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es nach den Kriegsgesetzen strengstens verboten ist, daß
-ren Gegnern vorbereiteten Plänen nicht mehr dienen, sondern dem deutschen Heere ein Stützpunkt sein.
eine Zivilperson sich an irgend einem feindseligen Akt gegen deutsche Soldaten beteiligt, die das Land besetzen. Jeder Angriff auf deutsche Truppen von anderen
als Bewaffneten in Uniform, setzt nicht nur den Uebcl-
täter selbst, sondern auch die übrigen Einwohner in schwere Gefahr, insbesondere die Bewohner von Lüttich u. außerdem die durch den Kommandanten der deutschen Truppen auf der Citadelle festgohnltencn Geiseln.
- -Die Namen der Geiseln sind:
1. Nutten, Bischof von Lüttich
2. Kleycr, Bürgermeister
3. Vrägoiro, Deputierter
4. Flachet, Senator
5. Dan Zuylen, Senator
6. Peltzcr, Ed. Senator
7. Eolleaux, Senator
8. De Ponthidre, Abgeordneter
9. Dan Hoegaerdcn, Abgeordneter
10. Falloise, Schöffe
Dem Bischof« Rutten und dem Bürge, meist, r Ssttzer wurde genehmigt, vorerst die Zitadelle zu verlassen: dieselben bleiben aber als Geiseln jederzeit dem deutschen Konimandanten zur Vcrsügung.
Wir beschwören alle diejenigen, welche Wachdienst versehen, im Interesse aller Bewohner und der Geiseln der deutschen Armee darauf zu achten, daß keinerlei Angriffe gegen deutsche Soldaten Vorkommen. Wir machen bekannt, daß das General-Kommando der deutschen Truppen besohlen hat, daß Privatpersonen, die Waffen und Munition im Besitze haben, diese sofort der Behörde im Prodinzialhauje abzuliefern haben, wenn sic nicht Gefahr laufen wollen, sofort erschossen zu werden.
Der Lüttichs.
Berlin, 18. Aug. Das Ereignis von Lüttich kann entschleiert werden. Uns waren Nachrichten zugegangcn, daß vor Ausbruch des Krieges französische Offiziere und vielleicht auch einige Mannschaften nach Lüttich entsandt worden waren, um die belgisrl)«n Truppen zu unterweisen. Vor Ausbruch der Feindseligkeiten war dagegen nichts einzuwenden. Mit Beginn des Krieges wurde es Neutrnlitätsbruch "durch Frankreich und Belgien. Wir mußten schnell handeln. Nicht mobilisierte Regimenter wurden an die Grenze geworfen u. auf Lüttich in Marsch gesetzt. Sechs schwache Friedensbri- gadcn mit etwas Kavallerie und Artillerie haben Lüttich eingenommen. Danach wurden sie dort mobilisiert und erhielten als erste Verstärkung ihre eigenen Ergänznnasmann- srhaften. Zwei weitere Regimenter konnten nachgeschoben werden, die ihre Mobilisierung soeben beendet hatten. Tie Gegner wähnten bei Lüttich 120,000 Deutsche, die ihren Dcr- lnarsch wegen der Schwierigkeiten der Verpflegung nicht an- trcten könnten. Sie haben sich geirrt. Tie Pause hatte einen anderen Grund. Jetzt erst begannen die Deutschen ihren Aufmarsch. Die Gegner haben sich überzeugen müssen daß die deutssivn Armeen gut verpflegt und ausgerüstet den Dorinarsch antretcn. Seine Majestät hat sein Wort gehalten an die Einnahme der Forts von Lüttich nicht einen Tropfen deutsche» Blutes mehr zu fetzen. Tie Feinde kann- ten unsere schweren Angriffsniittel nicht. Daher glaubten sie sich in den Forts sicher. Doch schon die schwächsten Gc- schützc nnstrer schweren Artillerie veranlaßten jedes durch sie beschossene Fort nach kurzer Beschießung zur Ueberg.ibe. Die noch erhaltenen Teile der Besatzung rettelen dadurch ihr Leben. Die Forts, gegen die unsere schweren Geschähe feuerten, wurden in allerkürzester Zeit in Trümmerhaufen verwandelt, unter denen die Besatzung begraben wurde. Jetzt werden die Forts anfgerämut und wieder zur P.'rtci- dignng hergerichiet. Tie Festung Lüttich soll de-' "'»i unse-
Cin kühner Patroniücnritt.
Dem „Tag" wird geschrieben:
Ein junger Kavallerieleutnant an unserer Weftgrenze hatte, wie berichtet wird, den Auftrag erhalten, die feindlichen Kräfte sestzustellen. Am 5. August rückte der junge Leutnant mit seiner Patrouille, bestehend aus acht Mann, beim Morgengrauen über die deutsche Grenze »ach Frankreich ein. Die Leute waren in gehobener, freudiger Stimmung, endlich den ersten Franzose» sehen zu können. Fünf Kilometer von der Erenz« traf der Leutnant auf eine starte sranzostsche Lssizierspatrouille und beschloß, sie mit der Lanze anzugreisen. Mit lautem Hurra attackierte die Ileine Schar den Feind, warf ihn zurück, verwundete und nahm den Führer, einen Oberleutnant, und einen Mann gefangen. Aus deutscher Seite waren keine Verluste, Im Triumph brachte ein Ilnterofsizicr den ftanzöstschen Offizier nach Saarburg, wo die Bevölkerung in begeisterte Hochrufe ausbrach. Der Leutnant ritt mit den übrigen 6 Ulanen weiter und geriet in das Feuer einer abgssessene» feindlichen Esiadron, wobei ihm und seinen sechs Leuten die Pferde unter dem Leibe weggeschossen wurden. Der Leutnant ließ das Feuer zwar erwidern, konnte aber gegen die Uebermacht nichts aus- richten und befahl den Leuten, sich in den nächsten Wald zurückzuziehen, indem er selbst ihren Rückzug mit dem Karabiner deckte. Die Ulanen aber antworteten: „Wir verlassen unseren Leutnant nicht, sondern wollen mit ihm sterben." Erst aus wiederholten Befehl zogen sie sich zurück und gelangten zu Fuß wieder auf deutschen Boden und zur Eskadron. Ebenso kam der junge Leutnant nach großen Anstrengungen zu Fuß auf deutschen Boden und konnte iwch rechtzeitig seiner Trupp« den anrückenden Feind melden.
ssin rnißichkr Torpkdoiiim gllunktn.
Stockholm, 18. Aug. Ter von Lnppvik in Finulmd hier eingetroffene schwedische Dampfer „Marie" bcrichttt, daß in der Nähe von Hangoe ein rusiischer Torpedojäger gesunken sei. 00 Mann sind ertrunken. — Bei Lappvik befinden sich große Proviantlager der Russen.
?it Wrrtichkr roerfm die zehnfach überlegenen Liosaken zurück.
Wien, 18. August. Das Wiener 8 Uhr-Abendblatt meldet aus Lemberg, daß Oberleutnant Weiß vom 30. Lember- ger Hausregiment mit seinem Zuge von einer zehnfach überlegenen Kosak'enabteilung angegriffen und beschaffen wurde, wobei ihn zwei feindliche Kugeln streiften. Der Oberleutnant kommandierte Schnellfeuer und brachte dem Feind derartige Verluste bei, daß dieser die Flucht ergriff.
<*ttt Seegefecht in der Adria.
Rom, 17. August. Am 18. August traseu sich Ausklärungsschisse der französisch-englischen Flotte mit den Oesterreichern zwischen Punta Gastro und Antivari. Der Kamps, bei dem angeblich das Linienschiff ,Zrinyi" gesunken sein soll, dauerte nur eine Viertelstunde.
m» der Schlacht vei Schabatz.
Budapest, 17. Aug. Rach Mttteilung von heute hier eingetroffenen Kranken und Soldaten, welche an der Schlacht bei S ch a b a tz tetlgenommen haben, kämpften die serbischen Soldaten mit denkbar größter Erbitterung und wurden von den Beoöllcrungskreisen, Frauen und Kindern, welche gleichfalls bewaffnet waren, unterstützt. Ein großer Teil der Bevölkerung war bereits früher nach Belgrad geflüchtet.
Tod des Kommandeurs des Deutschmeister-Regiments.
Wien, 18. August. In einem der letzten Kämpfe gegen Rußland ist der Kommandeur des Deutschmeister-Regiments, Oberst v. Holzhausen aus dem Hinterhalt erschaffen worden.
Zaubsturm und Konvkd in Okkkrrtlch-^SA!?.
Budapest, 18. August. An der Spitze des A-rt-Lkttts erscheint heut- ei» allerhöchster Befehl, i» dem angeordn.U wird, daß die ungarische Honoedttuppe und der Lasdsturvr mährend der ganzen Dauer der Mobilisierung im Bedarf-srll auch außerhalb der Landcsgrenzen verwendrt werden könne.
Sin ftlinröSlchcr flirgrr nnf lihmirm«^ Gebiet heruniertzkilhutten.
Karlsruhe, 18. August. I» einer Sitzung des Brdr- schen Roten Kreuzes wurde mitgeteilt, daß ein französischer Flieger, der den Jsteiner Klotz überflog und über
schweizerisches Gebiet nach Frankreich zurückkehren wollte, von dem schweizerischen Grenzschutz heruntergeschoffen wurde. Man darf diese Tatsache als Beweis dafür betrachten, daß die Schweizer es mit der Wahrung ihrer Neutralität ernst nehmen.
Spaniens Neutralität.
Der Königliche Spanische Konsul in Frankfurt a. M-, Francisco de Asis Caballero, schreibt uns:
„Der Spanische Botschafter in Berlin, Herr Dolo de Bcrnalie, hat mich beauftragt auf das entschiedenste alle Nachrichten zu dementieren, welche ein Teil der nuild iö- ische» Presse über die Haltung Spaniens veröffentlichte, und zu bestätigen, daß Spanien mit keiner Nation : ici Vertrag hat, welcher es verpflichtet, in irgend welcher Weise in diesen Krieg einzugreifen.
Infolgedessen hat Spanien schon offiziell erklärt, daß cs fest entschlossen ist, die strengste Neutralität zu wal- cn."
Kämpfe in Togo.
In Togo ist bei einem Zusammenstoß mit überlegenen feindlichen Kräften Hauptmann Psählcr von der Pvli- zeitruppe gefallen und außerdem sind drei Deutsche, Seng- müllcr, Kholsdorf und Ebert leicht verwundet worden.
Englands kurzsichtige Kolonialpotitik.
Berlin, 18. Aug. Aus London wird gemeldet, daß am vergangenen Donnerstag der englische Regierungsda-upser „Gwcndolin" den deutschen Negierungsdampfer „von Wiß- mann" auf dem Njassasee weggenommen habe und die Maschinen sowie Geschütze zerstört habe; der Kapitän, der Ingenieur und die übrige Besatzung seien gefangen genommen worden. Falls die Nachricht Ztr'risst, so wäre dies ein erneuter Beweis für die verwcrffiche Kurzsichtigkeit der englischen Kriegführung und Politik, die sich nicht scheut, selbst in Jnncrasrika, wo es so wenig Weiße gibt, den Eing.-borc- nen den Kanrpf zwischen den europäischen Nationen vor Augen zu führen, nur um billige Lorbeeren zu ernten.
Englands Klnllchnld am Wtkmgk.
Unter dieser Ueberschrist veröffentlicht der 88jährige Führer der Monisten. Professor Ernst Hacckel, Im „Jenaer Bolks- bkatt" einen Artikel, in welchem es heißt:
„Am 4. August 1914, der bis in alle Ewigkeit einer der dunkessten Tage Englands sein wttd, schwebte das Schicksal der ganze» Wett «nff des Messers Schneide. Es tstz 1» drr Hand Englands, feiner Regierung und feines Parlamentes, die welthistorische Entscheidung entweder zugunsten des Friedens, des Rechts und des Guten fallen zu kaffen oder zugunsten des Krieges, des Verbrechens und des Bösen. Am 4. August — an diesem großen welthistorischen Gedenktage — hat England sich für das letztere enffchieden und damit die Blutschuld des größten Verbrechens auf sich geladen, das jemals die Menschheit erlebt hat, und deffen entsetzliche Folgen in ihrem ganzen Umfange gar nicht abzusehen sind. Der Fluch von Millionen un. glücklicher Menschen fällt aus da» Haupt des britischen Insel- reiches, deffen schranlenloser nationaler Egoismus keine andere» Ziele kennt, als die Ausdehnung der britischen Herrschaft über
Erna und INc.
Roman von D. Feußuer.
32 (Forlsetzuugj.
Als Erna den Abschicdsbricf Rodcrichs gelesen hatte, machte sie sich bittere Vorwürfe, denn durch ihre schuld ging der junge Mann in ein fremdes ungesundes und von der Kriegssnrie hcungesuchtes Land. Gern hätte sie ihn noch ein lctztesmal gesehen und gesprochen, doch hatte er nichts Genaues über sein: Abreise mitge- ieilt.
Kurz darauf kam der zweite Brief mit der Bitte, welche wir schon kennen.
Erna freute sich ausrichtig auf dieses Wiedersehen; :e nahm sich vor ihn z» fragen, ob er ihr noch zürne md wollte seine Verzeihung erbitten.
Die Stunden bis zu dem bestimmten Abende chienen Erna im Schneaengang dahin zu schleichen. Zon Tag zu Tag winde sie unruhiger, cs regte sich -tmas in ihrem Herze», dem sie aber noch keinen Namen zu geben wußte. War es Mitleid? Oder welch anderes Eesühl war tr-, das in ihrer Brust Wurzeln schlug? Bei einer Begegnung mit Rodcrich hoffte sic Klarheit über dieses rälselhaste Etwas zu ge Minnen. An ein „zu spät"' dachte sie ni tjt.
Am Abend des genannten Tages schloß sich Erna niit den Eltern und Hedwig deur immer mächtiger an- schwcllenden Zug- derer an, die znm St.-Bahnhose pilgerten.
Aber schon vor der Halle mußten sie Halt inachen, denn zu gewaltig war die Menschenmenge und an ein Vorwärtskommeki nicht zu denken. So blieb ihnen denn nichts anderes übrig, als auf der Straße stehen zu bleiben
Der Zug fuhr in die Halle ein, die Soldaten stiegen aus, aber es war unmöglich den lebendigen Ring zu durchbrechen, um auf die Straße zu gelangen.
Und doch war es einem der wackeren Jungen gelungen sich hindurchzuwinden.
Schon glaubte Erna Roderich in ihm zu erblicken, doch sah sie beim Näherkommen ihren Irrtum bald ein. Auf die höfliche Frage des Kausmanns, ob ein Rotzarzt Tietze im Zuge sei, erwiderte der junge Soldat: „Eewitz, er ist bei uns, aber es wird Ihnen unmöglich sein, zu ihm zu gelangen; indes will ich Ihnen den guten Rat geben, sich sofort nach dem Lehrter Bahnhof zu verfügen, dorthin werden wir sofort Nachkommen und Sie können ihn alsdann bestimmt sprechen, denn der Zug sährt erst in zwei Stunden weiter. Herr Lange dankte, und winkte eine Droschke heran, um sich mit den meinen nach dem Lehrter Bahnhof fahren zu laßen.
Eine Stunde ängstlichen Harrens verstrich und noch immer waren die Wagen mit den Soldaten nicht angekommen.
„Es sind nur noch zehn Minuten bis zwölf," sagte der Kausmann zu den Seinen, „mir scheint hier ein Jrrtuin vorzuliegen, denn unmöglich kann das Ilebcrfuhren vom St.- zum Lehrter Bahnhos solange dauern — doch eben kommt eine Maschine mit vier Wagen," unterbrach er sich, „das dürften di: Erwarteten sein."
llnd richtig — sie waren es! Aus jedem Fenster sah ein halbes Dutzend Soldaten, bemüht, die auj dem St.-Bahnhof nicht Angetroffenen hier vielleicht auszn-
sinden.
Ein nochmaliges Aussteigen war wegen Mangel an Zeit verboten, io liefen den die getäuschten Anae-
hörigen der Freiwilligen von Wagen zu Wagen, um den Ihrigen wenigstens ein letztesmal die Hand zu drücken.
Ernas Erregung hatte ihren Höhepunkt erreicht, der Moment des Wiedersehens mußte ja sofort ein- treten; bald würde die Türe aufgehen und der Ersehnte aussteigen, oder sich in einer der Fensteröffnungen zeigen.
Doch wohin sie blickte — lauter unbekannte Gesichter, der eine — Roderich — zeigte sich nicht! War er überhaupt im Zuge? Kaum vermochte Erna vor Erregung zu atmen, ihr Herz schlug stürmischer als je und ihr Angesicht wurde noch um eine Nuance bleicher als sonst.
„Bitte zurücktreten," ries ein Beamter jetzt, „der Zug fährt sofott ab." —
Ein schriller Pfiff — langsam setzte sich die Wagenreihe in Bewegung und rollte, begleitet von dem Hurrarufen der Zurückbleibenden, langsam dem Ausgang der Halle zu.
Wie vernichtet startte Erna dem entschwindenden Zuge nach. In diesem Augenblicke erkannte sie klar und deutlich, daß das, was bis jetzt dunkel und ihr selbst unbewußt in ihrer Brust geschlummert hatte' die Liebe war, die Liebe zu dem leidenden Manne, mit dem nun all ihr Lcbensglück dahinging! Wie war es nur möglich gewesen, daß sie, sich selbst ein Rätsel, sür die Gefühle des teuren Mannes kein Verständnis gehabt, daß sie ihn abgewiesen hatte!
Btttte Tränen, schwere Selbstanklagen konnten an der Tatsache ihres gescheiterten Lebensglückes nun nichts mehr ändern und aufs schmerzlichste empsand sie die furchtbare Bedeutung der verhängnisvollen Worte:
„Zu spät!"
fFvttsetzvna i-lgt).


