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Nr. 195

Erna n»»d 31 |c.

Roman von D. Feuffner.

23 (Sortierung).

Ja, es war zu spät.

Sie erinnerte sich der Worie, die sie ihm einst ge­schrieben:Vielleicht tritt doch einmal eine Wendung in nieinem Leben ein, ein Ereignis, weiches Klarheit schafft und mich befähigt mich aufzuschwingen zu einein glücklichen und beglückenden Wesen."

Zu spat kommt ost die Reue,

Ein Herz vor Erani zergeht,

Das kleine Wortverzeihe"

Kommt leider oft zu spät!

Ernas Vater ahnie was in der Brust seines Kindes vorging: schon längst halte die eigcnniiae Veranlagung Ernas ihm schweren Kummer verursacht, und so griff es ihm ans Herz, als er sie jetzt so bitter weinen sah. Würde nicht ihr^ ganzes Wesen fortan noch verschlossener werden?Selten nur und schwer öffne ich mein Herz, weist man mich dann zurück, dann bleibt es geschloffen siir inimer." Dieser Worte Ernas, die sie einmal gesprochen, musste er gedenken.

Traurig verließen alle vier den Bahnhof, um nach ihrer ziemlich entfernt gelegenen Wohnung zu­rückzukehren

Der Zug, der Roderich in die Ferne trug, kam am anderen Vormittag in Bremen an, um zwei Stunden später die Fahrt nach Bremerhafen fortzusetzen.

Hier lagen die drei stattlichen Transportdampser, welche bestimmt waren mit einem Teil des ostasialischcn Expeditionskorps zwischen drei und vier Uhr nachts in See zu gehen, zur Abfahrt bereit.

Um vier Uhr wurde das Schiff, auf dem sich Node- rich befand, los gemacht und von einem kleinen Schleppdampfer durch die Schleuse gezogen. Noch eine

Neu« Tageszeitung. Freitag, ven 21 . August 1914.

viertel Rechtswendung die Maschinen singen an zu stampsen, die Schnelligkeit wuchs init der Entscrnung und stolz schaff das majestätische Fahrzeug, mit den jungen Kriegern an Bord, durch die vom Winde leicht gekräuselte Flut.

Roderich stand auf dem Hinterdeck und grüffie mit der Mütze noch lange einen zurückbleibenden älteren Mann. Es war lein Vater, welcher hierher gekommen war, um von seinem Sohne Abschied zu nehmen.

Am dreizehnten September ging das Schiff im Hafen von Port-Said vor Anker.

Hier gab es die erste Post, denn sie hatte auf dem kiirzesten Wege über Genua das Schiff überholt.

Unter den vielen Briefen, welche Roderich emp­fing, war auch ein solcher von Ernas Hand. Mit zitternden Fingern erbrach er denselben und las:

Sehr geehrter Herr Tiehc!

Wie es gekomnien, daff wir uns bei Ihrer Durch­reise, trotz größter Aufmerksamkeit unsrerseits nicht trafen, ist mir ein Rätsel, dessen Lösung ich vergebens angestrebt habe.

Und so lege ich denn alles, was ich Ihnen in letzter Stunde sagen wollte, in diesem Briese nieder.

Ich war gekomnien, Ihre Verzeihung zu erbitten, damit mir, salls uns ein Scheiden für iinmer befchiedcn sein sollte, die beruhigende Gewißheit geblieben wäre, daff Sie das Ihnen einst zugefügte Unrecht verziehen haben. Warum gingen Sie fort über das Meer? Und doch glaube ich, daff andrerseits mein Herz ohne diese Trennung noch weiter geschwiegen hätte: erst als der Zug, der Sie in die Ferne entführte, immer weiter und weiter meinen Augen entschwand, da wurde ich mir klar über die Art meiner Gefühle für Sie, da empfand ich, daß etwas unaussprechlich Liebes von mir ging. Daff all daszu spät" zu meiner Er-

_ Seite l

kenntnis kam das eben ist mein Schicksal. Die Schluffworte eines Liedchens kommen wir in den Sinn, die ich Ihnen Vorsingen würde, wenn Sie bei mir

wären!

Wenn auch die Wellen mich tragen übers Meer Weit in ferne Lande hin

Heimwärts steht doch stets mein Sinn!

Wird in der Ferne das Herz mir auch schwer Eins mich tröstet: Kehr ich wieder Blüht ein Glück mir so hehr. ,

Run ade, leb wohl, behalt mich lieb.

Gedenke mein rc.

Ist es Ihr Empfinden und Sehnen, was in diesem Liedchen zum Ausdruck kommt? Dann würde ich glücklich sein, denn seit gestern hat sich alles, was nebelhaft und unklar in mir lebte zu einem Bilde ge­staltet, dem fortan jeder Gedanke meines Herzens gilt. O könnte ich noch einmal aus Ihrem Munde meinen Namen hören, welch seliges, beglückendes Empfinden wäre das jetzt für mich! Heut weih ich mit Bestimmt­heit, daff ich Ihnen das sein könnte, was sie seinerzeit in mir zu finden glaubten als Sie sich täuschten. Ja, Sie täuschten sich, weil ich selbst mich täuschte, über mein Herz, mein Empfinden, mit einem Worte über mein eigenes Ich! Zu spät erkannte ich, was Sie mir hätten werden können, zu spät! Und darum stehe ich jetzt klagend am Grabe meines Lebensglückes, das ich im Uebermenschentum, wenn auch mir selbst unbewußt, ver­scherzte! Kaum wage ich zu hoffen, daff auch mir noch einst ein neuer, schönerer Tag anbrcchen könnte zu dunkel, zu unergründlich liegt die geheimnisvolle Zukunft vor mir. Wird je eine Stunde des Wiedersehens schlagen, in der sich die Herzen beglückt und beglückend wieder­finden? Der fernen Zukunft bleibt es Vorbehalten uns diese Frage zu beantworten, in ihrem dunklen Schöffe liegt es verborgen, ob sich unser Leben zum Paradiese oder zur öden Wüste gestalten wird.

(Fortsetzung folgt).

Bürger Friedbergs!

Die gegen den Feind ziehenden Söhne unserer Stadt sollen die beruhigende Gewißheit haben, daff ihre Lieben daheim versorgt sind und nicht zu darben brauchen und auch den Verwundeten und Kranken die nötige Pflege zu Teil wird.

Der Einwohnerschaft unserer Stadt wird es daher eins freudige Ausgabe sein, den von den Vätern und Söhnen verlassenen Familien unserer Mitbürger mit allen Kräften beizustehen und auch die Mittel bereit zu stellen, die für die Pflege der Verwundeten und Kranken erforderlich sind.

In gleicher Weise gilt es aber auch für diejenigen, die durch den Krieg um Arbeit und Brot gekommen sind, zu sorgen und sie wenigstens vor Hunger und Not zu schützen.

Die Stadtverordneten-Versammlung hat deshalb beschloffen, ähnlich wie in anderen Städten eine

Zentralsammlung für Kriegsfürsorge

einzurichten.

Wir richten deshalb an die Einwohnerschaft die herzliche Bitte, die Durch­führung dieser Ausgabe durch reichliche Geld- und sonstige Spenden zu unterstützen.

Spenden werden von den Unterzeichneten Vereinen und im Stadthaus, Zimmer Nr. 4 entgegengenommen

Ter Bürgermeister: Stahl. AlieeFrancit-Vetein:

Nebel.

Verein vom Roten Kreuz:

G e o r g i. Friedberger Hilfsverein:

Kleberger.

Sorget für kommende Zeiten, Lagt nichts umkommen.

Mehr wie in früheren Jahren gelten jetzt diese Worte.

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__Friedberg^__

Sekrannlinachnng.

Mit Bezugnahme auf den Aufruf des Landsturms warne ich die unausgebildeten Landsttirinpflichtigen, voreilig ihre Stcllnng oder ihren Berns o.nfzn- gcbcn. Alle Arbeitgeber ersuche ich dringend, die­se» Leuten wegen Verbleibens iir ihren Stell­ungen oder beim Suchen netter Stellungen keine unnötigen Schwierigkeiten ;>« inachen, rveil diese Leute, die sich nach Ziffer 5c des Ausrufes zu­nächst nur zur Stammrolle zn tnclden hatten. vor­aussichtlich nicht oder nur zu eitic»» ganz geriugeu Teil zur Aushebung kommen werde»«; Ziffcrl deS Lands«,«rmaufrufcs besagt ja auch bereilo aus­drücklich, das; zunächst nur militärischusgrbUdeic Landsturmpflichtigc zur Einstellung kommen luer- ven; auch von diesen wird voraussichtlich zunächst nur ein geringer Teil zur Einstellung gelangen.

Frankfurt a. M., den 14. August 1914.

Ter konnnandicrcude General gez: Freiherr von Galt. General der Infanterie.

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Bekanntmachung.

Junge Leute, die das wehrpflichtige Alter das vollendete 17. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, haben bei etwaiger Meldung als Kriegsfreiwilliger zwar kein Recht auf Einstellung, können aber, da gefetz- j liche Bestimmungen nicht entgegenstehen, dennoch einge­stellt werden, wenn ihre unbedingte Tauglichkeit festge­stellt wird. Bei der Meldung ist beizubringen: die Einwilligung des gesetzlichen Vertreters der Eltern oder des Borinundes und ein obrigkeitliches | Führungszeugnis.

«tfKötrtrttfiiDfS Centtalkonliiiailiia XVIII. Armeekorps.

Bekanntmachung.

Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, d.itz die

Kinderkrippe

eingerichtet und eröffnet worden ist.

Frauen, die Lohnarbeit verrichten, können ihre Kinder im Alter bis zu 2 Jahren in dem südlichen Nebengebäude des Bürgerhospitals zur Pflege anmelden und abgeben. Friedberg, den 20. Aitgust 1914.-

Der Bürgermeister.

Stahl.

Aufruf.

Ein gewaltiger Krieg ist über Deutschland hereingebrochen. Millionen deutscher Männer bieten ihre Brust dem Feind«

dar.

Viel« von Ihnen werden nicht zurückkehren..

Unsere Pflicht ist «s, für die Hinterbliebenen der Tapferen

zu sorgen.

Des Staates Aufgabe ist, hier zu helfen, aber er kann es nicht allein, diese Hilfe muff ergänzt werden.

Deutsche Männer, Deutsche Frauen gebt!

Gebt schnell!

Auch die kleinste Gabe ist willkommen!

Das Büro beifndet sich Berlin NW. 40, Alsenstraffe 11. Das Präsidium:

von Loebell, Staatsminister und Minister des Innern, von Kessel, Eeneraloberst, Oberbefehlshaber der Marken.

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von vorzüglicher Abstammung.

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Diejenigen Einwohner, die Leute aus Metz bei sich ausgenommen haben, fordere ich hierdurch auf, den Letzteren zu eröffnen, daß sie sich außerhalb ihrer Wohnung nur der deutschen Sprache bedienen dürfen.

Friedberg, 21. Aug. 1914. Der Bürgermeister: _ Stahl. __

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