiziere nahmen sich seiner in der ka meradlchaftlichsten Weise an und labten ihn mit den ihnen zur Hand besinblichen Ersrischungcn. Dann wurde der Gefangene dem General v. E m m i ch vorgesührt, dem er seinen Degen überreichte. In Anerkennung desien, daß General Leman die j ihm überlraaenen Pflichten als Kommandant der Festung Lüt-


